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Gerte 22 ,

Sonntag, 25. Dezember 1910.

Wiesbadener TaMaR.

Morgen-Ausgabe, 3« Blatt.

Nr. 601

Wiesbadener Hur leben,

Die Entwicklung zum Weltkurort.

Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und der .Beginn des 20. Jahrhunderts war für die gesamten deutschen Kur- und Badeorte eine Epoche ungewöhnlich schneller Entwicklung. Allein in der kurzen Zeit von 1895 bis 1900 betrug die Zunahme der wirklichen Kurgäste in den preußischen Mineralbädern über 100 %, bei einer Frequenz derselben von 168 639 im Jahre 1895 und 345 909 im Jahre 1900, die Zunahme des Besuches der Kurgäste in allen preußischen Bädern. 60,15 % bei einer Frequenz von 365572 imjahro 1895 und 585 460 im Jahre 1900. Auch in den Jahren 1903 bis 1905 stieg die Zahl der Besucher aller deutschen Bäder von 874 894 im Jahre 1903 auf

I 073 001 im Jahre 1905 oder um 22,64 % Naturgemäß hatten an dieser schnellen Zunahme die größten deutschen Badeorte auch den stärksten Anteil, und zwar nicht nur absolut, sodern auch prozentual.

Nach den Kurlisten der betreffenden Badeorte betrug die Zunahme der Gesamtfrequenz, deren Tempo natürlich zeitlich und örtlich verschieden war, von 1890 bis 1907 in Baden-Baden 21 %, in Karlsbad 80 %, in Wiesbaden 77 %. Die Statistik zeigt allgemein, daß sich die drei Badeorte in den Jahren 1890 bis 1896, bis zum Beginn der Hochkonjunktur, auf ihrer erreichten Höhe behaupten konnten, daß Karlsbad mit seiner geringsten Frequenz im Jahre 1890 von 55 093 sogar eine Zunahme von einigen Tausend erfuhr. Wiesbaden überholte seine schon sehr hohe Fremdenziffer von 102 028 im Jahre 1890 noch um einige Tausend, mit Ausnahme des Jahres 1892, in welchem die Frequenz die niedrigste Ziffer erreichte. Der Ausbruch der Cholera in Hamburg beeinträchtigte den Fremden­verkehr dieses Jahres. Der gewohnte Touiustenström am Rhein, der in den Passanten einen großen Teil der vorübergehenden Besucher an die nahe dem Rhein gelegene Stadt abgibt, fehlte im Herbst dieses Jahres fast gänzlich, in der Hochkonjunkturzeit von 1897 bis 1900 stieg die Frequenz von Baden-Baden um 8 %, von Karlsbad um

II %, von Wiesbaden um 17 %.

Im 20. Jahrhundert war die Entwicklung des Fremden­verkehrs in Wiesbaden von der der beiden anderen Bade­orte stark verschieden. Baden-Baden zeigt eine kleine, schwankende, Karlsbad eine bedeutendere, kontinuier­liche Zunahme von 34 %, während letztere in Wiesbaden eins sehr sprungweise ist, durch den Konjunkturwechsel und interne Verhältnisse verursacht. In den Krisisjahren 1901 bis 1903 ging der Verkehr zurück, seit 1904 und be­sonders 1907 nahm er bedeutend zu. Von 1904 bis 1907 wurde der Kurhausneuhau errichtet, am 11. Mai 1907 wurde letzterer im Beisein Sr. Majestät Kaiser Wilhelms II. eingeweiht. Die Anziehungskraft desselben, besonders auf den Strom der Vergnügungsreisenden, ist sehr groß, sodaß die Frequenz von 1907 eine Zunahme von rund 20 000 gegen das Vorjahr hatte. Die Zunahme von 1900 bis 1907 betrug 33 %. Zu der Frequenz haben zweifellos wesentlich wie auch in der vorigen Periode, die jährlichen Kaiser- besuche beigetragen, mit denen regelmäßig glanzvolle Festlichkeiten (Maifestspiele) verknüpft sind. Die Steige­rung des Verkehrs war also von 18S0 bis 1907 in Wiesbaden absolut größer wie in Karlsbad, absolut und prozentual stärker wie in Baden-Baden. Deshalb gestaltete sich auch das Verhältnis der Frequenz dieser drei bedeutendsten der deutschen und österreichischen Badeorte noch mehr wie seither zu Gunsten Wiesbadens,

Es betrug die Frequenz von

Baden-Baden: Karlsbad:

1890 . 61,36% 54,00%

1907 ..... 41,96% 54,70%

der Frequenz von Wiesbaden. Ein Vergleich mit der Frequenz der anderen bedeutenderen deutschen Badeorte zeigt, daß diese drei Bäder und in erster Linie Wiesbaden an Frequenz alle anderen um bedeutendes überragen, selbst wenn man ihre Passantenzahl abzieht und die größere Ungenauigkeit der Statistik ihres Riesenverkehrs berück­sichtigt.

