Nr. 65. Mittwoch, 8. Februar 1911.
nicht, auch ist dieselbe durch keinerlei Bürgschaftsleistung -Ser dergleichen anderweit engagiert. Bei der Preußischen Zentralge-nossenschaftskasse in Berlin hat das Institut eine Kapitaleinlage von 100 000 M., wofür im letzten Jahr B 1 /* Prozent Zinsen vergütet wurden. Die Generalversammlung der Genossenschastsbanik für Hessen-Nassau findet im Monat April im Sitzungssaal des Kommunallandtags im Landeshaus Hierselbst statt.
—- Die Stadtverordneten sind auf Freitag, den 10. Febr. l. I., nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Rathauses zur Sitzung eingeladen. Tagesordnung: 1. Antrag auf Bewilligung von 16 700 M. für Ausführung der Garten- und Wegeanlagen auf dem Gelände des städtischen Krankenhauses. Ber. Bau-A. 2 . Desgleichen von 7000 M. für Versetzung einer Baracke von dem Kmnkenlhausgelände nach dem JNfektionshospital an der Frankfurter Straße. Ber. Bau-A. 3. Desgleichen von 1100 M. für Herstellung des Wegs zwischen Lcmz- und Kapellenstraße entlang dem Dem- mrnschen Grundstück. Ber. Bau-A. 4. Desgleichen von 480 M. für Einrichtung von zwei weiteren Kursen des israelitischen Religionsunterrichts an den hiesigen städtischen höheren Lehranstalten. Ber. Fin.-A. 5. Magistratsvorlage, betreffend Abänderung einiger Bedingungen des Tauschvertrags mit der „Wiesbadener Schütz-ngesellschaft". Ber. Fin.-A. 6. Berichte des Organisationsausschusses über dre Personalveränderungen zum Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1911. 7. Wiederholte Eingabe des Privatiers Wilhelm Jmmel sen., betreffend die Grundwasserverhalt- Nisse seines Hauses Drudenstraße 5. Ber. Org.-A. 8. Feststellung der Jahresrechnung der Wasser- und Lichtwerke, sowie der Krankenhausverwaltung für das Rechnungsjahr 1908 Ber. Rechn.-Pr.A. 9. Antrag auf Bewillrgung von 8500 M. für den Neubau der Fahrbahn der Webergasse zwischen >Spiegel- und Langgasse. 10. Fluchtlinienplan für eine Verbindungsstraße zwischen Sonnenberger und Karl- Maria-Von-Weber-Straße.
— Die Vertreter der hessischen Privatbeamten, welche zwecks Erreichung der staatlichen Pensionsversicherung in einem Landesausschuß für HessewRassau zusammengeschlossen sind, hielten am Sonntag, den 5. Februar, in Frankfurt eine Delegiertentagung ab, in welcher zu dem erschienenen Gesetzentwurf Stellung genommen wurde. Die Bevsammlung war einstimmig der Ansicht, daß der Entwurf eine brauchbare Unterlage für die Verwirklichung eures den Verhältnissen der Privatbeamten angcpaßten Pensionsgesetzes bildet, zumal innerhalb der Vorlage der Jnvalrdi- tätsbegrisf geklärt ist, und auch die Form der Versicherung, sowie deren Umfang den Wünschen der Mehrzahl der Angestellten entspricht. Die Vertreter der Privatbeamten wur- den allerdings beauftragt, bei der demnächst in Berlin statt- findenden Hauptausschußtagung darauf hinzuwirken, daß in bezug auf Prämien und Renten die ursprünglichen Sätze der Denkschrift wiederhergestellt werden. Außerdem wurden noch Wünsche über eine Verbesserung der Selbstverwaltung laut, die ebenfalls dem Hauptausschutz und der Regierung zu übermitteln sind. Die Regelung der Ersatzkassenfrage fand den ungeteilte« Beifall der Versammlung. Als Vertreter der hessischen Privatbeamtenschaft wurden die Herren Karl Fischer (Offcnbach), Richard Baum (Frankfurt a. M.) Und Direktor Oskar Neumann (Cassel) gewählt.
