«eite 4. Donnerstag, 15. Dezember 1910. WtesVttdKNer TagdiKtt.
Beispiele mrführen, datz gerade in diesem Jahre der oder jener eifrige Mottenfeind bis 6 Wochen vor der Lese auf einen halben Herbst rechnen tonnte. Dann mutzte er sehen, wie seine Hoffnung von Tag zu Tag, ja fast von Stunde zu Stunde ihm unter den Händen zerrann, so datz ihm schlietzlich fast nichts übrig blieb. Natürlich bleibt da, wo die besonders geschützten und rnottenrein gehaltenen Weinberge in großer Fläche beieinander liegen, der Erfolg nicht aus, wie die Lese der König!. Domäne es deutlich ausweist. Aber Privatleute können solche Erfolge unter keinen Umständen erzielen, wemr sie sich nicht zusammen- schlietzen, wenn sic nicht in geschloffener Gemeinschaft Vorgehen. Ein paar Bummler können den ganzen Herbst in Frage stellen. Ja, hätte man es noch mit dem „deutschen" Ungeziefr zu tun, das in seinen zwei Generationen als Heuwurm und als Sauerwurm genug Schaden tat, dann wäre die Sache mit einer teil- weisen Bekämpfung zu machen. Aber jetzt handelt es sich um die bekreuzte „Jtalienermotie", die während der Vegetationsperiode schier alle 4 bis 6 Wochen eine Generation auf die Beine bringt. Hiergegen hilft schlechterdings nur einmütige Arbeit aller Winzer ohne Ausnahme; oder wir muffen mit der Tatsache rechnen, datz solche Jammcrherbste wie der von 1910 sich Jahr für Jahr wiederholen. Die Rebe hat unzählige Feinde, weil sie das edelste der Edelgewächse ist (die Distel hat nur einen Feind, und das ist der Esel), aber gegen alle anderen, ausgenommen böses Wetter, kann man sich wahren und weih man Mittel, nur dem Sauerwurm steht der Einzelne völlig machtlos gegenüber. Daher werden Polizeiverordnungen nötig seiu. Aber wer kontrolliert ihre Ausführung? Die Ortspolizei- organe sind dazu völlig autzerstande, auch gegen ehrenamtliche Aufsicht bestehen schwerwiegende Bedenken. Da ist, scheint's, der Gedanke die Mitglieder der Neülauskommission heranzu- ziehen, di« bis jetzt nur einen Teil des Jahres beschäftigt sind, recht gut. Sie kennen das Gelände und ihr Blick ist in Wein- berassachen durch Übung besonders geschärft. Natürlich mützte der Staat die Vergütungen dafür übernehmen. Und er mühte auch einen Teil der Bekämpfungskosten an sich übernehmen: sonst werden viele außerstande sein, das Nötige für ihre Weinberge zu tun. Und ihre Unterlassung wird dann — und darin .liegt die Begründung der Notwendigkeit der Staatshilfe — die Mühe all der anderen wieder zuschanden machen. Neben dem Zwang mutz freilich unbedingt die Belehrung hergehen. Man darf nicht aufhören, in Versammlungen, in der Fach- und Tages- preffe, von Person zu Person auf die Notwendigkeit gemeinsamer Arbeit hinzuweisen; der gute Wille jedes einzelnen mutz das Beste dazu tun, sonst helfen alle Polizeimatzregeln nichts. Nun hat, wie erzählt wird, rein durch Zufall ein Caubpr Winzer eine neue Methode der Bekämpfung der Sauerwurmmotte gefunden, die den dreifachen Vorzug hat, billig, wirksam und leicht kontrollierbar zu sein. Die Motte geht nämlich in Gefäße, die Honigwaffer oder ähnliche Süßigkeiten enthalten. Das ist ein Mittel, das jedermann einleuchtet, das sich sehr leicht anbringen läßt, das die Aussicht Lat, populär zu werden. Wenn es sich so bewährt, wie man hofft, dann wird es doch wohl kaum einen Winzer geben, dem es nicht eine hohe Genugtuung bedeutet, von Zeit zu Zeit Millionen seiner schlimmsten Feinde tot aus den Fanggläsern schütten zu können. Und besser als jedes andere Mittel läßt sich von diesem aufweisen, ob es zur Anwendung kommt oder nicht. Dabei darf natürlich die Winterarbeit nicht ruhen. Hier heißt es echt naffanisch: „Alle Vortel geltet" Auf zum Kamps! Km.
