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Nr. 382.

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Seite S«

Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

Donnerstag, 18. August ISIS.

Hände brachten dieselbe bald in ihren Schuppen. Es kam

Nr. 5: Emil Jean n i n, aus einer Farman-Maschin«; glatt erledigte er eine Rund« und ging nieder. Einige Augenblicke schwanden, und dann erhob sich der stolze Vogel von nettem und vollzog fünf tadellose Runden, die viel Beifall fanden. Alsdann eine Schwenkung nach Südwesten und fort war auch Jeannin nach Mainz. Als letzter er­schien Plochmann mit seinem Grade-FIieger am Start, ein einfacher Apparat, der vorzüglich funktionierte. Min- destervs zehn Runden legte der Flieger zurück und landete dann glatt vor feiner Halle. Das rote Kugelsigual auf der großen Halle ging nieder -und zeigte den Schluß der Flugstunde an. Langsam zerstreute sich die Menge mit dem Bewußtsein, einem großartigen Schauspiel beigewohul zu Haben.

ö. Mainz, 18. August. (Eigener Drahtbericht.) Der Defekt, der Wienczitzres 'gestern abend veranlaßte, zu landen, bestand in dem Platzen eines Radveisons. Der Schaden wurde repariert. Wienczitzres wollte heute morgen um 4 Uhr starten, da die Monteure nicht kamen, konnte er erst um 4 Uhr 45 Min. zum Start gehen. Er flog in schöner Fahrt bis zum Gonsenheimer Tor, der Motor versagte aber, und Wicttczisres kehrte wieder zurück nach der Lan- dimgsstelle auf dem Großen Saüd, wo er dann landete. Nachdem der Motor mit Ll und Wasser gespeist war, ging der Aviatiker mit seinem Apparat um 5 Uhr 45 Min. wieder in die Höhe. Er machte 'einen' wohlgelungenen Bogen um den Großen Sand und flog dann in der Richtung über den Rhein nach Worms zu. Um 6 Uhr 15 Min. kam die Nach­richt aus Astheim hierher, daß Wiencziöres wegen eines Motordefekts in der Nähe von Astheim landen mußte. Es wurde sofott ein Automobil mit Werkzeug nach der Lande­stelle abgesandt. Heute vormittag starten in Frankfurt keine Flieger mehr. Plochmann versuchte eine Abfahrt, 'es blieb aber nur beim Versuch.

Mannheim. 18. August. Wie derMannheimer Gene­ralanzeiger" aus Sandhofen meldet, lief um 10 Uhr 40 Min., als man gerade damit beschäftigt war, den Flugapparat Jeannins in seine Teile zu zerlegen und auf aus Mann­heim requirierte Wagen zu verladen, vom Preisgericht aus Frankfurt die Nachricht ein, daß Jeannin seinen Flug fort­setzen solle. Die volle Fahrt soll ihm angerechnet werden, da er nicht wogen Motordefekts die Landung vornahm. Die Reparatur wird heute nachmittag beendet sein, und Jeannin hofft, den Flug zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags nach Mannheim sotts-etzen zu können. °

Schmucksachen und Uhren im Wert von vielen taufend Matt zusammenpackte, zu 3 Jahren Zuchthaus. Die ge­stohlenen Sachen konnten dem Eigentümer wieder zugestellt werden.

Ms. Marburg, 17. August. Der frühere Ober- b i b l i o t h e k a r der Umvcrsitäts-Bibliothek Hierselbst, Herr Professor 1>. phil. Karl Kochen d ö rffe r, ist nach längerem Leiden gestorben.

, Hanau, 18. August. Vom Blitz s chlag wurde der Bahnhofsvorsteher Fr erg er ich ter aus Meerholz bei Hanau getötet.

-e- Braunfcls, 16. August. Durch herrliches Wetter be­günstigt, fand vorgestern in den späteren Nachmittags- und den Abendstunden unter den Linden des Parkes Hierselbst ein treff­lich verlaufenes S o m m e r f e st statt, welches der hiesige Ver- schonerungsverein veranstaltet hatte und wobei die Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm von Gießen mitwirkte. Neben dem Konzert gab es ein kleines Bühnenstück, Tanz, Kinderspiele, Turner-Pyramiden und Mcrrmorgruppen, des Abends bengali, che Beleuchtung. Das Fest war gut besucht. Am gleichen Tage, Sonntag, hielt auf dem hiesigen schönen und prächtig gelegenen Turnplatz des Turnvereins derVerein Landeswohlfahrt" ein hübsches W e t t u r n e n nebst Turn­spiel der Turnvereine des Solmser Landes und ein Fußballwett­spiel ab.

