Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgaffe 21.

Tagblatt-Haus".

Schalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morg-nS bis 8 Uhr abends.

27,000 Abonnenten.

Bezugs-Preis für beide Ausgaben: 70 Psg. monatlich, M. 2. vierteljährlich durch den Berlaa L»nWas!° 21. ohne Brmgerwhm M- ».- vierteljährlich durch alle deuliche« Posiaastalten, ausschließlich Bestellgeld. L czug-.- P>cnettnngrtt nehmon außerdem entgegen: in Wiesbaden die '^weiasielle NiS- marckrmg SS, sowie me 1l2 Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: di- dortiaen 82 Ä>,s- gaveftcllcn und in den benachbarrev Landvrten und ,m Rheinaau die betreffenden Tagblatt-Träger

Anzeigru-Annahmc: Für die Abend-Aurgabe bis ls llhr mittags; für die Morgen-Ausgabe bis 8 Uhr nachmittags

2 Tngesansgaben.

Fcrnfprecher-Rufr

Tagblatt-Haus" Nr. «650-53. Don 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Sonntags von IO11 Uhr vormittags.

Reklamen- Ganze, kalbe, brittct und viertel" Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Rabatt.

Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen.

Nr. Ol.

Morgen - Kusgabe.

_ _ 1. Wkcrtt.

§tür Mcri itnö Zrrnr

auf Var

Wiesbadener Cagblatt"

zu abonniere:,, findet sich Gelegenheit

tu» NerlagTugdlatt-Saus" Fanggaffc 31, i,r der Zweigstelle Kioninr-rl-ri-rg 26, in den Ausgabestellen der- Ztadt und Nachbarorte, und bei sämtlichen deutschen Neichspostanstaltrn.

Neu hilizutretende Abonnenten erdalten dasWiesbadener Tagblatt" bis zum ;. Mai gratis.

Ksl lil fdj e Ader sich t

@i«c srnÄr-rrrJirchr Marrrrrng twv einem M-rffeNKttsstanÄ

int preußischen Wahlrechtskampf richtet nun auch Eduard Bernstein an seine Parteigenossen Er schretvt m der soeben Lusgegebenen Nr. 8 derSozialistischen Monatshefte gegeniiber dem Vorschlag, einen Blassen- ousstaiid zu versuchen, es seienaus den v er sch re­den st eir Parteiregio neu so viele ab - lehnende Antworten' erteilt lvorden, daß inan den Vorschlag als für den Augenblick erledigt ansehen könnte. Bernstein untersucht aber trotzdem die Mög­lichkeit eines Massenausstandes für Deutschland Datei bebt er hervor: Tie Erfahrungen aller Länder, in

ücrtctx bijbl)cr b?x |)oIittjct)cötreif in SluVDsnbunn ßc- bracht wurde, haben eines als nicht mehr abzu- ^.ersende Folgerung ergeben: Der politische

ciii ii c 11 iu,_ loo er 30>üitn üuSiibcn foil, nur 618 düfe er ft.es Mittel in Betracht zu ziehen und ist stets ein zwerschnerdlges Schwert. Nur in einer Minderheit oer Fälle hat er sich bisher als anwendbar nur in gpnz verein-,eiten Fällen als Erfolg bringend erwiesen. Und unter diesen vereinzelten Fällen wieder­um ist noch rem einziger, wo ein politischer Massenstreik Erfolg gehabt hätte, der von der Partei der Ar­beiter allein ausging und sich gegen die konservativen, sowre gegen die Uberalen Parteien des Bürgertuins sanrt der Zentraft-egierung gleichmäßig richtete. - - Einen MassenauSstaiid ohne Zusammenstoß mit der bewaffneten Macht hält Bernstein für ausgeschlossen. Er schreibt:Man kailii es offen aussprechen, daß'

wenn viele Hunderttausende streiken und anders ist solcher Streik gerade in Deutschland nicht möglich fie auf die Tauer -licht still zu Hause öle i b e n Sie werden, sie k o n n e n es nicht ruhig mit ansehen, daß lreiwillige ^ oder kominandierte H i l f s m a n n s ch a f- ten alle die Arbeiten verrichten, die die Wirkungskraft der Opfer, die sie sich ailferlegen, wieder aufhcben oder abschwächen. Sie würden durch die Logik der

Frmiietorr.

Aus Mark ütößfüs Lebeu-

Wie Samuel ClemensMark Twain" wurde.

