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d«lag Langgasse 21.

.^Tagblatt-Haus"

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Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53. Don 8 Uhr morgen? bis 8 Uhr abends.

-SZMZS^ ZWW!

borgen - Ausgabe.

1. Mlaitt.

Wiesbaden, Donnerstag, LS Oktober INI«.

Für die Aufnahme von »zeigen an vocgeschriebenen Tagen wird kein- Gewähr übernommen.

Jer Reichskanzler und dir Parteien.

nolSLf'S 0 ". Seit hat itait'dilmti einen neuen fiuaei @ h ?°^' emen öar fIu0en ' vielleicht über» rmmerhrn interessanten Kopf. Er WrotesÄns^ bes Berliner außerordentlichen

Kurt Breysig und müht sich Eos und beharrüch um dre Auffindung der letzten ^leuchtenden und erleuchteten Formeln, bändrat mu^ Buntheit unseres politischen Lebens ge- brauck pimm ^^^: fur ^n professoralen Schulge- p-dsch geordnet und brauchbar eingeschachtelt

r-S iefer Professor Kurt Breysig nun hat ewigen Wo^-Ech rn den Reichskanzler verliebt. Vor im Scke^i* " widmete er Herrn v. Bethman-Hollweg türe"Tag" einen Lobgesang, bei desftn Lek- 5m n? n ! Ie Lf fe «rötet sein wird. Denn ange- wrw 6§ ^esem zweifellos besonnenen, nüchter- nen, der Grenzen seiner Kräfte bewußten Manne schwer­lich gewest sem, sich Vorschußlorbeeren darreichen zu lassen» sich als eine erhabene Verkörperung frucht­bringender staatsmännischer Ideen feiern zu lassen. Herr Kurt Breysig fährt nun fort, wo und wie er be- gonnen hat; er macht es sich ersichtlich zur Aufgabe- Herrn v Bethmann-Hollweg die Stütze zu gewähren die chm bisher gefehlt hat. ihn mit starker Hand über me Klippen und Klüfte unserer verworrenen Zustände hmwegzutragen. Wieder muß derTag" die Tribüne aogeben, bon bter herab der Berliner Geschichtsprofessor deutschen Welt verkündigt, wer und was Herr ^^hmann-Hollweg ist und daß er gerade die Politik .reivt, die gegenwärtig getrieben werden muß. Wenn

eine^T V -%- bann ^ me Vilich zur Stunde nur b^sriedl^^ o.' zrellose, zersetzende, allgemein un-

^«"LL-LchLr^ÄeteL

Politik wie^de?'Geschichw ausfiel^so kann Professor

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gelehrten Politiker? Es ist bedauerlich wenig ab" wir wollen es Horen.

Breysig amüsiert sich über die Liberalem die wm Herrn v. Bethmann-Hollweg verlangen, daß er liberm« Politik treibe, während die Liberalen doch nur eine Minderheit im Reichstage darstellen, während die ein­zige parlamentarische Mehrheitsmöglichkeit die konser­vativ-klerikale Koalition sei, während also die vermeint- uche Forderung des parlamentarischen Systems nur gerade durch die Etablierung der Konservativen und des Zentrums zu einem vom Reichskanzler akzeptierten Regrerungsblock durchführbar wäre. Prof. Kurt Bren- r« , ^ mbt: "Ten Mittelparteien zuliebe, die nicht die -

^aft haben, eure Parlamentarische Mehrheit zu er­langen soll er (der Reichskanzler) einen Parlamenta­rismus emfuhren, den wiederum die Mittelparteien gar nicht Kraft genug haben würden, aufrecht zu er- halten. Und wohin soll dann die Reise gehen? Tie Linke wurde für jeden Sitz, den sie allenfalls nach rechts gewänne, einen oder zwei an den Sozialismus ver­lieren, sie wurde trotzdem, unbelehrt. neueSozialisierun- gen unserer Zustande fordern." Das klingt nach etwas, geht aber am Kern vorder: Dieser Kern ist. daß wir Liberalen nicht dre Herrschaft, sondern die Gleichberechtigung verlangen, daß wir es satt

