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AÄg. Runze (Vpt) fordert mehr Mittel zur Unter- Wrtzung ehemaliger Krieger.

Minister v. Dallwitz: Es ist freilich auf diesem -Gebiete «och manches zu tun. Wir sind aller an die Bestimmungen des Bundesrats gebunden. Es soll jedoch den Veteranen bei ihren Ansprüchen entgegengekommen werden.

Allg. v. Oertzen (freikons.) hofft, daß den Veteranen durch die Wertzuwachssteuer das Ihrige zuteil wird.

Beim Kapitel

Medizinalwesen"

erklärt Allg. v. Arnim-Züssdom (konft), daß er mit der Überweisung des Medizinalwesens an das Ministerium des Innern einverstandm sei. Er wendet sich dann gegen den Leipziger Ärzteverband. Seine Klagen richten sich gegen Auswüchse, so gegen die Sperrung von Ärztostellen. Dem­gegenüber Halle die Medizinalverwaltung die öffentlichen Stellen in Schutz zu nehmen.

Allg. Dir. Friedberg (natl.) steht dem Übergang der Medizinalabteilung zum Ministerium des Innern mit einigen Zweifeln gegenüber. Der wissenschaft­liche Charakter der Mödizinalallteilung könnte leiden. An ihre Spitze gehöre ein medizinischer Fachmann, wenn er auch die Tüchtigkeit des Ministerialdirektors Förster, der aus der Verwaltung hervorgegangen fest Wirchaus anerkenne.

Ein Regiermrgskommiffar gibt dann Auskunft über das Vordringen der Pest in Asien.

Sie könnte sich an der Eisenbahnlinie von Asien nach Rußland leicht verbreiten. Die russische Regierung tut aber alles, auch durch Entsendung einer Kommiffion, um dem entgegenzutreten. Für Deutschland besteht die Gefahr, daß die Pest durch Waren, wie Haare und Felle, aus China eingeschlcppt werden kann. Es ist aber feft- gestellt, daß das nicht erntreten kann. Das Reichsfeuchen- gesetz gibt uns auch die nötigen Machtmittel an die Hand, um bei einer eventuellen Verschleppung der Pest, wie auch schon früher bei der Cholera, mit Sicherheit und Erfolg derselben entgögenzutreten. (Beifall.)

Allg. Rosenow (Vpt.): Wir haben das Vertrauen zu der Medizinalverwaltung, daß wir vor der Pest b e h ü t e t werden.

Der Medizinalabteilung sollte man einen Arzt als Vorsitzenden geben.

Auch an der Spitze des militärischen Medizinalwesens steht ein Arzt. Für die Ausbildung der Medizinalpraktikanten wird nicht genügend gesorgt.

Minister v. Dallwitz: über die Reform des prakti­schen Jahres sind wir in Verhandlungen eingetreten. Bei dem Streit der ÄrzteverbäNde und Krankenkassen müssen naturgemäß die wichtigen Interessen der Kran- kenkafsenmilglieder uNd der Allgemeinheit gewahrt werden, nicht minder aber auch die berechtigten Interessen des um unser Volkswohl so hoch verdienten Ärzteftandes. (Beifall.)

Allg. Hirsch (Sozi): Die Regierung darf sich nicht in den Kampf der Ärzteorganisationen mit den Krankenkassen einmifchen. Der Kamps gegen die Tuberkulose muß energisch ausgenommen werden. Das Geld, das für die Gesundheit des Volkes ausgegeben wird, ist nicht verloren.

Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird der Etat des Ministeriums des Innern erledigt. Montag 12 Uhr: Eisenbahnetat. Schluß gegen 6 Uhr.

Luftschiffe und Aeroplane.

* Der Aviatiker Legagrreux ist auf einen: Blüriot-Appa- rat dem DampferEleveland" der Ha-rnburg-Amerika-Linie, der aus der Orientfahrt begriffen ist und von Genua die Riviera entlang fährt, entgegen geflogen und hat ihn unter dem Jubel der Passagiere dreimal vor Villefranche umkreist.

* Der europäische Rundflug. Die Preisstiftungen für den europäischen Rundflug haben nahezu 500 000 Frank erreicht, die größte Summe, die bisher firr eure sportliche Veranstaltung ausgebracht worden ist.

Ans Stadt «nd gnn&.

Wiesbadener UacherchLen.

Kurhansmaskenball.

