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Nr. 403.
Wiesbaden, Mittwoch, 31. August 1910.
5S. Jahrgang.
Morgen ■ klusgabe.
_ 1. Matt.
Der Wahlsieg der MlugieMM ReglerMg.
Wettn auch auf Grund langjähriger Erfahrungen, die bei Gelegenheit der jüngsten, aus Lissabon geniel- deten Verschwörungen und Putschversuche ihre erneute Bestätigung fanden, damit gerechnet werden muß^daß die portugiesische Regierung eine sehr scharfe D e - peschenzensur ausübt so scheinen doch alles in allem die Wahlen zn den Cortes wesentlich ruhiger verlausen zu sein, als man es nach den vorher verbreiteten Alarmnachrichten hatte annehmen müssen. In der Hauptstadt Lissabon, wo gerade die größten Befürchtungen gehegt wurden und das Kabinett Teixeira umfassende Vorkehrungen getroffen hatte,. die erkennen ließen» daß man nicht einmal dem Offizierkorps durchweg traut, soll sich der Wahlakt verhältnismäßig ruhig abgespielt haben, und nur aus den Provinzen werden mehrfach kleine Scharmützel _ gemeldet, die aber, wenn die Berichte zutreffen, nicht über den Rahmen der in Portugal üblichen Wahlschlachtcu hiuausgehen.
Was das Ergebnis der Wahlen betrifft, so sieht wohl schon jetzt fest, daß das gemäßigt liberale Kabi- net Teixeira, welches sich selbst als Konzentrationskabinett bezeichnet, in der neuen Deputiertenkammer über eine Mehrheit verfügen wird, die von der Regierung auf etwa 40 Stimmen geschätzt wird, wobei zu bemerken ist, daß die Teputiertenkammer, die mit der Pairskammer zusammen die Cortes bildet, aus 120 Mitgliedern besteht. Die offiziöse Schätzung ist freilich deshalb unsicher, weil etliche der Kandidaten unter falscher Flagge in den Wahlkampf gezogen waren und zweifellos unter den Monarchisten sich manche Elemente befinden, die insbesondere mit der völlig im englischen Fahrwasser segelnden auswärtigen Politik des Kabinetts Zufrieden sind. Ta überhaupt durch die Abspaltung der progressistischcn Dissidenten von den Liberalen und andererseits der liberalen Regeneradores von den Konservativen eine starke Verwirrung in die Parteiverhältnisse getragen worden ist, da ferner die klerikalem Elemente neuerdings in der tchärfsten Weise nicht nur gegen das Kabinett Teixeira, sondern auch gegen die Dynastie Front gemacht haben, und da endlich die Demokraten sehr stark mit den Republikanern liebäugeln, so weisen zur Zeit die Parteiverhältnisse in Portugal eine^ Verwirrung auf, die nur sehr allmählich einer Klärung weichen dürfte.
Das hervorstechendste an dem Ergebnis der Wahlen aber ist eine schon jetzt feststehende, für die Dynastie sehr unerfreuliche Tatsache, nämlich der bemerkenswerte Erfolg der Republikaner, die bisher
mit 7 Mitgliedern in der Kammer vertreten waren und aus eine Verdoppelung ihrer Mandate rechnen. Es kommt hierbei noch in Betracht, daß einmal die republikanischen Elemente durch das neue Wahlrechtsgesetz sehr benachteiligt worden sind und daß sie andererseits in den autonomen Körperschaften, vor allem in den Stadtvertretungen, immer mehr an Anhang gewonnen haben. Lassen doch die Siege der Republikaner nicht nur in Lissabon, sondern , auch m Oporto und Beja erkennen, wie die republikanische Bewegung von den großen Städten aus arsi die Pro- vinzen übergrerft. ^Es ist nicht schwer, nach oen Grün- den für diese höchst bedenkliche Erscheinung zu suchen. Als vor zweiundeinhalb Jahren der König Carlos und der Kronprinz Louis Philipp dem grauenvollen Attentat der revolutionären Meuchelmörder zum Opfer fielen, zeigte es sich nur zu deutlich, wie stark das monarchische Prinzip in Portugal erschüttert war.und die umstürzlerischen und republikanischen Ideen an Einfluß gewonnen hatten. Zwar gelang es unter dem Druck der durch den Königsmord heraufbeschworenen Ereignisse und angesichts des Beispiels von opfermutiger Pflichttreue, das der jugendliche, jetzt 20- jährige König Manuel gab, die monarchischen Parteien gegen die drohende Gefahr zu sammeln,. aber der Burgfriede hat nicht lang gedauert, und mit dem alten Hader der Parteien, der nur zum Teil auf Grundsätzen, zum Teil aber auf Personenfrageu beruht, ist auch der Wechsel der Kabinette zu einer üblichen Begleiterscheinung des Kampfes um die politische Macht geworden.
