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MMkner Tagblatt.

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WSchentlilh 12 Ausgaben.

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Nr. 51.

Dienstag, 81. Januar 1911.

5». Jahrgang.

Morgen - Kusgabe.

1. Matt.

Kanada.

Ter nunmehr gesicherte Vertrag der Vereinigten Staaten mit Kanada über gegenseitige Handelserleich- terungen wird mehrfach mit Recht als ein Vorgang von außergewöhnlicher Bedeutung aufgefatzt. Um was es sich dabei handelt, mag aus folgendem Londoner Tele­gramm derVoss. Ztg." in Umrissen klar lverden. Der amtliche Text, so heißt es da, des zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten über gegenseitige Handels­erleichterungen beschlossenen Abkommens wurde gestern in Washington und in Ottawa zur öffentlichen Kennt­nis gebracht, und obwohl die in dem Abkommen ent­haltenen Bestimmungen gar nicht so außerordentlich weit reichen, so wird dem Abkommen in beiden Staaten eine für die Zukunft der beiden Staaten entscheidende Bedeutung beigemessen als der Anfang eines Verhält­nisses, das zum Freihandel führen wird. In der Bot­schaft, die Präsident Taft dem Kongreß zugehen ließ und worin er für eine schleunige Annahme des. Ab­kommens plädierte, erklärte er zugleich, die Vereinig­ten Staaten seien an einem Punkte angekommen, wo sie neue Quellen für die Versorgung mit Naturproduk­ten nötig hätten. Jetzt sei der Augenblick gekommen, um deswegen mit Kanada zu einer Verständigung zu gelangen, noch ehe die kanadische Politik sich gar zu sehr kristallisiert hätte.

In einem gleichzeitig mit dem Übereinkommen ver­öffentlichten Bericht stellt das Staatsdepartement fest, daß die Vereinigten Staaten infolge des Abkommens für 4 850000 Dollar und Kanada für 2 560 000 Dollar an Zoll Nachlassen, und daß die gegenwärtigen ame­rikanischen Zollsätze nur bei W v. H. der Einfuhr aus Kanada unverändert bleiben, während auf der anderen Seite bei 64 v. H. der amerikanischen Ausfuhrwaren an dem bisherigen Zustand nichts geändert wird. Kegen einzelne der Bestimmungen wird sich noch eine ganz kräftige Opposition erheben. Der Zollausschuß kanadi­scher Industrieller wird heute in Toronto tagen, um über die für die kanadische Industrie nicht unbedenk- liche Lage zu beraten. Sonst wird in Ottawa, wie der Draht meldet, im Ünterhause das Abkommen lm- außerordentlicher Begeisterung ausgenommen. i-s scheint in der Tat auch, als ob Kanada dabei den Vogel abschießt. Eine besondere Seite der Frage ist noch, die, wie es unter den neuen Bestimmungen mtt der Vorzugsbehandlung steht, die Kanada englischen Waren bewilligt. Mr. Fieldinq erklärte gestern trn Ünterhause in Ottawa, daß an den Grundsätzen, nichts geändert werden wird und daß englische Ware rn demselben Ver­hältnis wie früher Vorzugsbehandlung genießen soll.

So die Mitteilungen aus Washington, Ottawa und London. Sie Zeigen, daß Kanada und die Union ein­ander nötig haben. Es liegt m der Tat so, wie es nie

Ke mliet on.

Im Weißen Moor.

Rauhreis liegt über dem Moor. So dicht hat er alles ibeiSrn die braune Heide, die verMnrmerten schwarz- riwen Kiffern und die schlanken Machandelbnsche rta- imische Pappeln im kleinen, daß es anssieht wre Schnee^ mniLMiinmiaen Birten wre riesige Kugeln an weißen Stfelctt Auch der Kiefernhochwald, der sonst als dunkler sXL das emste und doch so anziehende Landschafts- nld abschlietzt, schimmert heute mit rvechen Kronen über . Alles weiß in Werg; wie ein Leichen-

