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Nr. #650-58.

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sowie die >A AuSzad,stellen in allen Teile» der Stadt; in Biebrich! die dortigen SS Au! nnd in den benachbarten Land-rten und im Rhein,«» die betreffenden r-gdl«tt. Träger.

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B-i wiederholter Aufnahme unvsrÄldrrter Anzeigen »n

Für die Aufnahmr von Anzeigen an den vovtzeichriebenen Tagen wird keine gewähr übernsmmen.

Nr»zerge».?'.ntta^Me: Für die Abenv-AuSgabe bis 12 Uhr mittag?: iür die Morgen-AuSqabe bis 3 Uhr nackmiltagS.

Nr. 147 .

Morgen - Ausgabe.

1. ^ait. _

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Flerkag des Wiesvadener §agötatts.

§rr Wiederaufnahme des Essener Weineldsprazesses.

Bon informierter Seite wird uns geschrieben: Wie schon mirgeteilt worden ist, hat das Oberlandesgericht in Hamm die Wiederaufnahme des Prozesses gegen Schröder und Genossen angeordnet. Im Jahre 1595 lourden die Genannten wegen wissentlichen Meineids vom Schwurgericht in Essen zu mehrjährigem Zucht- haus. der jüngste der Angeklagten, Thiel, wegen fahr­lässigen Meineids zu sechs Monaten Gefängnis verur­teilt. Tie beschworene Behauptung lautete: in einer Versammlung in Baukau bei Herne habe^der Gendarm Munter den Bergarbeiterführer Ludwig Schröder wäh- reiw einer Paine von hinten zu Boden ge­stehe n. Munter beschwor, Schröder nicht berührt zu haben, und eine kleine Zahl von Belastungszeugen be­kundete. eine Berühruiig Schröders durch Munter nicht gesehen zu haben: sie hätten aber, so fügten diese Zeugen hinzu, ein Hinwerfen Schröders durch Munter sehen müssen, menn es stattgefunden hatte. Munter selbst i.utte diese Zeugen unter den Versammlungsteilnehmern zusammengesucht. Es ist an sich nicht auffallend, sondern ilur ncuarilch, daß sich unter den vielleicht 200 Besuchern etwa zehn fanden, die den Vorgang nicht wahrgeuoni- jsien halten. Bedeutend größer war die Zahl der Ent­lastungszeugen, die die Aussage Schröders und seiner Mitangeklagten positiv bestätigten. Tas Urteil wm wolsi durch ein Zusammentreffen mehrerer unglück­licher Umstände zustande. Ter Hauptverteidiger Nie­meyer wurde vom Gerichtshof nicht zugelassen, Werl er »»gleich als Zeuge benannt war. und sein Ersatzmann kannte die Sache nur ungenügend: ein Gerichtsurteil, das den Sachverhalt im Sinne Münters als erwiesen hinstell'- £am zur Verlesung und mag die Geschwore­nen beeinflußt haben. Jedenfalls erregte das Urteil seinerzeit enormes Aufsehen und rrcf lebhafte Bedenken hervor. In Bochum äußerte kurz nachher m einer großen Versammlung M. v. Egidy:An die Schuld von Swröder und Genossen glaubt mit Aus' nähme der Essener Geschworenen niemand. Eine

Feuilleton.

MeneUK II. iinö sein Reich.

Don H. Singer.

Nach 1907 schrieb W. Hentze in seinem lesenswerten «such Wer Abessinien:Trotz seiner 63 Jahre ist Kaiser Menelik ein rüstiger, kerngesunder Mann, dessen Haupibe- swäsiic-ung die Arbeit ist." Nun aber ringt er mit dem Tod. Ein höchst interessanter, kraftvoller afrikanischer Herr­scher scheidet vorzeitig aus dem Leben, der seinem Reist, ehre geachtet« Stellung errungen hat, zu dem fast alle euro­päisch :n Staaten. darunter bekanntlich auch das Deutsche cijd'c;? freundschaftliche Beziehungen gesucht haben. Lebn-Saang und Lebenswerk des abessinischen Kaisers seien im folgenden kurz skizziert.

ch.ur Zeit der Geburt Menclrks, 1844. zerfiel das heutige eigentliche Abessinien in eine Reihe grösserer und kleinerer FÜrsonstitNe,. die sich fast ständig befehdeten und häufig von dvnurischen Wirren geschwächt und zerrissen wurden. Zu ihnm gehörte das im Süden liegende Königreich Schon, Keffer Herrscherfamilie ihren Ursprung von dem Sohn Salomos mit der Königin von Saba ableitete. Jener an­gebliche Gründer der Schon. Dynastie hieß Menelik und war der Erste seines Stammes. Nach dem Tode des Königs §aheüi Selccssic entstand ein Krieg zwischen seinen ältesten Söhnen Sessu-Mangascha und AM Melekott um die Thron­folge. und in ihn griff schließlich auch der bekannte Theodorus ein, der inzwischen Herrscher von Tigre und Ambara geworden war und nun auch Obcrherr von Schoa wurde. Mclekotts Sohn Menelik. der spätere Kaiser, wurde als Knabe Theodorus' Gefangener und mutzte 11 Jahre lang seinem Stammlande fernbleiben, bis er IMS mit Erlaubnis Theodorus' als dessen Da fall den Thron von rIchoa besdeigen durfte. Die Macht Theodorus' war damals bereits im Sinken, auch drohte ihm ein Konflikt mit Eng­end. Kaum Mlte sich daher der ümae Menelik seiner

Wiesbaden, Donnerstag. 8 ». März LNLS.

Sammlung für die Familien der Verurteilten ergab un­gefähr 58 000 Mark: die Mehrzahl der Spender mögen Sozialdemokraten gewesen sein, die Haupisummen aber kamen von bürgerlichen Gebern.

Uber das Zustandekommen des Wiederaufnahmebe- fchlusses erfahren toir: Zwei Zeugen haben sich nach­träglich gemeldet, die beide der fraglichen Versammlung beigewohnt haben und kurz darauf ausgewandert sind. Ter eine, Nikolaus Vinandi, ging ^nach Österreich, der andere, Jakob Schneider, nach der Schweiz. Ihre Dar­stellungen machten einen so starken Eindruck, den ihre mündliche Vernehmung noch bestätigte und befestigte, daß das Oberlandesgericht nicht mehr umhin zu können glaubte, nunmehr dem (früher wiederholt abgelehnten) Antrag auf Wiederaufnahme stattzugehen. Zu bemer­ken ist. daß n i e eine Ve r b i n d u n g zwischen den der­ben neuen Zeugen bestanden hat.

Nun ist die Meldung oder Benennung werterer Zeugen für Behauptungen, die den Gegenstand der An­klage gebildet haben, an sich allerdings weder eineneue Tatsache" nochein neues Beweismittel" im Sinne res 8 399 Abs. 6 der Strafprozessordnung. Sie kann ober entscheidende Bedeutung gewinnen durch Verbiu- funa mit anderen Umständen, die die Schuld der Ange­klagten zweifelhaft zu machen geeignet sind. Tazu ge­hört namentlich Unglaubwürdigkeit der Belastungs­zeugen. Nimmt man an, daß die Aussagen jener Zeugen, die lediglich den Vorgang nicht beobachtet haben, eigentlich ziemlich nebensächlich sind, so bleibt als Hauptbelastungszeuge der ehemalige Gendarm Munter selbst übrrg. Von diesem Munter ist in einem Prozeß vor der Cölner Strafkammer festgestellt worden, daß er sich Von einem Herrn Küpper in Bochum 50 Mark zu verschaffen gewußt hatte als Belohnung für die angeblich ihm zu dankende Wiederbeschaffung eines ge­stohlenen Pferdes. Tatsächlich hatte er nur das von einem andern ermittelte Pferd aus dem Stall eines Ge­meindevorstehers. bei dem es untergestellt worden war, obzuholen gehabt. Auf Drohung mit einer Anzeige er­stattete Munter die 50 Mark zurück._ Ferner konstatierte ine Dortmunder Strafkammer in einenr Prozesse gegen einen Redakteur derArbeiter-Zeitung" wegen Belerdr- pung Münters, daß der Wahrheitsbeweis erbracht und Munter ein leichtfertiger, keineswegs völlig glaubwür- dioer Zeuge sei: der Anqeklaqte Redakteur wurde des­halb freiqesprochen. Dies wurde seinerzeit nicht als genügender Grund für die Wiederaufnahme betrachten Munter ist nicht lange nachher aus demTienst geschieden. Er bewarb sich dann um den Posten eines Bürger­meisters in Alt-Landsberg, stellte sich dort auch den Stadtverordneten vor. erhielt aber keine Stimme. In- irischen hat er eine Anstellung im Dienste der Gemeinde Schoneberg gefunden. Dort schwebt aber setzt ein Ver­fahren gegen ihn wegen Verleitung dreier Personen zu falschen Z e u o e n a u s s a g e n bezw. _ zu einer falschen eidesstattlichen Versicherung, ohne daß übrigens deshalb dw Suspension gegen ihn ausgesprochen ist.

