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JSfeSr»— WSchcMch12AM°t«. „ Ue» Gcgrüsdet 1852. , -'*ä-

bir 8 Uhr abends.

Wöchentlich 12 Ausgaben.

«»zeigen-Annahmr: Für die Abend-AuSgabe bis 12 Uhr mittags; für di- Morgen-AuSgabe bi» 8 Uhr n-SmittagS.

„Tagblatt-HanS" Nr. 6650-53. Von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abaäfi, außer Sonntags.

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K) Psg. tut auc auswärtigen Anzeigen i x juu- I«'. üT«r.«s*wr

ReÄ'amen. Gcmze, halbe, drittel und viertel Setten, durchlaufend, rrach beiovdev^.L^Ler" Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen

Latt.

Für dir Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird leine Gewähr übernommen.

Nr. 89.

Dienstag, 84. Januar iSII.

59. Jahrgang.

Morgen ° Ausgabe.

1. Matt. _

WsslNZLU.

(Seit einer Reihe bon Monaten bilbet die Frage der Befestigung von Vlissingen den Gegenstand lebhafter Erörterung, und zwar nicht nur in Holland, sondern auch anderwärts verfolgt man diese Frage mit leb­hafter Aufmerksamkeit-, insbesondere sind es mit den Franzosen unsere lieben Vettern jenseits des Kanals, die dem holländischen Plan scheelen Auges Zusehen und bereits allerlei Minen habei: aufflattern lassen um das Projekt zu Fall zu bringen. An und für pch ist die von Holland geplante Maßnahme . tn keiner Weife direkt gegen irgend eine Macht gerichtet, sondern man verfolgt damit lediglich die Absicht, jene wichtige Ein­gangspforte für alle Eventualitäten zu sichern uoan hat nun englischerseits den alten Vertrag von 1839 aus- qearaben, der die Mündung der Schelde, indessen aber nickt dre angrenzenden Ufer neutralisiert und dahin geht daß die Schiffahrt durch feindliche Maßnahmen nicht behindert werden dürfe.. Hierbei beruft man sich in England und mit ihm auch in Frankreich und 93elßien darauf, indem man angibt, unter Umständen müsse eine Flotte die Schelde besetzen können, wenn es gelte, die Neutralität Belgiens zu sichern. Es ist geradezu rührend, zu sehen, wie sehr man m London und Paris um die Neutralität Belgiens besorgt ist! ^n Wahr- best ist man aber aus anderen eher durchsichtigen Grün­den bemüht, die Sache zu h i n t e r t r e i b e n: Man befürchtet, daß Deutschland sich bei emem Kriege mit Frankreich ober England, refp. mit beiden, nicht scheuen würde, Holland zu besetzen, um den Einfall einer Flotte zu verhiiidern. Diese Befürchtungen sind natür­lich grundlos und schon oft genug zurückgewresen wor­den toa ? ' aber nicht hindert, daß sie immer Wieder ans- tinLen und daß man allem Anscheine nach auch an amUZen Stellen derlei Absichten bei Deutschland ver-

^'^Wie sehr die Vlissinger Befestigungsftage den Machthabern in London und Paris am Herzen liegt, beweist ein Vorschlag Pichons. die ganze Frage einer internationalen Besprechung zu unterziehen. st dabei nicht uninteressant, zu beobachten wie stck Herr Pichon dabei zum Schlepptrager englischer Politik macht denn es kann als ziemlich sicher gelten, daß die ^bec der internationalen Besprechung eben von London ans suggeriert worden ist, denn Frankreichs Interesse fm der ganzen Angelegenheit ist ein ziemlich mrnimaws sind bei weitem nicht so groß, wie dasjenige Englands.

FemllZLsn«

(Nachdruck verboten.)

Berlinsr ThZatsr^ imfr Kunstbriefe.

Von Felix Poppenberg.

Berlin, 22. Januar.

Eine Triple-Aitacke machte am Samstag die französische SchWamNMuse auf bas Berliner Zwerchfell.

