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Wiesbadener Tsgblstt.

Werks« Langsasse 21 /» „ „ . , j nKn ..T-rdlau-H-ns" Nr.«kso-sr.

...... Wöchentlich 12 AuWim. _ Gegründet 1852.

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Wöchentlich 12 Ausgaben.

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Nr. 5«.

Montag. 3®. Januar 1911.

59. Jahrgang.

Kbend-Ausgabe.

1. Matt.

Iüv Aebrrrav urrö Wär-z

auf Sas

„Wiesbadener Tagblatt"

g» abonnieren, findet sich Gelegenheit

ft» Yemag ..Tagblatt-Oaus" Lanssafle 31, t» der Dwrisst-U- Kismarckring 29. in den AusgadestrUsn der Ktadt Uachdarorrr, und bei sämtlichen deutschen Meichspoftunktnltrn._

UolMsche Kberstcht.

Kicher« Wal,U,«eile,

Zenbiimsölätter höhnen darüber, daß die Natio­nalliberalen für ihren Führer Bassermann keinen völlig sicheren Wahlkreis fi.'-den konnten, wre ste auch darüber spotten, daß fast alle freisinnige^ Rerchstags- adgeordneten ibre Mandate erst in der Stichwahl er- rungen hätten. ^ Es stimmt, das Zentrum hat von allen Parteien die weitaus große» Zahl „bombensicherer" Wahlkreise Ebenso sitzen die Sozialdemokraten m einer Anzahl von Industriestädten ganz fest. Es fragt sich nur, ob die festen Wahtkrcise ein so unangreifbarer Ruhmestitel der betreffenden Partei sind. Tie dem Zentrum sicheren Wahlkreise in Oberbayern, in oen Regierungsbezirken Trier und Münster usw. sind rein ländliche Wahlkreise, und ihre Bevölkerung ist größ­tenteils landwirtschaftlich tätig. Daß sie konfessionell beinahe ungemischt ist, versteht sich am Rande. Diese Wahlkreise kennen keine neuzeitliche industrielle Technik, von den modernen Weltanschauungskämpfen ist kaum ein schwaches Echo in sie hineingedrungen, sie stehen wirtschaftlich und kulturell so ziemlich noch auf dem­selben Standpunkte, auf dem die anderen Wahlkreise vor zwei Geschlechtern standen. Haben sie nun Grund.

auf ihre Entwicklungshöhe besonders stolz zu sein? Das inoderne Leben mit feinen vielseitigen Interessen, ökonomischen wie geistigen, erzeugt dagegen . scharfe Parteiungen und Gegensätze; deren^ Lrgebnu sind die vielen Stichwahlen. Nurr hat unser Relchvtagsinayl- system noch die Besonderheit, daß nur zwer^ Parteien m die Stichwahl kommen und daß m der «tichtvA die einfache Mehrheit entscheidet: die

heit bleibt, auch wenn sie hinter der Mehrheit nur um ein paar Stimmen zurücksteht, ebenso upvertreten wie diejenigen Wähler, deren Kandidat „überhaupt mchtm die Stichwahl kommt. Diese Umstande bewirken, daß der Stichwahlkandidat oft in eine unwurdnge Ab- hänaiakeit von einer anderen Partei gerat durch c er m Hilfe er siegen will, oder aber daß er i.urchsall.. Auch

in solcheii Stichwahlkünsten ist das Zentrum allen anderen Parteien über und dankt dieser Geriebenbeit Erfolge. Aber einen Beweis innerer, nwralischer Stärke vermögen wir auch hieriii nicht zu erblicken.

Die ArrsfrchSerr dsr elfaß-1-thrtngifchr» Nerfaffmrgsvorlage.

