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«Seite 1. Dienstag, 31» Mai 1910.

bis ;»ut nächsten Woche verschoben werden. Es gelangt infolge­dessen die OperetteOrpheus in der Unterwelt" von Offenbach zur Aufführung (Abonnement I), gewöhnliche V eise).

Geschäftliche Mitteilungen.

* Auszeichnung. Auf der Ausstellung für Haus und Herd trt Dresden wurde die Firma I. G. Jrmler. Kaiser!, und König!. Hofpianofortefabrik in Leipzig, mit dem höchsten Preis, dem König!. Sächsischen Staatspreis, ausgezeichnet. Die Firma ist am hiesigen Platze durch Herrn Heinrich Wolfs, Hof­lieferant. vertreten.

* Das Preisausschreiben der Sektkellerei Matheus Müller, Eltville, das 10 000 M. Preise für aus Müller- Extra-Korken hcrgestellte Gegenstände enthält, erregt das In­teresse der weitesten Kreise. Es kommt bei diesem Wettbewerb nicht so sehr auf die Menge der verwendeten Korken als darauf an, daß für die Verwendung der Korken eine brauchbare, originelle oder künstlerische Lösung gefunden wird. Es kann daher auch mit nur wenigen oder gar einem einzigen Korken sehr leicht ein Preis errungen werden.

* Vom Neuheitenmarkt. Ein für die gesamte Herrenwelt wichtiges Präparat ist das neue NasierseifenpulverPudras", welches gegenwärtig von der Vertriebsgesellschaft chemisch-tech­nischer Neuheiten, Pr. schnell u. Ko., G. m. b. £>., München, auf den Markt gebracht wird. Selbst das Rasieren des stärksten Bartes wird mitPudras" schmerzlos und angenehm gemacht; es genügt auch in solchem Falle ein einmaliges Rasieren im Gegensatz zu dem früher erforderlichen mehrfachen Nachrasieren. Pudras" ist in allen einschlägigen Geschäften zu erhalten.

Aus dem Landkreis Wiesbaden.

Biebricher.Polizeihunde.

Wo. Biebrich, 29. Mai. Im Anschluß an die zweitägige Konferenz kommunaler Polizeikommissare der Provinz Hessen-Nassau und benachbarter Bezirke war gestern nach­mittag auf der Rettbergsau eine in ihrem Verlauf recht interessante Vorführung der Biebricher Polizei­hunde veranstaltet. Es hatten sich zu derselben cingc- fuitden der größte Teil der in der Staatsanwaltschaft täti­gen Herren, Richter vom Wiesbadener Landgericht, Organe der örtlichen und Kreispolizeiverwalkung, zahlreiche Offi­ziere, Vertreter des Magistrats und der Stadtvcrordneten- . Versammlung usw. in der Zahl von insgesamt etwa 20g Personen. In Biebrich wendet die Stadt für die Polizei­hunde etwa 1000 M. jährlich auf. Was diese Tiere bei einer entsprechenden Dressur zu leisten vermögen, das zeigte uns die gestrige Vorführung. Es handelte sich bei den präsen­tierten Tieren um 11 ältere (bis zu 3 Jahren) und 7 Jung- Hunde. Zunächst wurden die Grundelemente der Dressur gezeigt Lcinenführigkeit, Folgen bei Fuß, Ablegen, Be­wachung von Gegenständen, Lautgeben aus Kommando, Apportieren von weggeworfenen Sachen usw., dann gab es einen imitierten Einbruch, bei dem einer der Hunde auf die Spur des bereits verschwundenen Einbrechers gebracht wurde und diesen dann auch bald in seinem Versteck er­mittelte. Besonders glänzende Leistungen waren auch beim Springen der Hunde über Hindernisse festzustellen.. Eine Wand von 2,20 Meter Höhe nahmen sie mit Leichtigkeit. Das schwierigste Stück Arbeit hatten die Tiere wohl in dem Moment zu leisten, als ihnen nach einer mehrstündige« ange­strengten Arbeit Leckerbissen in Gestalt von Fleischstücken vorgehalten wurden, ohne daß sie sich durchweg der Ver­suchung zugänglich zeigten. Den Schluß des Programms bildeten die Schwimmleistungen. Die Tiere apportierten an die 30 Pfund schwere Holzstücke aus dem Rhein, einer derselben durchschwamm sogar mit einem Holz vollständig den Strorn.

