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Uiesbadkner Tsgblstt.

»erlag Lauggaff« SL KW n+ -loero ..»-gdl-u-H-us" Nr.665o.bs.

Wöchentlich 12 Ausgaben. _ Gegründet 1852.

bis 8 Uhr abends.

Wöchentlich 12 Ausgaben.

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Nr. es.

Morgen - Ausgabe.

1. Wkcrtt.

Erholungsheime für Knusteute.

Es mag etwa 11?. Jahre her sein, da stand im ^Wiesbadener Tagblatt" ein Artikel, der sich zum ersten Male in Deutschland mit einer wichtigen sozialen Frage des Kaufmannsstaiides befaßte, nämlich Mit der Notwendigkeit, Erholungsheime für die Kaufmann­schaft zu befchaffen. Damals war die Erörterung renr theoretischer Natur, wenn sie letzten Endes auch den praktischen Schluß zog, daß die Einrichtung solcher sozialen, und man darf wohl auch sagen: sanitären An­stalten dringend notwendig wäre. .>zn diesen 1,n Jahren hat die soziale Gesetzgebung , und dre soziale Wohlfahrtspflege in Deutschland werter die wohl­meinende Freundschaft der bürgerlichen Aerufsstan.de gefunden und neuerdings regen sich auch viele «tmi- mell, die zugunsten der Privatangestellten eine prophy­laktische Gesetzgebung fordern, mit welcher sich jetzt der Reichstag auch beschäftigen wird. Hat man doch jahr­zehntelang für die im Handel und Juduswie, im Ver­kehr und Gewerbe tätigen gehobenen Schichten der Be­völkerung weder Zeit noch Neigung gehabt und sich des­halb wenig um ihre soziale Lage und Lebenshaltung gekümmert. Erst galt es, der Arbeiterschaft die Grund­lagen eines menschenwürdigen Daseins zu verschaffen und über der Sorge für den vierten Stand kamen dre erwerbstätigen Schichten des dritten vollkonimen in den Hintergrund.

Wenn das nun auch anders werden soll, so bleibt die soziale Fürsorge für den weitgedehnten Kreis der Kaufmannschaft doch immer noch hinter den praktischen Notwendigkeiten zurück und kann sich zunächst nur mir einer ganz bescheidenen Sicherung ihrer Existenz in Fornl der Alters- und Pensionsversichernng befassen. Tie Fragen der rein sanitären Wohlfahrtspflege müssen vorerst wenigstens aus dem Kreise der staatlichen und öffentlichen Wohlfahrtspflege .aus sche id en und wenn sich ihrer nicht die p r r v a t e Hilfsberertichaft annimmt, gänzlich unberücksichtigt bleiben. So durste es nicht verwunderlich sern, wenn dre Anregung, welche in jenem Artikel gegeben worden war an den öffent­lichen Stellen kerne Beachtung fand. Desto nachhaltiger jedoch wurde sie in den B e r u f s k r e r s e n erörtert und das Ergebnis dieser Betrachtungen war, daß dem Verfasser überall beigepflichtet wurde, insbesondere

widmete sich der Kaufmännische Versrn

Wiesbaden dieser Anregung und wußte weitere Kreise dafür durch einen Vortrag zu interessieren,

ZemUetorr.

(Nachdruck verraten.)

Berliner Stimmungsbilder.

Von Paul LmdenLerg.

e tn Goethesches Wort. Man folgt ihm^gern. Der Presse- Hall. Bon den Anwesenden und den Fehlenden. « Reinhardt hier, Herr Reinhardt da! Em,l .

Heinrich Oberländer. Gastspiel des Prinzen Karneval Berlin. Wechsel der Sezessions-Leitung.- Allerhand U Stellungen. Eine Probe aus derZauberflote.

