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..A«grr«ltt.H-»s" Nr. 6850-5
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Nr. 1.
Sonntage 1. Januar ISIS.
59. Jahrgang.
Morgen ° Ausgabe.
i. Wcstt.
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Glückauf 1011.
D«rr Abschied vom alten Jahre und den Willkomm « das neue festlich zu begehen, ist ein alter irnd ein grter Brauch. „Zwischen dem Alten, zwischen dem Neuen hier uns zu freuen, gönnt uns das Glück!" Ilnö whl dem, der sich diese Freude an der Gegenwart, deren (Grundlage die Hoffnung auf die ungewisse Zukunft ist nicht durch pessimistische Erinnerungen an die Vergangenheit trüben läßt, wenn er beim Jahresschluff fetten Blick rückwärts wendet und die Rechnung über tan Soll und Haben abschließt, die Bilanz des Jahres 1910 zieht.
Diese Gewohnheit, an der Jahreswende zurückzu- fcßiten auf das, was das entschwundene Jahr gebracht hot, ist eine wohltätige und nutzbringende Gewohnheit. Denn wenn uns das Jahr 1910 auch der Mühen und Sergen, der Not und Trübsal ein gemessen Teil beschert hat, einen Trost bietet uns doch der Rückblick auf diese Zeit der Mühen und Sorgen. Eines Teiles jener Übel vermögen wir uns heute kaunt noch zu erinnern, und ein anderer Teil, der uns damals unerträglich erschien, will uns jetzt, da er weit hinter uns liegt, schon klein und gering dünken.
Die allerschlimmsts, größte Plage Wird endlich dach noch überwunden;
Der allerschrecklichste der Tage Hat auch nur 24 Stunden!
Wenn wir deshalb beim Beginn des neuen Jahres das Konto unseres Hauptbuches in Ordnung bringen, % h Gewinn- und Verlustrechnung aufmachen, so gesteht das mit einer gewissen abgeklärten Ruhe, denn e Konten, die Ereignisse, die uns einst in Erregung ersetzten, sind heute für uns abgeschlossen. Wir stehen m Hauptbuchs unseres Lebens gleichsam nicht mehr genüber als der Geschäftsinhaber selbst, sondern als >: Bureauchef, der mit objektivem Gleichmut fremde ' osten dem Kredit und Debet einregistriert. Denn nur, ter das Ganze ins Auge faßt, wer sich bemüht, seine iaene Persönlichkeit nicht als den Mittelpunkt anzu- ehen, um den sich die Geschehnisse gruppieren, wer den Slick auf den langsam, aber unhemmbar fortschreiton- ;ert Gang der Menschheitsentwicklung richtet, nur der ,-strd auch mit dem richtigen Blick in das vergangene Jahr zurückschauen. Und wenn die Chronik des Jahres 1910 nur wenige Taten von weltbewegender Bedeutung oird melden fötmeit, so vermag sie doch von manchen, w nn auch tetlweise teuer erkauften Fortschritten von Pissenschast und Technik —- wir erinnern nur an die Neuesten Leistungen der Aeroplane — zu berichten. Und dürfen wir es doch des weiteren mit Befriedigung verzeichnen, daß wir in diesem Jahre von besonders chweren Katastrophen verschont geblieben sind, daß
FemÄeLE.
Mächörnck verboten.)
GraLel.
Eine lustige Silvestergeschichte von E. M. Siosch.
„Mein Freund, du willst also das Schicksal befragen?"
„Jawohl."
„Das, was dein Vater und Onkel dir saget:, erkennst du natürlich nicht als Schicksal an."
„Fällt mir nicht ein. Sage selbst, Hans, eine Frau sich zudiktieren lassen, das geht zu weit. Hildegard ist mir gewiß als Cousine sehr lieb, wenngleich ich mir sogar eine Base etwas entgegenkommender wünschte, — etwas wärmer, süßer, »veiblicher, 'weißt du.' Und daneben nun all die anderen Mädels, Hildes Freundinnen. Tu" --er faßte den Freund aufgeregt am
Rockknopf — „gestehe zu, ist nicht immer eine reizender wie die andere?"
„Ohne Zweifel, Gerd. So reizend, daß du nicht weißt, welche von ihnen du nehmen sollst."
„Das ist es ja eben", rief der junge Gerd Franke ■ itt komischer Verzweiflung aus. „Ich habe nichts bargen, mir ein holdes Weibchen zu nehmen. Das weiß Wer und schleppt mich daher zur Pürsch auf Onkel Mich-."ls altes Schloß, damit ich das schöne Schloß- träulein Hilde —. seit Kindesbeinen sah ich! sie ja nicht - nun als Jungfrau erschaue. Warum? Weil er mb Onkel Michael sich längst ausgedacht haben, ich olle mich ausgerechnet in Hilde verlieben. Und sie sich
mich. Fällt uns allen seiden nicht ein, das auf inommando zu tun."
uns in dem „Kometenjahr", welches blinder Aberglaube als ein Unglücksjahr bezeichnet hatte, der goldene Friede erhalten geblieben ist.
