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Wiesbadener

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Nr. 439 . _

2 Tlizcsaiisglibeli.

Fcrnsprecher-Rüfr

Tagblatt.Haus" Nr. 6K5O-53. Don 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.

Äli^^^rbM^^Au^nahme^unöeränderter^Abze^en^'in wr^n'ZwiIchenräume»"cntivrcchender Rabatts

Morgen - ktusgade.

1. Mcrtt.

... der MkiimlmeMllsAll ftonftteus.

Die Berichterstattung über die interparlamentarische Konferenz in Brüssel, der die ausländische Presse eure große Aufmerksamkeit zugewandt hat, war rn vwlen deutschen Zeitungen auffallend unzugänglich. Das w um so mehr zu bedauern, als gerade bwr der deutsche Liberalismus in die völkerrechtliche Bewegung führend eingegriffen hat und als es sich umFragen von bedeuten­der prinzipieller wie praktischer Tragweite hanoett. Wir holen das Versäumte nach, indem, wir aus eurem in derWeser-Zeitung" erschienenen Artikel des Dr. Pachnicke, der sowohl 1908 in Berlin tote 1910 m Brüssel der Berichterstatter der aus allen Parteien oes

Reichstags, mit Ausnahme der Sozialdemokratie zu- sammengesetzten deutschen Gruppe war, das 1 stehende wiedergeben: . 0 , T

Tie Interparlamentarische Union wachst an und an Bedeutung. An Zahl so sehr, daß nachdem -as dritte Tausend der Mitglieder überschritten ist 33urt desstaaten gegenüber der Zutritt auf Mitglieder e» Sentralparlamönts beschrankt werden mußte. Tre Ly deutung wird ersichtlich, wenn man sich vergegenwar Hat, daß auf den Kongressen der Union führende Mi. alieder fast aller Parlamente der Welt vertreten sind, und wenn man sich erinnert, daß es die Union war, we den Schiedsaerichtsvertrag entwarf, welcher der Trplo matte zum Muster dient, daß sie den damaligen Präsi­denten Roosevelt bewog, die Einberufung der zweiten Haager Friedenskonferenz zu beschleunigen, daß sie Me Humanisierung des Land- und Seekriegs betrieb, dm nachher in den Staatsverträgen zrr rechtlicher Geltung gelangte. Ihre Ziele sind hoch und groß: das Höchste ist die Versöhnung von Nationalität und Humanität, die Gewöhnung der Welt an den Gedanken der Lchiea.- aerichtsbarkeit: aber sie verschmähte auch die Ktetn- arbeit nicht, weil sie weiß, daß man gerade große, weit- aesteckte Ziele nur erreichen kann, wenn man sich ihnen schrittweise unter Würdigung der Wirklichkeit nähert.

Diese Vorbcreitungsarbeit setzte sie in Brüssel fort Zunächst wurde dort ein Thema behandelt, das bisher weder die Interparlamentarische Union, noch c>w-> Institut de droit international eingehender beschäf­tigt hat die Neutralisation der Meerengen und der interozeanischen Kanäle. Das Referat hierüber war der deutschen Gruppe zugefallen, die damit richtung­weisend in die Verhandlungen emgrisf Tas^Ergeb.lw der Darlegungen ging dahiiwEsinussermLpezialvei^

Wiesbade n, Mittwoch, 21 . September 1 ® 1 Q

träge abgeschlossen w^den. welche die die Meere ver- vindendeu Wasserwege außer streit stellen.

Muster kann^r Vertrag über die Magelhaeusstraße vom Jahre 1881 derjenige über den suezkanal von IM- und der Panamakanalvertrag von 1901 verwertet wer­den. In diesen Verträgen wird den schissen aller Nationen ohne Unterschied der Flagge die srere Durch­fahrt zugesichert. Kriegsschiffe von Kriegführender müssen ungesäumt passieren s ihr Aufenthalt darf ^ Stunden nicht übersteigen. Befestigungen dürfen nicht nnoGleot tDcrbctt. finb immun.

