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awMrtff tT»m Mn»! Wöchentlich 12 Ausgaben. ^ Gegründet 1852

6« 8 Uhr abends.

Wöchentlich 12 Ausgaben.

Kern.S-PreiS für Seite «urgaben: 79 Pig monatlich, M. 2 — viertel,ahrlich durch den Verlag Langaaffe 81, ohne Briugerlohn? M. 3 .— vierteljährlich durch alle deutschen Voftamtalten. ausichliehlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestell»»»«, nehmen außerdem entgegen: m Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marilring SS, sowie die 112 Ausgadestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dorligen SS Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau dre betrestenden Tagblatt-Träger.

Lozeizen-Annahuie; Für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags; für die Morgen-AuSgabe bis S Uhr nachmittags.

„Tagülatt-Haus" Nr. 6650-53. Don 8 Uhr morgens bis. 8 Uhr abends, außer Sonntags.

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Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Nr. 95.

Samstag, 25. Februar 190.

59. Jahrgang»

Morgen - Ausgabe.

1. Mcrtt.

Politische Averstcht.

Die Zage de» ArbriSsmarktes

tveist im Januar keine erheblichen Unterschiede gegenüber dem Vormonat auf. In den Industrien, die dom Weihnachtsgeschäft äbhängen, ist naturgemäß ein erheblicher Rückgang zu beobachten. Tie Lage des Baugewerbes wird als der Jahreszeit entsprechend ruhig, aber im allgemeinen befriedigend bezeichnet.

Auf dem Ruhrkohlenmarkt ist laut „Reichsarberts- blatt" nach der Besserung der beiden Vormonate eine Abschwächung eingetreten. Im Saarrevier ist die Förderung nur wenig gegen den Vormonat zurückge­blieben. In Oberschlesren, lag der Kohlenmarkt noch ziemlich schwach. Im mitteldeutschen Braunkohlenberg­bau war die Beschäftigung der Werke im allgemeinen befriedigend. In der rheinischen Brikettfabrikation ivar der Geschäftsgang im ganzen nicht schlecht. .Tie Metallindustrie wird teilweise ungünstig beeinflußt von der Unsicherheit, die über das Zustandekommen der Syndikate herrscht. Tie Lage der Maschinenindustrie befriedigte im allgemeinen. In der Textilindustrie boaren die Baumwollspinnereien noch immer recht un­befriedigend beschäftigt; auch 5te Lage der Tuch­industrie läßt viel zu wünschen übrig. Ter Geschäfts­gang der elektrischen Industrie war befriedigend, auch die chemische Industrie hatte gut zu tun. Tie Lage des Kalimarkts wird weiter günstig beurteilt. Nach den Berichten der Krankenkassen hat der Beschäftigungs­grad, wie meist um diese Jahreszeit, jedoch etwas stärker als im Vorjahr im Laufe des Januar weiter Nachgelassen; dies ist zum Teil auf das Baugewerbe Und“ das nach Beendigung des Weihnachtsgeschäfts weniger Leute brauchende Handelsgewerbe zurückzu­führen Es ergab sich am 1. Februar 1911 gegenüber

1 Januar eine Abnahme der versicherungspflich- „in Mitglieder abzüglich der Kranken von insgesamt 42 555 (39 797 männlichen und 2768 weiblichen Mit­gliedern). Gegenüber dem 1. Januar ist der Be­schäftigungsgrad der männlichen Personen von 100 auf 99 gesunken, während der der weiblichen Personen der­selbe geblieben ist. Im Gegensätze zu den Kranken­kassenziffern ergeben die Arbeitsnachweisziffern eure scheinbare Besserung gegenüber dem Dezember und dem Januar des Vorjahres. Bei der Gesamtzahl der be­lichtenden Arbeitsnachweise, für . bliche ^vergleichbare Angaben vorlieaen, kamen nämlich im Januar 1911 auf je 100 offene Stellen chei den männlichen Persoiien 196, bei den weiblichen Personen 90 Arbeitsgesuche geaen 218 bezw. 100 im Dezember und 254 bezw. 98 im Januar 1910. Tie Lage des Berliner Arbeitsmarktes verschlechterte sich gegen den Vormonat weiter, gegen Januar 1910 hatte sich jedoch für männliche Arbeiter der Beschäftigungsgrad erheblich gebessert, für werbliche Arbeitskräfte war er auf derselben Höhe geblieben, Schleswig-Holstein. Lübeck und Homburg war die Er- ^erbsmöglichkeit für ungelernte Arbeiter nngunstlger als im Vorjahre, in dem starke Schneefälle Arbeits­gelegenheit schafften. Aus dem Rheinlands Wird be­ratet, daß der Geschäftsgang gegenüber dem Dezember Wenig Veränderung aufweist. Der Bericht über den Arbeitsmarkt in Hessen und Hessen-Nassau stellt eine Besserung gegenüber früheren Zähren Mi die auch dadurch zum Ausdruck kommt, daß die Städte erst später als sonst mit Notständsarbetten Mqinnen. In Bayern, Württemberg und Baden mtzt Ai eine Besserung des Beschäftigungsgrades bemerken.

