Einzelbild herunterladen
 

Seite 2.

Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

WiesLadsneN TagbLatr.

Montag, 23. Januar 1911.

Nr. 38.

Dnrtsches Reich.

* Veränderungen im diplomatischen Dienst. Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zerrung" meldet, tft für die Wiederdesetzung des durch die Pensionierung des Grafen Pückler erledigten Postens des Gesandten in Stockholm der bisherige Gesandte in Belgrad Wirklicher Geh. Rat v. Reichenau und als dessen Nachfolger in Belgrad der bisherige Vortragende Rat im Aus- wärtigen Amt Wirklicher Legationsrat Freiherr von Griesinger in Aussicht genommen. Für den durch den Tod des Grafen v. G o e tz e n frei gewordenen Ge­sandtenposten in Hamburg ist der bisherige Gesandte in Oldenburg Hans Adolf v. Bülow ausersehen.

* Neue französische Treibereien gegen das deutsch- russische Abkommen. Das „Journal des Dubais" schreibt: Die Tatsache, daß die itt Potsdam^zwischen Öent russischen Minister des Auswärtigen Ssasonow und dem Staatssekretär des Auswärtigen v. Kiderlen- Wüchter begonnenen Verhandlungen f o r t d a u e r u, ohne bisher zu einem ernstlichen Ergebnis geführt zu hoben, ist der beste Beweis dafür, daß die Kabinette von Paris und London keineswegs einer vollendeten .Tatsache gegenüber gestellt und von Rußland bei diesen Verhandlungen beiseite gelassen worden sind. Den Dolmetschern der deutschen Politik ist es gelungen, m da« Lager der Rivalen Verwirrung zu bringen. Das ist zweifellos ein Erfolg. Aber w'.c haben damit gleichzeitig die russische Diplomatie zur Wachsamkeit veranlaßt. Herr Ssasonow hat eingesehen, daß ihn die deutschen Diplomaten über ftne Grenzen, welche er sich vorgezeichnet hatte, hrnauS- locken wollten. Kaiser Nikolaus und seine Munster sind auf der Hut, sie werden nichts unterzeichnen, was das System der europäischen Politik, welchem, sie uner­schütterlich treu bleiben, auch nur auf das leiseste er­schüttern könnte. Die öffentliche Memung rn Frank­reich mrd England ist hauptsächlich dadurch ubex die Absichten der russischen Regierung in Irrtum gefuhr. worden, daß in gewissen Petersburger Kreisen die ffre Idee herrschte, daß Rußland einen diplomatischen Er­folg davon tragen müsse, um die während der Annexionskrise erlittene Schlappe wett zu machen. Weder Jswolski noch Ssasonow haben auch nur einen Augenblick daran gedacht, sich in eine zweite Auflage des" ostasiatischen Abenteuers einzulasten. Aber deshalb besteht der Plan noch immer, Rußland von Europa abzulenken. Ssasonow jedoch erinnert sich an Buchlau. Die Seiten sind glücklicherweise vorüber, wo die russi­schen Staatsmäiiner um eines ferneren Zieles wlllell die sichere GegeMoart geopfert haben.

* Ein neuer Protest gegen den Antimodernisteneid wird von dem vonl Bischof von Augsburg seines Amtes enthobenen Subregenten Franz Wiel an o vom Dilliiiger Priesterseminar veröffentlicht. Neuer­dings erklärt, er, daß der Eid eine Sunde sei und daß es in Überzeugungssachen nur Gott gegen­über einen Gehorsam gebe. Zu einem Memeide lasse er sich nicht bringen. Vor allem protestiert er dagegen, daß das Augsburger Ordinariat chn m dem Ab­setzungsdekret wegen Insubordination maßregelt. ..Mag die Obrigkeit auch mit dem Äußersten gegen mich Vorgehen", so schließt der leideiischaftliche Protest „ne hat die Macht und ich bin wehrlos. Aber einer ist. der­einst richten wird — mich und sie!"