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# Bierstadt, 29. Mai. Gestern nachmittag wurde auf einem direkt an der Grenze zwischen Bierstadt und Wiesbaden belesenen Acker ein recht interessanter Fund gemacht, welcher zur weiteren Aufklärung der Brandstiftungsaffäre Kramet erheblich beitragen dürfte. Auf dem Acker, der von Cramer gepachtet ist, wurden in einem leeren Dickwurzloch zwei große Kisten mit Kleidungsstücken aufgefunden. Die Kisten waren wohl verwahrt mit Dachpappe, Stroh, Brettern und mit Erde zugedeckt und sind offenbar hier wenige Tage vor dem .Ausbruch des Brandes an den Fundort gebracht worden. Die Nachforschung dürfte sich nun auch auf andere Äcker des Be­schuldigten ausdehnen. Heute abend hielt der hiesige M ä n n e r g e f a n g - V er e i n" zur Feier der Pfingsten zu Neustadt beim Gesangwettstreit errungenen Erfolge eine Ver- cinsberanstaltung im SaaleZur Rose" ab. welche überaus gut besucht war. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Dirigenten des Vereins. Herrn Wilh. Kühl, eine von den Frauen des Vereins gestiftete Ehrengabe durch den Präsidenten überreicht. Bon denselben Spenderinnen wurde auch dem Verein ein Er- iimerungsaeschenk gemacht. DaS Ehrenmitglied Herr Pfarrer Urban /hielt dann eine mit Humor gewürzte Ansprache. Ein Won dem Ehrenmitglied L. Roth gestiftetes herrliches Blumen­arrangement gab Veranlassung zu einer schnell in die Wege peleiteten Berlosuna. Die humorvollen Vorträge der Herren stehmann und Stahl von Wiesbaden fanden großen Applaus. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß aus der Versammlung ein Huldigungsschroiben an den Stifter des Ehrenpreises, den Krinzregenten Luitpold von Bayern, gerichtet wurde.

Nassmnsche Nachrichten»

66. ordentliche Generalversammlung des Gewerbevcrrins für Nassau.

Wo. EmS. 30. Mai. Diesmal ist es unsere von der Natur so verschwenderisch mit Gaben ausgestattete Stadt, die, just in der Zeit, da sie unter dem Einfluß des einge­troffenen Frühlings in ihrer Festgewandung prangt, dem größten und unbestreitbar auch nutzbringendsten aller Ver­eine der engeren Heimat ein Heim zu seiner ordentlichen Generalversammlung bietet. Nachdem eine Begrü- tzungsversantmlung gestern abend imPronie- naden-Hotel" He Veranstaltung eingeleitet hatte, nahnicu heute vormittag nach 9 Uhr die Beratungen im großen Kon­zertsaal des Kursaalgebäudes ihren Anfang mit der Er­stattung des I a h r e s b e r i ch t s durch den Zentralvor­stand. An allen Orten des Vereinsbezirks mit Einwohner­zahlen von bis zu 500 abwärts bestehen heute dem Ver­band zugehörige Lokalvereine. Von diesen haben einige die Mitgliederzahl erheblich vermehrt, während dieselbe, als Begleiterscheinung der ungünstigen wirtschaftlichen Lage., in einigen Vororten größerer Städte, wie z. B. in Bierstadt, Dotzheim und Erbenheim, etwas zurückgegangen ist. Auf 1000 Einwohner entfallen Gewerbevercinsmit- glieder in Nassau 15, in Hessen 9. Der W i e s b a d e n e r Lokalverein ist mit seinen 1000 Mitgliedern einer der größten Gewerbe-Vereine Deutschlands. Die in dem vorig- jährigen Bericht in Aussicht gestellte Besserung der wirt­schaftlichen Lage ist nach den Berichten der Lokalvereine ziemlich allgemein in der zweiten Hälfte des Vorjahres, 1

Wiesbadener Tagblalt.