Einnahmen aus dem Güterverkehr deiistcher Efteu- lahnen betrugen im Januar 136 697 404 M-, das sind 19 589 824 M. mehr als im gleichen Monate des Vor- lahres. Tas bedeutet eine Mehremnahme von 1<1 M. oder 6,98 b. H. auf 1 Kmtr.

Die des Kr-orrprinxen.

L. Berlin. 23. Februar.

Tie Entsendung des Kronprinzenpaares nach Rom Ml Überbringung der Glückwünsche des deutschen ^aiserpaares zur italienischen Nationalfeler kann als glückliche Lösung der Schlvferigkelten betrachtet, welden. Mit deren Überwindung sich ist der letzten Zeit 'kine. Reihe don Personen und von Zeitungen diesseits l^ttd jenseits der Alpen beschäftigt ^haben. Nachdem vttnmehr die Entscheidung in dem -sinne gefallen ist. daß der Kaiser seinen Sohn nach Rom schickt, mag wiederholt darauf hingewiesen werden, daß vom Duirinal keine Einladung erfolgt war. weder nach Berlin' nod) nach einer anderen Hauptstadt. Somit wurde das, was etwa zu geschehen hatte, um die freu­

dige Anteilnahme an der Jubliläumsfeier zu bekunden, in das Gebiet der eigensten und gänzlich freiwilligen Entschließungen gerückt. Bei dem Verhältnis zwischen Berlin und dem -Quirinal kann es als ausgeschlossen gelten, daß die nunmehr getroffene Entscheidung dort als ungenügend angesehen werden sollte. Ter Kron­prinz kommt als offizieller Vertreter seines Vaters, als Vertreter zugleich des deutschen Volkes, und das kann Wohl genügen. Freilich wird man im Vatikan wie in deutschen Zentrumskreisen eine begreifliche Ge­nugtuung darüber empfinden, daß nun doch nicht der Kaiser nach Rom geht, aber darum braucht die Befrie­digung des italienischen Hofes und der italienischen Re­gierung über den in Berlin gefundenen Ausweg aus vermeintlichen oder wirklichen Schwierigkeiten nicht ge­ringer zu sein. Voraussichtlich wird die Entsenduug des Kronprinzen zugleich bestimmend für die Entschlie­ßungen auch anderer Regierungen sein, so daß also die übrigen Staaten, insoweit sie sich überhaupt offiziell an den Jubiläumsfesten beteiligen, nicht durch ihre Staatsoberhäupter werden vertreten werden. Man kann sich kaum vorstellen, daß nunmehrst selbst Herr Falliöres in Person in den Quirinal eilen möchte; jedenfalls ist wiederholt festzustellen, daß die Mitteilun­gen über eine angebliche Reise des Präsidenten der Re­publik nach Rom nur auf Gerüchten beruhen, daß. sie von Paris aus noch in keiner Weise bestätigt worden sind.

*

hd. Rom, 24. Februar. Das Herold-Bureau meldet: Tie Meldung, daß das deutsche Kronprinzenpaar im Aufträge Kaiser Wilhelms den König Viktor Emanuel von Italien besuchen werde, wird in allen Bevölke- rungsschichten Italiens mit großer Begeisterung ausge­nommen. Das deutsche Kronprinzenpaar wird am italienischen Hofe einen großartigen Empfang finden. Tie „Tribuna" schreibt: In dem Kronprinzenpaar wird der Kaiser geehrt werden, dessen hochherzige Freund­schaft für das italienische Volk auch diesmal wieder be­redten Ausdruck fand.

Deutsches Kelch.

