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„Tagbl«tt-HanS".

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Nr. löl.

Mittwoch, 1 März 1911,

59. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

1. Matt.

Die Befestigung des PmminaKanuis.

In dem Schicksal des Panamakanals, der bereits auf eine Geschichte von 30 Jahren zurückblickt, obwohl er erst im Jahre 1015 seiner Fertigstellung entgegen­sehen soll, ist soeben eine vom weltpolitischen Stand- '"lkt aus bedeutsame Wendung eingetreten, bekannt und den meisten wohl noch in frischer Er­das; vom Jahre 1380 bis 1889 die von ''gründete und so elend verkrachte französische 'ft den Kanalbau betrieb, daß dann 1894 eine titanischer Seite ins Leben gerufene Gesell- n Bau im Schneckentempo fortsührte, bis im 902 die Nordamerikanische Union die Rechte . %zessionen der beiden Gesellschaften für vierzig tz, . Dollar erwarb und mit der Republik Ko- Perträge abschlotz, demzufolge die Union gegen malige Zahlung von 20 Millionen Dollar'. und ,-rliche Pacht von 20 000 Dollar das unum- ■ / Besitz- und L-ouveränitätsrecht über die Kanal- einer Breite von 6 englischen Meilen erhielt, -V auch in dem amerikanisch-englischen Clayton- lertrag vorgesehenen Einschränkung, daß der •uiral und alten Nationen zu den gleichen Be- > *ti geöffnet sein soll.

ümen wohl Zweifel daran gestattet sein, ob der 'Ontge'teilt — soeben von dem ameri anischen " e ri t a n t e n h a u s e angenommene Gesetz- f..' f, der für den Bau des Panamakanals wei- oO-OpO Dollar und für seine Befestigung drei 'Miltitz Dollar bewilligt, in bezug auf die letztere Bestir ng noch völlig dem Wortlaut und vor allem dem D jener beiden Verträge entspricht. Ader nach­dem dckepräsentantsnhaus trotz des starken Wider- spruchs-es großen Teils der öffentlichen Meinung bcn Petz mit der immerhin erheblichen Mehrheit van 12che>i 81 Stimmen genehmigt hat, kann, da im Sensu; noch stärkere Mehrheit sür die Befesti­gung dsanamakanals vorhanden ist, diese Frage, soweit es um ihre innerpolitische Seite handelt, als entschiedelten. Betrachtet man aber die Sache vom Standprder auswärtigen Politik, so könnte, da die Republitlumbia sa nicht mitzureden bat und die Union cüber anderen Mächten als England for­melle Dichtungen in bezug auf die Neutralität deö

Panamakanals nicht übernommen hat, eben auch nur England für einen etwaigen Einspruch gegen die Be­festigung des Panamakanals in Betracht kommen.

Nun behauptet aber die Regierung der Union, daß die Befestigung des Kanals gar nicht der Neutrali- tätsgarantie widerspreche. Zwar hat der Präsi­dent Taft ausdrücklich erklärt, daß die Vereinigten Staaten auf Grund des ursprünglichen Clayton- Bulwer-Vertrages nicht das Recht der Befestigung ge­habt hätten, daß aber durch den zweiten Vertrag mit England vom Jahre 1900 eine veränderte Sachlage ge­schaffen worden sei, denn hierin sei beiderseits aner­kannt worden, daß „der Kanal, von den Vereinigten Staaten gebaut, deren Eigentum bildet und ihrer Verwaltung unterstehe und daß seine Neutralität von den Vereinigten Staaten aufrecht erhalten werden soll". Hieraus wird nun weiter gefolgert, daß, weil ja nicht die Mächte der Union, sondern die Union den Mächten die Neutralität zugesichert habe, die Union deshalb nicht nur das Recht, sondern die Pflicht habe, für die Sicherung der Neutralität zu sorgen, und dazu seien gerade die Befestigungen erforderlich. Es verlohnt kaum der Mühe, diese gewaltsame, die Dinge auf den Kopf stellende Logik zu widerlegen, denn es handelt sich zuin Schluß auch hier nicht um eine Rechtsfrage, sondern um eine Machtfrage, und das bisherige Verhalten Großbritanniens läßt erkennen, daß die Union, wie schon im früheren Verlauf des Panama­streites, von dieser Seite keinen Einspruch zu gewärti­gen hat.

