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$>icn$ta$, 19, Juli 1910.
WirslraÄsrrer Trr§b!att» Morgen-AnSsabe, 1. Blatt. _ Rr. 3Z9.
Eingeborenen ihre Kultur Wegnahme, sie von FisknS wegen ankaufe oder vernichte! In Tanga wurde gefordert, jeder Farbige solle Hvlizerlich yngeHalten werden, sich ausMweisen. daß er rschtmüsziger Besitzer des in seinen Händen befindlichen Gummis sei, sonst sollt« er bestraft, werden. Welche Entgleisungen l
Wir müssen daran festhalten, daß es in Ostafrika unmöglich ist, auf den Wunsch eines Standes Las Gesamtinteresse des Landes aufzubauen. Wir sind nicht dorthin gegangen, um 300 oder 400 Plantagen su grÄnden, sondern um ein großes Land blühend werden m lassen, um für unseren Handel und unsere Industrie Rohprodukte M finden und Absatzgebiete zu schaffen. Die Machtmittel, hie wir entwickeln,, stehen nur dann im Einklang mit dem Nutzen, wenn Frieds in den deutschen Kolonien herrscht. Der Friede wird nur gesichert durch Straßen und E i s e n b a h n e n, durch Gerechtigkeit und Hum ans t a t.
Kommt das alles, so schloß Dcrnburg. zusammen, so entwickelt sich nach meiner unerschütterlichsn Zuversicht im Neger die Kraft, unter weißer Führung sich zu einem solchen Produzenten und Konsumenten zu entwickeln, daß das Mutterland dauernd seinen Nutzen und seine Freude daran haben wird.
Usm fstzhxlKssigerr Weirreid.
Im „Tag" schreibt A. Bruckmann zum Ausgang des Strafprozesses gegen die Näherin Marie Trautsch: „Dieser Ausgang gibt uns dis tröWchs Gewißheit, daß es heute keine falschen Gide mehr gibt. Ter Versuch der Staatsanwaltschaft, einen erwiesenen Meineid zur Bestrafung zu bringen, ist wieder einmal gescheitert, der Angriff von den bayrische,, Geschworenen abgeschlagen. Marie soll nur einen fahrlässig falschen Eid geschworen haben. Daß es aber fahrlässig falsche Eide überhaupt nicht gibt, ist längst allen Einsichtigen klar." Herr Brinkmann ist ein gelehrter Richter. Mancher seiner Berufsflenossen teilt die Ansicht, daß entweder die Pflicht zur Mitteilung der Wahrheit nach bestem Wissen und bester Erinnernug vernachlässigt und daß dann ein wissentlicher Meineid geleistet werde, oder daß nicht mit Bewußtsein entgegen smer Pflicht gehandelt werde und also überhaupt kein Vergehen vorliegt. Das ist wohl etwas zu schroff. Zum mindesten aber bleibt für den schuldhaften fahrlässigen Meineid zwischen dem wissentlichen Meipe d und dem entschuldbaren Irrtum nur ein sehr enges Gebiet, und nur wenige Fälle gehören hierher. Warum die Geschworenen so oft fahrlässigen Meineid an-- uehmen, weiß alle Welt: wissentlicher Meineid liegt vor. aber der Fall liegt milde, und die auf wissentlichen Meineid gesetzte Strafe wäre zu hoch. Sehr bezeichnend ist nun, was Herr Brückmann in solchen Fällen anrät. Er sagt: „Glaubt der Richter, daß die Straftat aus höheren Gründen der Ethik und Moral straflos bleiben müsse, so soll er den Angeklagten, wenn er nicht anders zu können glaubt, freisprechen." Also nur kein falsches, unwahres „Kompromiß", lieber einen Freispruch! Wenn das ein zünftiger Jurist sagt, so ist die Reform des Meine,dsnaragraphen im Strafgesetzbuch wirklich recht dringend.
Deutsches Deich»
* Per Kaiser an Bord französischer Kriegsschiffe. Anläßlich des Gegenbesuchs, den Kaiser Wilhelm am Montag dem französischen Geschäftsträger Delavand an Bord des in Bergen vor Anker liegenden französischen Kreuzers „La- voisier" absiauele, wird in der Presse mehrfach hervorgehoben, daß damit der Kaiser zum erstenmal auf französischem Territorium, bezw. auf einem französische» Kriegsschiffe geweilt habe. Das ist jedoch unzutreffend. Nachdem zur Teilnahme an der feierlichen Eröffnung des Kaiser Wilhelm Kanals im Juni 1895 zum erstenmal seit 1870 französische
Ein allgemeiner Schrei — -dann sprang die
Katze des Kapitäns, die dieser als Schutzgeist des Schiffes mit hatte, mit einem gewaltigen Sprunge auf das Deck.
