<2exte 2. Samstag, 5. November 1S10. Wiesbadener ©gSgfelßtt*_ Abend-Ausgabe, 1. Blatt. _ Nr. 518.
angeregte Unterhaltung. Der Kaiser von Rußland tranl dem Reichskanzler zu, der Kaiser dem Staatssekretär Ssasonow und dem Baron Fredericksz. — Die Tafelmusik stellte das 1. Garde-Regiment. Beim Einzug des Hofes wurde der Parademarsch des Regiments „Preobr-aschensk" gespielt.
Diplomatische Empfänge und Auszeichnungen.
Vor der Galatafel empfing der Kaiser den russischen Staatssekretär Ssasonow und der Kaiser von Rußland den Reichskanzler, dem er bei dieser Audienz die Insignien des Andreasordens überreichte, und darauf den Staatssekretär v. Kiderlen-W achter, dem er den St. Alexander - Newskyorden verlieh. Oberhosmarsch all Gras zu EulenVurg erhielt die Brillanten zum Andreasorden. — Der Kaiser verlieh dem Verweser des russischen Ministeriums des Äußern Ssasonow das Großkrcuz des Roten Adlerordens, dem russischen Botschafter in Berlin, Grafen v. d. Osten-Sacken, und dem Generaladjutanten, dem General der Kavallerie und Minister des kaiserlichen Hauses Baron Fredericksz die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden.
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wb. Station Wildpark, 5. November. Der Kaiser von Rußland und Kaiser Wilhelm sind um 9 Uhr im kaiserlichen Sonderzug von hier nach Oranienburg zur H o f j a g d im Forstrevier Oranienburg abgefahren. Das Wetter ist schön.
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Sozialdemokratischer Protest gegen den Zarenbesuch.
hd. Berlin, 5. November. Im Restaurant Viktoria- garten, dom Parteilokal der Potsdamer Sozialdemokratie, fand gestern abend eine Versammlung statt, die von etwa tausend Personen besucht war und in der gegen die Anwesenheit des Zaren protestiert wurde. Das Referat hatte der Landtagsabgeordnete Hoff mann übernommen, der sich über das Thema: „Warum protestieren wir gegen den Zarenbesuchin längerer Rede verbreitete. Der Redner vermied jede Auslassung, die zu einem Konflikt mit dem anwesenden Polizeikommissar hätte führen können. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Anwesenheit des Zaren als Vertreter der russischen Schreckensherrschaft protestiert wird. Die Versammlung sckssoß mit einer Sympathiekundgebung für das russische Proletariat. Nach Schluß der Versammlung entfeinten sich die Teilnehmer in aller Ruhe, so daß die ziemlich zahlreich erschienene Polizei keinen Anlaß zu irgend einer Betätigung hatte. Die Gerüchte, die wissen wollten, daß die Versammlungsteilnehmer einen Demonstrationszug durch die Straßen planten, waren grundlose Erfindung.
DeRtsches Reich.
* Bundesrat. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Dem Vernehmen nach wird kurz vor dem Zusammentritt des Reichstages der Ausschuß des Bundesrats für die auswärtigen Angelegenheiten bei dem Reichskanzler versammelt sein. — In der letzten Sitzung des Bundesrats wurde dem „Reichsanzeiger" zufolge «. a. dem Entwurf eines Gesetzes betreffend die Beseitigung von Ticr- kadavem, und dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Schutz des zur Anfertigung von Reichsbanknoten verwendeten Papiers gegen unbefugte Nachahmung, zugestimmt.
* Der Entwurf über die Neuordnung der Sonntagsruhe im Haudelsgewerbe, an dem zurzeit im Reichsamt des Innern gearbeitet wird, wird dem Reichstage vor den Neuwahlen ,licht mehr zugehcn. Die Materie wird den Reichstag frühestens im Frühjahr 1912 beschäftigen.
* Der Entwurf über die Verfassungsänderung Elsaß- Lothringens dürfte voraussichtlich in diesen Tagen, nachdem er die Unterschrift des Kaisers erhalten hat, dem Bundesrate zugehen, wo Sachsen das Referat über die Vorlage zu halten haben wird.
