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Wiesbabett, Donnerstag, 1. Dezember 1910.

ffüt die Ausnabme von Anzeige» a,^vocaeschricbenei^Tagcl^vir^lein^ewäh^llbem>°innieo^^E^E^^^

38. Jahrgang.

Morgen - klusgabe.

_ 1. W.l.s.tt. __

Der Mahlkmnpl in England.

Programmgemäß ist am Montag die Auslösung des englischen Parlaments, die Ausschreibung der Nen- wahleii zum Untcrhause und die Einbeimstmg des neuen Parlamentes auf den 31. Januar 1911 erfolgt Be­merkenswert ist die Zurückhaltung, welche König Georg in seiner Verabschiedungsrede an das alte Parlament ae,zeigt hat, indem er sich ans den Ausdruck des Be- dciuerus darüber beschränkte, daß die Konferenz zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Häusern des Parlaments gescheitert sei. Jurmec- bin muß es aber als zweifellos gelten, daß der Premierminister Asguith, bevor er den Wahlkamps ansnahm, sich vergewissert hat, daß der König bei einem fj; r die Regierung günstigen Ausgang der Wahlen zu einem Pairsschnb im Oberhause bereit ist. Tenn anderenfalls würde anch bei einem Sreg- «er Regie- vn ,'io im Wahlkmnps die politische Situation dwwlle bleiben, da die Reform des Oberhauses, die den Gegcn- stand des Wahlkampfes bildet, eben Z"cht gegen da,' Überbaus durchgesetzt werden kann, ao bedeuten i --> r. r-urrTiicfieit Mahlen diesmal eine Art Referendnnl, dessen Ausgang mithin nicht bloß die Zusmnmen- w' ima des Unterhauses, sondern anch die des Obee- abhängig wird.

Was die Form der Wahlen zum Unterl,au,e si..jsft, von dessen 670 Sitzen 465 aus England, 30 ans «rtAe§, 72 auf Schottland und 103 ans Irland entfallen, 77"ist 'dies eine Art Zensuswahlrecht, das heißt, das $u> a I}(red)t ist nicht nur an das Min dost alter von -!

Motiven. sondern auch cm eine gewisse Munmalgren.^ von Eigentum oder Besitz gebunden Tabei bestem gleichzeitig eine Art Pluralwahlrecht da zwar jeder Wähler in einem Wahlkreis nur erne Stnnme hat abe a,-ch in jedem anderen Wahlkreise wählen kann, wo e ausreichenden Grundbesitz, Häuser oder Metswohnnng Nat Tie? Doppelwählen ist dadurch ermöglicht, daß die Dahlen nicht wie in den meisten anderen Landen: in einem Tage, sondern in einem la,igeren Zeiträume Mio a n Ttnb zwar finden die Wahlgänge w den ^ Ldten zwischen de.n fünften und dem nennten Tage ,7nw der Auflösung, also diesinal zwischen deni 3 und Z ! s W«rnber statt, in den Flecken itnb Grafschaften doaeaeu erst zwischen dem achten und achtzehnten wage ack der Auflösung, also zwischen, dein 6 . und 16 De- -ln ber Wird in einem Wahlkreise nur ein Kaiidid..l , ominiert. was d urch. ein von mindestens zehn emgc-

Le niüet on.

lUmmelserscheinungen im Dezember 1910.

^ Im lichtärmsten Monat des Jahres, inr Dezember tinrnü die südliche Abweichung der Sonne vom Nquator

21 9 43' l."5 und am 22. Dezember 23 27 7. 4. von

diesen- Zeitpunkte an bis zun: Monatsschlusse nimmt südliche Deklination der Sonne wieder ab, und -war bi- __ 900 9 ' 9 "7 am 31. Dezember. Jhreu trefft e n

Stand erreicht die Sonne am 22. Dezember, um 6 Uhr nach­mittags. Sie verharrt dann scheinbar erne Weile an d.m aleichen Orte, weshalb man den Zeitpunkt oder Tag dcm Solstitmin, W i n t e r s o- l st i t i u m, nennt; sie wend t wer in Wahrheit nur um, aus welchem Grunde, der Zeit­punkt oder Tag auch Sonnenwende, W i n t er, 0 nn en- w ende, heißt. Der 22. Dezember ist gleichzeitig der kürzeste Tag und Wintersanfang für die Nord- halbkugel, dagegen der längste Tag und Sommersanfang für die Südhalbkngel. Die Mittagshohe der Sonne verringert sich zunächst noch entsprechend der Zunahme der südlichen Deklination der Sonne bis zum 22., vergrößert sich darauf aber wieder ein wenig; sie beträgt für den Parallel von 540 , also für das nördliche Deutschland am 1. Dezember 14° 17' am 22 Dezember 12.° 13' und am 31, Dezember 12 » 51 '' für den Parallel von 51°, d. h. für das mittlere Deutschland am 1. Dezember 17° 17'. am 22 . Dezember 15° 13' und am 31. Dezember 15° 51', endlich für den Parallel von 48°, also für das südliche Deutschland, dw Schweiz und Österreich am 1. Dezember 20 17 , am 22. Dezember 18° 13' und am 31. Dezember 18 51 . um

