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Sette 4. Mittwoch, 21. Dezember 191V. MirsdaÜLNeL' Morgen-Ausgabe, 1. *81«* Nr. 593.

welcher Lust und Freude die fröhliche Kinderschur unter der Leiterin des Fröbelschen Kindergartens Fortschritte gemacht hatten. Unter dem Ernmarschlied der Kinder.Auf, laßt uns fröhlich singen" wurde die Feier durch den Einzug der festlich -gekleideten Kinder eröffnet. Stach einem durch ein kleines Mädchen hübsch vorgctragenen Willkommengruß an die. Eltern, sowie an die sehr zahlreich erschienenen Freunde und Gäste hielt Herr Pfarrer Hahn zunächst an die Kinder, dann an die Er­wachsenen eine geeignete und im Hinweis auf das schönste Fest im Jahre tiefsinnige Ansprache. Alle Spiele und Gesänge wur­den von den Zöglingen aus das schönste ausgefübrt. Besonders erregte ein allerliebstes kleines Bürschchen von 3 Jahren durch seine gelungenen Borträge den großen Beifall der zahlreichen Anwesenden. Der Leiterin Fräulein Käthe Prochnow gebührt die vollste Anerkennung für ihre Mühe. Denn manche Nummer, besonders die beiden Weihnachtsfestspiele, wurden von mehreren Kindern vorzüglich zum Bortrag gebracht. Nachdem, zum Schlüsse ein jedes Kind seine Eltern durch ein selbstgearbeitetes ,Geschenk erfreut hatte, tvnrden sie von der lieben Tante mit 'einem kleinen Weihnachtsgeschenk überrascht und zogen beglückt und freudestrahlend nach Hanse.

Der Orientrciseklub Leipzig bereist zu Ostern Tunis- .Algier, Konstantinopel-Athen, im Sommer England-Schottland -und Schweden-Norwegen. Anfang September schließt sich daran «eine hochinteressante Tour nach der Krim, dem Kaukasus, Trcms- -Laspien, Moskau und Petersburg.

Kleine Notizen. Gestern nachmittag entstand in der Röderstraße 20 eilt Kaminbrand. Der Feuerwehr gelang es alsbald, den Brand zu löschen. Donnerstagnachmittag 4 Uhr begeht derW a n d e r v o g e l" seine Weihnachts­feier am Chausseehaus im Freien. Am Sonntag, den . Dezember, feiern die Eheleute Johann Ott und Frau, geb Hoffinger, das Fest der silbernen Hochzeit.

Theater, Kunst, Vorträge.

* Schreibers Konservatorium für Musi! (Adolfstraße -6). Linen ungetrübten Genuß hinterließ der Sonntag, den 18.' Dez., Im Saale desRheinhotels" abgehaltene Vortragsabend von Schülerinnen und Schülerir aus Mittel- und Oberklassen. Besonders wirkungsvoll kamen eine Reihe von Klaviernummern zu Gehör, so die Sonate op. 31 (G-Dur) von Beethoven durch Fräulein Germann. die Sonate op. 10 (C-Moll) vmr Beethoven durch Fräulein Elise Fällen, zwei Lieder ohne Worte von Mendelssohn (Fräulein Mimi Langer), Abends^von Raff und ÄS-Dur-Walzer op. 34 von Chopin (Herr Siegfr. Wille), (Moments musicaux von Schubert. Pantomime von Moszkowsktz nind Spinnerlied von Mendelssohn, vorgetragen von Werner kLuckow, bildeten Glanznummern ersten Ranges. Als Rezita- (torin von großem Können und Talent zeigte sich Fräulein Lydia Bielschowski.Die Ballade vom Heideknaben" von Hebbel und Die Löwcnbraut" von Chamissa waren von besonders tief­gehender Wirkung. Sehr großen Beifall errang Fräulein Auguste Marx mit Liedern von Schubert und Schumann. Nicht geringeren Erfolg erzielte Herr Karl Köhler mitSchottische Weisen" von H. Sitt. So bildete der Abend einen glanzvollen Abschluß in der Kette vieler unbestrittener Erfolge dieses Jahres.

