»erlag Langgaff« 2t
„Tagblati-Haus".
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Nr. 241.
Mittwoch, 24. Mai 1811.
TN. Jahr-;ang-
Morgen - Kusgabe.
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Aüv ben Woncrl Juni
auf das
„Wiesbadener Tagblatt^
J» «Iicnntcrfti, findet sich Gelegenheit
trrr Urrtag „Tagblntt-Kans" Larr ggass« 81,
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PoiMsche Ubrrstcht.
Unsere Flug schiffe.
Eine merkwürdige Enthüllung bringt die „Tägl. Rundschau" aus Anlaß der Katastrophe in Paris. Das in militärischen Dingen häufig gut. unterrichtete Blatt erinnert an die ungünstigen Mitteilungen, vre im vorigen Jahre über die Teilnahme unserer Lutt- schiffe an den westpreußischen Kaisermanövern kamen und nach denen, wie die gesamte deutsche Presse geschrieben habe, eine falsche Meldung aus her Vogelschau erfolgt sei; man habe eine Maske für ern- wirkliche Stellung gehalten, und aus Grund dieser irrigen Annahme habe der kommandierende Genera! falsch disponiert.. Teil Franzosen sei eine Bergeslast vom Hexten gefallen, als sie hörten: es sei nichts Besonderes erzielt wordeir. Wie nunmehr die „Tägl. Rundschau" verrateil kann, ist kein Wort von den damaligen Berichten wahr. Anders ausgedrückt: der
Generalstabsoffizrer, der die Berichterstatter auf dem Manöverfelde zu begleiten hat, hatte „diesen falschen Tip" ausgegeben! Das Warum ist dem sich naiv stellenden Mitarbeiter des genannten Blattes nicht bekannt. Forschen wir also auch weiter nicht nach, zumal dabei ia nichts erforscht werden kann, was wir nicht ohnehin sogleich wissen, nämlich daß die Schalkhaftigkeit dieses falschen Tips ihre trefflickien Gründe gehabt haoen wird und ihren Nutzen auch sichtbar gestiftet hat Denn es ist gelegentlich ganz gut, Leistungen von mißtrauischen Fremden unterschätzt zu sehen: genug. m Wirtlichkeit wurden bei den vorjährigen Kastermanovern ausgezeichnete Erfolgs erzielt; es kamen n« r korrekte Meldungen, die Luftschiffe, die ihre Befehle drahtlos empfingen und sie drahtlos oeaintoüue- len, gingen über beit Wolken über den b-eurd hinweg, tauchten in seinem Rücken auf, beobachteten, meldeten, verschwanden und erbrachten auf. glanzende Wei.e ihren Befähigungsnachweis: Die Erinnerung chr örese Vorgänge und die Enthüllung einer kleinen Täuschung kommen in einem Zeitpunkte, wo sie nt giatmet..)
Feuilleton.
(Na-lidruü verboten.)
Der grotze Sprung.^
Eine Turfgeschichte von Fritz Theitzen.
Ws Leutnant voll Uechtritz das Haus verließ, m dem Gold und Scheine der Laune der Göttin Zufall Prersge- güben wurden, war es bereits heller Morgen j . ' '
Doch die Straßen lagen noch still und der chmenKirrcndc Schritt des Offiziers hallte weithin. ^ .
Der Leutnant achtete dessen nicht. Planl^ grng er die stillsten Straßen entlang und fand sich plotz"ch ^ Wergarten, wo er sich müde auf einer Bank niederließ. _ Angen schweiften wirr und unstät über da» l«nge gowirr, mit dem der FrühlingBaum und Strauch behängen. Teilnahmslos glitten fei« Blicke über dre bunte Blütenpracht in Strauch und Rasen, und ^ "
Frühlingskonzert der Vögel «ang fernem Ohre nicht.
Ein müdes verächtliches Lächeln schelte um den ® beS mnaen Offiziers. Die Verachtung galt ihm
sich den Klauen des Spielteufels zu entwinden, a^cr rmmc.
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bunten Rock ausziehen und versuchen, sich erne neue Epstenz,
ELNLKK7"p-a»S auf. Rein, nein! schrie es in ihm auf Das konnte er nicht! Nur die Umform,
das mit seiner Trauer beschäftigt ist, weniger bemerkt werden, als es unter anderen Umständen der Fall gewesen wäre. Pikatit jedenfalls ist die Enthüllung.
Der Kegriff der Beleidig,rrrg.