Benützt die Gegenwart mit Glück!" dies Wort aus Goethes Xenien sandte Fürst von Bulow aus Rom für den Musenalmanach, der beim letzten Pt'IIJ; ball als poetische Damenspende zur Verteilung gelangte. Ach, wie gern besolgt man den mahnenden Ausruf - wenn es nur immer möglich wäre! Bei jener eben erwähnten festlichen Gelegenheit beherzigten ia recht viele lene tm foodenlng und fühlten sich augenscheinlich sehr behaglich im schimniernden Rahmen des großen Phllharmomesaalech in welchem bis zu vorgerückter Morgenstunde das dichteste Gewülstb^errschte. Wiederum eine Fülle bester und interessanter Erscheinungen, eine stattliche Zahl von we- rühmtheiten, viele schöne Mädchen und Frauen, und oben in einer der Logen der liebenswürdige Kaisersohn Prinz

rnS! £w<n e »» w°».g °u- -«ch-m

DM Sport und Jagd macht, dafür mehr den Musen hm di at und sicherlich berufen ist, eine engere Verbindung her- zustellm zwischen dem Königshause und den. Verrrerern der zeitgenössischen Literatur. Dem jungen Prinzen gefrel si-tzO lich das abwechslungsvoll buntfarbige Getriebe, denn er weit länaer. wie die anderen Ehrengäste, zu denen verschiedene Minister, Staatssekretäre und sonstige hervor­ragende Leuchten uns exej Beamtentums, des Heeres und de: Marine gehörten. In der -rat gewahrt gerade . > Ball in seiner verschiedenartigen rmd daber meist gewühlten 7t ! " -I. " Lr -Trift,r-TwiKr und TeLnehmennnen

lULm MsMitt de? modernsten und strebsamsten

Dienstag, 7. fiebvuat 191S. 23. Jahrgang.

welchen Herr Joseph Baum in W i e s v a v e n, der Verfasser des damaligen Artikels, vor einem viel­hundertköpfigen, nicht nur aus Kaufmannskreisen, sich zusammensetzenden Publikum über die Frage hielt.

Vor einigen Wochen ist nun eine Broschüre von Joseph Baum erschienen, welche das Problem ausführ­lich behandelt und unter übersichtlicher Darstellung der in Betracht kommenden Verhältnisse den Nachweis bringt, daß die Schaffung von vorläufig zwanzig kauf­männischen Erholungsheimen mehr wären zu An­fang nicht notwendig lediglich durch private Initia­tive vollzogen werden könnte. Wenn es wahr ist, daß unsere Zeit sich dadurch auszerchnet, sozialen, hygieni­schen, wirtschaftlichen und politischen Gefahren neben den elementaren durch vorbeugende Maßregeln zu be­gegnen, dann verdient das Bestreben Joseph Baums nicht nur die größte Beachtung, sondern auch die Förde­rung und Unterstützung durch alle jene Kreise, die ein Interesse an der sozialen Hebung, an der physischen wie psychischen Gesundheit des deutschen Kaufmanns­standes haben. Gewiß sind der weiten Gruppe der Privatangestellten und den Tausenden weniger gut- siruierten selbständigen Kaufleuten hinsichtlich ihrer Be­mühungen uni bessere materielle und autoritative Le­bensbedingungen Grenzen gezogen durch ihre höhere gesellschaftliche Stellung und die größere Allgemein­bildung. Aber da ihnen gerade in jener Richtung viel­fach Sicherungen und Erleichterungen nrangeln, welche die arbeitende Bevölkerung schon längst errungen hat. so wird man ihren Bestrebungen, für sich selber zu sorgen, um so leichter wohlwollende Förderung ange­deihen lassen müssen, als dabei nicht nach der Hilfe des Staates geschrieen wird, sondern, die Privat­initiative allein die für notwendig und nützlich anerkannten Einrichtungen zu schaffen gedenkt.

Von diesem Standpunkt geht -Joseph Baum in seiner Schrift aus: er will in ganz Deutschland Er­holungsheime kür die Angestellten und weniger be­mittelten selbständigen Kaufleute geschaffen sehen und diesen großzügigen Plan nur durch die Selbsthilfe des Handelsstandes verwirklichen. Es ist bemerkenswert, daß diese soziale Tat angeregt wird von dem Inhaber einer großen Firma, der selber Hunderte von Ange­stellten" beschäftigt und somit wohl in der Lage ist, sich nicht nur über die Notwendigkert solcher Heime aus Erfahrung ein Urteil zu bilden, sondern der auch die Schwierigkeiten derartiger Schöpfungen, der allge­meinen wie der Einzelorganisation, leichter überschauen kann als irgend ein vielleicht sozialen Utopien huldi­gender Philanthrop. Nach dem Verfasser sollte eine über ganz Deutschland sich erstreckende Zentralorgani- sation zwanzig solcher Erholungsheime schaffen, die in landschaftlich oder klimatisch bevorzugten Teilen des