^Es^hätte nahegelegen, nach diesem Grundgedanken einen allgemeinen Wasserstraßenvertrag M entwerfen Einer solchen Generalisierung aber stehen erheblich- Be­denken gegenüber, weil die miteinander m Einklang zu bringenden Verkehrs- und Landesverteidigungsriick- sichten in den einzelnen Fallen zu verschieden furch Mali wird deshalb den Weg der Emzelvertrage beschreiren EinC«für di- etfotteMen äSo.friifuTOm vorzunehmen, wurde auf den einstimmig angenomme­ner Vorschlag des Referenten eme Kommission nieder- gesetzt, die einer der nächsten Konferenzen formulierte Anträge unterbreiten soll. Das Ziel blerbt, Wer.- Handelsstraßen dem Verkehrszweck zu erhalten, sie nicht zu Kriegsschauplätzen werden äu lasten, und dre den Schiffahrt dienenden Anlagen nicht der Gefahr der

Zerstörung auszusetzen. _ .

Der zweite wichtige Gegenstand der Tagesordnung bet'-af die Beschlüsse' der letzten Londoner Seerechts- konferenz. Ein Belgier war der Referent. Er plä­dierte eindringlich für die Ratifizierung dreier Be­schlüsse und empfahl außerdem, wie dies schon dre Ber­liner Konferenz der Union, wieder aus Grund em^ deutschen Referats, getan hatte, die Unverletzlichkeit oe» Privateigentums im Seekrieg. Die übrigen Redner

stellten sich im wesentlichen aus denselben standpmM, mich die Engländer. Hoffentlich ist der Einfluß de. letzteren auf ihre Landesregierung groß genug, um diese zum Verzicht auf ihren Widerstand zu bewegen. Tie Notwendigkeit der Beseitigung des letzrgen Rcch^ oder Unrechtszustandes hat sich auch rm ostasiatlschen Krieg herausgestellt. Russische Kreuzer Versen >cn neutrale Handelsschiffe aus hoher -^e angeblich halb weil sie Krieqskonterbande geführt hatten und es nicht möglich gewesen sei, sie -mt Sicherheit vor cm Prisengericht zu bringen. Auf diese W-r e wird d r Handel der Willkür der Kriegsuhrenden schutzlos prow- aeoeben und damit der für den modernen Krieg gel sende Grundsatz verletzt, daß nur dre Staaten rm.ern- ander ringen, also nur staatliche streitinrttel Gegen­stand des Beuterechts sein stürsen. , ,

War die Konferenz hierüber völlig einig, so tratcr Meinungsverschiedenheiten über dre dritte von oiier-

Füe die Auinaffme van Anzeigen an v°r ,eichrisb°nen Taa-n wird keine Gewähr übernommen,

28. Jahrgang.

reichiscber Seite behandelte Frage hervor. Der Staats- iekretär der Vereinigten ^raaterr von Umerika, . Knox hatte unter dem 18. Oktober 1909 eine Zirkular­note an die ans der zweiten Haager Konferenz vertreib neu Mächte gesandt, worin er sie emlud, ^den neuen internationalen Prisenhof zugleich Mit den tiUiikUonw eines allgemeinen Schredshofs zu betrauen Gedacht war dieses offenbar nur als Notbehelf. Aus de. ür parlamentarischen Konferenz uberwog n , ^ '

Richter, die für Priienangelegenheiten sachverständig sind, brauchen nicht zugleich für alle ubrlgxn Gelirn des Völkerrechts sachverständig zu fern. Trifft Mo nhor nirf-vt bcmrt aewrnnt der §ßrtfenIiof als au^- meine Schiedsgerichtsbarkeitinstanz nicht die Autorität, die ihm gebührt, und wird deshalb auch nicht so hau.nt ana^ufen werden, wie man dies im Interesse der Lache wünschen muß Es bleibt abzuwarten, aus welchen Standpunkt sich die dritte Haager W enä J eIt r ± linnt es, sich über die Auswahl der Richter zu verstau digen. dann ist die Frage des SchredAm,» ist os, ^ ^ darüber, daß seine Errichtung.wünschenswert ist. Hart­man sich grundsätzlich schon sru her er

Gestreift wurde, und zwar von deutscher »tc aua da? Rüstungsproblem. Dre Union ^nnte einmal d.e Möglichkeit von Ermäßigungen der Truppen und Kosten und die Mittet der Kontrolle prüfen. W ll eine Macht den Vortritt nehmen, so möge sie sich nicht mit Andeutungen begnügen, sondern mit greifbaren Vorschlägen herauskommen. Nur solche boten eme Unterlage, aus der sich weiter arbeiten laßt.

