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TOtzblalt-Hilss" Wt. BtiiO-53. Bon 8 Ul)t morgmS in? 8 ühr «btttM. Sonntags Bon 10U Uhr vormittags.

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Anzeiqen.Preis für die Zeile: Pfg. für lokale Anzeigen im ^Arbeirsmarkt" undKleiner Anzeiger­in einheitlicher Satzform: 2i)Pfg. in davon abweichender Satzausführuna, sowie für alle übrigen lokalen Anzeigen; 30 Pfg.' für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Mk. für lokale Reklamen; 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung.

gadesteüen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

anseiafn-annoBine: Für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags: für die Morgen-Ausgabe bis s Uhr nachmittags.

Für die Aninadme von An,eigen an vorgeichriebenen Tagen wirb keine Gewähr übernommen.

Nr. 149.

Wiesbaden, Freitag, 1. April 1910.

S8. Jahrgang.

Morgen - KuZ-gabe.

Blatt.

1.

WleWr KMer um UrchDr Klengel.

Geheimrat Professor Joseph Köhler, gegenwärtig Dekan der suristischen Fakultät der Berliner Universität, schreibt in seinem soeben in derZeitschrift für Völker­recht und Bundesstaatsrecht" an leitender Stelle er­schienenen Artikel:Die Friedensbewegung

und das Völkerrecht" über die letzte Schrift des Münchener Professors von Stengel:

Sie bringt nichts, was irgendwie ein bisher unbekanntes Problem in die Frage einwerfen oder die Sache von einer neuen Seite beleuchten könnte. Ganz verfehlt sind die Ausführungen über die S o u - b e r ä n i t ä t ; da nn daß die Freiheit sich mit Gesetzmäßigkeit verträgt, gilt im Völkerleüen ebenso wie im Leben des ein­zelnen: ebenso wie der einzelne sich durch eine Menge von Verträgen bindet und jede Verpflichtung eine Bezähmung seiner Willkür ist, ebenso beruht unser ganzes Völkerrecht darauf, daß die Staaten durch Verpflichtungen von dem regellosen Belieben abgehen und sich eine ge­wisse Norm des Daseins vorzeichnen.

Das ist Me Perspektive für die Zu­kunft, und auf solche Weise werden sich die Streitpunkte immer mehr verringern und schon die bloße Möglichkeit des Krieges sich meh>r und mehr einengen.

Ebenso wie der einzelne neben seiner in­dividuellen Statur den sozialen Trieb hat, der ihn an die Gemeinschaft heftet, ebenso gaben die Staaten neben ihrer Jn- dibiduaülät das soziale Streben, znsam- menzutreten. Verbände zu bilden und dre großen Probleme des Lebens mit ver­bünde n e n Kräften zu lösen.

Die Behauptung aber, daß wir damit die berechtigten Sonderheiten der einzel­nen Stämme einfach beseitigten, bedarf keiner Widerlegung. Es sind das die­selben irrigen Gedankengänge wie die­jenigen, welche seinerzeit die Widerstäiide gegen die Gründung des Deutschen Reiches gezeitigt haben, als man sich mrt der Be­fürchtung trug, daß die selbständige Ent­wicklung der deutschen Einzelstämme einer einförmigen Schablone aufgeopfect würde.

Ebenso unrichtig sind Behauptungen wie die, daß wir Gegner der Kolon.al- politik sein müßten: denn gerade, daß wir

Mordinstrumentenindustrie nicht gedeihen würde, ist richtig: allein für diese Industrie ist die Welt ebenso- wenig geschaffen wie etwa für die Industrie der Guillotinen, zu deren Förderung man die Todesstrafe gewiß nicht aufrechterhalten wird, wenn man Gründe findet, sie abzuschaffen. Und daß die Kriege vielfach Stoff zu poetischen Gestaltungen boten, kann uns ebenso- wenig rühren, wie daß andere Äußerungen des Völker­lebens. über Me. wir längst hinausgewachsen sind, seinerzeit die Poesie entzündet und belebt, haben: man denke nur an die Cidromanzen und an Mt. Blut­racheverherrlichung in der arabischen Poesie. Daß

wenn aber

An unsere Leser!

Wir macken hierdurch die ergebene Mitteilung, daß vom 1. April I. J. ab der

m Begugeptels öes m Wiesbadener Cagblatts

sick für die 2 Cages-Aissgafoen wie folgt berechnet:

70 Pfg. für öers COonot,

2 CT)h, für das Vierteljahr.

Der Bringeriobn, wie die Gebühren der Ausgabestellen und der post bleiben dieselben wie bisher.