Aus drr Umgebung.
o. F»-»kfurt a. M., 14. Dezember. Wie die „Fvant- futter r- .g" meldet, wurde gestern in Urberach in .Hessen de, ^-rgeblichs Mörder des Agenten Wikhdlm Biemert, der letzter Tage auf dem Griesheimer Exerzierplatz erstochen auifyckfunden wurde. Knapp, verhaftet. Knapp war in eine Wirtschaft gegangen und war arrf Veranlassung des Wirtes durch die Gendarmerie verhaftet worden.
* Mainz, 14. Dezember. Rheinpegel: 1 *n 46 cm gegen 1 in B7 cm am gestrigen Vormittag.
GrrichMches.
Aus Wiesbadener Gerichtafaie«.
wc. Unverbesserlich. Der Gelegenheitsarbeiter Johann Storrk wurde von der Strafkammer wegen Zuhälteret zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren verurteilt, des weiteren wurde er ans 5 Jahre der bürgerlichen Ehrenrechte für verlustig und feine Stellung unter Polizeiaufsicht für zulässig erklärt.
An* arrswSrNgrr» Gerichtsfäirn.
Mordprozeß Müller.
hd. Frankfurt a. M., 14. Dezember. Der Gerichtsherr dev 21. Division, Generalleuinant Scholz, hat gegen das Urteil des Kriegsgerichts vom 9. Dezember, das über den Zeugfekdwebel Müller aus Hanau wegen Totschlags eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren verhängte, Berufung an das Oberlandesgericht eingelegt. Er wünscht Bestrafung wegen Mordes.
Eine Mimische Verhandlung.
«t. Hadamar, 12. Dezember. Vor dom Schöffengericht zu Hadamar fand eine interessante Verhandlung wegen Beleidigung des Lehrers H. von Niederzeuzheim statt. Die wegen Beleidigung bereits vorbestrafte Barbara Geis, eine von den „Fromme n" in Niederzeuzheim, hatte den Lehrer' H. wiederholt als gott-und religionslosen Menschen hmgestellt, so daß dieser bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattete. Der Zuschauerraum war besetzt bis auf den letzten Platz. Unter den Zeugen- befanden sich mehrere Schulkinder, deren Aussagen nicht in allen Teilen überein- stimmten; aber die Erwachsenen bestätigten die tatsächliche Beleidigung in zwei Fällen. Der Rechtsanwalt wies in seiner Verteidigung auf das gespannte Parteiverhältnis in Niederzeuzheim hin und sprach von einer Pfarrer- Partei, zu der die Guten und Frommen gehören, und von einer Oppositionspartei, deren Führer der Lehrer sei. Hierbei und auch bei dem Ausdruck „Rest", womit er das Dorf Niederzeuzheim meinte, wurde er vom Zuschauer- Publikum aus gezischt, Rufe, wie „Herunter mit ihm!" und „Hinaus mit ihm!" wurden laut. Der Vorsitzende verwies dem Verteidiger diese Ausdrücke und gebat Ruhe. Der Amt5aniwakt hatte 15 M. Strafe beantragt. Das Gericht setzte jedoch 25 M. fest und Veröffentlichung des Urteils im „Raff. Bote" und erklärte, daß diese ganz privaten Beleidigungen mit den Parterverhältmssen nichts zu tun hätten. — Nach der Verhandlung mußte der Verteidiger eiligst verschwinden, da ihn das aufgebrachte Publikum zur Rede ftdk» wollte.
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München, 14. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Im Dorfener Bierkrawallprozeß wurde ein Angeklagter zu erneut Jahre drei Monaten Gefängnis, 9 Angeklagte zu drei bis neun Monaten Gefängnis und drei Angeklagte zu einer bis sechs Woche« Last verurteilt. Zwei Angeklagte wurden fteigefprschen.