— LustbarkeitSsteuer und Kaisevössen. Das Oberver- waliungsgericht hat eine Entscheidung von großer Bedeutung gefällt. Den Gemeinden ist nach dem Kommunal- abgabenaesetz ohne bestimmte Schranken die Besteuerung von Lustbarkeiten gestattet. Die Steuerordnung für D. besteuert auch Festessen. Als die Mitglieder einiger Krcrs- ausschüsse ein Festessen zur Feier des Geburtstags des Kaisers in D. veranstaltet hatten, fordert- dre Gememde Lustbarkcitsfteuer. Rach fruchtlosem Einspruch erhob crn Kreisausschuß Klage mit dem Antrag auf Freistellung, da vorliegend von einer Lustbarkeit nicht die Rede sein könne. Das Festessen habe stattgcsunden. um das -monarchische Bewußtsein zu stärken. Der Bezirksausschuß erkannte indessen auf Abweisung der Klage, da nach der ordnungsmäßig zustande gekommenen Steuerordnung auch Festessen besteuert werden dürfen, steuerfrei sollen nur patriotische Gedenkfeiern der Soldaten bleiben. Das Oberverwaltungsgerrcht änderte aber die Vorentscheidung ab, erkannte auf Frei
da, wo die eigene Einsicht mangelt, in dieser Richtung auf gesetzlichem Wege Wandlung geschaffen wird.
Die Not der Winzer schreit zum Himmel. 'Noch me ist sie den Negierungen so nahe gebracht worden, wie es eben geschieht. Höffen wir, daß, wie bei der Reb- lausplage, jetzt „von oben" auch gegen die Sauerwurm- plage das Nötige, das Durchgreifende geschieht, sonst gehört der deutsche Weinbau bald zu den „historischen Reminiszenzen". _______________
Aus Kunst und Leben.
* Die Jubelfeier der polnischen Presse. Aus Warschau wird der „Ins." geschrieben: Die polnische Presse feimte in diesen Tagen das Fest ihres 250jährigen Bestehens. Geschriebene polnische Zeitungen existierten bereits im 15. und 16. Jahrhundert. Sie wurden meist von Geistlichen, messt von Jesuiten, herausgegeben Man versandte sie an Gönner und Würdenträger, die gewöhnlich 100 Dukaten jährlich dafür zahlten. Sie waren nach Art der venezianischen „Notizre sritte" verfaßt und enthielten Berichts von politischen Ereignissen, Brotpreisen, wichtigen Nachrichten usw. Die erste Leitung war der am 3. Januar 1661 in Krakau erschienene Mcrkurj Polski". Der Redakteur hieß Jan Alexander Gortschin, ein Buchdrucker. Die Schrift war gotisch- Der stweck war, Wie in einem einleitenden Artikel ausführlich Älärt wurde, das Publikum gemäß dem Gebrauchs m anderen Ländern mit den wichtigsten Ereignissen in Europa und in der Christenheit bekannt zu machen. Gortschrn schrieb über die allgemeine Lage in Europa, ferner über Vorgänge in den Hauptstädten. In besonderen Fällen gab er Extrablätter heraus, z. B. zu Nr. 5, wo der Brief de- Tartarenchans an den König abgcdruckt ist, und zu Nr. 17, wo Nachrichten über einen Reichstag in Siebenbürgen zu lesen sind. Trotzdem ging cs Gortschin nicht gut mit seiner Zeitung. Solange Jan Kasnnir lebte, ging es noch, als aber der König nach Warschau übersicdclte, interessierte sich
Wiesbadener TagbLM. Morgen-Ausgabe, 1' Blatt. _ Seite 3
stellung von der Steuer, indem u. a. ausgeführt wurde, Lustbarkeiten im Sinne des Kommunalabgabengesetzes seien alle Veranstaltungen, welche nach Absicht des Veranstaltenden dazu bestiiNmt und geeignet sind, zu ergötzen und zu unterhalten. Ein Festessen zur Feier des Geburtstags dos Misers werde in der Regel nicht veranstaltet, um die Teilnehmer zu ergötzen und zu unterhalten, sondern zu dem Zweck, den patriotischen Gefühlen und Empfindungen Ausdruck zu geben.