wenn auch in mäßigem Umfang, eingetreten. Insbesondere sind es die ländlichen Bezirke, in denen die geschäftliche Lage als zufriedenstellend, zum Teil als gut bezeichnet werden kann. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Submissionswesens ist das Vorstandsmitglied Architekt Fr. Wolfs mit dem Entwurf einer Denkschrift über die Reform des Submissionswescns beschäftigt. Neben dem Arbeitsnachweis m Wiesbaden bestehen zurzeit im Bezirk 54 Vermittlungsstellen. Die Betätigung der Lokalgewerbe- vereine im inneren Vereinslcben kann als befriedigend be­zeichnet werden. Viel könnte noch geschehen durch Förde­rung des gewerblichen Genossenschaftswesens, durch Be­kämpfung des Borgun,Wesens im Gewerbe und Handwerk. Die bei den Lokalvereinen eingehenden Mitgliederbeiträge belaufen sich auf 46 007 M. In den Schulen wurden 13 065 Knaben unterrichtet von 595 Lehrkräften; 14 Schulen sind bereits dazu übergegangen., den Zeichenunterricht von Sonntags aus die Wochentage zu verlegen, ohne dabei auf Schwierigkeiten zu stoßen. Der Sachunterricht ist überall auf die Werktage verlegt. 10 Schulen erteilen denselben in den frühen Nachmittagsstunden, während alle übrigen Schulen ihn auf die Abendzeit verlegen. Unter diesen sind 15, die unr 7 Uhr den Unterricht schließen, während 120 Schulen Liesen bis 8 Uhr ausdehnen. Der Schulzwang ist in allen Schulen» mit Ausnahme von Zcilsheim, durch Orts- ftatut eingesührt. Für die Fortbildung von Mädchen be­stehen Schulen in Diez, Herborn, Homburg und Limburg. An allen Schulen wird mit Fleiß gearbeitet und daher auch mit Erfolg. An einer geordneten Schuldisziplin hat es allerwarts nicht gefehlt und Bestrafungen mußten verhält­nismäßig selten eintreten.

Krieger-Verband des Regierungsbezirks Wiesbaden.

W. C. Braubach, 20. Mai. Der Krieger-Verband des Reg.- Bezirks Wiesbaden hielt heute in den Mauern unseres festlich geschmückten Städtchens seinen 13. Abgeordnetentag ab. Unter den Klängen des Pionierbataillons Nr. 8 von Coblenz zogen die erschienenen Kriegervereine vor dem Kriegerdenkmal auf. Zwölf Fanfarenbläser und ein vom Braubacher Quartettverein zu Gehör gebrachter ChorHoch empor' von Courty gaben der Veranstaltung die erste Weihe. Oberleutnant d. R. Schröder- Nievern hieß hierauf die Kriegervereins im Namen des Kreis­kriegerverbandes St. Goarshausen willkommen. Unter klingen­dem Sviel wurde alsdann der Weg zur Marksburg angetreten, in deren Räumen um 12 Uhr die geschäftliche Tagung begann. Im Namen des Vorstandes des Krieger-Verbandes Wiesbaden hieß Oberstleutnant a. D. v. D e t t e n die Vertreter der Kreis­kriegerverbände willkommen und eroffnete die Verhandlungen mit einem,Kaiserhoch. Zunächst gedachte er der Verluste, welche der Verband im Vorjahre hatte durch das Ableben des Ehren­vorsitzenden. Generalleutnant b. Chapxuis, des Hauptmanns der Landwehr a. D. Hecher und des Generalleutnants Arnoldi. Die Versammlung erhob sich zu Ehren der Dahingeschiedenen von ihren Sitzen. Der Verbcnidsvorsitzende für den Kreis St. Goarshausen, Oberl. d. R. Schröder, der Bürgermeister von Braubach und als Vertreter der Bereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen, Stabsarzt d. L. Pr. Romberg, entboten den Gästen herzliche Worte der Begrüßung. Den anwesenden Ehrengästen, Geh. Rat Professor Pr. Westphal, Landrat v. Berg, als Vertreter des Regierungspräsidenten usw. widmete Oberst­leutnant v. Detten warme Worte des Dankes für das ihren Be­strebungen entgegengebrachte Interesse. Sämtliche Kreisver- bände mit insgesamt -131 Stimmen waren vertreten. Der 1. Schriftführer erstattete den Geschäftsbericht für 1909. Sämt­liche im Kreise vorhandenen Krieger- usw. Vereine sind heute dem Verbände angeschlossen. Seit dem Vorjahre sind 21 Ver­eine mit 1281 Mitgliedern neu hinzugetreten. Der Gesamt- mitgliederbcstand beläuft sich heute auf 43 528. Der schriftliche Verkehr mit den Kreisverbänden war im letzttzen Jahr ein äußerst reger; allein 8111 Briefe sind zur Versendung gelangt. Auf Grund eingegangener Unterstützungsgesuche wurden im Jahre 1909 von dem Vorstande des Deutschen Kriegerbundes, resp. des Preußischen Landeskriegerverbandes Unterstützungen an die Kreisverbänbe gewährt, und zwar erhielten: Biedenkopf 1985 M Frankfurt-Land 139.15 M.. Höchst 874 M., Oberlahn 1929.94 M., Vberwefterwald 1624 22 M.. St. Goarshausen 2194.79 M., Untertaunus und Idstein 1117.70 M., Usingen 614.14 M., Wiesbaden-Land 1521.28 M., Dillkriegerbund 1981.66 M., Frankfurt-Stadt 1275.33 M Limburg 2972.17 M., Obertaunus 640.08 M., Rheingau 452.20 M Unterlahn

