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Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgefchriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Nr. 62.

Montag, 6. Februar 1911.

59. Jahrgang.

P

Kbend »Ausgabe.

1. Mlatt.

in ii 'r' i , ...

Politische Übersicht. »

Regierung uud Uatrkan.

Mtt einer Behutsamkeit, wie sie Zarter nicht Mischt werden kann, behandelt Herr v. Bethmann- Mollweg das wuchtige Problem, das der^Papstbrref an den Kardinal Fischer aufgerollt hat ^nmrtten der fieberhaften Erregung, dw .weMn rm Deutschen Wolke durch die u n v e r h u l l t e K r g o rrklärung des Vatikans an ben Staat und an sie deutsllM Kultur erzeugt worden rst, blemt dre Re­gierung ganz ruhig. Sie hat bisher kern Wort g Sache verlauten lassen, sie hat auch ihren Offrzro en bis dahin den Mund verschlossen. Das braucht an sich ja auch noch nicht ohne weiteres Bedenken zu erregen. Eo ist gewiß richtig, daß die Regierung vorsichtig zu sein hat, und ihr Schweigen hat man nicht einfach sur gleichbedeutend mit Entschlußsosrgkert zu halten. Aber der Zweifel daran, ob die richtigen Mittel zur rechten Zeit^ werden ergriffen werden, ist doch weit verbreitet, und er stützt sich mit darauf, daß die Regierung aus da- Wohlverhalten des Zentrums angewiesen ist und ob sie es nun will oder nicht, -ob sie es leugnet oder nicht, in das unglückselige Syswrn der schwarzblauen Gemeinschaft verstrickt ist. Immerhin laßt letzt bt£ Unten angeführte hochoffrzrose Notiz rn der „N. A. o- wenigstens erkennen, daß die Staatsregierung den Ernst der Lage würdigt. Diese Notiz dämpft zwar das Aussehen, das die vielberufene Rede des preußi­schen Gesandten v. M ü h l b e r g bei der Kurie gemacht bas indem bemerkt wird, daß sich diese Ansprache „nur mit der Vergangenheit" beschäftigt hat, dann aber wird gesagt, daß die Rede in keiner Weise der Behandlung der aus dem Briefe des Papstes an den Kardinal Fischer und aus der sonstigen Haltung des Vatikans gl er'aebenden Schwierigkeiten vorgegriffen hat. W,r muckten uns bei der Betrachtung dieser offywsen Aus 2 ™ h01 . allem an das Wort „Schwierig- } e i t e Ältai T-s «Sott l»I doch wohl -u-druck-».

m!Me p/ÖSÄ*etwas ge-

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chehr zu verwirklichen hatte. Wartei ^

Wenn nicht früher, so wird man bei der Beratung öe_

Knltusetats im Abgeordnetenhause erfahren, was die Regierung auf die römische Herausforderung zu erwidern hat. #

Dir „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Tie Veröffentlichung des päpstlichen Schrei­bens an den Erzbischof von Cöln hat eine neue Be­wegung hervorgerufen, die in den Verhandlungen der württemberaischen Zweiten Kammer, der Erklärung der theologischen Fakultät der Universität Münster und anderen Entscheidungen öffentlich zum Ausdruck bekommen ist. Tie Angelegenheit wird zweifellos auch den preußischen Landtag bei der zweiten Lesung des Etats von neuem beschäftigen. Im Zusannnenhang ntt+ diesen Dingen ist auch viel über eine Rede ge­sprochen worden, die der Gesandte bei der Kurie Herr v Mühlberg beim Festmahl der deutschen Prälatur in Rom am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers ge­halten bat Ohne ans eine Reihe von Kombinationen einzugehen, die in einigen Blättern reproduziert wor­den sind wollen wir bemerken, daß die Ansprache des Gesandten sich nur mit der Vergangenheit beschäftigt hat und in keiner Weise der Behandlung der ans dem Briefe des Papstes an den Kardinal Fischer und aus der sonstigen Haltung des Vatikans sich ergebenden Schwierigkeiten vorgegrisfen hat.

