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«Seite S. _Samstag, 16. Juli 1916. WikSLmVtMer Tagbltttt» Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Nr. »22.

laub zu sewähren und abzulchnen. Tie von ihm er­lassene Verfügung bedeutet aber eine Änderung der voni Ministerium der öffentlichen Arbeiten heran-- gegebenenBestimmungen für alle Beamten im Eisen- bal)ndienste". Tie in Frage kommende Stelle dieser Bestimmungen lautet:

Es dürfen Urlaub erteilen: Bis zu einer Woche (sieben Tagen) m.t Übernahme der Stellvertretungskosten zu Lasten der Staatseisenvahnverwaltung:

Die Vorstände der Eisenbahn-, Betriebs-, Maschinen-, WeEsttten- und Verkehrs-Inspektionen, so­wie der Bauabte Hungert den ihnen dienstlich unmittelbar unterstellten Beamten."

Tie Befugnis der Inspcktionsvor stände, 7 Tage Urlaub zu gewähren, wird also eingeschränkt. Hierzu ist der Präsident nicht berechtigt. Es wäre inter­essant, zu erfahren, ob auch in anderen czirken auf diese Weise der Urlaub der Eisenbahnbeamten g c - schmälert wird. Es ist kaum anzunehmen, daß es sich um eine allgemeine Anordnung des Ministers handelt.

Deutsches Deich.

* Am boshafter Angriff auf Bülow. Der Besuch des Fürsten Bülvws gibt einer edlen Seele Veranlassung, sich ohne Scham zu enthüllen. Die freikonscrvativePost" be­grüßt den früheren Reichskanzler folgendermaßen: Wenn Herr v. Bethmamr-Hollweg auch manche unfruchtbare Arbeit hat beginnen müssen, so liegt dies aber nicht an chm, sondern gerade an seinen: Vorgänger, der jetzt so über alle Maßen gepriesen wird. Ist es nicht Fürst Bülow gewesen, der die deutschen Reichssinanzen in seiner langjährigen Kanzler­schaft hat in Unordnung geraten lassen? Ist er es nicht ge­wesen, der eine Finanzreform mit den nationaliberalen Parteien nicht fertig gebracht hat? Haben wir unter Fürst Bülow nicht die schlimmsten Niederlagen in der auswärtigen Politik erlebt, trägt Fürst Bülow nicht einen großen Teil der Schuld, daß es einst zu der be­dauerlichen Auseinandersetzung zum sogenannten Novem- b erstürm kommen mußte? Ist nicht manches Jahr der Bülowschen Kanzlerschaft vergangen, in dem nicht nur nichts geleistet, sondern sehr viel verdorben und verloren gegangen Ist? Was wäre aus Fürst Bülow und seiner Politik ge­worden, wenn er dem Rate der Linksliberalen gefolgt wäre, den Reichstag aufgelöst und mit der Parole 500 Millionen Mark neuer Steuern einen Wahlkampf zugleich gegen Sozialdemokratie, Zentrum und Konservative geführt hätte? Wir glauben, Fürst Bülow und seine Parteien würden eine derartige Niederlage erlitten haben, daß Führer und Heer im Roten Meer Verschwunden wären. Dagegen der neue Reichskanzler! Der verdient alle Anerkennung. Denn:Die Reichsfinanzreform ist durchgcsührt und hat

dem Reiche die notwendigsten Mittel gegeben. Die Wahl- lechtsform, auch ein unseliges Zugeständnis des Fürsten B ü l o w, ist gescheitert an der Parteien Zwietracht. Der Reichskanzler hat ihr zuliebe Opfer gebracht vielleicht sogar an persönlicher Überzeugung, wie sie schwerer kaum gebracht werden konnten. Der letzte Reichsetat war so sparsam aufgestellt, daß zur alten Schuldenwirtschaft nicht mehr zurückgekchrt werden brauchte. Wenn der Reichs­kanzler zurzeit eine so viel schlechtere Presse als Fürst Bülow hat, so liegt das zum Teil daran, weil er jene Künste nicht versteht oder nicht gebrauchen will, die sein Vorgänger mit so viel Geschick für die Gewinnung der Presse zugunsten seiner Person zu verwenden wußte." Ist ein Kommentar nötig? DiePost" war deutlich genug, ob­gleich es ihrwiderstrebt, sich mit einer gefallenen Größe noch kritisch auscinanderzusetzen". Es hat ihr ganz und gar nicht widerstrebt, diese Esclsfußtritte zu ver­abreichen; denn Fürst Bülow ist einegefallene Größe" und Herr v. Bethmann-Hollweg sitzt an der Macht.