* Die Berliner Wahlrechts-Versammlungen. Am Sonntagmittag sandeii in Berlin 31, im Wahlkreise Teltow-Beeskow 28 und in Niederbarnini 20 lozial- demokratische Waylrechtsversammlungen statt, die alle gut besucht waren und ohne Störung verliefen. Über­all wurde einstimmig eine scharfe Resolution angenom­men, in der der Entrüstung Ausdruck gegeben wird über die Nichteinlösung des Versprechens, dem preußi­schen Volk endlich eine der heutigen Kultur angemessene Vertretung zu schaffen. Die Versammelten geloben, unablässig zu wirken und zu agitieren, um ,,vw

lose Reaktion in Preußen zu bekämpfen, besonders die kommenden Reichstagswahlen durch sozialdemokransche Stimmabgabe zu einer vernichtenden Niederlage der Junker und Scharfmacher zu gestalten und me Regie­rung zur Gewährung des allgemeinen gleichen, direk­ter: und geheime!: Wahlrechts zu zwingen". -- Auch, ttt zahlreichen Großstädten Preußens fanden gestern sozial­demokratische Wahlrechtsversammlungen statt, die nach den vorliegenden Meldungen aus Breslau, Barmen. Cöln, Halle, Magdeburg überall einen ruhigen Verlaus nahmen. In Berlin verhielt sich die Polizei vollkom­men reserviert. Nur hier und da waren kleine Vonzei- Patroiitllen sichtbar, die aber keinen Anlaß zum Ein­schreiten fanden. ' .

* Arbeiter-Aussperrung in Westfalen. Ter Arbeit­geber-Verband der Textil-Industriellen des, Munster- landes beschloß, alle dem Verband ch r t ft i t ch e x Textilarbeiter angehörettden Arbeiter und Ar- beiterinnen zu entlassen und die Betriebest tll zu legen, sofern von den streikendei: Arbeitern, der Firma Hecking in Neuenkirchen nicht die Arbeit iviedec ausgenommen wird. Von dieser Aussperrung würden etwa 8000 Ar- beiier und Arbeiterinnen betroffen werden.

* Noch ein verbotenes französisches Konzert. Dem Sportverein „Union-Lorraine" :n Grob- M o y e u v r e wurde die Abhaltung eures Konzerte mit ausschließlich französischem Programm verboten.

Mrchlbsm-grms.

r. Fortschrittliche Kandidatur im 5. nassauischen Wahlkreis. Am Sonntag, den 22. Januar, fand nach­mittags in Westerburg die stark besuchte Vertrauens, männerversammlung der Fortschritlichen Volk.-parte: des 5 nasiauischen Wahlkreises (Tillenburg-Oberwester- waldkreis) statt, in der P f ar re r Fr es ent us- Essentzeim, der bekannte Förderer der Volkü- bildungsbestrebungen des Rhein-Mamischen Verbandes, als fortschrittlicher Reichstagskandidat proklamiert

wurde. ^ „

§uv mrd Florto

Nur Unterseebootskatastrophe. Die Beerdigung des Matrosen Riep er erfolgte in Kiel nach vorhergehen, der Trauerfeier, bei der Marineoberpsarrer Geheimer Oberkonsistorialrat Goedel die Gedächtmsreoe rnelr, iin Beisein der ortsanwesenden Admirale iilid vieler Abordnungen unter großen militärischen „Ehren und einer überaus regen Anteilnahme der Bevölkerung aus dem Garnlsonkirchhos. - Unter großer Terlnahme wurde gestern nachnlittag auch der imt^dem Untersee­boot ,17. 3" verunglückte Leutnant zur «ee Kalbe m Berlin zu Grabe getragen. Der Beisetzung auf dem Treffaltigkeitsfriedhof ging eine Trauerfe:er n:, der Friedhofskapelle voran, bei der Obekkonststonalrat Lnhussen die Gedächtnisrede hielt. Auf der zu Fußan

deS Katafalks trapierten Kriegsflagge lag der Kranz des Kaisers, den der Chef des Marmekabmetts uber­bracht hatte. Prinz und Prinzessin Heinrich hätten eilt weißes Blumenkreuz gespendet. Die Eltern des Verstorbenen nahmen an der Trauerfeier, teil. Aus öem Hauptwege des Friedhofs bildeten die Beamten des Postamts Spalier, bei dem der Vater des verun­glückten Offiziers tätig ist. — Kapitänleutnant Ludwig Fischer wurde am Sonntagnachmittag,, 3 Uhr m Darmstadt zu Grabe getragen. Weit, über 10 00V Menschen hatten den Friedhof und die anliegenden Straßen besetzt, so daß es den Polizeimannschaften nur mit Mühe möglich war. dem offiziellen Trauergefolge den Weg zu bahnen. Von Kiel waren zehn Kameraden deS Vetstorbenen. darunter zwei der geretteten Offi­ziere des „17. 3" erschienen.

