Wiesbadener Tsgblatt.
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Nr. 448.
Wiesbaden, Dienstag, 27. September 1818
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58. Jahrgang.
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Das „Wicsbadrnrr Tagblatl", das wöchentlich jwölfmal erscheint, ist nicht nur die ällehe und beliebteste Zeitung Wiesbadens, es ist auch das grösste, führende liberale Blatt Nassaus.
Der Vergleich mit allen anderen naffauischen Zeitungen inacht es jedem urteilsfähigen Leser deutlich, daß das „Wiesbadener Tagblatt" nicht nur von den besten Mitarbeitern, Korrespondenzen und Telegrapheli-Bureaus auf das pünktlichste bedient wird, sondern daß es auch die weitaus umfangreichste und bielleikigste Zeitung Nassaus ist, daß sein politischer Teil der ausgedehnteste und reichhaltigste ist, daß seine Parlamenlsbrrichte die eingehendsten sind, daß sein Feuilleton den meisten unterhaltenden und aktuellen Lesestoff bringt und im lokalen und probinxiellen Teil über all« beachtenswerten Vorgängern Stadt und Land schnell und ausgiebig berichtet wird. Auch Handel und Volbswirlfchast, Gerichlsfaal und Spiel und Spork werden eingehend bearbeitet. Die Hausfrauen finden besonders viel Unterhaltendes und Nützliches in seinen Spalten, so alle Woche eine ausführliche Hauswirlfchafttiche Rundschau, ferner Modeberichte, Artikel zur Frauenfrage ic. Ls dürfte kaum ein zweites Blatt in Deutschland geben, welches für einen gleichen Abonnementspreis so viel Lesestoff bietet wie das „Wiesbadener Tagblatt".
Das „Wiesbadener Tagblall" hat 12 unentgeltliche Sonder-Brilagen, und zwar: Die tägliche Beilage „Der KvMau", die Beilage „Amtliche Anzeigen", die jeden Samstag-Abend erscheinende volkstümliche Beilage „Der Landbole", die Sonntags-Beilage „Wiesbadener Kurlebrn", die „Verlosungsliste", die „Hauswirtschafl- lichr Rundschau", die zwei »Hiägigen Beilagen „Unterhaltende Blätterst „Illustrierte Kinder- zeitNNg", die monatliche Beilage „Alt-Nastan", ferner den „Tagblatt-Fahrplan" (Sommer- und Winter-Ausgabe) und den schmucken „Tagblall- Kalendrr".
Das„Wresbadrnrr Tagblall" veröffentlicht die ausführlichen Kurse der Frankfurter Börse in der Morgen-Ausgabe des folgenden, die wichtigsten Kurse der Berliner Börse noch in der Allrnd-Ausgabe desselben Tages.
Als Anzeigenblatt ist das „Wiesbadener
Tagblall" durch feine weite Verbreitung und textliche Reichhaltigkeit von anerkannt erfolgreichster Wirkung und deshalb auch von jeher das , bevorzugteste veröffcutlichungsmittel Wiesbadens und seiner Umgebung.
Der Verlag.
Politische Merstcht.
Drei Nsrrgierigs Fragen.
Keine Sorge ist für die Konservativen dringender als die, was der H a n s a b u n d tun werde. Wie hypnotisiert blicken die Vorkämpfer des Bundes der Land wirte auf die Gegenbewegung, und ängstlich wird jeder Schritt von jener Seite überwacht. Man kann kaum ein konservatives Blatt ausschlagell, ohne daß einem
ein Langes und Breites über den Hansabund in die Augen fällt. Schweigt der Bund, so wird er dringend zum Reden aufgefordert; spricht er, so erhebt sich nervöser Lärm. Äußert sich der Hansabund noch so deutlich über das, was er erstrebt und was er verschmäht, so ist der Bund der Landwirte jedesmal harthörig bis zum Krankhaften. Er will mißverstehen, und dies bekommt er denn freilich regelmäßig gut fertig. Hetzt abermals bemüht sich das Organ des Bundes der Landwirte um das Wohlbefinden des Hansabundes. Tie „Deutsche Tageszeitung". glaubt getoif; den Gegner tödlich zu treffen, indem ste ihm drei Frage vorlegt, die vermeintlich so knifflig sind daß ihre Beantwortung die beginnende selvstvermchtung des Hansabundes bedeuten müßte. Also, der Bund soll Rede und Antwort stehen, ob er dre herrjchende Schutzzollpolitik, an der doch die Industrie ebenso wie die Landwirtschaft fcetemgt ’et, aut* recf)t erhalten oder unterwühlen wolle, ferner, ob nie „Überspannung" der sozialenSchutzzollgesetz- gcbung, unter der wir angeblich leiden, vom Hanw- bund ebenso wie von beu Hintermännern der „Deutschen Tageszeitung" beklagt werde; drittens ob der Hansabund den Kampf gegeir die S o z : a l d e ui o- fratte auf seine Fahne schreiben wolle oder vicll- mehr, da er dies zugegebenermaßen nicht wolle, ob und wie er solches Verhalten gegenüber den Arbeitgebern in der Industrie rechtfertigen kann. Ties sind die drei Fragen, und im Bunde der Landwirte glaubt man zweifellos, den Hansabund auf diese Weise in die ärgste und peinvollste Verlegenheit gebracht haben. Nun ist cs selbstverständlich nicht unsere Sache, eine -Antwort zu geben, die eben der Hansabund zu geben