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Nr. 287.

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.

SNesvKvrrrer CagviaN.

Freitag, 24. Juni 1910

Seite S.

Alice" mit dem Fürsten von Monaco ein. Gestern abend empfing der Kaiser an Bord derHohenzollern" den Präsidenten des Kanalamts, I)r. Kautz, und den Kommissar für den Kaiscr-Wilhelm-Kanal, Konteradmiral v. Bredow. Beide wurden zur Abendtafel geladen. Nachdem die Hohenzollern" hier festgemacht, nahm der Kaiser eine Reihe militärischer Meldungen entgegen, darunter diejenigen des bisherigen französischen Marincattachos, Fregattenlapitän Dandrezel, und des nenernannren sran- -zöstschen Marineattachss, de la Fajollc. Der crsterc erhielt ^en Kronenorden 2. Klasse.

Neue liberale Pairs.

-. London, 23. Juni. In den Morgenblättern wird mitgeteitt, daß gelegentlich des Geburtstages des Königs Georg 12 neue Pairs ernannt werden sollen. Gewöhnlich pflegte die liberale Regierung die Zahl solcher Ehrungen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Die Blätter deuten an, daß hierdurch ein Anfang gemacht werden solle, die große Ungleichheit zwischen der liberalen und konservativen Partei im Oberhause zu beseitigen.

Die Kretasrage.

wb. Konstantinopel, 23. Juni. Die türkischen Blätter verzeichnen das Gerücht, wonach England der Pforte ver­sichert habe, daß die K r e t a f r a g e zugunsten der Türkei gelöst würde. Wie die Blätter melden, verlangte der türkische Gesandte in Athen von der griechischen Regierung Aufklärungen über die Kriegsvorbereitungcm Die griechi­sche Regierung antwortete, es handle sich um gewöhnliche Militärmaßnahmen und um einen Wechsel der Grenz­wachen.

Der Choleraverdacht in Ruhleben.

hd. Berlin, 23. Juni. Die choleraverdächtige Erkran­kung eines russischen Auswanderers aus dem Auswandcrcr- bahnhof Ruhleben hat heute vormittag den Tod des Er­krankten zur Folge gehabt. Ob es sich aber um wirkliche Cholera handelt, kann mit Bestimmtheit noch nicht gesagt werden, da die bakteriologische Untersuchung noch nicht ab­geschlossen ist. An den in Frage kommenden Stellen nimnit man an, daß es sich um einen Fall von Fleischvergiftung handelt.

Das Hochwasser in Bayern.

Augsburg, 23. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Das Hochwasser des Lech richtet immer größeren Schaden an. Bei Hochzol wurden sechs Häuser weggespült. Das große Elektrizitätswerk der Spinnerei Stadtbach ist schwer ge­fährdet.

Ein furchtbares Hagelwetter.

Kattowitz, 23. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die un­weit Tososzow in Russisch-Polen gelegenen, dem Fürsten zu H o h e nloh e-O e h rin g cn gehörigen Güter und Waldungen wurden von einem furchtbaren Hagelwetter heimgesucht. 5000 Schafe und Lämmer, eine große Menge Rehe, Hirsche und Hasen wurden ist ausgefunden. Fünf Hirten wurden von den Eisstücken erschlagen.

Ein Automobil-Unfall.

hd. Breslau, 23. Juni. In Olb-rSdorf bei Reichenbach rannte das Automobil des Rittmeisters von Chappius aus Groß-Wilkau in das Fuhrwerk des Gutsverwalters Niko­laus, welches durch den Anprall in den Straßengraben geschleudert wurde. Nikolaus wurde schwer, seine Frau and eine Verwandte leichter verletzt. Den Chauffeur soll an dem Zusammenstoß keine Schuld treffen.

Zwei Kinder verbrannt.

. Brüssel, 23. Juni. In Oudecapcll sind gestern zwei Kinder, welche in einer Scheune Hinter verschlossener Tür mit Feuer spielten, verbrannt, nachdem sie durch Unvor­sichtigkeit die Scheune in Brand gesetzt Hatten.

Ein Millionär als Dieb.

Baku, 23. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Der Millio­när Babajcw wurde verhaftet, weil er große Mengen Naphtha aus den Anlagen von Konkurrenten entwendet haben soll.

Speisevcrgiftung in einem Kloster.

