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Nr. 4ÄN.
Wiesbaden, Mittwoch, SS. Oktober 19*0.
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58. Jahrgang.
Morgen- klusgabe.
_1. ZZkcrtt. ._
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Aus der neuen BiLnstüllerL-Kste.
Man schreibt uns: Tie neue Dienstalters-Liste der Offiziere der Königlich Preußischen Arniee und des 13. (Königlich Württembergischen) Armeekorps erscheint soeben, aus den 5. ^Oktober abgeschlossen, im Perlage von Mittler und Sohn in Berlin. Im Anschluß an die Rangliste gibt diese Tienstaltersliste einen Einblick in die Altersverhältnisse der Offiziere des Heeres. Das preußische Heer besitzt augenblicklich zlvei Gcneralfeldmarschälle, v. Hahnke und Graf von Haeseler. Tie Tienstaltersliste führt auch den Prinzen Artur von Counaught als General-Feldmarschall cut, Jr , an darf wohl hinzusngen, befremdenderweise, da fciefei Prinz doch nicht eigentlich preußischer Offizier ist und man annehmen sollte, daß dann auch der König von Rumänien an dieser Stelle der Tienstaltersliste als Gencral-Feldmarschall der preußischen Armee, welchen Nana er doch bekleidet, Platz finden müßte.
Unter den Generalobersten sind die Generalinspek- tei tTC der Armeemspektionen verzeichnet, soweit sie Un' Rahmen des preußischen Heeres dienstliche Verwendung finden. Tie st. Armeeinspektion ist nicht aufge- rioMNlen, da ein bayerischer Prinz an ihrer Spitze siebt. Der älteste Generaloberst ist Graf v. Schlieffen, f.i C ffcn Leutnantspatent vorn Fahre 1864 datiert. Unter v.j v Persönlichkeiten, die diesen Dienstgrad bekleiden, s,-findet sich auch der Prinz Heinrich von Preußen mit kirrt Range als General-Feldmarschall. Dieser Rang aber stellt ihn ebensowenig wie den Grafen v. Schlieffen, den Erbprinzen Bernhard v. Sachsen-Meiningen und den Großherzog Friedrich von Bader: im Range etwa hoher als die andern Generalobersten. Auch das Recht, das Abzeichen der General-Feldmarschälle, die gekreuzten Kommandostäbe, zu tragen, besitzen diese Generalobersten nicht. Ihr Dienstabzeichen ist das gleiche wie das der andern Generalobersten, die drei Sterne auf deu Epaulettes und den Achselstücken. Unter den Generalen erscheint als der älteste angeführt der
FnülleLmr.
GneisENau.
Zu seinem 15V. Geburtstag. (1780 — 27. Oktober 1910.)
Von Dr. Paul Landau.
Den preußischen Adler und ein von Lorbeeren umwundenes Schwert führte Gncisenau im Wappen, als ihm sein König nach dem Kriege von 1813 die Grafenwürde verlieh; dazu den hochgemuten Wahlspruch: Fortiter, fideliter, felicitcr! Tapfer, froh, glücklich! Das zur Sonne cmporstrebende, vorwärts drängende, tatensrohe Wesen des genialen Strategen ist in diesen Symbolen aus- gcdrückt, das Lichtvolle, Gewaltig-Erhabene, von Geist- und Seelenfeüer Leuchtende seiner in männlicher Schönheit prangenden Erscheinung. Wie ihn Christian Rauchs Meisterhand dargeflellt, so steht er unter den Heerführern der Freiheitskriege als der Pfadfinder des Sieges, mit vorge- strccktem Arm hinweisend auf des Krieges letztes Ziel, auf Paris, des Löwen Höhle, wo erst die rechte Jagd ein Ende findet. Fragen wir aber am Tage der Feier seines 180. Geburtstages nach dem Platze, den dieser nationale Heros, der wahre Vorgänger Moltkes im Gedächtnis seines Volkes einnimmt, so werden wir finden, daß sein Name und seine Taten an Popularität hinter denen Blüchers, Scharnhorsts, Torks, ja sogar denen Kleists und Bülows zurückstehen. Höchstens seine Verteidigung Kolbergs begründet seinen Ruhmestitel; man nennt ihn mit Nettclbeck zusammen. Und doch ist Gncisenau, wie sein Biograph Delbrück sagt, „strategisch der eigentliche Überwinder Napoleons; von allen Feldherren, die mit dem Gewaltigen gerungen haben, ist er der einzige gewesen, der derr Geist und die Kraft der napoleonischen Kriegssührung in sich ausgenommen, den Korsen nnt seinem eigenen Feldherrnschwerte geschlagen hat." Aber während die Erfolge und Siege der anderen im vollsten Licht des Ruhmes auf der blutigen Wahlstatt errungen wurden, sind Gnelscnaus folgenreichste und genialste