Der Schrecken lüste sich in Gelächter. Das Boot wurde wieder in die Höhe gezogen und die Übungen fortgesetzt, über diesen Teil der Schlangenjagd befahl der Kapitän strenges Stillschweigen.
Die Schlange selbst war und blieb verschwunden. Die Passagiere saßen nach wie vor in ihren Kajüten, bis endlich der letzte Tag der Fahrt anbrach. Da herrschte große Freude unter den Seefahrern. Nun würde ja bald das große Gewürm unschädlich gemacht werden.
Kurz nachdern das Schiff in den Hasen eingelaufen war
— die Passagiere hatten sich bereits an Land setzen laffen, aber nicht ohne dem Kapitän ihren Dank für sein unerschrockenes, tapferes Verhalten ausgesprochen zu haben —, kam der Reeder selbst an Bord.
„Sind die Tiere alle gliicklich übergekommen?" frug er.
„Gewiß, ja," meinte stockend der Kapitän. „Das heißt
— das eine die Schlange —"
„Ja, ich weiß," siel der Schisfseigentümcr ein. „Der Kommissionär hat mir telegraphiert. Ist in Kapstadt krepiert. Schade drum. Na, nächstes Mal werden wir eine andere mitbringen."
Der Kapitän warf einen hilfesuchenden Blick zum Himmel. Also all die Angst und Sorge urrd Blamage, umsonst. Die Schlange war gar nicht aufs Schiff gekommen.
— Hätte er den Verlader in die Hände gekriegt, er würde ihn erdrosselt haben. So stieß er innerlich einen heftigen Fluch aus und sagte lächelnd!
„Ja, beim nächsten Mal."
Fortan aber kontrollierte er selbst jedes Frachtstück, das lebenden Inhalt hatte.
Aus Kunst und Leben.
* Ein Veteran der Bühne. Aus London wirb berichtet: Der älteste Schauspieler der englischen Bühne, Fred Wright sen., ein rüstiger Greis von 84 Jahren, ist eifrig am Werke, fkh. aa thtex Tournee vorrubereiten. Der Zauber der Welt
Kriegsschiffs in einem deutschen Hafen geweilt, andererseits als erste deutsche Kriegsschiffe seit dem Kriege die Schulschiffe „Stosch" und „Charlotte" am 30. Januar 1839 die deuischo Kriegsflagge in einem französischen Hafen (Oran) gezeigt hat, noch in demselben Jahre der Kaiser »ach feiner Nordlandsreise, und zwar ebenfalls in Bergen am 6. Juli, das französische Fähnrichs-Schulschiff „Jphigöenie" besucht. Kurz darauf lief am 18. Juli der französische Aviso „Ibis" Geestemünde an.
* Der Sommerurlaub der preußischen Minister. Von den preußischen Ministern kehrt der Kriegsminister von Heerin gen Anfang August von seinem Urlaub aus der Schwerz zurück. Der Minister bei öffentlichen Arbeiten Breitenbach trat am 15. Juli einen, sechswöchigen Urlaub nach der Schweiz an. Der Justizminister lir. Beseler geht Anfang August mit sechswöchigem Urlaub nach der Schweiz und Tirol. Der Minister für Handel und Gewerbe Sydow tritt am 18. Juli einen sechswöchigen Urlaub nach Bayern und Tirol an. Der Kultusminister v. TrottzuSolz tritt Ende Juli einen S- bis «wöchigen Urlaub an, wohin, steht noch nicht fest. Die neuen Minister endlich, des Innern v. Dallwitz, der Landwirtschaft Frhr. v. Schorlemer und der Finanzen Br. Lentze, haben seit 14 Tagen die Amtsgeschäfte übernommen und sich ihre Entschlüsse über einen etwaigen Urlaub Vorbehalten.
