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MatoM C’S'S“’””*“ WSchmtlich 12 Ausgabe». ^ GcgMdet 1852.

WSchentlich 12 Ausgaben.

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Nr. 7 ,

Donnerstag, 5. Januar 1911.

59. Jahrgang.

Morgen-Kusgabe.

_ 1. iSfaff.

Nie strategische Fuge in der Nordsee.

Das Januarheft der „M a r i n e - R u n d s ch a u" veröffentlicht über die Nordsee eine hoch interessante Untersuchung, die auch dann Anspruch auf sorgfältige Beachtung hätte, wenn sie nicht ausdrücklich auf den letzten Leipziger Spionageprozeß Bezug »ahme. Nach einem Rückblick auf die geschichtliche Em- ivicklung der Nordsee-Mächte wird deren heutige Stellung mit der gebotenen Rücksicht auf die weltwirt­schaftlichen Verhältnisse und die militär-politische Lage behandelt: im Anschluß hieran werden die militär- geygraphischen Elemente der Nordsee und ihrer Küsten erörtert; den Abschluß bildet eine Betrachtung der si r a t e g i s ch e n Lage in der Nordsee. Der Gedan­kengang dieses letzten Abschnittes ist int wesentlichen folgender:

Tie Nordsee ist die Schwelle, von der aus Mittel­und Osteuropa wirtschaftlich beherrscht werden können. Sie ist aber auch die Schwelle, deren Mittel- und Ost­europa bedürfen, um am W e l t v e r k e h r t e i l- >r e st men zu können, Sie freizuhalten ist des­halb politische Lebensbedingung des, Staates, der wirt­schaftlich hinter ihr liegt, sie zu beherrschen das natür­liche militärische Ziel dessen, der die Teilnahme der hin­ter ihr liegenden Mächte am Welthandel und Welt­verkehr unterbinden will. So wird die Nordsee zuin friedlich oder kriegerisch umstrittenen Gebiet zwi­schen den beiden Weltmächten an ihrem West- und Süd­ostrand, zwischen England und Deutschland. Militäri­sche Beherrschung der Nordsee ist daher die strategische Aufgabe der englischen Flotte in der Nordsee. Für die Verwirklichung dieser Ausgabe hat ihr künftiger Basis- Punkt Rosyth eine ideale zentrale Lage.

Dem nächst liegenden Kriegsziel englischer See- si iegführung freilich, der engen Blockade der deut­schen Nordseeküste, liegt diese^Mittelpunktstellung nicht günstig. Rund 150 bis 200 Seemeilen halten die eng­lischen Fachschriststeller für die Grenzen der nötigen »nd möglichen Entfernung zwischen Basisstützpunkt und Blockadelinie. Dem würden selbst die der deutschen Küsten nächsten zweitklassigen Flottenplätze an Eng­lands Ostküste, The Wash und die Humbermündung, nicht, entsprechen. Daraus erklärt sich auch die Not­wendigkeit für die englische Flottenleitung, Stütz - P u nk t e für eine Blockade unserer F lußntii u btt n- fi ctt auf unseren Nordseeinseln zu suchen, ein Bestreben, das jüngst wieder in den Verhandlungen des Le i p z i g e r Prozesses besonders deutlich hervorgetreten ist. Dazu kommen weitere Schwierig­keiten dort, wo die Küste des Blockierten eine natürliche Steigerung aller Defensivwerte mit offensiver Entwicklungsmöglichkeit vereint. Das ist aber an Deutschlands Nordseeküste der Fall. Die rund 60 See-

Meilen langen Schenkel ihres 110 Grad offenen Küsten­winkels werden von der befestigten zentralen Weser- Elbestellung mit dem nordwestlich 20 Seemeilen vor­geschobenen Helgoland beherrscht. Die Sände und Watten, die ttavigatorischen Fährnisse wechselnder Strömungen geben ihnen eine weitere Verteidigungs­stärke. Die Weitereittwicklung der U n tersee- bootewaffen hat die Lage des Blockierten ziveisel- los erneut erheblich mehr gestärkt als die seines o f se n s i v e n Gegners.