Herzog Georg von Sachsen-Meiningen. Er bekleidet diesen Dienstgrad seit dem Jahre 1868 und besitzt ein Leutnantspatent vom Fahre 1842. Eine große Zahl von deutschen Bundesfürsten befindet sich in dieser Gruppe der Generale, so der regierende Fürst von Neuß, der Fürst zu Schaumburg-Lippe, der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, der Fürst von Schwarzburg, der Großherzog voit Oldenburg, der Großherzog von Hessen, der Regent von Braunschweig, Johann Albrecht Herzog zu Mecklenburg und der Fürst zu Waldeck und Pyrmont.
In diese große Gruppe fallen auch die kommandierenden Generäle. Der älteste kommandierende General ist v. Bülow, ihm folgt dbr kommandierenae General des 4. Armeekorps v. Beneckendorff und von Hindenburg mit einem Leutnantspatent voni Fahre 1866. Tie meisten kommandierenden Generäle sind Leutnants aus dem Jahre 1870, was soviel heißt, daß die nächsten Generalleutnants, die zum Armeekorps heranstehen, schon solche Offiziere sein werden, die ohne praktische Krtegserfahrung zu diesen Stellungen berufen werden. Zu den charakterisierten Generalen gehören der Pmnz Christian zu Schleswig-Holstein und v. Hoepfner, der Inspekteur der Landwehrinipektion Berlin. Einer der jüngsten kommandierenden Generäle ist der General des 16. .Armeekorps Herzog Albrecht von Württemberg, der ein Leutnantspatent von Fahre 1883 besitzt. Auch der Eh es des Generalstabü'., von Mcltke ist noch in der Kriegszeit Leutnant glw -rden. am 12. September 1370.
An der Spitze der Generalleutnants steht der Kommandeur der 16. Division Gallwitz. Er ist Leutnant seit 1872. In dieser Ranggruvpe befinden sich a".ch der Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar^ Er ist 16 Fahre Offizier, während der Großherzog Friedrich F,anz von Mecklenburg-Schwerin ein LeuluantS- patent vom Fahre 1893 hat. Erheblich älter im Range ist der Herzog Friedrich von Anhalt, denn er ist Leutnant vom Fahre 1874. Ter Schwager des Kaisers, Herzog Eni st Günther zu Schleswig-Holstein, ist einer der jüngsten Generalleutnants, ist aber schon 30 Fahre lang Offizier der preußischen Armee.,
Unter den Generalmajoren verzeichnet die Tienst- alters-Liste den Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg, den Herzog Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha, . den Prinzen Maximilian von Baden und den Prinzen Albert zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-GlückSburg. Tie Beförderungsverhältnisse in der Generalität stellen sich so, daß der Generalleutnant in den nächst höheren Dienstgrad ungefähr nach 4 Fahren, die Generalmajore ungefähr nach 3 Fahren .aufrücken. Auch die Beförderungsverhältnisse der Obersten der Infanterie sind nicht ungünstig. Denn die Obersten der Infanterie brauchen nur 8. Fahre zur Vorrückung itt den nächsthöheren Dienstgrad. Ter älteste Generalleutnant der Jn-
Leistungen im Lagerzelt oder hinter der Front ersonnen, in Schlachtenpläncn, strategischen Entwürfen und Denkschriften niedergelegt. Als Generalstabsches Blüchers hat er sein llnvergänglichstes geleistet.
