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Verlag Langgaff« 21

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Nr. 485.

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Wiesbaden, Dienstag, L8. Oktober LSL0.

Morgen - kluLgabs.

1. §3Caft.

Der Segen innerer Kg!onisntmn.

Regierungsrat Rall-Kolberg unterzieht ^ in einem sehr interessanter Artikel desArchivs für innere Kolo­nisation" die Wirkungen der Besiedlung des Rrtier- gutes Rützow (18 Kilometer östlich von Kolberg m Pommern) einer Untersuchung, die in vieler Beziehung für alle Freunde der inneren Kolonisation lehrreich sein dürfte. Ter Besitzer des Gutes litt schon seit Jahren schwer unter großer Arbeitsnot, so daß die Pommersche Ansiedlungsgesellschaft, nachdem der Land­rat Bedenken gegen die Austeilung nicht erhoben hatte, .den größten Teil des Gutes im Jahre 1907 erwerben konnte. Tie gesamte Aufteilungsfläche beträgt rund 743 Hektar. Aus den eingehenden Darlegungen des Verfassers interessieren nun besonders die Wirkungeir der Besiedlung.

Die Einwohnerzahl vor der Aufteilung stellte sich auf 152 Personen, während schon unmittelbar nach der Austeilung 452 Personen, mithin mehr 300 Personen, jetzt vorhanden sind. Ties bedeutet schon jetzt, nach 2 bis 3 Jahren seit Beginn der Aufteilung, dre dreisaage Zahl gegenüber der früheren Zeit. Tie jetzige, LMfl wird sich aber bei dem Vorhandensein vieler langer Änsiedlerfamilien erfahrungsgemäß noch erheblich steigern Was die Gebäude anbetrifst, so sind ebenfalls dreimal so viel wie vor der Aufteilung vorhanden, wo­bei noch in Betracht kommt, daß der größte Teil der alten Ärbeiterwohnhäuser vor' der Besiedlung wegen fast vollständigen Mangels an einheimischen Arbeitern

leer stand. , vr , . .

Bemerkenswert ist auch, daß der Vrehstand eine ganz bedeutende Zunahme erfahren hat. Während vor der Aufteilung im Großbetrieb 60 Pferde, 230 Stück Rindvieh und 126 Schweine vorhanden waren, erhöhte sich diese Zahl sofort nach der Aufteilung auf 100 wferde, 402 Stück Rindvieh und 976 Schweine. T-e Schweinezahl hat demnach fast um das Neun­fach e zugenommen. Die Zahl des Nutzgeflugels hat sich mehr als verzwanzigfacht. Tem erheblich größeren Viebstande entsvrechen die erheblich größeren Ein- siahmen aus der Biehwirtschaft, insbesondere dem Bieh- derkauf. Hatte das Gut jährlich schätzungsweise aus dem Verkauf von Rindvieh etwa 10 000 bis 11^000 M. Erlös, so stellt sich der Betrag für die Ansiedler aus etwa 22 000 bis 24 000 M. Der Mehrerlös allein aus dem Schweineverkauf beträgt vergleichsweise schon letzt etwa 90 000 M., und aus dem gesamtenViehverkauf etwa

LemUetorr»

wie König Manuel floh.

Ganz neue Einzelheiten über die aufregenden Szenen, die König Manuels Flucht begleiteten, veröffentlicht der ausgezeichnete Korrespondent desCorriere della Sera, Luigi Barzini, der nun in Lissabon etngetroffen ist und von Augenzeugen aus der Umgebung des Königs die genauen Details der Ereignisse erfahren hat! Das Königtum ivar eigentlich gestorben, ehe die Monarchie fiel. Moutagnacht um halb zwölf war der König ans dem Schloß von Belem in sein Lijsaboner Palais zurückgckehrt. Alles wußte, daß der Ausbruch der Revolution bevorstand. Als beim Bankett in Belem der erste Gang serviert wurde, war ein abgehetzter Reiter aus Lissabon in den Saal gestürzt, hatte dem Kom­mandeur der Munizipalgardo einige Worte zugefinstert, woraus dieser Offizier hastig den Saal verließ. Eine halbe Stunde später war der Marineminister eilig abgerusen worden. Die Ereignisse warfen ihre Schatten. Bei der Lasel sprach niemand, der König war melancholischer und stiller als je. Man hatte ihm erwidert, daß nichts von Be- lang vorliege, man fürchte nur irgend eine kleine Demon­stration. Als er wieder in Lissabon eingetrvffen war, lieh er um Mitternacht sofort dem Minister des Innern tele­phonieren; wieder kamen nur beruhigende Nachrichten. Die Dienerschaft wurde entlassen, und der König zog sich in sein Gebetzimmer zurück. Um 2 Uhr nachts donnerten 13 Kanonenschüsse mit der Regelmäßigkeit eines Saluts durch die Stille. Der König klingelte, wollte wissen, was ge­schehe; niemand wußte etwas. Er kleidete sich an und er­wartete Nachrichten von den Ministern. Inzwischen vollzog sich die Meuterei des 16. Infanterie-Regiments. Der Kriegs- Minister telephonierte nacheinander alle Generäle an, damit einer von ihnen die Leitung der Verteidigung übernehme; alle Generäle waren krank. Das Schicksal der Monarchie war bereits so gut wie entschieden. Einige Adjutanten statten sich um den König n schart. Während draußen das Gewehrfeuer besann, suchte man telephonisch die Minister »u erreichen, doch keiner gab Antwort. Dem König erwiderte