Weltstadt gibt, zugleich auch die umfassendste Toilettenschau: Denn viele der Besucherinnen, die es 'dazu haben, sehen es gewissermaßen als eine Ehrenpflicht an, in dem Schwarm der übrigen eleganten und schönen Evaschwestern anfzu- fallen. Im allgemeinen aber waren diesmal die Toiletten nicht so extravagant wie sonst, dafür wurde im Kopfputz das Allermöglichste, richtiger -unmöglichste geleistet, und zwar in Turbanen, gold- und silberglitzerNden, durch die Haare geflochtenen Bändern, in merkwürdigsten Schleifen, in kost­baren Paradies- und Stutzreiher-Gestecken, die wie die einstigen Turnierscdern der kampflustigen Ritter das Ge­wühl der Tanzenden, Promenierenden, Soupierenden über­ragten, an sich ein ganz gutes Erkennungszeichen für im Strudel verlorengegangene Gatten und herbeizuwinkende Freunde!

übrigens fehlte beim Presseball einer, der sonst stets gern dabei war und gebührend bemerkt wie später in den Berichten erwähnt wurde: Herr Max Reinhardt.

Von seinem Fernbleiben erfuhr das Komitee zu spät, sonst wäre ja natürlich das Fest, selbst in letzter Stunde, verscho­ben worden, freilich ohne einen naheliegenden Termin für sein Stattfinden bestimmen zu können. Denn diesem Lieb­ling der Götter und des Publikums ist die Dreimillionen­stadt zu klein geworden und genügt ihm der Beifall von Tausenden nicht, es müssen Hunderttausende, ja Millionen sein. Augenblicklich weilt der vielbeschäftigte Herr in Lon­don mit einem Teil seiner Künsflerschast zum Gastspiel, vor­her war er in Dresden tätig bei der Einstudierung des Rosenkavaliers", demnächst will er in Paris gastieren, daraus wird er große Festvorstellungen in München, Leip­zig, Frankfurt am Main leiten, er soll dann Direktor der Deutschen Volkssestspiele werden, auch für ein Dutzend anderer Posten hat man ihn noch in Aussicht genommen: Reinhardt hier, Reinhardt da, bloß nicht in Berlin! Wenn das man demDeutschen Theater«, dessen Direktor, einem dunklen Gerücht zufolge, Herr Reinhardt noch immer ist gut bekommt! Es wird da sowieso schon bei Wieder­holungen bestimmter Stücke eine Komödieverzapft", die den l-tzten Provinzler in Angst und Schrecken versetzt und ihn reumütig des schönen Geldes gedenken läßt, das er für das teure Billett verausgabt.

Vaterlandes zu errichten wären und von einer gemein­samen Stelle aus geleitet würden. Vorausgesetzt, daß Staat oder Kommunen den Boden kostenlos hergeben, wären für den Bau eines einzelnen Heimes bei ge­schmackvoller Herstellung die dem Landschafts­charakter der Gegend anzupassen wäre etwa 150- bis 180 000 Mark erforderlich. Ein Heim sollte normalen Verhältnissen nach etwa 100 Betten erhalten. Das In­ventar würde rund 50000 Mark kosten und als Be­triebskapital würden 20 000 Mark für jedes Heim er­forderlich sein, so daß insgesamt für die einzelne An­stalt 250 000 Mark oder für zwanzig Henne 5 Millionen Mark notwendig wären. Das für die Benutzung der Heime in Frage kommende Angestelltenheer und dis Menge der weniger gutgestellten selbständigen Kans- leute, die nicht teurere Erholungsorte aufsuchen können, zählt vielleicht 2 Millionen Köpfe. Wenn darunter nur 18- bis 60 000 gesonnen sind und wahrschein, lich ist diese Zahl viel zu niedrig gegriffen die Er- holungsheime zu benutzen, so käme bei einer Beleg­dauer von 40 Wochen entweder ein zwanzigfacher Wechsel mit lltägiger Dauer oder ein dreitzigfacher mit 9- bis lOtägiger Dauer in Betracht und es ließe sich durch eine, von der Zentralorganisation zu bemerk- stelligende gleichmäßige Belegung der Anstalten leicht ein angemessener Ersatz der Verwaltungskosten und Amortisationsgelder durch die Pensionsbeträge er­zielen, die nach den Erfahrungen schon zahlreich be­stehender Erholungsheime für andere Berufsgruppen mit etwa 2,50 bis 3 Mark den Tag anzusetzen wären.