Gneiscn.au hat recht eigentlich die Traditionen des preußischen Generalstabs begründet, die sich dann 1866 und 1870 so glänzend bewähren sollen. Der entscheidende Einfluß, den er auf den Gang des Krieges ausübte, findet sein einziges Gegenstück in Moltkes Wirksamkeit. Doch während der große Schlachtenlenkcr der letzten Kriege alle anderen Heerführer au Bedeutung überragte, ist es das Tragische und Verwirrende in Gncisenans Stellung, daß neben und über ihm eine nicht minder geniale, faszinierende, grandiose Persönlichkeit wirkte; auch uns Nachlebenden noch steht der Generalstabschef im Schatten des Oberbefehlshabers Blücher. Treitschke hat von ihren Beziehungen gesprochen, als „jenem menschlich schönen Verhältnis unverbrüchlichen Vertrauens, das für Deutschlands Geschicke ebenso segensreich werden sollte wie vormals die Freundschaft von Luther und Melanchthon, Von Schiller und Goethe." Doch hat keivce enge persönliche Intimität die beiden mitcinairder verbunden. Es war vielmehr die Nowendigkeit einer sich ergänzenden Begabung, die sic auseinander hinwies und sie so untrennbar einte, daß der eine ohne den anderen gar nicht zu denken ist. Blücher hat dies Verhältnis anerkannt, indem er Gneiscnau seinen „Kops" nannto. „Landwehren Sic man immer drauff", schrieb er während des Waffenstillstandes von 1813 an den mit der Organisation der Landwehr beschäftigten Gneiscnau, „ich höre vihll guhts davon, aber wen die Fehde wieder bcgintt, dann gesellen sie sich ja wieder zu mich, es ist in aller Hinsicht nohtwendig. daß Wihr zusamen sind." Gleich nach der Schlacht bei Bautzen hatte er „den richtigen Blick, das gesunde Urteil und die richtige Fassung" seines Gcncralstabschess gelobt und nach dem glorreichen Ende der Feldzüge erklärte er in einem Brief an Gncisenau: „Sie sind es. dem das Vaterland, der König und ich vill zu verdanken haben, Ihre eintzig« Com- bination, Ihre unerschütterliche beharrlichkeit und rastlose Tätigkeit habe ich stets crkant und geEhrt, ia ia mein lieber
fanterie besitzt ein Patent aus dem Fahre 1907, während der älteste Major dvr Infanterie schoir am 11. September 1903 in diesen Dienstgrad ernannt worden ist. Es brauchen demnach die Majore der Infanterie mindestens 7 Jahre, um die Dienststellung eines Oberstleutnants erreichen zu können. Als Major der. Infanterie verzeichnet die Dienstaltersliste den Kronprinzen mit dem Patent vom 18. September 1907. Er hat immerhin 15 Fahre seit feiner Ernennung zum Leutnant auf den Major warten müssen. Major bet der Infanterie ist auch der Prinz Friedrich Wrlhelm von Preußen, der Schloßherr von Camenz.
Recht ungünstig sind immer noch die Vorrückungsverhältnisse bei den Hauptleuten der Infanterie. Ter älteste Hauptmann hat ein Patent vom September 1898, und der älteste Oberleutnant befindet sich^ seit 7 Jahren schon in diesem Dienstgrad. An der '-spitze der preußischen Leutnants der Infanterie steht der Prinz Joachim von Preußen mit einem Patent vom Fahre 1900, der nächste Leutnant ist vom 3. Oktober 1901 palentiert. In dieser Gruppe befinden sich sehr viele junge Prinzen der regierenden Häuser des Reichs.
