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Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53. Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr aberckS.

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w kurzen Zwischenräume» en..!prrä,-nder R-b-N

Für die Ausnahme nrn Anz°i°°n an v°---lch-i-r-n°n Tagen wird keine Gewähr übe-n.

Nr. 441.

Wiesbaden, Donnerstag, 28 . September ISIS.

58. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

l. matt.

NeichshrmshMsetat und Defizit.

Der Leiter der preußischen und deutschen Politik ist am Montag von seinem Ruhesitz Hohensrnow nach Berlin gekommen, und zwar, wie berichtet wrrd n Erster Reihe, um an den Beratungen über die Fest­stellung des Reichshaushaltsetats tsrlzunehmen ist unschwer zu begreifen, daß der Etat für 1-311 Herrn v Bethmann-Hollweg arge Kopfschmerzen macht dem da die Einnahmen des Reiches an «teuermund Zollen vielfach den Voranschlägen gegenüber erheblich zuruä- geb«eben sind und weder die Finanzreform von im noch die allerneueste von 1909 das gehalten hat, was die Steueroptimisten sich von ihr versprachen Hj das Kunststück, diesen Etat ohne die , übliche Zuschuß anleihe oder neue Steuern zu, balancieren, nach Meinung des Reichsschatzsekretars fast ^.ub r

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sehenden Wünsche nach Möglichkeit beschranken und die trübe Finanzlage hat es ja ganz von selbst mit I 1 s^brackit daß das früher übliche K o ii z e r t z e i ch e st bst der Anmeldung der Forderungen an ,die Etatsmaste der Politik des Möglichen gewichen ist aber selbst bei äußerster Sparsamkeit und bei Zurückstellung mancher Wünsche der Militärverwaltung, wird der Eiat für 1911 kaum ohne das landesübliche Defizit abschneiden.

Zwingt doch der im Vergleich zum Koranschlag sehr erhebliche Minderertrag der Steuern und Zolle zu einer äußerst vorsichtigen Einstellung der Einnahmen des Reiches in den Etat, denn nichts Ware gefährlicher als die Taktik, die Einnahmen künstlich rn die Hohe zu schrauben, um für gewisse Ausgaben Deckung zu icbaffen Einer solchen unsoliden Geschaft^snchung, die sicherlich weder die Regierung plant noch auch der Reichstag gutheißen würde, mußte allzu schnell Wie bei den jüngsten Finanzreformen, der Katzeniam.mer Nachfolgen. Nun kommt aber zu der Notwendigkeit, die Reichseinnahmen entsprechend den , erheblichen Mindererträgen der Zölle und Steuern mit wert ge­ringeren Beträgen in den Etat einzustellen, noch «ne Reihe weiterer Umstände, die es als fast unmöglich erscheinen lassen, den Etat mit den vorhandenen Mitteln

m Zunächst kommt hier die verstärkte Schuldentilgung auf Grund des Finanzgesetzes vom 15. >zuli 1909 tn

Betracht, wonach die bis zum 30. September 1910l.auf­genommenen Anleihen mit mindestens 1 v. H. M tilgen sind und die nach diesem Termin begebeiien Anleihen Mil 1,9 v H., wenn es sich um solche sur werbende Zwecke handelt während die Abzahlung im anderen Falle 3 v H' betragen soll. Ist auf Grund dieser^Bestim­mung ein Posten von Mindestens 50 Millionen Mari j Ur Tilgung der Reichsschuld in den Etat einzustellen, so wird der' gleiche Betrag erforderlich zur Deckung der now re stierenden Matrrk ularbeit rage aus dem Jahre 1909, einemteuren Andenken aus der Zeit der letzten Finanzreform. Dazu tritt weiter eine Erhöhung der Reichszuschüsse zur Invalidenversicherung ist,Wal Million Mark, die Steigerung der Beamten- Säte? »nb Sions», di- in tat £en»nft -nm Tnamaesetz auf 5 Millionen Mark bemessen wurde.

