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Seite 2 * Morgen-AnsgaLe, 1* Blatt.

dem Ibsen als führender Dramatiker anerkannt wurde, ist ein immer helleres Licht auch auf die Wegstrecke von Shakespeare bis Ibsen gefallen. Die Bühne und der neueste Übersetzer haben Shakespeare ^gewissermaßen der Gegenwart neu erobert; aber auch Shakespeare der universale Denker, Shakespeare der Politiker und Shakespeare der Philosoph sind uns durch neuere Ar­beiten näher gerückt worden. Doch ist es immerhin zweierlei, die Beschäftigung mit Shakespeare politi­schen I d e e n zu empfehlen oder aber die praktische Losung auszugeben: „Zurück zu Shakespeare!"

Diese Parole, die der „Grenzboten"-Mitarbeiter er- Mugen läßt, ist schon an sich absonderlich, denn die da­maligen englischen und die heutigen deutschen Verhält­nisse lassen sich nur höchst gewaltsam vergleichen. Noch sonderbarer aber ist der Sinn, den Herr Fleischhauer- Oberspier mit ihr verbindet. Ihm bedeutet Shake­speare die Versöhnung von Liberalismus und Aristo­kratismus, und zwar sei Shakespeares Aristokratismus der „Arrstokratismus der Persönlichkeit". Die ge­bührende Schätzung der Persönlichkeit vermißt Herr Fleischhauer merkwürdigerweise beim L i b e - ralismus, bei der Demokratie. Die Demokratie lasse das „Recht der Persönlichkeit" ^zu kurz kommen gegenüber dem „Recht der Masse". Sie vergesse, „daß Gleichheit und Freiheit und Menschenrechte erst in der einzelnen Persönlichkeit in Erscheinung treten". In dresem Punkte müßten die demokratischen, die liberalen Grundsätze einer Revision unterzogen. werden. „Ter Liberalismus hat, wenn er leben will, den Aristo­kratismus der Persönlichkeit nötig und sollte deshalb am wenigsten denen gegenüber feindselig austreten, die in einer Partei zusammengeschlossen, die Aristo­kratie als eine ephemere Erscheinung des wahren Aristokratismus repräsentieren. Hier sind die Grund­linien eines Blocks, wie ihn Bülow sich dachte und wie ec in dieser und jener Gestalt immer einmal wieder­kehren wird." Wir waren bisher der Meinung, daß gerade der Liberalismus das Recht der Persönlichkeit ausdehnen will gegenüber den Privilegien der Geburt, des Standes, des Besitzes. Und hier hören wir, daß die Liberalen jden Konservativen entgegenkommen müssen, indem sie ein stärkeres Recht der Persönlichkeit anerkennen? tz)as ist eine vollständige Vertauschung der Be­griffe „liberal" und „konservativ". Fleischhauer ver­kennt den liberalen Standpunkt, er verkennt aber auch den politischen Standpunkt Shakespeares. Der _ große britische Dramatiker nimmt politisch die Partei der hohen Geburtsaristokratie, gegen das Volk und je nach­dem auch gegen den Herrscher. Er schätzt die Masse des Volkes geistig und sittlich gering; er ignoriert im „König Johann" völlig die Magna Charta. Aus Shakespeare vermag die Demokratie leider keine Waffen zu holen. Das „Zurück zu Shakespeare!" ist fast in jedem Sinne eine unfruchtbare Parole, ein Anachronismus.

Deutsches Deich.

* Der Kaiser in Rom. Das belgischc Blatt „Soir" läßt sich aus Rom berichten, daß der deutsche Kaiser Rom auf seiner Rückreise von Korfu besuchen werde. Angesichts der Tatsache, daß das Jahr 1911 vom Vatikan als^ein Trauerjahr betrachtet wird, soll der Besuch des Kaisers beim Papste nur privaten Charakter tragen

* Als Termin der Reichstagswahlen bezeichnet eine Berliner Korrespondenz den 28. November. Wenigstens fei dieser Dag an maßgebender Stelle ins Auge gefaßt worden. Das sei jedenfalls sicher, daß in den letzten Tagen des Monats November die Entscheidung fallen werde. Die Meldung hat viel Wahrscheinlichkeit für sich. Feste Be­stimmungen über den Termin der Wahlen sind aber noch kaum getroffen.

