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Nr. 48sl —
Frsnsprecher-Rüfr
„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53. Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.
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Wiesbaden, Sonntag, 16 . Oktober 1V16.
Morgen - Ausgabe
1. Matt.
Dir Politik sier Woche.
r Ö - U< ^ öet: Festjubel bei der Hundertjahrfeier lai btJL l il nC 4 Universität verrauscht ist, so Kaispj -2 rühmenswerte Jmtratrve des Deutschen
treten? idÄ- m 1or ^i 0etra0en ' dvß die dort zutage ge° a: weale Begeisterung tu weite Ferne wirken, daß
„■^ eist , t?re es in dem kaiserlichen Trinkspruch hieß, ,, rcht nur ern Jubiläumsdatum der Berliner Universi- Tm.n eine weitere Stufe in der Entwrck-
l.-?' 9 .^^Uchen Gersteslebens bedeutet. Das rege und s/inpm^m^bkundete Interesse, welches der Monarch seit «8!» Regierungsantritt den Wissenschaften u-ld ist n Ufa w!” 9 “ n unö Ordernd entgegengebracht hat, i bum Ausdruck gekommen in der Anregung
nnti ff5 bUt18 , emcr Gesellschaft für die Schaffung 4 Erhaltung besonderer Forschungsinstitute, und qnnl - W.^w^udigen Mäzenen sind bereits so umfassende ^Mlel^ jur dresen Plan zur Verfügung gestellt worben, daß seine Durchführung als gesichert gelten kann.
Es hatte eine Zeitlang den Anschein, als ob die Durchführung des nach langwierigen schweren Kämpfen mit Hängen und Würgen zustande gebrachten Friedens in der Werst- und Metallindustrie nicht als gesichert gelten könne, da ein Teil der Arbeiter — wie das ja schon so oft vorgekommen ist — den eigenen Führern die Gefolgschaft ? te Arbeitgeber, welche den Streikenden und Au^gesperrten weit entgegengekonimen waren, hatten mW?' ^ iie Hamburger Friedenspräli-
S l e ri a | gelte: Was man Schwarz auf rrf t !L~. e frf*' t ? im man getrost nach Hanse tragen! Aver ^nen es auch unter den Arbeit- E urcht mangelt, waren anderer Meinung, und Io A,^AbNN an einigen Hafenplätzen die Losung aus- gegeben, ^„es wird fortgestreikt", ohne daß jedoch diese
hoffnungslose „Nachkur
ci-n - < -. mnen nennenswerten Umfang
annahm. Man darf vielmehr nach den erneuten Verhandlungen von Freitag und Samstag wohl erwarten daß nunmehr am Montag die Arbeit fast üb"all wieder aufgenommeii werden wird " u
Mit einer Schnelligkeit und Promptheit dag-men die dem Eisenbahnbetrieb in F r a n k r e i ch ^somll' fremd war, ist die Stillegung dieses Betriebes durch dm Ausständigen erfolgt. Die Organisationen der Eisenbahner schicken sich an, im vollsten Sinne des Wor
tes die Losung zu verwirklichen: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will! Aber die Folge war, daß der Ministerpräsident Briand, obwohl er selbst aus dem sozialistischen Heerlager an das Steuerruder des Staates berufen wurde, diesmal endlich dein starken Arm die starke Faust entgegenhielt. Die Regierung ist in Erkenntnis der Gefahr mit anerkennenswerter Schnelligkeit vorgegangen, und sie ist, wie man jetzt doch schon wohl feststellen kann, durch ihre Maßnahmeir, die Verhaftung der Rädelsführer und die militärische Einberufung der Streikenden, der Bewegung Herr geworden, deren revolutionärer .Charakter schon in der damit verbundenen durchaus anarchistisch anmuten- den Propaganda der Tat hervortrat.
Auch in Portugal beginnen die Wogen der revolutionären Bewegung sich allgemach zu glätten, und hier und da sind in dem Chaos bereitsAnsätze zu einer neuen Ordnung der Dinge, welche die bisherige Unordnung ablösen soll, zu erkennen. Bis auf weiteres freilich steht das Land noch unter der Diktatur der provisorischen Regierung, die vielleicht noch nicht ganz so gefestigt ist, wie es die offiziösen Berichte aus Lissabon darstellen wollen. Eine endgültige Klärung des neuen Kurses, der, wie die Maßnahmen gegen die Orden erkennen lassen, ein scharf antiklerikaler ist, wird aber erst dann erfolgen können, wenn der bereits anze- kündlgte Zusammentritt der Nationalversannnluirg erfolgt, durch deren Mund das portugiesische Volk nicht bloß zeigen soll, was es nicht will, sondern auch, was es will. Darüber freilich kann schon jetzt kein Zweifel mehr bestehen, daß, wenn auch König Manuel sich zu einem ausdrücklichen Verzicht auf die Krone nicht bereit gefunden hat, die Rolle der Dynastie Sachsen- «Kcbnrg-Gotha-Bvaganza in Portugal endgültig a u s g e s p i e l t ist.