Betrachtet man die Angaben der Königlichen Polizei­direktion über die Zusammensetzung der Kurfremden Wiesbadens nach Nationalitäten in den Jahren 1895 bis 1907 mit den betreffenden Angaben über Baden-Baden und Karlsbad, so findet man bei allen drei Badeorten eine absolute Zunahme der ausländischen Besucher, seit 1896 resp. 1907 bei Wiesbaden und Baden-Baden auch eine kleine prozentuale» Zunahme, bei Karlsbad eine weitere prozentuale Abnahme. Mit Ausnahme gerade dieser letzten Jahre setzt sich die seit 1873 konst atierte prozentuale Abnahme des ausländischen Besuches in allen drei Bade­orten fort; sie war am stärksten bei Baden-Baden mit einem Rückgang von 31, am geringsten bei Karlsbad mit 13, bei Wiesbaden betrug der Rückgang 22 von 1867 bis 1907. Die größte absolute Zahl der Ausländer hatte 1867 Baden- Baden mit 30 782, 1907 Karlsbad mit 36 075, die aber Wiesbaden bald erreichte mit 32 549 Personen. Die stärkste Zunahme der ausländischen Besucher in der letzten Zeit, von 1896 bis 1907, hatte Wiesbaden, sie betrug fast 100 %.

Während 1867 nur in Wiesbaden die Zahl der in­ländischen Gäste die der Ausländer überragte, dagegen aber in Baden-Baden und in Karlsbad überragt wurde, war 1907 nur noch in Karlsbad der ausländische Besuch um 15 % stärker als der inländische. In Baden- Baden und besonders in Wiesbaden wurde ersterer von letzterem ganz bedeutend übertroffen.

Die Ursache des stärkeren ausländischen Besuches in Karlsbad beruht zum größten Teil auf dem großen Besuch der Angehöriden des Deutschen Reiches. Letzterer betrug 1901: 33 %, 1907: 28 % der gesamten Zahl der Kurgäste, während in Baden-Baden 1900 von den Aus­ländern die Amerikaner mit 5 %, 1907 die Franzosen mit 6 %, in Wiesbaden 1900 die Holländer mit 3 %, 1907 die Russen mit 4 % am stärksten an dem Besuche beteiligt waren. Diese Differenzen beruhen zum Teil, so meint L>r. Rompel in seinem Buche überDieEntwicklung Wiesbadens als Fremdenstadt, auf der größeren oder geringeren Entfernung des Badeortes von dem Heimatlands der Kurgäste, zum Teil hat auch die Verschiedenheit des Kurcharakters der einzelnen Badeorte, so der fast aus­schließliche Heilcharakter Karlsbads, während Baden- Baden und Wiesbaden auch als Vergnügungs- und Luxus­bäder eine bedeutende Rolle spielen, schließlich nationale und politische Sympathie und Apathie, einen Einfluß auf die Zusammensetzung des ausländischen Besuches.

Wichtiger aber wie die Anzahl der ausländischen Be­sucher ist natürlich die Zahl der gesamten Besucher, und in dieser Hinsicht stellt Wiesbaden an der Spitze. Diesen Umstand verdankt das Bad auch zweifellos zum Teil der Großstadtentwicklung seit Beginn der letzten Periode. Die Einwohnerzahl von Wiesbaden erreichte 1906: 102 327, zufolge steigenden Geburtsüberschusses und steten Wanderungsgewinnes, wie die betreffenden Zahlen seit 1890 zeigen. Dieser Bevölkerungszuwachs von innen, und außen muß in der ganzen Zeit von 1867 bis 1907 be­deutend größer gewesen sein, denn Wiesbaden bat die meisten preußischen Städte, die 1867 ungefähr die gleiche Einwohnerzahl besaßen, an letzterer in diesem Zeiträume weit überholt. Außer den hochindustriellen Städten Dortmund und Kiel mit ihrer großen Anhäufung von Arbeitermassen hat Wiesbaden allein im Jahre 1905 die 100 000 erreicht.

Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, als Wies­baden ohne jegliche Eingemeindung von Vororten, zu der die Gelegenheit reichlich vorhanden war. und ohne da« Bestehen, von größeren gewerblichen Anlagen mit mehr als lokaler Bedeutung, in die Reihe der Großstädte ein­getreten ist. Den geringen gewerblichen Charakter der Stadt zeigen die bekannten Ergebnisse der Berufs- und Betriebszählung von 1882 und 1895. Die Zahl der 1895 in den 434 Betrieben der Bisen-, Textil- und chemischen Industrie beschäftigten Personen betrug zusammen 2 024, also noch weniger als die Arbeiterzahl eines modernen industriellen Großbetriebes, wie z. B, des Aachener Hütten-Aktien- Vereins in Rote Erde, der 1893 3 185 Mann beschäftigte. Demgegenüber ist irn Jahre 1895 die Zahl der in der Berufsgruppe: Beherbergung und Erquickung

beschäftigten Personen die größte nach der Zahl der im Handels-, Bekleidung»- und Baugewerbe beschäftigten Personen; von 1882 bis 1895 stieg sie um rund J00 ° 0 /. In dieser Hinsicht bildet also die Großstadtentwicklung Wiesbadens, die fast ausschließlich aus dem Aufblühen von Fremdenverkehr und Fremdenindustrie zu erklären ist, einen sehr seltenen Fall. Es zeigt sich, daß Groß­stadt und Kurstadt einander gefördert haben. Besonders hat das Anwachsen des Bades zur Großstadt den Besuch der Vergnügungsgäste gefördert, aus denen sich ja der größte Teil der Passanten rekrutiert. Die mannigfachen großstädtischen Unterhaltungen und Vergnügungen, besonders die Kurhaus-Veranstaltungen, ziehen jährlich einen großen Strom der Touristen am Rhein wie der Erholungsgäste an, die sich bei regnerischer Witterung in den kleinen Badeorten und Sommerfrischen nicht wohlfühlen. Besonders begünstigt aber wurde in dieser Hinsicht die Winterkur und der Fremdenzuzug.

Nach den polizeilichen Aufzeichnungen waren an­wesend im Jahre 1907:

absolut prozentual

- April 1 Kurg. Pass. Zus. Kurg. Pass.

-Jan. J24102 41757 65859 35,89 38,05

im Sommer: April Oktober 431SV 67957 111144 64,11 61,95

"67289 109714 177003 100.00 100,00

Über die Entwicklung des Fremdenzuzugs geben gleich­falls die Aufzeichnungen der Königlichen Polizeidirektion Aufschluß. Die Zahl der Niederlassungen betrug:

1890

*

665

1899

.

. .-

1891

616

1900

. . 601

1892

619

1901

.

. .

1893

450

1902

. . 698

1894

420

1903

. .

1895

509

1904

. . 546

1896

488

1905

. . 658

1897

607

1906

.

. . 887

1898

629

1907

.

. . 614

Betreffs

der

Zusammensetzung nach

Nationalitäten

sind für die Jahre 1895 bis 1898, 1902, 1904 bis 1907 Auf­zeichnungen vorhanden. Sie erweisen sehr klar den oben behaupteten Zusammenhang zwischen Fremdenverkehr und Fremdenzuzug.

Von den ausländischen Nationen sind Rußland, England, Holland, Vereinigte Staaten, die im stärksten Maße an dem Fremdenverkehr beteiligt sind, auch dem­entsprechend an dem Fremdenzuzug beteiligt, allerdings in noch geringerem Prozentsatz gegenüber Deutschland als bei ersterem. Den stärksten auswärtigen Zuzug brachte das russische Revolutionsjahr 1906 mit 60 russischen Niederlassungen. Der deutsche Zuzug ist am stärksten aus Preußen, Hessen und Hamburg. 1897 betrug er 396, 48, 9, zusammen 453 oder 82,51 % des gesamten Zuzugs aus Deutschland mit 549 Niederlassungen.

Wie ein Vergleich mit den nach den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes zusammengestellten Angaben in der Denkschrift: Preußens Städte S. 48 ff. zeigt, stand Wiesbaden 1905 hinsichtlich der absoluten wie besonders der relativen Zahl an einer der ersten Stellen. Es waren geboren auf 1000 Einwohner im Reichsland:

1880 190 5

1. In Europa ....... 30,2 35,0

2. ,. anderen Weltteilen . . 7,7 6,6

Wiesbadener Einwohner.

