Sette 4. Freitag, 39. Juli 1810.
Afrika.
Die Vereinigten Staaten und Liberia. Einern Berichterstatter des „Reuterschen Bureaus" gegenüber sprach sich der Gesandte von Liberia in London über ein Angebot der Vereinigte« Staaten an Liberia aus, die liberianischen Finanzen, seine militärische Organisation und seine landwirtschaftlichen Grenzsragen in Obhut zu nehmen und eine Anleihe für Liberia auszubringen, an der amerikanische, deutsche und französische Banken sich beteiligen sollen. Der Gesandte erklärte, es sei völlig außer Frage, daß Amerika keinerlei Absicht habe, Liberia irr Besitz zu nehmest. Amerika habe stets freundschaftliches Interesse für Liberia gehegt. Wenn Liberia Hilfe erbitte, so werde es Sorge , tragen, ihm zu -helfen. Die Regierung zu Washington habe aber in dieser Angelegenheit niemals Schritte getan, ohne die englische, die französische und die deutsche Regierung um ihre Meinung zu fragen, alles mit Rücksicht aus eine freundwillige Politik, bei der Amerika sich in nichts einlaffe, was einem Protektorat ähnlich sein würde. Die Anleihe werde sich wahrscheinlich auf 1500 000 Dollar beziffern.— Der Negersreistaat Liberia ist bekanntlich eine amerikanische Gründung. Sie verdankt ihren Ur- sprrrng der 1816 in Washington entstandenen „Kolonisationsgesellschaft für freie Zieger", von der sie bis zum Jahre 1847 abhängig war. Die Unabhängigkeit Liberias wurde 1843 von England und erst 1862 von den Vereinigten Staaten anerkannt. Liberia nahm 1871 eine Anleihe von 100 060 Pfund Sterling in England auf, vermochte aber den daraus erwachsenen Verpflichtungen nie nachzukommen. Die finanzielle Rot des Freistaats haben dann die Vereinigten Staaten geschickt benutzt, um den englischen Einfluß in Liberia zu ihren Gunsten ganz auszn- schalten.
Staaten.
Der Aeroplan als Kriegswafse. Wie ein New Dorker Blatt zu melden weiß, hat die Negierung der Vereinigten Staaten insgeheim Versuche mit dem Werfen von Bomben aus Aeroplanen anstellen lassen. Der Geheimbericht erklärt, daß die Aeroplane ebenso gefährlich in der Lust seien wie das Unterseeboot im Wasser. Bei den Versuchen wurde eine dicke Panzerplatte durch das aus dem Aeroplan geworfene Geschoß glatt durchschlagen. Das für diese Versuche eingesetzte Komitee schlägt vor, eine -größere Anzahl Aero- plane für Heeres- und Marinezwecke anzukaufen.
Luftschiffe und Aeroyittue.
Die Flugversuche auf dem Truppenübungsplatz Darm- stadt. Der Aviatiker Erich Lochner aus Aachen flog vorgestern vom Truppenübungsplatz D a r m st a d t mit einer Euler-Flugmaschine über Land. Der Flug dauerte 51 Minuten in einer durchschnittlichen Höhe von ca. 200 Meter. Lochner landete aus etwa 120 Meter im Gleitfluge, weil er nicht genug Benzin mitgenommen hatte und der Motor stehen blieb. Die Landung erfolgte % Kilometer von dem Flugplatz entfernt. Lochner verschaffte sich dann Benzin, flog nach 20 Minuten Aufenthalt nach Haufe und landete 50 Meter von der Flugmaschinenhalle glatt.
Aus Ktadt und Land»
Mssbaden-er Nachrichten.
Wiesbaden, 29. Juli.
Auch ein Reisekapitel.