— Der Justizminister über die Nahrumgsnrittelsälscher. Zum Strafverfahren wegen Be'fäkschung von Nahrungsund Genußmitteln hat der Justizminister eine Verfügung an die Strasvevfolgungsbehörden -erlassen. Die Zunahme der NahrungsmittelversäffchU-ngen werde durch die Kriminalstatistik bestätigt. Je mehr die Fälscher die Fortschritte der Wissenschaft mißbrauchen, um die Arten und Mittel der Verfälschungen zu vermehren, um so nachdrücklicher müsse diesem gemeingefährlichen Treiben entgegengetreten werden. Es soll deshalb stets- möglichst schnell eingeschritten und auf eine strenge Bestrafung hingewirkt werden. Die Staats- und Amtsanwaltschafte« -sollen sich aber auch vor Augen -halten, daß die Erhebung derartiger «lagen und die öffentliche Gerichtsverhandlung für die Gewerbetreibenden auch -dann mit großen Nachteilen verbunden ist. wenn Freisprechung erfolgt. Deshalb sollen derartige Anklagen von vornherein auf eine möglichst sichere Grundlage gestellt werden. Die Untersuchung der Mittel soll nur Sachverständigen übertragen werden, die genügende Erfahrung und Kenntnisse besitzen; bei -dem Verdacht einer Schädigung der Gesundheit sollen auch ärztliche Sachverständige zugezogen werden.
— Stenographisches. Nach dem statistischen Jahrbuch 1911 zählte die Gab elsbergersche Schule am 30.Juni 1910 insgesamt: 2600 (+ 146) Vereine, 117260 (-f 7946) Mitglieder, 183 097 .(+• 17 874) Unterrichtete, davon 133520 an 3572 (si- 313) Lehr-a-nstalten. Davon entfielen aus die deutsche Schule Gabelsberger: 2463 (+ 141) Vereine, 109 201 (+ 7462) Mitglieder, 149 446 (+ 13 283) Unterrichtete, davon 104 535 (+ 9493) an 2355 (4- 216) Schulen. Auf Deutschland kamen: 2229 (4- 135) Vereine, 96 332 (f 6936) Mitglieder, 101121 (+ 7673) Unterrichtete, davon 64640 (ch- 4389) an 1997 (ch 62) Schulen. Auf die Provinz Hessen-Nassau entfielen 91 (+ 17) Vereine, 4473 (+ 597) Mitglieder, 4287 (+ 514) Unterrichtete, davon 2278 (+ 407) an 65 (+ 9) Schulen. In Wiesbaden wurden am 30. Juni 1910 -gezählt: 2 Vereine, 151 Mitglieder und 82 Unterrichtete.
— Das Warenzeichenblatt. Um den beteiligten Kreisen die Einsicht des Warenzeichenblat-ts, in welchem alle eingetragenen Warenzeichen, nach Warenttassen geordnet, fortlaufend veröffentlicht werden, zu erleichtern, haben sich auf Anregung des Patentamts zahlreiche gewerbliche und gemeinnützige Körperschaften aus allen Gebieten des Deutschen Reichs bereit erklärt, das in monatlichen Heften erscheinende Blatt dauernd zu beziehen und unentgeMch jedermann zur - Einsicht in den Au-slegeräumen zur Verfügung zu stellen. Ein Verzeichnis der Vereine, Behörden usw., bei denen demgemäß das Warenzeichenblatt ausliegt, benennt für Wiesbaden -folgende Stellen: 1. Gewerbeverein (Wellritzstraß-e 38); 2. H-aNdclAammer (Adelheidstraße 23): 3. Verband der Weinhä-ndler des Rhein- und Maingaus (TaunuSstraße 5).