Lissabon, 23. Juni. (Eigener Drahtbcricht.) Von 12 Franziskanern des Franziskanerklosters in San Sebastian sind zwei infolge Genusses vergifteter Speisen gestorben, die übrigen lebensgefährlich erkrankt.

wb. Stuttgart, 23. Juni. Der Reichskanzler v. B e t h - mann-Hollweg ist heute früh 10 Uhr 6 Min. von Berlin kommend in Begleitung des Unterstaatssekretürs Wahnschasie hier cingetroffcn. Zum Empfang waren u. a. auf dem Bahnhof erschienen: Ministerpräsident Freiherr o. Weizsäcker, der preußische Gesandte v. Below-Rutzau and Legationsrat Frhr. v. Gemmingen. Nach der Be­grüßung geleitete der Ministerpräsident v. Weizsäcker den Reichskanzler ins Hotel. Von dort wird sich der Reichs- lanzler um 11(4 Uhr zum Besuch bei Ihren Majestäten nach schloß Bebenhausen begeben.

wb. Bebenhausen, 23. Juni. Der Reichskanzler von Beth mann-Hollweg traf in Begleitung des Ministerprästdenten v. Weizsäcker und des Gefolges um 12 Uhr 30 Min. hier ein. Er wurde im Schloßhof vom Flügeladjutanten Reischach und von dem Kammerherrn der Königin, Frhrn. v. Tessin, empfangen und in das Schloß geleitet, wo er vom König und der Königin begrüßt wurde. Kurz darauf wurde ein gemeinschaftliches Diner ein­genommen.

wb. Bitsch, 23. Juni. Der König von Sachsen ist gestern abend zur Besichtigung seines Infanterie-Regiments Nr. 105 hier eingetroffen. Zum Empfang war u. a. der kommandierende General v. Fabel am Bahnhof erschienen. Nach seiner Ankunft auf dem Truppenübungsplatz ließ sich der König die Offiziere des Regiments vorstellen, worauf er einige Wohngebäude besichtigte. Später begab sich der König zur Tafel ins Offizierskastno, zu der u. a. auch der kommandierende General v. Fabel und die Offiziere des Regiments geladen waren.

Biffch, 23. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Auf dem Truppenübungsplatz nahm heute vormittag König Friedrich A u g u st v o n S a ch s e n die Besichtigung seines Infanterie-Regiments Nr. 105 vor, und zwar in der üblichen Form mit Paradeaufstellung und Vorbeimarsch. Hierauf begab sich her König an der Svltze der Fahnenkom­

pagnie nach dem Lager zurück. An dem um 12 Uhr fol­genden Frühstück nahm das Offizicrkorps des 105. Regi­ments sowie die Stabsoffiziere des Infanterie-Regiments Nr. 136 teil. Die Abfahrt des Königs im Automobil nach Reichshofen-Wörth ist auf 2(4 Uhr angesetzt. Von Nieber- bronn aris erfolgt die Rückreise des Königs über Hagenau, Frankfurt a. M. nach Dresden. Der Kommandant des Übungsplatzes Bitsch, Generalmajor Bock, erhielt das Komturkreuz 1. Klasse des sächsischen Hausordens, und der Adjutant, Oberleutnant Scheele vom 136. Regiment, den Albrechtsordcn.

Berlin, 23. Juni. (Eigener Drahtbcricht.) Die D e u t- sche Bank teilt angesichts der in der Öffentlichkeit ange- zweisetten, von Direktor v. Gwinner im Herrenhaus ge­machten Angaben über den Besitz der Deutschen Bank an d e u t s ch e n Anleihen und S ch a tz a n w e i s u n - gen mit, sie habe deutsche. Anleihen und Schatzanwcisungen im Nennbetrag von mehr als 157 Millionen. Dieser Be­stand sei, wie aus den Jahresberichten der Deutschen Bank ersichtlich, in verschiedenen Konten enthalten.

Wien, 23. Juni. (Eigener Drahtbcricht.) Das Abge­ordnetenhaus nahm nach zweiwöchiger Spezialdebatte den Staatsvoranschlag gemäß den Anträgen des Budgetaus- schnsscs an.

