«gelte 4. Mittwoch, 81. August 1810. MZesKsSkAeV Tülgblatt» ASend-AusgaLe, 1. Blatt. Nr. 404.
K«s Stadt and ßm;d»
Wissbaderrer NachrichLsN.
Wiesbaden, 31. Augufl.
— Der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz ist gestern mit Gefolge stier eingetroffen und wohnt im „Nassauer Hof .
— Kurgäste. Es sind hier eingetroffen: Graf GoetstalS aus Gand im „Hotel Nizza", Prinzessin Marre zu So.m--- Lich aus Zich im „Hotel Oranien".
— Todesfall. Im Wer von 79 Jahren statt gestern in Hcman Land'gettchtsssräsident a. D. Geh. Oberjustizrat Koppen. Er war von 1852 bis 1906 im Justizdienst tätig. Im Jahre 1879 wurde er zum Landgerichtsdirektor in Wiesbaden, 1885 zum Landgerichtspräsidenten tn Limburg a. d. Lahn ernannt, von wo er im Jahre 1888 als Präsident an das Landgericht Hanau versetzt wurde. Seit 1906 lebte er dort im Ruhestand. Der Verstorbene ist auch durch Abfassung verschiedener juristischer Schriften bekannt geworden
— Zaubersoirce im Kurhaus. Im kleinen Saal des Kurhauses hielt gestern Herr v. Kendler, wie so ost schon, eine Zaubersoiree ab. Seine Geschicklichkeit stand hier noch in bestem Angedenken, denn es hatte sich ein zahlreiches Publikum eingesunden. Herr v. Kendler, der sich schon vor höchsten und allerhöchsten Herrschaften produzierte und von diesen, auch von unserem Kaiser, wertvolle Geschenke erhielt, ist ein Künstler in seinem Fach. Er plauderte in liebenswürdiger Weise mit seinem Auditorium: seine Scherze entfesselten stürmische Heiterkeit. Ganz aus nächster Nähe, „damit jeder es ihm nachmachen könne", zeigte er seine KmOstückhem Seine Geschicklichkeit ist wirklich verblüffend, und niemand im Saal war in der Lage, seine Tricks zu erklären. Namentlich auf die anwesenden Kinder machte die Zauberei einen tiefen Eindruck. Sie werden wohl mit der festen Überzeugung nach Hause gegangen sein, einen „wirklichen, echten" Zauberer gesehen zu haben.
— Eine große sozialdemokratische Kundgebung ist in Frankfurt a. M. Kr Sonntag, den 11. September, in der dortigen Feschalle geplant. Es werden sprechen: D a n d e r- v e l d e-Brüsscl, Keir H a r d i e-London, I a u r tz s-Paris, Eabrrui-Rcm, Seitz-Wien und Bahlteich-Rew Aork. Der Beginn ist nachmittags 3 Uhr.
— Kellnerstreik. Der „Verband deutscher Gastwirts- gchilsen, Abteilung Kellner", bezeichnet unsere Mitteilungen über den am Sonntagabend im „FriedrichsHof" ausgebrochenen Kellnerstreik als unrichtig ustd stellt in Abrede, daß die Forderungen in anmaßender Weise gestellt, daß gejohlt und gepfiffen und daß Arbeitswillige bedroht worden seien. Demgegenüber sei betont, daß unser Gewährsmnmr volles Vertrauen verdient, und seine Glaubwürdigkeit hinter der des Verbandsvorstands nicht zurücksteht. Der Verband sagt, die Kellner seien unter der Bedingung eingestellt worden: Keinen Lohn, keine Kündigungsfrist, sondern nur freie Kost, jedoch mit dem Versprechen, daß in einigen Wochen die Lohnfrage für beide Teile zufriedenstellend geregelt werden solle. Dies sei ebensowenig geschehen als die Verbesserung der Kost, die zu wünschen übrig gelassen habe. Alle Beschwerden seien mit der Bemerkung: „Wem's nicht paßt, der kann ja gehen!" abgetan worden. Der Trinkgclderverdienst im „Friedrichshof" sei nicht höher als ? M. für den Tag zu bemessen. Bon den Kellnern sei verlangt worden: 20 M. monatliches Gehalt, besseres und reichliches Essen und lltägige Kündigungsfrist.
