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Nr. 17«.
Gegründet 1852.
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Morrtag, 1«. April 1911.
59. Jahrgang.
Kbend-Kusgabe.
1. ZZlatt.
Die sranzösifche SpionWeaMre.
In Frankreich, dem Lande des chronischen «Lpiouage- fiebers, hat man jetzt endlich drei Spione zur Ltrecle gebracht, den Abenteurer Maimon, dessen eigenartiges Charakterbild noch in der Geschichte schwankt, den erst 22jährigen Vrzekonsul Rouet aus denr Auswärtigen Amt und als dritten im Bunde, der allerdings nur Staffage bildet, den Schreiber Pallier. Daß Spionage dauernd und überall betrieben wird, das weiß alle Welt, und das erfährt man ja von Zeit zu Zeit aus den Prozessen, die sich wie vor dem deutschen Reichsgericht so auch vor den Gerichtshöfen in den anderen Ländern abspielen. Gerade letzt ist die Verhaftung der Spione erfolgt, die im Dezember des wahres 1600 den Einbruch in das Geschäftszimmer des.Grenadier- regiments Nr. 10 in Schweidnitz verübten, wober Schriftstücke gestohlen wurden, die sich auf die deutiche Mobilmachung bezogen. Aber der frühere französische Kriegsmmister Brun hat einmal aus Anlaß emes Spionagefalles in Frankreich zur Beruhigung seiner Landsleute ganz treffend bemerkt: „Die Ereignisse
sind ärgerlich, aber sie kommen überall vor, in, Deutschland und anderswo: nur schweigt man dort über derartige Tinge oder übertreibt sie wenigstens nicht. _ Ter Fall des Trifoliums Rouet-Maimon-Pallier weist allerdings einige Eigenarten auf. Zunächst ist die Spionage dort verübt worden, wo man sie eigentlich am allerwenigsten hätte erwarten sollen, nämlich im Auswärtigen Amt selbst. Zweitens wird man der Verwunderung darüber Ausbruch geben dürfen, datz ein so blutjunger Beamter wie der 22jährige Rouet überhaupt in den Besitz solcher hochwichtiger diplomatischen Geheimnisse gelangen konnte, wie sie hier fremden Mächten verkauft worden sind. Und drittens liegt die recht peinliche Besonderheit des Falles für dre Franzosen darin, daß diese Spionage wie n»n einmal mcht weEleuanen ist, nrcht im Interesse Deutschlands sondern nach allem, was darüber bekannt geworden ist, offenbar für das verbündete Rußland und für das befreundete England betrieben wurde. ^ s bitter, Herr Ritter! werden die Franzosen deshalb Mit dem geflügelten Worte sagen oder wenigstens denken, und das ist auch der Grund, weshalb vom Ouar d Orsay aus plötzlich a b g e w i e g e I t wird, und weshalb die inspirierte französische Presse mit einem Malerst o p p t und die Sensation gar nicht mehr als eme Sensation gelten lassen will. Während die Pariser Blatter zuerst für die Überschriften ihrer Alarmnachrichten die klang vollen Worte „Spionage" und "Ho^errat gewählt hatten, bringen sie jetzt die kurzen und zuruAEenden Mitteilungen über dieselbe Sache unter der Lprtzmarke Die Affäre Rouet" oder „Ter Fall Mannon , und sie versichern, daß es sich bei dem Diebstahl der ^mumente überhaupt um keine wichtigen Angelegenheiten der Landesverteidigung gehandelt habe.
Die Absicht ist allzu durchsichtig. So lange man die Hoffnung hegte, datz „die andere Macht am Ende gar jenseits der,Vogesen gefunden werden könne hatte man ein Interesse an der Aufbauschung der ^ffa re * daß in demselben Augenblick, lvo der neue Minister des Auswärtigen Cruppi ini Senat feierlich den unveränderten Bestand der „von allen Wandlungen unberührten französisch-russische n A l l i a n z und der „Entente cordiale Mit England, die eine der Grundlagen unserer auswärtigen Politik bildet", betont hat, eine gerade im Interesse dieser beiden Mächte betriebene Spionage festgestellt wird, das ist freilich sehr peinlich, und da ist es begreiflich, daß man diese Kehrseite der Freundschaftsmedaille nach Möglichkeit zu vertuschen sucht.
