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Wette 4.

Samstag, 16. Juli 1910.

WiesLmderrer TagdLatr«

Morgen-Ausgabe, 1. Matt.

Nr. 325,

Die höhere Handelslehranstalt zu Hamburg auf der Allgemeinen Ausstellung für Geschästsbedarf zu Frankfurt am Main. In der letzten Sitzung der hiesigen Orts­gruppe des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfenverbandes berichtete der Vorsitzende Wer die Ausstellung, die auch von der höheren Handelslehranstalt zu Haneburg, Wohlsahrts unternehmen des Deutschen Handlungs gehilscnverbands, -beschickt war. Er konnte feststellen, daß die Ausstellung eine große Besucherzahl aufzuweisen hatte, bei denen die ausge stellten Übersichten, Tabellen und statistischen Karten der höheren Handelslehranstalt, ine die Entwickelung und bis­herigen Erfolge der Anstalt darstellen, allgemein Interesse fanden. An rund 4000 Interessenten sind ausklärende Druck­sachen über das Wesen der Anstalt verteilt worden. Auch die Vorträge mit Lichtbildern über das moderne Reklame­wesen, die die Anstalt in Frankfurt a. M. und Wiesbaden mit ihrem Dozenten für das Reklamewesen, Herrn Karl Bott-Hamburg, und dem Direktor des Folkwangmuseums, Herrn Karl Ernst Osthaus-Hagen, als Redner veranstaltete, waren aus den Kreisen der Angestellten und Prinzipale gut besucht. Ebenso erfreute sich die mit den Wiesbadener Vor­trägen verbundene Ausstellung guter Reklamedrucksachen eines guten Zuspruchs. Der Vorsitzende teilte zum Schluß noch mit, daß die Vorträge und die Ausstellung moderner Reklamedrucksachen in anderen Städten demnächst wieder­holt würden.

Toller Hund? Das schwarze Spitzchen eines Mannes, oer gestern morgen von hier nach Dotzheim ging, soll plötz lich von der Tollwut befallen und deshalb alsbald auf einem dortigen Kohlenlagerplatz gelötet worden sein. Eine amt­liche Beglaubigung dieser Nachricht steht noch aus.

Stratzenbahnunsall. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr stieß der von Sonnenberg kommende Wagen Nr. 262 der roten Linie an der altenRose" in der Langgaste gegen einen dort haltenden Geschäftswagen. Dabei erlitt der Vorderperron der Elektrischen erhebliche Beschädigungen, so daß er ausrangiett werden mußte. Auch der Wagen wurde beschädigt. Außerdem ist ein Gaskandelaber um- gerissen worden, dessen Laterne natürlich in Trümmer ging.

Lchrherr und Lehrling. Die vielfach umstrittene Frage, ob der Lehrherr dem Lehrling, der die Lehre unbe­fugt verlassen hat, das Arbeitsbuch zurückhalteu darf, wenn kein schriftlicher Vertrag vorliegt, ist nach der Auslegung verschiedener Gewerbegerichte jetzt dahin entschieden wor­den, daß der Lehrherr wohl hierzu berechtigt ist, da er bei unbefugtem Austritt des Lehrlings weder den Anspruch aus Rückkehr geltend machen noch eine Entschädigung erheben kann (G.-Ordn. § 127). Auch die Mitwirkung der Polizei ist ihm hierbei versagt. Er kann nur einen Druck durch Zu­rückhalten des Arbeitsbuches gellend- machen, wobei ihm auch ß 107 der G.-Ordn. zur Seite steht, nach welchem der Arbeitgeber verpflichtet ist, das Arbeitsbuch zu verweigern und nach rechtmäßiger Lösung desl Arbeitsverhältnisscs wieder hcrauszngebcn. Ein unbefugtes Verlassen der Ar­beit ist aber jedenfalls nicht als rechtmäßige Lösung zu be­trachten.

öffentliche Belobigung. Der Maurermeister Hein­rich Hafer in Dillenburg hat am 7. Mai d. I. ein Kind vom Tode des Ertrinkens aus dem stark angeschwollenen Mühlbach bei Dillenburg gerettet. Diese von Mut und Entschlossenheit. zeugende Tat bringt der Herr Regierungs­präsident belobigend zur öffentlichen Kenntnis.