Es kann nicht wundernehmen, daß angesichts so zerfahrener Zustände der Weizen der radikalsten Parteien blüht, um so mehr, da auch die ungünstige finanzielle und wirtschaftliche Lage mit ihrer Mochten Kornernte auf der einen und der mit eurem Mangel an Absatz verbundenen Überproduktion an Wein auf der anderen Seite eine allgemeine Unzufriedenheit erzeugt hat die einen nur allzu aufnahmefähigen Boden für die republikanische Saat darstellt. Unter diesen Umständen wird cs für das Kabinett Teixerra kerne leichte Aufgabe sein, durch eine Zusammenfassung der Progressisten mit den progressrstischen Dissidenten und den liberalen Regeneradores eine regierungsfähige Mehrheit zu schaffen, mit der ein positives Arbeiten möglich ist und di- zugleich einen Schutzwall gegen die überhandnebmende Umsturzbewegung in dem von chronischen Parteikämpfen zerrütteten Lande bilden könnte. ____
Deutsches Deich.
* Keine Herabminderung der Postschcckgcbühreu An den Staatssekretär des Reichspostamts, war das Ersuchen gerichtet, die Postscheckgebühren herabzumindern. Ter Staatssekretär des Reichspostamts bat
Feuilleton.
Nachdruck veibolen.)
Dalmatmischs Tage.
Impressionen von Felix Poppenberg.
II.
In Gravosa liegt an der Lnüdungsbrücke ein schönes stolzes Schiff. „Baron Gautsch" steht in Goldbuchstabcu rn seiner Flanke. Mit seinem Schwesterschiss, dem „Prinzen Hohenlohe", fährt es zwischen Triest und Eairaro. _ Der österreichische Lloyd hat sich mit ihnen zwei Komsortschssft ersten Ranges Mgelegt. Eine Fülle von einbettigen, luftig ans Deck gelegenen Kabinen, zeichnet sie aus und abwechselungsreiche Ruhe- und Aussichtsplätze. Vorn an der Spitze ist balkonhast, ähnlich einem stark vergrößerten englischen bow-window, ein verglastes Rundell hcrausgcbuchtet. aus dem man wie ans einer Loge wind- und ivettergeschntzt das Rnndpanorama ansnehmen kann; im Rauchzimmer, in das sich das Fenster einer kleinen Bar öffnet, hängen Zeitungen; Ine Mahlzeiten ,in dem großen Speisesaal sind kultiviert.
Ans „Baron Gautsch" fahre ich nun an einem Vormittag von Gravosa nach Cattaro. Ans dem Meere geht es in Schlang-'Kurven in die vielarmig verzweigte Küstenbucht, die berühmte Boccha. Norwegisch wirkt der Charakter dieser gewaltigen Fjords von grauen, abends dumpslila scheinenden ' Berghalden umzingelt. Winzige Jnselchen schwimmen.