Folgen der RcichSftnanzresorm. Bon welch ver­heerender Wirkung die letzte Finanz-Reform" auf dcu Kaffeehaudel gewesen ist, zeigt eine dem Hansabund von sachkundiger Seite zugegangenc, nach amtlichen Mit­teilungen aufgestellte Statistik. Danach beträgt die vom 1. August v. I., also seit Inkrafttreten der Zollerhöhung,

und sein schwächlicher, schwankender Herrscherwille. ES blieb ihm nichts anderes übrig, als endlich der Koa­lition. beizntreten. aber es hatte keine Bedeuiung mehr, die Niederlage Österreichs bei Austerlitz änderte die Konstellation und bald nachher geschah das Schmach­vollste für Preußen, was geschehen konnte: die Alliance mit Napoleon um den Preis von Hannover, auf das der Herrscher dieses Landes, der König von England, nicht einmal verzichtet hatte. Jeder echte Preuße empfand aufs tiefste die Schimpflichkeit dieses Bünd­nisses. Tie Königin weinte tagelang, war förmlich krank vor Aufregung. Aber die Alliance trug den Keim tfirer baldigen Auflösung in sich selbst und schnell mußte der König erkennen, einem wie anmaßenden und treulosen Verbündeten er in die Hände gefallen war. Krieg war das einzige, was die Schmach wieder ab» waschen, was Preußen vielleicht noch aus den Klauen ciires solchen Verbündeten retten konnte. Auf der Königin ruhte die Hoffnung der Patrioten und sie war es denn auch, die nun energisch für den Kampf mit Napoleon eintrat. Doch der rechte Augenblick war längst verpaßt. Saalfeld, Jena und Auerstedt be­siegelten nur das Unglück. Luise, die erste Hohen- zcllernfürstin seit den Tagen des großen; Kurfürsten, die ihrem Gatten ins Feld gefolgt war, erlebte den Zusammenbruch Preußens in der nächsten Nähe jener furchtbaren Katastrophe, der die Zeit der tiefsten Er­niedrigung Preußens folgte.

Uud nun die Flucht des Königspaars in die ent­legenste Provinz des Landes. In Orteisburg schrieb Luise das Lied des Harfners in ihr Tagebuch:Wer nie iein Brot mit Tränen." Und weiter ging die Flucht über die trostlose Sandwüste der kurischen Nehrung. Ein Wrack am Strande, das Symbol Preu­ßens, grüßte die flüchtende Königin, die eben erst von schwerer Krankheit genesen. In Memel fand sie ein Asyl. Doch der Kelch des Leidens war noch nicht ge­leert. Es kamen die Nachrichten über die verächtliche Übergabe so mancher preußischen Festung und das

bis einschließlich Mai in bas deutsche Zollgebiet eingeführte, ! verzollt« und dem Verbrauch übergebene Menge Kaffee 1188 918 Doppelzentner gegen 1824 464, bezw. 1501 272 Doppelzentner in den entsprechenden Zeiträumen der Vor­jahre; es ist demnach ein Ausfall von 635 546, bezw. 312 354 Doppelzentner zu konstatieren. Allein für die ersten fünf Monate des laufenden Jahres ergibt sich gegenüber den beiden Vorjahren eine Mindcreinsuhr von 446 261 bezw. 145071 Doppelzentnern. Die vorstehenden Zahlen zeigen zur Genüge, welche enormen Verluste dem Lias sc e- handel im Groß- wie im Kleinverkehr durch die starke neue Belastung erwachsen find. Naturgemäß entsprechen auch, wie ja vorauszusehcn war, die durch die Kafseezollerhöhung erzielten Zoll ertrage in keiner Weise den optimisti­schen Erwartungen der Schöpfer der Reichssinanzresorm. Während in den Monaten August bis einschließlich Mai 1007/08 der Ertrag aus dem Kaffeezoll 60 Millionen Mark, in den entsprechenden Monaten 1908/09 zirka 73 Millionen Mark betrug, wurde in derselben Zeit 1909/10 eine Ein­nahme von nur 71,3 Millionen Mark erzielt. Der Hansa­bund hat die Angelegenheit bereits an geeigneter Stelle zur Sprache gebracht.