*

Weimar, 23. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Gestern abend st a r b in Jnterlaken, wohin er sich zur Kur begeben hatte, der General der Artillerie Max Edler von der Planitz.

wb. Danzig, 23. Juni. Der Landeshauptmann der Provinz Westpreußen, Hinze, ist in der Nacht an einem Schlagansall gestorben.

wb. Lemberg, 23. Juni. Gegenüber Blättermeldungen über Choleraerkrankungen in Lemberg erklärt das Sanitäts- departement der Statihalterci, daß die Befürchtung, es handle sich um Cholera, vollständig unbegründet ist. Die Patienten befänden sich wieder aus dem Weg zur Besserung und es -andle sich nur um akuten Darmkatarrh.

wb. Wien, 23. Juni. Wie dieNeue Freie Presse" aus Lemberg meldet, sind dorr gestern zwei Arbeiter unter choleraverdächtigen Erscheinungen ins Kranken­haus eingeliefert worden.

Letzte HaniSetsnachr-ichtkN.

Berliner Börsenbericht.

Berlin, 28. Juni, lEigener Drahtbericht.) Wenn auch die Geschäftstätigkeit nur vereinzelt lebhaft war, so war die Ten­denz der heutigen Börse am Anfang im a l l g e m e i n e n fest. Die Befestigung New Morls und die günstige Lage des Londoner Geldmarktes ermutigten zu Meinungsläufen. Vielfach wurde die Ansicht geäußert, daß die Verwirklichung der guten Ernte­aussichten eine Kräftigung des wirtschaftlichen Lebens in der ganzen Welt zur Folge haben würde. Diese Hoffnung bildete die hauptsächlichste Stütze des Kursstandes in der jetzigen stillen Zeit. Montcmwerte setzten mit Ausnahme von Rcinstahl und Harpener besser ein. Auch Bankaktien waren vorzugsweise fest. Von amerikanischen Bahnen im Anschluß arr New Uork Canada um 1.20 Proz. höher. Auch Pennsylvania stellten sich besser. Österreichische Werte bewahrten ihre gute Haltuna bei mäßigen Umsätzen. Schwach waren heute Anatolier und Orientbahn auf Realisierungen. Otaviaktien verloren mehrere , Prozent, weit verlautete, daß die Dividende 1%, Proz. niedriger gegen das Vorjahr ausfallen wird. 3proz. deutsche Reichsanleihe konnten 0.1 Proz iirt Kurs anziehen, während sich für sonstige Fonds kein Interesse zeigte. Der Verkehr wurde im späteren Verlauf mangels weKerer Anregung äußerst schleppend. Die herrschende Gcschäftsunlust kam teilweise auch in leichtem Nachgeben der Kurse zum Ausdruck. Schisfahrtsaktieu im Gegensatz zu den nicht voll behaupteten Werten der Hansaaktien fest. Von Elek­trizitätsaktien gaben Siemens und Halske etwas nach. Täg­liches Geld ca. 3 Proz. Ultimogeld 5(4 Propz. Pribatdiskont 3(4 Proz.

Schiffs-Nachrichten.

Norddeutscher Lloyd in Bremen. Hauptagent für Wiesbaden I. Cür. Glücklich, Wilhelmstraße 50. F 328

Schnelldampfer Bremen-New Aork:Kaiser Wilhelm der Große" nach Bremen, 21. Juni 1 Uhr nachm, in Bremerhaben. Kaiser Wilhelm II." nach New Uork, 21. Juni 1 Uhr nachm, von Bremerhaven. Mittelmeer-Lime:König Albert" nach Genua, 18. Juni 6 Uhr nachm, von New Uork.Barbarossa" nach New Uork, 20. Juni 12 Uhr nachts bon Gibraltar.Prinzeß Irene" nach New Aork, 17. Juni 11 Uhr vorm. Bellas passiert.

New Uork-, Baltimore-, Galveston- und Philadelphia-Linien:

Frankfurt" nach Bremen, 20. Juni 6 Uhr nachm, von Coruna. Breslau" nach Bremen, 21. Juni 7 Uhr porm. Scilly passiert. Geo. Washington" nach Bremen, 17. Juni 10 Uhr vorm, in Bremerhaven.Wittekind" nach Bremen, 18. Juni 2 Uhr nachm, von Baltimore.Bremen" nach Bremen, 17. Juni 7 Uhr vorm, von New Uork.Hannover" nach Galveston, 17. Juni 5 Uhr vorm, von Philadelphia.Prinz Friedrich Wilhelm" nach New Uork, 20. Juni 3 Uhr nachm, in New Uork.Köln" nach Phila­delphia und Baltimore, 18. Juni 11 Uhr vorm. Dungencß passiert.Königin Luise" nach New Uork, 19. Juni 9 Uhr vorm. Dover passiert. Australien-Linie:Scharnhorst" nach Bremen, 20. Juni 1 Uhr vorm, in Aden.Scydlitz" nach Bremen. 18. Juni 2 Uhr nachm, bon Sydney.Prinzregent Luitpold" nach Australien, 21. Juni 11 Uhr vorm, von Fre- mantle.Zielen" nach Australien, 20. Juni 6 Uhr vorm, in Genua. Austral-Frachtdampfer:Franken" nach Bremen,