Ausland«

Tirrkrk.

Die Lage im Jemen. Nach den letzten amtlichen Meldungen ist die Lage im Jemen beunruhigend. w:e Verbindung mit Sana und Umgebung ist noch unter­brochen. Die leitenden Kreise sind über die eigentliche Lage der türkischen Truppen im uiiklareii. Ter Kriegs- minister verfügte die sofortige Emberufiing der Redijs erster Klasse von Monastir. Perlepe. Kropruln und ferner voi: zwölf Bataillonen von Kossowo. Die

Truppet: werden teils in Saloniki, teils in Tedeagatie zur Einschiffung nach Hodeida gelangen. Jussiif-Pasä)a, der Kommandant von Dedeagatje. erhielt den Ober­befehl über die von Rumelien nach dem Jemen ao> gebenden Truppen. „Jen: Gazetta" bestätigt cm? Grund von Informationen seitens der Pforte, baß Sana zerniert sei, hingegen seien die Gegenden von Taaz und Hodeida nicht iinmittelbar gefährdet, -vre Negierung hat zum Truppentransport mehrere Dampfer von der russischen Freiwilligenflotte gemietet.

Ein ernster Zwischenfall an der südarabischen Küste. Aus sicherer Äuelle erhält per Äonslantinopeter Störte* spondent der „Franks. Ztg." Kenntnis von einem ern­sten Zwischenfall, der sich am 19. d. M. m Dubaya nn Küstengebiet von Hadrmnaut zugetragen hat. Nach Telegrammen aus Bassorah hätten dortselbst gelandew e n g l i s ch e Matrosen sich an museftnanischen Frauen vergangen. Ter Bevölkerung bemächtigte sich eine große Erregung: es kam Mischet: Türken und den englischen Matrosen zu einem erbitterten Handgemenge, wobei mehrere Mairosen t o t auf dem Platze bliebet,. Kurze Zeit uach diesem Zwischenfall begann das eng­lische Schiff Dubaya zu bombardieren. T:e Beschießung wurde erst eingestellt, als die, Scheikhs von wubaya das von dem englisch-indischen Kriegsschiff geforderte Sübnegeld von 13000 Rupien erlegt hatten. Dubaya gehört nicht direkt zur Türkei: es zahlt zu der Zone, über die England eine Art von Protektorat ausübt.

Verrrmgte ütaaUn.

Tic Maßregelung des Admirals Sims. Im Generalbe. fehl des Marinesekreiärs. worin der.Kommandeur wg nach Anweisungen Tafts getadelt Wird, heißt es: Taft habe die Schwere des vorliegenden Vergehens so Aar zun: Ausdruck gebracht, daß ioeitere Bemerkungen un­nötig erscheinen, um dieMarme auf det: vou sinw^o^-

Ke mUet on.

Das Futhrrschspiel.

Das Lutheffest spiel in dem weiten und schönetr Saale der Turngesellschaft hat nun auch hier seine „Premiere erlebt Aber man sollte besser sagen, es hat seinen weihe­vollen Einzug gehalten, denn mit Theater hat es nur lehr wenia au tun. Es handelt sich weder um ein Schaustück noch um ein historisches Drama, es handelt sich vielmehr um erne aus echt deutschem Empfinden herausgeborene Dichtung, die sich dramatisches Beiwerk lieh, um vor Augen geführt 3 u werden auf ihrer Wanderung zum Herzen der Zuhörerschaft Sans Herrig (tz) hat es verstanden, in fernen schlichten Sans-Sachs-Versen die deutsche Seele sprechen zu lassem Gleich zu Anfang schon klingt es durch kmftvE einge­streute Sentenzen aus der Rede heraus, wie Sch wert scklaa Er Hai es weise vermieden, ein religiöses Tendenz- werk zu schaffen, er hat uns den Luther im wesentlichen nur als den deutschen „Ritter ohne Furcyt und Tadel hrnge--

