Verlag Langgafls 21 .
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Nr. 447. __
2 Tagesausgaben.
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Wiesbaden, Sonntag. 25. September 1910 . _
58. Jahrgang.
Morgen - Ausgabe.
1. Wtcrtt.
Aüv öcrs 4. GucrvLaL 1910
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Die Politik der Woche.
Galt schon auf dem vor zwei Jahren in Nürnberg
abgehaltenen sozialdemokratischen Parteitag die Parol
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angenommene Antrag Zubeil. der dm, Erklärung Bebel» -uin Beschluß erhebt, wonach ber einer abermalige:. Verletzung eineZ Parteitagsbeschlusses durch dm Zu- stimmnng znm Budget die Voraussetzungen sur cur Ausschlußverfahren ohne weiteres gegeben lern würben, Ter Parteitag hat sich nicht damrt begnügt, die Nürnberger Nesolutioii, welche dre Ablehnung des Budgets in allen Fällen dekretiert, in denen dadurch nicht die Annahme eines für die Arbeiterklasse ungunstl- aeren Budgets verhindert wird, aufrechtzuerhalten, er hat es auch nicht bei der allerschärfsten Mißbilligung dllr badischen Übeltäter bewenden lassen, sondern über den scharfen Einspruch des bisher anerkannten Parte:- sübrers Bebel hinweg den Badensern das >wch errichtet, unter das sie sich beugen sollen. Ob sie es, tun werden, das wird der wertere.Erlauf der Dingezeigen, denn die Parole, wer^srch nicht fugt, der Megt tritt erst bei der nächsten Stimmabgabe für das Budget, dann aber gleichsam automatisch rn Kraft.
inwieweit die auf dem Magdeburger Parteitag hervorgetretene, ungefähr durch die Mamlinie^ge- f.'nnreicbnete Kluft zwischen den revisionistischen Sud
5STA' ÄS. torbbmtWH. ein
Schwächung der sozialdemokratischen Stoßkraft ...r .... r.i" vntvS Vnprrtt ü.Ucb \
ReichstagsstichwMst^Frankfurt-Lebus. wo der nationalliberale Kandidat Winter das Mandat gegen au
Sozialdemokraten zu verteidigen hat, zum Ausdruck kommen. Zweifellos.wäre dm Regierung dum eine geschickte Taktik rn der Lage, den Zwrel pari innerhalb der Sozialdemokratie, deren Erfolge fest den Wahlen des Jahres 1907 ja sogar nach dem Z 0 ** w-.rhfi Alla Ztg. auf der Verbitterung uurev den bürgerlichen Parteien beruhen, weidlich auszu- n u PT w Nutende Staatsmann hat Nicht nur dib-örrkündlm» eines Pregrnmms ->b»°I-«nt, l-nd-rn et lind au* keinerlei Mate 8» einer Politik w-»E fchme». mit d"°» Hilfe die!-- -nnchmend-n V°°b,rte.