Wiederbelebung anscheinend Ertrunkener. Um die Kenntnis der zur Wiederbelebung anscheinend Ertrunkener geeigneten Maßregeln in möglichst weiten Kreisen zu ver­breiten, hat der Vorstand desDeutschen Samariterver- eines" zu Kiel eine durch Zeichnungen erläuterte Anweisung zusammenstellen und auf Blechtafeln drucken lassen. Solche Tafeln werden an Königl. Behörden kostenfrei abgegeben, wenn bei der Bestellung genau angegeben wird, wieviel Exemplare wirklich nötig sind und wo sie aufgestellt werden sollen An Private erfolgt die Abgabe mir gegen Er­stattung des Selbstkostenpreises mit 50 Pf. für das Stück.

Steckbrieflich verfolgt werden wegen Betrugs im wiederholten Rückfall der Taglöhner Heinrich Holl, ge­boren am 4. April 1870 zu Daisbach; wegen Diebstahls der Kaufmann Fritz Ungeheuer, geboren am 25. Januar 1887 zu Schloßborn and wegen widernatürlicher Unzucht (Strafvollzug) der Hausbursche Joseph Andrä, geboren am 13. Juni 1890 zu Leutstetten bei Starnberg.

. Personal-Nachrichten. Dem Bczirksrabbiner vr. Kober ift für die. Zeit vom 18. Juli bis 18. August d. I. Urlaub erteilt. Mit seiner Vertretung sind die Bezirksrabbiner vr. Landau m WeUburg und vr Weingarten in Ems beauftragt. ßranbbtreftor Wilhelm Tropp zu Biebrich a. Rh. ist zum Feuerlosch-Direktor für den Bezirk der Nassauischen Brand- oerucherungs-Anstalt ernannt worden.

... 7 - Brüsseler Weltausstellung. Zum Besuch der nun end- vollendeten Ausstellung in Brüssel veran- fialtet das Rersebureau der Harnburg-Arnerika-Linie in Berlin Unter den Linden 8. im Laufe des Monats August zwei Sonder- sahrten. Die ei.ne dieser Sonderfahrten wird sich durch ganz besondere Billigkeit auszeichnen, sie wird nämlich die Teil­nehmer für den Preis von 108 M. von Berlin bis Berlin zurück mit dreitägigem Aufenthalte in Brüssel, alles eingeschlossen be- fordern. Die zweite Sonderfahrt wird mit dem grüßten trans­atlantischen Dampfer der Hamburg-Amcrika-Lmie, derKaiserin Auguste Viktorm . d,e Teilnehmer von Hamburg nach Southampton fuhren. Diese werden sodann London einen kurzen Besuch abstatten und über Dover und das reizvolle See­bad Ostende nach Brussel reisen, um dann dort die Ausstellung wahrend einiger Tage zu besichtigen.

Vereins-Nachrichten.

. * DerF l e i s ch e r g e h i l f e n - V e r e i n" veranstaltet Sonntag, den 17. Juli, auf derAlten Adolfshöhe" sein alljähr­liches Sommerfest. __

Aus dem Landkreis Missdaderr.

= Biebrich. 14. Juli. Vom besten Wetter begünstigt, fand das vor einiger Zeit schon angekündigte Konzert zum e J* a « il L aten im Ahrtale heute abend ,m HotelNassau-Krone" statt. Die großen Räume, vor allem der Garten, waren dicht Leicht, ein Beweis, daß man hier jeder- ze't ein Herz für die bedrängten Mitmenschen hat. In reichem Wechsel kamen Chore und Musikstücke zum Vortrag Der Dirigent des VereinsEintracht". Organist Schauß-Wies- baoen, führte seme Sangerschar von Erfolg Erfolg: die fein ausgearbeiteten Lieder, meistens Volkslieder fanden starken Beifall. Auch Herr Obermusikmeister Zwirnemann wußte mit seiner bewahrten Kapelle die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln. Sowohl der Chor wie die Kapelle waren gezwungen, mehrfache Zugaben zu spenden, womit auch beide «ur Freude des Publikums Nicht geizten. Als später der

Garten noch illuminiert wurde, erhöhte sich die Feststimmung noch und mancher Besucher der Veranstaltung gab seiner hohen Befriedigung über den Abend am Rhein freudig Ausdruck. Der GesangvereinEintracht", dessen Name schon lange einen guten Klang hat, kann auch auf seinen heutigen Erfolg stolz sein. Der pekuniäre Erfolg dürfte dem künstlerischen entsprechen.