* Mainz, 18. August. Rheinpegel: 2 m 40 cm gegen 8 rn 66 ein am gestrigen Vormittag.

G

Aus Wiesbadener? Geeichtssäisn.

Schwefelsäure. Die Ehefrau G. in Schl erstein war mit der im gleichen Hause wohnhaften Ehefrau H verfeindet. Um ihr Mütchen zu kühlen, schüttele sie eines Tages über die zum Trocknen aufgehäugte Wäsche ihrer Rivalin ein FläschchenSchwefelsäure" aus. Die Wir­kung blieb nicht aus; als die Ehefrau H. die Wäsche am nächsten Tage abnehmen wollte, verfiel sie ihr unter den Händen. Das Schöffengericht verurteilte die angenehme Nachbarin zu einer Geldstrafe von 30 Mark.

DasVerhältnis". Folgende Berichtigung geht uns zu:In der vorgestrigen Nummer Ihrer Zeitung fft unter der ÜberschriftDas Verhältnis" ein Artikel erschienen, der den Tatsachen widerspricht. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Das in Frage kommende Dienstmädchen M. B. ttat am 1. Juli er. bei mir, dem Unterzeichneten, in Stellung. Sie ging jeden Abend ohne Erlaubnis aus. Am 15. Juli er. wurde ihr erklärt, -daß, wenn sie dies nicht unterlasse, ich aus ihre weitere Dienste verzichten würde. Trotz dieser Verwarnung ging sie weiter aus, besaß sogar die Dreisttgkeit, sich einen Herrn zum zärtlichen Rendez-vous auf rhr Zimmer zu bestellen. Aus diesem Grunde wurde ihr und jedenfalls mit Recht am 1. August er ge­kündigt und ihr der vereinbarte Lohn bezahlt Am 2. August er. verließ sie wieder den Dienst und kam erst nach 11 Uhr abends nach Haufe, wo sie das Tor ver­schlossen fand. Als sie am 3. August er. morgens überhaupt nicht aufftand, wurde sie sofort entlassen, nachdem ihr vor­her noch 1 Tag Lohn bezahlt worden war. Die Betreffende klagte daraufhin beim Gewerbegericht ansEntschädigung" nicht, wie es in der betreffenden Noti heißt, auf rück­ständigen Lohn. Ich habe ihr nur vergleichsweise 7 50 M auf Zureden des Herrn Vorsitzenden des Gewerbegerichts bewilligt, um weiteren Verhandlungen aus dem Weqe su gehen. Hochachtungsvoll Hans Osterchrist Restau­rantZur Germania", Heleneustraße 27."

Wir finden, daß in dieser Berichtigung das Verhält­nis", das in der Gewerbegerichtsstreitsache offenbar die Hauptrolle gespielt hat, doch gar zu nebensächlich behandelt wird. Fm übrigen läuft die Sache auch in der von §,i>rrn Osterchrist gegebenen Darstellung auf dasselbe ''Ende hinaus: auf den Vergleich.

A'«s ansinnEaen Geeichtssaken.

Frankfurt, 17. August. Die Strafkammer verurteilte den Italiener August M e t e l l i, der am 29. Mai in den Uhrenladen von Schröder auf der Zeil einbrach und