üch dem der Melancholiker. Wir sehen die Welt aus mderen Auaen an: Winterpracht, wie sie nicht schöner ein amr Eine'einzige große schimmernde Seidendeck^ uber- treut mit Millionen in allen Farben funkelnder Brillan- m etwas g bt es in der Stadt nicht, wo jede Benzin- noschft den Ruß, dm die reisdnrchsetzte Winterluft nicht n die Höhe kommen läßt, zur Seite treibt, daß er au dem Mracriteia in Wellenlinien liegen bleibt, wie der Gpcht :m Seestrande wenn die Wogen zurückfluten. Wir sehen iber auch in dem Leichentuch des Pessimisten noch etwas mderes. die Sckmtzdecke, unter der die Tier- und Pflanzen- nelt dem Frühling entgegenschlummert. Roch drei kurze Monde dann steht es hier anders ans., dann grünt und üÄ.t es w der braunen Heide an allen Ecken und Enden rnd Tag und Nacht regt sich die neu zum Leben erwachte

jetzt, wo scheinbar alles tot und füll ist tm Moor, -rkmnt das anfmeüsame Auge des Jägers Spuren und Führten von Eherlei Getier Dort steht eine Gruppe oon Wacholdern, ohne den weißen Behang der übrigen,

»Voss. Ztg." in einem bemerkenswerten Artikel dar­stellt, nämlich daß mit unweigerlicher Notwendigkeit Kanada mehr und mehr über die Grenze nach Süden gedrängt werden wird. Nicht, nur wirtschaftlich, auch politisch. Daran wird auch die jetzt fieberhaft ein­setzende Kolonisation mit Engländern aus dem Mutterland nichts zu ändern vermögen. Der Zeit­punkt zum engeren Anschluß des stark imperialistisch gewesenen und noch immer reichsfreudigen Kanada ist eben versäumt worden. An der Spitze aller Erwägun­gen steht für den Kolonialen der Vorteil. Tie stärkere Hilfe in dem harten Kampf gegen die Natur, gegen das Land, das er erst erobern muß..

Wenn wir dem Berliner Blatte im wesentlichen zu­stimmen, so läßt sich aber auch ergänzend und zum Teil berichtigend manches andere noch sagen, muß vielmehr manches andere noch gesagt werden. Kanada hat immer treu zum Mutterlande gestanden, die imperialistische Politik des Great Britain, hat nirgends soviel Zu­stimmung wie in dieser schließlich doch wichtigsten eng­lischen Kolonie gefunden, und namentlich wir Teur- schen haben es zu fühlen bekommen, daß Kanada und England sozusagenZwei Seelen und ein Gedanke, zwei Herzen und ein Schlag" sind. Kaum setzte in Eng­land die antideutsche Strömung ein, so flutete sie mit verstärkter Gewalt nach Kanada hinüber, und wir be­kamen die Unfreundlichkeiten der kanadischen Regie­rung bei den Zollsckwierigkeiten zu spüren. Eine Tendenz zu separatistischen Bestrebungen möch­ten wir also in der Verständigung zwischen Kanada und der Union nicht erblicken, sondern es sind einzig wirtschaftliche Interessen, von denen man sich in der Kolonie hat leiten lassen, und es dünkt uns unzweifel­haft, daß man in London das getroffene Abkommen nicht bloß notgedrungen billigt, sondern auch als wert­volle Förderung der Interessen des Mutterlandes schätzt. Arders könnten sich die Dinge freilich darstellen, wenn eine spätere Entwicklung, und zwar gerade als Folge des wirtschaftlichen Zusammenwachsens zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten, eine stärkere ame­rikanische Einwanderung in die Kolonie krachte, so daß der Charakter der Bevölkerung ver­wischt lvürde und seinen britischen, zu England hin­neigenden Grundzug mehr und mehr amerikanisierte Aber das sind Möglichkeiten, über die sich heute mit Handhaben zu irgendwelchen praktischen Schlüssen nicht reden läßt, und die Wohl auch in England einstweilen keine stärkeren Sorgen erregen.

Tie Bedeutung des getroffenen Abkommens zeigt sich nun aber noch in einer anderen, auch für uns und namentlich für uns wichtigen Richtung. Man kann ruhia sagen: mit diesem Vertrage durchbrechen die Ver­einigten Staaten den Bann des Protektionis­mus und' begeben sich auf den Weg zum F.rei­handel. Was das für uns besagen will, braucht ^ nicht erst unterstrichen zu werden. Jedenfall-, haben wir alle Veranlassung, den aus Ottawa gemeldeten Ver­trag subjektiv und objektiv, als interessierte wie aff unbeteiligte Zuschauer, mit Genugtuung zu begrüßen

Din Flug hungerigerSchocker", graurückige nordische Wachholderdrosseln, die im Winter ans Besuch zu uns kom­men, die Weißdornhecken nach den leuchtend roten Früchten demMüllerbrot", dem nur kindliche Genügsamkeit Ge­schmack abgewinneu kann, abgrasend, ist hier eingefallen und hat die reifen Beeren, die neulich noch in großen Massen die Büsche bedeckten, bis auf die letzte abgelesen. Dabei ist die Soidettdecke mit den Brillanten in die Brüche gegangen.

