' Seite 2, Mrertag, 19* August 1910*
stehenden Rangerhöhung Montenegros sagen können, daß der König der Schwarzen Berge der Ruhe unseres Erdteils nicht gefährlicher werden wird, als es in den letzten Jahren der Z ü r st der Schwarzen Berge war.
Deutsches Weich.
* Zu den Posener Kaisertagen gibt der „Kurier Pozn." Mr die polnische Bevölkerung die Parole aus: „Mögen diejenigen Polen, die in der Provinzialverwaltunig Ehrenämter bekleiden, der Einladung Folge leisten und ihrer Repräseutationspflicht genügen. Die polnische Gesellschaft erwartet aber übereinstimmend, daß die geringe Zahl der Geladenen sich nicht als die Repräsentanten der polnischen Gesellschaft engagieren, denn für diese besteht nur ein Standpunkt: Passive Haltung, konsequentes Fernbleiben von preußischen Festen. Dies verlangt in klarer Weise vor allem die hiesige polnische Bevölkerung. Mögen sich die hiesigen Preußen freuen und triumphieren, aber wir lassen er nicht dazu kommen, daß sie uns verspotten, daß sie auf uns mit Verachtung herabsehen können, weil es ihnen gelungen ist, unseren Stolz zu beugen und unseren trotzigen Willen zu brechen/ — Als Stimmungsbild verdient diese Warnung vor der Begrüßung des Kaiserpaares Beachtung. Von geistlichen Würdenträgern haben übrigens jetzt Loch Einladungen zur Festtafel der Weihbischos Dr. Litowskl und Dompropst Dt. Wanjura aus Posen sowie zwei Mitglieder des Gnesener Domkapitels erhalten. Die Namen der letzteren werden in der polnischen Presse nicht genannt. Wie verlautet, soll sich unter ihnen Domherr Dr. Sander, der ehemalig« Divisionsprediger aus Karlsruhe, befinden, der wiederholt als Kandidat für den Posener Erzbischofsstuhl genannt worden ist.
* über den Adel in der preußischen Verwaltung finden wir im „Hamb. Fremdenbl." folgende Zusammenstellung: Das Staatsministerium, um damit anzufangen, besteht aus sieben adligen (v. Bethmann-Hollweg, v. Tirpitz, v. Breitenbach, v. Trott zu Solz, v. Heeringen, v. Dallwitz, Frhr. v. Schorlemer) und vier bürgerlichen Mitgliedern (Delbrück, Dr. Beseler, Shdow, Dt. Lentze), der Unterstaatssekretär und die Vortragenden Räte im Staatsministerium, der Geheime Kabinettsrat und sein Vortragender Rat, wie auch die sämtlichen zwölf Oberpräsidenten der Monarchie gehören dem Adel an. Von den sonstigen Unterstaatssekretären sind zwei adelig und sechs bürgerlich, die Ministerialdirektoren gehören überwiegend, nämlich einundzwanzig, dem Bürgertum an, wogegen sechs adlig sind. Das Oberverwaltungsgericht besteht aus dom adligen Präsidenten, einem adligen Senatsprästdentcn, fünf adligen, vierzig bürgerlichen Mitgliedern und sieben bürgerlichen Senatspräsidenten. Die Oberprästdialräte (Vertreter der Oberpräsidenten) sind mit je sechs dem Adel und Bürgertum entnommen, 23 adlige, 13 bürgerliche Regie- rungsPräsidenten, 17 adlige und nur 4 bürgerliche Polizeipräsidenten beweisen, daß auch hier der Adel bevorzugt wird. Von den Oberregierungsräten sind 54 adlig, 271 bürgerlich, von den Verwaltungsgerichtsdirektoren sind 5 adlig, 32 bürgerlich, von den Polizeidirektoren sind 3 adlig, 2 bürgerlich. Die trockene Juristerei scheint bei den Adligen nicht besonders beliebt zu sein, da dem Justiz- ministerinm nur Bürgerliche angehören. Wer in der inneren Verwaltung Karriere machen will, strebt danach, Landrat zu werden. Die Landratsstellen scheinen vorwiegend sür den Adel bestimmt zu sein; denn 274 Landräte sind adlig und nur 200 bürgerlich. Der Regierungsbezirk Stralsund hat ausschließlich adlige Landräte, in den, Regierungsbezirken Köslin, Stettin, Potsdam, Frankfurt a. d. O., Posen, Breslau, Magdeburg und Merseburg kommen bürgerliche Landräte nur ganz vereinzelt vor.