— Von den Polizeihunden. Von dem Spürsinn und der vorzüglichen Dressur verschiedener Rassen von Polizeihunden hat man schon ost Gelegenheit gehabt, in hiesigen and auswärtigen Zeitungen zu lesen. So z. B. sind der durch 'eine Findigkeit berühmt gewordene Polizeihund „Lux" in Wiesbaden, sowie die beiden deutschen Schäferhunde .Kastor" und „Sedan" in Biebrich viel genannt worden, während von sonstigen Bravouren anderer tüchtiger Tiere «n nächster Nähe nichts in die Öffentlichkeit gedrungen ist Es dürste daher interessieren, zu erfahren, daß sich u. a zwei solcher vorzüglicher Exemplare auf der Waldftratze befinden, und zwar sind es „Tilly" und „Wacht", die vor kurzcnr noch lobenswerte Beweise ihrer Tüchtigkeit an den Tag gelegt haben. Abgesehen von vielen anderen Taten, hat es „Tillh", dem Polizeisergeanten Jedermann gehörig fertiggebracht, den verinißten Schlüssel eines durch die Waldstraße gehenden Herrn mit Leichtigkeit in weiter Ferne wieder anfznfinden, während „Wacht", dessen Eigentümer der Polizeisergeant Hartung ist, feine Kunst darin kundgab, daß er die verlorene wertvolle Brosche einer promenierenden Dame, die den Verlust ihres Schatzes ebenfalls meldete, bald darauf im Gnrndmühleweg entdeckte und dafür gleich seinem Vetter als Belohnung Worte schmeichelhaften Lobes entgegernehmen durfte.
— Schadenfeuer infolge Explosion. In einer Antogarage in der Altstadt entstand heute vormittag kurz nach 10 Uhr während der Reparatur eines Wagens, wobei ein Behälter mit leicht brennbarem Stofs umfiel, eine Explosion, die einen Teil der in großer Anzahl vorhandenen explosiven Stoffe in Brand setzte. Die Flammen schlugen beirn Heramiahen der sofort alarmierten Feuerwehr aus dem Torweg heraus. Der angestrengten Tätigkeit der Wehr gelang es, bas Feuer bald zu löschen, noch ehe es einen bei den reichlich vorhandenen Benzinvorräten leicht möglichen größeren Umfang annehmen konnte. Das Feuer hat das im Reparatur befindliche Automobil leicht beschädigt. Ein Chauffeur erlitt an der rechten Hand eine unbedeutende Brandtvnnde, die ihm von Feuerwohrmannischasten an Ort und Stelle verbunden wurde.
— Unfälle. Als gestern nachmittag das KarrenKhr- werk des Herrn Math. Offermanns die Waldstraße entlang- kam, siel das 5jährige Söhnchen des Droschkenbesitzers Hch. Feix von dessen an den Karren gebundenen Rappen auf bas harte Pflaster und zog sich nicht unbedeutende 58er- letznngen an verschiedenen Körperteilen zu. Ferner karambolierte der noch schulpflichtige Sohn des Bäckermeisters M a l d a n e r auf der Waldstraße, der Rad stlhr, mit einem Karrenfuhrwerk. Der Führer merkte jedoch die drohende Gefahr und vereitelte dadurch ein größeres Unglück. Der Jimge, dessen Rad am Karren hängen blieb, kam mit dem bloßen Schrecken davon, während das Rad Schaden litt.
— Jmmobflienversteigernng. Gestern wurde zum Zweck der Aufhebung der Gemeinschaft vor dem hiesigen Amtsgericht das bislang vom Residenz-Theater benutzte Gebäude an der Bahnhofftraße nebst Zugehörigkeiten einer Versteigerung ausgesetzt. Es handelt sich dabei um ein Wohnhaus mit abgesonderter Holzremise und Hosraum, je ein Nebenhaus rechts und links, sowie den eigentlichen Theatersaal mit Anbauten, insgesamt eine Fläche von 20 Ar 38 Quadratmeter bedeckend. Das Höchstgebot mit 360000 Mark wurde dabei von der Miteigentümerin Fräulein Doris Otto abgegeben. Der Zuschlag zu diesem Gebot wurde nicht erteilt.