Man sieht so scharf begrenzt das Programm der Konferenz war, es gewährte Raum genug, um wen- volle Anregungen zu geben. Mancher mag nur wegen der Weltausstellung und wegen der wirklich glanzenden ^eüe gekommen sein, die dem Kongreß geboten wure.e. , d°r L'°Et° Tourismus !»!-« M tat«*»»»

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der' Verhandlungen durchaus gewußt und nahmen an denselben lebhaften Anteil Sre werden sich Ostern 1911 in Rom zu neuer Arbert Wiedersehen.

Mr »ciießm ©tltlBninsj Sts RkilhsdmOrs

In dem ersten Lutze wird oneikanut ^ r r ft i \ f 0 t U 11 CI UTttCt bd1 bÜl'sH61nä)».7l 4- unddie Notwendigkeit einer Vorsorge dagegen, ein blinder Mißmut, eine ungestüme politische ^

HemÄeton.

Goethe in Chicago.

Berlin, 18. September.

Amerika, du hast es besser als unser Kontment" also sprach Goethe. Und nun wollen die Deutschen Chicago ihm ein Denkmal setzen. Ihr Wunschzettel,war klug, ste mochten kein Portraitstanidbild, sondern ern plastisches Gartenlschmuckstück für den Lmcolnpark -, ^ M-

ziehunasvoll wahrzeichenhaft lauf den Dichter und sc.n Wer deuten sollte. Die Konkurrenzentwürfe wurdm heute rn der Wademie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Kurv hat schnell, und, wie die Metakritik sagen darf, glück­lich geurteilt, den Siegerkranz an die Skizze des Müncheners

Hermann Hohn gehängt. , . n- r

Das Motto dieser preisgekrönten Arbeit lautet.Cr nahm an sich Adlerslügel". Und ihre Gestalt ist «m ^ung- ling, den rechten Fuß auf einen Fels stützend und auf dem Schenkel einen Adler hegend. Diese Gestalt druckt weites und köniigliches Schauen frei und groß aus. ^ .

Das Postament ist hoch viereckig und länglich, emem Sarkophag ähnlich, mit sparsamem Ornament und einem aemeitzelten Spruch aus der Vorderseite:Du stehlt Mit un- erkorschtelM Busen geh-eimnisvoll offenbar über der erstaun^ len Weli un!d schaust ans Wolken -auf ihre Reiche und Herr­lichkeit." Eine Bankarchitektur im Halbrund soll das Stand-

^ Von den anderem Entwürfen fällt vor allem Hugo Lede, rers Vanthcon ans. Ein pathetisch-monumentaler Huldi^ gunastempel aus Muschelkalk. Jnmitteir eine Brunnen schale und in vier Nischen Bronzesybrllen:Philosophie, Drama, Wiff-nschast, Lyrik".

Weniig alücklich sind andere architcktoniiche Losungen, einmal ein offener Pavillon auf Säiilen, von siigurenreichem Geländer umzogen, ganz beziehungslos. Dann der ote Rotunidenbau mit dem schmalen Sphinxcingang, der Goethe­herme in der Mitte und dem um dre Wandung lauiendcn Bronrekries mit Eoethcsprüchen und Gestalten

Konventionell wirken die Kompositionen, die die gärt­nerische Anlage besonders betonen, mit der Relreswand, die theatralisch im OP-rnstil einen Goethereigen austuhrt und die eines anderen Entwurfs, die als Abschluß einer kahlen UNÄ leeren Beeibi'sP^üü^n einen tzeliügelien Benins n<lch dem Schema aus eine Säule setzt.

Wenia Einsall hat die Bronzekuliste von Wrba mrt den flankierenden allegorischen Figuren und dem wie eine Totenmaske starren Gocthekops, als Medaillon rn Kranz­umrahmung. v ,,, ... .

