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Nr. IS 7.
Wiesbaden, Freitag, 29. April 1910.
L 8 . Jahrgang.
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me türkischen Truppen ttir Albanien.
I. Konstantinopel, 25. April.
Entgegen allen von den Jüngtürken in die Welt letzten Nachrichten von Erfolgen in Albanien !llid dort die Verhältnisse sehr ernst. Wenn man Le- mkt, daß die Pforte nun nicht weniger als 40 Bataillone nach Albanien geworfen hat, so sollte man »einen, daß eine solche Streitmacht genügen dürfte, »n den Aufstand ohne große Mühe zu ersticken. Dem ft aber nicht so. Um sich das klar zu machen, muß mair keilich wissen, wie groß der Effektivbest and ftefer Truppeneinheiten ist. Die ins Ausstandsgebiet ttsandten Bataillone bestehen nämlich im Maximum As 400 bis 450 Mann, und wenn inan den normalen lbgana im Kriege abzieht. der übrigens hier größer ft als bei den Armeen der europäischen Mächte, so Heiden für den eigentlichen Kampf vielleicht i,n ganzen 1000 Mann übrig. Tabei ist weiter zu beachten, daß »n Teil dieser Truppen sich keineswegs durch Zull r l ä s s i g f e i t anszttichnch. Tie aus Konstanti- Hopel entsandten 48 Bataillone des ersten Armeekorps dürften sich kann: in hervorragendem Maße zu einem Ndzug in felsigem Gelände eignen, wo es weder Eisenbahnen noch Straßen gibt. Das erste Armse- 'orps, das an: 24. April 1609 Konstantinopel gegen die ^alonikier Truppen verteidigte, ist nämlich aufgelöst worden, und dessen Überreste, zirka 14 000 Mann, bürden dazu bestimmt, Straßenarbeiton im Wilajet Eldrianopcl auszuführen, zur Strafe für ihre Anhänglichkeit an A b d ul Hami d. Das Korps ist dann tuf allerlei Arten neugebildet worden, mit Kontingen- !en, die bald hier, bald dort zusammengelesen wurden, ks handelt sich also um neu ausgehobene Truppen, die 'einen Zusammenhang und keine Gleichartigkeit beiden, die schlecht geübt sind ^und ihre Offiziere so ioenig kennen wie diele ihre Soldaten. Selbstverständlich hätte die mazedonische Armee ein gutes Ex- deditionsheer gegen Albanien stellen können. Aber es
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(Nachdruck verboten.)
Dom Kuerhahn.
Wenn im April die Jagd auf die langschnäbelige Waldschnepfe und ihre kleinere Verwandte, die Sumpsschnepse "der Bekassine, geschlossen ist, beginnt, bis er wieder mit der Nchse ansziehen kann zur Birsch auf den Rehbock im roten Sommerkleid, für den Jäger die „tote Zeit". Verhältnis- milbig wenigen ist cs vergönnt, im einsamen Moor, früh »m Morgen, zur Zeit, wenn Tag und Nacht sich scheiden, letzt während der Balzzeit unter dem Schutze des ihn wie eine Tarnkappe verhüllenden Schirmes aus Kiefernzweigen kein Minnesang des Birkhahns zu lauschen. Noch geringer ist die Zahl derer, die auf den Auerhahn, den königlichen Vogel, jagen dürfen, denn er gehörst zur hohen Jagd, ?um „fürstlichen Vergnügen", wie es früher hieß.
Der biedere Auerhahn ist ja bekannt, auch bei den Nichtlägern, aber nur vom Hörensagen. Nur wenige haben den Vorzug, seine Bekanntschaft zu macherr, solange er noch lcbt, denn er liebt große, ruhige Waldungen, möglichst urwüchsige Und unkultiviert, keine Forstgärten, mit schnurgeraden Baum- rcihen, ansgerichtet wie Grenadiere. Auch seine Stinrme derrät ihn bei Tage nicht, denn da ist er stumm, und wenn er »n Morgengrauen seine Balzarie anstimmt, so geschieht das io piano, das; man selbst aus kurze Entfernung die Lauscher lvrit ansmachcu muß, wenn man ihn überhaupt hören tvill. Die meisten Leute verzichten darauf und bleiben lieber in den Betten, anstatt sich in dunkler Nacht an irgend einem heimtückischen Ast ein Auge einzurennen. Aber auch mancher ftassionterte alte Jäger, der dem Urhahn mit Wonne mehr die eine Nacht opfern würde, stirbt darüber hin, ohne ihn jemals lebend gesehen, den Balzgesang gehört, geschweige denn dem Minnesänger mit sicherem Schuß den Lebens- iüdnr hLrÄLiütten. zu haben, daß er polternd von Ast zu
sprachen zwei gewichtige Gründe gegen eine solche Verwendung. Denn einmal trauen die Türken trotz aller gegenseitigen Besuche und Freundschaftsversicherungen den Bulgaren nicht so weit, als daß sie die Grenze gegen dieses Land zu sehr von Militär entblößen könnten. Und zweitens war die Regierung mit Recht der Meinung, daß sie gegen die Aufständischen in Albanien nicht gut Bataillone ins Feld schicken könne, die selbst zu einem großen Teil aus albanischen Soldaten bestehen, und bei denen daher die Gefahr zu befürchten war, daß sie am Ende zu den Rebellen übertreten würden. Auch eine Entsendung asiatischer Truppen war nicht zu empfehlen; einmal, weil diese Streitkräfte hinter den europäischen lveit zurückstehen, und dann auch, weil sie im allgemeinen als Anhänger Ab d ul Hamids gelten. So blieb denn nichts anderes übrig, als eben das 1. und 2. Armeekorps heranzuziehen. Nun sind freilich, wie man weiß. U n t e r- handlungen mit den Aufständischen im Gange. Es ist aber anzunehmen, daß jede Verständigung scheitern wird, solange die Türken auf ihrer Forderung einer Entwaffnung der Albanier bestehen. Denn diese lx>iffcn gut genug, daß, wenn sie die Waffen preisgeben, mit denen sie Abd ul Hamid so reichlich versehen hat, sie sich auf Gnade und Ungnade für immer den Türken ausliefern würden. Aber abgesehen ^>avon, sprechen gegen eine Erfüllung der türkischen Forderung auch alteingewurzelte V o l k s a n s ch a u u n g e n, nach denen ein A r n a u t ohne Waffen kein Mensch mehr ist. Im übrigen herrscht unter den beiden türkischen Führern Uneinigkeit über die Art des ^Vorgehens gegen die Albanier. Der eine möchte die Städte besetzen und fliegende Kolonnen durch das Land senden, während der andere anscheinend gar keinen Plan besitzt und lediglich gegen den ersteren ist. Alles rn allen: bleibt es eben dabei, daß Albanien für die Iüng- türken eine weit härtere Nuß bedeutet, als sie selbst zugcben wollen!
DeNlsches Deich-
* Der Kaiser und Präsident Roosovclt. Der Kaiser wird den früheren Präsidenten Roosevelt, wie jetzt verlautet. persönlich bei seiner Ankunft in Berlin auf dem Bahnhof begrüßen.
* Die goldene Halskette für Metzer Bürgermeister. Der Kaiser hat dem Bürgermeister von Metz Regierungsrat Dr. Böhmer das Recht verliehen, an Stelle der vorgeschriebenen D i e n st s ch ä r p e als Dienstabzeichen die goldene Halskette zu tragen, welche der Kaiser der Stadt Metz seinerzeit als Gnadengeschenk überwiesen hat. — Bekanntlich ist die goldene Halskette eine Auszeichnung der deutschen,Oberbürgermeister. Tie Welschlinge dürften daher über die Abschaffung der welschen Tienstschärpe und ihren Ersatz wenig Freuds empfinden.
* Der endgültigen Beschlußfassung des Bundesrats über die Schifsahrtsabgabcn stellen sich nach Zeitungsmeldungen immer neue Hindernisse entgegen. Nachdem kürzlich, wie es hieß, eine Meinungsverschiedenheit zwischen Baden und Württemberg über die Neckarkanalisation den Anlaß zur Verschiebung gegeben hatte, ist auch jetzt eine Weiterung entstanden und die Beschlußfassung wieder aus gesetzt worden. Immerhin rechnet man einstweilen darauf, daß noch vor den Sommerferien ein positives Ergebnis zustande kommt.
* Die kommenden Reichstagswahlen. Wie das „Berliner Tageblatt" hört, haben zwischen den, Vertrauensmännern der Fortschrittlichen Volkspartei und der Nationalliberalen Vorbesprechungen stattgefunden, die auf ein gemeinsames Vorgeben bei den nächsten Reichstagswahlen hinzielen. Tie Zweig-Organisationen beider Parteien sollen ersucht werden, sich möglichst schon setzt über die Kandidaturen zu einigen und sich zu diesem Zweck mit den Zentralleitungen in Verbindung zu setzen.
* Ein starkes Stück behördlicher Bcbormundungs- sucht ivird aus Aschaffen bürg mitgeteilt: ^Ter Magistrat in Aschaffenburg verlangt, daß die Geschäftsinhaber ihre Schaufensterlampen bei eintretender Dunkelheit, spätestens 7 Uhr abends, anzünden. Nun will er gegen diejenigen, die dies nicht tun, strafrechtlich Vorgehen. Die Ladenbesitzer aber sind der Ansich!, daß es jedem. einzelnen überlassen sein muß, zu beleuchten oder nicht. Gegenwärtig zünden sie (wie die „Bayr. Volksztg." mitteilt) nirgends eine Lampe an, und die Hauptstraßen der Stadt sind in tiefes Dunkel gehüllt.
* Eine merkwürdige Begründung. Bürgermeister Rautenstrauch, Oberhaupt des Landstädtchens G e n t h i n in der Provinz Sachsen, hat den Maiumzug mit folgender Begründung verboten: „Erst vor kurzem sind in einer N ach b a r st a d t bei den ,Wahldemonstrationsaufzügen aus den Häusern Töpfe, Teller, Schüsseln usw. auf die Demonstranten nach den Straßen geworfen worden, wodurch nicht nur die Demonstranten selbst, sondern auch sämtliche Fuß- und Fahriveg- passanten gefährdet worden. Ein gleiches Verhalten der hiesigen loyalen Bürgerschaft steht eventuell zu erwarten und dürfte es in Ihrem eigenen Interesse liegen und ,um Ihrer eigenen Sicherheit willen angebracht erscheinen, daß dieser Umzug nicht gestattet wird." Das ist doch endlich mal in der Reihe der Ablehnungen eine neue Nuance.
* Mtramontanc Brunncnvergistung. Der „Bayer.
Lehrerztg." wird geschrieben: Ter „Seraphische KindLr- freund" legt seinen Lesern in einem Artikel, über dem die geschmackvolle Überschrift prangt: „Von den
ungläubigen Lehrern und den Schulen ohne Gott — erlöse uns, o Herr!", eindringlich ans Herz, diese „zeitgemäße Litanei" zu beten. Es heißt dann in dem Artikel: „Gegen die drohende Gefahr der
Ast wie ein Stein aus der Luft kommt, schmerzlos und plötzlich dahingettssen aus seligstem Liebcsrausch.
Wer zum ersten Male den nächtlichen Balzgefang des Auerhahns, des königlichen Vogels, des größten ^unserer gefiederten Waldbewohner, zu hören bekommt, der ist cttvas enttäuscht: eine so schwache Stimme bei so mächtigem Körper; wenn schon das Kullern des Birkhahns in der Heide an stillem Morgen so laut klingt, tvre müßte da erst der beinahe dreimal so große Auerhahn sich anhören. Was macht dagegen der Fasanenhahn für einen, tvenn auch mißtönenden Lärni, und wie weit schallt nicht das Heulen des Ringeltaubers, ohne daß man überhaupt eine Bewegung an ihm sieht, während der balzende Auerhahn den Knebelbart sträubt und den Hals aufbläft, als ob er Platzen solle.
