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Berka« Langgaff« 21
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Nr. 2 .
Montag, 2 , Januar 1911.
59. Jahrgang.
ftbenb »Ausgabe.
_ 1. Matt.
Aüv öas 1. HucruLac 1611
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Ter amerikanische Stahlkönig Andrew Carnegie, der sich den noch weit stolzeren Titel eines Wohltäters der Menschheit erworben hat, ließ vor sechs Jahren ein Buch erscheinen, welches sich „Ist« Gospel of iWealth" („Das Evangelium des Reichtums") betitelte und das in die verschiedensten Kultursprachen, auch m die deutsche, übersetzt worden ist. Ter amerikanische Milliardär behandelt in diesem merkwürdigen und interessanten Buche das „Problem der Verwaltung des Reichtums", und er setzt auseinander, daß es nur drei Formen gäbe, über überschüssigen Reichtum zll verfügen. Erstens könne er den Familien der Verstorbenen htnterlassen, zweitens_ für öffentliche Zwecke vermacht oder endlich von seinen Besitzern während ihrer Lebzeiten verwaltet lverden. Tie erste Form bezeichnet Carnegie als die „unverständigste", denn ...die Wahrnehmung lehrt, daß cs für die Kinder, allgemein gesprochen, nicht gut ist, wenn man sie mit einer solchen Bürde (nämlich mit einem großen Vermögen) belastet; ebenso wenig gut ist es für den Staat. Mehr vorzu- seherr als bescheidene Einkommensquellen für die Frau und die Töchter und sehr bescheidene Beträge, wenn überhaupt welche, fiir die Söhne, möge man wohl Bedenken tragen, denn es steht außer Frage, daß große hinterlassene Summen oft mehr zum Schaden als zum Nutzen der Empfänger wirken." Auch gegen die zweite Form, den Reichtum beim Tode zu öffentlicher Benutzung zu hinterlassen, wendet sich der amerikanische Milliardär und Philantrop mit der Begründung: „Ter Fälle sind nicht wenig, wo der wirkliche, vom Erblasser erfolgte Zweck nicht erreicht wird, auch kommt es nicht selten vor, daß seine wirklichen Wünsche völlig durchkreuzt werden." Woraus Carnegie noch die originelle Bemerkung hinzufügt: „Von Leuten, die aus diese
Weise unermeßliche Summen hinterlassen, darf man ohne iveiteres annehmen, daß sic überhaupt uichts hinterlassen haben würden, wenn sie es hätten mitnehmen können."
„Es verbleibt also" — so führt Carnegie weiter aus — „nur ein Modus, große Vermögen zu benutzen,
aber an ihm besitzen Nur das wahre Heilmittel gegen die zeitweilig ungleiche Verteilung des Reichtums, die Aussöhnung der Reichen und Armen — ein Reich der Harmonie, ein neues Ideal, das freilich von dem der Kommunisten abweicht, indem es nur die Weiterent- wickelung bestehender Verhältnisse, nicht den gänzlichen Umsturz unserer Kultur verlangt." Dieser Modus ist nach Carnegie der, in dem „der überschüssige Reichtum der wenigen für das gemeinschaftliche Wohl verwaltet und daher . im besten Sinne das Eigentum der vielen anderen wird." Man wird ohne weiteres zugeben müssen, daß der amerikanische Milliardär es nicht bei diesen seinen schönen Worten hat bewenden lassen, sondern daß er sie in Taten umgesetzt hat und noch dauernd umsetzt. Hat Carnegie doch bisher nahezu 200 Millionen Dollars für 'Stiftungen aufgewendet, ein Betrag, der selbst für sein Riesenvermögen außerordentlich groß ist, und hat er doch soeben wieder die Mittel, zur Errichtung einer internationalen Universität im Haag und zugleich einundeineviertel Million Dollar (also rund 5 Millionen Mark) zu einer Stiftung für deutsche, Lebensretter hergegeben.
