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Verlag Langgaffe 21.

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irr. 507 .

W resbaden, Sonntag, 30. Oktober l@IO.

58. Jahrgang.

Morgen - Kusgabe.

L. Mkoltt. __

Aüv Wovernber: uuö Dezember:

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Wirsbadrner Tagblatt"

z, «bonnierrn, findet fich Gelegenheit

ft» y*vi<*aTnsvlntt-Kans" Fanggaffr 81 , in der Zweigstelle Dismarckring SS, in den Ausgabestellen der Ktadt und Nachbarorte, «nd bei sämtlichen deutsche« Reichspostanstaiten.

pt AMllMScrsktzM im Zentrum uertaftt!

In der Zentrumspartei oder, besser ausgedrückt, im politischen Katholizismus müssen während der letzten Lage interessante Dinge hinter den Kulissen vorge­gangen sein. Daß sie sich der Öffentlichkeit bis setzt entziehen, stellt die Disziplin und Klugheit des Zen­trums ein sehr gutes Zeugnis aus. Gleichwohl läßt sich einiges mit Sicherheit erschließen.

Deutlich sichtbar ist zunächst, daß die Osterdienstags­männer sich untereinander stark entzweit haben. Dr. ©iefetä wendet sich erregt gegen Dr. Kaufmann und ä' % SavignY, und diese Herren erwidern ebenso leb- böit * Roeren verspricht, diesmal endgültig und vor- b »haltlos, die November-Deklaration der Zentrums- teituna zu seiner Richtschnur zu machen; er schwört also der Cölner Richtung Urfehde. Oder bestreitet Herr Roeren, daß das eine aus dem anderen folgt? Denn Las ist richtig: die natürlichsten, der übrigen Welt als selbstverständlich erscheinenden Schlußfolgerungen wer­den in diesem inneren Zentrumsstreit von den Par­teien bestritten und abgewehrt; und durch die Hinter­türen des Zentrumsturmes schlüpfen so viele, daß es ein Gedränge wird. Nach alledem scheint die Position Ler Osterdienslagsmänner sehr schwach zu sein, zumal Herr Roeren, der ihnen den Rücken gekehrt hat, eigent­lich der einzige bekannte Politiker unter ihnen war.

Und doch liegen die Dinge einigermaßen anders. Roeren ist infolge von Gedächtnisschwäche (die, wie ge­meldet, durch Nikotin- und Kosfeinvergiftung hervorge- rüfen ist) nicht mehr imstande, die Polemik weiterzu- fichren; er wird weder im einen noch im anderen Lager künftig eine Rolle spielen. Die übrigen Teilnehmer der beiden Konferenzen (der Cölner und der Coblenzer),

zn denen Tietzsch und v. SavignY nicht gehören, beab­sichtigen dagegen, wie wir hören, eine neue Erklärung, und dazu gehört, daß sie sich sozusagen als geschlossene Gruppe konstituieren. Wir sehen eigentlich keine andere Veränderung gegen früher, als das Ausscheiden des Herrn Roeren. Vor allem nimmt das deutsche Episko­pat immer noch und, soweit man weiß, einmütig denselben Standpunkt ein wie die Osterdienstags- konferenz, d. h. sie beharren dabei, daß das Zentrum die politische Organisation der deutschen Katholiken ist und sich gegebenenfalls den Weisungen der Bischöfe zu unterwerfen hat.

Geändert hat sich nur die Stellung eines Teiles der Bischöfe zu den christlichen, interkonfessio­nellen Gewerkschaften. Das Fuldaer Pastorale von 1900, das dieselben verurteilt, wird von diesem Teile des Episkopats, u. a. den Erzbischöfen von München und Cölir, jetzt rund und nett prersgegeben. Es ist zu vermuten, daß die nächste Konferenz der Bischöfe den. Beschluß von 1600 revidieren wird..

Der Grund dafür liegt in der Nähe der Reichs­tag s w a h l e n. Bei diesen kann Las Zentrum die katholischen Arbeiter nicht entbehren.

Aus demselben Grunde soll auch die Diskussion über Len konfessionellen oder politischen Charakter Der Zentrumspartei nicht geschlossen, aber vertagt werden. Das ist ein Zugeständnis, welches die Bischöfe und die Gegner derKölner Richtung" der_ Zentrumspartei­lei tun g machen. Tenn eine Deklaration des Zentrums als konfessionelle Partei würde den Gegensatz zwischen dem Zentrum und den Konservativen weit aufreißen und damit die Aussichten des Zentrums vielfach verderben.

Aus demselben Grund wird auch der katholische Bvlksverein vorläufig geschont werden. Auf das grund­sätzliche Verlangen, daß sich der Volksverein den Bischöfen nnterordne, wird damit selbstverständlich nicht verzichtet. Wie kann sich auch dieser Forderung ein Verein entziehen, der sich schon in seinein Namen als katholische Organisation bezeichnet! Dem Volrs- verein selbst ist mit der Vertagung der Frage e:nst- weilen an: besten gedient. Diese Annahme grbt auch den Schlüssel dafür, daß die gegenwärtigen Erörterun- ger: in der Zentrumspresse den Volksverein so gut wie ganz aus dem Spiele lassen.