* Ministerreise in die Anstedlungen im Osten. Am;er dem Laudwirtschaftsminister Frhrn. v. Schorlemer-Ltewr trifft auch der Finanzminister Dr. Lentze in Posen ein, um eine viertägige Reise durch die Ansiedlungen der Provinzen Posen und 'Westpreußen zu unternehmen. An der Reise nehmen auch der Oberpräsident v. Waldow und die Regierungspräsidenten von Posen und Bromberg teil.
* Der deutsche Botschafter in Tokio, Frhr. Mumm von Schwarzenstein, der erst im vergangenen Jahre auf Urlaub in Deutschland weilte, hat, wie die „Voss. Ztg." erfährt, Ende Juni abermals einen Heimatsurlaub angetreten. Die „Voss. Ztg." knüpft hieran die Vermutung, daß Frhr. Mumm von Schwarzenstein ans einen anderen Posten berufen werden soll, da der Mikado dem Botschafter in der Abschiedsaudienz den Paul-Lownia-Orden verliehen har, und Frhr. Mumm von Schwarzenstein bereits auf eine zehnjährige diplomatische Tätigkeit in Ostasien zurückblicken kann.
* Beschleunigung der Neichstagsersatzwahlen. Einer bei der Etatsberatrrng im Reichstag gefaßten Resolution folgend, hat der preußische Minister airgeorduat, daß die wahrend der Legislaturperiode erforderlich werdenden Neuwahlen innerhalb eines Zeitraums von 7 0 Tagen nach Erledigung des Mandats vorzunehmen sind, da die Forderung, keinen Wahlkreis im Reichstag länger unvertreten zu sehen, als es die Vorbereitungen für die Ersatzwahl erheischen, berechtigt fei. Wenn diese Frist nicht ausreicht, soll die Ersatzwahl nicht über die Frist von höchstens SO Tagen hinausgeschobe» werden.
* Der Krach in der Sozialdemokratie. Den norddeutschen Radikalen, die jetzt wieder gegen den badischen Revisionismus mobil machen, antwortet Wilhelm Kolb wieder sehr energisch: „Die große Mehrheit der badischen Sozialdemokratie billigt die von der Fraktion befolgte Taktik; sie billigt auch deren Zustimmung zum Budget aus dem sehr einfachen Grund, weil sie weiß, daß die entgegengesetzte Taktik den Erfolg der ganzen polnischen Arbeit paralysiert und auf Jahre hinaus die politische Aktionspolitik gefährdet hätte. Über die Zeit der bloßen Agitations- Politik sind wir in Baden hinausgewachsen; das muß jeder wissen, der sich kritisch über die von der badischen Sozialdemokratie befolgte Taktik äußern will. Der Großblocklandtag 1909/10 hat den Beweis erbracht, daß ein positives Zusammenarbeiten zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie möglich ist, ohne daß die Grundsätze der beiden Parteien dabei irgendwie irritiert werden. Freilich die Prtn- zipienreiterei, ein ebenso leichtes als bequemes Vergnügen, kommt dabei nicht aus ihre Kosten.' Dieses Vergnügen kann man sich immer nur gerade so lange leisten, als man sich den polirischen Folgen derselben entziehe» kann. Was bei uns in Maden sich seit 6 bis 7 Jahren in der politischen Emwick-
der Bretter hält den alten Herrn noch heute gefangen, die Freude an seiner Kunst ist trotz der Last seiner Jahre tu ihm noch so rege wie in feiner Jüuglingszeit, und ungeduldig erwartet er den Tag, an dem die große Herbsttournee beginnt. „Es bereitet mir keinerlei Schwierigkeit, meinen Berus auSzuüben," so erklärte der 84jährige Herr voller Stolz einem Besucher. „Eine Reise von zwei- oder dreihundert englischen Meilen, dieses Hin- und Herfahren zwischen den Städten ist vielleicht etwas anstrengender und ermüdender, als mir eigentlich lieb ist, aber im Grunde finde ich das ganze sicherlich nicht schlirmner, als meine jungen Kollegen auch." Wright seu. ist der Vater einer ganzen Schauspielersamilie, denn seine drei Söhne Hnntly, Fred und Bertie, wie auch seine Tochter Haidee Wright, sind Jünger der gleichen Muse.