Im Jahre 1861 hatte Samuel Langhorne Clemens das Ziel seiner Sehnsucht erreicht, dem er zehn Jahre lang nach- grstrebt: er fuhr als Lotse auf dem Mississippi und dachte vl dem abenteuerrcichen Leben nicht daran, daß er diesen seinen Licblingsheruf bald werde aufgeben müssen, um sich einen neuen Erwerb zu suchen, der ihn zu Reichtum, Ehren, ia Weltruhm führen sollte. Da brach der Sezessionskrieg »us und zerstörte den Mississippihandel. Mark Twain war brotlos und hielt diesen Umstand, der ihn zur Literatlir sichren sollte, für das größte Unglück seines Lebens. Da Urals kam er aus den Gedanken, eine lustige Geschichte, die er öfters erzählt hatte, niedcrzuschreiben; sie erschien ihm rlbsi recht flach und platt, aber ein Freund drängte ihn, h zu veröffentlichen, und so entstand sein berühmter Erst- l'mgDer Springfrosch von Calaveras County". Er war selbst am meisten davon überrascht, daß sie so gut gefiel. Ein wildes Wanderleben durch Nevada u,ld Kalifornien >uit all den Wechselsallen des Lebens im wilden Westen, mit den aufregenden Spannungen der vergeblichen Suche «ach Gow folgten; der so glücklich eingesührte Schriftsteller bergaß seinen ersten Versuch und lernte das Dasein recht don derrauhen Seite" kennen, wie er es später in »llouxkinx it" geschildert hat. Sein beständiges Mißgeschick aber trieb ihn schließlich wieder zu.r Literatur zurück; er schrieb kleine Skizzen für ein LokalblattEnterprise" das in Virginia City erschien. Aber seine Sachen wurden'nicht i-nmer angenommen. Als er einmal ein paar kleine Ge­schichten an den Herausgeber einer anderen Zeitung schickte Und anfragte, ob er das brauchen könnte, erhielt er seine

Wiesbaden, Dienstag, SS. April ISIS.

D i u g e gezw u n gen werden, für . dasStillstehen aller Räder" eventuell Gewaltmittel zu ver­suchen. Und das heißt dann in der einen oder anderen Weise Zusammenstöße mit der bewaffneten Macht. Ohne solche ist ein politischer Massenstreik, der die Re­gierenden zur Bewilligung von Forderungen zwingen soll, die sie und die hinter ihnen stehende bürgerliche Mehrheit entschlossen sind, nicht zu bewilligen, fast un­denkbar." Obgleich Bernsteilt die Ansicht vertritt, daßwir zurzeit in Preußen an einem Punkt der Ent­wicklung angelangt sind, wo ein Zusamnrenstoß zwischen Volk und bewaffneter Macht angefangen hat. auch^ für die Vertreter der letzteren eine zweifelhafte Sache zu werden", warnt er^ eindringlichst vor dem Massen» ausstand und sagt: spiel, politisches Glücks­spiel und nichts anderes wäre der zu Zusammen­stößen treibende Massenstreik. Bei ihm hieß cs:Ya banque": entweder alles oder nichts. Alles: denn als Sieger würden die Arbeiter unter diesen Um­ständen sich nicht mit der bloßen Wahlreform be- genügen; nichts: denir als Besiegte würden sie mehr über sich ergehen lassen müssen als bloß die Ver­weigerung des allgemeinen Wahl­rechts für Preußen. Und darauf es ankommcn zu lassen, liegt wahrhaftig keiir Grund vor, wo die deut­sche Arbeiterbewegung auf den: bisher von ihr beob­achteten Weg vielleicht langsam, aber stetig und sicher Schritt für Schritt vorwärts gekommen ist.

Deutsch es Deich.

* Ein regelmäßiger Aufenthalt des Kronprinzen in der Ostmark? In sonst glit unterrichteten militärischen Kreisen Berlins erhält sich derR.-W. Z." zufolge mit großer Bestimmtheit die Nachricht, daß der Kronprinz nach seiner bevorstehenden Beförderung einen Teil des Jahres seine Residenz im neuen schlosse zu Posen aufschlagen wird. Tie Ankündigung hiervon solle am 14. Juni, am 660jährigen Jahrestage der Schlacht von Tannenberg, erfolgen. Ähnliche Meldungen, sind schon wiederholt durch die Presse ge­gangen, ohne daß sie sich bisher bewahrheitet haben.