hat, wofern er sie geben will, aber soviel ist wohl klar, daß, wenn diese drei Fragen dem Hansabunde so gefährlich wären, er längst schon seine Liquidation hätte anmelden müssen. Denn die drei Fragen sind sa nichts Neues, sie stellten sich natürlicherweise in dem Augenblick ein, wo der Hansabund gegründet wurde; sie bedeuten, um es kurz zu sagen, dre Stärke und vielleicht^ auch me Schwäche des Hansabundes zugleich. Tie Stärke deshalb, weil sich inzwischen doch genügend gezeigt hat, daß zweifellos vorhandene Gegenstitze rnmrtten des Bundes in bezug auf die angeregten Probleme nicht imstande gewesen sind, dieser Organisation zur Abwehr und zum Angriff etwas Ernstliches anzuhaben, Daneben freilich kann man ruhig zu geben, daß es so manche Mitglieder des Hansabundes geben wird, die von der Seite dieser drei, auch ihnen am Herzen liegenden Fragen verschiedene Bedenken gegen die Leitung haben werden. Aber wo gibt es eine große Organisation, in der nicht solche Gegensätze vorkämen? Wenn der Hansabund keine größeren Gefahren zu gewärtigen hat, als die von den drei bündlerischen Fragen drohenden, dann kann er guten Mutes sein. Tas immer noch mangelnde Verständnis seiner Gegner für das, was der Hansabund lvirklich will, wird hoffentlich zur rechten Zeit doch noch durch Taten und Tatsachen geweckt werden.
Wut deutschem Notschrei aus Kssrrierr.
Ein an Verzweiflung grenzender Notschrei deL Deutschtums in Bosnien dringt zu uns. Durch Beschluß des bosnisch-herzegowinischen Landtags voni 28. Juli dieses Jahres wurde, wie uns die „Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum ini Ausland" berichten, die serbo-kroatiscbe Unterrichtssprache als allgeniein verbindlich an allen Schulanstalten eingeführt und für die Privatschulen die Bewilligung einer Unterstützung von dem Anschluß an das staatliche Unterricht?- und Sprachsnstem abhängig gemacht. Tie Folgen dieser Maßregeln reichen weiter, als man selbst im Augenblick anzunehmen geneigt ist; sie bedeuten mit einem Worte die Vernichtung derjenigen Schulen, die die deutschen Ansiedler errichtet und bisher mit großen Opfern an Arbeit und Geld in Blüte erhalten haben. Fast 20 Jahre heldenmütigen Widerstandes gegen ieuchenartig auftretende Krankheiten, gegen die feindliche Bevölkerung und gegen den Hunger wären damit verloren. Jetzt scheint der serbo-kroatischen Mehrheil die Zeit gekommen zu sein, um mit leichter Mühe einzuheimsen, was ander gesät haben. Wo vor eineni Menschenalter noch wilde Tiere hausten da erheben sich an Stelle der .landesärarischen Waldparzellen", die Anfang der Mer Jahre den ins Land gerufenen Ansiedlern überlassen wurden, freundliche, von Obst- und Weingärten um- gebene Dörfer. Vorbildlich ftjc die Methode, den deutschen Kolonisten nur allmählich, was sie geschaffen, wieder f M entreißen, sind die Verhäftmije in Bran;ev-e Bezirk Zernick, Zunächst unterstützte zwar die Lcmdes- reaierung im Jahre nach der Einwanderung die Ansiedler beim Bau einer Schule, die zugleich als Bethaus für die zum größten Teid, evangelischen Kolonisten aus
Südungarn zu dienen hatte. In diesem Gebäude hielt zwei- bis dreimal jährlich der Pfarrer der 30 Kilometer entfernten evangelischen Gemeinde Franz-Josephsfeld Gottesdienst ab, während die übrigen Sonntage der Lehrer Gottesdienst veranstaltet. Als aber die kleine Gemeinde nicht imstande war, die Schule zu erhalten, mutzte diese dem Staate überlassen und in eine Volksschule umgewandet werden. Dies hatte zur Folge, daß bei dem Besuch der Anstalt durch orthodoxe und mohammedanische Kinder die Vornahme aller geistlichen Verrichtungen im Schulgebäude untersagt wurde. Von nun an lag daher eine doppelte Gefahr vor: der Gottesdienst, der in Ermangelung eines Bethauses nicht mehr abgehalten werden konnte, wurde in seiner Wirksamkeit in bezug aus das Festhalten an der deutschen Sprache lahmgelegt; andererseits wird jetzt deren Gebrauch in der Schule von der Regierung verboten. Wenn unter so bedrohlichen Umständen nicht kräftige, finanzielle Hilfe einsetzt, so ist der Untergang der bisher blühenden deutschen Sprachinseln in Bosnien besiegelt. Ta aber satzunosgemaß der Wiener Schulverein sein Interesse den bedrängten bosnischen Deutschen nicht zuwenden darf, die benachbarten Schwaben des Banats ferner trotz ihrer stark erwachenden deutsch-völkischen Gesinnung mit sich selber genug zu tun haben, kommt es in erster und letzter Linie auf die Unterstützung der Landsleute im Deutschen Reich an. Wer daher zu nationalen Zwecken ein Scherflein geben will und kann, tue cs für die bedrängten Deutschen in Bosnien. Es ist gut angebracht.