Die Trinkgeld erfrage, die von gewisser allgemeiner sozialer Bedeutung ist, ist noch immer nicht geregelt, obwohl von verschiedenen Seiten Versuche in dieser Hinsicht gemacht worden sind. Die sozialen Schäden des jetzigen Zustandes liegen auf der Hand. Man kann nicht einen ganzen Stand allein von der guten Laune der Mitmenschen abhängig machen. Aber auch die Gebenden selbst befinden sich in einer unbehaglichen Situation, wenn allerorten sich begehrende Hände entgegenstrecken. Schon manchem ist das ganze Reisen dadurch verleidet worden. Daß man in den Reisegegenden natürlich in erster Linie sich mit diesem Problem beschäftigt, liegt aus der Hand. Ein rheinischer Wirt schildert, wie die Coblenzer Handelskammer berichtet, seine Erfahrungen bei den Bemühungen auf Abschaffung der Trinkgelder, wie folgt:
„Um eine Grundlage zu schaffen, erkundigte ich mich bei den verschiedenen Angestellten nach ihrem Saisonverdienst. Auf Grund des Ergebnisses wurde den Angestellten monatlich die doppelte Besoldung bezahlt. Diese Besoldung sollte den Angestellten ohne Rücksicht auf den Ausfall der Saison gezahlt werden. Den Gästen des Hauses wurde von dem Vorhaben mit der Bitte um dessen Unterstützung Mitteilung gemacht. Für Trinkgelder wurden 5 Prozent der Wochcn- rechüung in Ansatz gebracht. Am Schluß der Saison sollten die aus diese Weise eingegangenen Trinkgelder als Gratifikationen verteilt werden, abzüglich den Zahlungen, welche in Form von Gehalt schon verabfolgt waren. Die Schwierigkeiten begannen mit dem Engagement der Angestellten: ich konnte trotz der hohen Löhne keine bekommen. Die Leute wollen lieber ohne Gehalt arbeiten und das Risiko einer schlechten Saison tragen, als festes und gesichertes Einkommen haben. Schließlich hatte ich mit unendlicher Mühe meine Angestellten zusammen. Am Saisonschluß war keiner der Angestellten zufrieden, jeder behauptete, daß diese oder jene Familie ihn persönlich gut bezahlt haben würde, hätte er Trinkgelder annehmen dürfen, oder er hätte seine Zimmer oder Etage besser besetzt gehabt als ein anderer, und darum auch Anspruch aus eine höhere Gratifikation. Am schlimmsten war jedoch das Verhalten eines Teils der Gälte. So dankbar und entgegenkommend sich verschiedene Gäste über diese Art der Trinkgeldverteilung äußerten, so tadelnswert wurde von anderen gehandelt. Nur einige Beispiele: Ein Gast will die Trinkgelder selbst geben, weil er befürchtet, schlechter bedient zu werden. Nach seinen eigenen Erklärungen ist er gewohnt, die Angestellten schon bei der Ankunft mit Trinkgeldern zu bedenken. Bei gut»r Bedienung wird dann kür die Abreise noch ei« ordentliches Trinkaeld in
Mirsbadrncv TrrgbLatl. Morgen-Ausgabe, 1 Blatt. vrr. 817
Aussicht gestellt. Diese Art Gäste ist sich gewiß nicht darüber klar, daß ihre Handlungsweise den Angestellten gar leicht zu einer Unredlichkeit seinem Prinzipal gegenüber verleitet. — Ein anderer Gast findet Übervorteilung in der Rechnung und meint, die Kellner ließen nicht nur jede Kleinigkeit im Bureau verrechnen, sondern gäben auch mehr an, als verabfolgt worden sei, um möglichst hohe Prozente herauszuwirtschaften. Ein dritter befürchtet schlechte Bedienung, und wenn er doch wirklich gut bedient worden sei, so müßte er sich schämen, ohne besondere Vergütung abzureisen. Einem vierten endlich sind die in Rechnung gesetzten 5 Prozent noch zu hoch. Einige Damen fragen, ob sie auch ungehindert abreisen könnten. Aber das Schönste wurde geleistet, indem Zweifel geäußert wurden, ob _ auch wirklich die ausgeschriebenen Trinkgelder den Angestellten zugute kämen und nicht vielmehr zu einer Bereicherung des Wirtes verwendet würden. Man scheute sich dann auch nicht, den Hausdienern vorzurechnen, wie hoch ihr gezahlter Anteil an der Trrnkgeldkasse sei, und verlangte, der Hausbursche solle ihnen später schreiben, ob er auch richtig seinen Anteil erhalten habe. Und aus welchem Grunde alles dies? Um ja die Angestellten zu willfährigen Bedienten zu haben. Das Ende vom Lied war, daß der Portier heimlich die Rechnungen und Bücher ans die Gesamteinnahmen durchsah, wobei er diese um 50 000 M. überschätzte."