+ Schierstem, 15. Juli. Schon öfters hat unsere Wasser­leitung ein Produkt geliefert, welches nichts weniger wie einwandfrei war. Noch nie jedoch ist das Wasser so schlecht ge­wesen wie in der derzeitigen Regenperiodd. Das Wasser war derart trübe, daß es direkt ungenießbar und selbst zum Waschen unbrauchbar war. Woran dies liegt, entzieht sich unserer Kenntnis., Jedenfalls bedarf dieser übelstand, der sich übrigens auch bei jedem neuen Anschluß wiederholt, dringend der Ab­stellung. Als gestern das 117. Regiment aus Mainz nach einer anstrengenden Übung hier durchmarschierte, war es kaum c.vt einer Stelle möglich, den Soldaten genießbares Wasser vorzu- - setzen. . ___

Nasiamschs Nachrichten.

,no. Laufenselden, 14. Juli. Die Gemeinde Laufenselden gehört nun auch zu denjenigen Gemeinden des Kreises, welche eine Spielvereinigung für die aus der Schule ent­lassene Jugend gebildet hat. Die Vereinigung ist aus dem vor einigen Tagen gegründeten Turnverein horvorgegangen. Spielleiter ist Lehrer Lotz.

ö. Höchst a. M., 14. Juli. Die Frau eines hiesigen Fabrik- beamten, die an einer Nervenkrankheit leidet, wollte dieser Tage ihre Familie verlassen und in die Welt gehen. Rur mit Mühe gelang es ihrem Mann, sic am Bahnhof zurück­zuhalten. Die Kranke wurde dem Krankenhaus überwiesen. In Sossenheim wird seit einigen Tagen der 83 Jahre alte Schuhmacher Etteldorf aus Trier vermißt. Er kehrte von einem Gang zum Amtsgericht nicht mehr zu seiner Familie zurück.

dn. Münster (Oberlahnkreis), 14. Juli. 20 Jahre hat unser Bürgermeister Jakob Weil 2r an der Spitze unserer Gemeinde gestanden und deren Angelegenheiten mit Treue und reicher Sachkenntnis verwaltet. Gestern wählten ihn die 16 Wahlberechtigten einstimmig wieder. Der Gesang­verein brachte ihm ein Ständchen, an welcher sich die ganze Gemeinde beteiligte.

! Herbvrn, 14. Juli. Das Gcruturnfest des L ah n - Dillgaues ist beendet. Glaubte man erst am SamStag- mittag es würde verregnet, so war man erfreut, daß das Wetter dem Feste günstig war. Aus allen Teilen des Gaues, vom Westerwald, von der Lahn, von der Dill waren zahlreiche Turner herbeiaeeilt. Geturnt wurde nach der neuen Wett- ordnung imSechskampf", und überall sah man erfolgreiches Vorwärtsstreben. Die höchste Punktzahl im Bereinsturnen er­rang Limburg, im .Einzelturnen Hachenburg. Das Wett­schwimmen unterblieb. Auch die weibliche Turnerschar Herborns erreichte in Keulenübungen vorzügliche Leistungen. Zum ersten­mal trat auch die Jugendabteiluna unseres Turnvereins (schulpflichtige Knaben und Mädchen) mit Keulenübungen und Reigen auf den Plan und erreichten recht Schönes. Der Gau- turnwart, Herr Münch-Hachenburg sprach sich zum Schlüsse recht anerkennend über Verlauf des Festes und Leistungen der Turner aus.