17. Juni 10 Uhr nachm, in Marseille.Thüringen" nach Bremen. 18. Juni 12 Uhr nachts von Pedang.Lothringen" nach Bremen, 20. Juni 7 Uhr vorm, in Brisbane.Hessen" nach Australien, 20. Juni 11 Uhr nachm, in Adelaide.Schlesien" nach Ailstralien, 20. Juni 12 Uhr mittags in Antwerpen. Ostasicn-Linie:Bülow" nach Hamburg, 19. Juni 1 Uhr nachm, von Gibraltar.Derfflinger" nach Bremen, 19. Juni 3 Uhr nachm, in Aden.Prinz Eitel Friedrich" nach Hamburg, 20. Juni 2 Uhr nachm, in Singapore.Uork" nach Bremen.

19. Juni 11 Uhr vorm, in Kobe.Roon" nach Ostasien, 20. Juni 8 Uhr nachm, von Schanghai.Lützow" nach Ostasien, 18. Juni 11 Uhr vorm, in Colombo.Kleist" nach Ostasien. 18. Juni 10 Uhr vorm, von Neapel.Prinz Ludwig" nach Ostasien,

17. Juni 12 Uhr mittags in Antwerpen. La Plata-Linie: Tübingen" nach Bremen, 21. Juni von Antwerpen.Eisenach" nach La Plata, 20. Juni von Vigo. Cuba-Linie:Norderney" nach Bremen. 23. Juni in Bremerhaven.Sigmaringen" nach Cuba, 18. Juni Dover passiert.- Canada-Lnne:Willehad" nach Hamburg, 17. Juni in Hamburg.Prinz Oskar" nach Hamburg, 18. Juni von Montreal. Brasilien-Linie:Halle." nach Bremen, 21. Juni in Antwerpen.Würzburg" nach Las Palmas, Oporto, Bremen, 16. Juni von Jaragua.Aachen" nach Brasilien. 13. Juni in Rio de Janeiro.Bonn" nach Brasilien, 19. Juni von Las Palmas.Roland" nach Brasilien,

20. Juni von Funchal.Erlangen" nach Brasilien, 20. Juni in Antwerpen. Mittelmeer-Levante-Dienst:Therapia" nach Barcelona, 21. Juni in Konstantinopel.Skutari" nach Nicolajeff, 21. Juni in Catania.Stambul" nach Barcelona,

21. Juni von Konstantinopel. Alexandrien-Linie:Schleswig" nach Alexandrien, 20. Juni 3 Uhr nachm, in Alexandrien.Prinz Heinrich" nach Marseille, 20. Juni 4 Uhr vorm, in Marseille.

Austral-Japan-Linie:Prinz Sigismund" nach Sydney,

18. Juni 8 Uhr vorm, bon Hongkong. Singapore-Neu Guinea- Linie :Manila" nach Sinaavore. 19. Juni in Singavore.

Einsendungen uns dem Leserkreise.

Vuf Rücksendung oder Aufbewahrung der uns für diese Rubrik zugehenden, nic) verwendeten Ernsendunaen kann sich die Redaktion nickt einlasicn.)

* Sie Kurtaxe. Wenn solche Erlebnisse, wie das in dem Eingesandt der Morgen-Ausgabe vom Dienstag ge­schilderte, noch öfters veröffentlicht werden, so werden die Konkurrenzbäder von Wiesbaden ihre helle Freude haben; hier aber wird man deren Wirkung bald unangenehm verspüren! .. Warum folgt man nicht dem Modus der Erhebung, der au anderen Orten bewährt ist? Z. B. in Montreux. Dort händigt man im Hotel am ersten Tage dem Ankömmling eine von der Hotellertung mit Unterzeichnete Wochenkarte ein, die 3 Frank mstet. Und beim Beginn der zweiten Aufenthaltswoche wieder­holt sich dieser Vorgang und weiter beim Beginn jeder folgen­den. Mehr als den Bruchteil einer Woche kann niemand ver­lieren und jeder ist gerecht gemäß der Aufenthaltsdauer be­steuert. Wäre solches hier nicht auch möglich zu machen?