G Die Vctcranenbeihilse ist immer noch ein dunkles Kapitel im Reichshaushaltswesen. Der Reichstag müht sich schon soft Jahren, etwas für die bedürftigen alten Krieger herauszuschlagen. Immer aber erklärt die Regierung, sie habe kein Geld, erst müsse die Deckungsfrage geregelt wer­den. Auch in der letzten Reichstagssession wurde ein Gesetz­entwurf zugunsten der Veteranen angenommen. Da­nach sollen Veteranen, die sich in unterstützungsbedürftiger Lage befinden oder das sechzigste Lebensjahr vollendet haben und die über ein Einkommen von weniger als 600 M. verfügen, eine staatliche Beihilfe erhalten. Die Reichs- Pensionen werden dabei in Anrechnung gebracht. Die Bei­hilfen betragen jährlich 120 M. Das Gesetz sollte am 1. Mai 1919 in Kraft treten. Aber der Bundesrat hat es nicht zur Ausführung gebracht. Man verfolgt weiter die Praxis, nur in Fällen dringender Not auf ein besonderes Gesuch hin ein paar Mark zu gewähren. Es ist tief bedauerlich, daß der Bundesrat diese Ehrenpflicht den Veteranen gegenüber versäumt, übrigens war von der Linken be­antragt worden, nicht nur allen Veteranen, die weniger als 600 M. Einkommen haben, sondern allen bis 900 M. Ein­kommen die Beihilfen zu gewähren.

* Ein katholischer Geistlicher über den Mißbrauch des geistlich?» Amts zu nationalpolitischen Bestrebungen. Doppelt bemerkenswert ist es, wenn ein katho­lischer Pfarrer, der offenbar die Verhältnisse in den deutsch-slawischen Grenzgebieten sehr gut kennt, in einem Artikel desTag" treffend nachweist, daß die Schlacht von Tannenberg, vom katholischen christlichen Stand­punkt aus betrachtet, alles andere eher als Anlaß zu rauschenden Festfeicrn gibt, wie es auch katholische Geist­liche, welche die religiöse Seite ihres Amts in erster Linie zu pflegen die Absicht haben, deutlich genug ausge­sprochen haben. Er erinnert hier an die Worte eines sol­chen Pfarrers aus dem Jahre 1902: Sie, meine Herren, wollen auf solche 2£rt einen Tag feiern, der jedes aufrichtige katholische Herz mit großer Betrübnis erfüllen muß. Einen Tag, der der Anfang der Vernichtung des herrlichen, unter der Hut der allerheiligsten Jungfrau stehenden Kreuzritter- ordens war. Bon Gottes Kirche zu verlangen, das; sie aus Anlaß der Ausrottung eines katholischen Ordens ein Tedeum singe, das ist schon der Gipfel des nationalen Götzendienstes; aber ihr nationaler Götzendienst wird die Signatur des 20. Jahrhunderts und eine Plage der heiligen Kirche sein. Und dann kommt die Kehrseite: Im Präsidium des Grunewaldkomitees sitzt der bekannte Bischof Bandurski, und dieses Komitee wendet sich mit einem riesigen Aufwand von Phrase und Dreistigkeit an das gesamte polnische Sprachgebiet, in erster Linie auch nach Schlesien, wobei ihm die gesamte oberschlesische Polenpresse willige Hilfe leistet. Ferner hat der Erzbischof von Warschau den Geistlichen seiner Diözese, die auch von zahlreichen Deutschen bewohnt wird, befohlen, den Jahrestag des Sieges von Tauncnberg durch feierlichen Gottesdienst zu verherrlichen. Also alles das zum Andenken an ein Ereignis, das den Polen mit Hilfe zahlreicher heidnischer Elemente