L. Langenhahn, 14. Juli. Ein Baudenkmal aus früherer Zeit, die hiesige Seba st ianus-Kapelle soll nun auch vom Erdboden verschwinden und einem modernen Kirchenbau Platz machen. Als Grund für die Beseitigung des altertüm­lichen Baues wird angegeben, er erweise sich als zu klein, und sein -baulicher Zustand entspreche kaum noch den bescheidenen Anforderungen, die man an ein würdigest Gotteshaus ftcltes müsse. So viel uns bekannt ist, besitzt die Kapelle kultur­historischen Wert und ist auch in das Werk über alte Bauten in Nassau von Professor Cäsar ausgenommen worden, über ihr Alter weiß man nichts anzugeben, das Kirchlein muß aber schon uralt sein und schon lange vor der- Reformation be­standen haben. ____

Ans der Umgebung.

sick. Darmstadt, 15. Juli. Gestern abend machte der Vor­steher, der Schulabteilung im Ministerium des Innern vr. Heinrich E i s e n h u t h durch öffnen der Pulsadern an Hals und Händen seinem Leben ein Ende. Er verstarb im Kranken­hause, wohin man ihn gebracht hatte. Der Verstorbene litt seit Jahren an Zuckerkrankheit.

m. Bingen, 14. Juli. Ein S ch i s f s u n f a l I hat sich heute gegen 5 Uhr hier ereignet. Der im Anhang des SchraubendampfersNeptun" bergwärts kommende große SchleppkahnNied,errheinische Gesellschaft" 'kam im zweiten-Fahrwasser der langen Krippe zu nahe und fuhr mit großer Wucht fest. Der Kahn ist dabei in der Mitte durchbrochen. Die Beschädigungen sind so schwerer Natur, daß das Schiff kaum freigebracht werden kann und aller Voraus­sicht nach gesprengt werden muß. Der vordere und der hintere Teil hängen im Wasser.

-r. Rodheim, 14. Juli. Dieser Tage -fand hier die 29. Ver­treterversammlung des Kreiskrieger-Berbandds Biedenkopf statt. Es waren 54 Vertreter der Verbands­vereine erschienen.- Die Verhandlungen -wurden durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Hauptmann d. L. Kommerzien­rat Jung., geleitet. -Die geplante Krankengeld- und Arbeits- losen-Bersicherung des Deutschen Kriegerbundes fand bei der Mehrzahl der Delegierten keine Zustimmung. Eine rege Debatte entspann sich über die Frage der Gewinnung der schulentlassenen Jugend,für, Sport und Spiel. Wenn man sich auch der Schwierigkeiten bewußt war, die einer Verwirklichung dieses Gedankens im Wege stehen, so mar doch die allgemeine Ansicht, daß man sich nicht abschrecken lassen solle bei der Mitwirkung an einer für, das Wohl unseres Volkes höchst bedeutsamen s Arbeit. Erwähnt sei noch, daß seit dem letzten Delegiertentage der Verband wiederum an Stärke zugenommen hat und an Unterstützungen für notleidende Kameraden 899 M. ge­geben worden sind. Das anschließende Verbandsfest war wegen des verhältnismäßig günstigen Wetters sehr stark besucht.

-e- Braunfels, 18. Juli. Das hiesige Bar ktheater mit seiuer unter den Linden von Braunfels gelegenen Sommer­bühne wird seine diesjährigen Vorstellungen am nächsten Sonntag, den 17. d., eröffnen, und zwar mit dem fünf- aktigen Schauspiel von Meyer-FörsterAlt-Heidelberg", abends um 8 Uhr. Es steht unter der Leitung des Herrn Friedrich Lobe, dem ein guter künstlerischer Geschmack nachgerühmt wird. Nach dem hiesigenAnzeiger" hat die in unserem auf­strebenden. durch ausgezeichnete klimatische Verhältnisse be­günstigten Luftkurort im vorigen Jahre erbaute S ch w t m m - badeanstalt jetzt weitere Verbesserungen erfahren, die sich besonders auf Luft- und Sonnenbäder erstrecken: für diese ist eine Brause-EinrichtunF geschaffen, ein Rundlauf und Turn­geräte sind aufgestellt: weiter wird angenehm empfunden, daß der herrliche Hochwald zu einem Teil auch als Aufenthalt zur Verfügung steht, der- an die für Luft- und Sonnenbäder vor­trefflich geeignete Wiese angrenzt.

