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Nr. SSS. Wiesbaden, Mittwoch, 21. Dezember 191®.
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88. Jahrgang.
Morgen - klusigabe.
1. Matt. _
Das ZMllWMWsetz MerD«WNUMg.
Von Oberbürgermeister Cuno-Hagen, M. d. R.
I.
Tie am 14. Dezember beendete dritte Kommissions- Lesung des Gesetzentwurfs über die Zuwachssteuer hat gruud'sätzliche Änderungen an den vor der Vertagung gefaßten Veschlüfsen der Kommission nicht gebrachr. Tie Arbeit der Kommission bestand wesentlich in einer besseren Ausführung einzelner Bestinunungen. An einzelnen Stellen wurde auch versucht, Härten und Unbilligkeiten zu beseitigen.
Die B e f r e i u n gs v o r s ch r i f t in § 1, wonach Steuer nicht erhoben wird, wenn der Erwerbspreis bei bebauten Grundstücken 20 000 M., bei unbebauten 3000 Mark nicht übersteigt und der Veräußerer, ferm Ehegatte oder Auftraggeber im letzten Jahre nicht mehr als 2000 M. Einkommen hat, auch nicht gewerbs- nlätziger Grundstückshändler ist, würde dadurch erweitert, daß die frühere Grenze bei einer Wertsteige- rung von 50 Proz. fallen gelassen wurde.
Hinzugefügt wurde eine Befreiung von der Steuer bei Austausch" von Feldesteilen zwischen angrenzenden Bergwerken und bei der Vereinigung mehrerer Bergwerke zum Zweck der besseren bergbaulichen Ausnutzung. m
Für die Feststellung des Preises und Wertes wurden einzelne nähere Bestimmungen gegeben, z. B. soll ijonx Preise der Wert der Erzeugnisse des Grundstücks, solange sie mit dem Boden Zusammenhängen, sowie der Maschinen, auch soweit sie zu den wesentlichen Bestandteilen des Grundstücks gehören, in Abzug kommen.
Bei Erwerb in der Zwangsversteigerung murde die Bestimmung gestrichen, daß statt des Meist- gebots der Wert treten soll, wenn er höher ist. Man überzeugte sich, daß die gestrichene Bestimmung dazu führen würde, daß der arme Subhastat zu einer höhe- mv Steuer verpflichtet würde, während der Ersteher, der zu einem niedrigen Preise erwerben konnte, begünstigt würde. ,
Von besonderer Wichtigkeit für die Grundbesitzer sind die Bestimmungen über Hinzurechnung. Den Aufwendungen für Bauten werden hinzugefügt ^bergmännische Versuchs- und Ausrichtungsarbeiten". " Wichtig für Baugewerbetreibende ist die Änderung, daß sie, wenn sie bei dem Bau eigene Arbeit geleistet haben, statt 3 Prozent 10 Prozent Zuschlag zu dein Betrag der Aufwendungen rechnen dürfen.
Beibehalten wurde leider die Bestimmung, daß die Bauten, wenn ihr Wert angerechnet werden soll, noch vorhanden sein müssen. Das trifft den Handwerker
hart, der vielleicht zuerst in dem gekauften Hause eine Werkstätte einrichtet, dann daraus einen Laden gemacht hat. Erstere Aufwendung kann er nicht anrechnen.
Für die L e r r a i n g e s e l l s ch a f t e n wertvoll ist die Vorschrift, daß sie zu ihren Aufwendungen für Straßen usw. 4 Prozent Zinsen für 10 Jahre rechnen dürfen, dafür fallen allerdings die 2 Prozent jährliche Anrechnung aus 8 20, Abs. 3 für diese Aiifwendungeii fort Allerdings für landwirtschaftlich benutzte Grui'.d- stücke ist die Freiheit gewahrt, statt der zehnmal 4 Prozent Zinsen die 2 y 2 Prozent auf die gairze Besttzzeit anzurechnen. Man hätte Wohl der Terrainspekittatwn auch hier wie bei § 15 eine längere Frist als 10 Jahre, 15 Jahre, geben können. Festgestellt wurde, daß, wenn bei längerem Besitz statt des Erwerbspreises der Wert am 1. Januar 1885 maßgebend ist, der steuerpflichtige Zeitraum seit dieser Zeit rechnet. Wenn der Besitzer einen höheren Erwerbspreis Nachweisen kann, mag es sich auch um einen bei einem steuerfreien Vorgang vor dem 1. Januar 1885 gezahlten Preis handelii, so tritt dieser an die Stelle des Wertes.