Vom Brand des Karersee-Hotels gibt der Korrespon­dent desB. L.-A." ein« anschauliche Schilderung, in der «s u. a. heißt: Als ich tu langen Sätzen die westliche Paß­seite hinab die weite Lichtung erreichte, auf der der Hotel- Palast steht, bot sich mir ein schwer befchreiblicher Mtblick dar. Der ganz« linke Flügel des sechsstöckigen Gebäudes mit einer Fassadenbreite von 52 Fenstern stand in Hellen Flammen. Mus dem von Tennisplätzen eingefaßten Wiesen­plan ringsum herrschte ein Treiben von 'grotesker Tragik. Beim ersten Hinsehen glich es dem Biwak einer vor dem Feinde flüchtenden Dorfeiinwohnerschast aus dem 30jährigen Krieg. In der Hast und Fassungslosigkeit des Augenblicks lief alles wild durcheinander undrettete" das über­flüssigste. Damen in eleganten SPitzenroben bargen schluch­zend ihre Hutschachteln, «in alter Engländer trug wottlos einen Schwammbeutel beiseite, triumphierend hielt ein Südfvanzose eine elektrische Stehlampe empor, die er mit vieler Mühe in seinem Schlafzimmer abgeschraubt haben mußte. Aus den Fenstern aller Stockwerke flogen Ma­tratzen, Rohrstühle, Bettdecken und fielen zwischen Hundetten von Koffern und Reisetaschen nieder, die auf dem Rasen umherla gen. Kellnerinnen und Stubenmädchen stehen wei­nend mit gerungenen Händen umher und bollagen den Verlust ihrer geringen Habe und der während der in den nächsten Tagen zu Ende gehenden Hochsaison zusanunenge- sparten Trinkgelder. Sonst ist das Personal von impo­nierender Bravour. Aus dem schon slammenumzüngelten Hauvtportal kommen, mit Rechnungsbüchern und Bnreau- inveUtar bepackt Scharen von Hausknechten; hoch oben an einem Fenster steht ein Koch in weißer Dienstmütze und wirst, unbekümmert um die Zurufe:Spttng doch, spring, ehe es zu spät wird!" Kleidungsstücke und Betten hinab. Auch allzu menschliche Züge bekunden sich. Man klagt oft über die Geldgier der Hoteliers; hier ein Angenblicks'bild von der Kmckigkeit eines Reisenden: Ein Herr, der auf einem Kofferhansen thront und offenbar sein gesamtes wertvolles Gepäck geborgen hat, bietet einem Tiroler Bur­schen drei Kronen sage und schreibe drei Kronen! wenn er hinauf in die brennende dritte Etage ginge uud auch noch seinen Rucksack rette!' Abseits kniet ein Priester und fleht mit gefalteten Händen den Himmel um Regen an, aber kein Wölkchen zeigt sich droben. Es ist Mattentag; von Welschhosen herauf klingen die Feiertagsglocken, blen­dender Sonnenschein ergießt sich ans die Stätte der Ver­nichtung. Die Abräurmrngsarbei ten des eingeüscherten Karersee-Hotels schreiten übrigens rasch vorwärts. In den Trümmern werden eine große Anzahl Schmuckgegenstände, die freilich durch das Feuer vernicklet sind, gefunden. Wie jetzt seststeht, konnten di« im Hotelbureau untergebrachten Depots von Effekten und Geldern im letzten Augenblick in Sicherheit gebracht werden. Alle Fremden haben heute Quartier gesunden, teilweise in Bozen und Welschnosen, teilweise im Karerpaß-Hotel und im Hotel Latemar. Der Braudplatz wird vom Militär bewacht, um Unbefugten dm Zutritt zu verwehren.

K!?me Cheonik.

Ein Laternenanzündcrstreik. Seit einiger Zeit stehen die Laternenanzünder der Mülhausener Gassabrik, die durch eine Privatgesellschaft betrieben wird, wegen Lohnforde­rungen im Streik. Die Anstalt hatte das gesamte Personal zum Anzünden der Laternen bestellt. Es kam wickderhoit zu Zusammenstößen mit den Streikenden. Dienstagabend rotteten sich vor der Gasfabrik 7000 Personen zusammen, die mit den Streikenden gemeinsame Sache machten. Es wurden in der Gassabrik die Scheiben 'eingeworfen und die Straßenlaternen zerstört. Als die Polizei kam, wurde sie mit Steinwürfen empfangen. Erst gegen 12 Uhr gelang cs, die Menge zu zerstreuen. Bei den Zusammenstößen wurden zwei Schutzleute verwundet.

Mysteriöse Giftmordasfäre. In Zabrze wurde die 21- jährige Hedwig Pilarski in ihrer elterlichen Wohnung ver­giftet ausgesundeu. Die Eltern sowie der Bruder der Toten würden in Haft genommen. Anscheinend liegt ein Familien­drama vor.

Zum Untergang desMarios". Der deutsche Dampfer Elsa" ist mit Beschlag belegt worden, da die Eigentümer des untergegangenen DampfersMarios" einen Schaden­ersatzanspruch in Höhe von 16 500' Pfund Sterling geltend gemacht haben.

Vergiftete Nahrungsmittel. In der Nähe von Groß- Braunhain erkrankten 50 Personen rrnter Vergiftungser- scheiNungeu nach dem Genuß rohen Fleisches. Eine Frau ist bereits gestorben. Eine Untersuchung ist eingeleitet

Meuternde Sträflinge. 50 Sträflinge, die" bei den: Neubau der Landesirrenanstalt in Böhme bei Prag beschäf­tigt waren, meuterten gestern früh wegen Streitigkeiten mit einem Auffcher. 5 Auffcher und herbeieilende Irren- Wärter vermochten die Sträflinge erst zu überwältigen, als drei Anstifter durch Revolverschüsse schwer verletzt worden waren. Di« Meuterer wurden unter starker Bedeckung nach Prag zurückgebvacht.