Die Verhandlungen der griechischen Nationalversammlung haben bisher die entscheidende Klärung noch ssE. gebracht, wenn auch die Wahl des Revisionisten Hoßlur zum, Präsidenten der Versammlung dafür spricht, daß die gemäßigten Elemente die Überhanh behalten, so haß die Aussichten des Königs Georg und der Dynastie wieder als gebessert gelten können. Dies um so mehr, da auch der Kretakonslikt unverkennbar im Abflauen begriffen ist. Und wenn auch der Türkenpump in Frankreich endlich zustande kommen sollte, so braucht doch das iungtürkische Kabinett im eigenen Lande nicht nur Geld, sondern Ruhe.
Auch die Thronrede, mit der Kaiser Franz Joseph die österreichisch-ungarischen Delegationen eröffnet hat und in der die Bündnisse mit Deutschland und Italien
28. Jahrgang.
als „wenn möglich noch fester und inniger geworden" zensiert werden, betont ja, daß die eine Zeit bedrohlich scheinende Spannung der europäischen Lage einer erfreulichen Klärung Platz gemacht hat. Und dies Urteil gewinnt um so mehr praktische Bedeutung, da ja unterdessen der durch die Absägung Jswolskis eingeleitete Kurswechsel in Rußland bereits seinen praktischen Ausdruck in der Neubesetzung des so lange verwaisten Wiener Botschafterpostens gefunden hat. Die politischen Meteorologen werden somit wohl recht behalten, wenn sie eine allmählige. Zerteilung der Wetterwolken und eine fortschreitende Aufklärung am Balkanhorizont melden.
UoMsche Merßcht-
Dis Reichstagsstommifftorr xirs NoskssaLrmg des Rrrchsverftches«rigsordM«!g
hat seit den Ferien fleißig gearbeitet und einige hundert Paragraphen erledigt. Man schreibt uns über den gegenwärtigen Stand der Dinge aus parlamentarischen Kreisen: Die Bestimnmngen über die Unfallversicherung sind im großen und ganzen nach der Vorlage angenommen. Die wichtigste Änderung bei der Invalidenversicherung betrifft die Einführung von K ind err enten, d. h. die Erhöhung der Renten für Invaliden, die Kinder unter IS Jahren haben. Die Regierung hat gegen die Neuerung Widerspruch erhoben, doch steht zu hoffen, daß sie am letzten Ende nachgeben wird. Einen energisch aussehenden, aber wohl nicht ernst gemeinten Versuch unternahmen die Sozialdemokraten, die Invaliden-, Alters- und Kinter- bltvbenenrenten wesentlich zu erhöhen. Ein Antrag, der aus eine Verdoppelung der Renten hinauslief, würde einen Mehraufwand erfordern, der nach nuferer Schätzung für das Jahr 1911 sich auf 310 Millionen Mark belaufen würde. Ein anderer Antrag würde etwa die Hälfte erfordern. Auf eine derartige Mehrbelastung konnte die Kommission nicht cingehcn. Auch die Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente konnte nicht vorgenommen werden mit Rücksicht auf die dadurch notwendig werdende Mehrbelastung. überhaupt mußten viele Wünsche, so berechtigt sie schienen, wegen der Kosten zurückgestellt werden.
Anscheinend nähert sich die erste Beratung ihrem Ende. Bei der zweiten Lesung, die im November beginnen soch werden aber alle die schwierigen Fragen von neuem austauchen, die noch nicht endgültig entschieden sind. Wir fürchten, daß dann viele Verbesserungen des Entwurfs wieder rückgängig gemacht werden könnten. Ob das ganze Gesetzgebungswerk in dieser Session zum Abschluß gelangen wird, erscheint angesichts der vorhandenen Mci- nungsdiffercnzcn noch zweifelhaft.
Femlletmr.
(Na-kdrvck verboten.)
Da§ Diamant-Halsband.
Rach dem Französischen des Maupassant.
Von E. Schlenther-Jahn.
Ehepaar Lösel lebte glücklich und zufrieden ki-in -^bkretär beim Ministerium, von welchem er zwar
und fl?fStc’S'-A? auskömmliches Gehalt bezog, ä Äs Tochter eures kleinen Beamten keine an das Leben. Nur ab und zu tum. *" 12 bCn ^uxus und verschwenderischem Nerch-
ihr ^Mann^ 9 ^'"ße Freude, als eines Tages
Minister mitb?^?^^Anng zu einer Soiree berm
schien seh^ unrubi?^? ?aherte sich, aber Mathilde
' .-K few%v b z e ^r In. r ■ . telLta“ ** m ‘ mnb ““ ÄÄ M.SS
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!.£u kannst ja natürliche Blumen airlegen" antwortete der Mann, „das r,t zu dieser Jabi-e^vU 's.fV *»•«81 und für M Frank kanspdit swELkL prachüge Rosen bekommen." 1 “ ret
fcere'f ? n p''vi ttto0r - Gte ^ f? Es Temütigen- unh er srch w einer ärmlichen Torlette unter reichen und eleganten Damen zu bewegen." a}UT
faiinN - te unbeholfen du bist", rief der Mann aus- du bstten *5-^. deiner Freundin, Frau Forest, gehen und" sie binlänm!^ ^ren Schmuck zu leihen. Du stehst in einem anaebest ^ nrtrmen Verhältnis zu rhr. um sie darum * zu können-"
Mathilde stieß einen Schrei freudiger Überraschung aus.