Es spielt bei diesem passiven Verhalten der briti­schen Staatsmänner vielleicht, ja sogar sehr wahr­scheinlich ein gut Stück weitblickender Zukunftspolitik mit. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die geplante Befestigung des Panamakanals sich ausschließlich gegen Japan richtet, dessen Flotte zurzeit den Stillen Ozean fast uneingeschränkt beherrscht. Gegen diese überlegene japanische Seemacht könnte die Union nur durch ein rechtzeitiges Erscheinen ihrer mächtigen atlantischen Flotte im Pacific, wie sie eben durch den Panamakanal ermöglicht werden soll, ein Gegengewicht bieten. Eine Gewähr hierfür ist aber nur dann gegeben, wenn die Vereinigten «taaten sich drrch eine gegen alle Anschläge Schutz bietende Befesti­gung der beiden Ausgänge des Kanals dessen aus­schließliche Benutzung im Kriegsfall sichern. Angesichts ihrer imperialistischen Politik in O st a s i e n, die durch die Besetzung der Hawaiinseln und der Philippinen eingeleitet wurde, haben sich aber die Reibungsflächen mit Japan, das sich setzt durch seine

Entente mit dem Zarenreiche eine Rückendeckung ver­schafft hat, so vermehrt, daß, wie schon die Schwierig­keiten bei den jüngsten Handelsvertragsverhandlungen gezeigt haben, die Möglichkeit eines Konflik­tes jederzeit gegeben ist. Ter Humor von der Sache aber ist der, daß man auch in Großbritannien trotz des Bündnisses mit Japan den Ausdehnungsdrang des Landes der aufgehenden Sonne mit wachsender Sorge verfolgt, so daß John Bull es" zum Schluß mit einer, wenn auch sorgsam versteckten Befriedigung begrüßen dürfte, wenn Onkel Sam durch die Befestigung des Panamakanals der bisher unbestrittenen Vorherr- s ch a f t der Japaner in dem längst nicht mehr „Stillen" Ozean ein Ende bereitet.

Deutsches Reich.

* Zur Frage der weiblichen Leitung von Mädchen schulen wird uns geschrieben: Gegen die von den schleswig- holsteinischen Lehrern und Oberlehrern aus-gegangene Petition in betreff der weiblichen Leitung der Mädchen­schulen wendet sich eine Erklärung der einzelnen Fachver- bände der Lehrerinnen, die sich durch a-rrffallende Schärfe des Tones und durch beleidigende Ausfälle gegen die an Mädchenschulen unterrichtenden Lehrer auszeichnet. Der Verband von Philologen an den öffentlichen höheren Mädchenschulen in Preußen hat nicht die Absicht, den Damen in gleicher Weise -entgegenzutreten; er hält es aber für feine Pflicht, gegen die verletzende Unterstellung von Tendenzen, die seinen Mitgliedern vollständig fern liegen, entschieden Verwährung. einzNkogen. Die in der Petition ausgesprochene Behauptung, daß der Mann, der unter weiblichem Direktorat steht, sich der öffentlichen Gering­schätzung aussetzt, bedeutet keineswegs die Anfftellung eines prinzipiellen Rangunterschiedes der Geschlechter oder eine Geringschätzung der Frau und ber Arbeit an der Frauen­bildung. Die Oberlehrer haben vielmohr die größte Hoch­achtung vor den Leistungen der Frauen, besonders aus dem Gebiete des weiblichen Unterrichtswesens; sie meinen aber, den vollen Pevsönlichkeitswert der Frau nicht heräbzu- setzen, sondern nur einer tatsächlichen, von der Natur ge- gegebenen Eigenart der Geschlechter Rechnung zu tragen, wenn sie behaupten, die Frau sei nach ihrer ganzen Veran­lagung nicht dazu bestimmt, Männern gegenüber die Rechte und Pflichten des Vorgesetzten wahrzunehmen. Die so herausfordernde, beleidigende Art, in der die Lehrerinnen sich öffentlich gegen die Petition gewendet haben, bedauert der Verband vor allem deswegen, weil die Erklärung die Unterschrift einiger Damen trägt, die bisher in Wort und Schrift die auch idem Gegner gebührende Achtung nicht ver­letzt haben.