Dis geringe Preisveränderung rechtfertigt sick wohl allein sckon durck die llatsacke, daß der jetzige Vezugspreis des Wiesbadener Taghlatts vor mehr als 25 Jahren eingeführt worden ist und bis heute besteht, obgleick in der Zwischenzeit, abgesehen von dem gewaltigen Umschwung aller wirtschaftlichen Verhältnisse, das Wiesbadener tagblatt durch Einrichtung von

2 Cages-Ausgaben

(einer (Dörgen- unö einer ftbenÖ-Aasgabe)

zu einer den Leser auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens eingehend und rasch unterrichtenden

für die Probleme der Wissenschaft und Technik jeden Augenblick Menschenleben aufs Spiel setzt und die Men» schenkraft in der Arbeit bis zum äußersten anspannt, verdient nicht den Barwurf der Weichlichkeit, was man doch eigentlich mit Feminismus bezeichnen will.

Eine, zweite Bemerkung ist die: Ich bedauere aus politischen Gründen, daß derartige Schriften jetzt von seiten Deutschlands an die Öffentlichkeit kom­men. Wenn ein Holländer oder Belgier dem Krieg eine Verteidigungsschrift widmet, so hat dies keine politische Bedeutung und kann einfach unberücksichtigt bleiben:

deutsche setzt, zur Zeit solcher politischen Spannungen, derartiges äußern, so kann es uns schweren Schaden bringen. Solche Ausführungen haben mehr als alles andere zu dem A r g w o h n beigetragen, unter dem wir, wie ich mich persönlich über­zeugt habe, bei anderen Völkern leiden. Als ob unsere Friedensliebe nicht ernsthaft wäre und wir es nur darauf ablegten, andere Nationen mit übermächtiger Mili­tärkraft anzugreifen und zu über­winden. Solche Redewendungen wie die, daß wir von Feinden umgeben seien, richten­sich selbst: wir sind von zivilisierten Völkern umgeben, von denen keines den «Krieg will, und wir wollen ihn auch selbst nicht. Darum ist es im höchsten Grade unpolitisch, heutzutage das Element nationaler Willkür gegenüber' dem Grund­satz völkerrechtlicher Bindung als das Ideal politischer Bestrebung hinzustellen. Das Ausland wird sich darauf berufen, es wird Deutschland als den Staat erklären, der sich der Völkergemeinschaft nicht fügen will, es wird jene Antipathien verstärken, unter denen wir leiden. Dasoderint dum metuant" (mögen sie mich hassen, wenn sie mich nur fürchten) ist ein falscher Grundsatz der Politik: mit dieser Lebens­regel hat man Mißtrauen und Argwohn gesät und jene eigenartige Nervosität gegen Deutschland erweckt, die ich selbst in Eng­land und die Professor Manes sogar in den australischen Kolonien hat beobachten können.

Im Gegensatz dazu sind es die deutschen Friedensbestrebungen, die in hervorragen­dem Maße dazu beitragen können Der­st immungen zu hebe n und jene E i n- kracht der Nationen zu fördern, welche aus internationalen Kongressen schon sg erfreuliche Ergebnisse gezeitigt hat."

grotzen TlagSs-ZSitung

Völker niederer Stufe uns und unserer Bildung anzunähern suchen, tsl ein Ele­ment in unseren Bestrebungen, die dabin abzielen, zu einer gemeinschaft­lichen menschlichen Kultur zu gelangen und dadurch den einheitlichen Gang der Völkereniwicklung zu beschteunr- geu.

Tie Furcht vor der mongolischen Invasion können wir 'auf sich be­ruhen lassen. Gerade der Zusammen­schluß der nichtmongolischen Völker würde einen derartigen Angriff von selbst un­möglich machen. Im übrigen können wir den Mongolen nur die Selbstentwicklung auf ihrem Gebiete gönnen, haben wir doch selbst Außerordentliches hierdurch ge­wonnen: denn durch die Eröffnung

Japans vor 40 Jahren sind uns unendlich viele geistige und wirtschaftliche Schätze zugekommen.

Wer immer die Geschichte in großen Zügen auffatzt, mer erkennt, wie die Blutracheidee zugunsten einer höheren Kultur erloschen ist, und wer weiter in Betracht zieht, wie seit den letzten hundert Jahren sick, ^er Gedanke der Völker v e r a n t w o r t l i ch k e i t in bezug auf die Kriege gesteigert und wie die Idee, daß nur bei den schwersten Konflikten und in unausbleib­liche:: Fällen eine Kriegserklärung gerechtfertigt sei. immer größeren Umfang angenommen hat, und wer endlich die ungeheure Entwicklung der zwischen­staatlichen Vereinbarungen und des Schiedsgerichiswesens in den lebten Jahr­zehnten verfolgt, der kann das Charakterbild der Zu- kunsi nicht mehr verkennen, wenn auck' seine ktnzelbeiien sich noch in einen tiefen Schleier hüllen.