Vaterland lag unter der Stiefelsohle des höhnischen i Siegers, dessen Milde erfleht werden mußte. Tie Königin krachte das härteste Opfer ihres Lebens. Aus Rat Hardenbergs, dem sie schrieb:es ist mir. als ob ich in den Tod ginge", hatte sie, deren Gatte von dem Korsen bei der Zusammenkunft mit dein König und dern Kaiser von Rußland en Canaille behandelt wurde, während sie selbst vordem, wie schon oben erwähnt, die schwersten Beschimpfungen ihrer Frauenchre von ihm erlitten, jene denkwürdige Unterredung in Tilsit, bei der sie freilichein Seelen­erguß gegen ein Herz von Bronze" nichts erzielte als die Achtung des brutalen kaiserlichen Frauenver- ächters und Frauenbegehrers. Preußens Grenzen wurden vom Rhein nach der Elbe verschoben, der Staat wurde um die Hälfte verkleinert und der traurige Rest bis zum Weißbluten ausgesogen von dem scho­nungslosen Lieger. Es hatte ganz den Anschein, als sollte, wie der Usurpator gesagt hatte, die Dynastie Bonaparte bald die älteste in Europa werden. Das Märtyrertun: der Königin, die auch mit Krankheiten in der Familie und mit Sorgen unr die Erziehung deS ungezogenen Kronprinzen zu kämpfen hatte, war voll­ständig. Aber immer wieder flackerte in ihrer gott- dertxauenden. mutigen Seele die Hoffnung auf eine Besserung auf, die Hoffnung auf die Tüchtigkeit des bedrückten Volkes, die Hoffnung auf den Stern der Monarchie Friedrichs des Großen. Erlauchte Geister und Patrioten, die sich am Hofe zu Königsberg zu- sammenfanden, wo das Königspaar ein elendes Häus­chen vor der Stadt bewohnte, ein Gneisenau, ein Scharnhorst, ein Hardenberg, ein Stein, dessen Rück- berufung sie durchgesctzt batte und mit dem sie an der Bildung eines Völkerbundes gegen Napoleon arbeitete, lenkten oft ihren Geist von dem Elend ab, das ihr um, deni Staate immer noch neue Phasen brachte. Drohte unter anderem doch der Verlust Schlesiens als Ent- schädiguna für uneinbringbar scheinende Kontributio­nen. Nicht zum wenigsten ist es ihr zu verdanken, daß

I den Sieg über den christlich deutschen Ritterorden brachte! Deutlicher kann doch nationaler Fanatismus kaum illustriert werden. Der Verfasser schließt mit der Frage:Wir wollen zunächst abwarten, Noas Rom zu diesem Mißbrauch der bischöflichen Gewalt sagen wird. Sollte dics- n:al von dieser Instanz aus nicht eingeschritten werden, dam: bleibt uns nur noch die Möglichkeit, den Schluß zu ziehen, daß wir Deutschen im Vatikan als 5t a t h o l i k e n minderer Güte angesehen werden; dann möge man sich dort aber auch nicht wundern, wenn Verständigungen so schwer anzubahnen sind." Dieser Appell an Rom wird Wohl vergeblich bleiben, denn alle Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen, daß die polnischen Katholiken die Schoß­kinder des Vatikans sind.

* DieNationalliüerale Korrespondenz". Mit der völ­

ligen Dtrektiousloflgkeit, die in der öffentlichen Vertretung der nativnalltbcralen Parteipolitit herrscht, besaßt sich dre neueste Nummer derHilfe". Mit Recht wirst sie der Nationalliberälen Korrespondenz" vor, sie betreibe gegen­wärtig eine Politik, deren Mangel an Verant­wortungsgefühl allmählich bedenklich werde:Ob

ihr Herausgeber die Fortschrittliche Volkspartei haßt und ihr hochnäsig Zensuren gibt, läßt uns völlig kühl; aber es ist geradezu grotesk, mit welchem Bcinühen man dort Tag für Tag staatsmännische Politik machen will und nur die eigene Partei in die schmachvollste Verwirrung bringt . . . Vorgestern entsendet sie an dm Kanzler einen patherischm Drohbrief, heute ist sie fröhlich dabei, sich wieder anzu­schmusen. Vorgestern hat sie mit dem Burst, der Landwirte die wütendste Polemik und zieht eine Scheidelinie nach der anderen gegen rechts, heute fällt sie auf die Freisinnigen her und erklärt eine gesamtlibcrale Aktion, ohne daß sich aus der gegenwärtigen Situation zur Erörterung dieser Frage ein besonderer Anlaß ergäbe, für Illusionismus uff. Es sieht so aus, als ob dieser von der antisemitischenTäg­lichen Rundschau" bezogeneLiberale" eine ziel- und ver­antwortungslose Privatpolitlk betreibt, die schließlich denn auch nur das Ergebnis hat, daß die angesehenm national- liberalen Blätter fortgesetzt gegen das offizielle Partei­organ zu polemisieren haben. Ein Zustand, der uns un­mittelbar gar nicht angeht, der mittelbar aber für die Ent­wickelung der deutschen Parteiverhälrnisse eine Kalami­tät werden kann. Die Nationalliberalen haben gar keinen Grund, so auss Geratewohl mit dem moralischen Kapital an liberaler Achtung herumzuwirtschasten, das sie sich durch die Kämpfe der letzten Jahre erworben haben; allzu groß ist cs nicht, und es könnte zu früh aufgebraucht sein."