Mm gleichen Abend war Gosir.scbaL, und wie ein nied­licher Stilwitz W-ar's, daß sie wenigstens in Met von den drei Rollen, die sie in den Theatern gab, ei« Ma-ke aus dieser Sphäre trug, einmal erschien sie als „bolls eWatiere" in G avaults ''Kleinem Schoko- lade nmäd che u", und das anderemal im Servier- schürzchen und Häubchen, und trug Feydeaus und Veber- Mvrics .Pariser Menü in drei Gängen auf. Das Keine Schokoladenmädchen ist freilich nicht wie ihre zärtliche Verwandte auf dem reizenden französischen Pastell ein Zöschen, sondern MMonärstochter eines Schokoladen-

^^Uu'o Schokolade mit Schlaassighue, Backfisch- und Tanz-

iimtden-Entzücklichleit ist auch das Stück.

Der Me Schokoladenengel verliebt sich in den ersten der ihr einmal nicht den Hof macht. Und nach Dalberei und Enfant tsrribls-Scherzen gibks gerührte Sni^srei. Da Habt ihr euch". Das wurde im sogenarrw- den Neu'en Schauspielhaus gemimt, es hätte aber auch bildschön ins «m GendarmenmaÄt gepatzt.

__ und die treuen Abonnenten, nos dieses

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mrd Warlitts-Wakulaturm „im Hanse des oiommerL.cn-

^Mula Conrad gab damals den Püppchm ihren leben- Ebarme. Am NoLendorMatz spielte das be- wu^ere Fräulein Iva Wüst die Bonbon- oder vielmehr Knallbonbourolle der JugondM-Naiden. „laxi - > ftre Bravour und sie hatte den Erfolg.

Wenn es auch vorläufig noch nicht zu offiziellenschrrtten gekommen fein mag. so hat man doch zweifelsohne auf diplomatischem Wege einige Fühler ausgestreckt und dabei wcchrgenommen. daß Deutschland sich gegen diese Idee wendet, und mit gutem Grunds, indem man den Standpunkt vertritt, daß es sich hierbei trotz des Vertrages von 1839 um eine i n t e r n e A n g e l e ge n- f, eit der Niederlande handele, m die sich Deutschland und die übrigen Mächte in k e i n e r W e i f e einzn- miichen hätten. Reserviert doch auch das Nordsee- abkommen von 1608 allen beteiligteii Staaten die Aus­übung der Hoheitsrechte an jedem Punkte der Küste, und hierzu dürfte doch auch die Anlage von Befestigun­gen gehören Diese Haltung erregt natürlich den Zorn aewisier Leute an der Themse, die dahinter keine korrekte Haltung wittern, sondern böswillige Gegner­schaft die dartue. daß datsackilich -Deutschland hinter dem 'Befestigungsplan stecke Trotz alledem wird sich Deutschland durch das Gekeife englischer Heizblatter voii feinem Standpunkte nicht abbringen lassen.

C'dcuiäc ift ci&se iDtcbßt einmal ein <$)araftetiftifu)eö Moment und zeigt, wie verärgert man namentlich in Enaland und wohl auch verschiedentlich ttt Frankreich darüber fsi daß es Deutschland gelungen ist, sich nnt Rußland auf guten Fuß zu stellen und damit seinen Einfluß aus dem Gebiete der Weltpolitik wieder zu stärken- - 9

hd Paris, 22. Januar. Während die radikalen Zeitungen fortfahren, die Vlissinger Frage völlig ^nhiq zu behandeln, bleibt die nationalistische Presse bei der falschen Darstellung, daß D e u t s ch l an d lnnt"r den holländischen Plänen stehe. Von einer Er­regung ist in hiesigen politischen Kreisen nichts zu merken. . __

UoMlsche verficht.

Das Äeutschspr-achrge IrrdcutttM int Arrsl-rnÄ.

Eine statistische Untersuchmig, die den meisten Leiern überraschende Ergebnisse vermittelt, von den meisten Lesern aber auch mit mancherlei Zweifeln aus­genommen werden wird, veröffentlicht das jüngste, vom Verein für das Deutschtum im Auslande heraus- gegebene Heft unter dem Titel „Das deutschsprachige Judentum im Auslande". Wir wissen Nichts aus welchen Quellen der Verfasser geschöpft hat, wir er­führen von ihm eine Reihe von Zahlen, die wir einfach hinnehmen sollen, die wir aber nicht immer himiehmen können. Von den oV 2 Millionen Juden m Rußland sollen 97 Proz ent das Jüdisch-Deutsche als Mutter -

Gegen diese Schokoladenspeise schien das „Pariser Menü" im Residenz-Theater stark getrüssclt; drei Ein­akter. Ne sich „drei Gänge" - eine neue Etikette - nann­ten, angerichtet von Veber-Abric und Georges Fehdean.

