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Verlag Langgaffe 21.

Tagblatt-HanS".

Sgaller-Halle geöffnet von 8 Uhr iMnenl bis 8 Uhr abends.

27,000 Momenten.

Beinss-PreiS für beide Ausgaben: 70 Pfg. monatlich, M. 2. vierteljährlich durch den Verlag Langaasie 21, ohne Bringerlohn. M. S vierteljährlich durch alle dcuticheu Poftanstalten, ausschließlich Bestellgeld. Bezugs-Bestellungen nehmen austerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marckrmg 2S, sowie Sie 112 Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen 33 Aus­gabestellen und in den benachbarten Lanvorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

I

Arrzeigen-Annahme: Für die Abend-AuSgabe bis 12 Uhr mittags: für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr nachmittags.

2 Tagcslmsglibcll.

Fesnsprecher-Müfr Tagülatt-Hans" Nr. 6650-53* Don 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.

, S°M»- dEel nnd ch°7.el S-itin. dnrchlaufend. nachbe!°nd°r-r B-rechnnng. -

Bei w?ederhöltc'/Äufiiahme ^unveränderter Anzeigen in lurzeu Zwijchenräumen entsprechender Rabatt.

Für die Aufnahme von Anzeigen an vocgeschricbeuen Tagen wird leine Gewähr übernommen.

Ns. 503.

Wiesbaden. Freitag. $28. Oktober 191®.

58. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

_1. ÄSCoit.__

§*ür Wovemöev irnö DeZSmbsv

ans das

Wiesbadener Tagblatt"

zS abonnieren, findet sich Gelegenheit

iur VerlagTagblatt-Hans" Langgasj'o 21, irr der Zweigstelle Zisu:,:rrlcoing 29, in den Auogabesteilen der Stadt und Nachbarorts, und bet sämtlichen deutschen Keichspostanstatten.

Usliiilche Wrrsrcht.

KsnserVatirsr Dartertag «nd Zerrrrnm.

Itüer den Versuch, die konservative Partei in, der Westmark" zu organisieren, freuten sich am meisten ihre Freunde voin Zentrum, die davon eine Schwäcknmg ihres Hauptgegners erhofften. Freilich in die Wahl­kreise, die dem Zentrum gehören, durften die Block- brüder nicht ürmtncn; man hat gegenseitig den Besitz­stand zu respektieren. Deshalb nahm man ihnen die Gründung eines Wahlvereins in Coblenz-St. Goars­hausen gehörig krumm. Aber ini ganzen war das Zentrum an dem Gelingen der konservativen Organi- saston im Westen stark mitinteressiert. Um so beweis- fröttiaer ist das Urteil der Zentrumspresse über das Gelingen dieses Versuchs.. Das Urteil äußert sich in einem' verlegenen Schweigen. Mit Tamtam wurde di-i Ankündigung des Parteitages begleitet, setzt aber herrscht Stille im ganzen klerikalen Blätterwalde. Mit diesem merkwürdigen Parteitag, der einfach eine Öffentliche Versammlung in Duisburg mit einigen aus­wärtigen Gästen war, ist kein Staat zu niachen. Und ^ffr her vageil Entschließung, die er gefaßt hat, ist kein §iund hinterm Ofen hervorzulocken. Die konservative Partei in derWestmark" (um mit derKreuzzeitung"

sprechen) ist ein totgeborenes Kind. Und wenn noch die Behörde ihren Apparat ihnen zur Verfügung stellte! l>luch das geschieht nicht, dieweil es doch keinen Zweck hätte

Mie vUl$tsMVit fordert dieSoxraldemokr-Me oorr de» Arbeiiern?

Gegenüber den, insbesondere infolge der Ver­teuerung der Lebensmittel und des täglichen Lebens überhaupt an sich gerade durchaus berech- fisten Klagen über die schwere Belastung des Ar­beiters durch die neue Steuerreform wird eine Auf­stellung von großem Interesse sein, in der nachgewiesen wird, wieviel direkte Steuern die Arbeiter dem Staate, und ' wieviel sie der sozialdemokratischen Parier zrblcn: Tie gesamten direkten Steuern betrugen ini