Zrrr errrswSrtkge» Tage.

L. Berlin. 5. Februar.

Ein Artikel der „Nationalzeitung": „Graf Aehren- thal und die Tripel-Entente" verdient wegen fernes Ur­sprungs wie wegen seines Inhalts besondere Beach- tuna Der Artikel muß als Kundgebung von auton- taiiver Seite gewürdigt werden; man kann, wre ^hr Korrespondent zu sagen sich befugt glaubt, serne Be­deutung nach dieser Richtung hin kaum uberchiahen. Der Artikel erklärt scharf und bestimmt, daß die Trrpel- Entente irr dem ihr vom König Eduard gegebenen Sinne einer Organisation zur Einschüchterung und Bedrohung der Zentralmächte nicht mehr besteht daß sie nicht mehr als eine jeden Augenblrck austretende Drohung mit allerlei geheimen mrlrtarrschen Abmachun­gen besteht Es wird werter erklärt, daß der Lrer- brmd durch die jüngste Entwicklung der rvalreni- schen äußeren Politik auch innerlrch und drplomatrsch befestigt worden ist, daß den wahren Srnn der Dre,- bundspolitik Rußland zuerst begrrffen und demgemäß in Potsdam gehandelt hat, und daß eure ähnliche gründliche Annäherung zwischen Petersburg und Wien nur noch eine Frage der Zert rst. Wrr wrederholen, daß diese Mitteilungen nach unserer Kenntnrs des llr- svrunas besonders wichtig genommen werden müssen. ' Sie sagen uns, unseren Freunden und auch unseren

Feuilleton.

Die Entdeckung von „.Attanüs".

Die alte Insel Atlantis, von tcr h Ä™ Än» Schriftsteller des Altertums so wundersam und , reiche Berichts überliefert haben, galt bish r,^ w e^ia,^.w vor Schlienranns Entdeckungen dre s Träu-

ttls ein sagenhaftes Gebilde, geboren aus yst>! y ^mrte men und sehnsuchtsvoller Phanwsttk.

Forschungsreisende Leo Frobenrus w ll n 'b w

kurz gemeldet wurde, das hrstorrsche Urb ld drese ..Wiege der Götter", der Hemmt des P^wo^depeu ^ kommen, die Atlanten, das Gebiet bewoh ' , Wir

neuesten Expedition in Westafrrka ausgef . einige

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wichtige Stellen aus Briefen des Forscher^ an ,

hörigen mitzuteilen. , . «»«de aab Frobe-

Die erste vorläufige Anzeige ferner 8 1910.

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,3<6 »«»e eine fite Meitofnf« ft, ®”Se,! läk

nm/fN* bereit Ametic fii^ ttüdj ßcir tt-d) '

Nabe hier Rstte einer uralten eminenten.Kultur entdeckt, die durchaus auf der Hohe der karthag s ^ lasse graben und die ganze Gegend absuchen. ^

ieb 1 wunderbar gearbeitete Quarzsaulen, Re!

L'Swtn aber so schön, daß man dre Sachen durchaus m Trümmern ^ ^ stellen kann. Die Hauptsache da­

nken .d e .des Wtermm,habe, wo all dre

m, urüer dein Boden ausgegraben wurden.

^AußÄm entdeckte Frobenius, noch einen wundervollen

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ESTÄÄ «S»‘« d-te-u, en.

Gegnern Tinge, die in der Form eines insprrrerten Zeitungsartikels allerdings eher als in mehr offrzrellen Formen gesagt werden können.

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Gleichzeitig nimmt auch das offiziöse Der» liner Blatt über die Fragen der auswärtigen Politik

das Wort. .

Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt rr. ihrer Wochenrundschau über das Expos6 des Grafen Äehrenthal in dem Ausschuß der österreichischen Dele­gation für auswärtige Angelegenheiten, und über dre später folgenden Darlegungen des Ministers: Die Er­klärungen' des Grasen Äehrenthal fanden hier bei der Reaierung und der öffentlichen Meinung s y m p n t h s chch Ausnahme. Ter günstige Eindruck ferner Ausführungen beruht auf der Festigkeit und Klarheit, m it der der leitende Staatsmann Österreich-Ungarns die schwebenden Fragen der auswärtigen Politik be­handelt. Namentlich gilt dies von der unumwundenen Z u st i m m u n g zu der Veränderung, die durch die Potsdamer M o n a r ch e n b e g e g n u n g uild im Airschluß darair in den de u t s ch - r u s s i sch e n Beziehungen eingetreten ist. Äehrenthal spraca mit lebhafter'Genugtuung über die Erklärungeir und Aufschlüsse, die der Reichskanzler v. Bethmaiur-Holl- weg im Reichstag gegebeir hat und stellte die Überein­stimmung des Lsterreichisch-unaarischen Programms mit den in Potsdam und Berlin bekräftigten Grund­sätzen über die Gestaltung der europäischen Politik rm Sinne der Aufrechterhaltung des Status quo im nahen Orient fest. Mit aufrichtiger Befriedigung wur­den bei uns die Mitteilungen des österrcichisch-iingari- schen Staatsmannes ausgenommen,, aus denen hervor- gelst, daß sich die Beziehungen Österreich-Un­garns u'n d Rußlands zueinander m fort» schreitend freundlicher Entwicklung befinden. Am Schluffe seines Exposäs wies Äehrenthal auf die Notwendigkeit hin, Heer und Flotte schlagfertig zu er­halten damit die auswärtige Politik der habsburgi­schen Monarchie für deren Interessen und für den Frie­den erfolgreich eintreten könne. Auch dieser^Gedanke findet bei uns volles Verständnis. Bei aller Friedens­liebe und aller Friedenszuversicht darf man dre aste Wahrheit- Elvis pacem para bellum, nicht außer acht lasten. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" reproduziert sodann den Artikel des „Wiener Frenrnen- blattes", ebenso den der „Berliner Korrespondenz" und des „Pester Lloyd" über diesen Gegenstand.

Eine weitere offiziöse Auslastung, irnd zwar zu der dcnlsch - russischen Verständigung, findet sich in oer Kölnischen Zeitung". Sie verbreitet sich uiiter der

über ibie Schönheit dieses Bron-zcküpfes meldet er mrs Ilife vom 11. Dezember 1910: „Der Kops ist m verlorener Form gegossen, also innen hohl. Die Bronze ist Mit der feinsten blaugrünen bis schivarzgrünen Patina überzogen. Die Oberflächenbehandlung ist genau ebenso schön wre bei einem erstklassigen Guß des Altertums. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Kops ein Kunstwerk nach jeder Seite und Richtung darstellt. Er ist so vollendet, das Gesicht so portraitlebendig und unnogerhaft, daß unbedingt jeder,' der ihn sehen würde, sagte, es müsse ein altklassisches vereinzelt in diesen Winkel verschlepptes Stiick sein, wenn nicht folgendes diese Auffassung unbedingt widerlegt. Zu­nächst ist der Kops von oben bis unters Kinn mit einer am Hals verlaufenden Tätowierung in Parallellinim ganz sein überzogen. Diese Tätowierung entscheidet alles. Denn außer diesem Kronenstück unserer bisherigen Funde erwarb ich und fand ich iioch einige andere Bruchstücke, aus dem Altertum, ca. SO verschiedene Tonscherben, sehr fest irNd gut gebrannt und in dem Boden gefunden. Darunter fallen 8 Köpfe aus, Bruchstücke ganzer Figuren, von denen ich sonst iro'ch Torsen und Gliederstücke erhalten konnte. Diese, ge­brannten Tonköpfe, die in gewissem Sinne an die seinen Tanaarafrguren der Griechen erinnern, zeigen gfnau die gleiche Rafft, die gleiche Kunst im Modellieren, , die gleiche Lebendigkeit, Unnegerhastigkeit und Portraitwirkung wre Mein Olokun. Auch das sind arif keinen Fall irgend welche Neger. Endlich aber zeigen einige dieser Kopse aus -.von genau die gleiche Tätowierung wie der Olokun, und diese Tätowierung ist heute noch bei einem Volke heimisch, das zwilchen hier und Lokodja wohnt." „