* Biophon-Theater, Wilhelmstraße 8. Die Beliebtheit der neuen amerikanischen Films ist vollkommen gerechtfertigt, denn kaum in irgend einem anderen Lande dürfte für den Ausnahme­operateur so geeignetes Terrain, Wald, Wiesen, Berge und Flüsse usw. anzutreffen sein, wie speziell in Amerika. Einen schlagenden Beweis hierfür gibt der 810 Meter lange Film -Jim, der Viehzüchter", der, erst am 10. Dezember erschienen, bereits dem jetzigen Programm eingereiht ist und der allein einen Besuch des Theaters lohnt. Hochinteressante Naturauf­nahmen zeigt man in dem BildeWinter in der Schweiz", Aus­nahmen aus den Bergen, toie sie nur in der großen Gtetscherwelt dem Menschen borgezaubert werden und aus die noch besonders hingewiesen sei. Auch derAlpenjäger", frei nach der Schiller- schen Ballade bearbeitet und inszeniert, ist eine Neuerscheinung die sich durch Schärfe der einzelnen Bilder, sowie durch das meisterhafte Spiel deutscher Schauspieler auszeichuet. Freund Lemke und das drollige Lottchen, das schon durch seinen ur­wüchsigen Humor so oft große Freude bereitet hat, sind auch diesesmal wieder in ihren neuesten und besten Schöpfungen ver­treten und vervollständigen das diesmalige Schlagerprogramur auf das beste.

* Orgelkonzert in der Marktkirchc. Das Programm des Mittwochkonzert in der vorigen Woche trug einen weihnacht­lichen Charakter. Herr Kammersänger Willv Fahr aus Darm­stadt hatte mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit seine Kunst in den Dienst der guten Sache gestellt und sang außer der schönen, seltener gehörten ArieVcrai prati" von Händel eine Anzahl wertvoller Weihnachtslieder von Pittnik, Cornelius und Arnold Mendelssohn, deren zartprächtigen Stimmungsgehalt er mit seiner vornehmen Kunst zu eindringlicher Wirkung brachte. Frl. Hertha Arndt ließ sich nach ihren Studien bei Martcau und Berber zum erstenmal wieder im Orgelkonzert hören, und zwar mit dem Andante aus dem A-Moll-Konzert von Bach und dem wenig bekannten Air aus einer Suite aus altem Stil von Vieux- temps, deren vorzügliche Wiedergabe mit Recht das lebhafteste Interesse für sich in Anspruch nabmen. Im heutigen Konzert, welches wie immer um 6 Uhr bei freiem Eintritt in der Markt­kirche stattfindet, wird zum erstenmal Herr Hans Sch-nh (Tenor), Opern- und Konzertsänger und Mitglied des Kgl. Theaters, miüvirken, außerdem hat die vortreffliche Cellistin Frl. H. Hertel ihre Mitwirkung zugesagt. Das Programm enthält vorzugsweise Weihnachtsgesänge, darunter zwei von I. v. Pfeil­schifter und dem Meininger Hofkapellmeister W. Berger. Pro­gramme mit Text sind zu 10 Pf. an der Kirchentür erhältlich.

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* Sonntagsmorgen-Konzerte. Aus fachmusikalischen Kreisen

gebt uns folgende Mitteilung mit der Bitte, sie zu veröffent­lichen. zu: Eine Anzahl hiesig'er bestbekannter Künstler trägt sich mit dem Gedanken, bei genügender Beteiligung seitens des Publikums und dadurch bedingte Sicherstellung des finanziellen Erfolges volkstümliche Sonntagsmorgen-Matinees (11.30 bis 12.40 Uhr) musikalisch-literarischen Charakters zu außerordent­lich mäßigen Preisen zu veranstalten. ES soll nämlich die Matinee 1 M rcsp. 70 oder 50 Pf. kosten. 12 Matineen in Aussicht genommen sind, werden für je 4 Matineen Abonne­ments ausgegeben mit der Maßgabe, daß bei Abnahme von zwei Abonnements eine Matinee, bei Abnahme von vier Abonnements zwei Matineen gratis gegeben werden. Jnteresienten sei mit­geteilt, daß die Matineen in chronologischer Reihenfolge die be­deutendsten Komvonisten seit Händel in Verbindung mit einigen zeitgenössischen Dichtern bis auf Cornelius behandeln sollen, wie dies in Süddeutschland schon lange cingeführt. Sub­skriptionslisten liegen in allen hiesigen höheren Schulen, bei den Pedellen und sonst noch bekannt zu machenden Stellen zum Einzeichnen aus. Zur eventuellen Auskunft ist Kapellmeister Reifenberg, Kapellenstratze 8, bereit. '