Die gesamte Zentrumspresse tft von der Parter- leitung ersucht worden, den Streit über den konfessro- nellei: oder nichtkonfessionellen Charakter der. Partei für jetzt ruhen zn lassen. Ganz strikt wird diese For­derung sicher nicht erfüllt werden. Wenn sich die Blätter

der Partei aber auch nur im großen und ganzen nach ihr richten, so wird damit den anderen Parteien ern bewunderungswürdiges Vorbild der G e s ch I o s s e n- h e i t und der D i s z i p I i n gegeben. In dieser Hm» sicht übertrifft das Zentrum selbst die Sozialdemokratie.

PKiffsche Übersicht.

Zladbod.

Aus Münster wird uns geschrieben: Nach einer

Meldung des Hirschschen Lelegraphenbureaus wird die Untersuchung gegen die Verwaltung der Zeche Radbod wegen des großen Unglücks wahrscheinlich demnächst eingestellt werden. Ein sozialdemokratisches Blatt hat diese Mitteilung als ein Manöver bezeichnet, das an­scheinend in dem Beleidigungsprozeß der Zechenver­waltung gegen den Redakteur derBergarbeiterztg. Stimmung für die Verwaltung machen soll. Das ist eine sehr geschraubte Deutung. Ter Effekt der teilung ist doch wohl ein anderer. Gerade angesichts der Zeugen- und Sachverständigenaussagen in dein Bochumer Prozesse muß die Nachricht, daß die Ein­stellung des Verfahrens beschlossen sei, merkwürdig be­rühren. Tie Bekundungen in der Bochumer Verhand­lung machen unseres Erachtens eine Wetter­führung der Untersuchung notwendig; mt anderen Falle würde leicht ein Mißtrauen Platz greisen, das man um des notwendigen Ansehens der Justiz willen bedauern müßte. Es würde ein Fehler sein, diele Gefahr -u unterschätzen. Wir hoffen des­halb, daß der Einstellungsbeschluß noch kein end­gültiger sei.

Krrriosa

In Mecklenburg-Schwerin ist laut' Inserat im Berliner Tageblatt" ein Rittergut zn verkaufen mtt 720 Morgen Wiesen und mit moderner Brauerei, Kon­tingent 7000 Liter.Ter Erwerber erhält Sitz im Landtag." Wie wir hören, ist man in der sozialdemo­kratischen Partei der Frage näher getreten, ob es sich empfehle, durch Kauf ein Landtagsmandat zu erwer­ben und dadurch Gelegenheit zu parlamentarischer Agitation zu gewinnen. Diese Idee mußte freilich des allzu hohen Preises wegen fallen gelassen werden. Vielleicht kommt man aber bei einer etwas billigeren Kaufgeleaenheit auf diesen Gedanken zurück. Ter Fall erinnert uns a>: einen anderen, der sich auf west­fälischem Boden ereignete. Ein Gutsbesitzer, der in seiner Eigenschaft als Patronatsherr den Pfarrer zn

FemlleLon.

Machdruck verboten.)

Der Dieb.

Skizze von Wilhelm Scharrelmann.

,Das Gaunerstückchen, von dem Sie soeben erzähl­ten," erinnert mich an eine Diebesgeschichte, die ich vor einigen Jahren auf meinem Landgute erlebte", nahm der Baron, der feinem Gegenüber gespannt zugehört hatte, lächelnd das Wort und lehnte sich behaglich in seinen Stuhl zurück.

, pflege in jedem Jahre einige Wochen auf meinem Gute zuzubringen.Lindenhöh" ist im Sommer ein wirklich idyllischer Aufenthalt. Das von Bäumen ganz umrahmte Haus, der nahe Wald^und nicht zum wenigsten der kleine See köniien im Som- nier nicht leicht an intimen Reizen übertroffen werden. Ich war, wie gesagt, auf einige Wochen hinausgefahren und genoß die Ruhe meiner ländlichen Abgeschieden- hcit mit stillem Entzücken. Die Tage verliefen ereig­nislos und still, wie ich es auf Lindenhöh nicht anders gewohnt bin, und meine einzige Zerstreuung bildeten Spazierritte über das Land, die ich täglich unternahm und die mich diirch die einsamen Felder und Forsten der Umgebung führten.

Ich war bereits einige Wochen draußen, als ich durch anhaltendes Regenwetter in eine gereizte uiid nervöse Stimmung geriet. Es regnete ausgiebig und unaufhörlich. Tie Erntearbeitcn ruhten vollstäiidtg und an weitere Ausflüge in die Umgebung war liicht zu denken.