Was wir zu sechs Jägern jetzt,, wo fast alles Wild Schonzeit hat, im vereisten Moor wollen? In erster Linie mal wieder die herbe, würzige Luft atmen, wie sie nirgends so schön ist, wie draußen in der Heide; mal den Tag über nichts sehen und hören von menschlichem Getriebe; den schönen Wintertag in vollen Zügen genießen.Das kann man aber doch auch ohne Jagd haben, als Stockjäger!" Gewiß, aber ich möchte den Jäger sehen, der freiwillig zum bloßen Touristen wird. Ob er, dann wohl auch um 4 Uhr früh aus den warmen Federn kriechen, fast zwei Stunden weit mit der Bahn die Hälft« der Zeit im luftigenSalon­wagen" der Bimmelbahn, fahren, und dann im Morgen­licht, wenn der blutrote Sonnenball zuerst mit mattem Strahl die weiße Heide streift und die Kälte am stärksten ist, durch die Einsamkeit wandern würde, mit dem Stocke, nur um sich die Birkhähne anznsehen: Ich möchte es bezwei­feln! Ällso den Birkhähnen sollte es gelten; wir wollten sie unsangehen" lassen. Es waren ihrer genug da, Flüge von achtzig und mehr Hähnen, mit nur wenigen Hennen untermischt. Aber das Birkwild ist zur Winterzeit eine unstäte Gesellschaft. Wo Buchweizenstoppeln oder Winter­saatstücke tief in das Moor hin-inschneiden, steht man sie hier vom November ab regelmäßig, zur selben Zeit und auf demselben Fleck, besonders dort, wo man ihnen mit einigen ungedroschenen Buchweizen- oder Hafergarben das Leben verschönert. Auch ihr Wechsel, die Finarich-

NsMsche Merstcht.

KefchirrßfassrMg «der die AAgeKeWerr- Uersichsrurig.

Die Siebener-,Kommission des Hauptausschusses des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes zur Herbeiführung einer staatlichen Pensions- und Hinter- bliebenen-Versicherung hat im Reichstagsgebände eine zweitägige Sitzung abgehalten, um zu dem Gesetz­entwurf eines Versicherungsgesetzes für Angestellte Stellung zu nehmen. An den Beratungen nahmen auch zwei Vertreter des Reichsamts des Innern teil. Tie Kommission einigte sich nach einer eingehenden Durchberatung des Gesetzentwurfs auf folgende Leit­sätze: Tie Siebener-Kommission begrüßt den Entwurf eines Versicherungsgesetzes für Angestellte als eine gute und brauchbare Grundlage für die Pensions- und Hinterbliebenenversicherung der Privatangestellten, zu- n,al der Entwurf in seinen wesentlichen Bestimmungen den Beschlüssen des Hauptausschnsses entspricht. So­weit der Entwurf die Erfüllung einzelner Wünsche der übergroßen Mehrheit der Privatangestellten _ nicht ge­bracht hat, wird die Siebener-Kommission beim Haupt- ausschusse beantragen, bei den gesetzgebenden Körper­schaften nachdrücklich für die Erfüllung folgender Leit­sätze einzutreten:

1. In § 1 des Gesetzentwurfs ist die Bestimmung zu streichen, wonach die Bersichernngspflicht an einen Jahres­arbeitsverdienst von 5000 M. gebunden werden soll; vielmehr soll statt dessen bestimmt werden, daß ein Grenzgehalt von 5000 M. für die Bemessung von Leistungen und Beiträgen festgesetzt wird.