Mattiacus.

. über verschiedene Gegenden unseres Vaterlandes ist großes Elend in letzter Zeit durch die Unwetter gekommen. Eben ist man damit beschäftigt, den Schaden festzustellen und den Geichadigten zu Hilfe zu kommen. Darüber ist auch nichts zu sagen. Bei uns im schönen Wiesbaden hat das Unwetter keinen Schaden angerichtet. Aber sehr viele Handwerker wurden in letzter Zeit von geioissenlosen Spekulanten und skrupellosen Unternehmern in der schamlosesten Weise u m Hüb und Gu t gebracht. Drei bis vier Millionen Mark dursten rn den letzten fünf Jahren mindestens verloren ge­gangen sein. . Gewiß ein ungeheurer Betrag. Gibt es denn nun aar keine Mittel, um diesen Handwerkern auf irgend eine Art und Weise zu helfen, welche lediglich durch andere um Hab und Gut ^bracht wurden? Wenn die Landwirtschaft durch elemen­tare Ereignisse geschädigt wird, erhalten die Betroffenen vom Staat billiges Geld auf längere Jahre fest oder auch einen Teil des Verlustes ganz ersetzt. Könnte maii nicht auch in ähn­licher Weise den Handwerkern unter, die Arme greifen? Arbeit unter sicheren Verhältnissen , ist heute sehr wenig zu haben. Es gibt Handwerker, welche seit Monaten, gar keine Arbeit haben, aber Steuern und Abnaben werden fortwährend erhöht. Den Beamten und Kulturträgern: Gehaltserhöhung usw., den Hand­werkern und Lastträgern: mehr Steuern und Abgaben und

weniger Verdienst. In wAch liebevoller Weise sich aber die letzte Steuerreform des Mittelstandes angenommen hat, das sei doch einmal festgenagelt.Eigner Herd ist Goldes wert." so sagte man früher und hat den Leuten das Baue,: leicht gemacht. Wie geht es heute? Das Geld, das diese Leute haben, geht drauf für Unkosten an Agent, Stadt, Staat, Reichs-, Gerichis- und Anwaltskosten, rund 5 Proz. Ohne daß der Ver­käufer einen Pfennig davon Anzahlung hat. Bei einem Objekt von 100 000 M. macht's rund 5000 M. Dafür konnte man früher das größte Haus kaufen. Und heute? Heute ist jedem Besitzer sein Hans verleidet durch die einseitigen und ungerechten Besteuerungen zugunsten der Agrarier. Die Mehrheitsparteien lehnten die Erbschaftssteuer ab, da sie behaupteten,das beein­trächtige den Familiensinn". Erben und dafür Steuer zahlen, ist für sie unangenehm. Man suchte und fand einen Ausweg. Man machte neue Stempelabgaben auf den Besitz. Uns ist ein Fall bekannt, wo ein Hausbesitzer ein Haus zurückkaufen mußte. Die Mieten waren gepfändet, sein Schaden betrug über 10 000 Mark und er hatte außerdem 4300 M. an Stempel­steuern zu zahlen! Der Mann mußte das Haus kaufen, sonst hätte er einen noch größeren Betrag verloren. Ist cS da nicht der reine Hohn, denMußkäufer" auch noch mit solch horrenden Stempeln zu belasten? Ist das nicht geradezu eine Abgabe ans das Unglück? In Wiesbaden wurden im ver- gangenen Jahre über hundert Häuser zwangsweise verkauft. Man bedenke, wie viel Hunderttausende Mark Stadt, Staat und Reich aus diesen unglücklichen Zuständen vcrdieiit haben. In den meisten Fällen hat es schwerer Anstrengungen bedurft, diese Summen aufzubringen, oder die Betroffenen kamen um Hab und Gut, da sie diese ungeheuren Lasten nicht erschwingen konnten.