Der Versuch ist nicht gerade ermutigend. Jedenfalls kann nur etwas erreicht werden, wenn die großen in Betracht kommenden Verbände im Gastwirtsgewerbe die Sache in die Hand nehmen.
— Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst trat unter zahlreicher Beteiligung von Gartenarchitekten, sowie privaten, städtischen und staatlichen Garteüdirektoren aus allen Teilen Deutschlands in Görlitz zu ihrer 2 3. Hauptversammlung zusammen. In der ersten öffentlichen Versammlung hielt nach den offiziellen Begrüßungsansprachen Gartenarchitekt Hoemann-Düffeldors einen Vortrag über'Zweck und Ziele der Verschönern n g s v e r e t n c. Der Redner ging davon aus, daß die Verschönerungsvercine überall den redlichen Wunsch haben, die Heimat zu verschönen, und daß trotzdem gerade von Verschönerungsvereinen soviel Unschönes, oft geradezu Anstoßendes geschaffen werde. Durch Vorträge müsse die echte rechte Heimatliebe und der Heimaffchutz gefördert und gestärkt werden. Jeder Mensch müsse sich der Pflicht bewußt sein, daß Sträucher und Blumen in der Nähe der Stadt im Interesse der Allgemeinheit geschätzt sind. Jeder Mann müsse selbsttätig diesen Schutz ausüben, jede Mutter müsse hierzu ihre Kinder erziehen. Parallel mit dem Blumenschutz muß der Tierschutz gehen. Es ist nicht nötig, daß jeder hohle Baum beseitigt wird, wodurch zahlreichen Vogelarten ihre natürliche Nistgelegenheit verkümmert wird. Eine weitere Ausgabe der Verschönerungsvereine bilde die Erhaltung der Schönheit der heimatlichen Landschaft. In dieser Beziehung ist erfreulicher Weise, namentlich im Rheinland, viel geschehen, überall gibt es eigenartige Schönheiten zu erhalten: die Linde am Bauernhaus, den Schlehdorn am Rain, Haselrmß und Eberesche an: Waldesrand, den Holunderstrauch an der Arbeiterhütte. Leider räume unsere intensive Forstkultur mit diesen Schönheiten immer mehr unbarmherzig auf. Auch der jetzt viel betriebene Balkon- und Fenster-schmuck wäre für diese Verschönerungsvereine ein dankbares Thema. Dazu führte der Vortragende aus: Es soll die Blumenliebe aber nicht gefördert werden, um damit nach außen hin zu prunken, sondern um ihrer selbst willen. Der Wettbewerb, der in einigen Städten zur Pflege der Balkons eingerichtet worden ist, ist nicht vonnöten und entspricht nicht dem gewollten Zweck. Wünschenswert ist, daß nicht nur die Verschönerungsvereine, sondern auch die Heimatschntzvereine, die Waldschutzvereine, die Tierschutz- und die Verkehrsvereine, die Kunst- und Ge- werbevereine sich der Frage der Verschönerung der Heimat annähmen. In der Debatte wurde verlangt, daß bereits die Scktule den Sinn für Ratnrschönheiten bei den Kindern Wecken müßte. Leider stehe heute die Pflege von Ratur- merkwürdigkeiten zu sehr im Vordergrund. (Die Stadt Wiesbaden war bei der Verhandlung durch den städtischen Garteninspektor Be lhold vertreten.)