iS Qr) l ^schränkte, mit dem selbsttätigen und selbstbewußten deutschen Bürgertum auf Kriegs­fuß stehende, an tatsächlicher Macht weit über ihre innere Berechtigung hinausreichende Gruppe näm­lich den o st e l b i s ch e n G r u n d b e s i tz und mit ihm die konservative Bureaukratie am Ruder Reichsschlffs und des Staatsschiffs zu sehen. Es E; -i n £ vorzurechnen, daß die Koirservativen im fetzigen Reichstag zusammen mit dem Zentrum 233 stimmen haben, die Liberalen und die Sozialdemo-

toifLfZZ- nur J4 Tas wissen wir ebensogut . HorrBreysig. und wir wissen auch, daß die Reu-

EE Sntnfm 6 ^^it werden ergeben können, oaß Zentrum und Sozialdemokraten allein mehr als die Hälfte des neuen Reichstags bilden werden, daß also für die Konservativen an dem einen Pol, für dm Liberalen an dem Gegenpol nicht gar viel mehr übrig bleiben wird, wobei wir freilich der 0 Z^on Hoffnung sind, daß die liberal- Quote denn doch beträchtlich hoher als die konservative sein wird Wie gesagt, dies wissen wir und sind deshalb vor dem Ver- bewahrt, als trügen , wir uns mit der Illusion, ^mtwahlen konnten die Möglichkeit einer liberal gefärbten, parlamentarischen Mehrheit bringen die nntrün unter Ausschließung aller

et \ Parteien ^r Folge haben müßte, w^r -EE fl Kurt Breysig? Er versteht nicht, daß r anderes. Größeres, Bedeutungsvolleres for-

,ms er uns in die Lchuhe schiebt. Wir wollen ein r" e u i l a n d der Gerechtigkeit und keines n 0 öes größten Teiles der Ration, durch , etne herrschs sichtige und enq- ? ? a s r ße &i inderheit. Und dazu wird uns kein Reichskanzler verhelfen, der nicht dem Liberalis­mus gibt, was ihm zukommt.

58. Jahrgang.

UoMsche Mersrcht.

Konjer-vative «nb Knnd der Landwirte.

Kann man ernstlich glauben, daß sich die Konservativen vom Bunde der Landwirte losfagen möchten? Der Wunick daß es aesckeben möae. ist freilick bearei-ssi* 4u

FrrriUeton.

daß es geschehen möge, ist freilich begreiflich, er ist auck Lr dem Casseler Parteitag der Nationalliberalen aeöuk»r! worden; aber mehr als ein Wunsch tonnte es nach Lage

(Nachdruck verboten.)

Neue Sezession.

«ine^üngem ^ fld ' ber Sezession

Schränkender^^' °bgespalten. Sie fühlt sich in den eignen Wciae Eermanmgruppe beengt und will ihre der neuen L I 1 * 1 einer graphischen Ausstellung in »S demonstriert sie ihr Wollen Inl

stellt und oh* ^ ""en l,t es nun nicht sehr stark be- beim ersten Eindru^v^"^ Problematische Gewöhnte mag Formlosigkeiten eine^ beT wüsten

zu konstatieren oder sienkur ^' ü] Epfmden. Aber dies interessant, als ans beifSrs tft J ie f t:bet weniger

zulesen, was denn nun die fimwr $ cxau? >-

Jugend sind. bte künstlerischen Wunsche dieser

Und da spricht sich

Lallen deutlich ein Rchtun/szu/^- "" «!?*!!"*£ Unb gegengesetzt dem Ziel d7r voZ^ Generatwk L mehr der an dem Dingen haftende sio ' ' E'?