* Das Frankfurter KsmödicnhauS hat für die Weihnachts- feiertage folgenden Spielplan zusammengestellt: Sonntag, den 25. Dezember, miltags 12 Uhr: Matinee,Das Märchen" (kleine Preise). Nachmittags 3% Uhr:Taifun" (ermäßigte Preise). Abends 8 Uhr:Gawan". Montag, den 26. Dezember, mittags 12 Uhr: Matinee,Das Märchen". Nachmittags 3% Uhr: Taifun". Abends 8 Uhr:Man soll keine Briefe schreiben". Dienstag, den 27. Dezember, abends 8 Uhr:Man soll keine Briefe schreiben". Am 31. Dezember eröffnet der Wiener Komiker Max Pallenberg in dem SchwankeFamilie Schimek" ein mehrtägiges Gastspiel.

Aassanische Uachrrchten.

pp. Runkel, 18. Dezember. Der hiesige Schützen- verein veranstaltet voraussichtlich aus Anlaß des 60jährigen Jubiläums im Juni nächsten Jahres ein Jubiläums- Preisschießen, verbunden mit einem Volksfest. Der Ver­ein wurde am 29. Juni 1861 von dem damaligen Landober­schultheis Kräh gegründet.

" Marienberg, 17. Dezember. Wie die Monatsschrift des Wssterwaldklubs. derWesterwälder Schauinsland", berichtet, haben sich auch auf dem Westerwald die S Ä ü l e r h c r b e r a e n

recht erfreulich entwickelt, ein Beweis dafür, daß auch unser Ge­birge immer mehr als Reiseziel gewählt wird. Es besteht eme West - Ostwanderung (Rhein-Dill) mit fünf Herbergen: Flammersfeld, Altenkirchen, Hachenburg, Marienbcrg, Dillen- burg, rm Laufe des Jahres sind noch Ransbach und Wallmerod dazugekommen. Während im Jahre 1909 die Herbergen zu­sammen 242 mal in Anspruch genommen wurden, konnten im Laufe des Sommers 508 Nachtquartiere verzeichnet werden. Die beabsichsigtc Einrichtung einer zweiten, Ssid-Rordwande- rung, mußte unterbleibe, da sich allerlei Schwierigkeiten in den Weg stellten. Als Hauptwmiderzeit kamen Juli. August und September (die großen Ferien) in Betracht. Am stärksten unter den Wanderern waren die Gvmnasiasten vertreten, darnach kamen Studenten, vereinzelt wurden auch Seminaristen und Kunstgewerbcschüler beherbergt. Neben freiem Nachimmrtier erhalten die Wanderer jetzt auch ein freies Frühstück.

8. AuS dem OberwesterwaldkrciS, 18. Dezember. Der Kgl. Landrat empfiehlt den Schulvorständen der Landgemeinden, in dem von ihnen aufzustellenden Schulhaushaltsvornnschlägen für 1811 einen Betrag für den Unterricht in den ländli che N Fortbildungsschulen cinzustellen, damit man später bei Einrichtung der Schulen nicht wegen der Geldfrage auf Schwierigkeiten stoße.

Aus der Umgevnng.

v. Offenvach. 20. Dezember. Heute morgen wurde, wie dieOffenbacher Zeitung" meldet, am Nadslwehr der Schleuse die Leiche der seit dem 11. November verschwundenen 12- jährigen Tochter des Spenglermeisters Goebig gelandet.

* Mainz, 20. Dezember. Rhein Pegel: 2 m 12 cm gegen 1 m 73 cm am gestrigen Vormittag.

Gerichtliches.

Ans Wiesbadener Gerichtssäle«.