— Eine Aufforderung zum Besuch des Ahrtals gerade in diesem Sommer veröffentlicht die „Deutsche Tageszeitung": Die Romantik des Ahrtals hat keineswegs durch das Unglück von 13. Juni d. I. etwas eingebüßt. Wohl sieht man noch an vielen Stellen die Spuren, welche die Katastrophe hinterlassen hat. Für viele Besucher wird es aber einen ganz besonderen Reiz haben, aus eigener Anschauung und ohne Gefahr kennen zu lernen, wie wilde Verwüstungen die so harmlos ihm erscheinende Ahr anrichten kann, wenn oberhalb über der Eifel ein Wolkenbruch die Geg/nd mit Wasserfluten überschüttet. Der Zweck dieser Zeilen soll sein, die armen Bewohner des schönen Ahrtals in diesem Jahre vor einem dritten Schaden zu bewahren. Die Weinernte wird in diesem Jahre wahrscheinlich im Älhrtal wie in der ganzen Rheingegend infolge der ungünstigen Witterung eine Mißernte sein. Die Überschwemmungen am 13. Juni haben unsäglichen Schaden verursacht. Ein großer Schaden würde den Bewohnern, die sehr auf den Fremdenverkehr angewiesen sind, in diesem Jahre erwachsen, wenn die Besucher der Rheingegend das Ahrtal meiden würden aus Furcht, daß es dort in diesem Sommer zu unwirtlich sei. Wer den Rhein bereist, besuche auch das Ahrtal, er wird cs nicht bereuen!
— Versicherung gegen regnerische Ferientnge. Der „Lloyd", eine englische Versicherungsgesellschaft, hat eine neue, vorzügliche Idee. Er will gegen die Regentage in den Ferien versichern. Für 7 M. 50 Pf. kann man eine Woche, für 10 M. vierzehn Tage, für 12 M. drei Wochen und für 14 M. vier Wochen sich gegen verregnete Landpartien verwahren. Man erhält pro Regentag 10 M., allerdings nur, wenn die gefallene Menge Wasser im Pluviometer 2%: Millimeter anzcigt. Ist es auch nur ein Zehntel Millimeter weniger, so bekommt man nichts. Bezahlt man doppelte Prämie, bekommt man auch doppeltes Geld. Regennächte werden nicht vergütet. Was zwischen abends 10 und morgens 6 Uhr vor sich geht, sei es, was cs sei, Erdbeben mit inbegriffen, kümmert den „Lloyd" nicht. Die neue Ver- sicheruna bat bisher einen außerordentlichen Erfolg gehabt.
— Gegen Stellenlosigkeit und ihre Folgen richtei mit bemerkenswertem Erfolg der Verband Deuffcher Handlungsgehilfen zu Leipzig (gegründet 1881, 95000 Mitglieder) seine Bemühungen. Seine Stellenvermittelung brachte in diesem Jahr u. a. wieder in Stellung im ersten Vierteljahr 1910 allein von 787 stellenlosen Bewerbern 548 — 70 Prozent und int zweiten Vierteljahr von 824 solcher Bewerber 717 — 87 Prozent. Der soziale Wert dieser so segensreichen Einrichtung wird noch erhöht durch die Stellenlosenkasse, Diese zahlt nach zweijähriger Mitgliedschaft Momrtsrenten von 39 M. an Ledige, von 45 M. an Verheiratete, zunächst zwei Monate lang, dann steigend nach der Dauer der Mitgliedschaft, bis nach 15jähriger Mitgliedschaft 60 Nt. bezw. 72 M. Rente auf die Dauer von 6 Monaten gewährt wird. Die Frage nach der Bedürftigkeit wird nicht geprüft. Der bar vorhandene Reservefonds der Stellenlosenkasse des Verbandes beträgt heute schon 180 000 M.