Berismo. nicht mehr jener Impressionismus I'Ooum-o verdichtet und der die Natur ewfanaen Ln «llertäuschendstcn Mbild. einsangen will zum

Diese Neuen wollen nicht die Wirklichkeit realistisck ob, schreiben, im Gegenteil, sie trennen ganz bewußt Kunst und

LL ?i- w°«m nicht 1K

«ut s tt von ihren Zufälligkeiten befreit, soll si'

linear^ Rohstoff werden, der Anregungen für farbige und sonder» Handschrift -gibt. Nicht illusionistisch nachpinsein nik, übertragen in die Sphäre der jeweiligen Tech-

rung, t»// starker essentieller Vereinfachung und Filtrie­rens'äst ^ sth ei nt das Ziel. Eine neue Form des Stiline-

Und zu zwingendem Eindruck brachte das van Goak, wenn er z. B. Las Motiv des dürren Baums so in seine graphische Sprache transponierte, daß er ein haaelndes Prassel von Bleistiftstrichen mit sprühender Lebendigkeit hinsegte. Der coin de la nature war dabei nur Vorwaitd nur Mittel, Zweck und Hauptsioff war das durch die Er' fcheinung, durch die Dinge in Schwingung gebrachte Temperament. a

Unsere Neu-Sezessionisten sind trotz ihres geräusch­vollen Auftretens gläubige Verehrer und Jünger Und J- rabe von van Gogh, von Munch, der die Alltäglichkeit als Viston wredergibt, von CSzaune, dem großen Vereinsacher der die vielspältige Natur extrahiert und Wesensinhalte aufbaut, von GauWin und Maillol, die ihre raffinierten Primitivitäten durch Anlehnung an die alle Urformen be­tonenden ethnographischen Künste beistärkten, ließen sie ück d-e Pfade weisen. Vage Revolutionäre sind sie also keines­falls, viel eher einem Programm geneigt Matiss? E verführerischsten ist vieklcicht'fttr sie der Pariser

Es scheint nun charakteristisch, daß von den Werken der Vorbilder gerade die, problematischen, gerade die, die mit neuen Techniken experimentieren, am meisten zur Nachfolge lockten, und daß, oft mißverstandenerweise, d-s ^astend-Un° beholfene oder das Trotzsg-Forcierende der ungeklärten Form- und Liniensprache den Nachfolgern als d-s Eigent­lichste an der neuen Kunstsache vorkam, und nachgcahmi wurde. Es bleibt so etwas beim Abgucken des Räufperns und Spuckens. Immerhin heben sich einige Physiognomien heraus. So Nolde, der die Figurationen und Beweglings- etuden mit starken Konturen und robusten Farbflecken hin- letzt. Pechstein, ein exzessives koloristisches Temperament, dem es vor den Augen in gierigem Fuoco schäumt, und oer die Phänomene zucklg züngeln läßt. Alltagsmotive, wie ^.E^IEewegnng, werden ihm zu halluzinatorischen rxeuerwerken und optischen Kuriositäten. Cäsar Klein Wen­

der^ Sache nicht sein. Wir verstehen die dort gefallenen Äußerungen über das VerhMnis der Konservativen zum Bunde der Landwirte hiernach nur so, daß die Möglichkeit eines besseren Verhältnisses zu den Konservativen für den Fall einer^reinl-ichen Grenzfcheidung zwischen der Partei und dem Bunde in Erwägung gezogen werden sollte, nicht aber den Konservativen gewissermaßen eine Bedingung gestellt werden soll. Was aber das Verhältnis zwrschen beiden ^Organisationen selber betrifft, so mußte man sich und^ muß sich dauemd, wie gesagt, damit abfinden, daß die Konservativen bündlerisch und- die Bündler kon­servativ sind, daß beides zusammengehört wie Sckale und Klinge eines Messers. DieKreuzztg." sagt denn auch niemand etwas Unerwartetes, wenn sie schreibt:Was die konsewative Partei und der Bund der Landwirte einander sind, darüber besteht in deren Reihen keine Meinungsver­schiedenheit mehr. Wirklich unerfüllbaren, dem allgemeinen Interesse ^zuwiderlaufenden Forderungen landwirtschaft­licher Kreise hat sich die konservative Partei stets mit Er­folg wldersetzt; sie hat aber volles Verständnis dafür, daß eine Interessenvertretung, wie der Bund der Landwirte, nicht zurückhaltend auftreten darf, wenn sie überhaupt etwas erreichen will, und der Bund der Landwirte erkennt vollkommen an, daß die konservativ« Partei dagegen stets genau so weit in der Fürsorge für die Landwirtschaft aebt kJ? es ihr die Rücksicht auf die anderen konservativen Stande und Erwerbskreise gestattet. Daraus ergibt sich ein Vertranensverhäktnis, das im heutigen Part->ileben obne Beispiel ist." In der Tat. so ist es. und es kmm nicht anders sein. Daß der Bund ber Landwirte auch Angehörige der Zentrumspartei enthalt, ja, auch nationaMberale Mit- w 3a ^2'. ändert nichts an seinem konservativen Grund- Iraner. Diese mchtkonservativen Mitglieder wollen selbst­verständlich^ nur die Sache, die sie für unpolitisch halten, und nicht die Partei, die nicht die ihrige ist. Aber die (an­geblich) Hunderttaufende der übrigen Mitglieder fühlen sich als Konservative und benutzen den Bund ebenso als wirksame reale Form zur Durchsetzung ihrer Ansprüche, wie es die Sozialdemokraten in ihrer Eigenschaft als Mit­glieder der Gewerkschaften tun. So wenig die Sozial­demokratie dre Verbindung mit den Gewerkschaften lösen konnte, wenn der selbstmörderische Gedanke, es zu ban überhaupt Platz greisen könnte, so wenig werden es'die Konservativen dem Bunde der Landwirte gegenüber wollen oder gar vermögen. Es fefjaibet auch gar nichts, daß es so xft Denn wenn denn. doch einmal den mittleren und Landwirten die Erkenntnis dämmern wird, daß ihre -buteressen mit denen der größeren Besitzer nur durch eine geschickte und unbedenkliche Demagogie verknüvft worden sind, und wenn sie daraus die Folgen ziehen, dann wird die konservative Partei von innen her ausgchöhlt werden. Der Bauernbund zieht ja bereits die Folgen,