\rc. Automlllnl und Landloutc. Der 2. August v. I. ivar ein heißer -Sommertag und die Zahl derjenigen, welche sich Nachmittags mit Feldarbeiten beschäftigten, war eine sehr große. Auch in den jenseits Evbettheim, in der Ge­markung Nordenstadt, bel-egenen Feldern war eine große Anzahl von Personen bei dem Einernten der Feld- fruchte. Plötzlich bewölkte sich der Horizont und alles flüchtete, um sich vor dem zu erwartenden Gewitter­regen zu retten. Das lat auch das Personal eines Land­wirts aus Rordenstadt, welches an dem die Chaussee kreu­zenden Vizmalweg nach Hochheirn beschäftigt war. Zum Teil flüchtete man in eine Wirtschaft, zum Teil auf ein Fuhrwerk, welches dann, mit etwa 10 Personen beladen, in beschleunigtem Tempo -den Penaten zustrebte. Kaum aber befand sich der Wagen auf wer Straße, da fuhr plötzlich ein in rasendem Lauf dahersaufendes, ans der Richtung von Wiesbaden kommendes Automobil mit dem Erfolg wider den Wagen, daß dieser unikippte und erheblich demo­liert wurde. Die Insassen wurden zum Teil in das zunl Glück infolge des niedergegangenen Regens ausgeweichte Feld geschleudert, zum Teil kamen sie unter den Wagen zu liegen, und eine ganze Anzahl von ihnen erlitt mehr oder weniger erhebliche Verletzutgzon. Der Eigentümer des Autos war der-Freiherr v. Endres-Fürstencck, welcher auch mit seiner Frau sowie den: Chauffeur Christian Börner aus Langenschwalbach daS Gefährt okkupierte. Weil sich dieses aus dem -Staub machen zu wollen schien, nahm eine Anzahl Bauern, die sich durch Zuzug immer mehr ver­stärkte, gegenüber den Herrschaften eine drohende Haltung an und nahezu wäre es zu Exzessen gekommen. Freiherr v. Endres ist als ein strammer Fahrer bekannt. Es ist fest- gestellt worden, daß fünf Strafverfügungen wegen zu schnellen Fahrens wider ihn bereits ergangen sind. Bei der hier in Frage kommenden Gelegenheit war Fahrer der Chauffeur. Auf seine Schuld, d. h. weil er zu schnell ge­fahren und keine Hupensignale gegeben haben soll, ist nach der Ansicht der Anklageoehörde die Karambolage zurückzu- führen. Ein Schöffengerichtsurteil hat ihn wegen fahrlässi­ger Körperverletzung unter Verletzung seiner speziellen Be­rufspflichten mit 250 M. Geldstrafe belegt, mit diesem Ur­teil jedoch ist keine der Prozehparteien zufrieden. Sowohl der Angeklagte wie der Amtsanwalt haben dasselbe mit der Berufung angefochten, und Dienstag war die Strafkammer mit der Affäre befaßt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Börner eins vierzehntägige Gefängnisstrafe. Das Urteil lautete auf Verwerfung beider Berufungen.

ag. Die fingierte Heirat. Im Februar d. I. suchte die Ehefrau Wilhelmine L. in Bicbri ch ein hiesiges Wäsche­geschäft aus, wo sie unter der Vorspiegelung, ein bei ihr wohnhaftes Mädchen wollte heiraten, Wäsche inr Werte von ca. 90 M. kaufte. Als der Lieferant trotz mehrfacher Mahnung kein Geld bekommen konnte, forderte er die Frau auf, ihm die Waren wieder zurückzugeben. Dies konnte sie freilich nickst mehr, denn sie hatte dieselben kurz nach dem Kauf auf dem Pfandhaus versetzt. Eingezogene Erkun­digungen ergaben weiter, daß die Heirat des Mädchens nur fingiert war, das; überhaupt ein solches bei der Kundin nicht wohnte. Diese Manipulationei! brachten die Frau wegen Betrugs vor das Schöffengericht, das in Anbetracht ihrer bisherigen Unbescholtenheit eine Geldstrafe von 25 Mark über sie verhängte.

ag. Ein liebevoller Gatte. Der Privatier Hermann R. von hier lebt schon seit geraumer Zeit mit seiner Frau auf wenig friedlichem Fuße. Als beide am 1. September d. I. wieder einen Wortwechsel bekamen, nahm R. von einem Tische einen Glasleuchter und zerschlug ihn auf dem Kopse seiner Frau, die dadurch eine zweieinhalb Zentimeter tiefe Schnittwunde davontrug. Die Folge war, daß die Frau gegen ihren Mann Strafanzeige wegen gefährlicher Körper­verletzung erstattete. Das Schöffengericht zog das gespannte Verhältnis der Eheleute strafmildernd in Betracht und ver­urteilte den Mann zu 20 M. Geldstrafe.