— Beaufsichtigung des Handgepäcks in I)-Zügen. Infolge der in letzter Zeit in D-Zügen vorgekommenen Diebstähle hat die EifeNüahnverwaltung angeordnet, daß dr.s Zngbegileitungsperfonal der D-Züge, /das während der Fährt der Züge, insbesondere auf längeren Strecken, auf denen die Züge nicht anhalten, dienstlich nur wenig beschäftigt ist, häufiger als bisher durch den Zug gehen und auf das Eigentum der Reifenden achten soll. Während der Mahlzeiten im Speisewagen soll sich das Personal nicht im Dienstabteil, sondern in den Gängen des Zuges aufhalten und dabei sein Augenmerk auf das in den Abteilen verbliebene Handgepäck der im Speisewagen befindlichen Reisenden richten.
— Der Fall Simson will nicht zur Ruhe kommen. Augenblicklich wird aus Dresden eine neue Broschüre Simsons verschickt, die auch hier durch die Post an zahlreiche Adressen gelangt ist. Sie enthält, ähnlich wie die früher herausgekommene, die schwersten Ausfälle und Angriffe gegen Staatsaniivälte, Richter, Rechtsanwälte und hiesige Geschäftsleute und wird wohl, wie seinerzeit ihre Vorgängerin, bald der Beschlagnahme verfallen. Simson ist bekanntlich als geisteskrank entmündigt und betreibt die Aufhebung dieser Entmündigung. Ob er seine Sache durch die neueste Broschüre fördert, kann dahingestellt bleiben.
— über die Berechtigung zur Führung des Handwerksmeistertitels hat soeben das Kammergericht eine bedeutsame Entscheidung gefällt. Ein int Jahre 1879 geborener Metzger hat im Sommer 1901, nachdem er frühzeitig mit der selbständigen Ausübung des Metzgergewettes begonnen hatte, vor der Prüfungskommission der Metzgerinnung die Meisterprüfung abgelegt. Von der Amtahme ausgehend daß er sich nun als „Meister" oder als „Jnnungsmeister" bezeichnen könne, warnte die Handwerkskammer ihn vor Wetterführung des Titels „Metzgermeister" auf seinem Geschäftsschild. Sie führte, als er ihre Warnung nicht beachtete, gegen ihn auf Grund der §§ 133 und 148 Ziffer c der Gewerbeordnung wegen unbefugter Führung des Meistertitels die Einleitung des Strafverfahrens herbei. Nack» § 133 dürfen den Meistertitel in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks nur Handwerker führen, wenn sie für dieses Handwerk die Meisterprüfung bestanden und das 24. Lebensjahr znrückgelegt haben. Diese Bestim- niung, die auf Artikel 8 der Novelle, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 26. Juli 1897, beruht, ist am 1 Oktober 1901 und damit zu einer Zeit in Kraft getreten, wo der Angeklagte noch nicht 24 Jahre alt war. Vordem war der Handwerksmeistottitel gesetzlich nicht geschützt. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung, während die Strafkammer den Angeklagten verurteilte. Seine Revision ist vom Kammergericht zurückgewiescn worden Es hat sich aus den Standpunkt gestellt, daß der Handwerker, der am 1. Oktober 1901 zwar das Handwerk selbst- ständig ansübt, aber in diesem Zeitpunkt das 24. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, zur Führung des HanSwerr-'- meistertilels nicht befugt ist. — Hiernach kann der Angeklagte jetzt die Berechtigung zur Führung des Titels „Metzger- meister" nur erwerben, wenn er sich mit Erfolg einer Prüfung für das Metzgcrgcwerbe vor einer Prüfungskommission unterwirft, die nach Anhörung der Handwerkskammer durch Verfügung der höheren Verwaltungsbehörde errichtet worden ist.