Soalpelli, ein schmaler Strich im Wasser mit wenig Häusern, aber mit Kuppelkirche und Campanile; eine andere noch kleiner mit einer Pinie, zierlich geschnitten wie eine Vignette. Roch eine Biegung, dann durch einen schmäleren karmlarüsen Lauf, und nun steuert das Schisj
in die eigentliche Bucht von Cattaro und landet an der
Marina. . _ .
Cattaro, ein zusammengerücktes Hänserh auflern, von einer Mauer umzogen, am Fuß der hohen Berge, sieht zunächst recht unbedeutend und harmlos aus. Harmlos ist e« gar nicht, allmählich merkt mau, wie die kriegerischen Befestigungen die Berge heraus in langer Windung als Kettenglieder sich ziehen. Ans dem natürlichen Fels entwickelt — und darin Gibraltar verwandt —, passen sie sich mimikryhaft dem Boden an und wirken unauffällig als natürliche Bildungen.
Und auch unbedeutend und uninteressant rst der Ort nicht. Zivilisation fehlt freilich, und wenn man von den Llovdschiffen kommt, fühlt man sich in den minderen Gasthöfen, was das Essen und sein Gegenteil anlangt, wie zn einem wilden Völkerstamm verschlagen. . Die speckigen C-amerieri lächeln achselzuckond, wenn du dich wunderst, lächle auch du!
Aber hat man des Lebens Notwendigkeiten erledigt und streift in und außerhalb der Stadt, so entdeckt sich das empfängliche Auge manch Besonderes.
Schön sieht der zweitürmige Dom gegen den Berghinter- grnnd' Die beiden ragenden Turmvseiler durch einen Galcrielcmfsieg über dem Vogenportal verbunden, rahmen den G eb irgsausschnitt mitten ein, und die steinerne Kirche und der steinerne Riesenhang verwachsen zur Einheit.
In den engen trüben Gassen blickt aus Elend und Verwahrlosung manch edler Vergangenheitsrest. An einem Haus halb bewohnt, halb Ruine, leuchten oben adlige venezianische Fensterbögen, efeudurchshlungen, vom Wappenstein gekrönt; im Untergeschoß sind sie barbarisch mit rohen Steinen zuoemanert. Gasseneingänze sind bogcn- übrrwölbt. daraus springt im Relief der Markus-löwe. Und am Abend, wenn die langen Laternenarme sich von den Ecken .gespenstisch strecken, dann spielt im ungewiß flackernden Liwt LLarteichilLmasie. Schimmer und Schein flattert
daraufhin erklärt, daß an eine Ermäßigung der Gebühren schon setzt, wo über die finanzielle Wirkung . er neuen Einrichtung keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, nicht herangetreten werden könnte.
* Zur Oberbürgermcisterwahl in Düsseldorf. AU> Nachfolger des Oberbürgermeisters Marx in D ir s s e l- d o r f Wird neuerdings als bestimmter Kandidat der Westfälische Landeshauptmann Oe. Hammerschmidt
genannt. . _ ^ . ,
* Ein gemeinsames Kriegerdenkmal, Oppeln
fand in Anwesenheit des kommandierenden Generals v. Woyrsch und eines Vertreters des ö st e r r eich r- s ck> e n Heeres die feierliche Enthüllung eines Denkmals für die in Oppeln bestatteten preußischen, österreichischen und sächsischen Krieger aus dem Feldzug von 1868 statt.
* Was einem Engländer passierte. Ein Ingenieur aus Nottingham namens B r o w n hat den Inhabern einer englischen Nachrichtenagentur mitgeteilt, daß cr am vorigen Freitagabend in M e tz unter Spionageverdacht verhaftet und 6 Stunden lang gefangen gehalten sei, während dessen Erkundigungen über seine Person eingezogen wurden. — Er befand sich gc' rade aus einer Radtour und wollte sich schnell nach seiner Heimat zurückbegeben. In Metz angelangü betrat er daher ein Cafö und verlangte nach einem Kurs- biich Dieser Wunsch sowie die Tatsache, daß seine Kleider auf der Radfahrt zerrissen waren, machten ihn verdächtig und' so bemächtigten sich zwei Polizisten seiner Person. Sie brachten ihn nach der nächsten Polizeiwache, wo er sechs Stunden verbleiben mußte und erst wieder freigelassen wurde, nachdem die Polizei, alle seine Papiere gründlich durchgeprüft hatte. Es wurde sogar eine Erklärung von ihn: verlangt, warum seine Kleider sich in so schlechtem Zustand -befänden. Von amtlicher deutscher Seite ist über diesen ftnll bisher nichts mitgeteilt worden, und es ist leicht möglich, daß die Angaben doch eine wesentlich andere Aufklärung finden werden.