4849 39 M., Unterwesterwald 1528.46 M.. Westerwald 1193.20 Mark, Wiesbaden-Stadt 1071.76 M.. insgesamt 27 135 M. Für die nächstjährige Abgeordnetentagung wurde einer Einladung CronbergS mit großer Stimmenmehrheit entsprochen. In den Vorstand wurden neu gewählt Marineoberstabsingenieur Offenberg, Obertelegraphenassistent Kraü und Kanzleirat Stein- hauer-Wiesbaden. Der 1. Vorsitzende erstattete den Bericht über, den Abgeordnetentag in Eisenach und den Vertretertag auf dem Kyffhäuser. Eine Äußerung. daß Gewerkschaftler, selbst wenn sie sich von allen sozialdemokratischen Bestrebungen fern- hwlten. keine Mitglieder des Krieger-Verbandes sein könnten, ruft eine lebhafte Debatte und vielseitigen Widerspruch hervor. Nach der Mitteilung eines als Gast anwesenden Kameraden sind in Wiesbaden einige Arbeiter, die auf die in diesem Sinne lautende Kvffhäuserrcsolution bin aus den Ge­werkschaften anstreten wollten, ihrer Arbeit verlustig gegangen. Geb, Rat Prof. Pr. W e st v h a l gibt diese Möglichkeit zu, be­tont jedoch, daß man es allen nie recht machen könne und daß endlich ein Erempet statuiert werden muffe, um den Verband vor Schaden zu bewahren. Schließlich referierte Leut­nant d. R. Klein-WieSbaden über einen Antrag des Be- zirksverbandes, den bisherigen Beitrag pro Kovf von % Pf. auf 2 Pf. pro Jahr zu erhöhen, und zwar rückwirkend vom 1. Januar 1910 ab. Er begründete den Antrag mit der Tat­sache. das; der Verband tm Rechnlmgssahr 1909 mit einem Defizit von 500 M. abgeschlossen bat. Nach länger Diskussion wurde der Antrag angenommen, jedock mit dem Zllsahc, daß in der Folge jedem Kreisverband zwei Freiexemvlare des Jahresberichtes zugestellt werden. Die weiteren Berhandlungs- gegenstände boten für die größere Lff-ntlichkeit kein' Interesse.

Aus der Umgebung.

sick. Frankfurt a. M., 29. Mai. Vorgestern abend kam es zu einem großen Tumult in der Ult st a d k. Fünf Asphalt­arbeiter, die in angeheitertem Zustand randalierten und die Passanten belästigten, wurden in der Schnurgasse von zwei Schutzleuten sestgenommen. Auf dem Weg zur Wache sam­melte sich nach und nach eine vielhundertköpfige Menge an und auf dem Römerberg kam es zu einem Zusammenstoß mit der Schutzmannschaft. Bei dieser Gelegenheit entwichen die fünf Verhafteten. Die Schutzleute mußten blank ziehen. Ein Schutzmann wurde verletzt.