Feuilleton.

(Rachiiruck verböte»,)

f ;erscheümngen im März 1911.

kürz, um 7 Uhr abends, passiert die Sonne h waren Jahres rahn von Süden nach Norden ' r, ihre bis dahin südliche Deklination ver- 1«nt diesem Zeitpunkt in nördliche, um am , höchsten Wert. 23° 27/2, zu erreichen. Am ;> daher aus der ganzen Erde Tag und \ lang, wir haben, astronomisch gesprochen, und der Frühling nimmt auf der nörd- :bst auf der südlichen Halbkugel seinen An- ühlingsansang tritt die Sonne in das alte ,/D / des „Widders", das vor etwa 2000 Jatz- " iamige Sternbild bezeichuete; heute sicht die

j«:n Termin infolge der Präzesston, deö Fort- Ticrkreisbilder um jährlich 50.2588 Bogew- , Länge, bereits etwa 30 Gvade weiter westlich, ,/ ft'westlichen Teil der „Fische", die Deklination der Sonne am 1. März itoch 55."9, dagegen am 31. März schon + 3° 48' 48."9 so wächst ihre Mittagshöhe sür den Parallel ; (Norddeutschland) und 28" 5' am 1. auf 39" 49' .für den Parallel von 51" (Mitteldeutschland) von 4 1. auf 42" 49' am 31. und für den Parallel von 48" . stschland und Österreich, ctlva Wien) von 34" 5' :if 45° 49' am 31. März. Die Tageslänge er- amit eine Zunahme von 10% auf reichlich 12% Stnn- Norddcutschland, von 10% auf 12% Stunden in x'ntschland und von fast 11 auf 12% Stunden in itfchland der Schweiz und Österreich.

>r Mond verändert im März ausnahmsweise,Knf- iine Gestalt, und zwar zu folgenden Zeiten: Neu- nn 1., um 1 Uhr 31 Min. vorm.,, Erstes Viertel am 12 Uhr 2 Min. vorm., Vollmond am 15., um 12 Uhr », vorn:., Letztes Viertel am 23., um 1 Uhr 26 Min. iid Neumond wieder anr 30., um 1 Uhr 38 Mm. In Erdnäh« befindet sich der Mond am 6. März, chr nachm., bei einem Abstaüd von 58.0 Erdhalb- in Erdferne am 31. März, um 2 Uhr nachm.,

bei einem Abstand von 63.4 Erdhalbmessern a 6378 Kilo­meter. Die drei im März stattfindenden Stern- be decknng en betreffen nur lichtschwache Sterne; günstig zu beobachten ist nur die sich am 21. ereignende Bedeckung des Sternchens 5. Größe 22 im „Skorpion". Sein Eintritt erfolgt für Berlin um 1 ll 50.1 m, sein Austritt um 3 b 3.7 in.