Der erste „Zweiundsünszig Meter über Paris" hat eine immerhin ungewöhnliche Szene: dre

Wattform der Juli-Säule, ein L ieblingsrende zvou s der Selbstmörder. Nun f(‘at ein Erfinder ein RettungSnetz kou- i'truiert. das die Fallsüchtigen sicher imd sauft aufnimmt. Seitdem vetlor die SaltoMortale-Säule jede Anziehuugs- Kast und . die Erfindung verfehlt ihren Beruf. Wie nun auf Wnististen des Erfinders ein Lebensmüder in das Netz und in die Lsbensfalle gelockt wird, das ist ein greller grotesker Spaß, voll der Schwefel- und Pechatmofphäre und der mit Gruseln versetzten Komik, wie sie die Speziali­tät des Pariser Miniaturtheaters Grand Güignol isi.

Dann kamen die Pikauterien Fehdeaus Die „Nachtsitzung", in der ein Gatte bei seinem Schritt vom Weg . aus dem Opernball sich eine Maske ein- fängt, die -sich dann im lbsts-L-Döds — schauervoll, höchst schauervoll —, als die Erbta-ute eines Freundes entpuppt.

Eine Erbtante ist auch die Pointe des letzten Ganges: „Nach dem Mäuschenball". Und die schönste Stelle ist hier die Bettstelle, in per Madame sich sehr appetitlich — ein lebendes Reemzekbild — in Spitzeukifleu kuschelt. Monsieur kommt von der Redoute, Alexander als Louis Quatorze, jeder Zoll ein- Mitternachts-Sounenikourg — heim, und es gibt lolir äu bal eine Budg-etszeue.

Ein Telegramm, das den Tod der Erbta-nte weidet, stiftet Frieden. Doch war's eine tückische Merue Tante, deine Tante"-Berwechslung, und der Nachbar des Paars kann mit allem Schein des Rechten amtreten und sagen: „Mein ift die Tante, mrr gehört sie zu, — „<e-reo diese Tote mir heraus".

Neben der Ehe spielen „Hippolyt e s A b-e u t e u e r tm ^rianontü-eater Die Draufgänger mogeln ihren Frauen

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spräche angeben, von den 2 Millionen Juden trt den Vereinigten Staaten sind nach dem erwähnten Auftatz über 90 Prozent, die in den letzten dreißig Jahren am, Rußland, Österreich und Rumänien eingewandert sind, der jüdisch-deutschen Mundart zuzurechnen, während tn der früheren jüdischen Einwanderung nach den Ver­einigten Staaten deutsche Juden mit rein deutscher Sprache die große Mehrheit bildeten. Für Rumänien rechnet der Verfasser 257 000 Deutsch sprechende Juden, für England annähernd 250000, für Frankrerch 100 000, für die Türkei Uber 100 000. Das Überraschendste durfte das Folgende sein: „Jerusalem mit seinen fast IM 006 Einwohnern hat heute nicht nur eme zudtsche Mehrheit voll annähernd zwei Dritteln, sondern ist durch eben dieseJuden, neben denen die wenigenHunderle von Deut­schen und Deutsch redenden Arabern — Zöglinge deut­scher Lehranstalten — der Zahl nach nicht bedeutend sind, eine vorwiegend deutschsprachlrche Ltaor. Mit Bezug hierauf schrieb das „Echo de Parw nt seiner Nummer vom 23. November 1910: „W -.r er­

