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1. WkaLt.

Eine Wrrhnung an uns Me.

Der Abgeordnete Nauniann hat recht und abermals recyt, wenn er in der „Hilfe" den Mangel an O r g an i s a tion Lei den liberalen Parteien beklagt.

ist wahr, daß nicht bloß die Sozialdemokratie, son- oern auch der Bund der Landwirte (was ungefähr das- seibe ist wie die konservative Partei) eine unvergleichlich wirksamere Organisation haben als wir Liberalen, ^mmer noch sind die mehr als drei Millionen liberaler ReMtagswahler wie Pfeile, die nicht durch ein' festes •öanii zusammengehalten werden. Ties Band aber gilt es zu schaffen. Wir möchten mit dem Abgeordneten -llamnann nicht rechten, wenn er nun aber auch im Anschluß an diese seine Mahnungen behauptet, die libe ralen Zeitungen seien noch nicht vom Zuge zur Organi­sation erfaßt; sie hätten Geist ohne Disziplin, womit sie tyäfyttigen Zustande der liberalen Parteien zwar entsprachen, der Zukunft aber zu wenig dienten. Wir wollen,_ tote gesagt, mit dem verdienten Manne nicht uoer diese Darstellung diskutieren, mit der er an anderer Stelle (im Januarheft der „Neuen Rundschau") den rn der „Hilfe" gelegten Faden fortspinnt. Zum

Aeil hat er wohl recht, zum Teil auch nicht, aber darauf kommt es ja nicht so sehr an, als vielmehr darauf, daß nun wirklich das Wichtigste geschehe, nämlich eben oie Durchführung einer starken, mit Geldmitteln aus­gestatteten, durch zahlreiche tüchtige Hilfskräfte ge­lenkig gemachten Organisation.

Inzwischen mag es vielleicht schon etwas nützen, wenn möglichst viele liberale Männer in den verschiede­nen Parteilagern der Linken die tapfere Straf- und Crweckungspredigt Naumanns auf sich wirken lassen. Der W i l l e z u r M a ch t, so sagt der treffliche Ver­fasser m dem schönen Aufsatz, den er soeben in der „Neuen Rundschau" veröffentlicht, muß in die drei Millionen liberaler Wähler hineinfahren. Das ist, so gibt er zu, keine kleine Sache, denn die meisten von chnen haben nur den kleinen Willen zur persönlichen Tüchtigkeit und Wohlfahrt, sind aber ohne festen Trieb gegenüber dem Gemeinwesen. Je besser es ihnen als Einzelmenschen geht, desto unpolitischer ist ihre' Seele Dieser Masse von gutwilligen, aber schwachen Elenien- ten muß mit Hilfe von Presse und Organisation bei- gebracht werden, daß sie etwas im Staate bedeuten rann, wenn sie will. Du kannst, wenn du willst! Tie Voraussetzungen sind da, es müssen nur die inneren Schlußfolgerungen gezogen werden. Es muß rückhalt­los dieser Menge von Gutwilligen klar gemacht wer­den. daß sie politische Knechte sein und bleiben müssen, solange sie selber sich nicht anstrengen, um Herren zu werden. Sentimentale Klagen ändern gar nichts: ent­weder ihr begreift, worin politischer Wille besteht, oder rhr seid nichts als Klienten und Heloten der Junker, und Priester! Wenn ihr unterworfen bleiben wollt, so lernet leiden, ohne zu klagen, so küsset die Hände/die

euch schlagen, so bauet Ehrenpforten denen, die euch mißachten! Ein paar Abgeordnete können euch eure politische Arbeit nicht abnehmen; ihr müßt hinein in den Dienst der Beseelung der drei Millionen!