* Militärkonkurrenz. Der Stadtrat von Speier halte dem dort liegenden 2. bayerischen Pionierbataillon die Er-

trifft. Um das Weidmannsetzen daher von vornherein zu verhindern, soll man die alten Gewehrputzlappen sofort nach dem Gebrauch ins Feuer, in fließendes Wasser oder in ein „heimliches Gemach" werfen.

Ist aber ein Weidmann gesetzt, so besagt eine alte Schrift, was folgt zu tun: „Will man einen solchen Böse- wicht plagen und wieder zur Raison bringen, so wischt man innen die Büchse mit Werg reinlich und streut ein von Cyprischcm Vitriol zubereitetes sympathisches Pulver in den Laus, nimmt die Schwanzschraube heraus und macht in der Küche auf dem Herd einen Rauch von Haaren, Schweine­kot und Ochsenklauen, wodurch ein greulicher Gestank ent­stehet. Hai mm solcher durch den Lauf das sympathische Pulver berührt, so eurpfindet der Zauberer (der uns aus Bosheit den Weidmann gesetzt hat) große Schmerzen in den Augen und Gestank in der Nase per antipathiam, daß er gezwungen wird, über Hals und Kopf zu laufen und Hilfe zu suchen, weil er wohl weiß, wo derjenige wohnhaft ist, welchem er einen Possen hat tun wollen."

Nach altem Glauben wurden dem Fuchs übernatürliche Kräfte beigcmessen; er galt als ein Zauberer unter den Tieren des Waldes, deshalb hat man unzählige Bannmittel erfunden, um den schlauen Räuber zu fangen, z. B.: „Zeuch einer Katze das Fell ab, bestreiche sie mit Honig, brate sie am Spieß und besprenge sie mft Pulver von ftmgen Fröschen, die man Krötkeule nennt, binde sie danach an einen Strick, schleife sie dir nach auf der Erde, bis auf den Ort, da du die Füchse haben willst, so schnüren sie deiner Spur nach und laufen dir ins Garn."

Will man aus die Jagd, so achte man sorgsam daraus, daß einem weder eine Schweineherde noch ein altes Weib begegnet. Beides bedeutet keinen Segen, wenn nicht gar ein Unglück, und jedenfalls soll der Jäger umkehren, wenn ein alter Schuh mit der Spitze ihm zugekehrt auf dem Wege liegt. Ist man auf dem Wege zur Jagd und es läuft einem ein Hase quer von rechts nach links vorbei, so schießt man den Tag nichts. Auf dem Anstande soll man sich nicht so

Wiesimderrrr Tagblatt»

bauung einer Holzbrücke übertragen. Daraufhin erhob der Deutsche Zimmermeisterverbarkd Beschwerde bei der In­genieur-Inspektion in München, die dem Bataillon dann die Erbauung der Brücke verboten hat.

* Festungsstädte und Lustschiffahrt. Im Straßburger Gemeinderat machte der Bürgermeister Dr. Schwattder die Mitteilung, daß die komnrmMlen Verwaltungen der Festungsstädte sich über gemeinsame Maßnahmen ver­ständigt hätten, die eine Milderung der militärischen Verbote bezweckten, daß Luftschiffe ihre Gelände überfliegen, well -durch Fernhalten dieses Sportes eine empfindliche Beeinträchtigung der betreffenden städtischen Interessen erntreten werde.

X Denkschrift und Untersuchung über das Radboder Unglück. Wie uns mitgeterlt wird, sind die „Auswältigungs- arbetten" aus der Zeche Radbod vor kurzem beendet worden, und es ist zu hoffen, daß die gerichtliche Untersuchung gegen die Beamten djer Grube nunmehr auch bald zum Abschluß gebracht wird, da durch die Arbeiten alles noch fehlende Material zutage gefördett worden ist. Es handelt sich bei dieser Untersuchung um das vom Staatsanwalt gegen die Grubenbeamten eingeleitete Verfahren, was, wie vielfach geschehen, nicht mit dem privaten Beleidigungsprozeß des Direktors Andre gegen den Redakteur der „BergarbeiLr- Zeitung" zu verwechseln ist. Dieser Prozeß ist bereits be­endet und während der Verhandlungen haben zahlreich« Vernehmungen über eine Reibe von Umständen stattgesun­den. die mit der Ursache des Unglücksfalles zusammenhängen. Hierbei wurde festgestellt, daß sich die Ursache des Unglücks nicht sicher feststellen läßt und daß eine Schuld der Verwal­tung nicht nachgewiesen werden kann. Die Bergverwaltung wird aber den Abschluß der Untersuchung gegen die Be­amten der Grube abwarten und dann an die Ausarbeitung einer genauen Beschreibung des Unglücksfalles gehen, die in Form einer Denkschrift abgefaßt werden wird.

* Die elsaß-lothrmqische Verfassrmasftage. Bei der ersten Beratung der eLsaß-lothrmgischen Verfassungsvor- laae, die am nächsten Dienstag im Reichstag zur Debatte steht, wird der Reichskanzler eine Einleitungsrede hätten.

* Zum 99. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold von Bayern (12. März) sind ziemlich umfangreiche Be­gnadigungen in Aussicht genommen.

* Das polnische Gewerbe, schreibt der „Dziennik Byd- goski", erstarkt und entwickelt sich mit jedem Tage günstiger. Es gibt fast keinen Zweig, der nicht bereits eine polnische Vertretung hätte. Neuerdings ist zu den vielen in Posen bostchenden nationalen Unternehmen sogar eine polnische Drahtzaunsabrik hinzugetreten.

* Veter-mcnsürsorge. Wie aus Koburg gemeldet wird, verfügte ein Ministerialerlaß der dottigen Regierung, daß alle Teilnehmer der Feldzüge von 1849, 1864, 1866 und 1870/71. die nicht mehr als 1209 M. Einkommen haben, von der Staatssteuer befreit sein sollen.

* Gegen Geldzuwendungen an Reporter. In der letzten Versammlung des Hamburger Journalisten- und Schrist- stellervereins wurde folgende Resolution einstimmig an­genommen: „Der Journalisten- und Schriststellerverein für Haarburg-Altoim und Umgebung hat in seiner Versamm­lung vom 3. Dezember davon Kenntnis erhalten, daß Herr I. H. Mohr in Altona den Versuch gemacht hat, Reportern von Hamburger Blättern Geldsummen als Dank für angob- lich geleistete Dienste zukommeu zu lassen. Der Verein legt energisch Verwahrung dagegen rin, daß Reportern Geld- zuwendungen für irgendwelche Dienste für ihre Zeitung von außerhalb der Presse stehenden Persönlichkeiten gemacht weiden."

* Diebstahl eines Geschütfteils. Wie die „Lothringer Volksstimme" meldet, soll bei dem in St. Apold garni- sonierenden 69. Feld-Artillerie-Regiment ein Geschützvisier des neuesten Rohrrücklaufsystems abhanden gekommen sein. Nach den von dem Metzer Korrespondenten der „Franks. Ztg." -ingezoqenen Erkundigungen handelt es sich nur um einen kleinen Teil eines solchen Visiers. Die Untersuchung ist im Gange. Der von der „Volksstimm«" gemeldete Selbstmord eines Unteroffiziers hat mit der Angelegenheit nichts zu tun.

* Dritter internationaler Kongreß für Säuglingsschuh. Für den Dritten internationalen Kongreß für Säuglings­schutz, der bekanntlich im September in Berlin stattfindet,

mtter einen Baum stellen, daß gerade über dem Kopfe ein Astloch ist, da hierhinein die „Alben" schlüpfen, wobei der Jäger das Augenlicht verliert. — Wer hätte nicht schon im Walde an einsamen Stellen Äste mit Lappen oder altem Schürzenband umwickelt gefunden? Vielfach sind es „Gaunerzinken" zu gegenseitiger Verständigung, aber auch Mittel, durch welche der Aberglaube sympathetisch Krank­heiten bannen will. Wir Überklugen haben doch noch manche Lücke in unserem Wissen! Ernst Schlotfeldt.

MaSdreck «erboren.)

Sommt hu Kreuzotter in Nassau not?

Von Georg Roedler.

Obwohl die Gebiete des Nassauer Landes stets als kreuzotterfrei galten, trete» doch van Zeit zu Zeit Nach­richten auf, daß jene im östlichen Deutschland heimische Giftschlangenart auch hier und dort in unseren Gegenden sicher beobachtet worden sei. So soll sie namentlich im ^ hohen Westerw-ald wie in den Steilhängen einiger Täler' des Taunus ab und zu noch Vorkommen.

Doch stets ist es bei diesen Behauptungen geblieben, ein Beweis wurde bis jetzt noch nicht erbracht, und wohl immer mag es sich um Verwechslungen mit unschädlichen Schlangen und Echsen handeln. Fast allgemein scheint ja bei der Land- bevölkerrmg — soweit sie überhaupt eine Ramensbezeich- nung kennt — das Wort „Kreuzotter" sich ohne weiteres mit dem Begriff „Schlange" zu decke», wie auch gemeinhin jede Schlange als giftig und schädlich angesehen wird.

Es mag ja, nicht leicht sein, das Nichtvorhandensein einer Tiergaitung sestzusiellen, und es wäre an sich auch nicht ausgeschlossen, daß in wenig zugänglichen Felsklüften oder in den einsamen Triften des oberen Westerwalds die Kreuzotter vereinzelt vorkommt. Andererseits aber mußte man doch einmal irgend etwas von einem Biß an Wald­arbeitern, Kfttdem. BeerensantmleM oder an Weidevieh und

Freitag, KV. Januar 1911.Nr. 33

haben sich bereits National-Komitves in einer Reihe von

Auslandsstaaten gebildet, so in Belgien, Bulgarien, Däne­mark, Frankreich, Großbritannien, Holland, Norwegen, Rumänien, Rußland, Schweiz, Uruguay, Venezuela und den Vereinigten Staaten. In anderen Staats» sind solche in Bildung begriffen. Nach allem, was verlautet, ist ein sehr starker Besuch zu erwarten.

K arlam entKni ich es.

Erkrankung des Abg. Borgmcmn. Lattdtagsabgeord- neter Borg mann, 'b-cr stellivertretertde Vorsitzende der sozialdemokratffchen Frattion in der Berliner Stadtver­ordnetenversammlung, ist an einem Magenleiden schwer erkrankt.

Herr: rmd Flatte

Personal-Veränderungen. v. ffiejjnetn, Oberst und Direktor des Großen Militär-Waisenhauses zu Potsdam und Schloß Pretzsch, auf sein Gesuch von dieser Stellung enthoben und unter Belastung der Uniform des 8. Garde-Regts. zu Fuß zu den mit Pension zur Disp. stehenden Offizieren zurück­getreten. * v. Steuben, Oberstlt. und Kommandeur des Kadettenhauses in Plön, unter Erteilung der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform mit der gesetzlichen Pension zur Disp. gestellt und gleichzeitig zum Direktor des Großen Militär-Waisenhauses zu Potsdam und Schloß Pretzsch er­nannt. Derselbe ist, solange er sich in dieser Stellung befindet, außer in der Rangliste auch in der Dienstaltersliste der Armee zu führen und als aktiver Offizier zu bezeichnen. " Prinz Stephan zu Schaumburg-Lippe, Durchlaucht, Lt. ä 1. s. des Westfäl. Jäger-Bats. Nr. 7, unter Belastung in diesem Verhältnis, mit dem 1. Februar 1911 im Ulan.-Regt. Alexander II. von Rußland (1. Brandenburg.) Nr. 3 angestellt. * v. Kaltenborn-Stach au, Zivilerzieher am Kadetten­hause in Oranienstein. zum 16. Januar 1911 als Militär- Hilfsgeistlicher unter Zuteilung zur 88. Div. in Metz angestellt.

X Reue Flugzeugossiziere und Fahrten von Militär- luftschiffen. Bekanntlich beträgt die Zahl der jetzt bei der Versuchsabteilung der Verkehrstruppen bereits ausge­bildeten Flugzeugführer 10 Offiziere, was in der Tages­und Fachpresse vielfach zu Vergleichen mit der Anzahl der in Frarckreich ausgebfldeten Fliegeroffiziere Anlaß bot. Wie uns mitgeieilt wird-, beabsichtigt die Heeresverwaltung, im Lause des nächsten Sommers ca. 50 Offiziere aus der Armee bei der genannten Versuchsabteilung als Fugzeug- sührer aus dem Truppenübungspatz Döberitz auszubilden. Die Kommandierung wird voraussichtlich im Frühjahr er­folgen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die Nachricht, wonach beabsichtigt sei, Unteroffiziere als Flugzeugoffiziere auszubilden, sich nicht bestätigt. Die Heranbildung ist nur für Offiziere vorgesehen, und vor­läufig sollen jedenfalls Unteroffiziere hierfür nicht in Be­tracht kormnen.

Jur Unterssebosl-KaiastroNhe.

Was die Geretteten berichten Das Unterseeboot „II 3" befand sich auf einer Schul- fahrt. Außer den drei Gebliebenen und der Besatzung waren drei Seeoffiziere und drei Marine-Ingenieure zur Information an Bord. Gleich nach dem Eindringen des Wafferls ins Hinterschiff wurde der Befehl: „Schotten

dicht" gegeben. Mit Ausschluß der im Turm Befindlichen gelang es allen übrigen, sich unter großen Anstrengungen in das sich schnell ausrichtende Vorderschiff zu flüchten. Dort saßen in einem engen Raum 23 Menschen zusammenge­pfercht und harrten sturwenlang der Rettung. Die Benutzung des Telephons wurde, wie man vermutet, dadurch unmög­lich, daß sich Gase angesammett hatten. Was in den Stunden bangen Harrens von den Eingeschlossenen durchlebt ist, entzieht sich der Öffentlichkeit, weil hier Fragen hinein- spielen, die das Interesse der Landesverteidigung und die Einrichtung der Boote berühren. Eins kam: aber gesagt werden, daß die Einrichtungen der deutschen Unterseeboote, so schmerzlich die Katastrophe auch ansklingt, sich glänzend bewähtt haben. Wären nicht die Sauerstoffeinrichtungen so vorzüglich gewesen, dann wäre der Unglücksfall weit folgenschwerer verlausen. Zu keiner Zeit hatten die Ein- geschlossenm die Hoffnung aus Rettung aufgegeben. Sie wußten, daß ihr Unglück bemerkt worden war, sie wußten, was die Einrichtung ihres Schiffes leisten konnte, und sie hatten volles Vertrauen, daß unverzüglich alles getan würde, was zu ihrer Retung möglich war. So herrschte trotz der schrecklichen Situation zu Zeiten doch eine verhältnismäßig gute Stimmung; das geht schon daraus hervor, daß der zur

Hunden gehört haben. Selbst wenn man annohmen wollte, daß die Landbevölkerung vor Jahren und Jahrzehnten keinen Arzt zu Rat gezogen, der einwandfrei einen Schlan­genbiß Hätte seststellen können, so wären die doch immerhin nicht alltäglichen Begleiterscheinungen einer derartigen Ver­wundung sicherlich in den Überlieferungen der Leute erhal­ten geblieben. Was man aber von den Dorfbewohnern in dieser Beziehung hört, sind nur törichte Erzählungen, in denen nach dem Hörensagen Schlangen sich aus den harm­losen Wanderer gestürzt oder den eilends davon Fliehenden auf weite Strecken hin verfolgt haben, immer bereit, ihn mit dem züngelnden Giftstachel, so stellt sich die Phantasie des Volkes meist noch den Giftapparat vor, zu stechen. Übereinstimmend in allen diesen Erzählungen ist es aber stets bei der Absicht der „Giftschlangen" geblieben, nie kaw der Biß, bezw. „Stich" zur Ausführung.

So hört man öfter davon, daß die Kreuzotter sich im mittleren Wispertal (Lank-Murg) aushalte, ebenso auf den Schutthalden der Bergwerke des Lahntals, besonders bei Weilburg. Sicherlich -handelt es sich auch hier um Unletmt- nis und Verwechslung. Es mögen fünfzehn Jahre her sein, da war einmal in einer Wiesbadener Zeitung zu lesen, daß -aus dem alten Friedhof an der Platter Straße ein ganzes Kreuzotternest gefunden worden sein sollte, und daß damit das Vorkommen dieser Schlange in Nassau bewiesen sei. Eine Bestätigung blieb aber ans. Wahrscheinlich hat es sich auch da nur um harmlose Blindschleichen oder Ringelnattern gehandelt, von denen erster« im jugendlichen Alter ebenfalls eine seine dunkle RückeNlinie tragen und somit bei mangelhafter Kenntnis Anlaß zu Verwechflungen mft dem „Zickzackband" der Kreuzotter geben können.

Es ist doch wohl .anzunehmen, daß die alten Forsche: und -Sachverständigen, namentlich Brehm recht hatten, wenn sie das Vorkommen der Kreuzotter in den Gebieten westlich der Elbe für selten und gerade in Nassau für ausgeschlossen erklärten.