Viel Freud und viel Leid bedeutet dies Jahr, dos wir heute abschließen, für den einzelnen, aber wie vieler Millionen Freuden und Leiden bedarf es, um aus dem Geschick des einzelnen das Geschick einer Nation zusammenzusetzen? Und wie vieler Länder und Völker Schicksale müssen zusammenwirken, um dos Schicksal der Menschheit gtt bilden. Und dennoch, wenn auch der Mensch nur ein Sandkorn darstellt, wenn auch ein Jahr zwar viel für unser Leben, aber wenig für das Volksganze und nackt weit weniger für die Entwicklung der Menschheit bedeutet, so fügt sich doch Jahr ztr Jahr, und aus den Jahren fetzt sich zum Schluß das zusammen, was wir Sterblichen Ewigkeit nennen. Diese Erkenntnis bedeutet für uns alle die tröstliche Gewißheit, daß die Arbeit unseres Lebens und auch die Arbeit dieses Jahres nicht verloren ist.
Und Wer mit offenen Augen zurück- und um sich blickt, wem die Gegenwart das lebendige Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft darstellt, der wird aus den Fortschritten, welche die Menschheit in ihrer jahrtausendelangen Entwicklung kämpfend errungen hat, unschwer die Hoffnung auf eine noch bessere Zukunft schöpfen. Und deshalb soll der Mensch eben und zivar nicht bloß am Jahresende, das ja int Grunde nur einen äußerlichen Abschnitt darstellt — bald vorwärts, bald rückwärts schauen. Er mutz den Blick heften auf das, was ihm gtt erreichen noch übrig bleibt; er soll mit dem Erreichten sich niemals begnügen, sonst wird er träge und stumpf werden. Aber es ziemt ihm auch, von Zeit zu Zeit zurückzublicken und sich des Erreichten zu freuen, denn, ohne eine gewisse Freudigkeit erlahmt der Trieb vo'KärtszustxebM. Dem Muff- gen gehört die Welt, und tzramliches, banges Verzagen bat it«® niemand geholfen. Liegt Loch auch darin, daß wir den Abschied vom alten Jahre und den Beginn des neuen in festlicher Stimmung begehen ein, wenn auch vielleicht bei vielen nur unbewußtes, und gewohnheitsgemäßes. aber doch eben ein Bekenntnis zu eiirem hoffnungsfrohen, der Schwarzseherei abholden Optimismus. Und deshalb soll auch heute, wie Jahr um Jahr, mit utigeschwächter Kraft und vertrauender Hoffnung allüberall der fröhliche Gruß erklingen:
Prosit Neujahr!
DettLschZs Reich.
— Wie der Rerrjahrsempfang der Generale beim Kaiser verläuft. Mer Len Verlauf des Neujahrsempfangs der kommandierenden Generale beim Kaiser wird uns folgendes geschrieben: Die Gralulatianscour der kommandierenden Generale ist durch die streng geheimgehaltene Besprechung aller militärischen Fragen Zwischen dem obersten Kriegsherrn und feinen hervorragendsten Offizieren für das Heer von außerordentlicher Bedeutung und wird darum
„Kann ich euch nicht verdenken. Aber, Gerd, eure Väter sind keine Unmenschen; sie werden, wenn ihr eine andere Wahl-trefft, seufzen, ein bißchen schimpfen, und dann ihren Segen geben. Vielleicht hat Schön-Hilde längst eilten anderen ins Herz geschlossen. Und du hast dies Gleiche, wie mir scheint, mit ihren sämtlichen Freundinnen getan."
„Na — du trägst etwas stark auf. Aber drei von ihnen kämen allerdings zur engeren Wahl."
„Also damt bist du, sozusagen — ein gewisses Tier zwischen drei Bündeln Heu."
„Erlaube mal."
„Gerne. — Und ein Silvester-Orakel soll dir nun sagen, welches dieser Heubündel für dich das bekömmlichste wäre?"
„Ta du dich nun einmal io auszudrücken beliebst, — jawohl, Hans."
„Deine Idee ist nicht schlecht und für einen Großstädter sehr begreiflich."
„Na, nun höre auf zu spotten", rief der junge Mann im Jägerhabit unmutig aus. „Als ob in solch einem alten Gemäuer wie Onkels Schloß nicht atlch einem modernen Menschen romanAsche Anwandlungen kommen könntet!. Und der Jägerbursche Peter bat mir von vier Fällen erzählt, wo gerade dieser Silvester- btauch die Wahrheit verkündet bat."
„Du machst mich tatsächlich neugierig!"