Diese Stiftungen für hie „H elden des. Fr rede u s", die bereits fiir die Nordamerikanische Union, für England und Frankreich seit mehreren Jahren bestehen und die Carnegie als Beweis seiner Sympathie für deutsches Wesen auch auf Deutschland ausgedehnt bat, dürfen als eine besonders sinnige, den lebhaftesten Beifall verdienende Idee begrüßt werden, denn sic beruhen auf der Erwägung, daß die Öffentlichkeit nicht immer von den Heldentaten erführt, die aus dem Schlachtfelde der Industrie, bei Rettungsarbeiten oder sonstwo. geleistet werden, und daß öiese'Helden nur selten den Lohn für ihre Taten finden. Ist Amerika verfolgen die sogenannten Carnegie-Heroenkomitees alle Fälle, tu denen irgend jemand uiit Einsetzung des eigenen Lebens, sei es nun bei Bränden, Explosionen, Schiffskollisionen, Zugzusammenstößen oder dergleichen, das Leben anderer rettet oder auch nur zu retten sucht. Nach Feststellung dieser Fälle werden dann an die Lebensretter selbst oder aber an die Witwen und Waisen der bei dem Liebeswerk Verunglückten aus den Mitteln der Stiftung se nach Bedarf entweder einmalige oder fortlaufende Unterstützungen gezahlt.
In gleicher Weise soll die von Carnegie großherzigerweise für Deutschland gemachte Stiftung verwaltet und verwendet werden, deren Protektorat der deutsche Kaiser übernommen hat und die einein Kuratorium untersteht, dessen geschäftsführender Vorsitzender der Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im. Geh. Zivilkabinett, Br. v. Strempel, ist. Mit Recht betont der ebenfalls dem Komitee angehörende Ministerialdirektor im Handelsministerium, Oberberghaupt- mantt v. Festest, daß diese großartige Stiftung besonders von der B e r g w e r k s i n d u st i e mit Tank begrüßt lverden wird, da bisher die Mittel fehlten, Bergleute, die ihre Kameraden mit Gefahr des eigenen Lebens gerettet hatten, gebührend zu belohnen, aber die Wohltaten der Carnegie-Stiftung werden sich selbstverständlich nicht auf irgend ein bestimmtes Gebiet beschränken, sondern nach Möglichkeit allen „Helden
des Friedens" zugute kommen. Gleichzeitig aber dient diese Stiftung, indem der amerikanische Wohltäter so ein neues Band nicht nur zwischen zwei Nationen, sondern zwischen den Nationen überhaupt geschaffen hat, dazu, nicht bloß das Heldentum des Friedens, sondern den Frieden selbst zu fördern, getreu dem Worte in dem erwähnten Buche Carnegies, daß das recht verstandene Evangelium des Reichtums dazu bestimmt sei, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen zu bringen.
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Der Brief des Kaisers an Carnegie.
bä. London, 2. Januar. (Drahtbcricht.) Der Berliner Vertreter der „Daily Mail" ist in der Lage, seinem Blatte den vollen Text des Kaiserbr ies es an Herrn Carnegie mitzuteilen. In diesem vom 31. Oktober v. I. datierten Schreiben heißt cs u. a.: Dieser neue Beweis Ihrer weltbekannten Menschenfreundlichkeit und Großherzigkeit hat mich in höchstem Maße erfreut und ich betrachte die gewählte Zweckbestimmung als besonders glücklich. Die Stiftung wird in hohem Maße dazu beitragen, daß in Zukunft der Ehrenpflicht der Menschheit, für die Opfer heldenmütiger Selbstaufopferung zu sorgen, mehr erfüllt wird, als es bisher möglich war. Das wird in edlen Menschen den Wunsch erregen, Rettungstaten zu vollbringen, indem sie alle Sorge um die Zukunft ihrer Hinterbliebenen bannt. Ich betrachte es als ein Herzens-Bedürfnis, Ihnen im Namen des deutschen Volkes den wärmsten Dank zu sagen und zum dauernden Gedächtnis Ihrer edlen Tat werde ich Ihren Namen mit der Stiftung verknüpfen. Gemäß Ihren: Wunsche bin ich auch gern bereit, das persönliche Protektorat zu übernehmen und ein Kuratorium zu ihrer Verwaltung zu ernennen. Ich lege speziell Wert auf die Mitarbeit des an meinem Hofe beglaubigten Botschafters als Mitglied des Kuratoriums. — Dem „L.-A." zufolge hat der Kaiser Herrn Carnegie am Samstag durch den amerikanischen Botschafter einen zweiten Dankbrief gesandt, dem ein großes Medaillon- Portrait des Herrschers in Bronze beigefügt war.