Ferner wurde festgestellt, daß, wenn der Wert am 1 Januar 1885 maßgebend ist, die 3 Prozent des 8 1ü. Abs 2 nicht von diesem Wert, sondern nur von dem wirklich gezahlten Erwerbspreise berechnet werden dürfen._____
KemUelon.
Nachdruck verboten.)
WeUznachlLN Lei Len Germanen.
Von Ernst W-chmann.
Schon die Kelten und Germanen betrachteten die Weihnachtszeit als eure Festzeit. Die Germanen feierten zur Wintersonnenwende ihr Julsest. Es war der Umkehr de» seurigen Sonnenrades gewidmet und umfaßte der „Mols Nächte", vom 25. Dezember bis 6. Januar reichend. Weihnachten selbst hieß die „Mutte rnachtt (Moclranight) bei den Angelsachsen. Man nahm an, daß in ihnen das neue >zahr geboren werde, und der alte Volksglauben meint, in dreien zwölf Tagen seien sinnbildlich die zwölf Monate des kommenden Jahres vorgestcllt. welche mit ihrem Wetter je einem der zwölf Tag entsprächen, d. h. „der Kalender werde jetzt gemacht", hat daher seinen Ursprung. Tie älteste nördliche Mythe läßt in dieser Zeit Wodan oder Odin, den höchsten Gott selbst (nach einigen Traditionen bis dahin schlafend), aus seinem Wolkenberge hervorbrechcn, und mit seinem Göttergefolge der Geliebten, der Göttin Frigg, im Sturme nachjagen, die er zu seiner Gemahlin freien will, und mit welcher er dann in den zweiten „zwölf Nächten", im Mai, seine Hochzeit feiert. Es ist die wiedererwachende Natur selbst, welche hier personifiziert ist im Hinblick auf die bevorstehende Zeit des Frühlings, wo neues Leben, die künftige Fruchtbarkeit der Erde, Freude und Wohlbehagen den Tod und die Külte der friedlichen Wintermächte verdrängen werden. Später trat das Fest von Frey oder Freyr, dem Odins-Sohne, dem Gotte des Frühjahrs, der Sonne und der Fruchtbarkeit, an die Stelle der Tradition von Odin selbst, nachdem sich die ursprüngliche einfachere Mythe und ihr Personenkreis immer weiter und reicher ausgcbildet hatten. Die Sage von der stürmischen Brautwerbung trat zurück, die Götter wandelten in friedfertigerer Weise auf der Erde und mischten sich unter die Menschen. Die Wer-
Deutsches Deich«
* Parlamentsmüdigkeit. Nicht ohne Reiz ist es, in der ultramontanen „Schles. Volksztg." folgende Äußerungen über den Niedergang des Parlamentarismus zu lesen: „Es herrscht eine Parlamentsmüdigkeit bei allen Parteien, die vielen „Wahlreden", das ewige persönliche Streiten erweckt keine Begeisterung, keine Arbcitsfrendigkeit. Eure Regeneration der Parteien oder neues Blut in den Parteien ist dringend zu wünschen. Welch einen Unterschied bietet der deutsche Reichstag dar, wie er 1880 war und wie er heute ist. An diesem Unterschied kann man seinen Niedergang am deutlichsten erkennen. Gewiß hat das Zentrum tüchtige und bewährte Kräfte in Hülle und Fülle; doch damals saßen noch in seinen Reihen eine Anzahl Männer, wie sie niemals wieder sich in ihm zusammen- aeknn'den haben. Ferner aber hat auch heute noch jede Partei tüchtige „Spezialisten" in ihren Reihen, aber die universalen Geister mangeln, die es verstehen, die Debatten auf die Höhe aus den Niederungen zu führen, die über das Detail der wirtschaftlichen Fragen die ideellen «wecke nicht aus dem Auge verlieren; sie werden immer seltener. So sehr ein rein parlamentarisches Regime für Deutschland abzulehnen ist, so sehr ist es zu wünschen, daß der deutsche Reichstag durch fein geistiges Gewicht der wichtigste Faktor im Verfassungsleben wird."