2. Eine Befreiung von der Versicherungspflicht soll für Be­amte des Reichs, der Bundesstaaten, Gemeinden usw. nicht ein- treten, sofern diese Beamten auf Privatdiestvertrag ohne Pensionsberechtigung angestellt sind.

g. Nack dem Tode der versicherten Ehefrau eines erwerbs­unfähigen Ehemannes, die den Lebensunterhalt ihrer Familie ganz oder überwiegend aus ihrem Arbeitsverdienst bestritten bat, steht den ehelichen Kindern unter 18 Jahren Waisenrente und dem Mann Witwenrente zu, solange er bedürftig ist.

4. Als Beitvagsmonate im Sinne des 8 50 sollen auch die Kalendermonate angerechnet werden, in denen der Versicherte nachweislich stellenlos gewesen ist.

5. Eine Rückvergütung von Beiträgen soll unter keinen Umständen stattfinden.

6. Weiblichen Versicherten, die aus einer versicherungs- vflichtigen Beschäftigung ausscheiden, soll auf ihren Antrag nach Wahl eine sofort beginnende oder eine aufgeschobene Leibrente gewährt werden.

7. Die Einberufung des Verwaltungsrats muß auf Ver­langen des Berwaltungsausschusses erfolgen.

8. Zu der Anlage des Vermögens der Reichsversicherungs- anstalt nach 8 226 des Entwurfes ist die Genehmigung detz Ber- lvaltungsausschusses erforderlich,

9. Auch in die Rentenausschüsse sollen weibliche Versicherte gewählt werden können.

10. Es soll den bestehenden Pensionskassen der Berufsver- bände ermöglicht werden, auf ihren Wunsch die Übernahme solcher Kassen durch die Reichsversicherungsanstalt mit Zu­stimmung des Bundesrats herbeizuführen.

11. Der Leitsatz des Hauptausschnsses über die Höhe der Beiträge hat im Gesetzentwurf offenbar nicht die richtige Aus­legung gefunden. Der Hauptausschutz hat den einmütigen! Wunsch aehabt, daß die dort aufgeführten Satze von 10 und 8 Proz sich auf das durchschnittliche Einkommen, nicht auf das

tmrg, bleibt immer dieselbe, und wenn sich an diesem ge­deckte Stände bieten, so kann ihnen hier ein guter Schütze wohl den Paß und den Lebensfaden abschneiden. Aber das Schießen aus den in voller Fahrt ankommenden Hahn ist nicht so leicht; selbst das Erkennen von Hahn und ^Henne kann unter Umständen, trotz der so verschiedenen Färbung und dem Fehlen desSpiels", des lyra-förmigen Schwan­zes bei den Hennen, im blendenden Sonnenlicht und bei Brillenschützen, denen die Gläser beschlagen, Schwierig­keiten haben. Auch sonst ist Ruhe und Geschicklichkeit nötig,; eine ungewollte Bewegung, ein Znsarmnensahren des Schützen, wenn er plötzlich das Wild kommen steht, ein Blinken der Gowehrlaufe in der Sonne der Hahn, viel­leicht ein ganzer großer Flug, bei dem möglicherweise bei einem ans die vordersten gerichteten Schlumpschuß die letz­ten fielen, wie «s gar nicht so selten vorkommt, schwenkt außer Schußweite seitwärts ab; die Gelegenheit, zu Schuß zu kommen, ist verpaßt, beim Choleriker eventuell die Freude an dem ganzen schönen Wintertag« dahin. Und es braucht doch nicht immer geschossen zu sein.

Jetzt haben wir, den Fußpfad verlassend, einen breiter, Moordamm erreicht, auf dem im Herbst der Torf von mageren Kleppern abgefahren wird. Er durchschnetdet zwei Birkenhölzchen, unten vielfach mit Brombeeren verwachsen, unter denen das Mikwild im Winter gern liegt, der Äsung wegen, und weil die breiten, grünen Blätter an den kräftigen Ranken bei starkem Schneesall ein Dach bilden, unter dem es warm und windstill ist; beides liebt auch das Birkwild, so wetterhart es sonst auch ist. Der voranschrei­tende Jagdherr hebt den rechten Arm:Oha!" Das heißt in der Jägersprache:Halt!" Mit gedämpfter Stimme verkündet er die Kricgsartikeln:Geschossen werden Raubzeug selbstverständlich nur Hähne. Eine Aue», oder Birlhenne schießen, ist Patermord. Versehen gibt es übrigens bei mir nicht!" Er nimmt zwei Herren mit,