Aus diesen Erwägungen scheint der in der engltschen Fachliteratur immer mehr behandelte Gedanke der weiten Nordseeblockade entstanden zu sein. Die Lösung auch dieser schwierigen Ausgabe, die 250 bis MO Seemeilen breite schottisch-norwegische Tür zu schließen, erscheint bei einer starken strategischen Themse-Rosyth-Scapa Flow-Stellung militärisch durch­führbar. Fraglich jedoch bleibt, welches Endziel den Fürsprechern solcher Strategie ohne gleichzeitige Handelsblockade der Nordsee vorschwebt. Tie Handelsblockade der ganzen Nordsee wäre aber gleich­bedeutend mit der Hineinziehung Netttraler in einen englisch-deutschen Nordseekrieg. Will England das, dann könnte es besser, das Nordseeabkommetl brechend unter Ausnutzung neutraler dänischer oder holländischer Küstenplätze seine historische enge Block ade st rategie neu zur Geltung bringen. Sie würde ihitt wenigstens die Verletzung der Rechte der außerhalb der Nordsee ostwärts von ihreit Ein­gängen liegenden Neutralen ersparen.

Nur ein England, das sich zu schwach fühlt, um eine stärkere offensive Kriegsührung ztt wagen, wird solche politische Nachteile itt Kauf nehmen wollen. Solange das nicht der Fall ist, muß trotz der Erörterungen strategischer enger oder weiter Nordseeblockadestellungen mit der noch in letzter Zeit in der englischen Presse neu geforderten Strategie, die die eigene Basis trotz aller damit verbundenen Gefahren an der K ü st e des Feindes steht, gerechnet werden. Möglichste Stärke und, höchste Kriegsbereitschaft der deutschen Seestreit-- kräste und der deutschen Nordseeküste ist die e i nz i g e Parade dagegen.

Die Verpachtung der Greifsmalder Nnruerfttätsgüter.

Von Georg Gothein, M. d. R.

Die letzte Volkszählung hat, soweit Resultate bereits vorliegen, wiederum einen erheblichen Rückgang der Be­völkerung des platten Landes und der Land- und Klein­städte, ja teilweise auch der Mittelstädte, in den Gegenden des überwiegenden Großgrundbesitzes ergeben. Ganz be­sonders deutlich zeigt sich dies in den beiden Mecklenburg und in Vorpommern, wo die großen Güter noch einige 70 Prozent der landwirtschaftlich benutztett Fläche einnehmen.

Diese unglückliche Besitzverteilnng ist in Neuvorponimcrn wesentlich erst zur Zeit der riesigen Steigerung der Ge­treidepreise im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts ent-

Stistnngen die Bauern gelegt, d. h. ihnen ohne Entschä­digung Haus und Hof fortgenommen, sie in Gesinde­häuser gesperrt und die großen Ackerwerke geschaffen, die eine ausgedehnte und rationelle Getreideproduktion ermög­lichten. Dem Beispiele der Junker folgten die Städte und die größte Grundbesitzerin der Gegend, die Gr cifs- walder Akadem ie. Wohl haben sich damals auch humane Professoren gegen das furchtbare Unrecht gewandt, das den Bauern damit angetan wurde; wohl haben Bürger von weitem Blick darauf hingewiesen, wie» mit der Degradierung der Bauern zu besitzlosen, leibeigenen Tagelöhnern den Städten die kaufkräftigen Abnehmer ihrer Handwerkserzengnisse und vom Handel gefiihrten Waren verloren gehen würden. Aber alle diese Warnungen der- halttetr vor den augenblicklichen in Ansstckt stehenden Vor­teilen. Die Habsucht siegte über die Menschlichkeit, wie es Emst Moritz Arndt ausdrückte. Die Stadt Greifswald wollte vor einigen Jahren ihr vor den Toren gelegenes Rittergut Wackerow austeilen; da kam die Zoller-, Höhung, der bisherige Pächter bot daraufhin mehrere tausend Mark mehr Pacht, und nun war der damals in seiner Mehrheit konservative Magistrat nicht mehr für die Parzellierung zu haben; das war der Anfang zu den s^Üvcrcn Zwistigkeiten des Bürgermeisters mit dein bürger- schastttchen Kollegium, die schließlich zum Rücktritt des crsteren fuhtten, aber für 18 Jahre war diese dringend not­wendige Aufteilung in Kleinbesitz verhindert.