* Kompromißverhandknngen Wer die elsaß-lothringische Verfassung. Es finden gegenwärtig , Verhandlungen zwischen den Berliner Zentralstellen und den Bundes- regicrungen darüber statt, inwieweit den Wünschen des Reichstags über den Rühmen der elsaß-lothringischen Ver- sassungssrage hinaus entgegengekommen werden könne. Sie gestalten sich sicherem Vernehmen nach recht schwierig, und es ist vorauszusehen, daß eine Entscheidung hierüber nicht sobald erfolgen wird. Es läßt sich daher vorläufig auch nicht absehen, wie sie ausfallen werden. Immerhin ist auf Grund der Erkundigungen au unterrichteter Stelle bereits zu sagen, daß die Verbündeten Regierungen die volle Autonomie der Reichslande, als zurzeit verfrüht, »nter keinen Umständen bewilligen, noch sich auf eine Schmälerung der kaiserlichen Gewalt in Elsaß-Lothringen einlassen werden. Hiergegen würde namentlich Preußen seinen ganzen Einfluß ausbieten, und sicherlich mit Erfolg. Dagegen scheint man an dm Ber­liner Zentralstellen geneigt zu sein, bezüglich der Gewäh­rung von Bunde s ra tsstimmen an Elsaß-Lothringen entgegenzukommen. Man würde Biese Stimmon entweder in positiver Form für alle rein wirtschaftlichen Fragen zu­gestehen oder tu negativer Fassung unter Ausschluß aller Angelegenheiten, die Heer, Marine und auswärtige Politik betreffen.

* Eine preußische Staatsinventur. In der Sitzung des preußischen Haushallsausschusses am letzten /Montag ist angeregt worden, zur Hebung des Kurses der Staatsanleihen eine Staatsinventur aufzumachen, um dadurch die Sicherheit der Staatsanleihen -darzu- tun. Dieser Antrag kann, so schreibt hierzu eine Nach­richtenstelle, den Anschein erwecken, als ob der wenig er­freuliche Kursstand der preußischen Anleihen daraus zu- rückzuführen wäre, daß in der Öffentlichkeit irgend welche Zweifel an einer ausreichenden Fundierung der preußi­schen Staatsschuld beständen. Daß solche Zweifel im In­land oder Ausland wirklich vorhanden wären, kann man aber berechtigterweise nicht annehmen. Denn es ist doch eine überall bekannte Tatsache, daß allein die Eisen­bahnen eine mehr wie ausreichende Deckung der Staats­schulden bilden. Ant 1. Januar 1910 belief sich das An­lagekapital der preußischen Staatsbahnen auf 10,5 Milliar­den Mark, während sich zu dem gleichen Zeitpunkt die ge­samten Staatsschulden aus 3,4 MWarden stellten. Mithin überstieg das EiseUbahn-AnlagekaPital die Gesamt­schuld des Staates noch um 1.1 Milliarden. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß nach, einer im vorigen Fahr ange- stellten Berechnung desWertes der preußischen Domänen sich dieser Staatsbesitz aus rund 503 Millionen Mark be­lief, wobei nur die 'geschlossenen Domänenvorwerke be­rücksichtigt wurden. Für den weiteren Besitz des Staates an Forsten. Bergwerken usw. liegen zwar neuere Berech­

nungen nicht vor, aber allein die oben ang-eg-ebenen Zahlen beweisen, daß die preußische Staatsschuld in einer Weise fundiert ist, die jeden Zweifel an der Sicherheit der Staats­papiere ausschließt.

4-. Das deutsche Dorf ohne Steuern. Ein geradezu ideales Gemeinwesen ist das Dorf Langenaubach, von dem jüngst berichtet wurde, daß es bisher ohne Erhebung von Steuern ausgekommen sei. Wie uns -dazu weiter ge­schrieben wird,, zeichnet sich dieses Dorf, das im Regie­rungsbezirk Wiesbaden liegt, noch ldurch eine Reihe bemerkenswerter anderer Vorzüge aus, die ^durchaus als vorbildlich hingestellt werden können. Das Dorf zählt 780 Einwohner und hat einen Besitzstand von 500 Hektar Wald, der ihnen in Verbindung mit sehr ertragreichen Steinbrüchen -ein sorgenloses Dasein sichert. Aus dem Ver­kauf des Holzes und der KaWsteine erzielt das Dorf jähr­lich eine Einnahme von rund 50 000 M. Dieses Geld ist vorzüglich angelegt. Erstens hat die Gemeinde dafür ge­sorgt, daß die vereinnahmten Summen ständig in Wert­papieren angelegt werden, um ein festes Dorfvermögsn zu schassen. Wscher sind nach Abzug aller Unkosten rund 225000 M. -gesammelt worden. Alljährlich werden 20000 Mark für Neubauten angelegt, die hygienischen und wirt­schaftlichen Zwecken dienen. So wurde eine Hochdruckwaffer- leitung 'hergestellt, zu deren Anlage jeder Hausbesitzer 10 M. beisteuern mußte. Weitere Beiträge werden für dis Wasserleitung über nicht erhoben, so daß auch diese Abgaben für die Dorfbewohner Wegfällen. Außerdem hat die Ge­meinde noch die Anlage einer elektrischen Licht- und Krast- leitung durchgesührt, von der aus jeder Dorfbewohner ohne weitere Unkosten an die elektrische Zentrale angeschlossen wird. Mr die Verwendung des elektrischen Lichtes wer­den 20 Pf. pro Kilowattstunde gefordert. Trotz all dieser kostspisligeu sozialen Einrichtungen braucht aber kein einziger Bewohner des Dorfes Stenern oder irgend welche andere Abgaben, wie Straß-eugelder, Brückengelder, Waffer- gelder usw.,' zu bezahlen. Alle diese Ausgaben werden von dem 20 000-Mark-FoNds des Dorfes bestritten, der ans den jährlichen Überschüssen dafür zurückgelegt wird. Wie wir hören, beabsichtigt die Gemeinde auch in diesem Jahre große Neubauten hygienischer und wirtschaftlicher Natur in Angriff zu nehmen. Eine Dorsbibliothsk besteht hier zur Unterhaltung und Belehrung der Dorfbewohner, Re zahlreich -dem Antialkoholismus zuneigen. Ähnliche Vor­züge weist übrigens das Dorf Detttghosen im Groß-Herzog- tum Baden -auf, wo Bauern sich -durch ihre große, Bildung in Geologie, Botanik und anderen Wissenschaften aus­zeichnen. Auch hier ist eine vorzügliche Bibliothek vor­handen.