L. Berlin. 28. Januar.

Nachdem nunmehr die 'erste Lesung der elsatz- lothiingischen Verfassungsvorlage abgeschlossen ist, läßt sich noch bestimmter als bisher schon Vorhersagen, daß der Gesetzentwurf in der Kommission manche Ände­rungen erfahren wird, die jedoch seinen Kern nicht berühren werden, daß sich also die Reichsleitung mit diesen Änderungen wird einverstanden erklären können, und daß sich sonnt eine Mehrheit zusammenfinden wird, an die vielleicht noch die Konservativen den An­schluß suchen, die jedoch auch ohne die Rechte erheblich genug fern wird, um die Vorlage sicher über alle Ge­fahren hinwegzubringen. Zu der Mehrheit werden das Zentrum, die beiden liberalen Fraktionen und der größte Teil der Freikonservativen gehören. Von be­sonderem Interesse war in der heutigen Debatte neben der eindrucksvollen Rede des Kanzlers die jedenfalls geschickte Mamer, mit der sich das Zentrum durch den Mund des klugen Freiherr» v. Hertling für die Vorlage zur Verfügung stellte. Zwar hat auch das Zen­trum, tvie übrigens jede andere Partei, eine Reihe von Wünschen, die von der Vorlage in ihrer gegemvärtrgen Gestalt nicht erfüllt werden, aber der Grundton der Hertlingschen Rede war doch der des wohlwollendsten Entgegenkommens, für das man denn auch innerhalb der Regierung in diesem Falle ein dankbares Verständ­nis haben wird. Wiederum zeigte sich in der heutigen Beratung, daß die Betonung der Mängel des Entwurss durch die einzelnen Redner, besonders durch die elsaß- lotbringijchen Mitglieder des Hauses, keineswegs schon die Verwerfung der Vorlage bedeutet, daß viel­mehr diese Kritik jedesmal ausgewogen wurde durch die stillschweigende, aber auch bei einzelnen Rednern ganz offene uiid sympathische Anerkennung des beträchtlichen Fortschritts, den die Vorlage gegenüber den jetzigen Verhältnissen darstellt. Das gilt sogar von den hefti­gen Ausführungen des elsässischen Demokraten Preiß und des elsässischen Sozialdemokraten Bohle, es gilt erst recht von den Reden des lothringischen Hospitanten der nationalliberalen Fraktion GrSgoire und des elsässischen Freikonservativen Höffel, vollends aber ^der Rede des fortschrittlichen Abgeordneten Tode. Tie Vorlage kann also, uni zu wiederholen, auf gutes Ge­lingen rechnen. Man hat anzuerkennen, daß zu diesem voraussichtlichen Ergebnis die besonderen und in dre Tiefe gehenden Darlegungen des Reichskanzlers wesentlich beitragen werden. Besonders wohltuend be- rührte der Ausdruck des Vertrauens darauf, daß die elsaß-lothringische Bevölkerung gerade durch die ihr

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und fhtufibnsfg.

Von Felix Poppenberg. Akadsmre-AnssteUrnrg 1VU. ©urftafabemie hält in diesem Jahr wieder Ernle- evnk W? M in und ausländischen Mitglieder Das SmmLa ist recht ruhigem Aufregung wände t sich rode- anaenebm in den Salm und Kabinetten, vre chmackvoll und in abwechslungsreicher Mischung angeord-

^ Der Ehroniaucur verzichtet dabei gern auf den Ehrgeiz iner TMaLdergabe und belvahrt dafür liöber cm Paar

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^ckövür des Bismarckdcnkmals. Von Kraft geschwellt und ff Endigt so steht diese Gestalt da, im Spiel ihrer RiÄe Moment ist festgehalten, da der R.nger zum

»iEm' NElickt und seine .Haltung bedeutet ein bereites gespanntes Ausgreifen, das im nächsten Augenblick cm nuvacken sein wird. Ein bildnerisch srucht- ISIi S e stellt die Summe ausgespeicherter

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KL 8 das mit einer stilistischen Grobheit die in der c>rrrsck>ast an die Kämpfe rskulptnren -der Antike denken läß?und dabei von persönlichstem Leben

^Auch den Aachener Löwen Lederers sieht man W- Gestreckter Tierleib, naturhaft ausgenommen, wie die Hamburaer Bismarckadler — dessen Modell Hans in

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— und gleich diesen frei omamental behandelt zu einer groben, einfachen EwiÄeitsiorm.