„Das ist in der Tat wahr, daran hatte ich gar nicht gedacht."
Am nächsten Morgen begab sie sich zu ihrer Freundin und erzählte ihr die Ursache ihres Besuchs.
Frau Forest holte ihren .Juwelenschrein herbei, schloß ihn auf und sagte:
„Tu kannst nun selbst wählen, was du wünschest."
Mathilde erblickte eine Menge Armbänder, Perlschnüre, Ohrringe und Ketten und nahm mehrere der Schmucksachen heraus, um sie zu probieren, besah sich mit denselben im Spiegel, konnte sich aber nicht zu einer Auswahl entschließen, und fragte ihre Freundin, ob sie keine anderen Schmucksachen habe.
Frau Forest nahm ein schwarzes Samtetui aus einer Schublade hervor, das eine prächtige Tiamanr- halskette enthielt. Mathildes Herz pochte, als sie dieselbe um den Hals legte.
Darauf fragte sie mit furchtsamem, zauderndem Tone:
„Willst du mir diesen Schmuck leihen?"
„Mit größtem Vergnügen."
Mathilde küßte ihre Freundin aus Dankbarkeit, fiel ihr nur den Hals, nahm dann schnell Abschied und ging mit ihrem Schatz heim.
Ter Festtag kam. Frau Lösel erregte Aufsehen auf dem Feste des Ministers! sie war schöner als alle anderen, elegant, entzückend, sie lächelte und ..strahlte vor Freude. Alle Herren betrachteten sie mit Bewunderung. fragten nach ihrem Namen und erbaten sich die Erlaubnis, ihr vorgestellt zu werden. Mathilde war wie berauscht vor Freude, dachte an nichts anderes als an den Triumph, den sie durch ihre Schönheit feierte, und lauschte mit Entzückern . den Schmeicheleien, mit denen man sie von allen Seiten überschüttete.
Gegen vier Uhr morgens verließ sie das Fest. Ihr Mann war nach zwölf Uhr in Gemeinschaft mit mehreren anderen Herren, deren Frauen sich gleichfalls aus dem Feste ausgezeichnet amüsierten, in einem kleinen, abseits gelegenen Salon eingeschlasen. Er kam nun
und hüllte sie in einen alten Mantel, den er für die Heimkehr mitgenommen hatte und der recht bemerkenswert gegen die elegante Balltoilette abstach. Mathilde empfand das sogleich und suchte sich schnell zu cm- sernen, um nicht von den anderen Damen, die kostbare Pelzmäntel trugen- bemerkt zu werden.
Ihr Mann hielt sie zurück.
„Warte", sagte er, „du wirst dich erkälten. Ich werde einen Fiaker holen."
Aber sie hörte nicht, was er sagte, und eilte die Treppe hinab. Als sie auf die Straße hinauskameu. konnten sie keinen Wagen finden! Sie kamen an den Quai, zitternd vor Frost. Endlich fanden sie einen der elenden Wagen, welche nur während der Nacht halten, weil sie am Tage nicht durch die Stadt fahren dürfen. Ter Wagen führte sie nach Hause. Sie gingen betrübt die Treppe hinauf. Für sie war die Herrlichkeit jetzt vorbei. Herr Lösel dachte daran, daß er bereits früh am nächsten Morgen ins Ministerium gehen müsse; Frau Lose! betrachtete sich im Spiegel noch einmal in ihrem Glanz und Reichtum. Plötzlich stieß sie einen Schrei des Schreckens aus. Sie vermißte die Diamant-- kette an ihrem Halse.
Ter Mann fragte, was ihr denn zugestoßen sei.
Sie konnte vor Schrecken kaum antworten
„Ich habe den Tiamantschmuck nicht mehr . die Halskette . . . ist fort ..." ’ v
„5Da§ ist nicht möglich!" rief er entsetzt. „Suche danach.
oie begann nun in allen Taschen, in Mänteln und Kleidern zu suchen, aber alles war vergebens.
du sicher", fragte er, „daß du die Halskette hattest, als du den Ball verließest?"
s. 9an ^(lewiß. Ich berührte sie mit der Hand, au tou das Vorzimmer verließen."
„Wenn^ du sie indeß auf der Straße verloren hättest, wußten wir sie doch fallen hören. Sie muß dir im Wagen abhanden gekommen sein."
. "£ as ist das Wahrscheinlichste. Hast dü die Nummer des Wagens gesehen?"
»Nein", antwortete er.