^ < vr Zuschuß zum bankerotten Rei chs - n ?i7d e n f o u d s der auf 25 Millionen Mark geschätzt wird, f gans abgesehen ^bort der Notwendigkeit, endlich eine gesicherte finanzielle Grundlage für,d Veteranenfürsorge zu schaffen. , Zu diesen Mehrausgaben kommen dann noch die infolge dc.^ Jlottengesetzes notwendig werdenden."lehrforderungen des M a r i n e e t a t s, die auf mindestens 20 Millionen Mark aiizusetzen sein werden, und me durch da» Oiiinquennaitt für bas Heer hervor gerufen en Kosten, die sich noch liicht sicher einschätzen lasten, da, alle darüber bisher gemachten Angaben alsbald wieder

dementiert wurden. , r . ,

Wenn diesen umfassenden Mehrausgaben auch einige Ersparnisse gegenüberstehen, nämlich 2? Millionen Mark infolge des Fortfalls , der e i n m a I r g e n Be- amtenbeihilsen und 13% Millionen Mark durch Einstellung der Erbschaftssteuerrückzahlungen an die Bundesstaaten, so bebentet das, doch nur den bekann­ten Tropfen ans den heißen Stein gegenüber den Mehr­ausgaben auf der einen und den.Mindereinnahmen auf'der anderen Seite. Ob es möglich fe'n wird an­gesichts der ungünstigen Finanzlage, den Etat, wre s geplant fein soll, ohne Zuschußanlerhe zu- balancieren, das muß selbst bei äußerster und durch den Reichstag noch verstärkter, Sparsamkeit als, höchst zweifelhaft: er­scheinen. Andererseits ist dem hier und da austreten­den Gerücht, wonach der Reichskanzler 'ch nnt dein Plane einer dritten Reichsfinanzreform trage schwer lich irgendwelcher Glauben beizumessen.enn ange­sichts der ja jetzt auch von der offiziösen ..Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" sestgestelltenVerbitterung unter Len bürgerlichen Parteien" und dersozialdemokrati­schen Erfolge bei den Nachwahlen , zum Reichstag könnte der Versuch einer neuen Frna n z r e f o r m vor den Reichstagswahlen nur ar- « e l b st m o r d - taktik bezeichnet werden.

Deutsches Reich.

* Des Kaisers Geschenk für das Deutsche Museum iu München. Das Modell eines deutschen Kriegsschiffes neuesten Typs ist in einem eigenen Güterwagen ru München anaekommen. Ter StettinerVulkan ha.

3 Jahre an der naturgetreuen Kopie des Linienschiffes RhAnland« gearbeitet. Das Modell ist 6 Meter lang und 2 Meter hoch rmd wiegt 16 Zentner. , Die «teuer- bordseite ist zur Einsicht freigelassen. Em Ingenieur

des Vulkan" hat den Transport des kaiserlichen Ge UnF begleitet, welches eines der .Glanzstücke des Museums fein wird. Es kommt zunächst in die alte Akademie, wo es in der Ausschußsitzung am 28 «ep- tember durch Oberbaurat Hoßfeld vorgezeigt und uber­geben werden wird. Tann kommt eS m- tealte^*1 kaserne an der Isar in die zweite Abteilung des provl sorischen Museums.

^ Die Entwicklung des Hansabundes. Die dt' beiten des Hansabundes nehmen in überaus enreustchei Weise ihren Fortgang. Aus der ^atigker der Orts­gruppen sei bemerkt, daß bis zu Mitte Dezember d bereits jetzt gegen 450 große Versammlungen in allen Telleii Deutschlands in Aussicht genommen sind Auch besonders die Berliner Organisation hat bereite Sie Vorbereitungen für das Arbeitsprogcamm des kom­menden Winters getroffen: so sollen besonders Hansa­bund -Lehrgänge eingeführt werden, ferner ist zwecks Ausbildung in den wirtschaftlichen Zielen und Aufgaben des Hansabnndes eine Rednerschule gebildet worden, zu welcher sich bereits weit über 1-.0 Personen, meistens jüngere Herren aus den Kreisen der Kau- Mannschaft, des Handels, des Handwerks, und her An­gestellten gemeldet haben. Ailf zahlreiche Anfragen über die'Entwickelung des Hansabundes sei werter be- merkt daß dem Hansabund nunmehr gegen 600 große wirtschaftliche Verbände industriellen, Handels-, mrttci- lländstchen und Angestellten-Charakters angeschloßen sind Es bestehen ferner 37 große Landesverbände, gegen 580 Ortsgruppen 1500 Vertrauensmänner ustv.