Alles das ist richtig, alles das wollen wir uns ge­hörig gesagt sein lassen. Es ist so, wie es Naumann schildert (wir wissen es ja längst, aber auch zehnfache Wiederholungen sind immer wieder nötig): Der Bund des katholischen und protestantischen Konservativismus ist die politische G r u n d t a t s a ch e der Gegen­wart. Dieser Bund verfügt über folgende Haupt- truppen und Nebenvölker: Zentrum 2145 000, Konser­vative: 1550 000, Wirtschaftliche Bereinigung: 277 000, Bund der Landwirte: 194 000, Polen: 463 000, Elsässer: 60 000, zusammen 4 679 000. Ist diesem Bunde !fft das Zentrum so stark, daß von ihm aus der Charak­ter der Gesamtmasse am meisten bestimmt wird. Das aber bindert die sieghafte Kraft diese.- Mcbr- heitsbrldung. Das Zentrum selber kann nämlich nur noch mit langsamen schrittest vorangehen, weil es schon setz: alle katholischen Bestände fast völlig verarbeitet hat. Es kann mit Polen und Elsässern zusammen jene drei Millionen nicht erreichen, die der Libe­ral is m n s hat. Die Konservativen, Antisemiten und. Banernbündler leiden aber der protestantischen Bevölkerung gegenüber an ihrer Berbrüdeung mit dem Zentrum. Sie sind zu Hilfstruppen der ' schwamm Macht herabgesnnken, was sich darin äußert, daß lös ans weiteres alle Militärziffern und Zollziffern und Steuern so angenommen werden müssen, wie das Zen­trum will, wenn überhaupt etwas zustandekommen soll. Je klarer dieser Zustand erkannt wird, desto sicherer

wird die Rückwirkung aus den Liberalismus sein, der

von Natur und durch Geschichte der Gegenspieler des Zentrums bleibt. Tie erste Wirkung' wird beim rechten Flüge! des Liberalismus sicher und kann schon heute mit bloßen Augen bemerkt werden, daß nämlich die Neigung, sich in. Abhängigkeit von den Konservativen zu halten, abnimmt. Ja, wenn die Konservativen für sich allein wären, so würde mancher Nationalliberale noch immer gern mit ihnen einen politischen Schoppen trinken, aber immer sitzt der Zentrnmsmann schon auf der Bank. Das treibt den Nationalliberalen, falls er einmal konservative Anwandlungen bat, bald wieder nach links. Es gibt wieder eine Scheidung zwischen Liberalismus und Konservativismus, die einfach darin liegt: liberal sind diejenigen, die nicht zur Zentrumsführung gehören wollen!

Ein gutes Schlagwort, das mir uns merken wollen und das in den bevorstehenden Kämpfen hoffentlich von Nutzen sein wird.

UoMrsche Wrrstcht.

Dsr« Kimdssx-ir.

^ Bundesrat und Reichstag, das Nebeneinander dieser beiden Körperschaften, faßt sich für uns immer noch unter Begriffen und Vorstellungen zusammen, die in den Anfängen des Reichs wurzeln, die seitdem aber