L'°ch°bi.° der inm. wmftik als um so verworrener, da offenbar auch
das Kunststück angesichts
nmTfteuTrnV balancieren,, dem Reichskanzler arge Kovfsckmierzen verursacht, so ist erfreulicherweise wenigstens mm Horizont der Weltpo rtik erne gew e Aufklärung zu verzeichnen. Das tritt, vor allem auc. in der Balkanfrage zutage, die erne Zertlang den MM- den Europas ernstlich zu bedrohen schien. Wenn hier in der jüngsten Zeit eine Besserung eingetreten Üb st darf das gewiß nicht zuletzt auf das Konto der bmden Mächte gebucht werden, die sich zwar arm dem Kretakonzert zurückgezogen, aber doch daber ihre! Aufgabe, für die Wahrung des europäischen Friedens gu sorgen, nicht verabsäumt haben, der beiden Machte Deutschland mW Österreich-Ungarn, deren engen und unzerreißbaren Bund der deutsche Kaper m ferner nut jubelndem Beifall begrüßten, im Wiener Rathaus gehaltenen Ansprache mit Recht als em „m das Leben d r beiden Völker übergegangenes ^mponderabüe b -
^'^Unverkennbar hat die erneute Krästigung. welche die Treibundpolitik durch den Wiener Besuch de^deuM scheu Kaisers erfahren hat, an gewissen ander n ^ ll^ nervöse Beklemmungen verursacht, denn die haltlosen Gerüchte zu erklären.welch dem angeblichen Anschluß der Turker 'ar> J a Xvvm *o und des weiteren von der unterde stnl offg *aneu
tierten türkisch-rumänisckien Militarkonventron faftt. Als eine Folge dieser Beklemmungen im Lager ü Zweibundes ist wohl auch das m letzt.n. ^nir i )c
folgte Scheitern der in Paris ßetxl ^ £. e tracfttcn Wäh- Anleih ev e r h a n d l u n g enP betrachte^ Wah^
der geplagten Schutzmachte erfreulicherweise ein wenig
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Lk!Lun?Eräna^woiLn ist, wodurch die A-beU
Kr fragt der jtaatlidjcn iJeufionsattMcruug der pnüQtßngeptllten.
Der Hauptausschutz für die suhermig der ^“Äff'erf&nen Iaffcn," ÖaS sich KÄS in welchem
mie fnrser aber treffender Begründung dargelegt w d we An N u tz e » die Einführung eurer aus- keichenden Sicherung der Angestellten für dre. Prmz- palität, für das Geschaftsleben und auch für dre Allgc meinst eit haben würde. Es wrrd mit Recht dara f hingewiesen, daß eine Befestigung des Weges durch s.
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Hm in Staat und Gemeinde aufzusuchen und daß dadurch dem Handel und der Industrie tüchtige Kräfte verloren gehen TaS Blühen unserer wirtschaftlichen Entwickelung sei aber zum guten Teil auf den dauern-
sam beschafften Mitteln selbständig machen, von diesen
zählung hat ia gezeigt, daß me Bapc vm
<NachdrvS verboten.)
Die Melodie.
Novellette von Leon Lasage.
Autorisierte Übersetzung von Gutti Alscn.
Einige dm klarem Waller Wk Z5"°>- standen die steinerne Villa, rn der Mme. M g ^
Mme^Manws" gähnte. Es war das musikalische Gähnen eines gefunden frischenMundes. Vor dreie. Aussicht auf die banale Seelandschaft, m dre r r sie verbannt hatte, dachte die MNge Frau an zei Gartenfest bei der Baronin de Valprionde. Dort vane
Ne ,2 r«it°n Male s°>g„°s M-i-m-r. den «'
jährigen Maeftre. g-iresf-n. dellen "ijes We.
Caterma «iorzu, em bewundernswertes, dnsZe-,-
stürmisches und zärtliches Drama, eben von der --per aniaeführt worden war. . ^
Sie hatten sich beide, als die Baronrn,sie einander -maeführt hatte, in die Augen geblickt. Sie war biegsam und zart unter ihren rotgoldenen Haaren, um dre ein blauseidenes Band geschlungen war: er, brünett
und leidenschaftlich, eine geschmeidige Sportfigur. Eme der Damen beobachtete sie hinter dem vorgehaltenen viäcber um den beginnenden Flirt reifen, zu sehen, hatten'sie fick in eine schattige Allee zurückgezogen.
MarKs. der seine Laufbahn ein wenig spat begonnen hatte, bekleidete zu jener Zeit einen Gefandl- fchaftsposten bei der Gesandtschaft in Konstantmopel.
„Geht es Ihrem Gatten noch immer gut «m Goldenen Horn?" hatte die Baronrn sie ipoter zwischm einem Mit konr und einer Schale extra-dry gefragt.