100 000 bis 105 000 M., abgesehen von den beträcht­lichen Mehreinnahmen aus dem Verkauf von Milcy und Butter, sowie dem Verkauf von Eiern, Geflügel und anderen landwirtschaftlichen Nebenprodukten. Tre außerordentliche Steigerung des Viehstandes ist in 1 erster Linie ermöglicht durch die Ausführung der um­fangreichen Meliorationen der Wiesen und Moore, ,^m Großbetrieb wurde auf die Pflege der Wiesen kein Ge­wicht gelegt, weil der durchweg rotkleefährge Boden große Erträge von Kleeheu lieferte. Temeutsprechend brachten die Wiesen nur einen Durchschnittsertrag von nicht mehr als 10 Zentner pro Morgen, während jetzt, nachdem auch etwa 20 Hektar ausgetorfte Moorslache urbar aemacht worden war, nachweisbar Ertrage von 30 bis 45 Zentner pro Morgen erzielt werdeii. Rechnet man noch die Verbesserung der Beschaffenheit des Heues hinzu, so beträgt der Gesamtmehrwert rn Geld 2c> 2u0

Über die Steigerung der Körner- und Kartoffel- Produktion hat der Verfasser eine ausführliche Tabelle aufgestellt, dessen Resultat ökgibt, daß der Geldwert de?-'Mehrertrages (ein Zentner Körner zu 7,50 M. und ein Zentner Kartoffeln zu 1,50 M. angenommen) ins­gesamt 93 045 M. beträgt! Rechnet man hierzu den Geldwert der Mehrerträge der Wiesen mit 25 500 M., so beträgt der Gesamtwert der Mehrproduktion an Badenerzeugnissen 118 245 M. Die Mehrerträge sind zurückzuführen auf die durch den, erb^lrch größeren Biehstand im Kleinbetrieb ermöglichte bessere Düngung, die reichlichere Anwendung künstlicheii Düngers und die intensivere Bewirtschaftung des Bodens, der vor­der Aufteilung mangels ausreichender Arbeitskräfte etwa? extensiv hatte bewirtschaftet werden müssen. Oo- wohl die Gutsfläche gegen früher die dreifache Men­schenzahl und, wie oben angegeben, einen viel bedeuten­deren Pferde- und Viehbestand ernährt, Wird trotzdem noch ein nicht unbeträchtlicher Ü b e r s ch u tz der Boden- Produkte auf den Markt geworfeu. Und dazu, was lehr zu beachten, ist dies möglich, obwohl Rützow, wenn auch etwas extensiv bewirtschaftet, so doch ein in bester alter Kultur befindlicher Großbetrieb besten Bodens war, der hohe Erträge brachte und durchaus rentabel war. Es erhellt hieraus, wie bedeutend sich die Produktion bei Besiedlung unretitabler Großbetriebe steigern mutz.