* Mainz, 15. Juli. Rheinpegel: 3 m- 61 cm gegen 3 m 75 cm am gestrigen Vormittag.

gezogen und dem ahnungslos seines Weges Gehenden einen Messerstich in die linke Sette versetzt, der den Verletzten nötigte, noch während derselben Nacht Unterkunft ° im Krankenhaus zu suchen. Ritter war erst einige Wochen vor­her aus dem Zuchthaus in Ziegenhain entlassen worden. Die Strafkammer nahm ihn gestern in zwei Jahre Gefängnis.

wo. Der Griff in die Kasse. Der Taglöhner Heinrich Schuck aus Frauenstein arbeitete zuletzt auf den Farbwerken in Höchst. Am 2Q. Juni hielt er sich in einer Wittschaft aus. In dem Moment, als der Lotaltnhaber sich auf einen Augenblick entfernte und er sich unbeobachtet wähnte, tat er einen kühnen Griff in die Tageskasse und annektierte da­bei einige Mark in Kleingeld. Unterwegs hat er das Geld wieder verloren. Der Mann ist rückfälliger Dieb. Die Strafkammer schickte ihn aus sechs Monate ins Ge­fängnis.

wc. Zigeuner vorm Schöffengericht. Eine ganze Zigeunerbande hatte sich vor dem Schöffengericht zusammengefunden, um sich auf die Anklage, als Land­streicher umhergezogen zu sein, zu verantwotten. Einige haben auch musiziert, ohne den dazu nötigen Gewerbeschein zu besitzen. Alle Angeklagten erhielten gestern wegen Land- streicherc-i vier Wochen Haft, ferner wegen Gewerbeüber­tretung zwei Männer je 86 M. Geldstrafe, die sich bei ihrer Vermögenslosigkeit wahrscheinlich für sie auch in eine Frei» hettssttafe umsctzen wird. Außerdem wurden alle zum Zwecke ihres Abschubs der Landespolizeibehörde überwiesen.

fc. Unzulässige Lohnabzüge. Der Kaufmann L. S. war längere Zeit bei dem Kaufmann A. H. in Wiesbaden in Stellung. Als er vor kurzem die Stelle verließ, sollte ihm an dem ihm zustehenden Gehalt von 400 M. eine Zinsschuld in Abzug gebracht werden. Hierauf ließ H. sich aber nicht ein und klagte beim K aufm anns ge ri cht auf Auszahlung des, eingehaltenen Gehaltes. Das Kauf- marmsgericht vertrat die Ansicht, daß derartige Lohnabzüae unzulässig feien, zumal die Zinsschuld in diesem Falle aus einem sogenanntenScheingeschäft" entstanden sei. Der be­klagte Prinzipal zog es vor, es nicht zu einem Utteil kommen zu lassen und sich mit seinem Angestellten zu ver­gleichen.

* Rhein- und Tauiiusklub Wiesbaden. Auch die sonn­

tägige 8. Hauptwanderung in den westlichen Teil des Spesiarts auch kurzwegHahnenkamm" genannt, hatte die übliche über 100 Personen zählende Beteiligung. Wie alle Kluütouren, so war auch diese vom schönsten Wanderwetter begünstigt. Die Führer der Wanderung entledigten sich ihrer Aufgabe mit großem Geschick. Aber auch den Hanauer Wanderfreunden dre durch rqre Unterstützung und Begleitung viel zum genuß­reichen Verlauf beigetragen, sei an dieser Stelle dankend ge- dckcht. ..... Taurnde Boriigießer batte mit dieser Wanderfahrt ein Meisterstück deutscher Touristik: 90 Touren hintereinander vollbracht! Wohlgelungene Bilder der Tour sind im Atelier Prusch, Rheinstraße, erhältlich.

Gerichtliches.

Ans Wiesbadener GeerchLssetteir.

wo. Ein Messerheld. Der Fabrikarbeiter Adolf Ritter aus Höchst hatte am 12. Juni für gut befunden, seinen ganzen, tags vorher erhaltenen Lohn in Spirituosen um­zusetzen. Als die Weingeister ihm in der Krone zu spuken begannen, ist er mit anderen in der SeufzeralleeGänse­plätzchen" gegangen. Dabei hat der Arbeiter Friedrich Schuhmann seinen Pfad zufällig gekreuzt, nickt die geringste Notiz von ihm genommen, Ritter aber hat gleich vom Leder

'KZeine Chronik.