Jahresschlüsse steht hiernach die Sonne mittags wieder.P , d. %. mehr als % Grad höher als am Wintersanfang Der meteorologische Winter oder vielmehr die Frost- und Schneeperiode setzt trotzdem meistens um die,e Zeit erst kräftiger ein. Die Tagesdaucr vermindert stch bis zum kürzesten Tage in Norddeutsckland von 774 auf 7%, in Mitteldeutschlo.nd von 8 7--H. in Süddmtschl.and, der

Schweiz und Österreich von 8 sst auf 8 sst Stunden; die nach

sckiiekcnen Wählern unterzeichnetes Formular, den amtlichen Wahlleitern kundgegeben werden muß, jo ton*!) dieser fürunopposed , dos !)eis)t oüttc. (^ccjcu- kandidat gewählt, erklärt, während im anderen Falle die Wahl durch Abstimmung erfolgt. Ter crstere Fall ist in Englaiid durchaus nicht so selten; auch diesmat haben die Konservativen bisher in 38 und die x.icerate.i sogar in 61 Wahlkreisen keinen Kandidaten aufgestellt, um ihre Kräfte nicht zu A^rsplittern. . ...

Was die Parole des Wahlkampfes betr isst, so lautet sie, wie schon betont gegen, bezrehungs- weise für das Oberhaus. Das Kabme.t Asanith bat sein Programm in diejer Frage schon vor d-r Pertngnng des Parlaments in bcn bekannten Resv- imionen kestgelegt, welche dem Oberhause das Recht nehmen wollen, das Budget abzulehnen oder es mit Zuiänen zu versehen, ivährend bei den übrigen Ge- setzesvorlagen die Befugnisse der Lords m der Werw beschränkt' werden sollen, daß jede Vorlage auch ohne deren Zustimmung Gesetz wird, die m drei anfeviander folgeiide» Sessionen vom Unterhause angenommen und dem Oberhause ivenigstens einen Monat ^ vor Sesjionsschliiß zugegangen ist, vorausgesetzt, daß sie die königliche Sanktionierung erhalten hat und daß zwischen Teils Tage ihrer Einbringung im Unterhaus und dem Tage ihrer dritten Annahme wenigstens zwei Jahre verstrichen sind. Das Oberhaus hat nun einen nicht ungeschickten Schachzug vollzogen, indem es nom vor der Tagung die Lmidsdowiicschen Resolutionen an- nahni, in deneil eine freilich sehr bescheidene sind in der Pro eis wenig wirksame Reform de? Oberhauses zilge- standen wird. Eine noch stärkere Erschwerung der Position des Kabinetts bedeutet es allerdings, das; mdo nur ein Teil, der L i n k 8 l i b e r a t e n, sondern vor allem die A r b e i t e r p a r t e i l e r und dw Iren viel w e i t e r g e h e n b c WUnsche alsdie Reform des Oberhauses hegen, jtämlidE) dessen völlige Beseitigiis> g anstreben. Andererseits haben aber die Iren von den Liberalen alles und von den Konservativen, die entschiedene Gegner der Homeriile für Irland sind, nicht? zu erwarten, und auch die Arbeiterpartei wird, trotzdem ihre Preße je.n erklärt, daß sie fein Interesse an ^em Kampf zwischen deii beiden Parteien habe, diesen Standpunkt schwerlich in die Praxis des- Wahlkampfes übertragen, schon auv Nncksickt auf die Schutzzollfrage.