Aus auswarrrgen GertchtssSIrn.

Die Borkmner Spionageaffäro vor dem Reichsgericht.

8. u. H. Leipzig, 20. Dezember. Vor dem Reichsgericht findet morgen die Verhandlung in der Borkumer Spionage­affäre statt, deren Ausgang man namentlich in deutschen und englischen militärischen Kreisen mit Spannung ent- gc gensieht. Die Anklage richtet sich gegen die beiden Eng­länder Br >andon und Tre n ch, von denen man den erste- ren für einen aktiven englischen Offizier hält. Er wurde in der Nacht zum 24. August d. I. auf der Insel Borkum dabei betroffen, wie er Photographien der streng geheim- gehaltenen Befestigungsanlagen der Intel machte. Das

konnte er in jener Nacht sehr bequem, als damals gerade der neue groß« Scheinwerfer prckbiort wurde, der zum Auf- suchen einer etwa !heoanuahc.nden Flotte dienen soll. Dieser Probe wohnte damals auch der kommandierende General bei. Brandon wurde beim Photographieren verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis nach Emden eingeliefert. Bei seiner Vernehmung, die mit Hilfe eines Dolmetschers vor sich ging, da Brandon nicht Deutsch spricht, berief er sich auf seinen Freund Trench. Erst dadurch wurde die Be­hörde auf den zweiten Engländer aufmerksam. Dieser stellte sich aber freiwillig dem Gericht, um, wie er sagte, seinem Freund behilflich zu sein, seine Unschuld zu beweisen. Trench wurde darauf in Freiheit belassen und inzwischen eine Durchsuchung der Effekten Brandons vorgenommen. Das Resultat dieser Untersuchung war, daß sofort auch gegen Trench ein Haftbefehl erging. Beide Verhafteten wurden in der Untersuchung streng abgesondert gehalten. Die von den Behörden sofort eingeleiteten Untersuchungen ergaben die weitere Tatsache, daß Brandon und Trench bereits im vorigen Jahr die deutschen Nordseeinseln aufgesucht und Zeichnungen awgefertigt hatten, offenbar auch zu Spionage­zwecken. Die beiden Verdächtigen -erklärten, daß sie ledig­lich Ferienreisende seien und die Photographien nur aus Liebhaberei ausgenommen hätten. Durch die im ihrem Be­sitz Vorgefundenen Plane mit ausgezeichnetem Zahlen - material und Meßinstrumente sind sie aber schwer belastet. In ihren Aussagen waren sie sehr zurückhaltend und brach­ten auch ihrem Rechtsbeistand, dem Rechtsanwalt Haber­felder aus Emden, der ihnen durch Vermittlung des Emde- ner englischen Vrzckonsuls beigegeben wurde, wenig Ver­trauen entgegen; sie verlangten die Zulassung eines engli­schen Rechtsanwalts. In England erregte die Spionage- afsäre natürlich das größte Aufsehen. Man versuchte die Wichtigkeit des Falls herabzusctzen, indem man ihn als Parallelfall zu dem des deutschen Offiziers Helm hinstellte. der in Portsmouth ein paar alte Kanonen photographiert hatte. Die deutschem Behörden scheinen dieser Auffassung aber nicht zu sein, denn -das dem Oberreichsanivalt eiitgci sandte Belastungsmaterial hat diesen veranlaßt, von Reichs wegen die Klage tu egen Ausspiomierung militärischer Ge­heimnisse zu erheben. Die beiden Verhafteten wurden nach Leipzig transportiert und sind bisher in strenger Einzelhaft geblieben.

Ein Urteil aus Ostelbien!