Tie ältesten Obersten der Kavallerie sind sämtlich Kommandeure von Brigaden. Ter Oberst v. Perltet» Rarbonne mit einem Patent vom 27. Januar 1908 eröffnet erst die Reihe der Regimentskommandeure. Sämtliche Oberstleutnants der Kavallerie, sofern sie nicht andere höhere Stellungen als Flügeladjutanten von Bundesfürsten oder als Generalstabschefs bekleiden, sinh Regimentskommandeure. Ja sogar ein Teil der Majore der Kavallerie, deren ältester ein Patent vom Jahre 1903 besitzt, befindet sich in der Dienststellung Von Regimentskommandeuren. Tie Rittmeister der Kavallerie sind allerdings hinsichtlich ihrer Beförde- rungsverhältnisse auch nicht auf Rosen gebettet. Tenn der älteste von ihnen befindet sich schon seit 10 Jahren in dieser Stellung. Dagegen befinden sich die Ober- leutnants in der Kavallerie ihren Kameraden von der Jnsanterie gegenüber im Vorteil, denn sie erreichen schon nach 6'Jahren den Dienstgrad eines Rittmeisters. Die Leutnants der Kavallerie haben ungefähr die gleichen Befördernnasverhältnisse wie die der Infanterie. In der Feldartillerie sind die Beförderungs- Verhältnisse nicht erheblich von senen der anderen Waffengattungen unterschieden. Bei den Verkehrs- truppen werden drei Oberste im Stabe geführt, dann zwei Oberstleutnants. Die Tienstaltersliste verzeichnet noch die Beförderungsverhältnisse des Trains, der technischen Institute, der Bekleidungsämter, der Land- gcndarmerie und der Zeugoffiziere. Stabsoffiziere gibt cs unter den Zeugoffizieren nicht. Ebenso besitzen die Feuerwerksoffiziere wie die FestungSbauaffiziere keine Dienststellungen im Stabsoffiziersgrad.
Eine große Zahl von Offizieren z. D. befindet sich in ctatsmäßigen Stellen. So sind sämtliche Komman-
Gneisciiau, eine übereMtimmung wie die unsrige, hatte eine Segenreiche vollge und nachamung bei unfern untergebenen^ und der gemeine Geist württc zum allgemeinen besten unverkennbahr."
Nicht mit der gleichen glücklichen Selbstverständlichkeit und Zufriedenheit fand sich der also Gelobte in seine Positior:. Er hatte beim Beginn des Krieges, für d«n er die Jahre der Schmach hindurch all sein Wirken und Wollen eingesetzt, sich nach dem Frontdienst gesehnt, sollte auch ein Truppenkorps erhalten, mutzte dann aber an die Stelle des so jäh auf deni Felde der Ehre dahingerafften Scharnhorst treten. Neben diesem Niesen hatte er sich als Pygmäen gefühlt. Run lag die ganze Last, die jener getragen, auf seinen Schultern. In seiner Bescheidenheit bat er den König, ihm diese Stellung nicht zu übertragen, da er sich ihr nicht gewachsen fühlte; auch 1814 wandte er sich noch einmal vergeblich an seinen Kriegsherrn wegen .der Schwierigkeit und Undankbarkeit seines Postens und wünschte sich ein Kommando über einen Truppenteil. Er war sich des gewaltigen Eindrucks bewußt, deu seine Persönlichkeit auf Menschen machte. Als höchstes Glück er. träumte er sich deu Angriff au der Spitze seiner Truppe; er versprach sich alles von der hinreißenden Begeisterung, die er in den Soldaten erwecken, durch die er sie zum Siegs führen wollte. Nur einmal war ihm dies vergönnt gewesen, in Kolberg, wo sein Feuergeist alle durchflammt hatte. Nun aber ward seine Individualität durch die wundervolle, packende Erscheinung des „Marschall Vorwärtsvöllig in den Hintergrund gedrängt. Die Mannschaften wußten kaum etwas von ihm; seine Wirksamkeit, von de» leiteirden Kreisen in ihrer einzigartigen Bedeutung ganz gewürdigt, blieb der Menge, blieb selbst seiner Frau lauge unbekannt. Wider Willen ward er auf einen viel wichtigeren, aber ihn nicht befriedigenden Platz gedrängt. Und nun errang dieser starke und doch zarte Charakter, in dem eine wilde, zähe Energie sich mit einer sensibel seinsühligen Empfindung paarte, den schwersten Sieg, den über sich selbst. Dem jungen Offizier hatte seine glühende Phantasie Visionen von Ruhm und Größe vorgespiegelt; von Jugenddrang und