Und Mme. Margds war errötet, denn seit er ne Stunde hatte sie einen Kuß. - den zweiten - nid mehr zu verweigern verulocht. nachdem der eru« ryr
geraubt worden w?W mi? Wor?e/un? mit Frauen ^zu
wie an ienem Abend, als sie der „Caterma Sforza" Beifall klatschte. Ein wenig nach Mitternacht ^77 r . f 1 TfifiPinittt die Garten der Baronrn, die stebkchenden Worte uird das Geräusch der sich berühren-
^^Margds ^derÄr' ehrgeizig war und fieberhaft darnach strebte in der Gesandtschaft zu glanzen. Ueß ferne Frau allein n Paris, um eine schwerreiche Tante zu überwachen Mme. de Bois-Moutrers. dre seit zehn Monaten davon sprach, zu sterben, ohne sich remals da- - 1 , prtfMVfieien zu können. Als korrekter Mann ertrug der Gesandte die notwendige Trennung ohne nutzloses Bedauern. Zwei Leidenschaften retteten rhu vor Langeweile und Abenteuern, seine Geige und ferne
rirrHm sich auf diese Werse m der diplomatischen G-sellsck'aft iir der man feine Launen und seine Z>el Artigkeit fürchtete, Legenden über feine seltsame Per sZnstchkeit und seine Laufbahn gebildet. Srcher ist, day kr vmläufch auf die Million aus dem Nachlaß der
^^Tiese^Million erwartete feine Frau gleichfalls, doch ohne Hast. Sie fand es besser, daß Mme. de Boiv-
Moutiers ihrerseits sich Zeit ließ
Die Tante alterte tu ihrem Hotel der Rue de mit ihren Runzeln und ihren Andenken, ihren Maha qonimöbeln und ihren Daguerreotypbildern drMe Alter von fünfundzwanzig wahren darstellten - hpittp iir ein Gesicht von rernem Oval, erne m fl Ät und .«fälteltet Schultern und ioS d°"
Tnil-ii-übW-u d-r Kaiserin älmli«. St,id-,u«°«-S dwei Schrillt vom Bors tu,°r». m d-r Pirifdic imb citxftoJrciitjd)Gn 'SdHIIg, nYTmnrripnb* Wohnung gemietet hatte, empfing die Tante allmolge ich ganz entzückt den Besilch von Mme. Marge.' ^ c i junge Rau läuschtte dem krndiscken Geschwätz derKraw
gerrngste StoSSJ qcaenüber in rührenden
wen und der Pfleyeschwc, ez.^ mufete durchaus noch
Verordnungen. Dm lte Esamer Atem, ihr gelbes lange Zert Erhalle . ^ nicht mehr durch-
SÄ* *»«• M°r°ds unstch«
Bedingungen zu ihrem Gluck.
mr ■ ;„ 0 a wie damals gerade seine letzte und be- Glarzines 1 H^ene" kompöniert. Dieser Titel
ruhmteste Melodie ^Freundin. „Helene", das dre
kvrbaracln der Straße noch nicht verunstaltet hatten, Drehorgeln oer Ex Wollust, bei dem die Augen
war ern . ,^ie versengte Blumen schlossen. In
der Frauen stw »j 1 ^tnre Margds mit heimlicher allen salo s un « Liebkosung dieses neuen Mufik- Mde d s/Lm außer dem Verfasser nur sie wußte, stucke^, v begeistert und wem es gewidmet war. •!S fi dem Rhythmus ihrer täglichen Umarmungeu
' iw kines Abends aus den Armen GlaizineZ «pW Hause zurückkehrte, fand sie dort ihren Gatten. Mas ist geschehen?" fragte sie, ein wenig besturztz ' Nichts . . .ich ... ich bin auf Urlaub."
"Welche Überraschung! Du umarmst mich gar nicht?"
„Gewiß! Und die Tante?"
„Cs geht ihr großartig, leider!"
„Kommst du von ihr?"
„Ja."
„Ich übrigens auch. Sie ist gestorben.
Das Mittagessen verlief frostig, dre Nacht emsam. Man beerdigte Mme. de Bois-Moutiers mit großer Pracht. Am Morgen nach der Beisetzung sagte Maracs zu seiner Frau:
„Ich finde dich recht matt."
„Du scherzest!"