Von den Sonderbarkeiten dis Auerhahns ist seine Liebestollheit wohl am meisten bekannt; teilt er sie doch mit so manchem Menschen. Angeblich wäre er völlig taub und blind. Das ist aber nicht wöttlich zu nehmen. Allerdings ist es eine unendlich oft festgestcllte Tatsache, daß der während des Finales der Balzarie, beim „Schleifen" oder „Wetzen" beschossene Hahn den Fehlschuß gänzlich überhött — vorausgesetzt, daß er den Feuerstrahl nicht sah und nicht etwa von einem versprengten Schrotkorn unangenehm gekitzelt wurde.
Manchmal wirb der eine oder andere Auerhahn komplett verrückt und macht dann die tollsten Stücke. Im gläubigen Bajllvarenlande sagt das Volk, er sei „verhext", über einen verhexten Hahn in Hinterriß, dem Lieblings- revicr des verstorbenen Herzogs Ernst von Koburg, berichtete seinerzeit Wildmcister Nießner seinem fürstlichen Herrn: „Ende April, bei trübem Wetter, war der Jäger Probst mif dem Wege nach Bächenthal begriffen, wo er um früh zunächst dem Reitstcg, auf dem er sich befand, einen Auerhahn in unmittelbarer Nähe auf dem Erdboden hotte und balzend bergauf auf sich zukommen sah. Probst verhielt sich ganz ruhig und schloß selbst die Augen bis ans ein kleines, während der Hahn, sein Gefieder sträubend nnd Räder
schlagend, immer naher kam, so nahe, daß Probst während
des Schleifens dm Hahn mit raschem Sprunge am Halse erfassen konnte, ihrr iir seinen Wettermantel wickelte und ihn mit unbeschädigtem Gefieder lebend nach Hrnterriß brachte. Da Auerwild nach Ansicht des Wildmeisters sich in der Gefangenschaft nicht fottbringen lassen sollte und den armen edlen Vogel abzunickcn eine Sünde gewesen wäre, so wurde beschlossen, ihm zur Erinnerung ein paar von den Schaufel- scdcrn unter dem Stoß auszurupfen mrd ihn am Halse behufs allenfalsiger Wiedererkennung mit ein paar Schcrerr- schnitten zu zeichnen, worauf er in Freiheit gesetzt wurde. Letzteres geschah aus der Wiese vor der Wildmcisterwoh- nung; doch der Hahn strich zu aller Erstaunen nicht sofort ab, sondern puttelte sich, sträubte abwechselnd das Gefieder und suchte mit den Haushühnern Bekanntschaft zu machen, bis wir ihn endlich ausjagtcn, woraus er gegen den Roßkopf abstttch. In tiefster Ehrfurcht usw." — Der Hahn war ein alter Herr, den die Jägerei schorr einige Jahre kannte. Nach ein paar Tagen hatte der Hahn schon wieder seinen Balzplatz eingenommen. Anfang Mai hört ihn dort Förster Hochleitncr und wird sosott attackiert. Hochlcitncr wehrt ihn mit dem Bergstock ab, kommt aber an den Unrechten; von allen Seiten schlägt der Hahn mit Schnabel und Flügeln nach den dicken Waden des Försters und verfolgt ihn so eine Viertelstunde Weges. Einige Tage später ergeht es dmr Forstverwalter Reicht ebenso; taigs darauf wird ein Bauer angefallen und reißt ans, weil der Brave den leibhaftigen Teufel indem Hahn vermutet; einem Holzknecht, der in seiner Kraxen einem Jäger Lebensmittel in die Diensthütte zu bringen hat, setzt sich der Hahn aus das' zuoberst in der Kraxe aufgepackte Wcinfäßchcn und balzt. Der „narrische Seppl" wird der Hahn genannt, von dessen Taten die Kunde wie ein Lauffeuer in alle Täler dringt! Wildmeister Rießer und Jagdmaler Recknagel wollen den Hahn cinfangen, weil sie fürchten, daß er bei seinen tollen Streichen einmal von einem Almer niedergeschlagen werden könnte; Rccknagel hat die Geschichte in einem hübschen Bilde verewigt. Außerdem nahmen noch Förster Brayer und Jäger Ragg an der Ex- pcdition teil. Der Hahn balzte g'nt und die vier Jäger