nicht mehr ganz dieselbe Berechtigung wie damals hcrbett'. Nämlich der Bundesrat hat im Laufe der ne* sichtlichen Entwicklung manche Veränderung erfahren, das Bedürfnis des praktischen Lebens hat sich auch hier als siegreich erwiesen, und wenn auch, wie selbstver­ständlich, die verfassungsmäßige Grundlage dieselbe wie früher geblieben ist, so sind doch Änderungen ein- getreten. die eine nähere Betrachiung wohl rechtferti­gen. Mit starkem Interesse liest man deshalb, was einer der besten Kenner des Verfassungsrechts, Prof. L a b a n d, im jüngsten Heft der „Deutschen Juristen­zeitung" über den Bundesrat, wie er jetzt ist und wirkt, mitzuteilen hat. Manche überlieferte Vorstellung wird durch Labands Ausführungen mannigfach beeinflußt werden, und jedenfalls bekommt man hier ein Bild der geschilderten Körperschaft in so sicheren und zugleich seinen Umrissen, daß der Eindruck, auch wo er nur Be­kanntes wiedergibt, doch aleichzeitig Neues darbietet. Ein sonderbares Gebilde auf alle Fälle ist der Bundes­rat. Dieses Organ des Reichs aber, welches man mit einem gewissen Recht als das höchste bezeichnen kann, deiiii ihrn steht die Sanktion der Gesetze, die Entschei­dung von Streitigkeiten unter den Bundesstaaten und von Meinungsverschiedenheiten zwischen Behörden zu, hat zwar die wichtigsten Rechte, aber keine Machtbe- fugirisse. Der Bundesrat kann beschließen, aber nie­mals seine Beschlüsse ausführen; er kann wollen, aber nicht handeln; er kann urteilen, aber nicht vollstrecken. Der Bundesrat hat keine Verfügung über die bewaff­nete Macht des Reichs und keinen Anteil an der völker­rechtlichen Vertretung des Reichs. Das spezifische Merkmal des S t a a t e s ist das Recht zu befehlen und den Befehlen Gehorsam zu erzwingen; dem Bundesrat fehlt die Befehlsmacht. und Zwangsgewalt. Laband macht auf den Parallelismus aufmerksam, der in dieser Beziehung zwischen deni Bundesrat und dem Reichstage besteht, welcher ebenfalls wollen und beschließen.' aber Nicht handeln und befehlen kann. So ist auch der Bundesrat wie der Reichstag als eine periodische Ver- sammlung gedacht, und seine Berufung muß, wie die des Reichstags, nach Artikel 13 alljährlich erfolgen. Tatsächlich aber ist der Bundesrat dank der gewaltigen Enrwicklung, die seine Aufgaben erfahren haben, eine „perennierende" Versammlung geworden, bei welcher von Berufung, Eröffnung, Vertagung und Schließung kerne Rede mehr ist; dadurch ist die äußerliche Ähnlich- keir mit dem Reichstage verschwunden. Die bedeut- sauiste Veränderung jedoch hat im Laufe der Seit die innere Struktur der Körperschaft erfahren. Der Bundesrat ist kein Ministerium und kann keine Vortragenden Räte haben; er besteht ausschließ­lich aus Bevollmächtigten der Staaten, die nach der Rcichsverfassung höchstens so viele Bevollmächtigte er­nennen dürfen, als sie Stimmen haben. Diese Bevoll­mächtigten stehen aber in der Mehrzahl den Reichs- verwalrungen fern und können niemals mit den An­gelegenheiten sämtlicher Ressorts genügend vertraut sein. Das Bedürfnis nach technisch gebildeten Mit­gliedern des Bundesrats bestand nun aber, und die Abhilfe geschah in einer sehr . eigentümlichen Weise, über die, wie Laband rühmt, eine feine Untersuchung

Feuilleton.

HLmmrlserschrlmmgen v im Januar 1911.

Am 3. Januar, um 4 Uhr nachmittags, gelangt die Erde an denjenigen Punkt ihrer elliptischen Bahn, wo sie der Sonne am nächstem steht, in ihr Perihel. 'Da die Exzen­trizität der Erdbahn gleich 0.01677 ist, kommt die Erde im Perihel der ©ernte um rund 5 Millionen Kilometer näher als im Aphel arn 3. Juli. Die Exzentrizität der Erdbahn lst aber veränderlich, sie war einst bedeutend größer als jetzt Und nimmt in den nächsten Jahrtausenden noch weiter ab, Um danach wieder zu wachsen.

Die südliche Deklination der Sonne nimmt im Fänuar bereits wieder ab, sie beträgt am 1. — 23" 4' 49."7 Und am 31. —17° 37 24."1. Dementsprechend wächst auch me Mittags h ö h e der Sonne für den Parallel von 54°, d. h. für das nördliche Deutschland, von 13° am 1. auf 18.-5 am 31. Januar, für den Parallel von 51°, d. h. für das mittlere Deutschland, von 16° am 1. auf 21.°5 am 3,1. Januar und für den Parallel von 48°, also für das süd­liche Deutschland, die Schweiz und Österreich, von 19° am 1- auf 24.°5 am 31. Januar. Die Tagesdauer verlän- 8-err sich in Norddeutschland von ?y 2 ; auf 8%, in Mittel­en tfchland von 7% auf 9, und in Süddeutschland von auf 91/3 Stunden.

Der M on d zeigt im Jarmar folgenden Gestattenwech- Erstes Viertel am 8. um 7 Uhr 20 Min. vorm., Voll­mond am 14. um 11 Uhr 26 Min. nachm., Letztes Viertel 5?^ 22. um 7 Uhr 21 Min. vorm, und Neumond am 30. um ty Uhr 45 Min. vorm. 3* seiner Erdnähe befindet sich der i

Mond am 13. um 1 Uhr vorm., in seiner Erdfeme am 24. um 9 Uhr nachm. Die ini Januar stattfindenden sechs Sternbodeckungen durch den Mond betreffen nur licht- schwache Sterne.