Dritter Kurhausmaskenball! Saurstag, 9 Uhrabends.Vou der Wilhelmstraße her zieht sich ein Korso von Equipagen, Automobilen und Droschken nach dem Kurhaus, dessen hell- erleuchtetes Pyrtal von einer dichten Menschenmenge be­lagert ist. Wir tretm in die gastlichen Räume, die heute in ihrem ganzen Umfang dam Frohsinn, der närrffchen Fast- nachtsfteude gewidmet, und stürzen uns damit gleichzeitig in den Trubel eines fröhlichen Menfchenfchwarms, der uns wenige Minuten später wie ein Orkan umbrandet. Jede Orientierung ist da bald unmöglich. Der einzelne geht in dem Gewühl vollständig verloren; er wird von der Menge mitgerissen und kann von Glück sagen, wenn er nach stun­denlangem vergeblichen Suchen den 'Gegenstand seiner be­sonderen Aufmerksamkeit endlich gefunden hat. Fast scheint es, als ob auch die geräumigen Säle des Kurhauses einmal am Ende ihrer Aufnahmefähigkeit angelangt sind, aber noch immer kommen Neuarckömlnüirrge hinzu. Und mit jedem weiteren Gast vervollkonrmnet sich das kaleidoskopartige Bild der Farben und Kostüme. Ein Gewühl von Menschen, das auch in seinem Durcheinander Methode hat. In der Empfangshalle des Kurtempels zentralisiert sich 'das Trei­ben. Sie bildet den Mittelpunkt des Ganzen und ver­mittelt den Verkehr zwischen dem großen und dem kleinen Saal, allwo zusammen vier Musikkapellen in ununterbroche­ner Reihenfolge den Paaren zum Tanz auffpielen. Der Tanz ist in diesem Gedränge keine Kleinigkeit und bedeutet je nach der Geschicklichkeit der Tänzer und Tänzerinnen bei dem jedem einzelnen nur in bescheidenem Maß zur Ver­fügung stehcuden Raum beinahe eine Leistung. Und doch Wird ihm eifrigst voir allen Seiten gehuldigt. Interessanter ist es. entweder unten in den Sälen selbst oder von den Logen aus, wo die Ballmüttor, Ballväter und sonstige ge­setztere Herrschaften sich plaziert haben, dem Treiben zu­zusehen. Der Beschauer kommt hier auf seine Kosten. Reben glutäugigen 'Spanierinnen, dunklen Italienerinnen, ver­schleierten Haremsdamen, graziösen Geishas, drallen Ge- birgsbewohnerimren, bunten Dominos, Pierretten, Colom- binen, und was es sonst noch alles für Trachten geben mag, donriniert in der Hauptsache das Phantasiekostüm in allen Modellen und Farbenabstufungen; Empirekleid, Hirmpelrock und Turban sind vorherrschend. Hier hatten sehr häufig Schick und Eleganz etwas geschaffen, das neidlose Be­wunderung finden mußte. Wie üblich, rmrßte bei den Herren auch diesmal in der Hauptsache ein Orden oder sonst ein närrisches Abzeichen den karnevalistischen Charakter des Kostüms ersetzen. Ein paar Dominos und Rosenkavaliere, sowie einige Oberbayern hoben sich in der Menge der schwarzen und sehr zahlreich vertretenen roten Fräcke nur wenig hervor. Eine Rattensängerin und ein Herr mit Fez ließen aus ihren Kopfbedeckungen zahme Weiße Mäuse in voller Freiheit 'herumlaufen. Man drucke, was das für eine Panik gegeben hätte, wenn eins der Tierchen ausgebrochen wäre. Die Restaurationsräume des Kurhauses waren er­weitert. Der Champagner floß, wie man zu sagen pflegt, in Strömen, nnd trug nicht zum wenigsten dazu bei, daß sich überall bald die gehobenste Stimmung bemerkbar machte und bis zum Schluß anhielt. Bis bald nach 5 Uhr, dem Ende der Veranstaltung, war ein merkliches Abnehmen der Terlnchmerzahl nicht zu konstatieren. Der dritte Kur­haus-Maskenball hat jedenfalls auch diesmal die Erwar- tungM, die an ihn als den Höhepunkt der Wiesbadener Karnevalveranstaltungen gestellt werden, vollständig er- süllt. ___ g.

Das Kaiserpaar in Wiesbaden. Ern Berrcht- erstatter schreibt uns: Wie ich erfahre, werden die kaiser­lichen Majestäten während des Hoslagers in Wiesbaden die Reife nach London antrcien und am 18. Mai wieder nach Wiesbaden zurückkehren.