DG. Die „Freunde" der Müller. Zu den Mittelstandsexistenzen, die das Agrariertum ständig mit seiner Liebe umwirbt, gehört das Müllergewerbe. Dabei ist die agrarische Politik gerade dazu angetan, die kleinen und mittleren Müller zu schädigen. Das Einfuhrscheinwesen z. B. schädigt jetzt die Müllerei in starkem Maße, da es das Getreide gerade dann aus dem Lande herausschiebt, also
„Sprengungen!" Und nun rollt mehr und mehr das unterirdische Grollen. Es ist etwas Eigentümliches, Unheimliches. Viel leiser wie ein heranziehendes Gewitter, aber ivtr fühlen die zitternde Bewegung des Gesteins, der Lust, der ganzen Umgebung. Erleichtert atmen wir aus, als wieder völlige Ruhe eingetreten; uns Neulingen war es doch, als könnten mit jeder neuen Erschütterung die gewaltigen Felsmassive um uns herum zu ewigen Grabmauern werden.
Dann geht es wieder weiter. Die ernste Pflicht ruft den Steiger. Wir dringen jetzt in die pulverdamps-ge- schwängerten Gänge ein. Dichter, beengender Nebel umfängt uns, endlich ein Lichtschein, im dichten Dunste tauchen die Bergleute vor uns aus, der Steiger erfragt Bericht und steht nach, prüft das Gestein, seine Festigkeit; losgelöste Platten, die Herabstürzen könnten, müssen sofort beseitigt werden. — Immer öfter treffen wir jetzt Leute an, stets zu zweien verrichten sie, oft rm Wasser stehend oder gar kauernd, ihre schwere Arbeit. Immer öfter tönt uns der anfangs so ungewohnte, bald aber ganz vertraute ernste Gruß und Gegengruß „Glück auf" entgegen. Uns wird es warm unter dem undurchlässigen Gummizeug und dem ungewohnten Gehen und Kriechen, der Schweiß perlt aus der Stirn. Wie mag es erst den emsigen Bergleuten zu Mute sein! Aber wider Erwarten haben sie ihren Beruf liebge- wormen, Wohl sei es ihnen zuerst fremd vorgekommen; aber jetzt nach ein, zwei und mehr Jahren, so versichern sie, fühlen sie sich wohl. Wer einmal dort unten gelebt, der will nicht mehr hinauf, mit allen Fasern zieht's ihn immer wieder hinab! Der Steiger erzählt uns in einer kleinen Pause mit wahrer Begeisterung von seinem Beruf, den er liebgewonnen habe seit den Jahren, als er noch wie ein gewöhnlicher Bergmann gearbeitet habe. Wir fühlen, es ist die Begeisterung, die jedem Beruf entspringt, der volle, ganze Hingabe, alles, was der Mensch geistig und körperlich und seelisch herzugeben vermag, verlangt; es ist die Begeisterung, der Stolz der schweren, der gefahrvollen Berufe, wie sie dem Seemanm dem Bergmann eigen, hervorgerusen durch das Bewußtsein, erstarkt zu fein im Steten Dampfe gegen die Kräfte der Lewaltigen Natur*
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der müllerischen Verarbeitung entzieht, wenn es in Massen da und relativ billig ist. Aber auch die vielfach jetzt emporkommenden Genossenschaftsmühlen schädigen den müllerischen Mittelstand. Diese sind zumeist von Landwirten gegründet und teilweise auch Bäckereigenossenschaften als Haupt- oder als Rebenbetrieb angeschlossen. Die Genossen sind in solchem Falle nicht Müller, sondern eben Landwirte, Bäcker u. a., die den ausgesprochenen Zweck verfolgen, den Müller auszuschalten. Unter dem Betrieb landwirtschaftlicher Genossenschaftsmühlen und Bäckermühlen leidet der Deine Binncnmüller nicht weniger als beispielsweise durch die Anlage von Gutsmühlen seitens der Großgrundbesitzer. Eine einzige Genossenschaftsmühle, die von den Landwirten eines größeren oder kleineren Kreises errichtet wird, ist in der Lage, die sämtlichen kleinen Wind- und Wassermühlen dieses Kreises, die bisher durch Lohumüllerei ihre Existenz fanden, zugrunde zu richten. — Wenn aber ein Geschäft dabei zu machen ist, dann wird von den Herren Großagrariern gepfiffen auf das schöne Wort vom „Schutze des Mittelstandes".