Von bcn Hauptplanelen treten vornehmlich Venus, Jupiter und Saturn hervor; während sich aber bei Saturn die Sichtbarkeitsdauer vermindert — Mitte April verschwindet der Planet in den Strahlen der Abenddämme­rung -, verlängert sie sich beiDenus und Jupiter in den näch­sten Monaten immer mehr, so daß beide, die an Helligkeit alle anderen Gestirne übertreten, die Schönheit des nächt­lichen Himmels außerordentlich erhöhen. Merkur ge­langt am 20. März, 2 Uhr nachm., in obere Sonnenkonjunk- tion, steht also hinter der Sonne und ist unsichtbar. — Venus bewegt sich gegen Monatsschlutz aus dem Stern­bild der „Fische" in das des „Widders", sie geht anfangs um 8, zuletzt gegen 10 Uhr abends unter. Durch ihren starken Glanz fällt sie schon in der hellen Abenddämmerung auf, Ihre Entfernung von der Erde nimmt von 1.53 Erd- bchnhalbmesser am 1. auf 1.40 Erdbahnhalbmesser a 149.48 Millionen Kilometer am 31. März ab; ihr schein­barer Durchmesser wächst von U."0 aus 12."0. Am 2. März, um 7 Uhr abends, kommt der Mond mit Venus in Konjunktion, bei der die feine Mondsichel 2%" süd­lich von dem Planeten steht, und am 29. März, um 7 Uhr morgens, ereignet sich- eine Konjunktion von Venus und Saturn, wobei Venus 2" 21' nördlich von Saturn steht (zu dieser Zeit sind natürlich beide Planeten nnsichibaZ. — Mars tritt ans dem Sternbild des „Schützen" in das des „Steinbocks" über, kann -aber nur noch während der ersten Monatshälfte am Morgen-Himmel beobachtet werden, da er allmählich von- der Hellen Dämmerung überstrahlt wird, um bis in den Juni hinein sür das unbewaffnete Auge unsichtbar zu bleiben. Sein noch recht bedeutender Erdabstand vermindert sich von 1.92 auf 1.72 Erdbahn - radicn, wodurch sein entsprechend geringer scheinbarer Durchmesser von 4."9 aus 5."4 anwächst. Am 11. März, um 10 Uhr vorm., hat Mars mit Uranus Konjunktion, und zwar nähert sich Mars dem Uranus südlich, bis auf 23', doch ist Uranus wegen seiner Lichischwäch-e auch am frühen

Morgen nicht zu erkennen. Wie in der „Astron. Korresp." schon öfter mitgeteilt worden ist, besteht feit Jahren ein Streit um die reale Existenz der Marslinien, der sogen. Kanäle; einige Wissenschaftler, insbesondere Maunder in London und Antouiadi in Paris, behaupten, die von den drei großen Marssorschern Schiaparelli, Lowell und Jo-nk- heere entdeckten Details seien in Wahrheit nicht vorhanden, sondern beruhen auf subjektiver Täuschung. Dieser Streit, so absurd er auch ist, will gar nicht zu Ende kommen — neuerdings wird er wieder von Antouiadi fortgesetzt. Wir heben aber durchaus keine Veranlassung, die völlig über­einstimmenden und von zahlreichen anderen Beobachtern bestätigten Wahrnehmungen, aus denen die schon sehr kommenen Marskarten hervorgegangen sind, in Zw%^ ziehen. — Jupiter geht im Sternbild der far-gs gegen 11%, Uhr, zuletzt schon vor 10 nr -abends auf, um dann die ganze Nacht -über dem H" ^

Die Erde nähert sich ihm von 4.94 f/- Messern, und sein scheinbarer Duock, Dlser vergrößert sich von 40."6 auf 43."8. Ein kleines 7-"rohr «enugt aho schon, um die mächtige -Scheibe 1! W! ere Erde 13a7.4ttwl an

Volumen übertreffendcn, P-raneten zu -erkennen — bekannt­lich richtete Galilei % "m Jahre 1610 von Lchpershey er­fundene und von -1"! selbst sür astronomische Zwecke kon­struierte erste ,0-mrohr ßL-tef auf den Jupiter, dessen Scheibenacsi-ä und vier große Monde er damit entdeckte. Juvite»- ni am 19. März um 3 Uhr früh Konjunktioir mit Mond, wobei der Mond 1% Grad südlich an dem ^'/anet-en vorüberzi-eht. — Saturn ist im Sternbild des „Widders" am Monatsanfang noch gegen 3 Stunden, am Mon-atsschluß aber kaum noch 1 Stunde lang am westlichen Abendhimmel zu sehen. Sein Erdabstand vergrößert sich von 9.78 auf 10.09 Erdbahnvadien. Am 4. März, um 11 Uhr abends, kommt her Mond mit Saturn in Konjunk­tion. und zwar befindet sich der Mond 2" 4' nördlich vom Saturn; man fleht daher am früheren Abend die zuneh­mende Mmidsichel rechts oberhalb des Planeten. Am 29. März findet ferner eine Anuähernng von Saturn und Venus statt, über die oben -bereits Näheres mitgeteilt wor­den ist. — Uranus geht im Sternbild des „Schützen" immer früher morgens auf; sein genauer Stand ist am 2. März Rektaszension 19 h 59 m 50 s und Deklination — 21" 6' 40". Seiner Konjunktion mit Atars haben wir