Es wiesen nur höhere Ziffern auf betreffs Nr. 1: 1880 5, 1905 9 preußische Städte (mit über 25 000 Einwohner im Jahre 1905), meist Grenzstädte. Betreffs Nr. 2 stand Wies­baden 1880 weit an der Spitze. Es reihten sich an Wands­beck mit 5,4, Osnabrück mit 1,9, die meisten Städte weisen nur Bruchzahlen auf, 1905 wurde Wiesbaden nur von Wilmersdorf mit 7,0 übertroffen. Es reihten sich an die anderen Berliner Vororte, Charlottenburg mit 4.8, Schöne­berg mit 4,5, sodann Frankfurt a. M. mit 2% Wandsbeck mit 2,6, Hannover mit 2,3, während die anderen Städte Zahlen unter 2 und größtenteils unter 1 aufweisen.

UcT UST

Mehr Auslandsreklame.

Wiesbaden ist Deutschlands größte Kur- und Frem­denstadt, das ergibt die Volkszählung und besonders die Zählung der Kurfremden. Daß Wiesbaden trotzdem mit seiner Reklame weit hinter bedeutend kleineren Kur­orten steht, ist wiederholt betont. Heute aber sei einmal darauf aufmerksam gemacht, daß Wiesbaden in deut­schen Zeitungen so ziemlich genügend Reklame macht. Im Interesse unserer Bäderstadt ist das sicherlich zu be­

grüßen. Leider verhält es sich nicht so mit den auslän­dischen Zeitungen. Von den hier lebenden, Schriftstellern befassen sich nur wenige mit fremdsprachlicher Feuilleton- Arbeit für die ausländische Presse, sehr im Gegensatz zu ihrer regen, Wiesbaden sehr nutzenden Tätigkeit in deut­schen Zeitungen. Die ausländischen Journalisten aber, die hier wochenlang nur verkehren, üben vielfach, ja sogar meist ungerechte Kritik an Wiesbadener Verhält­nissen. nicht aus Bosheit etwa, sondern weil sie che Ver­hältnisse nicht kennen. Mir als Pensionsinhaber sind solche Fälle aus französischen und englischen Blättern bekannt. Die Kurverwaltung sollte solchen hiesigen Schriftstellern, die, mit den Verhältnissen vertraut, unsere Badestadt empfehlend in fremdsprachlichen Blättern beleuchten, besonders entgegen kommen.

Nun zur Frage des Inserieren« ! Die Statistik Wiesbadens Fremdenzahl läßt, ersehen, daß etwa 50 000 Russen jährlich Wiesbaden besuchen, besonders auch zur Winterkur, ab Mitte Dezember bis Ende März, ferner wieder ab Mitte Juni bis zu den jüdischen Feiertagen im Oktober bezw. November. Jedem Beobachter wird gerade auch in diesem Jahr die eminent vorherrschend© Zahl an Russen aufgefallen sein. Nun ist mir noch in keiner russischen Zeitung, oder einer in Hebräisch in Rußland erscheinenden Zeitung ein Inserat begegnet. Warum nicht ? Es ist jetzt die Zeit, in der der Reklame-Etat bezw. die Blätter, in. denen inseriert werden soll, zusammen­gestellt wird. Man berücksichtige billigerweise auch Ruß­land, da« Land, das uns einen hohen Prozentsatz unserer Kurgäste liefert. Heringsdorf z. B. inseriert bereits jetzt dort fleißig, und sicher mit Erfolg. Auch in französischen, englischen und amerikanischen Blättern sollte öfter der Name Wiesbaden auftauchen, umsomehr, als gerade dort unsere Kurtaxe vielfach Anlaß zu scharfer Kritik gegeben hat. Auch die Vergnügungsgelegenheiten in hiesiger Stadt sollten mehr hervorgehoben werden. Der Reklame-Etat von 40 000 M. ist ja klein, aber umsomehr sollte die Kur­verwaltung auf seine zweckmäßige Verteilung bedacht sein. G.