— „Stille" Kolonisation im Kreise Geestemünde. Der Kreis Geestemünde bietet besonders große kolonisatorische Aufgaben, und wenig dürste bekannt sein, daß hier ganz überwiegend aus eigener Kraft der Bevölkerung ohne staatliche Mithilfe ein recht schönes Beispiel einer gewissermaßen „stillen" Kolonisation geschaffen wurde, von der in amtlichen Berichten und in der Kolonisationsstatistik nichts gesagt ist. Bis jetzt sind seit 1880 rund 1796 Hektar Acker, 2310 Hektar Wiese und Weide, 1936 Hektar Aufforstungen und 104 Hektar Fischteiche, im ganzen 6164 Hektar Kulturland neu angelegt worden. In der gleichen Zeit sind im Landkreise Geestemünde 658 neue Höfe und Anbaustellen entstanden. Die Bevölkerung hat sich von 1845 bis 1880 von 16 457 auf 19 387 (+ 2930) und von 1830 bis 1908 auf 24 156 (+4769) vermehrt. In der Zeit von 1892 bis 1908 stieg der Bestand an Pferden von 2999 auf 3505, an Rindvieh vmi 19 274 auf 27 811 und an Schweinen Von 9650 auf 24 291! Mindestens dreimal soviel Land, als in den letzten Jahren kultiviert worden ist, steht noch unter der Herrschaft des Heidekrauts und bietet noch für 12000 landwirtschaftlich tätige Menschen Raum. Es handelt sich als» in dem Kreise, rote überhaupt in der Provinz Hannover, noch um eine große kolonisatorische Ausgabe trotz der außerordentlichen Anstrengungen, die bereits gemacht worden sind. Im allgemeinen ist die so wichtige und erwünschte „privateste" Kolonisation überhaupt viel umfangreicher, als man annimmt. Dies läßt auch schon die ans den Ergebnissen der Berufszählungen hervorgehendc Vermehrung der bäuerlichen, insbesondere der kleinbäuerlichen Stellen erkennen, welche die Zahl der durch die staatlichen Behörden geschaffenen Stellen bei weitem über- trifft. Wie wäre es, wenn Staat und Selbstverwaltung diese Privattätigkeit durch Mittel unterstützten!
* Agrarischer Hochmut. Die „Deutsche Dagesztg."
(Nr. 355) bringt einen Beitrag „Etwas von der letzten Berusszählung". Es wird da aufgesührt der Prozentsatz der Berufstätigen in Landwirtschaft, Industrie, Lohnarbeit und freien Berufen und als Endergebnis zufammengefaßt: „Summa: Produktive Gewerbe." Ferner werden zusammengefaßt Handel und Verkehr und Berufslose und hinzugefügt: „Summa: Unproduktive Gewerbe."
Handel und Verkehr sind also unproduktiv; wie gnädig von dem agrarischen Blatt, daß es wenigstens noch die Industrie zu den produktiven Gewerben zählt. Dem Handel hat ja übrigens der Bund der Landwirte schon früher die Rolle einer „dienenden Magd" zugewiefen.
* Airs der Ostmark. Die Polizei in Kletzko verbot dieses Jahr zum erstenmal den traditionellen Gottesdienst vor der Lorenzstatue am Marktplatz. Infolge der starken Aufregung der Bevölkerung und Menschenansammlung ist ein großes Gendarmerieaufgebot erfolgt. Bisher ist aber alles ruhig verlaufen.
* Zum Unglück in Brüssel schreiben die „Leipz. N. N-": „Es ist doch, als ob immer wieder, wenn der Menschengeist sich zu besonderen Höhen erhebt, wenn er über die Grenzen hinaus in die weitesten Fernen schweift, irgendeine dunkle, dämonische Macht uns erinnern will, daß wir doch nur erd-
' geborene Menschen sind, die doch schließlich hilflos dem
Jetzt haben wir noch Gelegenheit, gerade zum Legen von Minen zurechtzukommen. Diese harmlos aussehenden, halbkerzenlangen Papierhüllen mit ihrer weichen Füllung, einer Baselinstange ähnelnd, die man ruhig in die Hand nehmen, dem Lichte nähern, ja, sie angeblich ohne große Gefahr in der Hand anzünden und abbrennen lassen kann, welch surchbare Gewalt entfalten sie, wenn sie, wie es jetzt geschieht, in die 1 bis 2 Meter tiefen Bohrlöcher geschoben und verkeilt sind. Da flammt auch schon funkcnsprühend die erste Zündschrmr auf und brennt langsam weiter, jetzt die zweite, die dritte. Trotz der Versicherung der Leute, daß noch keine Gefahr vorkiege, drängen wir hinweg, viel zu langsam scheinen wir uns aus der gefahrvollen Nähe zu entfernen, ein unheimliches Gefühl treibt uns vorwärts. Run sind wir eine Strecke weit entfernt und treten in einen Seitengang, die Brenntzeit der Lunte von fünf Minuten scheint um zu sein, da ein dumpfer Knall, ein zweiter, ein dritter, ein Rollen und Dröhnen, das übliche Verlöschen der Lichter und alles ist vorbei. Wir haben es uns schlimmer vorgestellt. Die Wirkung erscheint gering im Gegensatz zu den Sprengschüssen der Außenwelt, aber die vielen Gänge sangen den Schall auf, das Gestein, die Kohle ist zudem weich, der Knall daher gering.