Deutsches Deich»

* Wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" den Hansabund schulmeistern will. DieNordd. Allg. Ztg." ickre bt in ihren Rückblicken:Der Hansabund hat in diesen ^oaen Mfruse zur Bertragsleistnng für seinen Wahlfonds 7rgöhen"lassen. Diese Ausrufe liegen uns in mehrfach von-

58. Jahrgang.

einander abweichenden Texten vor. Eine einheitlich! Fassung scheint mit Rücksicht ans die Verschiedenheit der Interessengruppen, auf die der Hansabund sich stützt, v er- m i e d e n worden zu sein. Wir wollen diese Nuancen nicht weiter verfolgen, müssen aber hervorheben, daß ein Ausruf einige Stellen enthält, die scharfen Widerspruch herausfordern.Schutzlos", heißt es dort, ständen Ge­werbetreibende, Kaufleute und Industrielle bisher oen Maßnahmen gegenüber, mit denen fortgesetzt gewerbe- feindliche, von Unverstand oder Eigennutz ge­führte Maßregeln der Gesetzgebung und Verwaltung jeden einzelnen Kaufmann und jeden einzelnen Industriellen ent­rechten und belasten werden. Einen solchen Platz einzu- nehmen war bisher den staatsfeindlichen Parteien Vorbehalten, zu denen überzulaufen der Hansabund dir bürgerlichen Kreise verhindern will. An einer anderen Stelle behauptet der Aufruf, daß die gegenwärtige deutsctze Wirtschastspolitik die Interessen von Handel, Gewerbe uns Industrie in jedem Zweige der Gesetzgebung und Ver­waltung benachteilige. Soweit uns bekannt, waren bisher große und maßgebende Kreise der deutschen In­dustrie überzeugte Anhänger unserer Wirischastto­st olitik, und wir können deshalb nicht annehmen, daß diese Kreise mit einem solchen, die Wirtschaftspolitik des Reiches in Bausch und Bogen verdammenden Urteil einver­standen sein werden, obgleich es durch das Präsidium des Hansabundes und die Unterschrift des Vorsitzenden gedeck. wird. Es heißt seinen Zielen entgegenarbeiten, wenn die Elemente der Verbitterung und der Zwie­tracht, die in unserem politischen Leben schon übergenug tätig sind, mit den Mitteln vermehrt werden, denen sich der Hansabund jetzt bei seinen Geldsammlungen bedient. Das zu tun, sollte nicht sein Ehrgeiz sein und dürste auch nicht im Sinne seiner Gründer liegen." Die Leiter des Hansabundes werden auf diese offiziöse Abkanzelung lvohl nicht die Antwort schuldig bleiben. Auch dieTägl. Rund­schau" meint zu dieser Auslassung derNordd. Mg. Ztg. . .Die Wirkung dieser außerordentlich scharfen Kritik würde erheblicher sein, wenn dieNordd. Allg. Ztg." den Mut finden würde, auch gegen die E x z e s s c « ! p '

agrarischer Agitation in ebenfo ruckstchtslo,er Form Stellung zu nehmen. Wenn sie aber nur schüchtern zu melden weiß, daß auch die Agitation des Bundes der Landwirtenicht immer von Übertreibungen frei sei" und in gleicher Stunde Feuer und Schwefel auf den Hansabund herniederregnen läßt, so begibt sie sich des Anspruches auf Unparteilichkeit und Gerechtigkeit und wertet ihr Urteil selbst als Parteiurteil."

* In dem Streit zwischen den beiden Kirchenfürsten in Breslau und Cöln scheint vorläufig Fürstbischof Kost p eine Mahnung zur Zurückhaltung aus Rom erhalten zu haben, wahrend Erzbischof Fischer Gelegenheit stndcn soll, vom Papst selbst gehört zu werden. Wir erhalten nachstehende Mitteilung: Der vatikanische Korrespondent

ängstlichen Fragen: nichts Ernstes, ein kleiner Auirubr der schnell überwunden ist. Inzwischen dämmerte de? Morgen^heraus. Der Hof war völlig verlassen, die Be­amten der chwunden, die Minister unsichtbar; nur die Wache im Schlosse war aus 400 Mann verstärkt. Während draußen die Salven knatterten, irrte der König unruhig von einem Zimmer in sau der e. Er war bleich, sein, Blick starr; bis­weilen sank er in einen Sessel, dann,wieder eilte er zu stimm Betpult. Endlich eine Nachricht vom Mrmster- präsidenten: er telephoniert und gibt dem Komg den Rat. sich sofort nach Cintra zurückzuzrehcn, b.s dre Ausruhrbc- wegung nicdergeworsen sei. Der Sekretär des Kömgs, Lavradio der Adjutant Vicomte de Asicca und der Admiral de Brito Capcllo widersetzcn sich energisch der Abreise. Asseca sagt: .So lange noch ein Soldat für Sie stirbt,