■ — Die^ verhexten Ferkel! Bor einigen Tagen wurde vor dem Schöffengericht ju Carnberg in einer BeleidigunMache verhandelt, deren Einzelheiten deshalb ein gewiffes Interesse beanspruchen, weil sie ergaben, wie bei den Landbewohnern der Glaube an übernatürliche, geheimnisvolle Kräfte und an Hexereien hier und da noch in rocht krasser Form zu bestehen scheint. — War da ein sehr bejahrter Bauer aus Eifenbach, der vor einiger Zeit ein Mutterschwein mit Kernen Ferkeln hatte, die nach seiner Angabe frisch und gesund sparen, bis ein Nachbarsmann die Ferkel besah und dabei angeblich einige geheimnisvolle, unverständliche Worte sprach. Daraufhin sollen die kleinen Schweine „qui, qui" gcschrien und fünf Stück davon am anderen Morgen tot im Stall gelegen haben. Als nun der vom Unglück betroffene Bauersmann bei weiteren Ortsbewohnern den Tod seiner Ferkel beklagte, gab er auch seiner Meinung Ausdruck, daß sie fein Rachbar „verhext" habe; dieser aber ließ sich nicht so ohne weiteres als „Hexenmeister" kennzeichnen, sondern machte zunächst seiner Erregung in beleidigenden Ausdrücken Lust und zog dann den Urheber jener Äußerungen vor den Schranken des Gerichts zur R-echeirschaft. Obwohl nun doriselbst ein erwachsener Sohn und eine Tochter des Angeklagten in gar geheimnisvoller Weise den ganzen Hergang und den erfolgten Tod der Ferkel darzustellen versuchten, bestritten doch diese sowie der Angeklagte selbst, an Hexen zu glauben. Das Gericht ließ dann beide, den Angeklagten und den Kläger, gegen den Widerklage erhoben worden war, streiffrei ausgehcn und legte jedem die Hälfte der entstandenen Kosten auf.
DM. Ein Brunnenstreit. Der Herzoglich Nassaui- sche Domänenfiskus erwarb 1857 das Eigentum an dem früher dem Grafen Bassenheim gehörigen „BafseUheimer Hof" in O b e r r e i f en b e r g, zu dem auch das sogenannte Herrenhaus zählte. Dieses bezog sein Wasser aus einer Wasserleitung, die jetzt der Landgemeinde Obcr- reisenberg gehört. Nach Behauptung des Fabrikanten Karl Matthias Bienewald in Oberreisenberg wutde diese Wasserleitung schon vor undenklicher Zeit von deni Grafen Bassenheim zur Wasserversorgung des Herrenhauses und der Brunnens in der Ortschaft angelegt. Ein 1859 geführter Streit zwischen dem Domänenfiskus und der Gemeinde endete damit, daß dem Fiskus das Recht zugestchert wurde, das für die Bewohner des Herrenhauses erforderliche Wasser aus dem Brunnenstock beziehen zu dürfen. 1865 gingen durch Versteigerung die Herrenhausgrundstücke in den Besitz der Eheleute Johann Schmidt über, die es an den Fabrikanten Bienewald verkauften. Nach Inkrafttreten des Kommunalabgabengesetzes wurde nun der Fabrikant 1908 zum Wassergerd veranlagt. Er behauptete, daß er als Eigentümer des Herrenhauses zum unentgeltlichen Wasserbezng, den die Gemeinde auch früher immer anstandslos gewährt habe, berechtigt sei. Er ging gegen die Gemeinde klagbar vor, indem er von dieser Anerkennung verlangte, daß sie nicht berechtigt sei. von den Bewohnern des Herrenhauses Wassergeld zu erheben. Das Landgericht Wiesbaden gelangte zur K la g e abw eis un-g, weil eine Grunddienstbarkeit unstreitig nicht vorliege. Das Oberlandesgericht in Frankfurt wies die Berufung des Klägers mit der Maßgabe zurück, daß die Klage wegen Unzulässigkeit des Rechtswegs abgewiesen wurde, da es sich um einen im Verwaltungsstreitversahren zu erledigenden Fall handele.
Sport.
* Skiwettläufe im TanmtS. Der Skiklub „Taunus" veranstaltet, natürlich entsprechendes Wetter vorausgesetzt, wie in den Vorjahren auch in diesem Winter wieder Skiwett- läuse, Langlauf und Sprunglauf. Als Termin ist der 5. Februar,festgesetzt. Die Ausschreibungen erscheinen anfangs Januar. Zur Meldung berechtigt sind nur Vereine die dem „Deutschen Skiverband" angehören.
* Radfernfahrt Breslau-Aachen. Die Allgemeine Radfahrer-Union D. T. C. bringt für die Woche nach Ostern 1911 eine Radfernfahrt von Breslau nach Aachen (1500 Kilometer) zur Ausschreibung. Sie ist in sechs Fahr- und zwei Rasttage eingeteilt. Die Fahrt begimrt am Ostersonntag, den 16. April, ln Breslau und erstreckt sich am ersten Tag über Liegnitz-Bunzlau-Görlitz-Bautzen nach Dresden. Die zweite Etappe führt weiter über Freiberg-Chemmtz- Zwickau-Leipzig-Weimar nach. Erfurt. Dort ist am 18. April Rasttag. Am Mittwoch, den 19. April, schließt sich die dritte Etappe an, dir über Gotha-Eisenach-Meiningen-Bamberg in Nürnberg schließt. Die vierte Etappe berührt Slnsbach- Crailsheim-Schw. Hall-Heilüronn-Heidelberg und endet in Mannheim, wo der zweite Rasttag ist. Die vorletzte Etappe soll über Frankfurt a. M.-Mainz-Bingen-Coblenz-Bonn nach Cöln und die letzte über Düsseldorf-Jülich nach Aachen führen. Sowohl für die ganze Strecke wie für die einzelnen Etappen werden Geld- und Ehrenpreise ausgesetzt.