Tenn diese, nämlich eine T a r i f r e f o r in nn. s ch n tz z ö l I n e r i s ch e ii Siniie, bildet das aramm der Konservativen, die denn auch wieder mit dem Schreckgespenst derdeutschen Gefahr arbcilen, indem sie die englischen Wähler nicht kioß mit oem wirtschafiliche». sondern auch mit deni politijcken Wer-.- beiverb Deutschlands zu schrecken suchen. Das aber ist

der Punkt, weshalb das Ausland und insbesondere Teulschland Anlaß hat, bei a I l e r R e s p e k t r e r u n g des Grundsatzes der Nichternmrs ch> u n g m seinen Sympathien auf seiten der englischen ^me° vale ii z» stehen, denn die Partei der konservatwen Schutzzöllner ist, zugleich die Parte: derImperialisten , die einekräftigere Auslandspolitik'' anstreben und durch die Schutzzölle die Mittel für e:ne noch stärkere Seerüstung Englands gewinnen wollen.

Uolitische Kbrrsicht.

Dis Mckttdate dev Herren R»eren «nd Kitter.

Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben- Über die Vorgäiige, die der Osterdienstagskonferenz g«» fotgt sind, soll die Zentrumspresse bekanntlich ems weilen nicht mehr reden. Worte sind auch zweck o - wenn m Taten übergegangen wird. Und wirklich stylcri man sich letzt zirr praktischen Überwindung der vor­handenen Differenzen an, indem man dre unbequenwa Kritiker ans ihren Parteiämtern verdrängt und da- diirch kallstellt. Gegen die Wiederanfstellnng sowohl

ütoe'-ens wie Bitters tu ihren bisherigen Reichstags- wahlkreisei: wird Sturm gelaufen., Herr Roeren ver­tritt seit 1893 den vierten Trierschen Wahlkreis, Saarbura-Merzig-Saarlouis. Ter Wahlkreis geyort mit 97 Prozent .Katholiken zum festen Bestände Zentrums. Es sind die christlichen Gewerk- v e r c i n l e r, von denen hauptsächlich der Widerspruch n.'gen eine neue Kandidatur Roerens ausgeht Tw Geistlichkeit ist gespalten. Sehr interessmit aber ist, dav die Saar-Post", deren Redaltciir vr. Krucken- w.erer selbst an der Osterdienstagskonferenz teilgenom- men hat, jetzt unter den:,eiben Redakteur M 8 Kölner Lager abgeschwenkt ist und ,ich gegen Roereiw Wiederaufstelluilg wendet. Roeren wurde aljo emein Freunde zum Opfer fallen, der rhm die Treue ge­brochen hatte. Ganz anders , liegen die ^erhältliche im Wahlkreise lw. Bitters, rn Osnabrück, --w Bebölkeruna dieses Wahlkreises ijt m der Mehrheit evangelisch. Sem Vertreter war bald ein National- liberaler. bald ein Welfe, bald ein Zeiitrumsmayn. t>c>- Zentrumsmeum kam aber immer nur mit Hnse Evangelischer Wähler durch, so mich zuletzt der in Kiel als Rechtsanwalt ansässige Dr. Bitter, der denn auch im Wahlkampfe eifrig die Fahne der ch r Ii ch c » W c l t. a n i ch a n u n g" geschwenkt hat. seit ,wei Jahren tritt er eifrig für ein rein konfessionelle^ omtrum ein und erklärt, daß es eine allgemeine ästisi-- liche Weltanschauung gar nicht gebe. Es liegt auf cer Hand, daß man hiernach Herrn Bitt er protestanti.n,en

dem Solstitium bis zum Alonatsschlusse eintrctcnde Ver­längerung der Tagesdaucr beträgt im Norden nur l»m, nn Süden nur vier Minuten, sie entfällt ganz auf den Nach­mittag. , . . . .

Der Mond wechselt im Dezember funfma'l jemc Phasen, die Zeiten sind folgende: Neumond am 0, um W Uhr 11 Min. nachm.. Erstes Viertel am 9., nur 8 Uhr 5 Min. nachm., Vollmond am 16., um 12 Uhr 5 Min. nachm., Letztes Viertel am 23., um 11 Uhr 33 Min. vorm und Neu­mond -am 31., um 5 Uhr 21 Min. nachm. Der, Mond be- lindet sich am 15. Dezember, tun 5 Uhr nachm., m Erdnahe ii einem Abstande von 56,1 Erdhalbmcssern. und am 28. Dezember, um 3 Uhr vorm., in Erdferne bcr emem Ab­stande von 63,6 Erdhalbmcssern ä 6378 Kilometer. Eme mck sichtbare S t e r n b c d c ck >l n g durch den Mond findet am 24^ Dezember statt, der Mond schreitet dabei über den Kirsteru 3 Größe Gamma derJungfrau" hinweg; der Eintritt eriolat für Berlin um 1 Uhr 30,8, Min. vormittags,

Austritt um 2 Uhr 30,8 Min. vormittags.