bleiben Sie, Sire." In schrecklicher Ungewißheit und Angst verstreichen die Sunden. Der König foci.die Speisen zu­rück. fragt immer wieder nach den Ministern, fragt, nach seinen Umgebung, er fühlt sich verlassen, er mill siiehen. Da zischen die ersten Bomben über das Schloß. Vom Fenster aus steht man den KreuzerAdamastor", wie er sich dreht vom Backbord einen Schuß abgibt, wieder wendet und vom Steuerbord feuert. In regelmäßigen Abständen wer­den Granaten geschleudert. Beim vierten Schuß hört man ein Donnern wie das Krachen einstürzender Mauern. Da zieht sich der König auf die andere Seite seines Schlosses zurück, in jenen Saal, der einst König Earlos als Melier diente und wo jetzt noch unzählige Bilder hängen und liegen. Manuel wirft sich auf einen Divan; er will fort, fort um jeden Preis, er will zur Mutter. Irgend ein Kavalier vom Hose stimmt zu, und die Flucht ist beschlossen. Alks eilt in den weiten Garten. Auf einem einsamen Pfade wandert der König auf und ab, während in der Garage das Automobil angekurbclt wird. Leise beraten die Offiziere und Beamten: Cintra ist kein günstiger Zufluchtsort, es »st schwer zu verteidigen: man will den König nordwart» schaffen, nach Masra, dem Escorial Portugals. Um die Ver­teidiger nicht zu entmutigen, fährt das Automobil leer au» dem Portal und wendet sich durch Seitenstraßen der Garten­mauer zu. In der Eile wird der Schlüssel zn der alten Pforte nickst gesunden: es heißt, über die Mauer klettern. Hastig schleppt ein alter Diener eine Leiter herbei: der

einzige Diener, der beini König gebliebew war. Manuel ist ungeduldig, man hört ihn murmeln: -Sie wollen mrch morden." Er hat das tragische Ende seines Vaters immer vor Augen. Der Graf Sabugofa klettert als erster über d:e Leiter, dann der König, zuletzt der Marqurs dr Fatal Der Marauis drückt den Hebel, das Automobrl ro.«t davon, und dahinter in donnerndem Galopp die Eskorte von 52 Garse- reitern Wenige Minuten später liegt Lissabon hinter den Flüchtlingen. Bei Palliavan bleibt das Automobil, m einer Schlammpfütze stecken. Alles springt heraus der König selbst hilft die Maschine wieder auf die Chaussee ziehen. Die Pferde der Eskorte sind erschöpft, bald müssen sic zuruck- bleiben und das Automobil setzt allein die Jagd nach Norden fort Gegen 4 Uhr wird Masra erreicht. Hier suhfl sich Manuel sicherer. Die Militärschule, die im Palast liegt wird aufgefordert, eine Ehrenwache zu stellen, das Volk' das von den Llssaboner Vorgängen nichs weiß, empfängt den König mit Ehrfurcht. Königin Amelia, die noch in Cintra weilt, wird verständigt und trifft zwer Stunden später ini Automobil ein. Eine lange Unter­redung zwischen den beiden findet statt; sie wird mehrfach du-ch telephonische Marmnachrichten aus der Hanpfftadt unterbrochen. Aber der König und seine Mutter vermögen an den Ernst der Lage nicht zu glauben. Erst abends «m 9 Uhr kann die Situation nicht länger verheimlicht werden. Die Königin fährt nach Cintra zurück, immer noch festen Glaubens, daß der Aufruhr niedergekämpft wird. Die alte Königin Maria Pia sitzt inzwischen in Cintra und weiß so gut wie gar nichts. Sie hat immer einsam gelebt, ihr ganzes Wesen und ihre Denkungsart trennte sie von der Familie. Die alte Dame liebt den jungen Manuel von Herzen, aber von dem Tage an, an dem er sich herbeiließ, ein Schriftstück zu unterzeichnen, das das Andenken an den Vater herabzog, hat Maria Pia sich vom Hofe ferngehalten. Sie allein, mit ihrem scharfen! Blick, kannte seit Monaten dir revolutionäre Stimmung. Um ihren Einfluß zu brechen, stctAe man sie als geistesver>virrt hin. doch das Volk hängt noch heute an dcr greisen Königin, selbst die Republikaner sprechen von ihr mit Verehrung. Es war aitch beschlossen, alle Mitglieder des königlichen Hauses zum Exil zu ver­urteilen, nur Maria. Pia war ausgenommen. Noch atu Mitrwochmorgcn ist der Königsfamilie die Lage v erst ei m-