sich Frankfurt a. M., 30. Mai. Gestern nachmittag gegen 3 Uhr wurde in dem Goldwaren- und Juwälen-Gcschäft von Georg Schröder, Zeit 1, ein Einbruch verübt und Ju­welen im Werte von 15- bis 29 000 M. gestohlen. Der Dieb wurde beim Verlassen des Geschäftes gesehen und verfolgt. Er sprang auf einen Trambaynwagen, wo er sestgenommen und der Polizei übergeben wurde. Der Einbrecher ent­puppte sich als ein viel gesuchter Italiener, der in München und anderen Städten Einbrüche verübt hat. Die auf der Zeil gestohlenen Wertsachen hatte er in eine Reisetasche ge­steckt und diese in einen Sack verpackt,

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Nr. 215.

Gerichts fitwL

Teure Zähne.

Wc. Wiesbaden, 29. Mai. Der Fuhrmann Maurus B. von Biebrich hat eines Sonntagmorgens seinem früheren Angestellten, dem Fuhrgehilfen August., als dieser sich in seiner Behausung einsand, um sich eines ihm gewordenen Auftrags zu entledigen, einfach mit der Pfeife ins Gesicht geschlagen, so daß Sch. zweier Sch neide zähne ver- lustig ging, tvähreud ein dritter Zahn sich lockerte. B. ist dafür von der Strafkammer mit 90 M. bestraft worden, da­bei ist es jedoch nicht gehlieben, Sch. ist zurzeit bemüht, den Mann für den ihm durch die Mißhandlung zugefügten Schaden in Anspruch zu nehmen. Auf dem Wege des Zivil Prozesses macht er diesbezüglich einen Anspruch von 5000 M. geltend. Der Beklagte erklärte sich bereit, einen Betrag von 500 M. zu zahlen, damit jedoch ist Sch. nicht zu­frieden. Das Gericht setzte, um die Möglichkeit eines außer­gerichtlichen Vergleichs offen zu lassen, sein Urteil noch aus.

Zpsrt.

* Frankfurter Rennen. Aus Frankfurt wird uns tew unserem -^.-Korrespondenten geschrieben: Auch über den ersten Tag der diesjährigen Sommerrennen läßt sich nichts Interessantes berichten. Es war regnerisch, trübe und kühl; die Toiletten der Damen entsprachen der Wirre» rung. Fürstlichkeiten von Bedeutung waren auch nicht an­wesend und selbst unsere Hautevolee und Hautefinance nur spärlich am Platz. Trotzdem war der Zudrang des Publi­kums wieder stark. Hoffentlich läßt sich über die Rennen am nächsten Donnerstag und Sonntag etwas ausführlicher schreiben.

* Fußball. Der Wiener Athletik-Sportklub verlor gegen den Ersten Fußballklub Nürnberg nrit 0:3 und ge­wann gegen den AltmeisterPhöni.r"-K arlsruhc mit 4:2.

Wc.' Athleten-Gaufest. Der Athleten-Sportberem Wies, baden, in Gemeinschaft mit den benachbarten Zweigvereinen. hielt vorgestern im Paulhschen Lokale aus derAdolfshöhe" das 7. Gausest des Rhein-Main-Gaues ab. Die Beteiligung war dabei eine recht zahlreiche. Preise wurden dabei zugesprochen: a) für Ringen (Schwergewicht): 1. Preis Willy Michel,

Mainz, 2. Wilhelm Krämer-Wiesbaden; Mittelgewicht: 1. Preis Willy Schramm-Mainz, 2. Adolf Gottschalk-Höchst; Leichtge­wicht: 1. Preis Edmund Buchal-Sachsenhausen, 2. Andreas Dumranf-Wiesbaden; Federgewicht: 1. Preis Karl Göppert- Wiesbadcn. 2. Wilhelm Kandler-Mainz; si) Stemmen (Schwergewicht): 1 . Breis Karl Schlegelmilch-Wiesbaden.