(J, K. Die Volkszählung der Indianer. Ans Washington wird berichtet: Mit besonderer Sorgfalt hat das
amerikanische Volkszählamt die Arbeiten vorbereitet, die den Zweck verfolgen, durch eine genaue Volkszählung ein zuverlässiges Bild von dem heutigen Staude der Indianer zu geben: Die Zahl der Rothaute, die ihre Reservationen verlassen und amerikanische Staatsbürger werden, ist immer mehr angewachsen, und man nimmt daher auch an, daß diese Jndianerzählung die letzte ihrer Art sein wird. Es sind besondere Zähler angestellt, Leute, die die Indianer genau kennen und die bereits im Westen bei den Rothäuten ihres Amtes walten. Es handelt sich dabei nicht nur UM die Zahl der Indianer, sondern vor allem um genauere Mitteilungen über die Zusammensetzung der Stämme und das Familienleben. Es soll festgestellt werden, wieviel stemdes Blut in das Jndranervolk eingedrungen ist, wieviel Mischlinge unter ihnen leben, wieviel Mischehen stattsinden, der Umfang der Polygamie, wieviel Männer mit ihren Schwestern in ehelicher Gemeinschaft leben, und wie groß die Zahl der Rothäute ist, die eine Schulbildung gesucht und erhalten haben. Vor allem aber wird es interessant sein, aus dieser Zählung genaue Angaben darüber zu erhallen, wie viele Indianer einen festen Wohnsitz erwählt haben und wie weit die Zahl derer zusammengeschrumpft ist, die cm dem 3aad- und Nomadenleben festhalten.
lnng abspielt, ist weiter nichts als die Ouvertüre zu dem großen politischen Problem, das nolens volens auch für die Reichs Politik in absehbarer Zeit gelöst werden muß. Wer politisch nicht erblindet ist, der sieht jetzt schon die Anfänge der Entwicklung auch für die Politik im Reich. Fürst Bülow hat. den Versuch gemacht, die Partei des parlamentarischen Jesuitismus, das Zentrum, schachmatt zu setzen; dieser Versuch mußte, weil mit untauglichen Mitteln unternommen, notwendigerweise scheitern. Jeder künftige ähnliche Versuch wird und muß zu denselben Folgen führen. Es gibt keine andere Lösung des Problems, der Reaktion erfolgreich zu begegnen, als daß man es der Sozialdemokratie ermöglicht, im besten Sinne des Wortes an der Erledigung der Staatsausgaben positiv m i t z u w i r k e n. In dieser Möglichkeit liegt zugleich die andere mit emgeschloflcn, dem L i b e r a l t $ * * mag den ihm gebührenden politischen Einfluß zu verschaffen." — Diese klare und entschiedene Auslassung zeigt, daß sich die Führer der badischen Sozialdemokratie üark genug fühlen, die prinzipielle Änderung der Taktik auf dem Parteitag zur Entscheidung zu bringen, und Laß sie bewußt daraus hinarbeiten, den Grotzblock auch aus daS Reich zu übertragen. Gegenüber der bekannten Nürnberger Resolution gegen die Budgetbewilligung erinnern übrigens die badischen Sozialdemokraten mit Recht daran, daß sofort nach Annahme dieser Resolution 68 süddeutsche Delegierte durch den Mund des Genossen Segitz erklärten, nach" ihrer Meinung könne der Parteitag Wohl über die theoretischen und praktischen Fragen im Reiche entscheiden, in der Landespolitik aber könnten sie sich lediglich nach den eigenen Bedürfnissen der Landespartei richten.
* Offiziöse Abfertigung sozialdemokratischer Ver hetz-rng. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu jüngst im „Vorwärts" gemachten Ausführungen über Lebensmittelverteuerung: „Die Verlogenheit dieses Phraseuschwalles ist so grotesk, daß er von dem Arbeiter, der einigermaßen uau> denkt, kaum noch ernst genommen werden kann. Die hohen Preise für Nahrungsmittel empfindet das Bürgertum nicht weniger hart als das Proletariat. Aber wie gut es oer Arbeiterschaft trotz der Teuerung immer noch geht, davon kann man sich insbesondere aus Bauplätzen und in Schankwirtschasteu überzeugen. Ob freilich die Familien der Bauhandwerker beispielsweise ebenso ausgiebig frühstücken wie das Familienoberhaupt, ist eine andere Frage, und wenn dann zu Hause Schmalhans als Küchenmeister herrscht, so ist es leicht und billig, „die gold- geschwollene Blntsangerkamarillä" dafür verantwortlich zu machen, daß Frauen und Kinder hungern müssen. Jedenfalls beweisen jene haßstrotzenden Sätze, daß die sozialdemokratische, auf die Erregung der Massen abzielenve Agitation der skrupellosen Niedertretung der Wahrheit nicht entbehren kann, und man bars daraus erneut entnehmen, wie irrig und falsch die von Zeit zu Zeit wiederkehrende und u. a. von christlich-sozialer Seite gern ausgesprochene Meinung ist, als sei die sozialdemokratische Propaganda einer von so tief ethischen Gründen bestimmten und geleiteten Bewegung wie der der Entstehung und Verbrenung des Christentums gleich zu achten."