Noch eine Portraitskulptur desselben Meisters fesselt, ein Richard Strauß-Bildnis, in der eigentümlich schwanken Haltung und den halbgeschlossenen Augen von zwingender Wesensechtheit.

Diesen beschwörerischen Zwang vermißt man diesmal bei zwei Plastiken Rodins — wenigstens nach den Er­wartungen, mit denen man vor diesen Großen hintritt. Und dazu hat er sich noch zwei Menschenköpse von sprühender Dämonie gewählt: Shaw und Mahler. Rodin schöpfte — was zu verwundern bleibt — nicht ihre höchsten Möglichkeiten, aus, sondern gab nur ihren bürgerlich all­täglichen Umriß: Genie in Zivil.

Zn langer und eindringender Betrachtung locken die Radierungsserien Frank Brangwyns. Eine zyklopisch ballende Schwarzkunst von Rembrandtschem Helldunkel schafft in ihnen. Ihr Stoff siiid Architekturen, venezianische Durchblicke unter Brückenbogene Schiffs rümpfe, schräg ge­strandet gleich Walsischkadavern, Kanakwinkel und Ufer­striche der Giudecca, wo — man fühlt die Verse Hossmannsthals —

„Wo morsche Leiber älter Schiffe liegen,

Und langsam faulend, auf das hohe Meer Aus blinden Augenhöhlen . .

Düster starrende Bergiverksschachie, Windmühlen im Gewölle; Arbeit und Rhythmus an den Häfen mit ge­schlossenen Massen und wuchtenden Lasten; kletternde Ge­rüste um Neubauten und das zackige Stückwerk der Wbruchshäuser, kmod-erne Rm>n>sn^ Di>e Drümmerstattm von Messina geben gewaltigen Vorwurf, UN 2 das Charakteristische Brangwyns erkennt man am ^ ausge­prägtesten in dem Blatt, das die venezianische Maria della Salute durch die Merschneidende Netzvexstricknng einer Takelage hindurch zeigt.

-vite modernen Motive der Arbeit und Technik bringt Brangwyn mit visionärer Kraft zu machtvollem. shmbMchem , Ausdruck.

jetzt zu gewährende größere Selbständigkeit dazu ge­bracht werden wird, politisch, kulturell und wirtschaft­lich mehr und mehr mit Altdeutschland zu verschmelzen. Diese Erwartung hegte der Reichskanzler, obwohl der Verschmelzungsprozeß bisher nicht so schnell vor sich ge- aanaen ist, wie man es wünschen mußte, und er hatte für die Langsamkeit des Prozesses auch gleich eine sehr t-erständige, für seine staatsmännische Einsicht zeugende Erklärung, indem er nämlich„ durchblicken ließ, daß es besser gewesen wäre, schon früher die jetzt zu machen­den Zugeständnisse zu gewähren; man wäre nach seiner deutlich durchschimmernden Ansicht alsdann heute schon tveiter gekommen. Mit derselben ruhigen Niicbternheit bewertete Herr v. Bethmann-Hollweg auch die Exzesse in Metz und an anderen Orten als Er­scheinungen, denen man keine größere Bedeutung bei­messen sollte. _

Deutsches Deich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kronprinz unternahm bei Sonnenaufgang in Benares eine,Stromfahrt aus dem Ganges; Sonntaamittag erfolgte die Abreise nach Lucknow.

Das Beftnden des Generaldirektors der Hamburg-Amerika- Linie, B a l l i n, hat sich nach der gut verlaufenen Blmddarm- operation so erfreulich gebessert, daß er sich bereits heute zur völligen Wi: derherstellung nach Mermi begeben kann.