2. Michael Hafenmeier - Darmstadt; Mittelgewicht: 1. Preis Eugen Ruland-Höchst. 2. Bruno Hofmann-Wiesbaden; Leicht­gewicht: 1. Preis Karl Lesche-Koftheim, 2. Heinrich Fischer- Darmstadt; Federgewicht: 1. Preis Taver Brummbauer-Hachst. 2. Georg Bogel-L-achsenhausen; c) V e r e i n s - M u st er­liegen: 1. Preis Athletenkluü Viktoria-Höchst, 2. Kraftsport­verein-Darmstadt, 3. Athletentlub-Wiesbaden. Die Preisver­teilung nahm der Gauvorsitzende Adam Langgut-Sachsenhausen vor. nachdem er einleitend auf die Bedeutung der körperlichen Übungen, die heute von Staat, von den Schulen, sowie von allen einsichtsvollen Eltern gepflegt würden, hingewiesen hatte.

Kleine Chronik.

Schwere Unwetter im Eulengebirge. Schwere Un- weiter sind aus dem ganzen Gebiete des Eulengebirges niedergegangcn. Der Regen strömte dermaßen hernieder, daß die Straßen der Stadt Schweidnitz in wenigen Minuten überflutet waren. Dazu richteten gewalrige Hagelmassen ungeheuren Schaden unter den Fel-dsrüchten und Obstbäumen an. Arg bedroht wurde auch das Schweidnitzer Artillerie- Regiment, das gerade eine Feldübung abhieli. Die Mann­schaften konnten die durch die herniederprasscilnden Hagek- stücke wildgewordenen Pferde nur mit größter Anstrengung halten, und das Regiment konnte nur mit vieler Mühe in die Kasernen gelangen. Von den Landbewohnern wurden

10 Personen bei dem Unwerter verletzt. Eine Frau wurde nebst ihrem siebenjährigen Kinde vom Blitzstrahl getroffen und sofort getötet. Am Zobtcn schlug der Blitz in ein Haus, tötete eine Frau und setzte das Haus in Flammen, so daß es gänzlich niederbranntc. Alle Telephon- und Telegraphen- leitungen ringsum sind gestört.

Schadenfeuer in der Norddeutschen Automobil- und Motoren-A.-G. In dem Lackierrnum der Norddeutschen Automobil- und Motoren-A.-G. zu Bremen brach nachts ein Grotzfeuer aus, wodurch die Fabrik gewaltigen Material­schaden erlitt. Eine große Anzahl Automobile, die für die Brüsseler Weltausstellung bestimmt waren, sind vernichtet worden.

Ein schweres Automobilunglück. Zivischen Bad Elster und Adorf ereignete sich ein schweres Automobilnnglück. Das Automobil des Besitzers des HotelsWettiner Hof", Bret- holz, fuhr an einen Straßenbaum und wurde vollständig zer­trümmert. Brethokz und sein Chauffeur wurden heraus- geschleudert und mußten nach Bad Elster gefahren werde»' der Chauffeur hat ernstere Verletzungen davongcirageu.

Die Affäre der Schwester Candide. In der Angelegen­heit der wegen Unterschlagung verhafteten Schwester Can­dide erfolgte ein längeres Verhör und mehrere Gegenüber­stellungen mit benachteiligten Juwelieren. Ein Teil der aufgcfundencn Juwelen ist den Geschädigten wieder zuge­stellt worden. Die betreffenden Jirwelicre haben sich nun­mehr vereinigt, um die Angelegenheit zu liguidieren. Die Liquidatoren werden demnächst vom Untersuchungsrichter ernannt werden.

Ein Stier-Zirkus cingestürzt. In Alhaurin (Malaga) stürzte der Stier-Zirkus in dem Augenblick ein, als die Tiere geprüft werden sollten. Eine große Panik brach aus als die Zuschaucrmenge plötzlich den Boden wanken fühlte' Viele Personen wurden unter den Trümmern begraben

11 Personen sind schwer, über 40 leichter verletzt worden Die Bautechniker, die kurz vor dem Unglück ein günstiges Gutachte', über die Festigkeit des Baues abgegeben hatten sollen gerichtlich belangt werden.

In Grund gebohrt. Der von Cardiff nach Larochelle gehende französische DampferFort Louis" wurde bei dichtem Nebel auf der Höhe von Longships von einem un­bekannten Dampfer in den Grund gebohrt. Die Besatzung 24 Mann, wurde gerettet und nach Prenzance gebracht.

Die Cholera. Die Gouvernements Minsk, Cherson Tschernigow und das Dnjeprufer von Lojew bis Cherson wurden für choleragefährdet erklärt.