Hans Reichenberg, der zusammen mit seinem Schul- und Studienfreund Gerd Franke und dessen Vater eure Jaadeinladung auf das herrliche alte. Waldschloß erhalten und befolgt hatte, machte nun ein so tiefernste? Gesicht, dass der Freund von der Wandlung seiner Gefühle überzeugt sein konnte. „Erzähle doch endlich einmal, um was für einen Brauch es sich eigent-
nichL nur von der militärischen Welt mit großer Spannung verfolgt. Mer Len Inhalt der Besprechungen lassen sich naturgemäß keinerlei Witteilungen machen, aber eine Schilderung des äußeren Vorganges wird von Interesse sein. Zuerst ist ztt bemerken, daß die allgemeine Bezeichnung „Glückwunsch der komMandierenden Generale" nicht völlig zuirifft, da nicht nur die 23 kommandierenden Generale des deutschen Heeres bei diesem Reujahrsempfang zugegen sind, sondern auch alle anderen Offiziere, die einen gleichen oder einen höheren Rang habeir. Außerdem sind zu dem Neujahrsempfang noch die im gleichen oder höheren Rang stehenden Offiziere der Flotte befohlen. Der Gesamiempfang aller Offiziere erfolgt im Königlichen Schlosse zu Berlin durch den Kaiser selbst. Früher wurde beim Empfang durch den rangältesten General an den Kaiser eine Ansprache gehalten, in der militärische Fragen behandelt wurden. In den letzten Jahren war es stets der GeneralfÄdrnarschaL Graf v. Moltte, der diese Ansprache an den Kaiser hielt. Mit dem Tode des Generalfeld, marschalls ist aber diese Einrichtung abgekommen, und an ihre Stelle ist die intimere Aussprache zwischen dem Kaiser und seinen Generalen getreten, da der Kaiser den einzigen Tag im Jahr, an dem alle hohen Offiziere um ihn versammelt sind, dazu benutzen will, um genauere mündliche Mitteilungen über den Stand und die LÄstu»-- gen der Armee und der Marine zu erhalten. Die Ansprache des rangältesten Generals fiel darum aus persönlichen Wunsch des Kaisers fort. Die Zusammenkunft dauert im allgemeinen eine Stunde. Rach dem Empfang nehmen alle Offiziere im Gefolge des Monarchen an der „großen Parole" im Zeughaus teil. Dann werden sie zur kaiserlichen Tafel gezogen, an der außer den Generalen noch die Prinzen des königlichen Hauses und einige Minister teilnehmen.
* Fortschrittliche Wolkspartei und ROi-rnallhDUle. Abg. Baffermann fühlt seine Ohnmacht, seine schmr im Dezember 1809 in Cöm ausgesprochene Ansicht in die Tat umzufetzen: „Mir erscheinen die Zeiten endgültig vorüber zu sein, daß Liberale unter sich Gegenkandidaten aufstellen." Jetzt zum Jahresschluß schreibt er in einer politischen Neujahrsbetrachtung in den „Rail. Bl." über die Lage der Nationalliberalen: „Schwerer
Kampf steht uns bevor. In jedem Wahlkreis zunächst als Gegner ein Sozialdemokrat, der die Gunst der durch den schwarzblauen Block für ihn geschaffenen Lage nützen will. In einigen Dutzend Wahlkreisen wird er ohne Stichwahl als Sieger über die Bahn gehen, irr einigen Dutzend anderen wird der Sozialdemokrat mehr oder weniger unbestritten in die Stichwahl kommen. Als Gegner treffen wir zum zweiten in den Zentrumsreviercn den Zentrums- mann, ihm vielfach verbündet der Bündler und der Konservative oder umgekehrt ein Bündler oder Konservativer vom Zentrum unterstützt. Da die Einigung mit der Fortschrittlichen Volkspartei in manchen Provinzen nicht zustande zu kommen scheint, muß damit gerechnet werden, daß sich da und dort Liberale gegenseitig ans den Stichwahlen a u s s ch a l t e n, an anderen Orten, wie beispielsweise in Hannover, wird uns eine Gegenkandidatur der Volkspartei nicht viel Abbruch tun." Von den Wahlen trennt uns voraussichtlich noch ein Zeitraum von fast drei-
lich handelt, und was du. vorhast für heute abend. Vielleicht ist wirklich etwas dran."
Ter Gefragte zuckte wie im höchsten Gleichmut die Achseln und zündete sich eine neue von des Onkels guten Zigarren an. „Ich will nicht behaupten, daß etwas dran ist, aber — was schadet ein Versuch?: Schließlich ist es immerhin ein Spaß. Also höre, altes Haus. Es herrscht hier in dieser wett- und spvttferncn Gegend der Glaube, daß ein Jüngling seine Zukünftige zu sehen bekommt, wenn er am Silvesterabend sogleich nach Dunkelwerden Latten von einem Zaun bricht und diese in der Nacht kurz vor 12 Uhr im Ofen verbrennt. Er darf dabei rein Wort sprechen und muß allein im Zimmer sein. Tann öffnet sich die Tür und herein tritt die Maid, die ihm vom Schicksal als Ehe- gespons zugedacht ist. Sie wärmt sich am Feuer und geht dann wieder hinaus; er aber hat seilte Offenbarung."
In schweigendem Nachdenken saß Hans Reichen» borg. Dann sprang er jäh auf, wie vott dem tiefen Sinn des Gehörten erregt und überwältigt. „Wahrhaftig, Gerd", rief er aus, „tu diesem alten Volksbrauch steckt etwas. Und ist es.tü' wirklich Wahrheit, was er birgt, w doch ohne Z siche Poesie. Tu
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