er. Die Internationale Automobil Sternfahrt nach Monaco, die schon kurz angekündigt wurde, ist jetzt zur Ausschreibung getaugt. Die Sternfahrt soll im Januar 1911 unter dem Protektorat des Französischen Automobilklubs, sowie der wichtigsten europäischen Automobilklubs stattfinden. Zugelassen sind Wagen aller Stärken und aller Fabrikate. Vor Beginn der Fahrt müssen Motor, Chassis und Karosserie plombiert werden. Der Start kann von Paris, Boulogne sur Mer, Le Havre, Madrid, Lissabon, Rom, Wien, Berlin, Brüssel, Amsterdam, Genf und St. Petersburg aus erfolgen. Die Fahrt ist als Touren- fahrt gedacht, für die eine durchschnittliche Tagesleistung von 240 Kilometer gefordert wird. Im übrigen ist den Konkurrenten in der Wahl der Route vollkommene Freiheit gelassen, doch muß die Durchfahrt in bestimmten Städten bescheinigt werden. Für das Klassement kommt in Betracht die Durchfchnittsge schwiudigkeit über die ganze Strecke, die durchfahrene Distanz, die Zahl der beförderten Personen, der Komfort des Automobils und dessen Zustand bei der Ankunft. Tag und Stunde der Abfahrt werden den Konkurrenten einzeln bekanntgegeben. Die Ankunft hat bis zum 28. Januar um Mitternacht zu erfolgen. Für den 29. Januar ist dann eine Auffahrt in Monte Carlo mit Prciszuer- kermung in Aussicht genommen. Der 1. Preis beträgt 10 000 Frank, außerdem werden noch 9 weitere Preise in
Morgen-AnSgabe, 1» Blatt. Nr. 583.
Höhe von 5000 bis 200 Frank gegeben. Jeder Preisträger erhält außerdem einen Ehrenpreis und jeder Konkurrent, der die Strecke absolvierte, ein Souvenir. Meldeschluß ist am 31. Dezember; das Nennungsgeld beträgt 50 Frank.
* Fußball. Der „Sportverein" fuhr am Sonntag mit stark geschwächter Mannschaft nach Frankfurt und holte sich in dem Wettspiel mit der „Vritannia" die erste Niederlage in den Ltgaspielen und damit die erste Niederlage in dieser Saison
vermischtes.
* Ein Raubmord. Die 68jährige Rentiere Hoffmam, wurde am Mouta garach mittag in ihrer Wohnung zu Berlin, Blumonthalstraße, tot aufgefundcn. Die Leiche lag im Veit in einer Blutlache und war bereits stark verwest. Das Deckbett war sorgfältig darübergelegt. Nach polizeilichen Ermittlungen ist die Frau das Opfer eines Mörders geworden, der anscheinend beabsichtigt hat, sie zu berauben, aber gestört wurde. Das Polizeipräsidium schrieb eine Belohnung von 1000 M. aus für die Aufklärung des an der Frau Hoffman» begangenen Verbrechens. Hausbewohner hörten bereits am Mittwoch voriger Woche in der Hofs- mannsehen Wohnung einen dumpfen Fall ustd gleich daraus Hilferufe. Als sie zusammen mit einem Schutzmann Einlaß in die Wohnung begehrten, wurden sie kurz abgewiesen. Darauf ließ inan die Tür durch einen Schlosser öffnen. Man fand niemand in der Wohnung und glaubte daher, daß sich die wunderliche alte Frau über die Hintertrcpve entfernt habe. Erst am Montag, als zwei Cousinen der Frau Hoffmann, die ihre Verwandte besuchen wollten, sich die Wohnung wieder hatten öffnen lassen, wurde die Leiche der Frau dadurch gefunden, daß zufällig die Pförtnerssrau in das Bett der alten Dame faßte, das sauber zurechtgc- macht und zugedeckt war. Die Ermordete stammt aus guter Familie. Ihre Verwandtschaft ist zum Teil in Berlin, zum Teil in der Provinz ansässig und besteht aus höheren Beamten- und Qffizierssamilien, die zum Teil auch wohlhabend sind. Nach den Angaben der Verwandten der Ermordeten hat diese ein Vermögen von rund 100000 M. besessen, das von einem Betliner Bankier verwaltet wurde.