* Der Verleger der „Bossifchen Zeitung" t- Geheime; Justizrat Karl Robert Leffing, der Verleger der „Voss. %tg.“, ist Sonnabend früh nach langem schweren Leiden gestorben. Er hatte im Herbst sein 83. Lebensjahr vollendet. Seit 61 Jahren war er Haupteigentümer der Lessing scheu Dmckerei und der „Vossischen Zeitung", die er schon als junger Austiiliator von seinem kinderlosen Oheim, des Justizkommissariils Christian Friedrich Lessing, geerbt hafte. Obtvohl er von Anfang an bis vor wenigen Jahren die Leitpng des Unternehmens in der Hand hielt, setzte «r gleichzeMg seine Richierlansbahn fort, war vor der Juktizneorganisafton Rat beim Berliner Stadtgericht, nachher Direktor beim Landgericht I und wurde erst vor etwa 20 Jahren pensioniert. Seitdem widmete er sich dem Zeitungsunternehmen, das er dauernd vergrößerte und er- tveitefte.

* Graf Rex, Botschafter in Tokio. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, daß als Nachfolger des in Ruhestand tretenden Botschafters in Tokio Mumm von Schwarzenstein der Gesandte in Peking Gras von Rex in Aussicht genommen sei.

=» Versuche mit elektrischen Scheinwerfern bei Loko- mstivrn. Wie uns mitgeteilt wird, werden in kurzer Zeit aus den preußisch-hessischen Staaisbahnen Versuche mit elektrischen Scheinwerfern für Dampflokomotiven angesiellt werden. Die Versuche, die der größeren Sicherheit dienen sollen, werden einige Wochen hindurch foftgesetzt werden. Der elektftsche Strom für die Scheinwerfer wird von einem Dynamo geliefert, der mit einer leichten Dampf­turbine gekuppelt ist. Die Leistung des Dynamos betrügt S00 Watt. Diese Zahl ist ausreichend, um den Schein-

Eine Arbeit Liebermanns scheint in dieser Ver­sammlung besonders wertvoll, weil sie einen prachtvollen Gegenbeweis gegen die Alters-Unkerei führt. Es ist ein groß und energisch ausgebautes Bildnis des Frankfurter Bürgermeisters Adickes, handfest, körnig, leibhasftg. Da­gegen scheint die Stuck sche Familtengrnppe — er im Gchrock mit seiner Fran und der Tochter in starrender Velasquezrobe mit Ziergeflechtzöpfen — ein leeres Dekorationssftick.

Interessante Physiognomie bekommt die Ausstellung durch die ArchftLkturabteilung, und hier vor allem durch die Abbildungen und Modelle des Altersheim zu Buch von Ludwig H o f f m a n n, mit Brunnenhösen voll Kloster- frtedon, Lauben, Spalierstaketen an den Mauern, Pavillon­buchten mit Treppeuwangen, schirmenden Dachhauben — eine Kolonie, heiter und innig, und über ihrer Pforte könnten Goethes Feierabrndverse stehen:

„Hier sind wir denn vorerst ganz still zu Haus,

Von Tür zu Türe sieht es lieblich aus."

Resrdenz^Theater.

Samstag, den W. Januar: Erstes Gastspiel der Schwestern Elsa und Berta Wiefenthal.

Das Schwesterntrio Wiefenthal hat sich in ein Duo auf­gelöst, seitdem Grete, die Ältere, das Solo in „Sumurnn" tanzt. Aber Elsa und Berta besitzen Anziohunzskrast ge­nug, um das Publikum zu fesseln, wenn auch Grete nur uu- gern vermißt wurde. Das Programm war kurz, aber ein­dringlich, mit klug berechneter Steigerung. Zuerst ein weißer Tanz. Eine weiße Grotte aus leichten, weißen, übereinander!:cgendeu Stossvolants gebildet, von grünem Stoff gerahmt. Und in der Grotte, kniend, Stirn an Sftrn, die beiden Schwestern in weißen SeidenKeidchen mit grü­nen Strümpfen. Ganz leise heben und senken sie die Hände, famn merklich, bis beide vsisizlich auAtehen und Wer die