Fahre 1909 2511/2 Millionen Mark. Zu dieser Steuer­summe trugen die Bevölkerungskreise mit einem Ein-

kommen von 9001506 Mark ini ganzen nur 871/2 Millionen Mark bei. Diese kleinen Steuerzahler ge­hören aber nicht insgesamt der sozialdemokratischen Portei an, da die Summe von 37i/j Millionen Mark Steuern von rund' 4 Millionen Personen aufgebracht wird. Trotzdem sind aber die sozialdemokratischen Ar­beiter in der Zahl der 4 Millionen Steuerzahler ver­treten, da die Arbeitereinkommen durchschnittlich 9- bis 1500 Mark betragen. Nach dem letzten Ausweis der sozialdemokratischen Partei verfügt sie über 1 900 000 Mitglieder. An der Steuersumme von 37s/2 Millionen Mark, die durch die kleinen Einkommen aufgebracht wird, ist also die Sozialdemokratie nur mit einer run­den Hälfte beteiligt, und der Anteil, den die Arbeiter zu der gesamten Steuersumme in Preußen beitragen, stellt sich auf rund 19 Millionen Mark. Demgegenüber ist die Summe zu betrachten, welche die Arbeiter an ihre Partei zahlen. Tie sozialdemokratischen Gewerk­schaften hatten im Jahre 1909 eine Einnahme von 50 500 000 Mark, die sich über sämtliche 57 Gewerk­schaften verteilten. Dazu kommen die Einnahmen, welche aus den Beiträgen der organisierten Arbeiter zusammengesetzt sind. Tie Beiträge schwanken zwischen 20 und 60 Pfennigen; ungefähr 60 Prozent der Ar­beiter zahlen wöchentlich 40 Pfennig, im Jahre also 20 Mark. Aus diesen Beiträgen hatte die Parteikasse im letzten Jahre Einnahmen von 835 409,86 Mark. Dazu kommen noch die Einnahmen aus besonderen Organi­sationen, welche in 381 Kreisen von der Partei unter­halten werden. Auch hier sind die Beiträge rund 40 Pfennige. Im ganzen werden sich daraus Gesamtein­nahmen von 31/2 Millionen Mark ergeben, so daß die Gesamtsumme der Beiträge der Arbeiter an die sozial­demokratische Parteikasse rund 54 Millionen Mark be­trägt, also ungefähr dreimal so viel wie die (NB. direkte ) Steuers» m m e, welche die Arbeiter dem preußischen Staate bezahlen. Jeder Ar­beiter bat an sozialdemokratischen Steuern für die Parteikasse jährlich rund 32,50 Mark aufznbringen. Interessant ist dabei noch, daß die sozialdemokratische Partei, ohne viel Aufhebens davon zu machen, die Ve- stenerunq ihrer Arbeiter wesentlich erhöbt bat, da sie gegen das vorletzte Jahr um ungefähr 50 Pf. pro Ar­beiter gewachsen ist.

Uber die Frage derKnllrrrtrager"

äußert fick der Abgeordnete Hoff-Kiel in seiner soeben erschienenen trefflichen FlugschriftTer Wahlrechts­kampf in Preußen", Berlin, Verlagsanstalt Deutsche Preise G. m. b. H., Preis 15 Pf. (in Partien erheblich billiger) rückblickend wie folgt:

Die Kulturträger waren offenbar in die Regie­rungsvorlage gekommen infolge der Wendung der Thronrede, daß die Reformder Ausbreitung der Bil­dung und des politischen Verständnisses sowie der Er­starkung des staatlichen Verantwortlichkeitsgefühls" entsprechen solle. Die loyale Auslegung dieses Wortes hätte eine Erweiterung der V 0 lksrechte bringen niüssen, da von der Ausbreitung der Bildung das ganze Volk berührt ist. Selbst das gleiche Wahl­

recht hätte sich einwandsfrei damit begründen lassen. Tie politische Privilegierung einzelner Volks­schichten hätte das werktätige Volk noch werter m dre Ecke gedrängt und obendrein noch alsungebildet be­leidigt. An der e r z r e a k t i 0 n ä r e n T e n d e n z dieses ganzen Kulturrummels hat die Regierung ielbeL keinen Zweifel gelassen. . . .