* Die bayerische Regierung gegen den Vatikan. Der 'Schwab. Merk." will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die bayerische Regierung den Vatikan hat wissen lassen, daß sie nicht in der Lage sei, den letzten Forderungen der Kurie zuzustimmen, da diese zu sehr in die Rechte der bayerischeir Krone cingreifen. Der Vatikan Würde durch seine Neuordnung die Anstellung der Pfarrer von der
Festung Silberberg in Schlesien. Auch die Jahre 1835 und 1836 vergehen, und zum dritteu Male kehrt der Tag seiner Verhaftung wieder, ohne daß er sein Urteil weiß oder auS- gclicfert wird. Am 31. Oktober 1836 schrieb er an seinen Vater: „Wenn ich dem obigen Datum fluchen sollte, so wäre cs mir wenigstens zu verzeihen, und ich würde es tun, wenn ich nicht bedächte, daß der Tag, der mich vor drei Jahren in den Kerker warf, vielleicht eine Menge von Menschen beglückte; mich hat er namenlos unglücklich gemacht, er hat mir Gesundheit und Lebensglück und — was noch schlimmer ist — auch Lebensmut geraubt ... Ich bin auf dem Wege, mir einen passiven Mut zu schassen, dessen Höhepunkt völlige Apathie sein wird, und wenn dies Bestreben für einen Menschen, der im Genüsse seiner Freiheit ift, etwas Schreckliches und sogar Sündltches enthält, so ist es für arme Gefangene nicht allein zuträglich, sondern — wie ich glaube ~~ mit der Moral völlig übereinstimmend, wenig- stens für einen Gefangenen meiner Klasse." Man sieht, Reuter war damals van der Verzweiflung nicht mehr weit entfernt. Alle Versuche der mecklenburgischen Regierung waren fruchtlos geblieben. Endlich erscheint das Urteil, und — es erkennt auf Versuch zum Hochverrat — 39 der AngeNagen werden zum Tode verurteilt, unter ihnen Fritz Reuter. Die Entscheidungsgründe dieses Urteils sollten später bekannt gemacht werden, sie sind nie erschienen. Friedrich Wilhelm III. begnadigt sie zu 30 Jahren Festungsstrase: das ist Begnadigung zum lebendigen Tod. Jedermann sagt ihnen, sic müßten bald freikommen, der König werde weiter Gnade üben; aber alle Hoffnungen erweisen sich als eitel. Fritz Reuter wird zuerst von Silber- bcrg nach Glogau geschasst und von dort weiter nach Magdeburg. Hier kommt er unter die Herrschaft eines -unmenschlichen Kommandanten, des Grafen Hacke, der ein Vergnügen daran findet, die unglücklichen Jünglinge durch -Entziehung von Luft, Licht und Wärme vollends zu verderben; Reuter, der seiner geschwächten Augen wegen hier- her geschickt ward, erhielt eine Zelle, in die nie ein direkter Lichtstrahl dringt. Endlich stirbt Graf Hacke und Reuter
Zustimmung Roms abhängig machen, was Bayern nicht zugeben kann. Ebenso würden auch die Universitäten beeinflußt werden, wenn die Professoren durch einen Eid gebunden sind.
* Der Prozeß wegen der Moabiter Unruhen. Der Prozeß wegen der Moabiter Unruhen wird am nächsten Mittwoch beginnen und etwa drei Wochen dauern. Nach den Ermittelungen der Anklagebchörden wurden bei den Straßenkümpfen etwa 50 Schutzleute verwundet; von den Tumultuanten wurden etwa 150 verletzt. Es dürften etwa 400 Personen als Zeugen an Gerichtsstellc erscheinen.
RavlKmentarrsches.
Die Justizkommission des Reichstags beschloß in der zweiten Lesung der Strafprozeßnovelle die Fassung des 8 232, nach welchem die von einem Prozeßbeteiligten beantragte Beweiserhebung nur äbgelehnt werden kann, weil sich wegen der Offenkundigkeit jede Beweiserhebung erübrigt, und weil die Tatsache, die der Antragsteller beweisen will, für die Entscheidung ohne Bedeutung oder schon erwiesen ist oder weil die Beweismittel unerreichbar sind. In denr Beschluß ist anzugeben, weshalb einer dieser Gründe zutrifft. Nur in den Verhandlungen vor Amtsund Landgerichten, die eine Übertretung betreffen oder auf eine erhobene Privatklage erfolgen, soll das Gericht den Umfang der Beweisaufnahme bestimmen. Ferner wurde folgender neuer 8 249 a beschlossen: Bei der Erörterung von persönlichen, häuslichen und Familien- Verhältnissen kann das Gericht die Öffentlichkeit ganz oder teilweise ausschließen, wenn diese außerhalb des Strafzwecks liegende Härten mit sich bringen würde und ein öffentliches Interesse nicht entgegenstcht.