„Ten Polizeipräsidenten v. Jagow soll der Deibel holeti", diese Worte hat der Schlosser Paul Günther in Berlin bei der Beerdigung Panl Singers ausgesprochen, und sie sind von einen- Schutzmann gehört uiid durch dessen Anzeige zum Gegenstand einer Anklage gemacht worden. Die dritte Strafkammer des Landgerichts I hat den Schlosser Günther jetzt, ime mitgeteilt, wege.l Beleidigung des Polizeipräsidenten ztl 'drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ter „Vorwärts" meldet, das Urteil müsse Befremde'.! erregen: detni „wemi Günther überhaupt die fragliche Äuße- ruiig getan hat, so kann es sich doch höchstens um einen inehr scherzhaften Ausspruch, ittcht aber um eine ernsthafte Beleidigung handeln". Ttc Äußerung ist bewiesen wordeir: der BedinguNgsnebensatz „wenn überhaupt usw." ist also gegenstandslos. Und daß der Ausspruch „scherzhaft" gemeint gewesen sein kannte, glatibt der „Vorwärts" wohl selbst nicht ttn Ernste. Trotzdem erscheint die Verurteilung wegen Beleidigung auch" uns rechtlich bedenklich. Die angeführten krcstti- aen Worte behaupten nichts über Herrn v. Jagow. drücken auch keine Geringschätzung oder Mißachtung seiner Person aus, sondern lediglich eine starke Ab- ireigung des Sprechenden gegen ihn, man kann sogar sagen-'Haß. Aber hassen bedeutet nicht beleidigen. Haß ' und Wut schließt keine Geringschätzung ein. Geaen Antipathie und Haß schützt das Strafgesetzbuch niemand, ztir Liebe oder Sympathie will es niemand zwingen. Ter Begriff der Beleidigung ist daher unseres Erachtens vom Berliner Landgericht viel zu weitgehend ausgelegt worden. Eine Merurteilung wegen groben Unfugs wäre besser verstanden worden oder sie'würde wein-istens der üblichen Judikatur besser entsprochen haben.
Grrr ZetttNrrmsffaKeRVerwrrr.
Der erste Zentrumsfrauenverem ist vor einigen Lagen in Düsseldorf gegründet und parteiamtlich anerkannt wordeir. In der Zentrumspartei sind die Ansichten darüber, ob die Frauen in politische Organisationen e'.ntreten sollen, noch sehr geteilt. Als Antreiberin eines - lauen Mannes wird die Frau von allen Zentrumsleuten geschätzt, aber dabei möchten manche es auch bewenden lassen. Vollends eine politische Sonderorganisation der Frauen erscheint vielen sehr bedenklich, sie würden deir durch das Reichsvereinsgesetz zugelasseueu Eiirtritt der Frauen in die bestehenden Zentrumswahlvereine lieber sehen oder als das kleinere Übel betrachten. Tie Gründung irnd chart-w- offizielle Anerkennung des Zentrumsfraueiivereins erscheint hieritach als ein Erfolg, den die Frauen dem Zentrum abgerungen haben. Tie Politisierung der
das Gefühl der Zugehörigkeit zu der besonderen Kaste gab ihm die nötige Spannkraft, die Lust pm Leben. Zog er jene -aus, floh er in die große Allgemeinheit, dann Aalt ihm das ganze Sein nichts mehr. Den großen Sprung wagte er nicht.
Die Sonne stieg langsam auf. Ihre ersten Strahlen huschten durch die grünen Baumkronen und spielten mit den Murmelnden Wellen des Baches, der zwischen den Seen dahinfloß. Es war, als ob ihr Licht einen Schein geworfen hätte in die Wirrnisse der Gedanken des Offiziers. Ein Gedanke war in von Uechtritz aufgeblitzt. Ein Ausweg, die Möglichkeit einer Rettung.
Seine Hand griff in die Brusttafche und nahm einige Papiere heraus. Der Leutnant durchblätterte sie hastig und überflog dann das Verzeichnis der Nennungen für den nächsten Renntag in Karlshorst. Richtig, da stand es. „Matador" war für das große Jagdrennen gemeldet. Der Leutnant strich sich mit der Hand über die Stirne und starrte vor sich hin.
Ob der braune Wallach, ehemals sein Eigentum, Chancen hatte? Wenn nicht „Harras" und „Wicking" im Rennen sein würden? Aber schließlich war es gerade so out. Nur bei überlegenen Pferden konnte er eine Sieg- quotc herausholen, wie er sie benötigte. Und siegen mußte er. Die' 4000 Meter stand „Matador" gut durch, und springen konnte er tadellos, wenn er richtig angcfatzt wurde.
Des Leutnants Gestalt ■ straffte sich. In seine Augen trat ein Ausdruck harter Entschlossenheit, und der müde verächtliche Zug um den Mund war wie weggeblaseu.
Ein Auto rollte über die Asphaltstraße. Der Offizier rief es an „Kurfürstendamm, Ecke Fafanenstratze", ries er dem Chauffeur zu und stieg ein. In schneller Fahrt erreichte das Auto das Ziel.
"Oberleutnant- Krahmer lag natürlich noch zu Beck; aber von Uechtritz brauchte nicht lange zu warten. Der
Frau hat auch im Zentrum begonnen. Daß die versammlungsrechtliche Gleichberechtigung der p-rau eine l i b e r a le Errungenschaft ist, die sich nunmehr auch Frauen der Zentrumspartei zunutze machen, das mag dieseii zu denken geben. Von unserem Standpunkt aus müssen wir sagen: die Beteiligung von grauen am politischen Leben ist dringend zu wünschen, mögen ü:e liberalen Frauen nicht htitter den Gegnerinnen zuruck- bleiben.