— Die Wände haben Ohren. Vor einiger Zeit saß in einem hiesigen Restlaurant ein Gartenbeflissener und zog gegenüber seinen Tischgenossen über seinen früheren, jetzt auswärts in angesehener Stellung befindlichen Vorgesetzten her, indem er ihm Sachen vorwarf, von denen er ganz genau wußte, daß sie unzutreffend gewesen. Dabei ahnte er natürlich nicht, daß am Tisch nebenan ein Herr saß, der mit dem Verleumdeten gut befreundet ist und alles mitanhörte. Dieser trat auf den Großsprecher zu, stellte sich als Freund des Abwesenden vor und sagte ihm die Unwahrheit seiner Darstellung aus den Kopf zu. Tableau! Der Bramarbas gab zwar sofort klein bei und entschuldigte sich bei dem ihn zur Rede Stellenden, dies konnte aber doch nicht verhindern, daß der Beleidigte kürzlich Kenntnis von der ihm zugefügten Unbill erhielt, und es dürste nun noch ein Nachspiel folgen, das für den Täter recht unangenehm werden Sann.
— Lebensmüde. Aus bisher unbekannten Gründen erschoß sich gestern mittag kurz vor 1 Uhr aus einer Bank in der Nähe des Walkmühltals der etwa 40 Jahre alte Rentner August K., am Sedanplatz wohnhaft. Der aus dem Leben Geschiedene hatte früher hier ein flottgehendes Koh- lengeschäst inne und galt im allgemeinen als wohlsitniert. Ein Bruder des Verstorbenen hat vor einigen Jahren gleich» falls freiwillig seinem Leben ein Ende bereitet.
— Die schnellste und bequemste Reiseverbindnntz Engadin-Bodensee-Frankstrrt a. M. und Wiesbaden führ: seit 1. Mai d. I. über Friedrichshasen-Stuttgart: St. Moritz ab 6 Uhr 5 Min. vorm., Dhusis ab 8 Uhr 42 Min., Chur ab 10 Uhr 11 Min., Davos ab 8 Uhr 10 Min. (St. Gallen ab 11 Uhr 41 Min. vorm.), Borschach (Schiff) ab 12 Uhr 25 Min. nachm., Friedrichshafen (Hauptbahnhof) ab 1 Uhr 35 Min., (Anschluß von Innsbruck ab 7 Uhr 20 Min. vorm, über den Arlberg), Ulm ab 3 Uhr 17 Min. nachm. (Anschluß von München ab 12 Uhr 45 Min, nachm, und von dem Algän Oberstdorf 11 Uhr 6 Min. vorm.), Stuttgart ab 4 Uhr 47 Min. nachm., Heidelberg an 6 Uhr 41 Min, (Mannheim
7 Uhr 11 Min.), Darmstadt an 8 Uhr 2 Min., (Mainz an
8 Uhr 50 Min., Wiesbaden an 9 Uhr 11 Min. nachm.), Frankfurt (Hauptbahnhof) an 8 Uhr 32 Min. nachm. Gelegenheit zur Einnahme des Mittagessens hat man zwischen Rorschach und Friedrichshasen während der Überfahrt über den Bodensees zur Bequemlichkeit für die Reisenden findet die zollamtliche Behandlung des Reisegepäcks schon während der Überfahrt statt. Auf der Strecke (Innsbruck-) Friedrichshafen und Obcrstdorf-Franffurt Verkehren direkte Waqen 1., 2. und 3. Klasse.
— Personal-Nachrichten. Der Rechtsanwalt am Ober- landesgerrcht in Frankfurt a. M. vr. Karl Theodor Wolfs wurde zum Justizrat ernannt.