* Die fremdsprachigen Zeitungen in Deutschland. Innerhalb des deutschen Reichsgebietes erscheint eine große Anzahl fremdsprachiger Zeitungen. Es sind zum größten Teil Zeitungen derjenigen Teile der deutschen ReichsbevMe- rung, die eine andere als die deutsche Spracye sprechen. Dies sind 97 Polnische, 26 französische, 18 dänische, 8 litauische und 4 wendische. Ferner erscheinen in Deutschland 12 englische, 6 italienische, 7 spanische, 2 russische, 2 tschechische und je eine schwedische, lateinische, portugiesische und hebräische sowie eine Volapükzeitung, zusammen also 157 fremdsprachige Zeitungen.
* Der Tarmenhergfonds. Die wirkliche Höhe des Tannenbergfonds beträgt nach einem im „Kucyer Lwowski" veröffentlichten Rechenschaftsbericht 157 204 Kronen. K-eln- laut wird jetzt zugegeben, daß die Hoffnung auf die zwer Millionen, mit denen mau seinerzeit geprahlt hat, sich nie verwirklichen werde. Erreicht der Fonds in diesem Jahre nicht eine halbe Million Kronen, dann muffe auf ein zweites Tannenberg gewartet werden.
0. Elektrisch gereinigte Schwimmbäder. Aus London wird berichtet: Auf Grund von umfangreichen Untersuchungen des Kreisarztes De. F. W. Alexander ist beschlossen worden, in allen Badeanstalten des Stadtteils Poplar künftig das Wasser der großen Schwimmbassins auf elektrischem Wege zu reinigen. Die Experimente haben gezeigt, daß durch eine elektrische Strömung das Wasser sauber und frisch erhalten wird, während sonst in den großen Schwimmhallen, in denen das Wasser unmöglich täglich erneuert werden kann, Schmutz und Krankheitserreger sich ansammeln, die für die Badenden eine stete Ansteckungsgefahr bilden.
* Schreibe, wie du sprichst." Es gibt allerlei ulkige Käuze in unseres Herrgotts Tiergarten. Im „Sturm", dem Raritäten- und Kuriositäterckabinett unserer Allerjüngstdeut- schen (unter der ruhmreichen Leitung Herwarth Waldens) bietet solch ein Apostel lautgemäßer Rechtschreibung seine Dienste in folgendermaßen stilisierter Anzeige an:
der ortogralif raonatssehrift
führ lanltroie rechischraibunfl, labiuscirlit unt refor- nien auf anderen gebiten. jährlich. 2 mfc. fiihrs auslant. ausser öhstraich, 3,30 mk. probenummern frai oder gegen ppstkarte m. antwort. man wende sich aa schprahchlerer t. mälis in noisottat (heischt) Angesichts der zahlreichen Dialekte unseres lieben deutschen Vaterlandes könnte die Erfüllung solcher Wmrsche zu einer wahrhaft babylonischen Lantzeichenwirrnis führen.
Bildende Kunst und Musik.
In Algier, wo der greise französische Tonsetze' Eamille Saint-Ssäns sich im Winter stets so gern, meist aus Gesundheitsrücksichten aushälk, plant man rm kommenden Jahre eine große Ehrung für ihn. Der Direktor des Theaters von Algier, Andisto, wird mt nächsten Winter eine große Feier zu Ehren des Komponisten veranstalten, die einen Gesamtzyklus seiner Opern bringen wird. Saint-Saäns hat bereits zugesagt, den Festen beizuwohnen und sich auch bereit erklärt, einen Teil der Opern persönlich zu diriaieren.
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