Nun gelangen wir an den unheimlichen Ort des unterirdischen Gebiets, in die Dynamitkmumer, über deren Bestand die peinlichste, dreifache Kontrolle geführt wird. Ein langer Gang, an dem sich bis auf 200 Meter heran kein Arbeitsstollen, keine Sprengstelle nähern darf, am Ende eine Tür. Wir müssen mit Ausnahme des Steigers unsere Grubenlampen draußen abhängen, dann treten wir ein. Eine Kammer, rundum mit glänzenden, nicht rostenden Metallpanzcrn ausgeschlagen, birgt in ihrem Innern auf langen Gestellen ausgestapelt Kiste an Kiste, alle mit sortlaufender Nummer versehen und jede eine genau abgezählte Anzahl von Sprengpatronen enthaltend. Harmlos und friedlich liegen die weißen Röllchen nebeneinander, doch welche Kräfte werden bei ihrem Gebrauchs entfesselt.
Wie verschieden sieht doch die Braunkohle aus! Vom hellsten Nußbraun, kaum nach dem Lanzen Aussehen von
Morgen-Ausgabe, 1* fBlttii* 91t* 383. :j
Wirken und Weben der Naturgewalten gegenübersteheu.
Als wir glaubten, das Reich der Lüfte für immer erobert zu haben, als nach endloser Arbeit der Held von Friedrichshofen sein Werk vollendet meinte, als die Menschheit in Feststimmung war — „einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen!" — da stürzte der Turm in Trümmer. Und selffam, daß eben dann, wenn solche Feststimmung über die Menschen kommt, die Katastrophen sich häufen, als gäbe es hier oder irgendwo und von irgendwem geschrieben ein dunkles, unheimliches Gesetz."
* Der Dr. mack, cksnt. Da die Verleihung des Dr. med, %'et. an die Tierärztlichen Hochschulen unmittelbar bevor- stehi, wird die Verleihung des Dr. rasck. ckent. nicht mehr lange auf sich warten lassen.
— Deutscher Zimmermeister-Verband. In den Tagen vom 20. bis 23. August d. I. veranstaltet der „Bund deutscher Zimmermeister" in F r e t b u r g i. Br. seine 7. ordentliche Mitgliederversammlung. Zweck dieser Veranstaltung ist es, den Wert fachgenossenfchaftlicher Organisation auch für das einschlägige Gewerbe erneut zu bekunden und zu einer Reihe von Verbandsfragen und Gesetzgebungsango legenheiten gemeinsame Stellung zu nehmen.
* Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekaurmertax
wird vom 5. bis 7. September in Stuttgart abgehalten werden. Die wichtigsten Gegenstände der Tagesordnung für die Hauptversammlung sind: Stellungnahme zur
Reichsversicherungsordnung, Meisterprüfungswesen, Fürsorge für die gewerbliche Jugend. Lehrstellenvermittlung und Arbeitsnachweis, Gesellenprüfung von Fabriklehrlingen. Außerdem soll der Beschluß des Leipziger Kammertages bezüglich des Verbotes einer Preissesffetzung durch die Innung einer Abänderung unterzogen werden.