stellt, als den überzeugmigstreuen Wann, der sich VEer

vor Kaiser und Reich noch vor des Erdenrunds gefährlichster Macht, der römffchen Papstkirche, -furchtet, und fast sollte man denken, selbst Andersgläubige, wenn nur echte Deutsche sind, müßten wenigstens an dem kernhasten dreinschlagefreudigen, bekennerftarkeu Auftreten d -s deutschen Ketzers" ihre Freude haben. Wie gesagt, keine außdrMglichc Tendenz machte sich in diesem Werke breft. und so wandelten dmn die Einzelbilder aus dem Leben des großen Rcsonnators. der von der Geistessklaverel der römischen Priefterherrschaft Zwetonttcl der Deutschen be­freite wirksam und plastisch an unS vorüber W'.r sme.r das arme Mönchlein in seiner Seelennot im Eoster rmgen, vergebens beredet von seinem milden LchrerStaupitz. W« iebm ihn mit feurigem Herzen den schmachvollen Ablaß­handel bekämpfen, und frei und stolz die päpstliche Bannbulle erhalten und verbrennen, und begleiten ihn — «u Rats­herr und ein Herold bilden durch ihre Gespracy- die Brücke zwischen den einzelnen Abteilungen -7 au? den Reichstag zu Worms, wo er vor Kaiser und Reich und schimmernden Bischöfen seine Überzeugung kühn ittid doch beschstden ver­ficht Dann übersetzt er im Schutze der Wartburg dte Bibel, tritt den Bilderstürmern entgegen, und schließlich sehen wrr ihn. dm treuen deutschen Hausvater, gemütlich rm Kreise, der Semen. Stimmungsvoll reihten sich m dte Btlderfolgc die machtvollen Luthergesänge ein, das Lied von der festen -Burg, und das „Nun danket alle Gott". Die Schar der andäcküiq Versammelten fangen sie -wie in der Kirche. Der

evangelische Kirchengcsangvcrem, der Ringkirchenchor und

der Bachverern sorgten, daß der musikalische und gesangliche Teil atlch künstlerisch gut vertreten lvurde

Und die Ausführung selbst, bewirkt durch über zwei­hundert Personen aus der Mrgerschast, geleitet von der bewährten Hand Atax .Halters. Man darf kemen th^ter kritischen Maßstab an die Elnzelleistmrg begeisterter Dilet­tanten legeik. Vielleicht würde gar manches von der naiven, starken Wirkung des Festspiels verloren gehen, w-mt Luther im Bühnenschritt an uns vorüberwandelte „»der sem Zungen-R. schnarren ließ. Hier tvar das Ursprüngliche, an dem man gleichsam das Handgemachte kannte, das Mahre und protestantische Begeisterung und redlicher Eifer ersetzten die Routine. Auch äußerlich kamen sehr WJ; frohe Bilder zustande, so etwa m der MichstagssMe. Der Darsteller des Luther trat aus der großen Reihe de Mitspielenden nicht ,mr dilrch seine Rolle, sondern auch durch sein temperamentvolles Spiel und durch seine St mm- gewalt hervor. Wenn er sich bei dni künftigen AM-hmngen bemüht, seine Rode stärker zu schattieren und Mittel zur Steigerung für die stärksten Affekte in Reserve zu halten wird sein Spiel noch gewinnen Die ganze V^fuhrung fand ein begeistertes, wahrhaft genießendes Mblikum, zum großen Teil auS empfänglicher Jugend bestehend. Welche Bedeutung der Veranstaltung entgegengebracht w:.o, bewies die Anwesenheit vieler angesehener Personen, u. a. die des Herrn Oberbürgermeisters. Nur erner war rmtz-- vergnüat und jedenfalls von jesuitischem Eifer über die ganze Ketzerei erfüllt — die elektrische Beleuchtung Sie suchte durch surretsde, störende Geräusche oft dem Refornta- tor und den anderen Mitspielenden in des Wortes ver­wegenster Bedeutung die Rede zu verschlagen. Gewry wrrv das bei den folgenden Darbietungen behoben sein m® un- cefiört wird das schöne Festspiel seinen wcibevollen Zweck erfüllen. __________ Sck v ‘ E '

ResidönZ'-Theater.