Und ein Einfall zwar, aber ein verfehlter, ist renes Skulpturstück. das sicheine seltene Blume" nennt, aus steinernen Rillen einen Kelch entwickelt, zwischen dessen Blättern sehr unbildnerisch. Masken sitzen, und auf dies Kapitäl einen beliebigen Musenknaben stellt.

Doch Hermann Hahns Adlerjünglrug wird in Chicago deutsche Art und Kunst würdig vertreten. F. P.

Über Pubertät und schule

sprach beim Naturforscher- rrnd Ärztetag in Kömgsb-rg Geh. Medizinalrat Prof. Dr. A. Cramcr (Gottmgen). Der Referent führte aus: Die Pubertät fällt :n d,e Jagre, in welchen die Entwickelung der Organe, vor allem des Gehirns, zu einem gewissen Abschluß kommt. Gerade m dieser, etwa vom 13. bis zum 21. Lebensiahre zu rechnen­den 8eit aelst zum großen Teil die letzte Entwickelung --e- feineren Elemente des Gehirns, speziell der H'rnwande vor sich. Gleichzeitig erfolgt die geschlechtliche Re ft, auch bilden sich die sekundären Geschlechtscharaktere aus. D m- entsprechend ändern sich die Stosfwechselvorgmige, lM.f.g von emasnischen Zuständen und deren Folgeerschernung begleitet. Großes Interesse beansprucht dre P,

Seite der geistigen Entwickeln^ rn der Pubeftaft o Gehirn hat in dieser Zeit eine Riesenarbeit » weil aus dem in Kurzschlüssen denkenden und urtzilslos handelnden Kinde ein aus Grund abstrakte^ Vors -ung selbständig urteilendes Individuum wird, -w den «sg der Pubertät spielen noch vielfach kindliche Zuge

Egoismus, Fehlen von Hemmungen, ^hr lebhafte 1, taste und Eifersucht, ein meist nur kurz fassenocs E> -

»iäH^namentlich^Lei mangelhafter Erziehung eine

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* S£f actßt sich dies in Äußerlichkeiten, iii

den? Bestreben z B in Kleidung und Haartracht usw. dem de" Bestreben z. ^^terhin in dem gesteigerten

ISS das in großen uferlosen Ideen, Plänen und Kusig in einer Neigung zun: Dicksten und Komponieren in Erscheinung tritt. Gleichzeitig macht das sÄoffe^und rücksichtslose Urteil des Jünglings den Eltern Krjiihmt oft Schwieriakeitcn. Das Elternhaus und

ZL>?w--d« »'»E. x-

wnii'r ift rückständig, der Lehrer ein Tyrann usw. Bei d.m ^aiwicken Geschlecht findet man das eigentümlich gezierte weil.rch . Wesen der Backfische. Wirt dem

wetteren Fortschreiten der Pubertät erwirkt der Mensch bei normaler Entwickelung allmählich immer mehr d:c hsbioleit abstrakt zu denken und aus Grund eigener Ent- sMMe zu handeln. Gleichzeitig bilden sich dre notigen Hemmungen, die ethischen Vorstellungen aus. In de. Pubertär disferenziert sich auch die individuelle Neigung und Veranlagung, wie airch die ersten kriminellen Aus- sckläge fast immer in die Pubertät fallen. Allerdings spielt aber auch das Milieu eine Rolle, denn eine große Anzahl misercr Jugendlichen ist nach dem Verlassen der^ Schule ohne jede Zucht und Aufsicht, und nichts imponiert der Jugend in diesem Alter niehr als die Auflehnung gegen alles, was Ordnung ntb Gesetz heißt. Es kann deshalb nicht dringend genug eine gesetzliche Fürsorge für diese jugend­lichen Individuen gefordert werden, nur so läßt sich o»e zunehmende Kriminalität bekämpfen. ,

Große Schwierigkeiten entstehen, wenn psychopatynche Erscheinungen hinzutreten. Die Psychopathie tritt häufig zuerst in der Pubertät deutlich hervor,"nt können spater austretcnde ausgesprochene psychische Störungen Mid Schwacksinnszustände mit ihren Wurzeln bis in den Beginn der Pubertät zurückreichen. Der Schwachsinn iit rn dieser Zeit oft schwer nachzuweisen, zeichnet sich aber mancbma