Sette 4. _ Samstag, 7, Januar 1911. _ WirsbKVeN§r TttgblM.
zwei Kälber und kurz vor Weihnachten brachte das Tier nochmals 2 Junge zur Welt. Im Jahre vorher, hatte die Kuh ebenfalls 2 Kälber auf einmal geworfen.
, S. Hachenburg, 5. Januar. Am 2. Januar feierten die Eheleute Kaufmann B. B e r n st e i n das Fest der goldene n .Hochzeit. Bernstein, eine bekannte Hachenburger Persönlichkeit, war lange Jahre Vorsteher der jüdischen Kultusge- meinde und hat sich in seinem Amt besonders um den Bau der Synagoge verdient gemacht. — Wie der „Erzähler vom Westerwald" meldet, hat sich in letzter Zeit wieder einer der -berüchtigten Mädchenhändler den Westerwald als Wirkungskreis ausersehen. Ein angeblicher Müller Knapv -suchte in der Umgegend „Dienstmädchen" für die Schweiz. Es -soll ihm auch gelungen sein, mit ernenn 19jährigen Mädchen aus Atzelgift nach der Schweiz abzureisen. Jedenfalls sollten die Bewohner des Westerwaldes rechtzeitig ihre Augen offen halten.
> 8. Bom Westerwald, 6. Januar. Am 11. Januar werden
von Herdorf wieder sechs Bergleute nach S ü d w e st - afrika abgehen, um dort in den Otavi-Minen drei Jahre zu -arbeiten. Im Laufe des vorigen Jahres sind im ganzen zwei -Steiger und zwanzig Bergleute aus der dortigen Gegend nach -Südwest ausgewandert, drei Bergleute sind zurückgekommen, -da sie das Klima nicht vertragen konnten. Es werden also im steuen Jahr 26 Bergleute aus dem Hellertal in Sndwest tätig -sein, die meisten in dem Erzbergwerk bei Tsumeb, einige in Len Marmorbrüchen bei Karibib.
Aus der Umgebung.
*F. C. Frankfurt a. M„ 5. Januar. Graf Joseph D u n i n - Borkowski, der hier grossere Betrügereien verübt, aber wegen Geistesschwäche außer Verfolgung gesetzt und in der hiesigen Irrenanstalt Aufnahme gefunden, hat am 1. Januar die Anstalt verlassen und ist nicht mehr zurück- gekehrt. Er soll sich in Brüssel aufhalten, s rs. Darmstadt, 6. Januar. Der stellvertretende Bevollmächtigte zum Bundesrat, Geheimer Staatsrat Krug von >R i d d a, wurde, wie jetzt die „Darmstädter Zeitung" offiziell bestätigt, bis aus weiteres mit der Führung der Geschäfte der Gesandtschaft am preußischen Hofe beauftragt. Der bor- -tragende Rat im Ministerium des Innern, Oberregierungsrat Dr. Ernst Weber, wurde bis auf weiteres zum stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrat bestellt.
S. Herdorf (Westerwald), 5. Januar. Am Neujahrstag- morgen wurden hier in der Nähe einer Wirtschaft, zwei Bergleute erstochen aufgefunden. Als Täter wurde der Bergmann Martin Nassauer ermittelt und nach Daaden in das Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. Wie verlautet, hatte der Täter einen der Getöteten, den Bergmann Fischer, auf Geheiß eines Kirchenvorstehers am Silvesterabend aus der Kirche befördert, da Fischer den Gottesdienst störe. Bei dieser Gelegenheit soll der Getötete dem Verhafteten gedroht haben. Als am -ReujahrStag Nassauer beim Heimweg zwei Männer in der Morgendämmerung auf ihn warten sah, stach er auf sie ein.
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Sport.
Radfahrer-Fußtour des Gau 9 D. R.-B. Sonntag, den 8. Januar, veranstaltet der Gau 9 (Frankfurt) seine erste Fußtour Langen, Forsthaus Einsiedel, Darmstadt. Abfahrt ab Frankfurt 9 Uhr 40 Min. nach Langen, hier Zusammentreffen mit den Teilnehmern aus Offenbach, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden und Beginn der Wanderung nach Forsthaus Einsiedel (Mittagessen) und nachmittags nach Darmstadt
Gerichtliches»
Ans Wtesbadeuev Gerichts sälerr.