* Der Abgeordnetentag des Deutschen Kriegerbundes, der alle zwei Jahre stattfindet und der in dissem Fahre ln D eimold abgehOten wird, findet -aus besonderen Wunsch des Fürsten zur Lippe nicht, wie früher bekannt gemacht» am 16. Juli, sondern am Sonntag, den 23. FuK, statt. — Der Abgöordnetentag des Preußischen Lan-des- K r i e g e r v e r b a n d e s wird am Montag, den 24. Juli, ebenfalls in Detmold -abgehalten.

* Ewas von der politischen Polizei. Die „Germania^ schreibt: „Vor eimigen Tagen bemerkte die Gattin des Schriftführers des polnischen. Straz-Vereins zu Posen, daß sich jemand -an dem außerhalb der Wohnungsttlr ange­brachten Briefkasten zu schaffen machte. Durch das in der Tür angebrachte Guckloch bemerkte sie einen Mann, der den Briefkasten ansschlotz und ausräumte, sehr aufmerksam die Briefadresson, besonders die Poststempel studierte, wobei er sich Notizen machte, worauf er alles wioder in den Kasten zurücktat. Dieselbe Beobachtung machte daun später der Schriftführer des Vereins. Dieser Tage nun gelang es, den Neugierigen sestznnehmen. Auf telepHoniischen Anruf kam ein Polizeibeamter, der aus dem Pottemonnaie des Ertappten unter anderem auch die L e g i t i m a t i o n s - karte der politischen Polizei zutage förderte. Bis zur Mittagszeit hatte die Polizei angeblich noch nicht den Namen des Agenten seststellen können." — Eine Gegen­äußerung- Wird- rächt ausbleibm dürs-en.

Nariamenkafttckkrs.

Das Kurpfuschergesetz. Die Kommission des Reichs­tags kam in ihrer weiteren Berainn-g zu einem Beschluß über die Verpflichtung zur Führung von Geschäftsbüchern. Die hieraus bezügliche Besü-mmung im zweiten Absatz des § 2 erhielt folgende Fassung: Die im § 1 bezeichneten Ge- werbetröibeüden (denn das sind die gewerbsmüßigen, nicht approbierten Kr-aNkheitsbehanNer) halben Geschäftsbücher zu führen, in denen Name und Wo-Hnott des Behandelten, die behandelte Krankheit, Art und Dauer der Behandlung sowie das Honorar einzutr-agen sind. Die Bücher sind 10 Jahre auszUbew-ahren. Diese Bücher sind nur dann der zuständigen Behörde vorzuliegen, wenn in einem gemäß § 5 eröffneten Verfahren ein dahingehender Gerichtsbeschluß vorliegt (in § 5 handelt es sich unr die Unlers-a-gung -des Gewerhöbetriebs^. Die untere Verw-aLungsbehörde ist be­fugt, in Orten unter 1500 Einwohner auf Antrag Aus­nahmen zuzulassen. — Sehr bestritten blieb in der Aus­sprache di-e Frage der Wahrung der Diskretion gegen Patienten. Ministerialdirektor Dr. v. Jonquieres gab die Erklärung ab, daß nach Ansicht der Regiernng, die in dem Gesetz auch znnr Ausdruck kommen wird, alle aus den Ge-