Rings um Greifswald dehnen sich im übrigen die riesigen akademischen Güter aus, die heute wohl noch dem Namen nach der Universität gehören, tatsächlich aber im wejentlichen fiskalische Güter, Domänen sind und wie diese verpachtet werden. Undwie diese Verpachtungen ver­geben werden, ist nicht ohne Interesse: Ende der siebziger Jahre pachtete ein Herr aus Kl.-Wegeleben das akademische Gut Eldena samt der zugehörigen großen Brauerei; im Lause der Jahre gelang es ihm noch, die weiteren Univer- sltätsgüter Koitenhagen, Ladobow und Neuendorf, alle nahe bei Greifswald gelegen, zu pachten; und die Pachtungen ^wicsm sich als so lukrativ, daß er noch die Rittergüter Boltenhagcn und Rappenhagen kaufen komtte, die zu- sammen oa. 5500 Morgen groß sind-, so «daß in der nächsten Umgegend Greifswalds nrchl weniger als rund 11000 Morgen durch einen Besitzer, resp. Pächter bewirtschaftet werden. Das ist Kr die Gewerbetreibenden Greifswaids selbst gegenüber dein Zustande ein erheblicher Nachteil daß diese Güter einzeln an verschiedene Pächter vergeben würden. Die Pacht der akademischen Güter ist — so wird mir wenigstens von kundiger Seite aus Greifswald mitgctcilt — dem Sohne des früheren Pächters unter der Hand prolongiert worden. Nachdem aber nunmehr die Pachtver­träge vor kurzem abgelausen sind, nahm man allgemein an, daß allermindestens eine Neuausschreibung der Verpach­tungen erfolgen werde, zumal da eine große Nachfrage nach Pachtgütern besteht und da das öffentliche Interesse erheischt, daß nicht mehrere Pachtungen in einer Hand kumuliert werden, die ohnehin bereits über einen RiescNbesitz vcrKgt Statt dessen erfährt man, daß die Pacht der Güter Ladebow und Neuendors unter der Hand dem bisherigen Pächter wieder auf 18 Jahre verpachtet worden sind, und es hat den Anschein, als ob es mit Eldena und Koitenhagen ebenso gemacht werden soll. Die Einnahmen, die die Universität

Feuilleton.

(Nachdruck verboten.)

Münchener Brief.

Am 13. Dezember gab das Königl. Residenz-Theater in Erinnerung m Hebbels Todestag die Tragödie „Genoveva", die sich aber kaum für längere Zeit auf der Bühne behaupten wird. Trotz des sechsten Aktes, der die Versöhnung zwischen den Gatten bringt und der von Hebbel ans Zureden seiner Freunde später hinzugedichtet ivnrde, gewinnt man, abgesehen von der leidenschaftdnrch- tränkten Gestalt des Gold, keine innere Beziehung zu den Menschen dort vor einem, und verliert viel von den Schön­heiten der Sprache. Daher wird „Genoveva" wohl trotz der stark -dramatischen ersten «te immer nur ein Buch­drama bleiben. Rach der „törichten Jungfrau", die wirk­lich noch- törichter ist, als es im allgemeinen Jungfrauen, und zumal französischen, erlaubt ist, erholte sich das Residenz-Theater durch die Premiere von Bahrs heiteren und im Grunde genommen doch recht ernsten „Kindern". Dies Lustspiel, das itt den verschiedenen Städten eine so derschiedene Aufnahme findet, begegnet hier — und das ist sicher ein Lob Kr die Münchener — ungeteilter Aner­kennung. Die schalkhafte, anmutige Weise, in der Bahr allen van Ibsen und seinen Anhängern strengvertretencn Anschauungen über die Pererbungslh-eori-e entgegen dartut, wie doch die Umgebung das meiste in Wesen und Art des Menschen formt, muß jedem etwas Nachdenksamen die Freude an denr witzigen, seinen Dialog, den köstlich gesehe­nen Menschen und dm amüsanten Episoden noch verstärken. Ich möchte dieses Stück noch höher als das liebenswürdige