* Die Wahrheit aus dem Munde des Herrn v. Oldenburg ^er Reichstagsabgeordnete v. Oldenburg-Januschau hat am Freitag in Danzig in der Generalversammlung der
buna uni die Götter aber blieb. Aber es war mm Gerda, die sich dem Freyr „nach drei Nächten", worunter man die drei Wintermonate zu verstehen hat, verhieß, und deren Vermählung nun auf Walpurgistag stattsrnden sollte. Die Bedeutung, daß mit der rückgewendeten Sonnenwende die Bürgschaft (Gerdas Verlobung) gegeben war für Rückkehr der goldenen Frühlingszeit, blieb also bestehen.
Frebr (oder auch Fr6), der freie und frohe Gott des Lichtes, wollte, daß in der ihm geweihten Festzeit überall Frieden, Freude herrsche, und so zogen Herolde im Lande herum, dreiwöchentlichen Jnlfrieden zu gebieten. Den Gefangenen nahm man für diese Zeit die Fesseln ab. „Friede
sei auf Erden." „ . ,
Diese «eit wurde dann eröffnet durch ein feierliches Opfer um Frieden und Fruchtbarkeit. — Dann wurde das Julfeuer angezündet. In allen Haushaltungen wurde das alte Herdfeuer sorgfältig gelöscht. Man zog hinaus und entzündete auf folgende Art das neue heilige Feuer. Auf einen Baumpfahl war ein Rad mit neun Speichen befestigt, mit Stroh umwickelt, das Synrbol der Sonnenscheibe. Alan drehte dasselbe durch eine Vorrichtung mit Stricken so lange heftig hin und her, bis seine Axe, die in den Stamm eingelassen war, durch diese heftige Reibung zu glühen und zu brennen begann. Unter Jubelruf schichtete man nun Holz und Stroh zu Hanf um den Baum, dessen Asche auf die Felder gestreut wurde, und zündete an diesem Feuer Fackeln an, mit welchen nach Hause kehrend, man das Herdfeuer neu entzündete. Hier spielt der „Julblock" seine Rolle, ein starker Holzblock, den man nicht zu Ende abbrcnnen ließ, sondern das Jahr über verwahrte, weil er segenspendende Kraft besaß. Und jetzt erglänzten weithin freudige Lichter. In der Halle strahlten Fackeln und Lampen, und dem Vieh im Stalle selbst wurde über der Krippe sein Lichtlein angezündet, wie eine Verheißung der Lichtzelt, wo es wieder draußen auf der blumigen Wiese feine Nahrung werde suchen können; ein Gebrauch, der sich heute noch vielfach bei uns erhalten hat. Wie man zum Frühlingsfest „Maibäume" pflanzte, so pflanzte man wohl jetzt schon die immergrüne Tanne vor die Häuser und behing sie mit bunten Bändern.
westprenßischen Konservativen nach der „Kreuzztg." erklärt: „Die Freisinnigen erachten wir mit der Sozialdemokratie gleich. Bei den Nationalliberalen müssen wir einen Unter- schied machen. Gehen sie eine Verpflichtung ein, bei Stichwahlen für den Konservativen zu stimmen, dann werden die Konservativen ebenso handeln, tun sie dies nicht, dann stehen wir mit Gewehr bei Fuß."
* Zur neueren Dienstanweisung sür höhere Lehn»
stalten. Die neue Dienstanweisung an Direktoren und Lehrer der höheren Lehranstalten Preußens, die in diesen Tagen ausgegeben worden ist, zeigt u. a. noch folgende Neuerungen: Scheltworte, die das Ehrgefühl der
Schüler verletzen, find zu vermeiden. Körperliche Züchtigungen sind auf außerordentliche Fülle und auf die unteren Klassen zu beschränken. Das Zitteren «incs Schülers in die Wohnung des Lehrers ist verboten. Die Urteile über Fleiß, Aufmerksamkeit und Betragen sollen nicht durch Prädikate ausgearückt, sondern ausführlicher umschrieben werden. Betreffs der Bewegungsfreiheit in den Pansen wird bestimmt, daß jode Bewegungsfreiheit, die mit guter Sitte und der Ordnung des Schulbetriebes vereinbar ist, gestattet ist.
* Wie in Ostelbien die Verwaltung geführt wird, lehrt ein neuer Beitrag, den die „Königsb. Hart. Ztg." mitterlt: Der Kreistag des Kreises Lyck hat beschlossen, dem Buch- druckereibesttzer Auschwitz, dem Herausgeber des „Lycker Tageblatts", das vom 1. Januar als entschieden national- liberale Tageszeitung erscheinen wird, den Druck des Kreis- blattcs zum 1. Juli 1911 zu kündigen und ihn der Masurischen Druckerei zu übertragen, in deren Verlag die konservative „Lycker Zeitung" erscheint.
