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Wiesbsilkmr Tsgblatt.

WochcntllH 12 Ausgaben. ^ Gcgrmdei 1852.

bis 8 Uhr abends.

Wöchentlich 12 Ausgaben.

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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

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Nr. »I.

Morgen - Ausgabe.

_ 1 . Matt. _

Mas bringt bas Penftonsgesetz den Privatangesteüten?

Von Dt. Heinz Potchosf. M. d. n.

Obwohl die Frage einer staatlichen Pension?- und Hinterblrebenenversicherung fast ein Jahrhundert lang nach allen Richtungen hin erörtert worden ist, dürste an­der Hand des jetzt veröffentlichtest Entwurfs die Dis­kussion noch einmal lebhaft aufflammen. Denn der Entwurf, den Preußen an den Bundesrat bringt, ent­spricht nicht ganz den Erwartungen, auf deren Grund­lage man sich bisher gestritten und verständigt hatte. Er bleibt tit fernen Leistungen nicht unwesentlich hinter dem zurück, was die Mehrheit der Angestellten er­wünscht, Reichstag und Reichsamt für berechtigt er­klärt und der Staatssekretär noch vor wenigen Wochen in Aussicht gestellt hatte. Und während maische Arbeit- geberkreise auch diese Vorschläge noch für zu weit­gehend halten und über eine „unerträgliche Belastung" des Wirtschaftslebens klagen werden, dürften weite Kreise der Angestellten den Entwurf als zu bescheiden ansehen und gegen die Nichterfüllung der Versprechun­gen heftig opponieren. Ter Reichstag wird der Schau­platz zur Austragung dieser Kämpfe sein. Ihm wird damit eine gewiß nicht angenehme Aufgabe übertragen, namentlich da die Neuwahlen vor der Tür stehen. Er muß auf die verschiedensten Interessentenkreise Rück­sicht nehmen, muß an seine geringe Macht gegenüber dem Bundesrate denken (die airf selbstgeschaffener Schwäche beruht) und muß sich beeilen, wenn nicht der Sessionsschluß alles vereiteln soll. Deswegen ist es dringend zu wünschen, daß die Prüfung des tatsäch­lichen Inhaltes der Vorlage so ruhig und sachlich wie nur möglich erfolgt, damit die einfachen Rechen­srempel, die doch das wesentlichste sind, nicht verdunkelt werden durch Phrasen. Im folgenden sollen nur einige der wichtigsten Tatsachen festgestellt iverden.

Am meisten enttäuscht werden diejenigen An­gestelltengruppen sein, die gar nichts bekommen. Denn der Entwurf umfaßt nicht nach dem Vorschläge des Hauptausschusses der Privatbeamten alle Arbeit­nehmer, die weder öffentliche Beamte noch Arbeiter sind, sondern er zählt nach dem Muster der Reichsver­sicherungsordnung die Kategorien einzeln auf. Dabei fehlen aber nicht nur die auch der allgemeinen Ver­sicherungspflicht nicht unterliegenden liberalen Berufe (Künstler, Gelehrte, Ärzte, Juristen u. dergl.), sondern auch die Bureauangestellten im weitesten Umfange, die sich energisch mit in der Bewegung betätigt haben und sicher auf Berücksichtigung rechneten. Das Gesetz will eben nur Angestellte mit Beamtencharakter bedenken und macht nur eine große Ausnahme, indem es dre Handlungsgehilfen alle einbezieht, obgleich bei einem grcßen Teile der Beamtencharakter ebenso wenig vor-

FeniUeLorr.

(Nachdruck verboten.

Heimisches Naturleben.

Skizzen von Walther Schulte vom Brüll!.

IX.

Koniferen.

Koniferen! — Mit dem Worte entsteht vor uns eine grüne, duftende Wett von Nadelholzgewächsen, ent­stehen dem Geologen aus Steinkohlengebieten, ans ver­kohlten und versteinerten Resten einer üppigen Ur­weltsflora riesige Tannenwälder, die ihre Harztränen weinen, Harztränen, die manchem Jnsekilein zum durchsichtigen Grab wurden und die wir als Bernstein heute höher schätzen als manches edle Metall. Ter Botaniker aber sieht wohl im Geiste die Legföhre des Hochaebirgs sich in abenteuerlichen Formen um die Felsen winden, er blickt empor zu der schwindelnden Höhe der Mammutbäume Kaliforniens, er denkt an de» braven, stacheligen Jüniperus, den Wacholder unserer Heiden, oder an den blättertragenden Gingko- baum Ostasiens, dessen Nadeln sich flach und blätter- cirtig vereinigten, ähnlich wie aus Haaren eigentlich die rosigen Krällchen unserer Damen und die menschlichen und tierischen Nägel überhaupt zusammenwuchsen und entstanden. Der Dichter aber träumt von den Pinien und Zypressen Hesperiens.

Doch so weit verliert sich heute meine Phantasie nicht. Ich habe jetzt nur die freundliche Versammlung von einigen dreißig verschiedenartigen-Tännlein im

Donnerstag, IN. Januar 1911.

liegt wie etwa bei den Angestellten im Rechtsanwalts­oder Gewerkschaftsbureau. Außerdem beschränkt sich d>e Versicherung auf ein Arbeitseinkommen von 6000 M. jährlich.

Immerhin werden von den zwei Millionen Er- jverbstätigen, die sich als Privatbeamte rechnen, 90 Prozent der Versicherung unterliegen. Von diesen wer­den wieder % einer Doppelversicherung unterstellt sein, weit das neue Gesetz ganz unabhängig neben die Reichsversicherungsordnung tritt. Dieses Nebeneinander von zwei Rentenanstalten ist gewiß nicht praktisch, aber unvermeidlich, wenn trotz der absoluten Ablehnung einer weitgehenden Verbesserung der all­gemeinen Invalidenversicherung der gegenwärtige Reichstag noch den Angestellten etwas bringen will. Aber das eine müßte unbedingt durchgesetzt werden, daß in der Relchsversicherungsordnung die Gehalts- grenze für die Versicherungspflicht der Angestellten von 2000 M. auch auf 6000 M. erhöht wird, damit alle Ver­sicherten unter gleichen Bedingungen stehen und nicht die höhergelohnten sich durch die günstige freiwillige Versicherung Vorteile auf Kosten ihrer ärmeren Kolle­gen verschaffen können.

Fragt man nach der Belastung, so muß man beide Versicherungen zusammen rechnen. Es zeigt sich dann, daß die Gesmntbelastung hinter dem erwarteten Durch­schnitt von 10 Proz. des Einkommens zurückbleibt, aber doch immer noch so ist, daß sowohl der Familienvater mit mäßigem Gehalt und größerer Kinderzahl, wie der Tetaillist, dessen Personal größtenteils aus Hand­lungsgehilfen besteht, sich erst an den Gedanken wird gewöhnen müssen. Tie Prämie der Angestelltenklasse beginnt mit 5 Prozent und steigt in den oberen Ge­haltsstufen auf 7 Prozent des Gehaltes, die Beiträge der allgemeinen Versicherung beginnen ningekehrt unten mit 2—3 Prozent und machen bei 2000 M. Gehalt kaum noch 1 Prozent aus. Da die Prämien nach dem Turchschnittsverfcchren in jeder otwfe einheitlich be­messen sind, so schwanken sie im ganzen zwischen 6 und 9 Prozent des Gehaltes imd machen für die große Mchrheit 7 bis 8 Prozent aus. Davon soll der Ver­sicherte die Hälfte tragen und die andere Hälfte der Arbeitgeber. Wie weit durch Veränderung in Gehalts­sätzen oder Gratifikationen die tatsächliche Verteidi­gung der Prämienlast eine andere sein wird, läßt sich nicht Voraussagen. Aber für viele wird die Leistung nicht ganz leicht werden.

Andererseits ist eine solche Prämie aber notwendig, wenn das Ziel einer einigermaßen auskömmlichen Ver­sorgung erreicht werden soll. Der ursprüngliche Plan einer Gleichstellung der Privatangestellten mit den Staatsbeamten ist der Kosten wegen ja längst aufge­geben. Ter jetzige Plan bleibt soweit dahinter zurück, daß er gewiß nicht mehr unbescheiden zu nennen ist. Tie I n v a l l d e n r en t e soll mit 10—18 Prozenr des versicherten Einkommens nach 10 Wartsjahren be­ginnen und mit jedem weiterenJähre um %—1 Prozent steigen. Die allgemeine Invalidenrente beginnt schon nach vier 4 Jahrewmit 6—25 Prozent und beträgt

Sinne, die einen immergrünen Schmuck meines Gar­tens bilden, die, eine brave Leibwache, mein Heim vor den Blicken der „Passanten" schützen und es mir ge­statten, in ruppigster Gewandung gärtnerischen»Freu­den cbzuliegen. Ist doch im besonderen unsere _ be­kannteste Konifere, die Fichte, die Rottanne (Picea excelsa), die uns auch freundlichst den Weihnachts­baum liefert, hervorragend geeignet, sich förmlich zu einer.grünen Hecke zu verfilzen und in dieser Form einer Anzahl gefiederter Gäste einen gemütlichen und sichern Nistplatz zu bieten. Ich habe mir auf diese Art schon einige tüchtige Helfer zur Vertilgung jener Jn- sektenschädlinge herangezogen, die sich einbilden, meine Obstbäume und Blumen hätte ich. eigens für ihre Mundwerkzeuge gepflanzt. Tie Fichte bildet denn auch den Grundstock meiner Koniferenpflanzung. Wir stehen sehr gut miteinander, da sie genau weiß, daß es mir niemals in den Sinn kommen würde, sie ihres guten Holzes wegen nach Jahren vielleicht einmal auszu- benten, wie es der Forstmann tut, denn kein anderer Baum unserer Wälder wirft so viel ab wie sie. Kann man sie doch in ihrer Jugend als Christbaum oder als Bohnen- und Hopfenstange, im Jünglingsalter als Gcrüstholz oder als Rundpfosten und später als Mast­baum oder zu Brettern und Balken verwenden. Tie Zweigs der Fichte bilden ein beliebtes und begehrtes Tecknngsmaierial für den Garten gegen die Kälte des Winters,' während man Pech.aus ihrem Harz, heil­sames Fichtennadelöl und „Waldwolle" aus ihren Nadeln, einen wohlriechenden Vanillinstoff aus ihrem Holz, ein zartes Gemüse aus ihrem jungen Splint, wie ^ es die Lappländer lieben, Lohe zum Gerben aus ihrer

ZN. Jahrgang.

nach 40 Jahren etwa 16—50 Prozent des Verdienstes. Durch Zusammenzählen beider Renten kommen theore­tisch Beträge von 45—50 Prozent des Gehalts nach 40 Tienstjahren heraus. Aber die Pension wird nicht vom letzten, sondern vom durchschnittlichen Einkommen der 40 Jahre berechnet. Deswegen werden Pensionen über 40 Prozent des Endgehaltes sehr sel­ten sein und die Privatbeamten nach längerer Dienst­zeit im allgemeinen die Hälfte dessen erhalten, was Reich und Staat ihren Beamten gewähren. Ein Hand­lungsgehilfe, der mit 80 M. Monatsgehalt beginnt und allmählich auf 150 M. steigt, wird im Falle der Be­rufsunfäh igkert nach LOJahren eineRente von etwa 300 Mark aus der Angestelltenversicherung und von 250 Mark aus der Reichsversicherungsordnung, zusammen also 550 M. jährlich oder monatlich weniger als 50 M.. erhalten. Stirbt er, statt Invalide zu werden, so er­hält seine Witwe 60 + 110 ----- 170 M., jedes Kind unter 16 Jahren 12 + 80 — 92 M. jährlich, oder die Witwe mit zwei Kindern monatlich etwa 25 M.

Es handelt sich also bei diesem Gesetz n mH t um weitgehende Versorgungen, die den Angestellten er­laubten, sich auf anderer Leute Kosten ein _ sorgen­freies Leben zu verschaffen, sondern um eine mit s ck, w e r e n O p f e r » errungene Sicherstellung gegen die är g st en Note des Lebens. Diese Pensionen werden sicher keine n noch arbeitsfähigen Mann zum Rentier machen- Und da keinerlei öffentliche Mittel beansprucht werden sollen, sondern die Prämien ans der Arbeit der Versicherten selbst bezahlt Werden, liegt für die Allgemeinheit sicher kein Grund vor. nicht zu wünschen, daß die Versorgung mindestens in dem vorgeschlagenen Umfange zustande kommt.

Komische Mrrstcht.

„Auf Gsgeulerstuttg wird gerechnet."

„Auf Gegenseitigkeit wird gerechnet." Mit diesem ziemlich lapidaren, inhaltsvollen Tatze schließt ein A>- ttkel über die Stichwahlpolitik des Zentrums, welchen Herr Dr. Julius Bachem im „Tag" veröffent­licht hat. Es gibt zwei Gesichtspunkte, nach denen man das Verhalten bei Stichwahlen einrichten kann, ent­weder man wählt den Kandidaten der näherstehenden Partei lediglich um des ideellen Erfolgs, willen,, den sein Sieg darstellt, oder man erwartet für die Leistung eine Gegenleistung, die darin besteht, daß die hier unter­stützte Partei den Helfer dafür in einem anderen Wahl­kreise unterstützt. Es ist besonders die Sozialdemo­kratie, die mit der Lauterkeit ihres Verhaltens bei Stichwahlen prahlt. Es ist dagegen das Zentrum, das sich om offensten zu dem Prinzip des reinen ..Ge­schäfts" bei den Stichwahlen bekennt. Tenn was Herr Bachem proklamiert, entspringt tatsächlich der An­schauung der leitenden Parteikreise, es ist etwas ver­hüllter schon oft in Zentrümsorgcmen gesagt worden, und vielleicht wird Herr Bachem nicht einmal deshalb getadelt werden, weil er die geschäftlichen Anschauun-

Rinde, und, wie die Engländer entdeckten, ein Bier aus ihren Sprossen machen kann, womit übrigens ihre Verwendbarkeit noch lange nicht erschöpft ist. Nein, ich habe keinerlei gewinnsüchtige Attentate gegen sie im Sinn, höchstens, daß ich mir alle paar Jahre mal einen Christbaum aus dem zu dicht gewordenen Bestands heraushole.

Ter grüne Baum ist mir ans Herz gewachsen, und besonders der kleine Kümmerling, den ich einst im Thüringer Walde seinem , mütterlichen. Boden entriß und in einem Lichtenhainer Kännchen von der Ruhl her nach dem Taunus transportierte und der nun offenbar an meinem Tannenhang am Heimweh krankt. Im allgemeinen aber scheinen sich nieine Tännlein sehr wohl auf unsereni „Faulfels", dem lockern Grau­wackengeröll, zu fühlen, und da ich, Gottz sei dank, so weit draußen wohne, daß die mit dem Schnee nieder­gehenden Schwefelsäuremassen des Essenrauchs, unter denen alle Tannen in der Stadt verkümmern, ihnen nicht viel anhaben können, so darf ich wohl hoffen, daß sie mir noch lange Freude machen. Freilich, das Glück werde ich wohl nicht mehr erleben, ihrer Hochzeit bei­zuwohnen und die Pollen, den Blütenstaub ihrer meist auf den unteren Zweigen sitzenden männlichen Kätzchen, als Schwefelregen auf meinem Gartenweiherchen schwimmen 31t sehen, denn selten wird die Fichte, die ein Alter von 600 Jahren erreichen kann, vor dem 50. Jahre fruchtbar und entwickelt aus ihren weiblichen, hoch im „Topp" thronenden Kätzchen die Samen tragenden, abwärts gerichteten Zapfen, die so hübsch anssehen. Dies Vergnügen bereiten mir vielleicht meine früher geschlechtsreif werdenden beiden schönen Blau-,