Gm Redakteur rm Osfärrgurs.
Über die Behandlung des sozialdemokratischen Re- dnkteucs Mehlich aus Dortmund in der Strafanstalt zu Lingen führt die sozialdemokratische Presse Beschwerde. Es wird dem Übeltäter weder 'sclbst- beschäftiMNg noch Selbstbeköstigung gelvährt, er rmch -Sprengstoffhülsen anfertigen. Bezug bürgerlicher Zeitungen ist ihm nicht gestattet worden. Lozrai- demc-kratische Blätter fragen nun: „Was _ sagt dw.
büraerliche Presse dazu? Will sie dazu schweigen? Wir erfahren über den Sachverhalt folgendes: ^wetz Redakteur Mehlich ist der Beleidigung eines katholischen Vikars durch einen von ihm aufgenommenen, nicht von ihm verfaßten Artikel für schuldig befunden und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt ^worden. Die Beleidigung lag auf sittlichem Gebiete. Sie^ war schwer und grundlos: immerhin erscheint das Strafmaß hoch. Ter 8 18 der Verordnung des Bundesrats vom 28. Oktober 1897 über die Strafvollstreckung bestimmt: Bei der Zuweisung von Arbeit an die Ge
fangenen wird auf den Gesundheitszustand, die Fähigkeiten lind das künftige Fortkommen, bei Gefängnis- strafen auch ans den Bildungsgrad unb die Berufs- Verhältnisse Rücksicht genommen. Diese Bestimmung wird bei dem inhaftierten Redakteur Mehlich nicht angewandt, sondern verletzt. Wir hören ferner, daß der GesundheitszustaM des Redakteurs durchaus kei.r guter ist. In Dortmund erregt es Verstimmung, daß das sozialdemokratische Blatt auch jetzt noch in juristisch nicht faßbaren Andeutungen den beleidigten Vikar mizuareifeii und Zweifel an seiner Unschuld zu wecken fortfährt, dafür famt freilich der eingesperrte Redakteur nicht verantwortlich gemacht werden.
DeEches Deich»
* Die Fahrt des deutschen Kronprinzenpcmres nach England. Das deutsche -Kronprinzenpaar fährt zur Ve- teiligung an der Krönungsfeier mit dem Turbinenkreuzer „Von der Tailn" von Vlisfingen nach England. Der Turbinenkreuzer vertritt an der Wottenschau die deutsche Marine.
X Keine Herbsttagung des Landtages. Durch die Presse geht die Meldung, daß das Abgeordnetsithaus zu einer Herbsttagung berufen werden sollte, um ihm die inzwischen erledigten Wasser- und Fisch-reigesetzcntwürse zugehm zu lassen. AngoMch sollte das Haus im November zufanlinen-
Kainerad hatte sich schliell in die nötigsten Kleidungsstücke geworfen und trat bereits in wenigen Minuten ins Zimmer.
„Na, Uechtritz, Sie denken wohl auch „Morgenstunde hat ' Gold im Munde". Zigarre gefällig und ein Kognak?"
„Pardon, lieber Krahmer. wenn ich -Sie so überfalle."
',',Aber macht doch gar nichts. — Was haben Sie demr auf dem Herzen? — Erst mal -einen genehmigen! Prost!"
„Prost! — Sie lassen Sonntag „Matador" laufen; retten Sie ihn selbst?"
„Ja", antwortete der Oberleutnant -etwas verwundert. „Aber ich werde mir vorausficht-lich die Schwän-ze der anderen Pferde ansehen."
„Wollen Sie mir den Ritt überlassen?"
Der Oberleutnant blickte seinen Gast eincti Moment staunend an. „Sie haben wirklich die Absicht? Aber mit größtem Vergnügen. Wenn -einer aus dem Gaul was - rausholt, dann sind- Sie es."
„Also denn abgemacht", sagte von Uechtritz.
„Abgewacht!" antwortete Krahmer und schlug kräftig in die dargereichte Hand.
Ein wunderbarer Frühlingstag. Bllauer Himmel und goldener Sonnenschein. Das gewohnte, -elegante Publikum hatte sich eingesunden, um den Rennen in der Wuhlheide mit Spannung zu folgen und den angekündigten großen sportlichen Ereignissen beizuwohnen.
Die ersten Rennen, in denen Jockeis ihre Reitkünste zeigten, waren vor!bei und auf dem Rasen vor der Wage wurden bereits die Anwärter auf den 12 0V0-Mark-Preis des- großen Jagdrennens herumgeführt. .
Favorit war der Fuchswallach „Harras", dessen rotes seidenes Fell in der Sonne glänzte und der feurig den Rasen klopfte. „Matador" fand- wenig Anhänger, wenn auch die einigermaßen sensationelle Tatsache, daß von Uechtritz ihn ritt, manchen Wetter Kr ihn erwärmte,-