Von den großen Planeten ist Merkur im letzten drittel des Dezember für kurze Zeit nach Sonnenuntergang 1 südwestlichen Abendhimmel zu beobachten. Er gekairgt am 24 Dezember, um 7 Uhr nachm., in größte östliche Aus- weichuna von der Sonne, 19° 54'. Zi, Mitternacht vom

M»m 27 Dezember hat Merkur mit Uranus Konjunktion, wobei er nur 36' südlich vom Uranus steht; um diese Zeit sind beide Planeten unsichtbar, doch-hat Merkur, der zwar eine 349 mal schnellere Ortsbewegung als der ferne Uranus besitzt bereits am vorangehenden Abend eine ahnliche Stellnna Mit bloßem Auge vermag man den nur als Sternchen 5 Größe schimmernden Uranus, zumal :n der Dämmerung nicht zu erkennen, ein etwas lichtstarkes, wenn auck nur lein res Instrument mit schwacher Vergrößerung zeiat 7bn ab r reichlich eine Vollmondbreite rechts oberhalb ve? sworf imikclnden Merkur. Venus, die erst am 26^ November in oberer Sonnenkonjunktion war, bleibt ,m Dezember noch unsichtbar wird aber den größten Teck des kommenden Jahres mit ihrem prächtigen Glanze dm Him­mel schmücken. - Mars wandert am M. Dezember ans deni Sternbilde derWage" rn das des "Skorprous und ist vor Sonnenaufgang erne Zeitlang am ludoftlichen

Horizont zu sehen. Sein Eidabstand vermindert sich nun fortgesetzt, doch befindet er sich am 1. Dezember noch -, und au: 31. Dezember noch 2.30 Erdbabnha b.nmr von je 149 48 Millionen Kilometer von uns entfernt. Damit v - größert sich sein scheinbarer Diirchnicsscr voil^ 3. 8 auf 4. - O. Jupiter weilt im Sternbilde derJungfrau und geht anfangs gegen 5 lihr. zuletzt schon vor 4 Uhr vor­mittags im Osten auf. strahlt nnthm an den noch spät dunklen Dezembermorgen, wenn wir vorn Monde absehen, als hellstes Gestirn des ganzen Himmels. Auch fern Erdab- siand wird geringer, er nimmt ab von 6,23 auf o,87 Erdbahn- radren, wodurch sein Scheibe,idurchmesser eine Vergrößerung von 32 "0 auf 34.-0 erfährt. Am 26. Dezember, nachmittags 3 Nbr hat der Mond mit Jupiter eine sehr nahe Konjmu- tion am vorangehenden Morgen befindet sich dre ab- nchmendc Sichel des Mondes aber noch eine Strecke weft- liw ircchtsj und am folgenden Morgen schon ein Stuck öst­lich (links) vom Jupiter entfernt. Saturn geht rin Sternbilde desWidders" stetig früher unter, am Monats- anfang gegen 4'/, Uhr, am Monatsschluß gegen S st Uhr nioraeiis Seine Entfernung von der Erde vergrößert sich von 8 44 bis auf 3,83 Erdbahnhalbmcsser, daher verkleinert sich sein Scheibettdurchmesser von 19."3 auf 18."5, wahrend Me Achsen des Salnrnringcs Akitte Dezember 43. o (große Achse) und 11."9 (kleine 2lchse) incsseii. ?lm 12. Dezcnibcr, abends 11 Uhr, Hai der Mond mit -dem Planeten eine sehr nahe Konjunktion; der Mond bewegt sich bei dieser in dein Abstande von 1 ° 5' nördlich am Saturn vorüber. Uranus, in itefer Stellung imSchützen", bleibt in der Abeilddäimnerung für das bloße Älugc unsichtbar. Bei einer Entfernung von zuerst 20,38, zuletzt 20,64 Erdbahiihalb- Messern betragt der Durchmesser seiner Scheibe nur 4."0. über die Konjunktion des Uranus mit Merkur am 26./27. Dezember ist oben schon gesprochen würden. Neptun verharrt irr günstigster Stellung in denZwillingen" ivährend der ganzen Nacht am Himmel. Sein genauer Ort ist am 1. Dezember Rektaszension 7 h 31m 16 s wfd Deklination st- 21° 8'; bei einer Entfermurg bott amangnw 29,23, am Monatsschlusse 29,00 Erdbahnhalbmessern besitze feine Scheibe nur den winzigen Durchmesser von -. ». welchem Grunde sein Planctencharaktcr nur >n sch. arwn