... Lustmord. Bei Borbeck bei Schönebeck ist gestern ein Rühriger Knabe im Getreidefeld etmordet aufgesunden worden. Die Leiche weist mehrere Stiche in die Brust und oen Rücken aus. Wahrscheinlich lieost Lustmord vor. Der Täter ist rmbekannt.

Im Bett verbrannt. Im Köpenicker Krankenhaus ver­brannte im Bett ein geistig nicht normales Kind dadurch daß das Nachtlicht dem Bett zu nahe kam und dasselbe da­bei Feuer fing.

Obligationenschwindler. Fünf Schwindlet, die unter großem Aufwand falsche Obligationen der Niederländischen Jmmobili>enbank Vortrieben, wurden in Konstantinopel ver­haftet.

Drei Frauen erstickt. In Königsberg sind infolge eines auf der Treppe des Hauses Mühlenqrund am gestrigen Spätabend aU'sgebrochcnen Brandes drei' im Dachgeschoß des Hauses wohnende ältere Frauen erstickt. 15 andere Be­wohner der oberen Siockwerke wurden teils durch Anwoh­

ner und die Feuerwehr mit Leitern gerettet, teils sprangen sie aus den Fenstern auf den Hof. Hierbei erlitt eine Frau schwere Verletzungen.

Tödlicher Antumobilunfall. Aus Lichtenfels in Ober» franken wird gemeldet: Zwei preußische Soldaten unter­nahmen nachts nach einem Tanzvergnügen mittels eines Militärautomobils eine Fahrt, wobei sie in der Dunkelhett mit voller WU'cht gegen einen Baum geschleudert wurden. Das Automobil wurde zertrümmert und di« Soldaten töd­lich verletzt.

Dem Räuber Karl Mohr ist nachgewiesen worden, daß er vor dem überfall auf das Pastorenehepaar Vermeren eine Browmngpistole gekauft hat. Diese Ermittelung ist wich­tig, weil die Ermordeten mit einem Browning erschossen worden sind. Es sind noch weitere schwere Belastungen hervorgetreten.

Durch eine Schlagwetter-Explofion wurden auf Zeche König Ludwig" in Recklinghausen ein Arbeiter getötet, zwei andere erlitten Brandwanden.

Zugzusammenstoß. Durch Auslaufen emes Paffagier- zugs auf einen Güterzug bei der Station Graponne der Lokalbahn Rhone wurden 10 Menschen mehr oder weniger schwer verletzt.

Handel. Industrie.

Volkswirtschaft.

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(Nachdruck verboten,)

Vom Finanzmarkt,

Eigener Bericht desWiesbadener Tagblatts.

ft Berlin, 17. August. 1

Trotz mancher Unregelmäßigkeit und vereinzelter An­zeichen von Schwäche war die New Yorker Börse doch vorwiegend auf einen zuversichtlichen Ton gestimmt An­regend wirkten günstige Dividendengerüchte, speziell am Bahnenmarkt, auch die Festigkeit des Kupfermaiktes und am Schluß noch bessere Emteberichte trugen zur Erhöhung dei Festigkeit bei. In London traten keine erheblichen Verände­rungen ein. Das Geschäft war meist ruhig, doch zeigte die Hal­tung meist Stabilität, weil einerseits die bessere Disposition des Metallmarktes und' ferner die Nachrichten aus Amerika an­regend wirkten. Auch in Paris, wo der Verkehr eine zwei­tägige Unterbrechung erfuhr, herrschte trotz wenig regen Ge>-' schäfts meist eine zuversichtliche Stimmung. Dieselbe basierte auf dem Anziehen des Kupferpreises und erhielt durch die freundliche Haltung der New Yorker Börse eine kräftige Förde­rung. Wien wurde mehrfach, namentlich bei Beginn, durch die Nachrichten über die Ausbreitung der Cholera in Rußland und den türkisch-bulgarischen Konflikt unangenehm berührt. Unmittelbar nach der feiertäglichen Unterbrechung griff aber, zum Teil auf günstige Mitteilungen aus der Eisenindustrie, eine freundlichere Anschauung Platz. In Berlin trat bei Beginn der Berichtszeit wieder die außerordentliche Zuversichtlichkeit zutage, die die Vorwoche ausgezeichnet hatte. Im weiteren Verlauf stellte sich erklärlicherweise die Neigung ein, erzielte Gewinne sicher zu stellen. Außerdem lagen noch einige andere Momente vor, die auf den Kursstand drückten. Speziell er­weckte es Beunruhigung, daß die Geldverhältnisse in der letzten Zeit eine Verstellung erfahren haben, indes der Privatdiskont bis auf 3!4 Proz. anzog, während tägliche Darlehen allerdings noch zu ebenso viel reichlich erhältlich waren. Groß sind frei­lich die Rückgänge nicht, da auf der anderen Seite auch eine Reihe von Anregungen Vortagen. Montanwerte litten unter Befürchtungen einer amerikanischen Konkurrenz in Schienen, außerdem wurden über die Lage des Kohlenmarktes in Süd­deutschland ungünstige Mitteilungen verbreitet, und schließ­lich hieß es, daß sich der Schaffung des allgemeinen Roheisen- syn'dikats wieder Schwierigkeiten in den Weg stellten. Von den änderen Gebieten folgten die amerikanischen der Direktive Wallstreets und schließen höher. Schiffahrtsgesellschaften litten unter der Aussperrung der Werftarbeiter. Die lokalen Banken erfreuten sich meist guter Beachtung. Auch am Kassa­markt konnte Neigung zu Gewinnsicherungen an einzelnen Tagen die Oberhand gewinnen.