. JfM* ..Wachstum bedeutet selbstverständlich nickt bloß eine Aobröckelung des Bundes der Landwirte, sondern auch eine der konservativen Partei. Gerade, weil man das aus der liberalen Seite wahrnimmk, liegt noch weniger Anlaß als sonit vor, sich in die Beziehungen zwischen den Konser- vativen^und dem Bunde der Landwirte mit Ratschlägen emzumischen, die im Grunde immer nur die entgegen» gesetzte Wirkung haben können, nämlich die Be­

bet für die Darstellung von Menschen und Stadtausschmtten eine Art Bilderbogenlhandschrift mit ungebrochenen gelben und roten Flächen an.

Melzer zeigt die ethnographische Note. Seine Läufe­rinnen" wirken wie primitive Schi-kdereieu auf faserigem Bast.

Dies barbarifch-exokische Moment betont auch das Plakat von Kirchner, das eine Äthiopierin mit zwei Schlangen als primitives Flachmuster davstellt.

Jegalls Portraits und Landschaften sind in heftiaen Kontrastsarben^ gleichsam aufgemörtclt. ' ^

llnb auch sie alle werden alt werden, und wieder werden Neue kommen. Qui vivra verra. . . pp

(Nachdruck Verbote-.)

Die ^rmee-Lieferung.

Humoreske von Arthur Roehl.

Der Wachtstübe des Infanterie-Regiments in X war von dem Herrn Oberst, damit sich die «eute in

taÄÄ&Ä '»?*«>' Tml

Das Wasseralas Wasserglas gestiftet worden.

Kl. to 5 r * plumpen Hand bei gänzuno verunglückt, und da sich zur Er-

in der Komv -aoi^blEmaßigen Luxusgegenstandes weder Petent fand P io eine ^ustanz für kom-

neuen Kl"s!>s rn L ^ ^enchmagung zum Ankauf eines Ein t f bte Wachtstübe beim Regiment beantragt E lni \. d armes tz^olt dem Adjutanten einen längeren SznS^ntliZ Pulver Adjutant brachte dm All vor d r ^n t 'ür vE^ langst nicht mehr derselbe wie der war. und !VZw ^s Wassergeschirr gestiftet hatte,

in dem Ä t,® toltrbe bDtt bew Herrn Kommandeur

Beme8en e»^I^^'L?es Vorgängers, nur mit dem HM aste Glas hußfür die Kerle aus der Wache das

Glas, das man kriege» könnte, natürlich gut gelurg