* Die Agrarier von Schmidthacheilbach. ^leNatio­nalzeitung" ist in der Lage, eine agrarische Boykoet- erkläruna in die Öffentlichkeit zu bringen.. Das Schriftstück, dessen Orthographie zu denken grbt rst au- Schmidthachenbach datiert nnd^ von der Ortsgruppe des Bundes der Landwirte in .Schmidthachenbach unter eeichnet Es heißt da unter anderem:Zu unserem

'großen Betauern ist uns ^r Kenntnis gerben, datz

1 äsäsSH

Feuilleton.

(Nachdruck verbot,n.)

Krtur Schopenhauer.

(Zu seinem 50. Todestage s21. September. 1860-19101) Von Waldemar Gaertig.

t Schluß.)

Ws das erste Kind der spateren Schriftstellerin Johanna Schopenhauer und eines der wohlhabendsten hanseatischen Aufleute. Heinrich Floris Schopenhauer, wurde ArMr rm 22. Februar 1788 in Danzrg geboren. Er genoß dre orgsältige Erziehung eines Patrizierfohnes und wurde zwei Jahre in eine französische und mehrere Monate in :htc englische Familie gegeben, um sich beide landes^ sprachen anzueignen, was ihm vorzüglich Solang bom Vater zum Kaufmann bestimmt, fühlte der heranreisende Knabe einen unwiderstehlichen Hang zu gelehrten Studien. Aber die alte Geschichte spielte auch hier: der obwohl

feinsinnige und lunstfreundliche Vater wollte rn seinem Sohn keinen zukünftigen hungerleidenden Literaten oder Gelehrten haben und griff darum zu eurer List, den reue- lustigen geisteshungrigen Knaben zum Kaufmannsberuf zu gewinnen. Die Eltern planten eine Reise durch den arökten Teil Europas. Nun sollte Artur Wahlen: ent­weder Kaufmann werden, dann durfte er die Reife mit­machen, oder sofort ins Gymnasium cintrcten. Der iuns- zekmiäbrige Jüngling, erfüllt von dem Drange, die Welt zu sehen konnte die Tragweite der Entscheidung nicht ab- sehen und entschied sich für das erstere. So bereiste er m Begleitung seiner Eltern in fünfviertel Jahren England, Frankreich, Schweiz, Österreich und einen, großen Teil Deutschlands. Zurückgekehrt, trat er ber einem Geschäfts frcund seines Vaters in die Lehre. Doch das Schicksal kam ihm zu Hilfe. Nachdenr er zwei Jahre unter dem verhaßten Berufe geschmachiet hatte, starb scm --ater. Artur bestürmte jetzt seine Mutter, die inzwischen nach Weimar übergesiedelt war, mit Bitten, ihm die gelehrte i Lairkbabn frei zu geben. Die Mutter gab nach, -o» »er l