vre- Der Bock als Gärtner. Der Buchhalter L a h c r, verheiratet und 40 Jahre alt, war längere Zeit als Buchhalter in einem Hoch st-er Warenhause tätig und hat dabei fast dem gesamten weiblichen Personal, darunter auch einigen Mädchen unter 14 Jahren, nicht nur unsittliche Anträge -gestellt, sondern einzelne auch unsittlich berührt. Das Schöffengericht hat den Mann wegen tätlicher Beleidigung mit 150 M. Geld bestraft, de Strafkammer aber erkannte auf die von fetten der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung auf 3 Monate Gefängnis.
wc. Der verletzte Bürgermeister. In Niederjosbach brach an einem Sonntag im Herbst v. I. zu später Abendstunde ein Streit zwischen jungen Burschen aus N jeder- josüach und Ehlhalten aus. Da die Situation bedrohlich zu werden schien, wurde der Bürgermeister des Ortes- zur Schlichtung des Streites herbeigerufen. Er forderte die Leute auf, die Ortsstraße zu räumen und ihres Weges zu gehen und drängte sich, als seine Aufforderung nichts fruchtete, zwischen die Streitenden, um sic auseinander zu drängen. Dabei erhielt er verschiedene Schläge auf den Kopf, die ihm schwere Verletzungen beibrachten und an denen er noch heute zu leiden hat. Unter der Anklage, mit einer Peiffche den Mann traktiert zu haben, stand der 20 Jahre alte Taglöhner Kaus seinerzeit von dem Jdsteiner Schöffengericht, wo er wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde. Die Straffammer bestätigte dieses Urteil.
Air» ausmiirtrgen Gerichtssiilrrr.
Die Moabiter Strasienkrawalle vor Gericht.
S. u. H. Berlin, 5. Januar.
In der heutigen -Sitzung ging Staatsanwalt S t c l z - ncr nochmals auf den allgemeinen Teil der Anklage ein und schilderte ausführlich die Notwendigkeit der scharfen Mittel der Polizei vom 27. September. Um diese Zeit trat zum erstesima-l auf die Zeitungsnachrichten hin der Janhagel in die Erscheinung. Zeuge Steinberg hat bekundet, daß um diese Zeit werktätige Arbeiter an den Unruhen beteiligt waren. Es wurde das Arbeiterlied gesungen und ein Hoch auf die Sozialdemokratie ausgebracht. Den Gipfelpunkt der Ausschreitungen bilden die Unruhen in der Rostocker Straße, wo auf Kommando die Laternen ausgc dreht wurden und darauf planmäßig ein Angriff auf die Beamten erfolgte. Schließlich wurde ein Photograpüen- kasten in Brand gesetzt und die Menge tanzte um ihn mit dem Gesang: „Das i st I a g o w s wilde, verwegene Jagd« herum. Die Beamten hielten sich mit Recht davon fern, weil sie glaubten, sie sollten in einen Hinterhalt ac- lackt werden. Die Arbeitswilligen standen unter einem unglaublichen Terrorismus. Diese Arbeitswilligen waren harmlose Leute, die nur von ihrem Recht, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, Gebrauch machten. Trotzdem schlugen die Streikenden sofort auf sie los. Sic standen unter einem derartigen Druck, daß die Staatsanwaltschaft cs sich überlegt hat, ob nicht gegen die Streikenden ein Verfahren
wegen Freiheitsberaubung einzuleiten wäre. Die Verteidigung hat den Versuch gemacht, die Arbeitswilligen als Gesindel hinzustellen. Das ist aber mißglückt. Die Arbeits- willige-n haben hier vor Gericht den besten Eindruck gemacht.
Nach der Pause plädiert als erster der Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgang Heine: Wenn man sich am Ende einer fast zweimonatigen Verhandlung noch einmal das ganze Material vergegenwärtigt und durchsieht, dann erstaunt man über die Fülle dessen, was irr ihr vorgebracht worden ist. Es tritt ja natur-gemäß mit der Zeit eine gewisse Ermüdung ein, aber überblickt man alles, dann kommt einem vieles so frisch und neu vor, daß man bedauert, im Plädoyer nicht noch einmal die gesamten Aussagen Revue passieren lassen zu können. Man kann das nicht, sonst würde das Plädoyer noch einmal 4 Wochen dauern. Die beiden Herren -Staatsanwälte Haben freilich von dem, was die Beweisaufnahme ergeben Hat, anscheinend eine.andere Ansicht, Der Erste Herr Staatsanwalt sagte, alle Zeugen nach dem 1. Dezember seien überflüssig gewesen. Ich begreife, da>; die Herren von der Anklage nicht erbaut sind von den Zeugen, die auf unsere Veranlassung vernommen worden sind. Und darum erklärte auch der Herr Staatsanwalt Stelzner, die Verteidigung sei schuld, daß die Sache so lange gedauert habe. Nun, die Verteidigung übernimmt mit gutem Gewissen die Verantwortung dafür, daß hier so viele Zeugen -gehört wurden. Die Art und Weise, wie die Anklage seitens der Anklagebehörde behandelt würde, hat der Verteidigung erst die juristische Basis geschaffen, auf Grund deren sie die Beweisaufnahme im,weitesten Umfang durchführen konnte. Wenn die untergeordneten Fälle, wie es die Verteidigung beantragt hatte, jeder für sich getrennt behandelt worden wären, dann wäre es nicht möglich gewesen, ein Gesamtbild der Sache in diesem Umfang zu schaffen. Es scheint nlir allerdings die Beweisaufnahme noch nicht umfangreich genug gewesen zu sein, -um auch die Herren von der Staatsanwaltschaft zu überzeugen. Wir hätten noch gern ein paar -hundert Zeugen mehr laden können, wir haben uns aber Beschränkung a-uferlc-gt. Immerhin kann ich aber wohl sagen: Will der Herr Rat ein Tänzchen wagen, so soll er es nur sagen, ich kann ihm noch Hunderte von Zeugen bringen, die ähnliche Vorgänge bekunden werden, wie wir hier viele gehabt haben. Man hat der Strafprozeßordnung die Schuld gegeben, daß so viele Zeugen geladen werden mußten. Wenn man sich hier auch auf die Loyalität des Herrn Vorsitzenden verlassen konnte, so ist cs doch besser, daß die Strafprozeßordnung uns das Recht gab, diese vielen Zeugen hier zu laden. Ohne die Zeugen, die von uns geladen wurden, würde ein ganz schiefes Gesamtbild entstehen.
Der Herr Verteidiger geht dann auf die Zeugenaussagen näher -ein und bemerkt: Unter den
Zeugen der Anklage vermisse ich vor allem die
Hi uze scheu Streikbrecher. Schade, daß sie nicht gehört wurden. Die Staatsanwaltschaft weiß, daß Hinze jetzt seiner Militärpflicht genügt. Sind die Leute vielleicht nicht präfeutabel genug? Herr v. Reitzenstein hat sie freilich Abenteurer genannt. Eine zweite Kategorie von Zeugen der Äiffliage sind die ^Schutzleute. Man sollte bei ihnen die Fähigkeit und den guten Willen, klare Aussagen zu machen, vo-raussetzen. Ich habe aber bei sehr vielen von ihnen eine äußerst ungünstige Auffassung von ihrer Wahrheitsliebe. Es sind geradezu leichtfertige Aussagen gemacht worden. Der Poli-zeileutn-ant Götze hat eidlich ausgesagt, er habe einen Radler gesehen, der Botschaften von der Sozialdemokratie brachte. Nachher stellte sich- heraus, daß der Radler mit der ganzen Affäre nicht das geringste zu tun hatte. Die Aussagen der Beamten über die Mißhandlungen sind mehr als verdächtig. Sie wehren sich gegen die Anschuldigung der Mißhandlungen -auf eine Weise, wie sie uns alten Kriminalisten von der Anklagebank her nicht unbekannt ist: Erst leugnen sie, und wenn Zeugen vorgebracht werden, sagen sie, ich weiß cs nicht mehr. Und auch den großen Unbekannten haben sie hier erwähnt. Die Aussage des Herrn Polizeileutnants Foltc, daß der Warenhausbesitzer Preutz von seinem Balkon aus nichts beobachten kminte, ist nicht nur falsch, sondern fahrlässig falsch. Wunderbar Vleibt cs, daß die Po-lizeiaffiziere von den Mißhandlungen nichts -gesehen haben wollen. Ich habe das Recht, zu sagen: Ich glaube nicht, daß sie in -allen Fällen nichts gesehen haben. Man kann in solchen Fällen allerdings es auch mit Absicht unterlassen, etwas zu sehen, indem n-.an sich -einfach abwendet. Der Leutnant Heck 2. hat in seinen Aussagen einen „Widerstand mit Worten" angeführt, einen ganz neuen Widerstand- den das Strafgesetzbuch bisher noch ni-cht gekannt hat. Es ist deprimierend, aber auch charakteristisch, daß gebildete Leute in amtlichen Stellungen-, die sich durch ihre amtliche -Stellung vor jeder Anklage wegen -Eidesverlctzung geschützt wähnen, von ihrem Eides- recht einen solchen Gebrauch machen. Auch „falsche Kriminalbeamte« sind- ins Feld geführt worden. Die Hunderte von Mißhandlungen durch Zivilpersonen, die allgemein für Kriminalbeamte gehalten wurden, können damit "aber njcht aus der Welt geschafft werden, über die englischen Journalisten sind- die merkwürdigsten Gerüchte verbreitet worden-. Bei ihnen liegt die Verantwortung eine Stufe höher. Bei ihrer Behandlung h-at die Meinung mit- gewirkt, es könnten sich in dein Auto sozialistische Führer befinden, denen man einen Sähelhieb gern gönnte. Wenn höhere Stellen sich gescheut haben, zuzu-gestehe-u, daß Ungeschicklichkeiten vo-rgekommeN sind, so kann ich es verstehen, daß untergeordnete Beamte es mit der Wahrheit nicht genau nahmen. (Vorsitzender unterbrechend): Es ist unzulässig, daß Sie dem Herrn Polizeipräsidenten indirekt den Vorwurf der Unwahrheit machen. Rechtsanwalt Heine: Es ist richtig. Die Auskunft des Polizeipräsidenten steht nicht zur Verhandlung, der Herr Staatsanwalt hat -aber auch auf manche andere -Sachen Bezug genommen. Daß die Staatsanwaltschaft die Öffentlichkeit und die Zeitungen für die Herbeischaffung von Zeugen in Anspruch nimmt, h-at gewiß den Reiz der Neuheit für sich. Es hat sich da der 20Mhrige Supernumevar gemeldet, der junge Mensch ohne Mitleid. Wenn ein junger Mensch von 20 Jabrett mit Leuten, die blutig geschlagen werden, kein Mitleid empfindet, so trägt der Zeuge geslffsentlich einen Mangel an sittlichem Urteil zur Schau, so daß ich ihm nicht glauben kann. Und gerade de-r Zeuge Goldaminer hat gesagt, jeder Schutzmann habe sich wie ein Gentleman benommen. Das
Morgen-Ausgabe, 1. Blair. Nr, 11.
werden die braven Schutzleute schließlich selbst nicht von sich behaupten. Der Verteidiger bricht hierauf sein Plädoyer ab. Die Verhandlungen werden ans morgen vormittag vertagt.
Vermischtes.
* Der betrogene Fahrkart,en-Automat. Mit welchem Raffinement Jungens zuweilen verfahren, um sich in den Besitz von Geld zu setzen, zeigt wieder einmal ein Vorgang, -der sich aus dein Essener Hauptbahnhof abspielte. Jnr Schaltcrraum stehen die bekannten Fahrkarten-Automaten. Dabei wurde ein Schüler abgesaßt, der sich diese Einrichtung aus folgende Weise zunutze -inachte. Er verstopfte mit Papier die Öffnung, aus welcher unten, nachdem das Geld oben in den Spalt hineingeworfen worden war, die Fahrkarte fällt. Natürlich wurde diese durch das Papier zurück- gehalten. Wenn jemand vergeblich auf das Erscheinen der Karte wariete, trat der unauffällig in der Nähe wartende Junge hinzu und sagte, er habe schon beobachtet, d-aß der Apparat nicht richtig funktioniere, und wies den Betreffenden nach dem Schalter, damit er sich das Geld wiedcrgeben lasse. Während das geschah, holte der jugendliche Schwind- ler das Papier heraus und nahm die nun herabfallende Fahrkarte, die er -dann vor denr Bahnhofsgebäude, angeblich, weil er keine Verwendung für sie hatte, verkaufte. Er gestand auch noch, daß andere Jungens schon längere Zeit aus dieselbe Weise sich in den Besitz von Fahrkarten gesetzt und gleich ihm Handel mit ihnen getrieben hätten,
Kleine Chronik.
Die verdächtigen dicken Beine. In Herzogenrath im Bayerischen Wald sielen einem Gendarmen die dicken Beine eines HaNdwerksburfchen aus. Er untersuchte sie und -es stellte sich heraus, daß der ganze Mann mit Saccharin aus- gestopft war. Der Schmuggel ivird -an der bayerisch- böhmischen Grenze nach wie vor betrieben.