«kr. Ein Briefwechsel mit dem Staatssekretär von Schoen. Von einem interessanten Briefwechsel mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Schoen wurde in der letzten Sitzung der Plauener Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes Mitteilung gemacht. Ein Mitglied des Verbandes Dr. Petzoldt hatte eine Nummer derNeuen Vogtl. Zeitung", in der die Rede des Neichstagsabgeordneten Dr. Stresemann über Adel ikird Bürgertum in der Diplomatie" wiederge- gcben war, unter Kreuzband und mit seiner Visiten­karte an den Staatssekretär gesandt. Tie Drucksache kaiii aber samt Kreuzband und Karte in verschlossene»! Umschlag ohne jedes Begleitschreiben wieder zurück. Darauf richtete Dr. Petzoldt an den Staatssekretär fol­gendes Schreiben:Für die Zurücksendung derNeuen Vogtländischen Zeitung" mit dem AufsatzeAdel und Bürgertum in der Diplomatie" sage ich ergebensten

Sachen zurück mit der Antwort:Nein, wir brauchen so etwas", und in dem Brief war eine Erzählung von Washington Irving eingeschlagen. Aber allmählich setzte er sich doch mit seiner originellen Manier durch, bis dann die ganz großen Erfolge kamen.Die Naiven aus der Reise", die köstlichen Schilderungen, die 1869 erschienen, machten ihn mit einem Schlage zum Liebling des Publi­kums und zu einem der bekanntesten Dichter.

Wie Mark Twain freite.

Im Jahre 1870, kurz nach seinem ersten großenlite­rarischen Treffer", zog Mark Twain denHaupttreffer" seines Lebens: er heiratete. Es war in derQuäkcrstadt" Philadelphia, wo er zum ersten Mal seiner zukünftigen Frau Olivia L. Langdon begegnete. Die beiden waren rasch miteinander einig, aber die Einwilligung des zukünf­tigen Schwiegervaters fehlte noch. Auf eigenartige Weise trug Mark Twain seine Werbung vor.Mr. Langdon", sagte er mitten in einem angeregten Gespräch plötzlich in feiner langsamen, schleppenden Sprechweise,haben Sie nicht irgend etwas Besonderes zwischen Ihrer Tochter und niir bemerkt?"Nein", antwortete Langdon erstaunt. Nun wohl", entgcgncte der Freier nachdrücklich,dann halten Sie mal jetzt Ihre Augen hübsch offen und Sie werden was merken." Die Heirat fand denn auch bald darauf statt, und der Schwiegervater schenkte dem jungen Paar ein hübsches Haus. Mark Twains Antwort bestand darin, daß er den Schwiegervater benachrichtigte, er dürfe jetzt auch zu jeder Zeit zu ihm kommen und sogar bei ihm übernachten . . . Von diesem seinem ersten Heim aus sah der glückliche Ehegatte eines Morgens nach dem Hause gegenüber und er sah etwas, das ihn veranlaßtc, eilig auf­zustehen und den auf der Veranda beinr Frühstück ver­sammelten Nachbarn folgende berühmt gewordene Rede zu halten:Mein Name ist Clemens. Meine Frau und ich haben bereits seit längerem die Absicht gehabt, uns Ihnen

E8. Jahrgang.

Dank. Bin ich doch dadurch in die Lage versetzt, die Zeitung als A n Iw o r t Euerer Exzellenz unter poli­tisch Dcirkenden kreisen zu lassen. Eurer Exzellenz er­gebener (Unterschrift)." Ter Reichstagsabgeordnete Dr. Stresemann, dem von der Angelegenheit Kennt­nis gegeben wurde, schrieb an Dr. Petzoldt zurück:Herr v. Schoen wird nach Erhalt Ihrer ebenso höflichen als deutlichen Zeilen sicherlich sehr bedauert haben, sich drirch sein ih-n wohl erhaben dünkendes Verfahren nur eine neue Blöße gegeben zu haben, anstatt durch eine sachliche verständige Aufnahme berechtigter Kritik den Willen zur Besserung bestehender Mißstände zu dokumentieren." Eine Antwort des Herrn Staats­sekretärs ans das letzte Schreiben des Herrn Dr. Petzoldt ist noch nicht eingegangen.

* Der Reichskanzler auf der Auerhahnbalz. Wie aus Rudolstadt gemeldet wird, traf dort der Reichs- k a n z l e r am Freitag als Gast des Fürsteir Hohenlohe zur Auerhahnbalz im Schwa rzatal ein.

* DieEinigkeit" der Liberalen. Wie demHann. Courier" zufolge verlautet, werden die Nationallibe­ralen in Jauer-Bolkenhain und in Usedom-Wolliu keine eigene Kandidaten zur Reichstagsersatzwahl auf­stellen. Beide Kreise waren bisher freisinnig vertreten durch die verstorbenen Dr. Hermes und Dr, Delbrück.