* Keim Fürstenbildnisse auf Medaillen und Marken. Nach einer neuerdings erlassenen Verordnung der RUchs- regierung dürfen Medaillen und Marken (Reklame-, Rabatt-, Spiel-, Speise- und sonstige Wertmarlen) nicht das Büdnis des Kaisers oder eines Bundessürsten in der aus den Reichsmünzen befindlichen Gestaltung tragen oder mit einer auf dem Rande befindlichen Schrift versehen sein. Auch dürfen sie nicht die Bezeichnung einer im Deutschen Reiche geltenden Münzgattung oder die Angabe eines Geldwertes enthalten. Ferner dürfen sie nicht mit einem Durchmesser von mehr als 20 bis einschließlich 22 Millimeter hergestellt werden. DieS gilt auch für Medaillen aus unedlem Me­talle, die zu geringeren Preisen für den Masfenabsay an- gescrrigt werden. Zuwiderhandlungen gegen diese Vor­schriften werden mit Geldstrafen bis zu 160 M. oder mit Haft bis zu sechs Wochen bestraft.

* Gegen die Verheiratung von Lehrersimen. Ein Spezialfall hat dem Kultusminister Veranlassung gegeben, die Nachgeordneten Behörden auf die Erlasse hinzuwciscn, nach denen in die Erneuerungsurkunden der Lehrerinnen und die Besoldungsordnungen die Bestimmung aufzuneh- men ist, daß die Verheiratung der Lehrerinnen die Auf­hebung ihrer Anstellung zur Folge hat.

* Abordnung englischer Arbeitgeber und Arbeiter in Deutschland. Eine aus 23 Personen bestehende Abordnung englischer Arbeitgeber und Arbeiter aus dm Städten Lon­don, Northingham, Kenstngton, Burnley, Deptford, die sich auf einer Studienreise durch Deutschland befindet und be­reits die verschiedensten größten Städte von Deutschland besucht hat, besuchte auch Elberfeld und ließ sich nach Be­sichtigung des Rathauses und seiner Sehenswürdigkeiten,

! dicü neue Unglück nicht eintrat, mit dem sich der König Wohl abgefunden hätte. Ihm genügte es. möglichst das noch zu erhalten, was man ihm gelassen hatte, während die Königin das Entrissene wieder gewinnen wollte. In diesem Sinne wirkte sie nun doch politisch eil-, so viel es sich nur immmer mit ihrem Grundsatz vertrug, sich nicht in Staatsdinge einzumischen, und in diesem Sinne war sie die Freundin und Förderin eines Stein, eines Hardenberg und an derer, welche die natio­nale Wiedergeburt vorbereiteten. Das langsame Er­wachen des Volksgeistes beglückte sie und ihre Hosf- nungsfreudigkeit schuf ihr in der trübsten Zeit doch auch manchen Tag, wo sie, was so sehr in ihrer freudi­gen Natur lag, wieder einmal lachen konnte, so etwa, als ihr konservativer Gatte es über sich gewann, seinen Zopf der Neuzeit zum Opfer zu bringen und ihr daS ab geschnittene Symbol seiner Persönlichkeit zu über­senden. Tie Wiedergeburt der Nation freilich sollte sie, auch in ihren Anfängen, nicht mehr erleben. Nach­dem sie nüt dem König nach mehr als dreijähriger Ab­wesenheit im hohen Norden des Reiches unter dem Jubel der Bevölkerung nach Berlin zurückgekehrt war. starb sie. die schon immer an einer schwachen Brust ge­litten, am 19. Juli 1810 in Hohenzieritz, wohin sie zum Besuch ihres Vaters gekommen war, an einer Lungen­entzündung.

Tie Liebe des Volkes wie die unbestechliche Muse der Geschichte haben dem Musterbilde einer deutschen Frau und Mutter aus dem Königsthron, haben der Patriotin unvergeßliche Ruhmeskranze geflochten. Wer weiß, ob bei einem rechten Erben des Großen Friedrich Preußen se so tief hätte fallen können wie es siel. Wer aber kann auch sagen, ob ohne eine Luise, ob ohne den Blick des Volkes auf diese Nationalheilige' der Haß gegen den Unterdrücker so tiefe Wurzeln im Volksgemüt geschlagen, der Befreiungskampf einen so gewaltigen rächenden Impuls gehabt hätte. Viel, un­endlich viel verdankt das Preußenvolk dem Vorbild Luisens, die nun unter dem herrlichen Grabmal Rauchs