Ein Mädchrnverführcr. Ein Schwindler, der nute: der Maske eines Beamten der Sittenpolizei junge Mädchen ' verführte, wurde in Charlottenburg auf frischer Tat ertappt
Demolierung eines Alpenyotels. Das Hotel „Ferdi- nandsce" auf dem Stilffer Joch wurde von Einbrecher» teilweise demoliert und beraubt.
Kotzte Nachrichten.
Die deutsch-russischen Beziehungen.
w. Petersburg, 6. Januar. „Birschewija Wjedorno-sti« führt aus: Das Berliner Telegramm des Pariser „Temps" über das Zustandekommen der Erklärung des Reichskanzlers im Reichstag würde sich der Erwähnung nicht lohnen, wenn -es nicht in einem Boulevardblatt erschienen wäre. In dem einflußreichen „Temps« errege es tiefe Verwunderung.
Das Befinden Kaiser Franz Josephs.
tut. Wien, 6. Januar. Der K a i s e r, welcher gestern spät abends noch den von der Jagd zurückkehrenden Prinzen Leopold von Bayern empfing, h-at die vergangene Nacht in ruhigem Schlaf verbracht. Seilt Befinden kann nunmehr bis auf einige kleine neben,'Schliche Symptome als vollständig normal bezeichnet werden. Wegen der ungünstigen Witterung wird der Monarch auf Wunsch des Arztes noch einige Tage das Zimmer hüten.
Die österreichische Ministerkrisis.
Wien, 6. Januar. (Eigener Drahtbericht.) Die Schwierigkeiten der Kabinettsbildung liegen jetzt bei den Polen, die von- dem Ministerpräsidenten eins Programm- matige Erklärung über die Wasserstraßen verlangen, die aber in der verlangten Form nicht gegeben werden kann. Entweder begnügen sich die Polen mit einer minder feierlichen Versicherung des Ministerpräsidenten, oder sie müssen auf die Entsendung von Parlamentariern in das Parlament verzichten.
Das Telegramm des Zaren an FaMres.
M. Paris, 6. Januar. „Echo de Paris«'» veröffentlicht den Wortlaut des Telegramms, welches der Zar anläßlich des Jahreswechsels -an de» Präsidenten Falliöres gerichtet hat. Es lautet wie folgt: „Bei Beginn des neuen Jahres halten- wir, die Kaiserin und ich, darauf, Ihnen persönlich sowie Ihnen als Präsident der Republik unsere aufrichtigen Glückwünsche zu übermitteln, welche wir für Sie persönlich. sowie für das befreundete und verbündete Frankreich haben.«
Die Alarmnachrichtcn über Portugal — ein Börseumanöver?
** Lissabon, 6. Januar. (Eigener Drahtbericht:) Rach privaten Nachrichten, die -aus Paris hier eingetroffen sind, ist man jetzt überzeugt, daß der französischen Nachricht über die Zustände in Portugal ein frivoles Börscn- Manöver zu Grunde lag, um gewissen Elementen das Fischen im Trüben zu ermöglichen.
Eingerireindung.
w. Vohwinkel, 6. Januar. Nachdem sich d-ie Elberselder Stadtverordneten für die Eingemeindung Vohwinkels in Elberfeld ausgesprochen, beschloß der Gemeinderat von Vohwinkel gestern nach tzf^stündiger geheimer Sitzung mit 28 gegen 6 Stimmen die Eingemeindung in Elberfeld.
Das Unglücksüoot „Pluviofe".
}>d. Paris, 6. Januar. Das „Journal« meldet aus Cherbourg: Das Unterseeboot „Pluviofe«, das im Juni vorigen Jahres im Hasen von Calais sank, ist vollständig repcriert und hat das Trockendock verlassen. Das Schiff wird- einige Versuchsfahrten machen, worauf es seine Stelle in der Unterseeboot-Flottille wieder einnehmen wird.
Zum Ausstand im bcrgischen Kohlenrevier.
M. Brüssel, 6. Januar. Dem Streik der Berg« wüte haben sich etwa weitere 4000 Mann angeschlossen. Die Lage auf dem linken Maasufer ist sehr bedenkl'ch. Insgesamt streiken jetzt 45ÜÖ0 Bergleute. Auf einigen - Gruben im Gebiet von Jernappes mußte der Betrieb ganz eingestellt werden, da keine Arbeiter mehr ein-