— Da werden Weiber zu Hyänen. Vorgestern abend gerieten in der Feldstraße mehrere Frauen, zwischen denen schon längere Zeit ein -gespanntes Verhältnis, angeblich wegen Eifersucht, Herrschis, aneinander. Zwei der Amazonen lockten ihre Gegnerin unter irgend einem Vorwand aus die Straße, um sie dann hier nach Herzenslust zu verbläuen. Unter S-chi-mpfe-n der Schlagfertigen und dem Wehgeschrei der überfallenen flüchtete letztere nach ihrer Wohnung, immer noch verfolgt von ihren Gegnerinnen, die erst von ihr ablicßen, -als sie ihren Blicken entschwunden war.
— Jmmobilienversteigerung. Das Wohnhaus Ecke Oranienftratze 2 und Rheinstratze 56 dahier ist im gerichtlichen Berste! gerungstermin van den minderjährigen Ge- schwistern Marie und Henriette Stark in Wehen zum Höchstgebot von 42 538 M. angesteigert und der Zuschlag auch bereits erteilt worden.
niemand -mehr für die Zeitung. Daher zog Gortschin ebenfalls nach Warschau, wo er am 20. Mai 1661 den „Merkurj" weiter erscheinen ließ. Aber auch dort ging cs schwach und Gortschin geriet in Schulden. Er mußte die Herausgabe seiner Zeitung einstellen und nach Krakau zurückgehen, wo man ihn in den Schuldturm sperrte. Ein Bratstwo kaufte ihn von dort los. Gortschin verlebte den Rest seiner Tage in Armut. Die polnische Presse ist also 41 Fahre früher erschienen als die russische, deren Beginn man auf den 17. Dezember 1703 zu setzen pflegt. An diesem Tage erschien nämlich der Utas Peters I. über den Druck der „Kuranten". In demselben Fahre erschienen in Moskau die „Wedomosti von militärischen und anderen Dingen, die in Moskau und Umgegend geschehen". Durch die tatkräftige Unterstützung des genialen Kulturbringcrs erstarkte die Presse und gewann immer größere Bedeutung, während die polnische aus Mangel an Interesse seitens des Publikums einschlief. Die polnische Presse hat — abgesehen von dem ziemlich kläglichen Beginn Gortschins — erst bedeutend später als die russische zu leben angefangen, nämlich 1718 öder eigentlich erst 1729.
Kleine Cheonlk.
Theater und Literatur. Ein Freilicht-Theater soll in der Umgebung von Schwerin geschaffen werden. Das Theater ist für einige Sommermonate geplant. — Ein engerer Freundeskreis Joseph Kainz' dem Hermann Bahr, Alexander D. Goltz, Hugo von Hofmannsthal, Felix Salten, Artur Schnitzler und Karl Schonherr u. a. m. angehören, hat die einleitenden Schritte zur Errichtung eines Denkmals für den verblichenen großen Künstler unternommen.
Bildende Kunst und Musik. Richard Strauß' Oper „Salome" gelangt Anfang Februar in Kairo in der Khedivial-Oper unter Leitung des Signor Bracale, Direktor des Opernhauses, zur AuMhrung. — Enrico Caruso ist endgültig zu einem Gastspiel am Hoftheater in Hannover verpflichtet worden. Cr wird wahr-
— Der Lloyd-Exprcßzug Hamburg-Genua, der bekanntlich auch Wiesbaden berührt, wird, laut „Voss. Zig.", wegen geringer Benutzung wieder cingehen. Er soll künftig von Berlin aus über den Gotthard als Berlin-Genuaer Expreß» zug verkehren.
— Gestürzt mit dem Rad uni-er erheblichen Verletzungen im Gesicht ist vorgestern abend ein Radfahrer in der Moritzstraße. Er blieb mit seinem Fahrrad in den Schienen hängen und schlug aus das Straßenpslaster auf. Das Rad wurde dabei völlig verbogen. Ein Vorübergehender bracht» Radler und Rad in Sicherheit.
— Justiz-Personalien. Gerichtsassessor Spankus von Wiesbaden ist dem Amtsgericht in Hochherm, Gerrchtsaffessor! Lahmann von Wiesbaden dem Amtsgericht m Wehen als Hilfsrichter zugewiesen, Aktuar Riedel vom Konrgl. Amtsgericht ist vom 15. April ab nach Südwestafrrka mwierufen. nachdem er vorher die Kolonialschule in Hamburg besucht hatte. Ein Bruder von Riedel ist schon früher in Sudwestafrrka angestellt worden.
— Wiesbadener Karneval. Nächsten Sonntag, den 12. Februar, abends 8 Uhr 11 Min., findet im Theatersaals der Walhalla dis zweite große Gala-Fremden- und Damensitzung der „Narrhalla" mit darauffolgendem Balle statt. Zu dieser
f remdensitzung haben das Komitee der alten Sachsenbausener arnevalsgesellschaft, sowie die Karnsvalsgesellschaft „Ostend - Frankfurt a. M. ihr Erscheinen zugesagt. Ihre besten Butten- und Karnevalsredner, die besten Humoristen und Vortragenden von Mainz und Frankfurt a. M., sowie die besten Kräfte der ..Narrhalla" werden vereint diese zweite Fremdenfttzung be- suchen. Die Vorausbestellung von Eintrittskarten ist sehr rege.
— Belagerung und Kapitulation von Paris. Herr Robert Stritte: schreibt uns: Erst heute früh kam mir der Artikel vom 3. d. M. vor die Augen. Leider habe ich wenig Zert. mich auf Polemiken einzulassen mit meinem JnsanteNe-Schrsststeller, der seine interessanten Tagebücher im Tornister nntschleppte.
S hatte als berittener Artillerist keinen Tornsster, dagegerr die ich alle drei bis 4 Tage je nach Gelegenheit eme FKd- postkarte, wovon ich einige der „Tagblatt"-Redaktion zum Beweis meiner Mitteilungen über sclbsterlebte Ereignisse unterbreitete. Ich wollte nur meinen Kameraden .Herrn, Groven- gießer aufmerksam darauf machen, daß man rm Kriegs- wre Friedensdienst die Belagerungs- bezw. Festungsartillerie- Reg^ menter keinem besonderen Armeekorps zutesten kann, weil doch die deutschen Grenzfestungen die ganzen Mannschaften sewst gebrauchen und viele Armeekorpsstandplatze keine Festungen besessen haben. Ich nahm an den verschiedenen Belagerungs- kommandos vor Stratzbura, Verdun, Mezieres, Metz, Toul, Soissons, La Fere ilsw. teil, aber ich diente nur beim Rekognoszieren und wenn die Geschütze einaefahren wurden, bezw. dis Festungen kapitulierten. Ich kam gleich rm August 1870 mrt einem Pferdekommando von Berlin aus direkt vor Metz an und wurde mit wichtigen Aufträgen nochmals nach Cassel zu» rückbeorüert und von da wieder zu einem Belagerungsstab unter dem Großherzog Friedrich von Mecklenburg vor Toul., Ich kannte jene Gegend von meiner früheren kaufmännischen Karriere aus und Ranch wie Toul, auch Reims und Chalons besuchte ich früher mehreremals. Ich wurde zu allen mdglichenDrenst. leistungen kommandiert, einmal als Quartiermacher und dann wieder als Dolmetscher mit den Zivilbehörden., Endlich kam das Ende der Feindseligkeiten. Auch die 21. Division kam in ziemlich deprimiertem Zustande von der Loire aus vor Paris an und nahm den Ratzon Viroflah-Sevres Cantonnements em. Ich sah unseren früheren Feldwebel Georgr, zum Offizier avanciert, wieder und viele Bekannte im Lazarett in Lagnh (Sergeant Steil von den 8vern). Ich könnte noch manches Interessante erzählen, mag aber den Raum des „Tagblatts nicht zu sehr in Anspruch nehmen.
— Eisbahn der Kurverwaltung. Die Eisbahn auf den Sportplätzen der Kurverwaltung, Blumenwiese, ist seit heute wieder dem Schlittschuhverrehr geöffnet.
— Moderne Bibelabende. Wir machen nochmals auf den heute abend 814 Uhr in der Lutherkirche stattfindenden viertes Abend aufmerksam. ___
Theater. Kunst. Vorträge.
* Orgelkonzert in der Marktkirche. Herr LudwigKoch, de« ausgezeichnete Frankfurter Bariton, trug im letzten Mittwochs- Konzert die herrliche Bacharie: „Am Abend, da es kühle ward', mit edler Empfindung und meisterlich geschulter Stinime vor. Das ansprechende „Denediktus" von Ritter gab dem Künstler Gelegenheit, die Tragfähigkeit seiner Stimme auch im Pianissimo zu zeigen, auch dem geistlichen Lied von Bach wurde er mit tiefer Empfindung gerecht. Die Chorklassen der höheren Mädchenschule und des Lizeums, mit dankenswerter Unterstützung einiger sangeskundigen Herren unter Leitung des Herrn Fritz Zech, boten sowohl in der trefflichen Komposition ihres Dirigenten als auch im achtstimmigen Psalm von Grell wieder ganz Vorzügliches. Der verdienstvolle Leiter der Chore konnte des Dankes aller Anwesenden sicher sem. Herr Petersen spielte auf der Orgel die altlüüeckische Passacaglia von Buxte» Hude, ein feines Stück voll intimer Wirkungen, und den Fest- Hymnus von Piutti. — Im heutigen Konzert sollen wieder Chorvorträge geboten werden, und zwar hat der gemischte Chor, des „Christlichen Vereins junger Männer" unter Leitung semeS Dirigenten, des Herrn MiitelschullehrerS Loh, freundlichst iem« Mitwirkung zur Verfügung gestellt. Orgelvortrage des Herrn
scheinlich vonr 12. bis 15. Oktober auftreten. — In Berlin fand die außerordentliche Generalversammlung der „Großen Oper». A. - G., statt. Wie er-i innerlich, so teilen die „Leipz. N. N." mit, hat die Gesell- schaft die Erlaubnis zum Bau einer neuen Oper nicht bekommen. Deshalb hatte der Aufsichtsrat an die General» Versammlung den Antrag gestellt, das bisherige Opernprojekt fallen zu lassen und dafür lieber ein Boardinghaus zu bauen. Dieses Haus ist als ein großes Pensionsinstitut mit 750 Betten, mit Bädern, Spielsälen, einem großen Restaurant, einem Cafs und Läden gedacht. In der Debatte erklärten niehrere Teilnehmer, daß sie mit der Umwandlung eines künstlerischen in ein rein geschäftliches Unternehmen nicht einverstanden seien. Da aber der VorsitzenDe allein über mehr als drei Viertel des ganzen Kapitals ver» fügt, so wurde der Antrag ans Umwandlung in ein Boar- - dinghaus angenommen. — Richard Strauß hat, wie dio „Zeit" mitteilt, an seiner Oper „Der Rosenkavalier" einschneidende Kürzungen vorgenommen. Das Werk wird in dieser Form in Wien und Berlin zur Aufführung gelangen. Strauß arbeitet gegenwärtig an einer modernen komischen Oper, zu der wiederum Hofmannslhal das Libretto schreibt. Außerdem will der Komponist eine bereits begonnene sinfonische Komvosition vollenden. —- Franz Lehsir hat im Verein mit Viktor LZon die dritte für die nächste Saison bestimmte Operette, die den Titel „Die Hexe" führt, sertiggestellt und wird ebenso wie in diesem Jahre Fall alle Operettenbühnen Wiens in der nächsten Spielzeit beherrschen. — Leo Falls „Geschiedene Frau" koinmt am 13. Februar im Pariser Apollotheater zum erstenmal zur AuMhrung. — Wie int Wiener Künstlerkreisen verlautet, wird Felix v. Wein, gartner schon mit Ende dieses Monats die Drrektions-- geschäfte an seinen Nachfolger Hans Gregor übergeben. — Die in Kob e (Japan) erkrankte Sängerin Frau Calvg ist wieder so weit hergestellt, daß keinerlei Gefahr für ihr Leben mehr besteht.