— Eine wichtige Entscheidung über die Unzeigcpflicht der Ärzte wird soeben veröffentlicht. Ein Arzt war ange- Kagt, weil er einen Fall von Kindbettfieber nicht schon an- zeigte, als er und der Kreisarzt den Verdacht hatten, sondern erst als die Diagnose stattfand. Gegen die Freisprechung in erster Instanz legte der Maatsanwalt Revision ein, die aber vom Kammergericht abgewiesen wurde. Die Strafkammer erster Instanz hatte mit vollem Recht betont, daß das Reichsgesetz deutlich solche Krankheiten bezeichne, bei denen auch schon der Verdacht zur Anzeige verpflichte. Vergeblich wandte dagegen der Staatsanwalt ein, daß dann bei Kindbettfieber durch Verzögerung der Anzeige der Zweck des Gesetzes illusorisch gemacht werden könne.
— Die Vereinigung deutscher Privatgärtncr, Sitz ist Berlin-Groß-Lichterselde, eine von parteipolitischen und religiösen Bestrebungen völlig freie, also neutrale Organisation für ganz Deutschland, welche die gesellschaftliche, wirtschaftliche und fachlvisscnschastliche Förderung ihrer Mitglieder zum Ziel hat, hielt in Magdeburg ihre dritte Hauptversammlung ab, an der Mer 100 Mitglieder teil- nahn-en. Es wurde unter anderem beschlossen, die Eintragung der Vereinigung in das amtsgettchtliche Vcreins- register nachzusnchen. Angelegenheiten der bereits bestehenden UnterstützungMasse des kostenlosen Gärtner- und Stellen» Nachweises Kr Herrschaftsgärtner wurden erledigt und sodann die Neuwahl des Gesamtvorstandes vorgenommen, Welche die einhellige Wiederwahl der seitherigen Vorstandsmitglieder ergab. Es konnten auf dieser Hauptversammlung auch wieder 11 neue Mitglieder gewonnen werden. Die nächstjährige Hauptversammlung der Vereinigung (58. D. P.) wird in Leipzig stattsindest.
— Personal-Nachrichten. Der Charakter als Professor ist verliehen worden den Oberlehrern Leopold Reuß am Kaiser- Wilhelms-Ghmnasium in Montabaur, Georg Purgold am Kaiserin-Friedrich-Ghmnasium nebst Realschule in Homburg b. d. H., Anton Bellgard am Gymnasium in Dillenburg und Or. Ernst Gerland am Kaiserin-Friedrich-Ghmnasium nebst Realschule zu Homburg b. d. H.
— Kurhaus. Am Donnerstag führt der Wagenausflug der Kurverwaltung, 3 Uhr ab Kurhaus, nach Nerotal, Platte, Wehen, Hahn, Eiserne Hand und zurück. — Am Freitag dieser Woche findet abends 8 Uhr im Kurgarten ein Monster- Konzert, ausgeführt von der Sänger-Vereinigung Wiesbaden, bestehend aus 18 Gesangvereinen mit über 1000 Sängern, statt. Die Leitung der Chöre hat diesmal Herr Organist Karl Schauß übernommen. Es kommen ausschließlich patriotische
Lieder zum Vottrag, wie auch das Kurorchester unter Kapell- messter Ugo Affernis Leitung nur vattiotische Stücke spielen wird. Das Konzert findet zum Vesten des auf der Bierstadter Höhe zu errichtenden massiven Bismarckturmes statt. Der Ein» trittspreis beträgt 1 M. — Um den Gesamteindruck des nrorgen Donnerstagabend 8 Uhr im Kurhause stattfindenden Wagner- Abends unter Mitwirkung der Öpernsängerin Fräulein Lisa van der Kors und des Opernsängers Herrn Penardi aus Dresden noch zu heben und die Wagnerwerke in der von dem Komponisten beabsichtigten Vorttagsweise zu Gehör zu bringen, hat die Kurverwaltung anstatt des Klaviers das Orchester zur Begleitung der Piecen herangezogen, was um so mehr mit Freuden zu begrüßen ist, als der Urlaub der Orchestermitglieder am 1. September abläuft und dasselbe dann wieder vollzählig ist. ■—• Das Promenaden-Konzert an der Wilhelmstraße morgen Donnerstag findet nicht statt.