Fürstliche Geburtstagsfeier. Gestern wurde in der Familie des imHotel Rose" weilenden Fürsten Günther von Schwarzburg - Rudolstadt der Geburtstag! der Fürstin gefeiert. Se. Durchlaucht verlieh bei dieser Ge­legenheit dem Polizeiinspektor ^echmarrn das Ehrenkreuz 3. Klaffe und dem Polizeikommissar Schaffer die Verdienst­medaille in Gold, dem Direktor Thiemann vomHotel Rose" das Ehrenkreuz 4. Klaffe und dem Portier Ullrich die silberne Verdienstmedaille. Ferner wurden verliehen dem Regisseur Bertram vom Residenz-Theater die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und dem Kassierer Schröder die goldene Verdienstmedaille. Morgen wird der Fürst wieder die Rückreise antrcten.

Professor Nicolai v. Wilm *i*. Gestern verstarb da­hier der bekannte und beliebte Tonkünstler Nicolai von Wilm im 77. Lebensjahre. Er war am 4. Mürz 1834 in Riga geboren und Schüler des Leipziger Konservatoriums. Von 1857 bis 1860 wirkte, er als Kapellmeister am Stadt-- theater seiner Vaterstadt, sodann wurde er, auf Empfeh­lung Henselts, Lehrer für Klavierspiel und Theorie am Nicolai-Institut in St. Petersburg. 1875 ging er nach Dresden und 1878 nach Wiesbaden. Hier hatte er seitdem seinen dauernden Wohnsitz. Er lebte seinen flinftlerischen Neigungen und wandte besondere Aufmerksamkeit auch der Pflege des deutschen Lieds zu, indem er die einschlägigen : Bestrebungen eifrig fördern hälft Bei verschiedenen Ge- saugwettstreiten wirkte er als Preisrichter mit, und der Nossauifche Sängerbund zählte ihn zu seineneinflußreichsten Mitarbeitern. Von angesehenen Gesangvereinen besaß er' die Würde eines Ehrenmitglieds. Herr v. Wilm galt als' ein tüchtiger Musiker und Konrponist; es existieren bekanntlich! von ihm zahlreiche Konzertwerke, Opern, Lieder usw. Namentlich in unseren Sängerkreisen wird sein unerwar­tetes Ableben allseitige Teilnahme erwecken. Die Trauer-' feier findet am Mittwoch, den 22. Februar, vormittag- 11V 2 ; Uhr, aus dem .alten Friedhof statt, die Einäscherung nachmittags 2>Yi Uhr in Mainz.

Tmnerfeier. Eine schlichte, aber erhebende Trauer­feier fand gestern vormittag in der Leichenhalle des alten Friedhofs zum Gedächtnis des im 89. Lebensjahr verstorbe­nen Seniors der eraffauischen Lehrerschaft, Rektor a. D. Jakob Wickel, statt. Die Halle war dicht besetzt von den noch lebenden Angehörigen des Verstorbenen, sowie fast der gesamten Wiesbadener Lehrerschaft. Pfarrer Lieber fand herzliche Worte des Nachrufs an die Hinterbliebenen, in denen er das segensreiche Wirken des Verstorbenen für die' Schule uNd seinen starken religiösen Sinn hervorhob. Lehrer Capito legte am Sarg, der inmitten eines präch­tigen Pflanzenarrangements stand, einen Kranz im Auf­trag des Lehrerkollegiums der Schule an der Bleichstraße, dessen Rektor der Verstorbene jahrelang war, nieder. Pfarrer Veesenmeycr gedachte in einer kurzen Ansprache der Verdierrste des Verschiedenen um den Gustav-AdoU-- Verein, für den er eine Kranzspende davbrachte. Für das Kuratorium der Adolfstiftung zur Fortbildung von Lehrer­waisen, dessen Ehrenvorsitzender und Mitglied des Kurato­riums RektorWickel war, sprach Schulrat Müller,! der ebenfalls einen Kranz am Sang niederlegte.. Der schlichte, schwarze Sarg wurde hierauf zum Nordfriedhof gebracht und dort beigesetzt.