fiiinken und Börse.

w. Zum Konkurs der Niederdeutschen Bank. Im Konkurs

der Lünener Bank fand gestern eine Gläubigerversammlung statt. Der Konkursverwalter gewann die Überzeugung, daß die Bank nur ins Leben gerufen wurde, um gewisse geschäftliche Transaktionen und Konten, die der Niederdeutschen Bank un­bequem geworden waren, aufzunehmen. Es Sind in dieser Beziehung ganz mittellose Personen mit Summen bis über 60 000 M. bei der Lünener Bank belastet. Die Niederdeutsche Bank wird für den zu erwartenden Ausfall in Höh© von ca. 3 Mill. M. verantwortlich §emacht. Bei der Lünener Bank kommen kleine Gläubiger kaum in Frage, da der Direktor in der letzten Zeit die kleinen Einlagen zurückgezahlt hat In der Masse werden nach Ansicht des Konkursverwalters etwa 23 Proz. liegen, falls der Konkurs der Niederdeutschen Blank mindestens 10 Proz. Dividende bringe. In der gestrigen GMubigerversammlung im Konkurs über das Vermögen des Bankiers Ohm wurde mitgeteilt, daß Ohm Privatschulden nur in geringem Umfange zu begleichen hätte, im ganzen 3500 M. Das Wohnhaus kostete 290 000 M. ohne Grundstück. Es sind für dasselbe schon 250 OOO M. geboten worden. An Aktiven sind etwa 150000 M. vorhanden. Die Passiven, die sich in der Hauptsache aus Bürgschaften und Regreßansprüchen zu­sammensetzen, schätzt der Verwalter auf 12 bis 20 Mill. M. Die Banque privöe in Paris meldete eine Million an. Hiernach wird nur etwa ein Prozent in der Masse liegen. Der Konkursver­walter wird verschiedene Schenkungen, die Bankier Ohm zu­gunsten von Kindern gemacht hat, anfechten.

* Zahlungsschwierigkeiten. Die Bankfirma Justus Wilh.

B e r d u x in Marburg ist durch größere Verluste, die sie durch den Konkurs der Niederdeutschen Bank in Dortmund erleidet, gezwungen, ihre Zahlungen einzustellen. Es soll nur eine ge­ringe Zahl Gläubiger, meist auswärtige Banken, in Frage kommen.

Berg- und Hütten w esen.

* Der Georg-Marien-Bergwerks- and Hüttenverein erzielte als Betriebsüberschuß für 1909/10 4 697 622 M. Der Netto­überschuß beträgt 11:56 050 M. (i. V. 1 051 879 M.). Davon er­halten die Rücklagen 620200 M die Vorzugsaktien 6 Proz. (0), di© Stammaktien 2 Proz. (0) Dividende (i. V. war der Rein­gewinn vorgetragen worden).

* Eine Kohlenagentur des preußischen Fiskus in Belgien. Der ^preußische Fiskus beabsichtigt nach derRhein.-Westf. Ztg. eine Kohlenvertretung in Antwerpen zu errichten. Der Anglo Belgian Goal Company soll von den fiskalischen Berg­werken in Gladbeck die Generalvertretung in Antwerpen für Bunkerkohlen übertragen worden sein. Die Angle Belgian Coal Company hat in London die Firma Harrison Tidswell u. Ko. als Altenteil