^ Rechtsprechung und Verwaltung-
über die Frage einer vierten Klausurarbeit hatte ein Vertreter der „Nationalzeitung" eine Unterredung mit dem Untcrstaatssekretar Schwarzkopff im Kultnsministerrum, in der dieser anssührte: Die Nachricht, daß der Justizminister im Einverständnis mit dem Kultusminister die Einführung einer vierten Klausuarbeit, bestehend in Übersetzung und Auslegung einer Stelle aus dem corpus juris, Plane, ist tun: bedingt richtig. Wie ja bekannt, finden zurzeit eingehende Beratungen statt. Im Verlaufe der Beratungen über eine Reform des juristischen Studiums ist auch die Frage der vierten Klausurarbeit zur Sprache gekommen. Im Kultusministerium selbst befinden sich die Besprechungen durchaus noch in einem V o r st u d i u m. Die geplante vierte Klausurarbeit, Übersetzung aus dem corpus juris, äußerte Herr Unierstaatssekretär Schwartzkopff, ist ja übrigens kein Novum, vielmehr wurde eine solche Leistung von jeher im mündlichen Teile des Referendar-Examens gefordert. Und soviel Latein können ja die Realgymnasiaftcn und Oberrealschüler auch noch, wie zur Übersetzung einer Paridektenstelle nötig ist.
Heer? rmd Flotte.
HL. Die Einführung neuer Soldatenlieder Wird in einer militärischen Fachzeitschrift angeregt. Die von einem höheren Offizier stammende Zuschrift geht ein aus den Wettbewerb zur Erlangung von Soldatenliedern, der von dem französischen Kricgsministerium ausgeschrieben worden ist, um dm Liederschatz der französischen Armee zu bereichern und zu veredeln. Es werden in dem Ausschreiben sowohl neue Texte wie auch neue Kompositionen eingefordert. Gleiches wäre nach der Znschttst auch für die deutsche Armee angebracht, dmn der Liederschatz der deutschen Armee sei durchaus nicht einwandssrei. Jeder, der Soldat war, weiß, welch große Anzahl Soldatenlieder es gibt, die schlüpfrigen Inhalts und schamverletzend sind und die in Gegenwart von Zivilpersonen nicht gesungen werden können. Bei Märschen dürfen sie natürlich nicht angestimmt werden, da dann der führende Offizier sofort einschreitcn würde. Aber kleinere Abteilungen, die zum Beispiel vom Schwimmen oder vom Schießen zurückkehrm und durch einen Gefreiten oder älteren Mann geführt werden, singen diese Lieder unmtwegt und nehmen auch gar keine Rücksicht aus das Publikum. Eher könnte man sagen im Gegenteil! Denn sobald junge Mädchen vorübergehen, werden die Kraststellen mit besonderer Verve ge-
irgend einem Stückchen Holz aus der Werkstatt des Schreiners zu unterscheiden, bis zum tiefften Ebenholz- schwarz, von der glanzlosen, deutlichen Holzfaser bis zur glatten, schwarzglänzenden Glasur des polierten Hartgummis.
Wir betreten wieder den Förderkorb und sind in wenigen Augenblicken oben. Ein klarer Sternenhimmel empfängt uns. Unbemerkt sür uns dort unten war die Nacht hcreingebrochen; wir blicken aus die Uhr: volle drei Stunden sind uns da untm wie im Fluge vergangen. Trotz des Interessanten, das uns die Unterwelt geboten, ziehen wir doch hoch aufatmend mit Wohlbehagen die frische Lust der reinen, freien Gottesnatur ein. Doch, als wir dann durch die sternenklare Westerwaldnacht der fernen Bahnstation zuwanderien, da wußten wir, tief, tief unten unter unseren Füßen liegt auch eine Welt, mühen sich fleißige Menschen im schweren und gefahrvollen Berufe um die Erhaltung ihres Daseins ab. Schwerer wohl wie vor Jahren draußen in der Welt, dafür aber auch in der heißgeliebten Heimat, nicht mehr fern von Weib und Kind.
Aus Kunst und Leben.
„Das bißchen Cholera".
Ein Bild voll grimmiger Ironie aus den Zentren der Cholera in Rußland zeichnet der Italiener Ugo Ojetti in seinen Tagebuchnotizen von einer Reise durch den Süden des Landes, die er im „Eorriere della Sera" veröffentlicht. Er schreibt aus Kiew: „Ich habe mich auf die Suche nach der Cholera gemacht. Nach den Telegrammen unserer abendländischen Zeitungen zu utteilen, ist sie eine Spezialität von Kiew; ich mußte sie also sehew Da man sich nach den Sehenswürdigkeiten der Stadt zunächst bei dem Hotel- portted zu erkundigen pflegt, so wandte ich mich auch an den unseren, der über einen Wortschatz van 20 französischen Vokabeln verfügt. „Cholera? Me Jahre ein bißchen Cholera", radebrechte er französisch, „nur ein bißchen. . qlle Jahre zu dieser Saison ..." Eis m acht e dem Eindruck.