hallen von einem Landsmann, der in Jerusalem wohnt, betrübende Nachrichten, aus denen hervorgeht, daß der ehemals überwiegende französische Einfluß m Palastrna sich von Tag zu Tag zugunsten der Deutschen um- wandelt. Wenn wir nicht die bewundernswerten, An­strengungen unserer Missionen besser unterstützen, werden wir bald nicht mehr existieren in Gegenden, dre einst lebendig von unserem Geist, durchweht waren. Insgesamt beziffert der Verfasser die Zahl aller .•vsubeti aut l2312 000, wovon er volle elf Millionen dem deutschen Sprachtum zuweist. Das dünkt uns außer- ordentlich übertrieben, und wir müssen wieder fragen, worauf sich diese zuversichtlichen Msttetlungen stützen. Man erfährt aus dem Aussatz berspwlsweise. daß als „Deutsch rÄende Juden" anzusehen sem sollen: in den Vereinigten Staaten 1900 000 von 2 Mllllonen, in Frankreich 100 0000 von 120 000. in Kanada sämt­liche 80 090, in Argentinien sämtliche 60 000, rn -Lud" afrika 30 000 von 40 000. in Australien 20 000 von 25 000. in Belgien 15 000 von 20 060. Andere Zahle:; daaeaen dünken uns zu niedrig, so wenn von den 110000 holländischen Juden nur 20 009 Deutsch sprechende sem sollen. Zuverlässige Grundlagen dürften rüdesten den Mitteilungen über den Anteil des jüdischen Bevolke- rung^elements an zahlreichen deutschen Auslandsschulen unterliegen. Hier gibt der Aussatz sorgfältige Zahlen, wie sie für ein so begrenztes und gut zu übersehendes Beobachtungsgebiet allerdings unschwer zu ermitteln waren Von den Schülern deutscher Anstalten , m Rumänien sind Juden in IM, 36 33 in Rimnic-Valcea 25, tn Bukarest 15, 17,o, unk» -o. in Braila 22, in Craiova 19 Prozent: sodann- tn -rootra

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Dri-aMlRetechrrik dieser Intrige -als undicht. Ustd das Publikum Hat die Schadenfreude.

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* Franz Neumann, der Frankfurter Kapellmeister, hat Schnitzlers „Liebelei" komponiert und in der Komischen Oper einen starken Erfolg gchabt. ^ ^ ,

Eine reine künstlerische Freude kann dieses Werk trotz musikalischer Arbeitsqualität nicht machen. Der Stoff, text­lich fast wörtlich übemommen. und dir Musik gehen nicht zusammen. In Schxritzlevs liebem Wiener Stück schwebt Musik: Donauwalzer. Rhythmus der DeuHchmeistermarscye. WerKton im Frühling beim Heurigen am Kahlenberg, wehbanges SehnsuchtiZlied in der Dämmerung, und zum Ausganjg verwehter, zerbrochener Klang einer armen Seele.

Ich denke mir, ein Komponist von feinem inneren Ge­hör müßte sich diese verborgene AÄrsik heranslanschen, sie halten und zum Klingen bringen, und da würde denn so etwas werden wie eine hold-melancholische Idylle, zart und traurig, mit dem Tod im Hintergrund, und dariwer doch leuchtend das unvergängliche Lächeln einer wunderbaren

^ iCI Davon merkt man hier nichts. Reumann derSt nur an sich wie er seine dramatisch-pathetischen Triebe musikalich sich'abreagieren kann. Wie er WelMntergangsstimmuMLN, ^üucriMmTaas-Furioso in Orchesterdämomen austobm kann. Es ist, als ob einer aus einem lieblrchen Whwmd-

schen Bild, etwa dem Morgen tm

rühreriden Hemed am Fenster, ein Riesenfresko machen

deutlichsten, zugleich aber auch am peiulichst-n spürr mau dieis im ersten Mt, der von Schnitzler so bestrickend ge­mischt ist, in seiner PlauderatmoWhÄre, den 'heiteren Zärt­lichkeiten, dem gaukelnden Leichtsinn und lUuemder Lebens­angst und drohendem Unheil in der Lust.

Der Komponist aber eutfeffelt gleich alle Elemente, er reißt die tmgischen Schlensen auf, und zu komischem Wider­spruch witd es, wenn die, natürlich prosaischen Umgangs­worte Schuitzlerscher MtaUsmensch —, es ist so hübsch, daß er die beiden Freunde im PersEnverzeichms einfach als „junge Leute" bezeichnet —, zu Roten gesungen: werden,