Kinderhorte. Die ordentliche Mitgliede'wcrsaurm- lung desVereins für Kinderhorte Wiesbaden, E. V.", die Samstag, den 18.. im Rathaus stattgefunden hat, brachte als ersten Prrnkt der Tagesordnung einen eingehenden Be­richt über die Tätigkeit im Jahr 1910. Wir entnehmen demselben folgende Einzelheiten: In 5 Horten wurden insgesamt 450 Kinder täglich beaufsichtigt und in vielseitiger Weise beschäftigt. Ihr körperliches und ihr geistiges Wohl wurde durch die treue Fürsorge einer großen Schar ehren» amtlich wirkender Hilfskräfte gefördert. Wir hören von! ärztlicher und .zahnärztlicher Behandlung, von orthopädi- schern Turnen, von Sammerpflege, Mittagsfpoisung, Garten­arbeit, Wandertouren und Milchfrühstück - während der Ferien usw. nsw. Daneben von Handfcrkigkeitsunterricht. wie Korbflechten, Holzschnitzen, Buchbindern usw., und

Aus Kunst und Leben.

* Königliche Schauspiele. Am Samstag gastierte Frau

Fvanocs Rose vom Berliner Hostheater als Salome in Rich. Strauß' gleichnamigem' MusAdrama> in welchem übrigens diesmal fast sämtliche Hauptrollen mit aushelfen­den fremden Gästen besetzt waren. Die Darbietung der Frau Frances Rose ist noch von früher her i-n bester Er­innerung: die Auffassung der Künstlerin durfte als vor- bildlich gelten, da Frances Rose Gelegenheit hatte, die Partie nach persönlichen Anweisungen des Komponisten zu studieren. So gab sie die Salome bei den Erstaufführungen des Werkes vor drei Jahren, und sie hat sich seitdem natür­lich nur noch inniger mit der Rolle vertraut gemacht. Die schöne, einnehmende Erscheinung der Künstlerin, ihr starkes, temperamentvolles Empfinden, ihr reiches schauspielerisches Talent und eine umfangreiche und ausdauernd,:, echt dramatisch gefärbte Stimme machen sie für die Ausgabe in jeder Hinsicht wohlgeeignet. Die Leidenschaftlichkeit dieser zügellosenPrinzessin von Judäa" schien inrmcr stürmischer und feffelloser auszuwallen von der ersten widerfahrenen Zurückweisung durch Jochanaan bis hin zu der triumphie­renden Raserei der Rache! Ihr Größtes bot die Künst­lerin dann noch im Ausdruck der gleichsam seelischen Exstase, wie solche in der Schlußszene sich ausprägt. Daß aber auch die beste Darstellung über die klaffenden Widersprüche zwischen dem Charakter der Dichtung und der Musik in dieser letzten Szene nicht hinwegzutäuscheu vermag, zeigte sich diesmal noch deutlicher wie früher: die Anteilnahme des Publikums erkaltete hier je mehr und mehr. Man schied mit Bewunderung von Frances Rose; aber matt be­dauerte doch allgemein, daß sie ihre Kunst einer Ausgabe wie dieser Sälome zuwandte, von der man nicht ohne tics- innere Verstimmung scheiden konnte.-

* Lichtbilder-Vortrag in der Aula der höheren Töchter­schule. DieWiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst" hatte diesmal Professor Dr. Schubring aus Berlin- Eharlottenburg gewonnen, der seine Ausgabe darin sah, Anselm Fcuerbach, den Maler der Hochrenaissance, den zahlreichen Anwesenden näher zu bringen. Er trat sehr warm tür den Künstler ein; fein Vortrag verriet umfassen­