Ausland.
Frankreich.
Das Programm des neuen Kabinetts. I» dem Ministermt wurde sestgestellt, daß vollständige Übereinstimmung zwischen den Ansichten des Ministerpräsidenten und denen seiner Mitarbeiter besteht. Die in -den Kammern äbzugebende Erklärung des Ministeriums, deren einzelne Punkte in verschiedenen Sitzungen des Ministerrats durchberaten werden sollen, wird sich hauptsächlich aus die Reform des Wahlrechts, der Verwaltung und des Gerichtswesens beziehen, ferner auf die Verteidigung der Laienschule und auf Maßnahmen, die geeignet sind, den ununterbrochenen Betrieb in denjenigen öffeirtlichen Dienstzweigen, die für die Tätigkeit der Nation eine Lebensfrage bedeuten, zu sichern und die Interessen der in diesen Dienstzweigen beschäftigten Arbeiter zu schützeil. Die von der früheren Regierung bereits eingebrachten Vorlagen werden bestehen bleiben oder wieder ausgenommen, besonders das Be- amtengcsetz, die Wahlreform, die Steuerreform und die Feststellung der Rechte der Syndikate, ebenso der Entwurf über den Arbeitsvertrag und die Möglichkeit, Gesellschaften zwischen Kapital und Arbeit zu bilden, die der letzteren einen gerechten Anteil an dem gemeinsam erzielten Gewinn sichern. — Ministerpräsident Briand erklärte, das neue Ministerium solle kein Ministerium der Reaktion sein. Wenn er wünsche, daß die Regierung Mittel erhalte, um Untcc- brechungen der öffentlichen Dienste zu verhindern, so sei es ebenso sein Bestreben, die Rechte der Arbeiter zu wahren. Man müsse also Maßregeln treffen, durch die die Beziehungen zwischen den Gesellschaften und ihren Arbeitern erleichtert werden und vielleicht eine SchiedAgerichtskorn- mission schaffen. Der Gesetzenttvurf über das Streikrccht werde der Kammer nicht vor Ablauf von 14 Tagen zugehen. — Der Bericht über den Ministerrat machte in den Wandelgängen der Kammer den besten Eindruck. — Die in ihren Grundzügen festgestellie ministerielle Erklämng ist auffallend umfangreich. Die Zahl der angekündigten Gesetzentwürfe ist so groß, daß zu ihrer Durchführung eine bisher von keinem Ministerium erreichte Lebensdauer gehört.
Unfall eines Unterseebootes. Das Unterseeboot „Ger- minal" ist auf der Reede von Calais mit einem Fischerboot zusammcngcstotzen. Die aus 14 Mann bestehende Besatzung des Fischerbootes, das untergegangen ist, wurde gerettet. „Germinal" scheint keinen Schäden erlitten zu
ist der erste, den man aus dieser Hölle entläßt. Freilich noch einmal muß er in der Berliner Wtadtvogtct vier Rächte bei furchtbarer Kälte, im Februar 1833 in ungeheizter Zelle, auf den: nackten Fußboden zubringen. Dann aber kommen die besseren seiner Unglücksjahre, er kommt nach Graudcnz zu einem nienschlicheu Kommandanten.