„Konzert" bewerten: — Das Gärtner-Theater hat wohl den diesjährigen großen Wurf mit Oskar Strauß' „Tal der Liebe" gemacht; Lothar -hat aus Drehers Lustspiel ein ge­schicktes Libretto hergestellt, und Strauß' seine, teilweise geistreiche Musik sticht jedenfalls die letzten Wiener Operetten bei weitem aus. — Uni die Theaterchronik vollständig zu machen, muß ich berichten, daß das Künstler-Theater, das seinen Erbauern von Anfang an in pekuniärer Hinsicht etwas Schmerzenskind war, einer neu gegründeten Gesellschaft, an deren Spitze als Direktor der Schöpfer des Theaters Georg Fuchs tritt, überlassen worden ist, utn auch fernerhin neue, große, Wnstterische Ausgaben zu lösen. Da die Regieober­leitung Max Reinhardt führt, auch für das Repertoire in der Hauptsache bis dahin noch unbekannte Werke vorgesehen sein sollen, hofft man, München durch diese Bühne wieder einen angeseheneren Platz in der Theaterwelt zu gewinnen. Ja, nran hat an diesem Plan noch nicht genug: noch ein anderes Theaterunternehmen ist entständen, das sich — nicht sehr -glücklich, darf man sagen, — „zum großen Wurstel" nennt, in direkter Anlehnung an das Pariser Theater du Grand Guignol. Wir aber, die wir in deutscher Gründ­lichkeit den Hanswurst nicht rocht ernst nehmen können, empfinden den Namen, der durchaus literarische Absichten deckt, als einen Widersinn. Abgesehen davon, kann man sich aber jedenfalls freuen, daß soviel frisches Leben in das stagnierende Theatcrwosen Münchens kommt. Pr. Eugen Robert, der früher das Berliner Hebbel-Theater leitete, wird beit „Großen Wurstel" im Lustspielhaus am Schnür­chen ziehen. — Das Deutsche Schauspieler-Museum (die Klara-Ziegler-Sttstung, die einzige ihrer Art in Deutsch­land) ist durch die interessante Bildersammlung des Hof­schauspielers Alois Wohlmut bereichert worden. Da die Sammlungen Bilde» von fast allen 'bedeutenden Malern

ornncyons aus ser zweiten Halste des vergangenen Jahr­hunderts bis zu unserer Zeit und den allermodernsten, be­kannten umfaßt, so haben alle Kunstfreunde die Lösung der Frage — es war einige Zeitlang ungewiß, ob sich di« Sammlung erhalten ließe — mit -größter Genugtuung be-, grüßt. — Allen Menschen geht es zwar in München nicht so. gut wie den Bildern: die Wohnungsnot ist zu einer rechten Kalamität -geworden, wie sich bei der letzten Zählung der leerstehenden Wohnungen ergeben hat, ganz im Gegensatz zu den bisherigen Annahmen und der optimistischen Prophe­zeiung, die Mieten würden billiger werden. Es gibt wirk­lich Leutp, die das -geglaubt haben! Als wenn in unserer Zeit noch jemals irgend etwas wieder billiger würde! Auch die Eröffnung der Grenzen und die EinKhrung französi­schen Viehs las sich bisher nur — wohlschmeckend; gemerkt von niederen Fleischpreiscn hat noch niemand etwas. Dafür wird man getröstet: man solle sich wenigstens freuen, daß wenigstens nicht noch eine Erhöhung der Preise eingetreten sei! „Wenigstens" — scheint das Rormalwort und -maß zu werden. Und so ist wegen der Wohnungsnot „wenig­stens" ein Dringlichkeit-santtag im Ge-mcindekollegium oe- stellt -worden Im Etat für 1911 sind allein drei Millionen Mark Kr Neubauten, und zwar hauptsächlich für Klein­wohnungen, vorgesehen, auch wird durch Bahnen und neue elektrische Straßenbahnen die Umgebung immer mehr und mehr erschlossen. Bei der Unzahl junger Künstler und Studenten b.e Universität wird allein in diesem Winter­semester von 7596 Studenten besucht — ist selbstverktänu-

rwe?vräPn^v Nachfrage nach Wohnungen mit einem oder Mei prasentabelen Zimmern Kr einen „Mietshcrm". Die

fl dE leider in Küche und Kammern zu- nick. Dennoch ioll es trotz dieser Schwierigkeit der Verhält­nisse dem einstigen großen GeMer Münchens, der es „das