Samstag, den 21. Januar: „Im LuMzug". Lust- svirl in 4 Aufzügen von Abel Hern: a n t. Deutsch bearbeitet von Rudolf Lothar. Spielleitung: Ernst Bertram.

Man nehme." Mit diesen Worten werden gute

— und schlechte Rezepte eingeleitet!

Also, man nehme- eine Infantin aus Jberien, einen Er-Prästdenten mit Sohn und Gemahlin aus Dingsda, zwei Priniessinnen. Mutter und Tochter, von dmüler jij* Iiittft und einen ebensolchen Großfürsten. Dre en ^.-igre- dienzien die schon zum Teil verdorben sind, — taugen tun sie alle nichts —. setze man eine starke Prise Papnka zu,

um das Laut-gmit etwas zu mildern, und schüttle dann das

Ganze Mt durcheinander. ^ ^

Rach einer langen Weile — kurze und lange WciiL wechseln miteinander ab — ergibt cs sich, daß die ^tlfanim und der Ex-Prästdeniensöhn in innige Berührung geraten Der junge Marmel ist ganz bedeutend angebrannt und z.rgt bedenkliche Neigung, an der Infantin Elviva hanMN zu bleiben. Die Sache ist so „brenzlig", daß rasey noch ein­mal geschüttelt werden muß. Run ist cs . se-urlgen. Manuel nähert sich der Prinzesyn Hedwig und letzt stehen beide als neugebackenes Brautpaar da (das allerdings ,ckon vor 6 Wochen di- Geheimnisse der Ehe heimlich mit- einander zu ergründen suchte), als Gannerung stehen die allderen drum herum. „Ehar—mant", sagt Großfürst N:ktta, der citrer ausgepreßtctl Zitrone gleicht, zur Braut, dre bis­her seine Braut war und die jetzt plötzlich emem anderen angehört, und überreicht ihr ein Bukett. ,

Ehar—mant? Zischen, Maischen, Lachen und cm Paar entrüstete Ausrufe erstickten fast das letzte Wort. . Char­mant? AÄ, nein. Das Stück, das sich Lustspiel tituliert, verdient höchstens eine Satire genannt zu werden. Emr teilweise recht witzige Satire über die Fürstlichkeiten, die in Paris eine Rolle spielen. Der Titöl „Im Luxus­zug" ist symbolisch gemeint und hängt nur äußerst lose Mt der Handlung zusammen. Abel Hermant hätte sein Mach­werk ebensogut „Pariser Crtzme" oder ähnlich nennen können. Starkes Streichen würde für das Stück nur von Vorteil sein. Da es aber sicher bald sowieso vom — Spiel- plan gestrichen wird, wäre es schade um die viele Müde. Es ist jetzt schon schade darum. Herr Bertram hatte das Stück mit Sorgfalt und G-schnrack inszeniert, und die Künstler taten ihr Bestes, um cs zu retten. Ihnen galt denn auch der Beifall, während das Zischen und die ent­rüsteten Rute für den Autor warm.

Herr Tautz als Prästdenteusohn betonte «nt Mtem Gelingen das Gaminhafte, das Schüchterne des jungen An­fängers in seiner LicbeskarriLre. Dadurch gelang cs ihm, Mit „Anstand" über heikle Situationen hinwegzukommen. Ebenso brachte es Frl. Hammer als liebestolle Jnsantm Elvira fertig, fein zu bleiben, trotz all dern Gewagten, bas sic zu sagen hatte. Allerliebst war Frl. Richter, die neugierige Prinzeß Hedwig, die vieles halb weiß und gern alles ganz wissen möchte. Auch sie fand den richtigen von: e'n Gemisch vr« Unschuld und Keckheit. Köstlich waren die Prinzessin-Mutter der Frau van Born mit dem starken Schtmrrbart und Herr Schäfer, der Großfürst und entthronte Bräutigam. Auch Frau Schenk, sowie die Herren Degen er und Hager hatten mit Glück dis kleinen Rollen übernommen. B.