Aber eben nur nach Möglichkeit, denn es ist ein Versuch init untauglichen Mitteln. War man doch schon damals, als die Londoner „Evening Times" den freilich nur in den Hauptpunkten zutreffenden Entwurf des deutsch-russischen Vertrages veröffentlichte, m den diplomatischen Kreisen darüber im klaren, daß es sich hier um Intrigen handelte, welche sich gegen die deutsch-russische Verständigung richteten, nur datz man damals, wie sich jetzt herausstellt zu Unrecht, die französischen Regierungskreise im Lei- dacht hatte. Es würde nun an dem Gesamtbilde etwas fehlen, wenn von Frankreich aus nicht der Versuch gemacht worden wäre, auch hier wieder Deutschland als den Racker hinzustellen. Las ist ja denn auch richtig geschehen, und die deutschfeindliche Pariser Presse hat allen Ernstes behauvtet, datz die deutsche Regierung aus dem französischen Ministerium^ des Auswärtigen Schriftstücke habe entwenden lassen, aus denen hervorgehe, datz Frankreich durch seine türkischen Eisenbahnpläne die russischen Interessen verletzt habe, und datz diese Dokumente der russischen Regierung in die Hände gespielt worden seien, um so die Verständigung mit dem Zarenreiche auf Kosten Frankreichs zu fördern Dieser abenteuerlichen Kombination stellt jetzt die rufst sche Regierung ein kategorisches Dementi entgegen, ebenso wie von deutscher offiziöser Seite versichert wird, datz die Herren Maimon und Rouet den amtlichen deutschen Kreisen völlig unbekannt sind..
Mit dieser Ausschlachtung der neuesten Spionageaffäre ist es also nichts, und die Franzosen werden sich wohl oder übel mit der schmerzlichen Erkenntnis abfinden müssen, daß es mit dem Spionieren geht wie mit den Kriegsrüstungen, die sich ebenso gegen die Freunde wie gegen die Feinde richten, und daß die Rüstunaen wie die Spionage nicht Halt machen , vor der Entente cordiale wie vor dein engsten Bündnis. Man iaat einem bekannten Diplomaten der Gegenwart die Anweisung an seine Agenten nach: Verstärken ®te die Überwachung, er ist jetzt unser Alliierter geworden!
M Paris, 8. April. Die Hochverratsaffäre zieht weitere Kreise. Es ist nunmehr noch eine vierte Person unter Anklage gestellt worben, und zwar handelt es sich um ewen gewissen Bianchi, einen Menten Maimons'. Der Redakteur des „Temps". AnhrL Tavdieu, bestreitet entschieden, in irgend einer Weise in der Angelegenheit kam
promittiert zu sein. Im Laufe des heutigen Tages wurden wiederum verschiedene Personen verhört und zahlreiche Dokumente vom Untersuchungsrichter geprüft.
wb. Paris, 8. April. Der Untersuchungsrichter verhörte Rouet und legte ihm etwa 10 Kopten von Dokumenten zur Prüfung vor, die bei Maimon beschlagnahmt worden waren. Rouet gab nur bet vier Kopien zu, daß er, das Original dazu geliefert habe. Diese Schriftstücke beziehen sich auf Verhandlungen über die Bahn von Bagdad. Man forscht darnach, ob Maimon nicht noch weitere Mitschuldige hat.
Die nrssische Erklärung.
w b. Petersburg, 8. April. Im Hinblick aus die Mit-
teilungen einiger Blätter über den Verkauf geheimer, ans dem französischen Ministerium des Äußern stammender Dokumente ist die Petersburger Tölegraphen-Agentnr zu folgender Erklärung ermächtigt. Erstens: Niemals hat
die deutsche Regierung dem Minister des Äußer» von dom Wortlaut solcher oder anderer geheimer französischer Dokumente Kenntnis gegeben, zweitens: es haben keiner- l e i peinliche Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Rußland stattgefunden während der ganzen Dauer der Verhandlungen über den Bau von Eisenbahnen in Kleinasten und Persien. Seitdem diese Fragen aufgekommen sind, ist die russische und französische Regierung in vollem gegensoittgen Einverständnis vorgegangen.