Endlich im Juni 1839 wird Fritz Reuter aus persöw liche Fürbitte des Großhcrzogs Paul Friedrich von Mecklenburg an sein Vaterland ausgeliefert uno komint auf die Festung Dömitz, wo- er die ganze Gemütlichkeit seiner Heimat findet, ein Zimmer ohne eiserne Gardinen, ein KommaudantcnhauS mit einer ganzen Schar von Töchtern, in dein er wie ein Sohn verkehren durfte, die Erlaubnis, täglich von 12—3 Uhr nach der Stadt zu gehen. Aber cs fehlte doch die Freiheit. Endlich stirbt Friedrich Wilhelm III., sein Sohn, Friedrich Wilhelm IV. folgt am 7. Juni 1840 und erläßt eine allgemeine Amnestie, Fritz Reuter liest es in den Zeitungen — aber ihn, den Mecklenburger, hat man vergessen, noch vier Wochen muß er bleiben, bis ihn sein Großherzog auf eigene Hand entläßt. Ms er mit seinem Vater schon zusammen am Tisch sitzt, meldet ein Brief des Justizministers Kamptz dem alten Reuter, daß sein Sohn bald heimkommen werde.
Frei ist ex jetzt. Aber was soll nun werden, was soll der 30jährige Mann nun beginnen? Herzergreifend hat er uns seine damaligen Stimmungen geschildert: „Wat was ick? Wat wützt ick? Wat kunn ick? — Wat ha-dd ick mit de Welt tau dauhn? Rein gor nicks." Dazu hat ihm die „Festungszeit" ein trauriges Leiden gebracht; „er trinkt", sagten die Leute, „aus ihm wird nichts." Sein Vater schickt ihn noch einmal ans die Universität nach Heidelberg, ruft ihn aber bald zurück, und Fritz Reuters „Stromtid", seine LandwirtSzeit, begann. Zuerst lernt er die Landwirtschaft auf der Ökonomie seines Vaters, dann in Demzin, wo er auch die Predigerstochter Luise Kuntze kennen lernt un-d um ihre Hand wirbt, die sie ihm, dem aussichtslosen Manne, zuerst versagt. Inzwischen hat er als Landwirt ausgelernt und muß sich die Frage vorlegcn, ob ihn dieser
haben, wird sich aber zur Untersuchung nach dem Trockendock begeben.
Keigie».
Der deutsche Kaiser hat aus Anlaß seines Brüsseler Besuches dem Bürgermeister von Brüssel, Max, 3000 M. für die Armen der Stadt überwiesen.
E» gl an».
Der Streik der Bergleute von Süd-Wales breitet sich weiter aus. Gestern abend haben etwa 3000 Mann beschlossen, die Arbeit mederzulegen.
Spanien.
Der Eeneralausstand in Sabadell. Die Regierung ist entschlossen, die großen Kundgebungen, die im Anschluß an den Zug der Ausständigen von Sabadell nach Barcelona beabsichtigt werden, selbst mit Gewalt zu verhindern. Der Generalkapitän von Katalonien, General Wehler, verfügt über eine genügende Anzahl Truppen, um jeden Versuch einer Kundgebung zu unterdrücken. Der Regierung stehen augenblicklich 15 000 Mann zur Verfügung, die sie nach der Provinz Barcelona entsenden kann, um dort die Ordnung aufrecht zu erhalten, die, wie die der Regierung zugegangenen Nachrichten besagen, eine kleine Anzahl von Agitatoren, die der Masse der Arbeiter ihren Willen aufzwingen wollen, zu stören beabsichtigt. Eine Anzahl von Rädelsführern ist bereits verhaftet worden.
Das Cadenasgesctz. Der Senat hat das Cadenasgesetz mit 149 gegen 85 Stimmen airgenommen.
Serdisrr-
Das Befinden des Kronprinzen hat sich neuerdings verschlimmert. Die Temperatur betragt 39,7. Ein von den Ärzten abgehaltenes Konsilium dauerte anderthalb Stunden,
Türk rii.
Die türkische Anleihe. Direktor Helfferich von dci Deutschen Bank äußerte sich Vertretern der Presse gegenüber folgendermaßen: Der Abschluß eines kurzfristigen Vorschusses und einer 4prozentigen Anleihe wird in allerkürzester Zeit erfolgen.
Der Generalkongrcß des Komitees für Einheit und Fortschritt betraute eine besondere Kommission mit der Prüfung aller von den verschiedenen Sektionen des Komitees eingereichten Vorschläge zur Sicherung des Besitzes in den Provinzen des türkischen Reiches, eine zweite Kommission mit der Durchsicht der Fmanzgebarung des Komitees und zur Abänderung der Satzungen.
Generaloberst v. d. Goltz ist in Saloniki eingetro-ffen und Wird mehrere Tage zur Inspektion dort verweilen.