Bei Annahme einer 50prozentigen Beleihung des Gebäudewertes und des eingebrachten Inventars, die zusammen, wie erwähnt, 230 000 Mark ausmachen> etwa durch die Landesversicherungsanstalten wären noch 2 700 000 Mark aufzubringen, eine Summe, die zu beschaffen durch Ausgabe von Anteilscheinen mit 3%» und Iprozentiger Verzinsung wohl möglich wäre. Haben doch andere kaufmännische Korporationen durch Selbsthilfe auch Millionenvermögen angesammelt. So der Verein reisender Kaufleute in 25 Jahren 4,2 Millio­nen Mark, die Angestellten der Darmstädter Bank in 30 Jahren für ihre Pensionskasse 3 300 000 Mark. Sollten da für kaufmännische Erholungsheime nicht ein­mal ganze 3 Millionen zu beschaffen sein? Wie wenig in den Kreisen der Handels Welt daran gezweifelt wird, wie sebr andererseits Handel und Industrie von der Notwendigkeit überzeugt sind, solche Heime zu schaffen, das hat die eben erfolgte Gründung der Deutschen Ge­sellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime bewiesen, von der kürzlich Mitteilung gemacht wurde. Führende Geister aus Handel und Industrie, Politik und Wissen­schaft gehören ihrem Vorstande und Ausschüsse an und wie sehr der ideale Gedanke, der in diesem Plane ver-

Auch zwei andere Stammgäste des Prcsseballs fehlten in diesem Jahre, sie freilich waren definitiver verhindert, als >der Vorhergenannte, aus höheren Befehl hatten sie den Weg ins Dunkle angetretcn, aus dem es keine Rückkehr mehr gibt zu irdischem Glanz und Licht: Professor Emil Hundrieser, der bekannte Bildhauer, und Heinrich Oberländer, das langjährige Mitglied unseres König, lichen Schauspielhauses. Die schäffensfrohe, künstlerische Tätigkeit des ersteren ist in der reichen dekorativ-künstle­rischen Ausschmückung manch hiesigen staatlichen und städti­schen Baues wie in verschiedenen Denkmälern, u. a. in der prächtigen Gestalt derBerolina" auf dem Alexanderplatz, ferner in manchen in auswärtigen Städten befindlichen Monumenten verewigt; ein Zug in das Große und Edle war stets diesem Bildhauer eigen, neben Berücksichtigung der realistischen Wirklichkeit. Heinrich Oberländer, der das 77. Lebensjahr erreicht, war uns von den Brettern des Königlichen Schauspielhauses her ein lieber und vertrauter Darsteller, der mit einer feinen Komik und scharfen Cha­rakteristik alle von ihm verkörperten Gestalten zu erfüllen wußte. So sympathisch wie aus der Bühne war er auch als Mensch, gern im Frendeskreise sich aufhaltend: ganz Her­vorragendes leistete er als Lehrer und hat viele tüchtige Talente für seine Kunst herangebildet, aber durch klugen Rat auch viele Jünger, die sich zum Dienste Thalias be­rufen glaubten, cs jedoch «ich waren, von dem Betreten deL falschen Weges abgehalten, sie in gütiger und doch ernster Weise auf andere Berufe hinlenkend.

Frau Berolina, Emil Hundriesers Schöpfung, von der eben die Rede gewesen, sah am letzten Sonntag recht ver­wundert auf ein merkwürdiges Schauspiel herab, das sich zu ihren Füßen entwickelte. Da tauchten viele Gestalten in bunter Vermummung aus, Wallensteinfche Kürassiere mit blinkenden Trompeten, Männer in scharlachenen, talar- artigen Gewändern, die Pfauenfeder auf -der Pelzkappe, Soldaten in der Tracht der friderizianischen Zeit, schumcke Pagen in knisternden Seidenkostümen, daneben glänzten ge, wattige Orden und schwere Ehrenketten und bauschte der Wind die weißen, roten, blauen Papiermützen auf den Häuptern von Männern und Frauen all' das ein sehr ungewohnter Anblick aus den sonst so prosaischen Straßen