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gemeinde. (Synagoge: Michelsberg.) Gottesdienst in der Hauptsynagoge: Freitag: abends 7.30 Uhr, Sabbat: morgens 8.30 Uhr, nachmittags 8 Uhr, abends 9.05 Uhr. Wochentage- morgens 6.30 Uhr, nachmittags 7.30 Uhr. Die Gemeinde- bchlwthek ist geöffnet Sonntag von 10 bis IOY 2 Uhr.
Alt-Israelitische Kultusgemeinde. (Synagoge Frredrrchstraße 33.) Freitag: abends 7% Uhr, Sabbat-
morgens 6% Uhr, Mussaph 9% Uhr. nachmittags 4 Uhr, abends 9.05 Uhr. Wochentage: morgens 6% Uhr, abends 7% Uhr.
Talmud Thora-Verein, Nerostraße 36, 1.
Sabbat-Emgang 7.15 Uhr, morgens 8 Uhr, Mussaph 9 Uhr. Mmcha 4 Uhr, Ausgang 9.05 Uhr. Wochentags: morgens 6.45 Uhr, Mmcha 8 Uhr, Maarif 9 Uhr.
Airs dem Landkreis Mieskaden.
= Biebrich, 28. Juli. Gestern nachmittag zwischen 3 und 3w Uhr spielte am Rhein beim Ezeliusschen Landebock (überfahrt nach der Badeanstalt) ein 13- bis 14jähriger Junge. Plötzlich fiel er ins Wasser und ertrank. Seine Leiche wurde bis jetzt noch nicht gefunden.
— Dotzheim, 27. Juli. Samstag, den 30. d. M., begehen die Eheleute Tünchermeister Georg Friedrich Philipp Chrfftian Krieger und Auguste Katharine K-Aoline, geb, Becker, Bergstraße 8 Hierselbst, das silberne Ehejubiläum.
-tz Massenheim, 27. Juli. Seit 14 Tagen treibt sich ein fremder Mann in hiesiger Gegend umher, der es auf junge Mädchen absieht. Vor einigen Tagen verfolgte er auf der Hochheimer Chaussee ein von Hochheim kommendes, hier in Diensten stehendes Mädchen. Sein Vorhaben wurde aber durch das Nahen von Leuten vereitelt, so daß er flüchtete. Am verflossenen Sonntagabend war Fräulein I. von hier 'auf dem Nachhauseweg, als es ein unbekannter Mann von hinten packte, zu Boden warf und seine Kleider zerriß. Auf seine Hilferufe stürzte der Tüncher B. aus seinem Haus, konnte den Menschen aber nicht mehr fassen, da er flüchtig wurde. Man nimmt an, daß man es mit einem und demselben Kerl zu tun hat. Gestern gelang es der Polizei, einen Menschen in Wicker zu verhaften, der sich dort als Knecht verdingte und in dem man den Täter zu haben glaubt. — Heute morgen rannten schon wieder zwei Radfahrer, Fr. Annhauen bon hier und Martini von Wicker, am Flörsheim-r Berg widereinander. Die beiden Radler flogen im Bogen auf die Äcker; ob sie sich Schaden zufügten, ist nicht bekannt geworden.
Nassattische Nachrichten.
!! Caub a. Rh., 27. Juli. Der Schlepvkahn „Luise" vor Caub hat auf der Reede von Coblenz-Neuendorf, wo er vor Anker lag, schwere Havarie erlitten. Das Schiff rannte beim Ankerlichten in seinen eigenen Anker, wodurch der vordere Laderaum mit Wasser gefüllt wurde. Zum Glück war das Wasser an der Unfallstelle nicht sehr tief, so daß das Schiff sogleich auf- saß. Der zufälligerweise in der Nähe liegende Dampfer „Worms II.", welcher eigens zum Heben gesunkener Schiffe eingerichtet ist. wurde herbeigeholt und es gelang, nachdem man das Leck notdürftig verdichtet und das Wasser ausgepumpt hatte, das schwerbeschädigte Schiff, das 8000 Zentner Koks geladen batte, wieder flott zu machen.