Merke».
Die Aktion in Persien. Nach einer Rcutcrineldung wird die Nachricht von einem Gefecht am Persischen C5j c ,ff offiziell bestätigt. „Proserpina" schiffte bei Ch-äbar, Meilen von Bris, eine Abteilung von 60 Mann aus, um einen Schmuggelversuch mit Waffengewalt zu verhindern Der Kommandant der „Proserpina" und ein Hauptnränu des indischen Korps wurden bei dem Zusammenstoß lcicki' verletzt. „Proserpina" brachte ein. größeres Detacho,u-^j ans Land. Die Angelegenheit hat weder mit der kürzlich gemeldeten Ausschiffung englischer Truppen bei Lingeh noo mit den Unruhen bei Lingeh etwas zu tun.
Luftschiffs mtD Aeroxlane.
Passagiersahrtrn des „P. 6".
Kiel, 5. November. (Eigener Drahtbericht.) Die für heute vormittag angesctzte Fernfahrt nach Hamburg- Altona mußte infolge - ungünstige« Wetters unterbleiben. Die Nachrichten der deutschen Secwarte in Ham bürg lassen hoffen, daß das Wette- sich bessert und die Fahrt im Laufe des morgigen Vormittags angetrete» werden kann.
Ter Meeresslug verschoben.
-,vb. New Jork, 4. November. Der Aviatiker Mi Curdy, der morgen von den: Deck der „Kaiserin August: Viktoria" nach New Uo-rk fliegen wollte, hat den Flug infolge des herrschenden Sturmes aus den 24. ds. verschoben
Beruf auch nähren wird. Im Jahre. 1844 wird ihm das Haus des Gutsbesitzers Fritz Peters in Thalbcrg eine Heimat. 18-15 stirbt sein Vater, aber was er ihm htntcr- lätzt, genügt nicht, eine eigene Landwirtschaft zu gründen, uno so lehrt er bis 1848 nach Thalberg zurück, wo er dem Hausherrn hilft, die Erziehung der Kinder überwacht uno auch die ersten, zaghaften schriftstellerischen Versuche wagt. Im Jahre 18-17 hatte ihm Luise Kuntze ihr Jawort gegeben, zögernd und zagend, denn- noch immer lag für sh« die Zukunft in Dunkel gehüllt. Im Jahre 1848 drang du Revolution bis nach Mecklenburg, eine Abgeordnetenver, sammlung wird gewählt und zu ihr gehört auch Fri-- Reuter. Wohl mochte er hoffen, auch für sich selbst eine dauernde Stellung zu gewinnen. Aber er kehrte bald e®. rauscht zurück, und wird für seinen Freund Peters, der zur Landwehr eingi zogen ist, noch einmal Landwirt. Endlich Jahre 1850, vierzigjährig, gibt er das Landleben auf, zieh! nach Treptow an der Tollcnse und versucht sich in de«, schweren Beruf eines Schulmeisters. Er gab für zwei und einen halben Groschen die Stunde Turn- und Zeichenunterricht und lehrte auch in anderen Fächern, wo man es von ihm begehrte. Es ist ein schier verzweifeltes Unternehmen, aber über ihn ist die Hoffnung gekommen. „Die Hoffnung», sagt er, „ist so dreist wie die Biene, sie drängt sich an jede Blume und trägt aus jeder ihren Honig davon." Endkjü» im Frühjahr 1851 wagt er die Bereinigung mit seiner Braut: ans das allerbescheidenste gründen sie ihren Hausstands Der Plan, ein Dichter zu werden, war Reuter erst allmählich gekommen. Von seinen ersten Arbeiten ist uns nur weniges erhalten, vor allem die Satire auf die gräfliche Familie Hahn und die Untertämgkeitsverhältnisse j,i Mecklenburg: „Ein gräflicher Geburtstag". Alles, was er geschrieben, hatte Reuter bisher in hochdeutscher Sprache ver- faßt, man ahnte noch nicht, daß man auch die plattdeutsch« Sprache für die Dichtkunst anwcn-den- könne. Da erschf« im Jahre 1852 von Reuters Landsmann Klans Groth „Qu-ckborn", eine Sammlung plattdeutscher Gedichte, die einen großen Erfolg hatte. Reuter fragte sich, ob er d.--