Tie Wähler der dritten Klasse, mehr als vier Fünftel des ganzen Volkes, verschwinden nach dem Geständnis der Regierung in der Masse und fallen beirnSichten" als Spreu unten durch; ihnen fehlt das Verständnis" und dasVerdienst", um an der wichtigen Staatsaktion der Wahl terlzunehmen. Ein durch und durch feudal-absolutistischer Ged-anke! Die Kulturträger sollten konservative Wahlen sichern, das ist der langen Rede kurzer Sinn. Dress Tendenz trat im Herrenhaus in dem Antrag Schor- lemer, für den Herrn v. Bethmann-Hollweg sichvrn- knlierte", noch deutlicher hervor als in der Regrerungs- vorlage. DieEinjährigen" undZwölfjährigen", dre nach der Regierungsvorlage dasVerständnis" und dasVerdienst" hatten, um an der wichtigen Staats­aktion teilzunehmen, wurden herausgetan. Sre er- schienen den Herrenhäuslern offenbar nicht zuverlässig genug. Dagegen wurden die Träger von Ehren­ämtern in großer Zahl hineingenomnren. Sre sind W in Preußen, zumal auf dem Lande, meist dreimal ge­siebt und begreifen auf Kommando des Sand­ra t s.was derr staatlichen Interessen am meisten ent­spricht". Daß die Fortschrittliche Volkspartei diese Be­stimmung glatt ablehnte, ist selbstverständlich."

Auw die Ausführungen Hoffs über die schwierigen Punkte/Trittelungsfrage" undMaximierung" sind ebenso lichtvoll wie packend. Die Schrift wird für die Wahlagitation vortreffliche Dienste leisten

Deutsches Ueich»

L. C. Kctzrrrichterei. MeEvangelische Kirchenz-tg.' forderte kürzlich zum endlichen Einschreiten gegen Pfarrer Jatho, denJrrgctst vom Rhein", auf Grund des Irr. lehregesetzes auf und bedauerte nur, daß er znm ersten Opfer dieses Gesetzes gcsteuchelt werden soll, da sie andere Namen weiß, die ein Einschreiten geradezu herausgesordert haben. Dieseecht christliche" Aufforderung zur Stäupung der liberalen Kirchensünder bedarf keiner weiteren Glossierung.

* Die Einnahmen der Reichspost und Rcichseisenbahnen, In der ersten Hälfte des laufenden Rechnungsjahres sind die Einnahmen aus der Reichspostverwaltung nicht sehr günstig gewesen. Die Gesamteiimahme in dieser Zeit be­trug 329,56 Millionen Mark. Für das ganze Jahr ist erns Einnahme von 693,23 Millionen Mark vorgesehen, so daß also bis Ende September eine solche von 346,61 Millronon Mark der Durchschnitt gewesen wäre. Die tatsächlichen Einnahmen liegen also um 17,05 Millionen Mark hinter diesem Durchschnitt Zurück, sind mithin um fast 5 v. H. zu niedrig gewesen. Immerhin läßt sich aus dem bisherigen Ergebnis noch nicht unbedingt auf ein ungünstiges Ab- schnetdcn der Einnahmen aus der Reichspostverwaltung

FrmUetorr.

Machdruck verboten.)

Eine Reise nach England.

Wie zahlreich auch die Reiserouten nach England sein mögen, über Calais, Dr-ppc, Ostende, Antwerpen, Rotter- dani, Missingen i'fw., die schönste Ronie von allen, dre immer mehr in Mode kommt, ist doch die Fahrt au Bord eines der großen Ozeanpaläste des Norddeutschen Lloyd oder der HaMburg-Amerika-Linie, die auf ihrem Wege nach New Bork in England anlegen. Diese Fahrten sind nun wohl nicht billiger, zumal für Reisende, die fern von Bremen oder Hamburg daheim sind. Sie nehmen auch mehr Zeit in Anspruch, sind also nicht geradepraktisch", aber unendlich viel genußreicher, insonderheit auch für solche, die von dem ganzen Leben auf einem großen Dampfer einen Begriff zu bekommen wünschen. Diese schwimmenden Paläste unterscheiden sich von den Küsten- dampferm umd Kanalbooten wie Dag und Nacht.

Aber die Seekrankheit!"

Gerade auch in dieser Hinsicht ist der Unterschied sehr bedeutend. Ich bin auf der Fahrt nach Borknm und nach Capri, wie auf verschiedenen Kanalbooten auch schon krank gewesen, aber aus einer Reise um die Welt nicht eine Minute. Und ebensowenig anf der Fahrt nach England auf atlantischen Dampfern. Das hat doch vor allem wohl mit der Größe der Schisse zu tun. Ein Fahrzeug von 1000 Tonnen kann den SSrgen doch lange nicht den Widerstand entgegensetzen wie ein Schiff von 15 000 oder 25 000 Tonnen. Die schlimmsten Widersacher zur Lust an großen Seefahrten sind Lie Erfahrungen an Bord kleiner DatNpfcr.