BeMsches Reick»
* Zur Ostasicnreisc des Kronprinzen. Die „Hilfe" hat vor einigen Tagen behauptet, die Ostasienreise des Kronprinzen sei von dem Herzogregentcn von Braunschweig angeregt worden. Nach der „Magdeb. Ztg." ist dies falsch. Der Plan ist beim Kaiser entstanden und kam den eigenen Wünschen des Kronprinzen entgegen.
* Eine „teuere" Wahlparole. Wie verlautet, ist man in den maßgebenden Kreisen der Führer des Bundes der Landwirte entschlossen, die dem Kanzler untergeschobene Parole vom „Schutz der nationalen Arbeit" in dem Sinne auszunutzen, daß man bei den nächsten Handelsvertragsverhandlungen bedeutend höhere Zölle für die Landwirtschaft beanspruchen wird. Bei dem Einfluß des Bundes auf die konservative Partei glaubt man, der nötigen Unterstützung dieser Forderung sicher zu sein.
* Ein neues Vertrauensvotum für Baffcrmann. Der Landesausschuß der nationalliberalen Partei Sachsens nahm in Dresden eine Resolution an, die das Vertrauen zu Bassermanns Führung ausspricht, ferner verlangt, daß die Politik der Partei sich auf Unabhängigkeit gründe, und die Behauptungen, die Partei beabsichtigte eine Rechtsschwenkung in der sächsischen Landespolitik und wolle die Kampfstellung gegen die Sozialdemokratie aufgcben. zurückweist.
* Erzberger über Stichwahltaktik. Der Reichstagsab- geordncte Erzberger beschäftigt sich in dem sächsischen Zentrumsorgan, der „Sachs. Volksztg.", eingehend mit der „Stichwahltaktik". 1911 erwarte man, so meint Abg. Erz- bergcr weit mehr Stichwahlen als bet den letzten Wahlen. „Gemeinsame bürgerliche Kandidaten", wie man sie vor 31/2 Jahren hatte, werde cs sehr wenig geben. Die Zen- trnmsprcssc halte sich mit Recht zurück, da man heute noch gar nicht beurteilen könne, wie die Taktn sein müsse, sie vertrete im allgemeinen den gesunden Standpunkt: Leistung gegen Leistung! und weise ernstlich darauf hin, daß dsi Zunahme der roten Mandate und mehr noch der roten Stimmen eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstelle — Und wie hat das Zentrum diese „rote Gefahr" W bekämpft? Durch den roten Stimmz ettel — vergl. im Rhetngau!
_ Der Deutsche Protcstantenvercin erläßt einen Aufruf in welchem er mit Bezug auf das bei dem Weltkongreß für freies Christentum und religiösen Fortschritt zutage getretene große Interesse für religiöse Freiheit zur Beteiligung an seiner Arbeit auffordert. Er beabsichtigt namentlich Versammlungen, Vorträge, Diskussionen usw. an verschiedenen Orten Deutschlands zu veranstalten. Anmeldungen zum Beitritt und Bitten um Veranstaltung von Versammlungen usw. werden an das Bureau: Berlin, \V. 35, Steglitzer Straße 68, Beiträge sowie außerordentliche Zuwendungen an den Schatzmeister, Herrn Weidling, Berlin, W. 57, Potsdamer Straße 82a, erbeten.
- Die Tagesordnung des 11. Fortbildungsschultages. Vom 6. bis 8. Oktober wird in Breslau der 11. deutsche Fortbildungsschultag stattfinden. Ans der Tagesordnung steht folgendes Programm: „Die Fortbildung der aus der Schule entlassenen Mädchen" (Referenten: Stadtschulrat Dt. Franke-Magdeburg, Frl. Henschke-Berltn); „Sexuelle Belehrungen in der Fortbildungsschule" (Referent: Prof. Dt. Harttung-Brcslau) und „Die Forderung der Handwerker an die Fortbildungsschule" (Referent: Handwerks-!