Diese und andere Funde von glasierten Toukrugen, Glasperlen und Scherben fügten sich zu einem geschloisenen, übersichtlichen Bilde zusammen. Der Reuende stand aus den Trümmern einer alten Kulturstadt, deren Bildung un^ Wesen eine ganz ungeahnte Hohe erreicht hatte. Mythen und Sagen der Eingeborenen warfen neues Licht aus diese Entdeckung. Das ganze Land zwischen dem,Niger und dem Meer wird als eine Insel angesehen, die emst zwei Götter schufen, die vom Himmel kamen. In der Mitte diests an­geblich mecrumslossenen Gebiets liegt Jlise, das nsch heute . im ganzerr Jorubalande als die Wiege der Götter gilt.

Als oberste Gottheit präsidierte Olokun, der Gott des Meeres. Damit stimmt die Erzählung Platons überein von der Gründung der Insel Atlantis durch den Meeresgott Poseidon. Da die Phönizier unter Hanno Afrika um­schifft haben, so können sie sehr wohl die Kunde von der alten Atlantis nach dem Kulturreich des westlichen Aeittcl- meers gebracht haben. Einen Anhaltspunkt, dafür fand Frobenius in dem Kopfaussatz des Olokun-Dradems,^das an der Spitze eine Knospe und unten eine Rosette ausweist, ganz so wie die altphönizischen Masken, die sich im Museum von Cagliarr ans Sardinien und im Pradomuseum m Tunis befinden. Die Stirntätowierung dieser phönrzisch- karthagischen Tonmasken ist also eine Erinnerung an ein Diadem, wie es der Olokun-Poseidon trug. „Die,Sache ,st um so schlagender", schreibt der Gelehrte, „als diese alten vhönizrschen Kolonisten 1. auch so gute Töpsersachcn machten wie meine dltlanten in Jllu Olokun, nnd 2. die Phönizier ganz allgemein als Erfinder des Glases angesehen wurden, das in meiner hiesigen Stadt ja auch eine große Rolle spielt. Wir brauchen dem Platon seine 9000 Jahre Altersrechnung nicht zu glauben, sondern können uns mit tausend Jahren v Ehr begnügen, und haben dann sür Atlantis immer noch ein Alter von jetzt 3000 Jahren. Diodor aber hatte Recht, wenn er sagte, daß am Atlantischen Ozean die kultiviertesten, kr-lturreichsten aller Lybier neben den Amazonenvölkern wohnten. Die Reste der Amazonenvölker aber sind dir Dahomeyer und ein Von mir neuentdecktes Volk, die Kukn- ruku, die ich in einigen Monaten aufsuchen werde."

Frobenius behauptet nicht, daß das von ihm gefundene Rninenseld Jlise genau die alte Stadt Atlantis gewesen sein muß, denn Atlantis war ein ganzes Kulturland mit mehreren Königreichen, aber sicher ist ihm, daß das alte Bronzeland der atlantischen Kulturzugehörigkeit damit ge­sunden ist. Es war eine Helle oder rote Raffe, Ae aus dem Norden gekommen sein muß und die dann diese Kultur der Atlantis geschaffen. Das beweisen die durchaus nicht ncger- haftcn Typen der JNsc-Götter. Frobenius 'hatte schon früher aus der verhältnismäßig hohen Bronzekultur, die sich bei den Negern in Benin gefunden hatte, geschloffen, daß hier gleichsam die letzten Nachklänge einer uralten Kultur- , cpochc zum Ausdruck kämen. Nun hat er festgestellt, daß