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Berlin, 14. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Zu dem M ord an der Frau Hoffm ann wird berichtet, daß das Scheckbuch der Ermordeten, verschiedene Schmuckgegenstände und die Schlüssel zu den Behältern, die zur Aufbewahrung von Wertgegenständen dienten, fehlen
Kleine Chronik.
Soziale Stiftung. Für ihre in Mülhausen in Thüringen gelegene Garnsabrik stiftete Frau Kommerzienrat Wagner die Summe von 100 000 M. zu Wohlsahrtszwecken.
Der junge Hagenbeck gestorben. In Nienstedten bei Hamburg ist der Tierbändiger Wilhelm Hagenbeck, Sohn des Begründers des Tierparks in Stellingen, gestorben.
Eine Mutter von 20 Kindern. Bei der Volkszählung in Tönning gab eine Arbeiterfrau an, Mutter von 20 Kindern zu sein, von denen acht gestorben sind.
Verfehlungen eines polnischen Pfarrers. Aus Ostro- lenka flüchtete der polnische Pfarrer Kowalski mit seiner Wirtschafterin. Kowalski hat seit Fahren Sittlichkeitsverbrechen an Schulkindern verübt.
Die Cholera. Unter den Truppen von Saloniki breitet sich die Cholera immer weiter aus; auch werden weitere fünf Cholerafälle und eine Reihe choleraverdächtiger Fälle gemeldet; ebenso sind zwei Zivilisten an Cholera erkrankt. — Nach amtlicher Mitteilung sind bis jetzt in Funchol 422 Cholerafälle vorgekommen, von denen 136 tödlich verlaufen sind. — Vom 13. September bis 6. Dezember sind in Konstantinopel 781 Personen an Cholera erkrankt und 454 gestorben. — In Saloniki sind 7 neue Cholerasälle vorgekommen, davon fünf unter den Truppen.
Rettung aus Seenot. Die Passagiere des gestrandeten Dampfers „Olympia" sind gerettet.
Die Margarinevergiftungen. Rach dem Genuß von Backa-Margarine aus den Margarinewerken von Mohr und Ko. in Altona-Otensen sind jetzt auch in Elberfeld mehrere Personen erkrankt. Die Polizeiverwaltuug warnt in einer öffentlichen Bekanntmachung die Bevölkerung vor dem Ankauf des betreffenden Produktes. — Der Regierungspräsident von Schleswig traf in Altona ein und begab sich mit dem Direktor des chemischen Untersuchungsamtes in die Mohrschen Margarinewerke, aus denen die vergiftete Backa- Margarine hcrvorgegangen ist. Die Herren nahmen eine eingehende Besichtigung des Betriebes vor. — In Gerbstedt bei Halle a. d. Saale ist die gesamte Familie des Bahn- arbeiters Thiele an dem Genuß von Margarine erkrankt.
Einbruch in die katholische Kathedrale in London. In der römisch-katholischen Kathedrale des südöstlichen Londoner Viertels Southwark wurde ein Einbruch verübt, wu- bei Kirchengeräte im Wert von 80 090 M. -erbeutet wurden In der Kirche erbrachen die Diebe eine Kollektenkasse. Dang kletterten sie über das Dach der Sakristei in die Wohnung des Bischofs von Southwark, wo sic ebenfalls eine ganze Menge wertvoller Kirchengeräte entwendeten.
Die Pest breitet sich in Rußland in bedrohlicher Werse aus. In der Mongolei sind ganze Nomadenstämme von der Seuche ergriffen. In panikartigem Schrecken flüchtet die Bevölkerung nach allen Richtungen Besonders Sibirien und das Amurgebiet werden neuerdings von der Pest bedroht; doch werde. von der Behörde keinerlei Maßregeln zur Fernhaltung der Seuche getroffen.
Bon der eigenen Frau crnrordet und beraubt. Der Postbeamte Marina wurde in seiner Wohnung zu Reval ermordet aufgefunden. Der Schrank, in dem er 5500 Rubel Dieustgelder aufbewahrt hatte, war erbrochen, das Geld fehlte. Unter dem Verdacht der Täterschaft ist Marinas Gattin verhaftet worden.
Wieder amfgefundencr Diamant. Wie der „Hcrald" meldet, ist der berühmte Hope-Diamant, über Lessen Der-