* Ein Me.allarbeiter-Ausstand. In den neuen Metallgußfabriken zu Nürnberg sind wegen verweigerter Lohne:Höhung und Arbeitsverkürzung d- bis «W Arbeiter in den Äüsstand getreten.
* Der 25. Deutsche Weinbau-Kongreß findet in der Zeit vom 10. bis zum 14. September 1810 in Colmar statt. Mit dem Kongreß ist eine Ausstellung von Trauben, Obst, Gemüse, Blumen, Geräten und Maschinen für Weinbau und Kellerwirtschaft, sowie sür verwandte Berufe in den Anlagen des Marsseides verbunden. Aus der Tagesordnung sür die Kongreßsitzungen nennen wir folgende Themata: Die Erziehung der Weine zur Flaschenreife mrt besonderer Berücksichtigung der in Süddeutschland gegebenen Verhältnisse (Referent: Professor I)r. Kulrsch, Direktor der Kaiserlichen Landwirtschaftlichen Versuchsstation Colmar). Ist eine Einschränkung unseres
über Ballone und Treppen, über den Brunnen mit seiner FiligrmTauhe, über bie RundDapelle, unb den er.euch- teten Gewölben klingt Musik und Gesang.
In einer Mauer liegt die Stadt, und drei bewehrte Tore führen Hütern. Zugbrücken leiten zu den zwei seitlichen. Ein stilles Kanalgewässer mit flachen Usern ruht hier au einer Baumallee, und über die Stadtmauer heben sich Kirchenturm und Kuppel.
Voll tiefster Einkehr aber ist die Stimmung des benachbarten Friedhofs. Ein Herrgottsacker, eine blühende Totenwiese ist er, von blauen Iris übersät.
Flache Platten,gräbstei ne sind in den grünen Rasen gebettet, Agaven verkrümmen niobidisch ihre Glieder, hoch steigen dichtgereiht Zypressen. Wilde Rosenbüsche quellen ans den Steinnmrandnngen der Gräber. Ein grauer Steinöbelisr steht gegen ba§ Grün der Zypressen, ein welkender Kranz hängt am Sockel mit schwarzgelbcr Schleift; um schwarze Eisenkreuze wuchern gelbe Feldblumen. In einem steinernen Br,gen der Mauer, vom Efeu umwallt, hängt eine dunkel erzene Glocke. Und blau wogt die Iris- slut über die Fläche . . .
Um 2 Uhr nachts geht das Schiff von Cattaro südwärts nach Korfu. Es ist die „Brioni", k m Prachischiff wie „Gausich" und „Hohenlohe", nur ein Frachtschiff, das nebenbei- Passaaiers mitnimmt. Es braucht zweiundffmfzig Stunden, liegt lauge in den kleinen Häsen, Ladung löschend und einnehmend, das ergibt aber firr den Beobachter reizvollste Möglichkeiten intimerer Blicke.
Bunte Trachten- und Volksbilder gibsss ans dem Schiff, das Mbanesrsche tritt jetzt hervor.
Jmi Zwischendeck wimmelt es nralerisch. Weißen Fez tragen die Männer über wilden olivfarbeuen Gesichtern, weiße Hosen mit schwarzer Applikation, nach nnten strumpf- artig verengt, mit Haken und Qft geschlossen und in breiter Stuwe Mor dM TMh Jne-ÄaÄ AÄ«