Während in den letzten Monaten des Vorjahres für die Beobachtung der großen Planeten recht ungünstige Verhält­nisse obgewaltet haben, tritt jetzt das Gegenteil ein: schon im Januar sind sämtliche sieben großen Planeten kürzere oder längere Zeit sichtbar. Merk u r, der am 10. Januar, um 11 Uhr vorm., in untere Sonnenkonjunktion kommt, dann also zwischen Sonne und Erde steht, ist in den ersten Tagen des Monats etwa % Stunde lang am westlichen Abendhimmel und in der zweiten Hälfte des Monats etwa ebenso lange am östlichen Morgenhimmel zu beobachten. Am 5. Januar, um 4 Uhr früh, hat Merkur eine Konjunk­tion mit Uranus und am gleichen Tage um 7 Uhr abends eine solche mit Venus. Aus diesem Gmnd stehen am Abend des 5. Januar diese drei Planeten nahezu in einer Linie sehr nahe beieinander, es ist daher sehr zu empfehlen, das immerhin ziemlich seltene Schauspiel mit einem geeig­neten Instrument zu verfolgen. Konjunktionen mit dem Mond Hat Merkur am 2. Januar, um 1 Uhr vorm., und am 28. Januar, um 6 Uhr vorm. — Venus wird im Stern­bild des „Schützen" zu Beginn des Monats als Abendstern sichtbar uüd wird am Monatsschluß schon eine Stunde lang als hellstes Gestirn funkeln. Ihr Abstand von der Erde ver­kleinert sich. Am 5. Januar gelangt Venus, wie bereits er­wähnt wurde, mit Merkur in Konjunktion, am 6. Januar, um 6 Uhr vorm., wird sie mit Uranus Konjunktion haben. Die Anordnung der drei Planeten von Norden nach Süden ist Merkur, Uranus, Venns. Der Mond nähert sich der Venus am 31. Januar, um 4 Uhr nachm.: die eben sichtbar '

werdende junge Mondsichel befindet sich dabei südlich vom Abendstern. — Mars weilt im Sternbild des „Skorpions" am östlichen Morgenhimmel uUd ist mehr als eine Stunde vor Sonnenaufgang sichtbar, obwohl sein scheinbarer Durchmesser anfänglich nur erst 4."1 beträgt. Der Planet nähert sich uns nun fortgesetzt, bis er in seiner Oppositions­zeit im November 1911 seine Erdnähe erreicht haben wird. — Jupiter befindet sich im Sternbild der „Wage", eben­falls am Morgenihimmel, doch erscheint er bereits viel früher, anfangs bald nach 3, ple^t schon vor 2 Uhr mor­gens über dem östlichen Horizont. Auch er nähert sich der Erde, und zwar van 5.86 auf 5.43 Erdbahnhalbmesser a 149.48 Millionen Kilometer; seih scheinbarer Durchmesser vergrößert sich damit von 34."0 auf 36."5. Am 23. Januar um 7 Uhr vorm., Hat der Mond mit Jupiter Konjunktion, wobei der Planet etwa 1° nördlich vom letzten Viertel des Mondes steht; natürlich ist die Konstellation schon während des ganzen frühen Morgens sehr beachtenswert. — Saturn bietet vorläufig noch weiter die günstigstem Be- obachtungsvechältnisse unter allen Planeten, denn er bleibt im Januar noch während des größten Teils der Nacht über dem Horizont. Er hält sich im Sternbild des „Widders" auf. mit dessen hellsten Sternen er eine schöne Konstellation b-ldet. Saturn befindet sich am 21. Januar, um 5 Ubr vorm., in Quadraturstellung zur Sonne; die Erde entfernt sich von ihm, und zwar wächst der Abstand von 8 85 auf 9,34 Erdbahnhalbmesser. Die scheinbare Größe des Satum mmmt von 18."5 auf 17."5 ab, ebenso verringert sich die Lange der großen Achse der Ringellipse von 42."2 aus 40."2 und die scheinbare kleine Achse von 11."5 auf 1l."2. Am 9. ^anuar, um 6 Uhr früh, gelangt der Mond mit Saturn Ul Konjunktion, am voranachmden Abend sieht der Mond

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