Nachts schlief ich in der Kamnier, die für meine Be­suche immer gerüstet ist und am Ende des langen Korridors liegt, der durch daS ganze HüuZ führt. Ter Dcrwalter ist mit seiner Familie in einem Nebenhause untergebracht, und außer mir schlief nur ein Diener im Gutshause. Ich hatte am Abend noch einige Zeit ani offenen Fenster gesesseii, dem Rauschen des Regens rn den Kronen der Bäume gelauscht, war melancholisch "^worden, früh zu Bett gegangen und hatte.dann lange

nicht einschlafeir könneii. Tie warme, schwüle Lust und die Langweiligkeit des verflossenen Tages mochten daran schiild sein. Schließlich mußte ich doch einge- schlunimert fein, denn ich wurde es mochte eine Stunde nach Mitternacht sein durch ein merkwürdi­ges Geräusch aus dem Schlafe geschreckt. Es klang wie ein dumpfes Klirren, und konnte mich iricht er­innern, jemals ein ähnliches Geräusch gehört zu haben. Ick: richtete mich in: Bette auf und lauschte. Aber alles blieb still, und ich wollte mich gerade wieder Nieder­lagen und weiterzuschlafen versuchen, ärgerlich über de!: Regen, der noch immer in den Baumen vor meinem Fenster einförmig fortrauschte, als ich von neuem tu die Höhe fuhr. Ich glaubte deutlich gehört zu haben, daß eine Tür im Hanse verriegelt wurde. Ich lauschte eine Zeitlang gespannt, ohne mich zu rühren.

Mein erster Gedanke war:Es sind Einbrecher im Hause!" Aber schon im nächsten Augenblick schüttelte ich über mich selbst den Kopf. Es war sg zu dumm, hier einbrechen zn wollen! Außer dem welligen Silberzeug im Büfett des Eßzimmers war wirklich jo aut wie nichts in Lindenhöh zn holen. Tie meisten Zimmer standen völlig leer, weil das Haus, außer den paar Wochen im Sommer, wenn ich anwesend war, von niemand benutzt wurde.

Als ich aber zuin drittenmal Geräusch hörte, hielt es mich nicht länger mehr im Bett. Ich sprang auf, bekleidete mich notdürftig mit meinem Schlafrock und schlich an die Tür.

Mein Plan war, zunächst meinen Diener zu wecken. Mai: konnte immer nicht wisseii. Zur größere,: Sicher­heit aber kehrte ich vorher i'och einmal um und griff naä, meinem Gewehr, das in Lindenhöh immer schuß- bereit über meinem Bett hängt, schlich dnnn leise über den Flur und öffnete die Tür zu dem Zimmer mernes

DrenerS. . v

Hermann!" rief ich leise,stehen Sie auf! Ich glaube, es sind Einbrecher im Hause!"

Aber Hermann rührte sich nicht. Er schlref wie ein

Eicbbaum. ...

Ich schlich also näher an sein Bett, um ihn aus dem Schlaf zu rütteln aber das Bett war leer!

Ich war einigermaßen bestürzt in diesem Augen­blicke. Wo steckte der Schlingel? Vielleicht war er aus Licbcnsabenteuer aus? Ich glaubte schon länger be­merkt zu haben, daß er Mit Verwalters Babette eil, Techtelmechtel begonnen hatte.

Ich war ärgerlich, wütend. Ausgesucht in dem Augenblick, in dem man einen solchen Burschen nötig hatte, war er nicht da! Und zudem gänzlich allein einer Bande von Einbrechern gegenüberzutreten, denen es vieleicht auf nichts ankam, war immerhin nicht ganz ungefährlich. Es war keine Furcht, die mich beschlich. Aber ein unangenehmes Gefühl ich muß es gestehen durchrieselte mich doch.

Wie", dachw ich,wenn du aus dem Fenster spran­gest und dbn Verwalter wecktest?"

Aber in: nächsten Augenblick gab ich den Gedanken schon wieder ans. Einmal war es nutzlos, dem: der Verwalter schlief im Dachgeschoß des Nebenhauses, und zum andere,: fühlte ich auch eine leise Scham rn m:r aussteigen, i,n gegebenen Fall nicht allein mit. einem solchen Ereignis fertig werden zu können. Hielt ich doch den schußbereiten Toppellad'er in der Hand.

Fch trat alw auf den Flur zurück und lauschte. Aber alles blieb still. Ich mochte wohl einige Minuten gewartet haben die Zeit dehnt sich ja ixt solchen Augenblicken bis zur Unendlichkeit -h, als ich wieder ein" leises Geräusch vernahm. Es schien aus dem Eß­zimmer zu kommen, und ich gewährte nun auch einen seinen Lichtschimmer durch das Schlüsselloch der Speise» zinimertür auf den Flur dringen.

Sollte Hermann auch vielleicht aufs Mausen aus­gegangen sein? durchzuckte es mich, und ich spähte vor» sichtig durch das Schlüsselloch in das Zimmer.

Nein, das war Hermann nicht, den ich da drinnen gewahrte! Das war ohne Frage ein Einbrecher!

Ern achtzehn- bis neunzehnjähriger Bursche schien es zu sein. Er hatte eine der Kerzen ans dem Eßtisch cri,gezündet und durchkramte nun die Auszüge des Büfetts.

Ta die Vorhänge zugezogen waren, brauchte er nicht zu befürchten, daß der Scheii: des Lichtes nach draußen dringe. Vielleicht dritte er erfahren, daß das