* Nachdem der auf dem Luxemöurgvlatz befindliche Brunnen seit einem Monat dem Publikum wieder zur Be­nutzung sreigegebcn worden ist, wird von den dort zohlreick verkehrenden Kindern, besonders während der Nachmittags­stunden, durch die Inbetriebsetzung des daran befindlichen Hebels ein Unfug und eine Wasservergeudung veranlaßt, welche allgemein Ärgernis erregt und auf die Dauer nicht fort- besteheN bleiben kann, so daß Abhilfe dringend notwendig ist. An dem Brunnen, welcher nnmittelbaar an dem Spielplatz der Kinder belegen ist, befinden sich in den Nachmittagsstunden zahlreiche Kinder, welche in den meisten Fällen das Wasser nicht zum Trinken, sondern zu sonstigen Spielereien benutzen, so daß die Umgebung bis zur Straße mit einer schmutzigen Sandmasse behaftet und in Folge dessen der Abzugskanal ver­stopft ist. Daß dies dem Luxemburgplatz mit seinen schönen Gartenanlagen nicht zur Zierde gereicht und die dielen Passanten, deren Weg über den Platz führt, sich allgemein sehr mißbilligend über diesen Zustand und den unnützen Wasser­verbrauch aussprechen, soll hier besonders hervorgehoben werden. Es wird sich daher empfehlen, daß der Brunnen, wie dies auch im Frühjahr geschehen, an den Nachmittagsstunden geschlossen, und nur an den Vormittagsstunden für das Publi- knm zur Benutzung geöffnet bleibt, da der Verkehr van Kindern daselbst während des Vormittags nur ein geringer ist und diese bon den anwesenden Marktfrauen von. ihren Spielereien am Brunnen in der Regel abgehalten werden.

Mehrere Anwohner des Luxemburgplatzes.

Familien-Nachrichten.

Ktarrdesaml Wiesva-eu.

»Rathaus. Zimmer Nr 30; geöffnet an Wochentagen von 3 bis tyrt UHrj Eho» kcklieyuilgen mir Dienstags DonnerSIaaS ltub SamStaaS.)

Sterbefnlle:

20. Juni Walter, S. des Hausdieners Beruh. EccariuS, 2 M. 20. .. Zuschneider Jakob Fischer, 43 I.

20. Berta, geb. Münster, Ehefrau des Steucrrats a. D.

Aug. Eiffler, 63 I.

20. .. Kellermeister Joh. Kohl, 45 I.

20. Margarete, geb. Kleck, Ehefrau des Friseurs Gg.

Schermulh, 41 I.

20. .. Wwe. Lya Lievermann, geb. Schmuilowltsch, 49 I.

20. Chorsänger a. D. August Zapf, 83 I.

20. August, S. des Taglöhners Wilhelm Neeb, 1 Std.

20. Taglöhner Theodor Scheurer, 24 I.

21. .. Metzger Andreas Hanns, 24 I.

Geschäftliches.

Mm « ilS« WM «MÜI M« W.

dann sind es FayS echte Sodcner Mineral-Pastillen.' Kein Mensch bat wohl mehr unter Erkältung gelitten, als ich. Jede Jahreszeit hat mir mindestens einen soliden Katarrh gebracht. Seit ich aber Fays echte Sodcner regelmäßig gebrauche, weiß ich kaum noch, was Katarrhe sind, und stellt sich doch mal eine Indisposition ein, so werd' ich sic mit Hilfe meiner Fays echten Sodcner auch schleunigst wieder los Dieselben kauft man für 85 Pfg. in allen einschlägigen Geschäften, lasse sich aber unter keiner Be­dingung Nachahmung ausschwatzen. (F. acto. 1388 G.)F 128

ie Morgen-Ausgabe irmfaßt 18 Kette«

und die BerlagsbeilageDer Roman".

Leitung: W. Schulte vom Brühl.

.Schulte vom Brühl,

Verantwortlicher Redakteur für Politik u. Handel: I. B.: W. (

Sonnenberg; für Feuilleton: W. Schulte vom Brühl, Sonnenberg; für WieS- badener Nachrichten: C. R ö t b e r d t; für Nanauifche Nachrichten, Ans der Umgebung und Germitsiaal: H. Diefenbach; für Vermischtes, Sport und Briefkasten: C-L-osacker; für die Anzeigen u.Reklamen: H. Dornauf; sämtlich in Wiesbaden. D-uck und Verlag der L. Schellen de rgschen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden