Einzelbild herunterladen
 

'

^ jo l &

-tat *» ö

LZ-

l <y

+> Ö

I I 5 & i <rr* s n*

> ^

il

?**

! » * « r SS

r

?S3

!Ä

'§$

:S

*

! <2^ Oi

s <-*'

* r?

**

>^xt

' «

- ?r

'* : «Sk

-St«

f

cx>

. **

' $r

<r

.D.

' s=T

'i

'Z.

A

"K

>3

-H

rz

G

. ^

-r

Z"

d

rr

rr

M-

rh

r^

r*

Anzeigen-Annahme: Für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags; für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nackmittagS.

Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen.

»erlag Langgafl» 21.

Tagblatt-HairS".

Lchaller-Hall- geöffnet von 8 Uhr morgen» vis 8 Uhr abends.

27,000 Abonnenten.

2 Tagesansgaben.

Fernsprecher-Rufr

Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53. Don 8 Uhr morgen? bi; 8 Uhr abends.

Anzeigen-PreiS für

in einheitlicher Saxsorm;

Anzeigen: 30 Pfg. für a..^ ui............. - .--. ... ,

Ncklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlau,end, nach beiondercr Berechnung.

Bei wiederholter 'Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Rabatt,

vcznas-PrciS für beide Ansgaben: 70 Psg. monatlich, M. 2. vierteljährlich durch den Verlag Langgaffe 21, ohne Bringer lohn. M. 3. vierteljährlich durch alle deutschen Posianstaiten, ausschließlich Bestellgeld. Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle BiS- marckring 2S, sowie die 113 Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen 32 Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorlen und im Rhcingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

Nr. 207

Wiesbaden, Donnerstag, 5. Mai 191©

58. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

1. Wl'crlt. _

mp* Wegen des Himmelfahrtstagcs erscheint die nächste ,,Tagblati"-Ausgabe am Freitagnachmittag.

§s;ia!psMlsche Umschau.

Anfang Mai.

Tie neue Reichsversicherungsvrd.nung hat bisher in der Regierungsfassung wenig Anklang gesunden. Auch im Reichstage, der sich einige Tage mit ihr beschäf­tigte, gab es viel daran auszusetzen, und er hat sie einem Ausschuß überwiesen, der erhebliche Umgestal­tungen vornehmen soll. Allerdings war man allge­mein der Überzeugung, daß ein völliges Scheitern der Vorlage zu bedauern sei, schon wegen der Aus­dehnung der Krankenversicherung aus die länd­lichen Arbeiter und die Heimarbeiter und lvegen der im Entwurf enthaltenen Hinterbliebenenver­sicherung, die dankenswert ist. aber in ihrer Wir­kung vielfach erheblich überschätzt wird. Tie Kosten der Versicherung nach dem Entwürfe hat inan auf etwa 982 Millionen jährlich berechnet, nach der An­sicht der Regierung sollen sie jedoch nur 85S Millionen betragen. Wahrscheinlich wird die höhere Summe zu- trefsen. Diese wird sich wie folgt verteilen: Wird die Beitragsleistung wie bisher belassen, so eiltfallen aus die Unternehmer 503,5 Millionen, auf die Arbeiter

892.5 und aus das Reich 86. Wird die Beitragsleistung zu den Krankenkassen derart geändert, daß Unter­nehmer und Arbeiter je die Hälfte zahlen, wie das dex Entwurf verlangt und wie wahrscheinlich auch ge­setzlich bestimmt wird, so entfallen auf die Unternehmer

549.5 und auf die Arbeiter 346,6 Millionen jährlich.

Zahlreiche große Körperschaften haben in letzter

Zeit gegen die Regierungsfassung des Entwurfs pro­te st i e r t. So namentlich die Berufsgenossenschaften, die Krankenkassen, die Ärzteorganisationen und auch die freien Gewerkschaften. Diese hielten kürzlich in Berlin einen Kongreß ab, auf dem gefordert wurde, daß die Arbeiter die 60 Millionen Mark, welche sie bei der Halbierung der Krankenkassen beitrage ersparen würden, den Gewerkschaften zufließen lassen sollten, um deren Einfluß zu stärken.

Viel erörtert ist auch eine andere wichtige Reichs- tagsvorlage, nämlich der Entwurf zur Einführung einer R e i ch s w e r t z u w a ch s st e u e r, der sobald als möglich Gesetz werden soll. Auch er erfährt heftige Angriffe. Die Gegner des Entwurfs betonen, daß er keinen Unterschied zwischen dem unverdienten Wertzu­wachs und den Gewinnen mache, die in der g e w erb - l i ch e n Tätigkeit erzielt würden. Es wird darauf hingewiesen, daß diese gewerbliche Tätigkeit ein wesent­licher Faktor für die Befriedigung des Wohnungsbe- dürsnisses sei, daß mit ihr viele Zweige von Industrie,

> Handel und Gewerbe zusammenhängen, und daß namentlich auch das Handwerk von einer Gefährdung der baugewerblichen Betriebe bedroht sei. Eine Ein­gabe der Ältesten der Berliner Kaufmannschaft an den Reichstag wendet sich in erster Linie gegen die Art, wie die Gewinne festgestellt werden, und spricht die Befürchtung aus, daß die außerordentlich hohen Pro­zentsätze, von welchen das Gewerbe betroffen werden soll, einen wesentlichen Rückgang der Bautätig­keit zur Folge haben werden. Es werden Vorschläge zur Verbesserung der Skala gemacht, die im wesent­lichen darauf hinauslaufen, die hohen G e w i n n e, d. h. den unverdienten Wertzuwachs, der in der Vor­lage mit höchstens 12 Prozent zur Besteuerung gelangt, in viel wirksamerer Weise, und zwar bis 25 Prozent, zur Steuer heranzuziehen und dafür die Steuerstufen, welche das Gewerbe betreffen, entsprechend zu e r« mäßigen. Wegen der Schwierigkeiten der Ein­schätzung schlägt man vor, nicht auf 30 Jahre, sondern nur aus den 1. April 1895 zurückzugreifen und die normalen Steuersätze für eine Besitzzeit von 15 Jahren festzulegen.

Von dem Ertrage der Reichswertzuwachssteuer soll das Reich 50 Prozent, die Einzelstaaten 10 und die Gemeinden 10 Prozent erhalten. Ob der Entwurf Gesetz wird, ist sehr fraglich-, in der Regierungs­fassung sicher nicht. Zu erwähnen ist ferner, daß in der sogenannten Kalikommission des Reichstages von mehreren Zentrumsabgeordneten natürlich aus leicht durchsichtigen Gründen verlangt wurde, in der Kaliindustrie gesetzlich die Gewinnbeteili­gung der Arbeiter einzuführen, wenn die Dividende mehr als 5 Prozent betrage. Auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises und der Arbeitslosenfür­sorge wird jetzt fast allgemein eine zentrale, paritätische Regelung der Stellenvermittlung als Vorbedingung und Grundlage jeder zweckmäßigen Arbeitslosenfiir- sorge verlangt. So hat auch vor einigen Tagen die Zweite sächsische Kammer beschlossen und in Bayern hat das Abgeordnetenhaus einstimmig die reichsgesetzliche Regelung des Arbeitsnachweises verlangt und die Re­gierung ' beauftragt, im Bundesrat entsprechend tätig zu sein. Wahrscheinlich wird der Reichstag sich noch vor Pfingsten in irgendeiner Form auch mit der A u s- s p e r r u n. g der Bauarbeiter beschäftigen. Bis­her hat diese die Erwartungen der aussperrenden U n t er n e h m e r getäuscht. In Berlin, Hamburg, Bremen und in einigen anderen Orten ist überhaupt nicht ausgesperrt, auch in anderen suchen die Arbeit­geber zu einem Vergleich zu gelangen.

Bemerkenswert ist eine zweckmäßige Förderung des K i n d e r s ch u tz e s durch die Polizeiverwaltung in Frankfurt a. O. Da das Kinderschutzgesetz in seinen Einzelheiten selbst in den von ihm betroffenen Arbeit­geberkreisen noch immer nicht hinlänglich bekannt ist. bat jene Polizeiverwaltung jeder ausgestellten Ar­beitskarte zwei von dem Gewerbeinspektor ent­worfene Merkblätter beigefllgt: eines für den Arbeit- * geber, das andere für den gesetzlichen Vertreter des

Kindes. Diese Merkblätter sind je nach der Beschäfti­gung des Kindes verschieden und enthalten die gesetz­lichen Bestimmungen, die für dessen gewerbliche Tätig­keit in Betracht kommen. Seit diese Blätter ausge- geben werden, hat die Polizei eine erhebliche Ab­nahme der Verletzungen des Kinderschutzgesetzes fest­stellen können. Der zuständige Regierungspräsident hat diese Maßregel daher allen Polizeiverwaltungen deines Bezirks empfohlen.

Sehr viel schlimmer als bei uns liegen die Ver­hältnisse hinsichtlich der Kinderarbeit noch immer in England. Die Berichte der englischen Fabrikinspek­toren aus der Dritte des vorigen Jahrhunderts sind geradezu erschütternd, wo sie sich über die Aus­nutzung der kindlichen Arbeitskräfte verbreiten. Seit­dem ist es zwar besser geworden, aber noch immer spielt die Kinderarbeit in England trotz mancher Gesetze eine weit größere Rolle als in Deutschland. Nach neueren Mitteilungen werden dort etwa 200 000 Kin­der im schulpflichtigen Alter täglich mehrere Stunden bis wöchentlich sechzig Stunden neben dem Schulbesuch beschäftigt. Es wird zu wenig kontrolliert, ob die Kinderschutzgesetze durchgesührt wer­den. Jetzt wehren sich auch die englischen Lehrer gegen diese Ausnutzung. Auf einer kürzlich in Plymouth ab- gehalteneu Versammlung der nationalen Lehrerunion wurden folgende Forderungen aufgestellt: Allgemeine Schulpflicht bis zum 14. Jahre, keine Kinderarbeit bis zu diesem Alter, Schulpflicht für kostenfreien Aben d- und Fortbildnngsunterricht vom 14. bis 18, Jahre. Tie Lehrer gehen dabei von der Überzeugung aus, daß die Kinder mit der von ihnen verrichteten ungelernten Arbeit auf einen Lebensweg gedrängt würden, der nirgendswo hinführe und von ihnen später als ein« Sackgasse empfunden werde. Dieses sei eine der Hauptursachen der vielen Arbeitslosen in England. Infolge der Arbeit in zu frühem Alter; treten bald Entartung und moralische Fäulnis auf.

Der Verbrauch von T r i n f ß r a n n t to e t n_ ist nach der vorliegenden Statistik in der letzten Zeit, in Deutschland abermals zurückgegangen. Derartige Zahlen sind immer erfreulich.

Deutsches Reich.

* Der Kaiser und der Studcntendurst. Es wird

setzt bekannt, daß bei der letzten Anwesenheit auf der Hohköniasburg der Kaiser den Sohn des Wiederher­stellers der Burg, des Baurats Bodo Ebhardt,, der kürzlich in das Freiburger KorpsNhenania" einge­sprungen ist, ansprach und sich dabei gegen das über­mäßige Trinken in den deutschen 'Studentenkreisen, namentlich in den Korps, äußerte. Durch das Trinken geraten so sprach er sich aus Volk und Studenten in Nachteil gegen die Ausländer, namentlich gegen Engländer und Amerikaner, die infolge vernünftigerer Trinksittcn später im Kampfe des Lebens den an sie herantretenden Gefahren größeren Widerstand ent-

Femlleton.

(Nachdruck verboten.)

Das alte Zräulein.

Von Annette Gleiß.

Im Maien war es vor einigen Jahren, als ich eine Kur gebrauchte und in W. mich um ein passendes Quartier umsah. Um meinen Geldmitteln nicht allzu weh zu tun, zog ich in eine kleine Villa, wo ich im obersten Stockwerk ' ein schönes Zimmer bekam. Der Ausblick von dem hoch­gelegenen Haus war wunderschön. Ich sah über die Häuser mit ihren teils grauen, tells roten Dächern hinweg, mckn ' Blick schweifte ungehindert ins Klare, Blaue und mich grüßte die Sonne von fernher schon am frühen Morgen. Die Waldungen mit ihrem wechselnden Grün boten mit den i trt sie eingebetteten Villen ein reizvolles Bild ; andere Wohn- ftätten schmiegten sich an die Berge und Halden und er­schienen mir wie Stätten des Glücks, der Ruhe. So gern stand ich am Fenster und blickte hinaus in das liebliche Panorama, und es machte mir manche Stunde zum frohen Erlebnis, wenn ich mir vorstclfte, daß ich eins oder das andere der Häuser erwerben und nun bald mein neues Heim beziehen werde, um meine Tage frohen Mutes genießen zu ! können.

Nur meine Zimmernachbarin war mir als störendes Element vorgekommen-, sie fiel mir wirklich auf die Nerven, i denn ich konnte nicht die Tür öffnen, wo sie nicht parat stand, um mich mit langatmigen Erzählungen auszuhalten.

; Unter allen möglichen Vorwänden drang sie bei mir ein, um ihrem Mitteilungsbedürfnis zu frönen und zu huldigen. Ich mußte fast immer die gleichen Geschehnisse und Erleb nisse anhören, ich kannte alle diese Geschichten schon arL wendig.

Als Stütze. Gesellschafterin, Reisebegleiterin, Haus damo hatte sie sich lange Jahre ihr Brot verdient, und sie

I

war ihren Aussprüchen nach gar oft nicht schön behandelt worden von den Damen, in deren Haus sie war, hatte sich herabsetzende, beleidigende Behandlung gefallen lassen, viele Ungerechtigkeiten schweigend dulden müssen.

Bei einer Generalswitwe, sie sagte mit BetonungIhre Ekzellenz", die an Schlaflosigkeit gelitten, mußte sic am Tag das Hauswesen leiten und nachts sollte sie am Bett der Dame sitzen und ihr Geschichten vorlesen, erzählen oder solche anhören.

Bei einer Baronin hatte sie mit der Dienerschaft cffen müssen, da sie doch auch eine bezahlte Person sei, aber dessen­ungeachtet hatte die Dame sic in alle Gesellschaften, zu allen Ausfahrten mitgenommenals Gesellschaftsdame", denn sie konnte nur mit Schwierigkeiten sich fottbcwegen und mußte am Arm geführt werden.

Eine russische Staatsrätin hatte den Gehalt nur sehr ungern und mir in Raten bezahlt und für die letzten Monate gar nicht. Das ganze Personal wurde geschädigt, die Russin war plötzlich abgereist, aus Angstum ihr teueres Vater­land".

Bet der Frau eines durch Häuserspckulation reich- gewordenen Rentners war das abstotzenste Protzenttnn, ver­bunden mit Unbildung, Hcrzensroheit und Brutalität, zu­tage getreten. Diese Gnädige hatte das Personal vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein gehetzt und schikaniert, dabei aber sehr karg mit der Verköstigung ge halten. Sie konnte gar nicht genug aussmnen, um das Personal zu quälen mit allen möglichen Verdächtigungen und alle Augenblicke war die Rede von Haussuchung, wenn irgend ein Gegenstand vcrräumt war. Es war dirett wider­lich gewesen, was diese Person getrieben hatte in ihrem GÄdsacksdünkel.

Im Hause eines Industriellen waren die Kinder so schlimm gewesenwie die reinen, wahrhaftigen Teufel" und niemand hatte im Hause bleiben köimen, niemand es ausgehaltcn bei den schlimmen Kindern.

In einer Offiziersfamilie wurde so knapp gekocht, daß

man, um satt zu werden, vom eigenen Gelde Nahrungs­mittel kaufen mußte; dabei gab's Arbeit in Hülle und Fülle, kaum einige Stunden Schlaf war der Dienerschaft gegönnt. Natürlich war immer Wechsel, und sie hätte sich mit dem Anlerncn neuer Leute eigentlich eine Verdienstmedaille er­worben, wie das alte Fräulein mit einem Anslug von Humor hinzufügte.

Bei einer Gräfin mußte sie Krankenpflegerin während einer schweren Erkrankung der ältestm Komtesse spielen. Sie hatte sich beinahe selbst ganz ausgerieben und war schon von Kräften gekommen. Als Dank für alle Aufopferung, unzählige schlaflose Nächte hatte ihr die Frau Gräfin Stoff für ein Kostüm geschenkt, und als sie sich nicht in über­schwenglicher und untertäniger Weise bedankt hatte und auf die Frage, ob ihr der Stoff zu dem prächtigen Kostüm viel­leicht nicht gut genug sei, geantwortet habe, nach ihrer Meinung sei eine derartige Gabe keine besonders groß­artige Anerkennung für eine Aufopferung, wie sie sie ge­leistet, da war sie von der Gräfin gekündigt worden wegen Renitenz und Frechheit und unglaublich ungebührlichem Betragen. Das war der Dank gewesen der Aristokrattn. Ae hatte dann sogar noch das Gericht in Anspruch nehmen müssen, um ein anderes Dienstzeugnis zu erhalten, das diesen Passus nicht enthalten hatte.

In dem Hause einer Geheimrätin hatte sie tagsüber Vorleserin und Gesellschafterin, auch Hausfräulein vorstellen müssen, und bis in die spaten Nachtstunden hinein hätte sie häkeln, sticken oder bügeln und nähen sollen.

Bei der Gattin eines hohen Gerichtsfunttionärs mußte das Fräulein alles nur irgend Mögliche verstehen und aus- führen, perfekt schneidern können, Klavier spielen, bügeln, kochen und die erwachsenen Töchter bei ihren Ausgängen begleiten und hauptsächlich auch als Blitzableiter schlechter Launen aller weiblichen Familienmitglieder im Hause funktionieren". Da außer Mama und Schwiegcrmama 'ins Töchter von zwanzig Jahren aufwärts vorhanden waren, war es keine Kleinigkeit gewesen, alles ruhig an-