Jede Verherrlichung des Krieges aber können tvtr kellerte lasten. Daß ahne Kriea die Kanonen- und

umgewandelt und öementfprecöenö textlich um ein Vielfaches vermehrt und erweitert wurde.

Unsere zahlreichen Leser und Sreunöe in Stadt und Land bitten wir auck kür die Zukunft um ihr Wohlwollen. Wir rden unsere vornehmste Aufgabe stets darin erblicken, dieses

w

Wohlwollen zu verdienen und zu mehren, hauptfäcklick durck die pflege der allseits anerkannten Vorzüge des Wiesbadener Dagblatts, die es im Laufe der Jahre zu einer nicht nur hier von löaus zu löaus, von Samilie zu Samilie verbreiteten, sondern auch auswärts, insbesondere in der Umgegend, viel­gelesenen und beliebten Geltung werden ließen.

Oer Verlag des Wiesbadener Cagblatts.

Kampf und Not die Menschen vielfach erheben, ist -sichtig, aber das kann uns ebensowenig bewegen, ver­altete Einrichtungen beizubehalten, wie der^Umst.md, daß üer Blutrachegedanke seinerzeit das Fam-lientebeu idealisiert und es von dem Materialismus des Daseins befreit hat.

Noch zwei Bemerkungen seien beigefügt: Es ist von jeher Übung gewesen, wo man mit Argumenten nicht durchlangen kann, den Charakter anzugreifen. Darüber ist in wissenschaftlichen Arbeiten zu schweigen. Wenn man aber allgemein den Vertretern der Friedens­bewegung Feminismus vorwirst, so möchte ich n ck,t schweigen, sondern ernsthaft dagegen Front machen. Der Vorwurf ist ebenso unbegründet, wie wenn etwa Me Oberbayern uns ein weibisches Wesen ansingen wollten, weil wir keine Freude daran haben, uns alle Sonntage herumzurausen. Die männliche Lebens­kraft äußert sich in anderen Dingen als in den Be­tätigungen körperlichen Streites. Eine Zeit, welche

}m Frieden nutet den MW»

Unter diesem Titel hat Senatspräsident Schmölder-Hamm eine Broschüre (bei Georg:, Bonn, Preis 60 Pf.) erscheinen lassen, die sehr beachtenswert ist. Sie be­handelt unter Beibringung eines sehr reich­lichen Materials das Problem, welches über d:e Tagesjragen hinaus ohne Zweifel das bedeutsamste unserer Zeit ist. Jeden ern­sten Beitrag zu dieser Frage kann man nur mit Genugtuung begrüßen. Eme be­friedigende Lösung des Problems ist nur dann zu erhoffen, wenn recht viele ernst­hafte Männer auf beiden «eiten sich damit beschäftigen und immer weitere «Kreise in den Bann ihrer Gedanken und Bestrebun­gen ziehen.

Unser innerpolitisches Leben steht noch immer voll und ganz unter dem nachwir- kenden Druck der K u l t u r k a m p f z e i t. Statt, daß Katholiken und Protestanten auf allen Gebieten bürgerlichen Lebens zusam­men arbeiten, wie es die Verhältnisse in Deutsch­land nun einmal erforderlich machen, stehen sich die bei­den Konfessionen wie zwei feindliche Heerlager gegen­über. verschanzen sich ein jeder in seiner Festung und Wacken mit Luchsaugen über das gegenseitige Treibe« und Handeln. Dieser Kriegszustand ist für beide Teile nicht minder wie für unser gesamtes nationales Leben von größtem Nachteil. Es ist daher durchaus wünschens­wert daß dieser Zustand ein Ende nehme. Wie Schmöl- ßer mit Recht sagt, hat dieser Zustand heute keine Berechtigung mehr, er ist anachronistisch. Die Bedingungen für die Einkehr des Friedens unter den Konzessionen sind gegeben. Ter Kulturkampf ist schon seit mehr als 20 Jahren beendigt. Die Regierung wie die Mehrheit der evangelischen Bevölkerung ist zu der Einsicht gelangt, daß der Kulturkampf ein gänzlich ver­fehltes Beginnen war. Es ist wieder ein modus vivendi zwischen Staat und Kirche geschaffen lvorden^