Eine Skandalassöre in Dresden. Der Naturheilkundme Walter Kämpf zu Dresden und dessen Ehefrau, eine Masseuse, wurden vor kurzer Zeit verhaftet, weil sie schwere Kuppeldelikte begangen hatten. Durch Inserate kamen sie mit Leuten aus den besten Gesellschaftskreisen in Verbin­dung und veranstalteten in ihrer Wohnung geheimnisvolle Zirkel", bei welchen die frivolsten Orgien gefeiert wurden.

Die Polizei erfuhr davon und drang in eine solcheSitzung" ein, wobei sie auch eine große Anzahl moderner erotischer Hilfswerkzeuge vorfand und beschlagnahmte. Da die Vor- ' Untersuchung gravierende Umstände zutage förderte, har sich Kampf in seiner Zelle erhängt, während die Untersuchung gegen seine Frau fortgeführt wird. Von den dabei bloßge­stellten Beteiligten haben mehrere die Flucht ergriffen, um den gerichtlichen Weiterungen zu entgehen.

Hochwasser in Südbayern. Andauernde Regengüsse lassen - die Bäche und Flüsse - in Südbayern wieder an­schwellen. Im Mlzburgischen sind nachts im Gebirge schwere Wolkenbrüche niedergegangen, die ziemlich große Verheerungen angerichtet-haben. Auch der Lech steigt ader- orgts-, .Er hat-zwischen-HoSzoll Auchs-

bicS neue Unglück nicht eintrat, mit dem sich der Könffs wohl atfjefunben hätte. Ihm genügte es, möglichst das noch zu erhalten, was man ihm gelassen hatte, ' während die Königin das Entrissene wieder gewinnen> wollte. In diesem Sinne, wirkte sie nun doch politisch eiir. so viel es sich nur immmer mit ihrem Grundsatz i vertrug, sich nicht in Staatsdinge einzumischen, und in ( diesem Sinne war sie die Freundin und Förderin eines Stein, eines Hardenberg und anderer, welche die notio« 1 itale Wiedergeburt vorbereiteten. Das langsame Er» wachen des Volksgeistes beglückte sie und ihre Hoff» ! nungsfreudigkeit schuf ihr in der trübsten Zeit doch ! auch manchen Tag, wo sie, was so sehr in ihrer freudi» ' gen Natur lag, wieder einmal lachen konnte, so etwa. \ als ihr konservativer Gatte es über sich gewann, seinen Zopf der Neuzeit zum Opfer zu bringen uni^ ihr das abgeschnittene Symbol seiner Persönlichkeit zu über» senden. Die Wiedergeburt der Nation freilich tollte sie, auch in ihren Anfängen, nicht mehr erleben. Nach­dem: sie mit dem König nach mehr als dreijähriger Ab­wesenheit im hohen Norden des Reiches unter dem Jubel der Bevölkerung nach Berlin .zurückgekehrt war, starb sie. die schon immer an einer schwachen Brust ge­litten. am 19. Juli 1810 in Hohenzieritz. wohin sie zum Besuch ihres Vaters gekommen war. an einer Lungen­entzündung. i

Die Liebe des Volkes wie die unbestechliche Muse der Geschichte, haben dem Musterbilde einer deutschen Frau. und Mutter auf dem Königsthron, haben der Patriotin unvergeßliche Ruhmeskränze geflochten. Wer weiß, ob bei einem rechten Erben des Großen Friedrich Preußen se so tief hätte fallen können wie es siel. Wer aber kann auch sagen, ob ohne eine Luise, ob obne den Blick des Volkes auf diese Nationalheilige' der Haß gegen den Unterdrücker so tiefe Wurzeln im Volksgemüt geschlagen, der Befreiungskampf einen so gewaltigen rächenden Impuls gehabt hätte. Viel, un» endlich viel verdankt das Preußenvolk dem Vorbild Luisens. die nun unter dem herrlichen Grabmal Rauchs