des Wissen, tiefes Studium. Auch Feuerbach gehörte zu den vielen, die erst nach ihrem Tode gewürdigt wurden, dessen etwas spröder Kunst mit dem kühlen, typisch-grauen Ton (Professor Schubring sagte Alpenveilchen-Farben, und meinte damit wohl die graugrünen Mütter der Pflanze), man erst jetzt volles Verständnis entgegenbringt. So lange er lebte, hatte er mit Not und Entbehrungen aller Art zu kämpfen, denn in Deuffchland wurden seine Bilder zurückgewiefcn. Feuerbach blieb lange in Rom, kam nur für kurze Zeit nach Karlsruhe und Wien, woselbst seine Eigenart immer wieder verkannt wurde, und lebte schließ­lich ganz in Italien. Er starb am 4. Januar 1880 in.Vene­dig. Seine Bilder, vielfach im Stile der Hochrenaissance gemalt, von strengen Formen und Linien, zeigen oft dasselbe Modell: Nana. Diese Nana Mit dem über­reichen blauschwarzen Haar und den edlen Zügen, die jahre­lang des Malers Geliebte war und ihn zu seinen besten Schöpfungen inspirierte. Auch für die Stiefmutter Feuer- Lachs wußte Professor Schnbring zu interessieren, für die edle Frau, die sich nach des Gatten Tod mit Musikstunden kümmerlich durchschlug und den Sohn sogar von ihrem kargen Erwerb unterstützte; die selten ein Wort des Tadels für seinen oft leichtsinnigen Lebenswandel fand und ihm immer wieder tröstend und helfend zur Seite stand. Nur eins blieb mir unverständlich. Professor Schubring zeigte zuerst ein Selbstportrait Feuerbachs, eine nicht besonders glückliche Arbeit, wie er selbst zugibt. Dann folgte ein Selbstportrait von Maröes, um die Wesensverwandtschast der beide« Künstler zu illustrieren. Auch das Portrait von Marses mit dem quergehaltenen Pinsel wirkt steif und ge­quält. Jetzt aber kommt das Merkwürdige: Professor

Schnbring ließ das Bildnis eines altcrr Herren folgen, von Lenbach gemalt, und während ich das Gemälde im stillen bewunderte und es hoch Wer die beiden vorhergehenden stellte, erklärte Professor Schubring, daß "enbach nach seinem Tode einen so jähen Sturz erlebte, wie selten ein Künstler. Daß man sehr schnell die bei Lebzeiten des Künstlers so bewunderten Bilder in ihrer ganzenFlachheit mrd Lappig-, feit" erkannt habe und er, Schnbring, nochso anständig" sei, uns eines seiner besten Bilder vorznsühren. Sollte sich Professor Schnbring vielleicht verftzrochen haben, als er mit

solche,: Worten des gefeierten Meisters der Portraitkmrst,

der ja freilich nicht nur Hochwerke schuf, gedachte? Die Zu­hörer nahmen die befremdende, neue Belehrung ruhig hin. Schade, daß dem interessanten Vortrag keine Diskussion! folgte. B. F.

Kleine Gheorrrk.

Theater mrd Literatur. Im Münchener Refidenz- theater wurde Herbert Eulenbcrgs KomödieAlles um Liebe" bei ihrer UrauMhrung unter Lachen und Johlen begraben cm Schicksal, das doch zu hart war für dieses zwar konfuse und mit Geschmacklosigkeiten reichbeladene, aber doch auch durch echt dichterische Einzelheiten ausge­zeichnete Werk. Die Komödie ist die gänzlich mißglückte Arbeit eines starken, aber zügellosen Talents.

Bildende Kmrst mrd Biustk. Sechs Reproduktionen nach landschaftlichen Aquarellen der Prinzessin Eitel' Friedrich von Preußen sind als Wohltätigkeitskarten zum Besten der preußischen Frauen- und Jungfrauenvereine in dem bekannten Postkarten-Verlage von Raphael TLck und Sons, Berlin SW. 88, erschienen. Ter wohltätige Zweck, der das Mittel heiligt, und der Umstand, daß sie dem Pinsel eines Angehörigen unseres Herrscherhauses entstammen, dürfte ihrer Verbreitung mehr förderlich sein als ihr künstle­rischer Wert, der in den übrigen Postkarten-Ausgabcn der Firma einen gefähMchen Gradmesser hat. Der Campanile von Sankt.Markus in Venedig ist wiederhergestellt und soll am 14. Juli dieses Jahres, am Tage, au dem er vor neun Jahren zusammenbrach, seiner Bestimmung übergeben werden.

Wissenschaft und Technik. In P a r i s beträgt dre Zahl der Studierenden: 17798; die Zahl der Ausländer betrug 3565. Ein Tierparadies will der Inhaber des be­kannten Tierparkes in Stellingen bei Hamburg, Karl Hagenbeck, auf der Insel Brroni im Wriaüschen Aleere schaffen. Bei einem Besuche, den Herr Hagenbeck den« Besitzer -der Brionischen Inseln bei Pola, Herrn Paul Kupel­wieser, abstattete, machte die paradiesische Vegetation dieses ob seiner Schönheit bekannten Fleckes Erde einen solche« Eindruck auf ihn, daß in ihm der Plan aufstieg, dort ei« Stück Afrika zu schaffen, ein Paradies der Tiere, wie die Welt kein zweites hätte.