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Berlin. 31. Dezember. Wie dein „L.-A." von maßgebender Seite mitgeteilt wird, ist die Stiftung Carnegies in erster Linie aus die Initiative des amerikanischen Botschafters in Berlin, De. Hill, zurückzuführen. Vor einigen Monaten machte De. Hill in: Verlaufe eines Privat- gespräches dem -Kaiser die Mitteilung, daß Carnegie nicht abgeneigt wäre, in Deutschland eine ähnliche Stiftung ins Leber: zu rufen, wie er es vor drei Jahren in England, Frankreich und den Vereinigten Staaten getan. Der Kaiser war hocherfreut und ließ Carnegie durch Br- Hill Mitteilen, daß er gern der Protektor der Stiftung sein wolle.
M§ Neujahrsseier.
wb. Berlin, 1. Januar. Anläßlich des Ncujahrstages begann um 8 Uhr vor dem Königlichen Schloß das große Wecken. Das Kaiscrpaar traf aus dem Neuen Palais um 9(4 Uhr im Schloß ein, von: Publikum herzlich begrüßt. Die Anfahrt der Prinzen und Prinzessinnen, Fürstlichkeiten, Generale und Würdenträger, der Anmarsch der Galawache der Gardedukorps usw. bot. ein wechselvolles Bild. In der Schwarzen Adlerkammer nahmen die Majestäten die Glückwünsche des Königshauses, im Kapitcl-
FemÄeton.
Aus dem Zug des Todes 1910.
(Schluß.)
Staatsmänner und Politiker, hohe Brauste und Militärs.
Es starben: Am 5. Januar der frühere ReichÄags- end bayerische Landtagsabgeordnete Freiherr v. Gagern; am 11. Januar der frühere Präsident des dänischen Landstings und Bürgermeister von Kopeichagen H. R. Hansen; am 19. Januar der italienische Sozialistenführer und Vizepräsident der Kammer Andrea C o st a; am 5. Februar der frühere deutsche Konsul in Samoa und Generalkonsul in Schanghai Geh. Legationsrat Dr. Wilhelm Knappe; am 8. Februar Oberbürgermeister Ehlers von Danzig; am 10. Februar der deutsche Botschafter in Madrid Gras T a 1 tenbach; am 19. Februar der Präsident des deutschen Reichstags Gras Udo zu Stolberg-Wernigerode; am 2. März der frühere Oberhoftneister der Kaiserin Friedrich Gras Seckendorf; am 10. März der Bürgermeister von Wien Dr. Karl Lueger; am 19. März der Reichs- tagsabgeordneie Dr. Otto Hermes;' am 2. April der frühere preußische Abgeordnete Pastor v. Bodel- s ch w i n g h; am 14. April in Karlsruhe der General der Artillerie Frhr. v. Frohen; am 16. April der Reichstagsund frühere hessische Landtagsabgeordnete Graf Oriola; am 18. April der frühere Chef des serbischen Generalstabs Oberst Maschin; am 9. Mai der frühere Präsident des Reichskanzleramts und preußische Staatsminister Karl v. Hoimann: am 1. Juli der badische Finanzminister
Max Honsel!; am 15. Juli der Leiter des hessischen Schulwesens Geheimrat Dr. Heinrich E i s e n h u t und das Mitglied der Ersten württembergischen Kammer von Br eit sch wert; am 31. Juli in Berlin der General der Infanterie v. Spitz, Vorsitzender des Deutschen Kriegcr- bundes; an: 2. August in Erfurt der frühere Reichstagsund preußische Landtagsabgeordnete Geh. Kommerzienrat Ferdinand Lucius; am 16. August der Präsident der Republik Chile Don Pedro Montt; am 17. August der frühere englische Minister und Vizekönig von Indien Earl Spencer; am 22. August in Genf der Präsident der Internationalen Gesellschaft des Roten Kreuzes Gustav Moynier; am 17. September der russische Botschafter in Paris A. I. Nelidow; am 30. September der frühere preußische Kriegsminister General v. Verdy du Vernois; am 7. Oktober Oberbürgermeister Wilhelm Schmieding von Dortmund; am 20. Oktober der österreich-ungarische Botschafter in Paris Graf Rudolf K h e - venhttller und der frühere Gouverneur von New Bork und Bundessenator David Bennett Hill; am 30. Oktober der spanische Senator Herzog v. Vera gua, der letzte Nachkomme von Christoph. Columbus; am 30. November der preußische Generalinsvektor der Kavallerie Generaloberst v. d. Planitz; am 1. Dez. der preußische Gesandte in Hamburg Gras Götzen; am 23. Dezember der frühere Reichstagsabgeordnete und Reichstagspräsident Graf Franz von B a l l e st r e m.
FüDichkeiien.
Es starben: Am 16 . Februar die Fürstin-Mutter H er- mine zu Schäumvurg-Lippe; am 7. Mai Edward VII., König von England und Kaiser von Indien; am 21. Juni
die Prinzessin F c o d o r a z u Schleswig-Holstein, jüngste Schwester der deutschen Kaiserin; am 22. Juni die Fürstin-Mutter Marie zu Wied, geborene Prinzessin der Niederlande, Mutter der Königin von Rumänien; am 1. September der Khan von C h i w a, Seid Muhammcd Rachim Babadur; am 21. September der Regent von Persien Prinz Azid c l Molk; am 2. Oktober Heinrich XXIV., Fürst von R e u ß - K ö st r i tz; am 22. Oktober Fürst Franz v. Teck, Bruder der Königin von England; am 23. Oktober König Chulalongkorn von Siam.
Es starben: Am 10. Februar in Krtebstein (Sachsen) Kommerzienrat Albert Niethammer, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Papierfabrikanten; am 8. März in Dresden der Geheime Finanzrat Hans I a lief e, langjähriger Vorsitzender des Kruppschen Direktoriums und Vorsitzender des Aufstchtsrats der Dresdener Bank; am 13. April in Leipzig Kommerzienrat Julius Blü ihn er. Begründer der Pianofortefabrik gleichen Namens; am; 7. Juni in Bielefeld Kommerzienrat Wilhelm Velhagen Mitinhaber der Verlagsfirma Velhagen u. Klasing; am og' Juni in Stuttgart der Verleger Geh. Komnierzienrat Wilhelm Spemann; am 4. Jul: in Berlin Kommerzienrat August Z e i ß, Inhaber der Kontoreinrichtungssirma gleichen Namens; am 16. Juli in München der Großindustrielle Kommerzienrat R. F. Metzelei - am 22 Juli in Jena der Verlagsbuchhändler Dr. Gustav Fischer; om 28. August in Berlin der Geh. Komnierzienrat Isidor Lowe, Generaldirektor der Waffenfabrik Akt.-Ges Ludwig Löwe u. Ko.; am 15. Oktober der frühere Präsident der Reichsbank Dr. Richard K o ch.