— Kleine Notizen. Im Walhalla-Restaurant beginnt das Gastspiel des englischen D a Ute n o r.ch e st e r s „Stockham's Ladies Grecian Band" am 1. September. Die Konzerte fangen um 8 Uhr an und finden bei Programm- zwang (10 Pf.) statt. __
Theater, Kunst, Vorträge.
* Königliche Schauspiele. Auf allgemeines Verlangen.gelangt am Samstag, den 3. September, anstelle des Lustspiels „Cornelius Votz" die beliebte Operette „Der Graf von Luxem- bürg" zur Aufführung. Als Brissgrd gastiert Herr Schramm vom Opernhaus in Frankfurt a. M.
* Residenz-Theater. Am Freitag nimmt das Residenz-
Theater den Schlager der vorigen Spielzeit, das graziöse und prickelnde Lustspiel „Nur ein Traum" in seinen Spielplan aus. Dieses wirklich geistvolle Stück wird auch in neuer Umgebung seine Wirkung nicht verfehlen. „Viel Lärm um nichts" wrrv Samstag- und Sonntagabend wiederholt. Die Sonntagnach- mittags-Vorstellung, die erste zu halben Preisen, bringt eine Wiederholung der Einweihungsfeier: Clobes poetisches Weihe- spiel „Dies Haus der Kunst!" und Fuldas geistvolles Lustspiel „Frühling im Winter" und zum Schluß Brennerts unverwüstliche „Hasenpfote". Die neuen Dekorationen zu diesen Stücken sind aus den Kunstwerkstätten von Hugo Baruch u. Ko., Hoflieferanten in Berlin. Der Verkauf der Dutzend- und Fünf- zigerkarten findet täglich in der Kanzlei von 10 Uhr an statt. Für die einzelnen Logen (Salon und 1. Ranglogen) wird auch ein festes tägliches Abonnement abgegeben. — Am Donnerstag, den 1. September, ist die Vormittagskasse von 10 bis 11 Um: geöffnet. . . , __ . .
* Kurhaus. Infolge Jndrspontton des Sängers muß der Wagner- Abend am Donnerstag, den 1. September, ausfalle n. Die bereits gelösten Einttittskarten werden an der Kurhauskarte zurückvergütet. Das abendliche Abonnements-Konzert findet also statt.
* Albert Schumann-Theater in Frankfutt a. M. Am kommenden Donnerstag, den 1. September, findet die Septentber-Premiere im Frankfurter Albert-Schumann-Theater mit vollständig neuem Programm statt, darunter eine russische Tanztruppe Kosloff, die japanische Parterre-Akrobaten-Famtlt« Okarbe, ein holländisches Doppel-Männer-Quartett, sowie die englischen Exzentriks De Wittz Burns und Torrance, di» Negertänzer Scott und Whaley. ein Herkulesjongleur Hero und das elektrische Wunder, ausgeführt von Mme. Marfa
Arrs dem Kandkrers Wiesbaden.
ei. Hochhcim, 29. August. Die Gastwirtschaft „Zur Krone", seither im Besitze des Herrn Karl Kolb, ist an Herrn Glaier- meister Friedrich aus Wiesbaden übergegangen. Die in „demselben Hause bettiebene Druckerei ist von den Gebrüdern Wiedelmann-Berlin übernommen worden. — Der 15jährige Balthasar Bopp kam beim Häckselschneiden mit der Hand in die Schneidmaschine und zog sich derart schwere Verletzungen zu, daß zwei Finger verloren gehen dürften.
Nassmnsche Nachrichten.
ö. Vom Fuß des Altkönigs, 30. August. In Cronberg hat sich eine seit langen Jahren kranke, verheiratete Frau von 69 Jahren in ihrer Wohnung e r h ä n g t. — Die diesjährige Besuchsziffer in König st ein übertrifft bei wertem die aller Vorjahre. Dem 5000. Kurgaste, dem Ehepaar Albert Gotthelft aus Cassel, das im Grand-Hotel Wohnung genommen hat, wurde ein Morgenständchen durch die Kurkapelle gebracht. Inzwischen ist die Freguenz auf 5044 Personen gestiegen, 649 mehr wie im Vorjahr. Es besteht noch immer Zuzug.