Deutsches Deich.
-s Hof- und Personal-Nachrichten. Der Geheime Ober- Regierungsrat und Vortragende Rat nn Ministerium des Innern Dr. Fr und wurde zum Mnnstertaldneklor ernannt.
* Zur Silberhochzeit des württembergischen Königspaares. Am Samstag um 6V 2 ; Uhr fand im Weißen Saale des Residenzschlosses großes Galadiner statt. Die hufeisenförmige Tafel war mit Nelken, der LieblingNblume der Königin, geschmückt. Außer den Fürstlichkeiten nahmen an der Tafel teil die Mitglieder der stanocsherrlichen Familien, die Chefs der diplomatischen Missionen, der Landesbischof Dr. v. Kepler, die Staatsminister die Präsidenten beider Kammern, Vertreter der Ritterschaft und des Adels, die obersten Hoschargen und Staatsbeamten. Fm Verkaufe des Mahles hielt der Großherzog von Baden eine Ansprache, worin er das Königspaar begluckvunch.e urck- ein Hoch ausbrachte. Der König 'dankte und führte u a aus: „Ich möchte die Gelegenheit nicht vorubergehen lasten, auszufprechen, wie tief und innigst bewegt unsere Herzen am heutigen Tage sind. Sind uns doch von allen Seiten von hoch und nieder, von alt und jung, die, wärmsten und herzlichsten Beweise der Liebe und Anhänglichfttt ent- gegengebracht worden. Es sind nur Worte,, die ich finde. Aber tief im Herzen ist es für alle Zeit ftir den Rest unseres Lebens eingegraben, was der heutige Tag uns gebracht hat. Men denen, die hier versammelt sind, und allen auch denen, die draußen auf der Straße stehen, allen, die in unserem Lande am heutigen Tage so herzlich und warm unserer gedacht haben, sei eine Fülle des wärmsten Dankes dargebracht." — Nach Aufhebung der Tafel fand im Marmorsaal großer Empfang statt, hierauf die,, Huldigung der dem Schwäbischen Sängerbünde an gehörigen Vereine Groß-Stuttgarts unter Leitung des Professors Förstner. In ldas von dem Vorstand des „Lrederrranzes ausgebrachte Hoch stimmte die auf dem Schloßplatz ange-
Femlletsn.
Dir deutsche Abteilung uuf der römischen Knnstnussteünng.
Rom, 5. April.
über die feierliche Eröffnung der VmMen Msstelümg ist bereits berichtet worden. Viele Teutschrcmer. dre sich darüber geärgert hatten, daß Ungarn, FraiErnch . land Mit ihren Kunstausstellungen früher j* 9 ,7 ^,,, waren, mochten auch befürchten, daß unser D . ^ * Ua
England, dessen reicher Pavillon schon an Bwss ! eist, rückftehm werde, aber mehrere c-ugohende B s che 5 uns jejeiflt, da, D-ubchl-nd- Kun'i nrt
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Der Pavillon, e,n Werr von ~j, u gCs
den, hat eine Fläche von 3000 in-eicr Am 1.
hörige Garten eine solche von 1000 ^ ^ Mäkste 7
hönge Garten eine solche von Pfähle 7
Nov. 1910 begann die Fundamentlegung, z ~ tl rrjj; e mit Meter tief eingerammt, werden "»ußt^- Dre^^^ ^ den antikisierenden Reliefs und der sch ^rnden Vestibül sie überragt, wirkt vornehm. Dom jv . dessen
steigt man mehrere Stufen hEus zum Kupp ^
Decke der Dekorationsmaler Wilhelm Koppen au-l
V Mm liegt erfte bat
gewidmet ist. Daran Ichiiesti st annnch.ner Kunst c [nfee-- Sälen. Die drck ersten st^ der Munch H^zMfcher rännit. Wir bewundern Hans von Bartet^
räumt. Wir vewunoern yans w» ri n„wnders
Strand", drei der von Hugo vM H^°rmE.^,^s ^ d ^
schon bekannte Werke bringt, wie die „Hölle . Sehr großen Eindruck machen besonders bei den Italienern der Centaurmritt" und die phantastische „Sommernacht. Nickst minder wirken die prächtigen großen Plckmair- Bilder Heinrich von Zügels „Rinder im Wasser" und „Mendschwernme". ^ m , . .