eritaunlickr kurzen steil von zwei Jahren erreichte er die SwÄS Li und bezog die Universität Güttingen als Student der Medizin. Schon im zweiten Semester ging er zur Philosophie über und beendigte seine «tudien rn Berlin. In Rudolstadt schrieb er seine aufsehenerregende Inauguraldissertationüber oie vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde und sandte sie der Unr- versttät Jena ein, die ihn am 2. Oktober 1813 zum D-ltor der Philosophie in ateentia promovierte. Danach kehrte er nach Weimar zurück, wo ihn Goethe ferner näheren Be­kanntschaft würdigte und ihn rn ferner Farbenlehre ern- wcihtc Im Frühjahr 1814 zog Schopenhauer nach Dresden, wo sein HauptwerkDie Welt als Wille und Vorstellung" entstand und wo er eine eigene Farbenlehre auf Grund der Studien mit Goethe ausarbeitcte. Hier in Dresden blieb er 4V 2 Jahre und verlebte die glücklichste Zeit fernes von Jugend an durch seine pessimistische, zwiespältige Natur düsteren und tragischen Lebens. Schopenhauer war Gosühlspessimtst und hatte sein ganzes Leben hmdurch unter aufgeregten, unbegründeten Angstzuständen, wo er sich in der größten Gefahr sah und den Tod leibhaftig vor Augen baite, viel zu leiden. Diesem angeborenen Zustand gesellten sich auch noch allerlei widrige Lebenssch'cksalc bei, welches über den pessimistischen Grundton ferner Werke noch eine schwermütige Düsterkeit ausgoß., Mit ven kühnsten Hoffnungen aus Erfolg gab er sein Hauptwerk, welches er nicht mehr übertresfen zu können glaubte rn Druck Es erschien, aber die Zeitgenossen »ahmen es mcht wie er gedacht hatte, mit Begeisterung auf, sondern schwiegen cs mit Ausnahme von ein paar ungehort verlMt.n Stimmen tot. In seiner Verzweiflung hierüber «reMe 'h noch die Kunde von dem Sturze des Bankhauses Muh Danzig, wodurch ihm der Verlust seines ganzen Ver­mögens drohte. Seine Geschicklichkeit und Unerbittlich^ , mit der er seine Forderungen vertrat, bewahrten ihn da Aber dieses Ereignis legte ihm den. Gedanken nah cy zu habilitieren. An der Universität Bcrlm gelmig cs wm sich im März 1820 als Dozent niederzulassen. Er las w seine eigene Philosophie, fand aber wm,g Anttang. cin unvollendetes Semester hatte er gelesen stand ab ,1 an zweiundzwanzig Semester im V°Aesung§veroMchnis Einige Versuche, sich anderwärts zu habil,treren, Muse

um'ihN^u^^dem^urffhmpachischen^^B^lin^lÄI auf immer

zu verjagen- spr weniger peflimistisch«

Das Acaß Ware l v i i Nichtachtung semer Menschen voll gewesen: D >. einsamer und verlaffcner

Werte hrest an Er suhl -r^n ^ ^ gepeitscht von WAflSto«, wandte er sich nach Frankfurt *«§**& aU AoIeÄ Stadt galt. Ehe er sich aber ^ie? scstsctzte, nahm er noch einen dreiviertel- deslNittv h- s^Ealt in'Mannheim und brachte dann

gahrigen Pr I Lebens in eintönigster Einsam-

dre letzten 29 &in Sa0 verlief wie der

keil als ge- schrieb er philosophische Gedanken

andere, d-Z K ^ im Englischen Hof" und des Nach- nieder, zu Mi t g 1 zweistündigem Spaziergange d,e

mittags e I Stadt; stets von einem Pudel

ZSSgZfimS & m,d mm*M UM'

^ ^Unterdessen folgte noch eine Reihe neuer Werke Zu- ». über den Willen in der Natur. Eine Erörterung ver' Bestätigungen, welche die Philosophie des Verfaff-rs r.u ibrem Auftreten durch die empirischen Wißcnschaften Irbalten hat." (1836.) Sie wurde wie die nächste:Die

beiden Grundprobleme der Ethik" (1841) und ebenso wre die vorhergehenden Schriften ignoriert. Aber allmählich erstanden ihm doch Anhänger, und zwar aus den Kreisen der Unzünstigen. Scherzhaft teilte er sie in Apostel und Evangelisten ein. Und mit dem zunehmenden Alter schwan­den auch die peinigenden Todesgedanlen und machten einer herben Verachtung der Menschen und Dinge Platz. , Seine Evangelisten erhoben immer lauter ihre Stimme für ihn. Sie konnten aber das Eis des Jgnoriercns und Schweigens allein nicht brechen. Das gelang erst dem Meister mit seiner letzten, populärsten Schrift:Parerqa und Paralipomena (1851), derPhilosophie für die Welt" wie er sie,nannte. Sie bestehen ans einer Anzahl herrlichster Essars über allerlei Lcbensgebiete in mustergültiger Sprache, -bet langersehnte Ruhm war da. Die Verleger, die vorher seine Werke abgewiesen hatten, umwarben ihn., Reüc Auslage» wurden nötig und ein verspäteter Frühling zog be, chm ein. Das Alter hatte ihm weiße Rosen gebracht und «jtt« behaglichen Lebensabend.