Zu dem Schlußsätze dieser sehr beachtenswerten Aus­führungen sei bemerkt, daß die Kurverwaltung innerhalb der ihr gegebenen Möglichkeiten vollauf ihre Pflicht auch hinsichtlich der Auslandsreklame tut. Mit 40 000 M. ist aber nicht viel anzufangen, besonders dann, wenn man davon noch alle Reklame-Drucksachen neben den Anzeigen im In- und Auslande bezahlen muß. Erhöhung des Reklame- Etats auf wenigstens 100 000 M. muß demnach die Forde­rung lauten.

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Um das Kurhaus.

Das Kurhaus macht seine Weihnachtstoilette. Am Freitag Vormittag wurde in der Wandelhalle der große. Baum aufgerichtet, den zu schmücßen sich das Personal mit größtem Vergnügen und einem Eifer anschickte, der bewies, welch eine Freude ihnen gerade diese Arbeit machte. Hunderte von Glühlampen zieren den Baum und werden ihn während der Weihnachtstage in reichem Lichterglanze erstrahlen lassen, sodaß sein goldener und silberner Schmuck hell aufblinken wird, zur Freude der tausenden von Be­suchern, die das Kurhaus in den kommenden Festtagen sicherlich durchfluten werden. Die Kurverwaltung hat, wie in früheren Jahren, so auch diesmal wieder ein Programm aufgestellt, das dem feierlichen Charakter der Festtage volle Rechnung trägt, aber auch der ungebundenen Fröhlichkeit einen breiten Raum läßt. Am Vormittage des ersten Festtages soll an der Wilhelmstraße ein Promenaden­konzert stattfinden, für das Voraussetzung natürlich günstiges Wetter ist. Nachmittags findet das übliche» Abonnementskonzert statt, während der Abend dem An­denken Richard Wagners gewidmet ist. Für den zweiten Feiertag vormittags ist eine Orgel-Matinee vor­gesehen. für die als Mitwirkende Frau Äfferni-Brammer neben Herrn Afferni und Herrn Hahn gewonnen sind, welch letzterer Harfe spielt. Nachmittags findet wieder ein Konzert statt und abends ist mit der Violinistin Fräulein Melanie Michaelis ein Symphoniekonzert unter Affernis Leitung angesetzt. Am Dienstag finden die üblichen Konzerte statt und für Mittwoch endlich steht im Pro­gramme der große und beliebte Weihnachtsball der Kurverwaltung, der mit einer Verlosung von 20 sehr wertvollen Gegenständen verbunden ist, die heist hervor­ragende Erzeugnisse des deutschen Ivunstgewerbes sind. Wie im vergangenen Jahre wird auch in diesem der Ball­saal festlich ausgeschmückt, was sicherlich viel zur Belebung der Laune und Erhöhung der Stimmung beitragen wird.

Die Arbeiten am A d 1 e r b a d e schreiten begünstigt von dem vortrefflichen Wetter, rasch vorwärts. Es wachsen bereits die Umfassungsmauern mächtig empor. Wenn die kommenden Wintermonate den Bau­arbeiten nicht Einhalt gebieten, wird daa große Badhaus vielleicht im Frühjahre schon unter Dach gebracht sein.

jv jst

Meinungen und Wunsche.

Zu dem mehrfach schon behandelten Thema von den ,,B ehauptungen der Damen geht uns neuer­dings von einer Leserin die nachstehende Klage zu:

Bei dem letzten Zykluskonzerte waren wieder mehrere Damen mit den Hüten auf dem Kopfe im Saale erschienen. Ich erkundigte mich vormittags noch des­wegen beim Saalwächter und erhielt den Bescheid,die Hüte müßten abgenommen werden. Aber, siehe da, abends kamen rocht viele Damen, unbekümmert um die Vorschrift, mit riesigen Kopfbedeckungen an, rücksichtslos dem lieben Nebenmenschen alle Aussicht versperrend. Bei großem Andrang mag es ja schwer für das Kurhauspersonal sein, taktlosen Damen den Eintritt zu wehren wer sich der lieben Eitelkeit wegen aber gar nicht fügen und sich nicht ohne Hut­schmuck sehen lassen kann, der bleibe lieber draußen.

Diese Beschwerde ist ganz gerechtfertigt. Die Kurdirektion muß unbedingt darauf halten, daß die Damen auf bestimmten Plätzen ohne Hutschmuck er­scheinen. Wenn den Besucherinnen der Veranstaltungen

das notwendige, gesellschaftliche Taktgefühl abgeht, müssen sie eben gezwungen werden, die Rücksichten auf Nebenmenschen anzuerkennen durch unbarmherzige Zurückweisung an den Saaltüren.