* Zur Fleischnot. Für die Geschaftsangehörigen der optischen W-rkstätte von Karl Zeitz in Jena wird auf Anregung des Arbeiterausschnffes der gemeinsame Bezug von frischgeschlachtetem Fleisch aus Dänemark organisiert. Die ersten MM Pfund besten Ochsen- und Färsensleisches sind bereits in Kopenhagen bestellt und werden voraussichtlich in den nächsten Tagen eintreffen. Das Fleisch wird für «3 bis 70 Pf. das Pfund an die Geschäftsangchörigen der Firma abgegeben werden können. Mit Rücksicht auf die übermäßig" hohen Fleischpreise gerade in der Stadt Jena soll der Bezug von dänischem Fleisch zu einer dauernden Einrichtung gemacht werden, so lange ein Bedürfnis dafür besteht.
* Die Ansi-dlungs!onrmission für Westpreußen und Posen wird Mitte nächsten Monats unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Dt. Graulich zu einer zweitägigen Sitzung in Posen zusammcntreten. In dieser Sitzung soll, wie verlautet auch über die Anwendung deS Enteignungsgesetzes beraten werden, An der Sitzung werden auch die Ober- prüstdenten von Posen und Westpreußen sowie mehrere Ministerialdirektoren und Ministerialräte teilnehmen.
* Zeitungspropaganda auf der Kanzel. In Ibach bei St. Blasien (Schwarzwald) war am 4. Dezember Quartals- prodigt, wobei der dortige katholische Pfarrverweser I. Lahner von der Kanzel u. a. auch Vorlesungen aus zwei Zentrumsblättern, dem „Badischen Beobachter" und der
In der festlich erleuchteten Halle aber war jedem Fremdling von dem Wirte gastfreier Empfang sicher. In manchen Gegenden kamen die Nachbarn zusammen zur Feier, nicht mit leeren Händen, sondern nach Vermögen Geschenke an Nahrungsmitteln und zum Fest dienlichen Gegenständen herbeitragend. Andere Geschenke wurden von heiratslustigen jungen Männern ihrer Auscrwählten gespendet: mit Goldblech besetzte, mit Äpfeln, worunter sich Wohl auch manch andere Gabe bergen mochte, gefüllte runde Scheiben oder Schalen, Wepelrot genannt, welche ihnen unter Scherz und Vermnnmrung oder gar, ohne daß sich der Geber zeigte, ins Haus geworfen wurden. Die Halle wurde bald der Schauplatz heiterer Gelage. Ein Eber (das dem Freyr geheiligte Tier) ward geschlachtet, aus seinem Rücken die „Julsuppe" gekocht, zuletzt kam das übrige Bratflcifch als die eigentliche Festspcife an die Reihe. Eine andere, uralt heilige Festspeise war Hafergrütze mit Heringen, noch heute nicht ganz verschwunden oder in Karpfen, Reisbrei, Mohnklötzchen modifiziert. Zu dm Festspeiscn gehörten ferner die Kuchen, welche in vielen an die Sonnenfcheibe erinnernden Formen, z. B. als Räder (Brezel), Kreise, Hörnchen, oder in Form der dem Sonnengott geheiligten Tiere, also Eber, Hirsch u a m, gebacken wurden. Dem Verächter dieser Fostspesse (so hieß es noch später in Thüringen) wohte der Zorn der Göttin Berchta, welche ihrem Wesen nach nichts anderes ist, als jene Erdgöttin Gerda, um welche Freyr zu jener Jahreszeit warb.
Das schäumende Trinkhorn, der berauschende Meth spielten selbstverständlich die erste Rolle beim Feste. Aber das wichtigste dabei war, der Götter nicht zu vergessen, und so trank man sich den „Minnetrunk" zur Ehre der' Himmlischen zu. „Minne" hat die Bedeutung „Gedächtnis, Erinnerung". Der erste Becher galt dem Allvater, Odin oder Wuotan, der Sieg und Macht bescherte, der zweite dem Freyr, dem Sonnengotte, der Fruchtbarkeit und Frieden schenkte, der dritte dem Gotte Bragi, dein Gotte der Dichtung, dem zu jeder Tat begeistertm Helfer. An ihn knüpften sich beim einzelnen Trinker die Becher der Gelübde, indem man ihm zu Ehren und bei ihm sich „verlobte", schwur,