# Camberg, 29. August. Die städtischen Kollegien haben beschlossen, aus Anlaß der 40jährigen Wiederkehr des Gedenktages von Sedan jedem der Kriegsveteranen, dessen Jahreseinkommen geringer ist als 1800 M., einen Ehrensold von je 80 M. zu gewähren. Nach diesem Modus, der gerechter erscheint als der auf Steuernachlaß fürs laufende Jahr hinzielende Vorschlag, erhalten besonders die wenig bemittelten Veteranen einen über ihre geringen Gemeindeabgaben weit hinausgehenden Betrag. — Der hiesige Kriegervcrein veranstaltete gestern abend in Gemeinschaft mit dem Militärverein und den beiden Gesangvereinen hierselbst im „Bayerischen Hof" zur Erinnerung an die Siegsstage des Feldzuges 1870/71 eine würdige, wohlgelungene Gedenkfeier.
— Oberurscl, 28. August. Der Festausschuß für das landwirtschaftliche Fest hat eine reizende Festpostkarte anferttgen lassen, die soeben erschienen ist. Es ist eine Verkleinerung des von dem bekannten Frankfurter Maler Balzer entworfenen künstlerischen Plakates und sie zeigt in ihrem Vordergründe das Symbol der Landwirtschaft, den Pflug, auf dem ein flott aufgefaßter krähender Hahn sitzt. Den Hintergrund bildet eine höchst malerische Ansicht der Stadt Oberursej selbst. Das ganze ist von intimem Reiz und ein Wertstück für Sammler, da nur eine kleine Auflage gedruckt worden sst.
!! Lorch, 30. August. Der Landbriefträger Klein von hier, welcher sich gestern nachmittag von seinem Bestellgange zurücküegcben wollte, kam auf der Chaussee zwischen Ransel und Lorch mit seinem Rade zu Fall, wobei er sich schwere Verletzungen am Kopfe zuzog. Passanten fanden später den Verunglückten in bewußtlosem Zustande und verbrachten ihn nach Hause. Die Verletzungen sollen zum Glück nicht ernster Statur sein. __
Aus der Umgebung.
= Frankfurt a. M.» 80. August. Wegen großer Betrügereien wurde, wie dis Blätter melden, der 32jährige Reichsgraf Joseph Duni-Bockowsky von Szachcines verhaftet.
!! Bacharach, 80. August. Bei der gestern vollzogenen Bürgermei st erwähl wurde von 135 Bewerbern, von denen 5 in die engere Wahl gezogen waren, einstimmig mit 11 Stimmen Herr Bürgermeister Havenstein zu Rheinböllen zum hiesigen Bürgermeister auf die Dauer von 12 Jahren gewählt.
— Bonn, 29. August. Vom hiesigen „Generalanzeiger" wird aus Rhöndorf geschrieben: Bei meinem heutigen Spaziergänge am Ufer des Rheins, zwischen dem Steinchen bei Rhöndorf und Honnef, wurde ich von einer Mücke in die Hand gestochen, und bei genauerem Zusehen entpuppte sich dieser Quälgeist als ein regelrechter Moskito, und zwar als eine echte Anopheles. Ich versuchte das Tierchen zu fangen, doch gelang es mir nicht. Ein Irrtum kann nicht borliegen, da ich diese Mückenart in den Tropen tahraus jahrein täglich zu beobachten Gelegenheit hatte und sie in ihrer Bauart den sogenannten Rheinschnaken so fern steht, daß ein Versehen vollkommen ausgeschlossen ist. Eine Culex-Art kann es auch nicht gewesen sein, da diese durch ihre schwarz und weiß gestteiften Beine leicht erkenntlich sind. Bekannt dürfte allgemein sein, daß diese Mückenart die Überträgerin der Malaria ist und daher eine Gefahr bedeutet. Wie häufig sie ist und wo sie aur Rheinufer vorkommt, entzieht sich meiner Beurteilung. Wert ist es jedenfalls, sofort eine Vernichtung dieser Mückenatt euer» gi!Ä in die Hand zu nehme«.