Die modernen Ozeandampfer haben etwas so überaus Anheimelndes, wie kein Gasthos und noch viel weniger ein Eisenbahnzug uns bieten kann. Das empfand ich auch so recht wieder, als ich mich letzthin an Bord derKron­prinzessin Ce eilte" begab. Ein Sonderzug hatte uns von Bremen nach Bremerhaben gebracht. Adieu, Eisen­bahn! Da liegt der schwimmende Palast vor uns, der uns nun ausnimmt, ein Bau von 27 000 Registertonnen und 46 009 Pferdekräften, der leicht seine 24 Seemeilen die Stunde znrücklegt und für 742 Personen 1. Klasse Platz bietet. Und indem wir nun das Schiff -betreten, steht unser stattlicher Kapitän und seine Offiziere zur Begrüßung be­reit. Die Mannschaften stehen stramm. Die Flagge senkt sich znm Bewillkomnmngsgruß und die S-chiffskapclle spielt den preußischen Prasentiermarfch.

Nun frage ich diejenigen meiner geschätzten Leser, die nicht gerade regierende Fürstlichkeiten sind, ob ihnen bei Beginn einer Eisenbahnsahrt je ein ähnlicher Empfang zu­teil geworden, daß das gesamte Bahnhofspersonal mit dem Stationsvorsteher an der Spitze eine Eisenbahn,kapelle wollen wir ihnen gern schenken! in solcher Weise ihn be­grüßt hätte? Pah, die Eisenbahn! mit ihrem lärmen­den Knäuel menschlicher Selbstsucht, wo jeder nur nach einem Eckplatz hascht, und mancher dann wohl noch andere Plätze mit Gepäck belogt, nur um seine Mitmenschen ans- zuschließen. Und wie Jtrnt vollends in Missingen, in Ostende und anderen Hafenorten die Passagiere aus die Schiffe sich drängen, um nur überhaupt eine Lagerstätte zu finden, und nicht vielleicht eine ganze Nacht auf einem Stuhl zubrmgen zu müssen! Nicht so hier! Meine Reise­genossen haben Lebensart dazu ein jeder eine lange schon vorher gesicherte, sorgfältig numerierte Wohnstätte. Wozu sollte man sich als" auch drängm?

Und in was für ein prächtiges und doch so behagliches Heim mein Zimmersteward mich nun führt: Eine große Ehepaarskabine. Und dazu nebenan einen besonderen B-adcranm mit sonstigem Zubehör für mich ganz allein. Da die Mehrzahl der Reisenden erst in Southampton oder Cherbourg an Bord kommen, kann man stets darauf rechnen, für die Fahrt bis England eine Kabine allein zu bekommen, Da habe ich nun zwei Betten, Sofa, zwei Waschtische. Kommoden, Kleiderschränke, einen Schreibtisch und selbst eine Vorrichtung zur elektrischen Erhitzung einer Schere zum Lockenbrenmn. Und da sollte man sich nicht heimffch fühlen!

Dementsprechend sind natürlich auch die gemeinsamen Räume ansgestattct. ?llles sehr vornehm, h.öchst elegant, überaus sauber uNd äußerst behaglich; die Bihliotheks-, Musik-, Rauchzimmer und vor allem die Speiseräume. Und was uns da alles ansgetischt wird. Wie vorzüglich auch die Bedienung! Ich weiß wirklich nicht, wie viele Stewards auf einen Passagier 1. Kajüte gerechnet werden oder wie viel Passagiere auf cin.en Steward!, aber ich habe bet Tisch nie einen Wunsch gehegt, ohne daß zwei sauber behandschuhte, junge Leute in schmucker Uniform des leisesten Winkes gewärtig, hinter meinem Stuhl stan­den, den Wunsch zu erfüllen. Schon die Speisekarte mit dem Progmmm der Tafelmusik ist äußerst geschmackvoll hcr- gestcllt. Die hübschen Illustrationen des Menus wechseln bei jeder Mahlzeit.

In einer besonderen Turnhalle wirdl uns Gelegenheit geboten zu allen möglichen körperlichen Übungen, wie da sind Rudern und Reiten, nicht nur auf einem künstlichen Roß, sondern sogar ans einer Vorrichtung, wie auf dem Rücken eines Kamels, während, sobald der Ozean erreicht Wird, auch eine an Bord gedruckte Tageszeitung mit den