Fm nächsten Saal, dem Stuttgarter, ragt Robert von Hang mit der „Schnitzeljagd" und einem großen Pfrrdebild hervor. Es folgt der erste Berliner Saal, der das rechte Schiff «bschließt. Der zweite Berliner Saal bildet das Ende des Mittelbaues. Unser Mick wird von dem Damen- bildnis Hermann Ferner-Bchmers angezogen, dann von Richard Frieses leuchtmdem „Elchwild" und von Friedrich Kallmorgms „Hamburger Hafen bei Sonnenuntergang. Eine P-rle ist des Ausstellungskommissars Professors Artur Kamps bekannte „Theaterloge". Reizvoll wirkt „Miß Allan Duncan" von Otto Marcus, das auch alle Italiener ehrlich bestaunen. Paul Meperheim kommt mit dem „Königstiger", Karl Roechling bringt sein „Germans: for the front , big einzige Schlachtbild, zur Schau. Daß die militärischen Bilder üb-rhaupt wenig vertreten smd, hat 'den Römern gefallen. Schritte im Hose erfreut durch sein Portrait des Frech, von Münchhausen, Hugo Vogel, der den Römern kein Neuling ist, durch das Bild seiner Gat m und durch den farberrfrohen Akt „Flora". Wenn wir im Mittelbau zurückgehen, kommen wir nach Dresden, das unter anderem trefflich vertreten ist durch Otto Gußmann mit dem flotten Portrait des Professors Wrba, durch Robert Sterl mit sc.ucm Portrait des Dirigenten v. Schtlch und durch die Interieurs
^ UEfolgttdcr Karlsruher Saal. Hier fallen besonders auf: August Gebhard „Ini Garten", Gustav Schmileber „Brügge", „In der Brandung" und vor allem Hans Thoma
„Blick vom Pilatus", „Bildnis mit Erika-Stranß _ und Wilhelm Trübner „Am Starnberger See", „SreUrieds- brunnen" und „Reiterbilldnis". Weiter folgt im MiitÄbau der Saal für „Schwarz-Weiß", der viele Juwelen aufwerst, so von Klingers SchAer Otto Greiner (Roin) und Max Liebermann. Wir wandem nun zurück bis zum Ende des linken Seitenschiffs zu den zwei Düsseldorfer Sälen. Da finden wir die treffliche Ginster-Landschaft „Giselgold von Fritz von Wille, das Portrait des Colner lkunstgelehrten, Domkapitular Schnütgen vom Grafen von Kalkreuth, die beiden Esthlandbilder von Gregor von Bochmann, das KneipenbWd „Doll und voll" von Gerhard Janffen und das ernste Werk „Die Kranke" von Eduard von Gebhardt; -dann das packende lebensgroße „Portrait eines Holländers" von Ludtvig Keller, das breit und keck in die Landschaft gestellt ist, und „Vor dem Spiegel" von A. Münzer.
Der folgende Saal vereint Weimar, Cassel, Frankftrn, Königsberg. Das elftere vertritt Ludwig von Hofmann mit drei arkadischen Landschaften „Angler", „Waldqnelle", „Reiter und Segelschiffe", sowie Fritz Mackmsen mit Bildern aus Worpswede. Von dem Schaffen in Königsberg zeugen Ludwig Dettmann mit seinem „Abendmahl" und Otto Heichert mit dem großen „Seelengcbet der Heilsarmee" und seinem charakteristischen Selbstporirait. Als Außenseiter koinmt Max Roeder-Rom mit den „Hesperischen Gärten", sehr poetisch rmch Motiven aus Syrakus gestaltet.
Drei Säle schließen sich an, das Beste der Schau, denn sie enthalten die retrospettive AussteMng, die einen Überblick über die Entwicklung der deutschen Malerei von 1860 bis heute bringt. Diese Rückschau ist für die Italiener ein Novum, da sie Meister wie Leibl, Menzel usw. Wohl zum erstenmal kennen lernen. Vertreten sind Destegger, Max Liebermann „Die Flachsscheuer in Lärm", Maröes mit