* Ein nichtultramontaner Professor, der sich so be­zeichnet, sucht in München durch die Zeitung Privat­stunden. Tie Zentrumspresse meint, die Berufung auf die nichtklerikale Gesinnung sei eine reizende Er­scheinung, und sie hat damit recht, wenn sie meint, daß es zum Nachdenken reizt, wenn in Bayern heutzutage noch jemand durch Berufung auf seine nichtultramon­tane Gesinnung vorwärtszukommen hofft.

* Ein Arzt an die Spitze der Mcdizinalabteilung! Zu dem nach den jüngsten Äußerungen des Kultus­ministers als sicher geltenden Übergang der Medizinal- abtcilung ans das Ministerium des Innern nimmt der frühere Vortragende Rat der Medizinalabteilung, Geh. Obermedizinalrat Dr. Pistor. in derTisch. Vierteljahr- schrift für öffentliche Gesundheitspflege" das Wort: Er erinnert daber an seine früheren Veröffentlichungen zur Medizinalreform und die Eingabe, die er schon 1872 an den damaligen Kultusminister Falk gerichtet hat. Auch er hat stets betont, daß die Medizinal- abteilung zutn Ministerium des Innern gehöre, zu­gleich aber verlangt, daß ein M e d i z i n e r an ihrer Spitze stehe. Dabei erinnert er an Friedrich den Großen, der die Besetzung der Stelle durch einen Nicht­fachmann ablehnte. Später jedoch habe inan von neuem Juristen an die Spitze gestellt, aber die Forderung, daß ein Mediziner hierher gehöre, werde nicht mehr verstummen. An einigen Beispielen aus der letzten Zeit sucht Pistor zu erweisen, daß ein Jurist nicht in der Lage sei, die fachkundige Verantwortung für mancherlei Verfügungen zu übernehmen.

* Lehrstühle für Genossenschaftswesen. Ter Zen- lrumsabgeordnete Graf v. Spee hat mit Unterstützung von Abgeordneten verschiedener Parteien im Abge-

vorzustellen und.Ihre werte Bekanntschaft zu machen. Wir bitten Sie hierdurch um Verzeihung, daß das bis jetzt noch nicht geschehen ist. Nehmen Sie es mir auch bitte nicht übet, daß ich zu dieser frühen Tageszeit und in so formloser Manier bei Ihnen eindringe, aber Ihr Haus brennt!"

Mark Twain zu Hanse.

Mark Twains schönster Aufenthaltsort ist stets sein Heim gewesen, das ihm seine Frau und seine Kinder mit einenc sriedevollen Glück erfüllten. Er bezeichnete es als den schwersten Schlag seines Lebens, als seine Gattin starb. Bevor er sich vor etwa 4 oder 5 Jahren in der wundervollen Umgebung von Redding seine schöne, im Renaissancestil ge­haltene VillaStornrfield" erbaute, wohnte er lange Zeit in einem schlichten Häuschen miitcn in den Adirondackbcrgen im Norden des Staates New Nork. Fast unzugänglich für jeden Besucher, in schöner Einsamkeit, umrahmt von Bergen und Seen, brachte er seine Tage mit Bootsahrten, mit langen Spaziergängen und eifriger Arbeit zu. Nicht weit von dem Häuschen hatte er sich an einem schattigen Fleck ein kleines Zelt erbaut, in dem nur ein einziger Stuhl und ein Tisch standen. Punkt 10 Uhr war er hier jeden Morgen zur Stelle und begann zu schreiben, 7 Stunden lang, wobei er durch­schnittlich 1800 Worte, wenn die Feder rasch lies, auch "500 bis 3000 Worte zu Papier brachte. Damals bekam er frei» üch für das Wort noch nicht 30 Cents (1,25 M.), obgleich er auch schon glänzend bezahlt wurde.Stormfield" sollte die Stätte seiner idyllischen Muße werden. Den Bau überließ er dem Architekten und seiner Tochter.Wenn das Haus fertig ist und die Katze ans dem Teppich vor dem Kamin schnurrt, dann werde ich's mir anschauen."Ich habe alles Zutrauen zu dem Geschmack der anderen, aber gar keins zu meinem eigenen. Meine Einmischung würde nur Konfusion herbeiführen. Ich verlange bloß drei Dinge: ein Zimmer für mich, das ruhig sein muß, ein Billardzimmer, groß genug, daß man mit den Queues keine Löcher in die Wände