** Greifswald, 20. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Das Urteil gegen den Rittergutsbesitzer Becker wegen verleunrderifcher Beleidigung des Landrats v. Maltzahn lalltet auf -ein Jahr Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten.

c

Ein Muttermörder. Das Schwurgericht zu Paris Verurteilte Gaston Wache de Roo, der am 14. April seine Mutter, eine reiche Rentnerin, tötete, zulOJahren Gefängnis. Die Tal geschah in einem Wutanfall, der durch die unerwartete Entdeckung der Heirat der Mutter mit dem ungarischen -Bankier Hajov veranlaßt war.

Sport»

* Jagd. Der in diesen Tagen abgehaltenen Treibjagd im S chw an h e i m e r Jagdrevier der Frau Baronin v. Erlanger uttd des Bankiers Franz Borguis aus Frank­furt a. -M. wohnten die Herren Regierungspräsident D r . v. Meister, Landrat Br. Klauf-er, Divisionskommandeu r Scholz und andere Gäste bei. Geschossen tvnrden 7 Stück Damwild, 1 -Schaufler, 1 Rehbock, 114 Hasen und 3 Kaninchen.

Kleine Chronik.

Brandunfälle. Bei einem in der Hohlenhofstraße zu Hamburg ausgebrochenen Wohnungsbrande ist eins 64jahrige Frau so schwer verbrannt, daß sie starb; zwei kleine' Kinder erlitten leichte Brandwunden. Ter Brand ist durch eine Petroleumexplosion entstanden. In Wiesdorf sind drei Kinder eines Arbeiters, die vermutlich mit dem Ofeuseuer gespielt hatten, in der Wohnung erstickt. Tie Mutter, die die Kinder kurze Zeit allein gelassen hatte, fand bei ihrer Rückkehr die Stube verqualmt, die Ofenbank brennend und die Kin- der leblos in einer Ecke vor.

Gefährliche Spiele. Beim Heruniklettern an, Treppengeländer siel das sechsjährige Söhnchen eines Arbeiters in Halle a. d. S. im Treppenhause 4 Stock­werke hinab und blieb zerschmettert liegen. Ter Tod war auf der Stelle eingetreten. Als die Kinder desAr- beiters Fretzer in Nietsleben bei Halle a. d. S. mir brennenden Weihnachtskerzen spielten, gerieten ihre Kleider in Brand. Ein Kind erlitt den Flammentod, die übrigen drei trugen schwere Brandwunden davon.

Juwelendicbstähle. In dem Goldwarengeschäft vom Blitzstein zu Königsberg entwendeten Einbrecher Wertgegen- stände und bares Geld im Gesamtbetrag van 25000 M.. In Cöln wurde nachts in ein Juweliergeschäft in der Minoritenstraße eingebrochen und für 10- bis 12000 M. Wertsachen entwendet. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Zu der Affäre des Grasen Wolff-Metternich. Die Ge­mahlin des Grafen Wolff-Metternich, die Schauspielerin Frau Elairc Valentin, hat ihren Mann im Gefängnis be­sucht. Sie war sehr aufgeregt und versuchte im Lauf des Abends -Selbstinrord zu verüben, indem sie sich die Puls­adern mit einen: Messer auffchnitt, ihr Vorhaben wurde jedoch rechtzeitig bemerkt und ihr -ein Verband angelegt.

17 gefüllte Scheunen Niedergebra, mt. In Markneu­kirchen entstand nachts Großfcner. 17 mit Erntevorräten reich gefüllte Sckmn-cn brannten vollständig nieder. Der Schaden ist sehr bedeutend.

Hochwasser in Belgien. Die Maas und ihre Neben- stüsse sind infolge anhaltenden Regens stark angeschwollen. In vielen an den Ufern der Maas gelegmen Wohnhäusern dringt das Wasser bis ins Erdgeschoß. Die Sembre ist um 1 Meter gestiegen; die Schiffahrt ist unterbrochen. J Mons mußten in den tteser gelegenen Straßen zahlreich« Wohnhäuser geräumt werden.

Die Cholera. In Konstantmopel sind wieder 3? Er­krankungen und 17 Todesfälle an Cholera vorgckommen.