Fesseln ledig, als er auch schon dem Emporkömmling Theodorus gegenüber Anspruch aus die ab eh mische Kaiser­würde erhob und sich z. B. 1866 in einem Brief an den Gouvernerrr von Aden als Inhaber derselben, alsNegus Regest", alsKönig der Könige", bezcichnete. Zwei Jahre später sahen sich die Engländer zu ihrem Feldzug gegen Theodorus gezwungen, der mit dessen Selbstmord bei der Erstürmung von. Magdala endete. Nach ihrem Abzug über­ließen die Engländer dem Prinzen Kasai, der vorher Gouverneur eines Teils von Tigre gewesen war und sic offen gegen seinen Herrn Theodorus unterstützt hatte, be­trächtliche Mengen von Kriegsmaterial und setzten ihn da­durch in den Stand, sich zum Kaiser zu machen; als solcher wurde er 1872 unter dem Nomen Johannes in Axum ge­krönt.

Schoa unter Menelik war indessen selbständig geblieben. Zwar hatte sich Menelik während der Jahre, da Kasai- Johmrnes seine Herrschaft in Nord- und Mittel-Abessinien befestigte, ruhig verhalten; als aber 1875 der ägyptische Khrdive einen Krieg mit Johannes zum Zweck der Ein­verleibung Abessiniens vom Zaun brach, schloß Menelik ein Bündnis mit den Ägyptern. Der .Krieg verlief für diese höchst unglücklich, und sie müßten sich nach zwei Schlachten, in denen ihre Heere vom Negus Johannes nahezu völlig anfgerieben worden waren, znm Friedensschluß bequemen. Menelik hatte siel, durch sein Bündnis arg bloßaestellt, zrr- mal das mohammedanische Ägypten jener Zeit jedem Abessinier in tiefster Seele verhaßt war. auch wahrend des Krieges den Versuch gemacht, sich in Gondar znm Kaiser krönen zu lassen, und Johannes beschloß daher, ihn zu be­strafen. Er rückte im Januar 1878 mit einem starken Hcec gegen die Grenzen Schoas vor, und Menelik hielt cs nun für geraten, Johannes den Frieden anznbieten. Es wur­den ihm aber so harte Bedingungen gestellt er sollte n. a. dem italienischen Bischof Mafsaja ar-sliefern. einen hoben jährlichen Tribut zahlen und mit einem Stein auf dem Racken Johannes um Verzeihung bitten, daß er es ans einen WatienaLna antonurnm ließ. Wenrllks ü«l wurde

88. Jahrgang.

Unter Beweis wird endlich auch gestellt, daß Essener Geschworenen seinerzeit geäußert lpaben:Auf das

Zeugnis Münters haben wir Geschworenen gar nichts gegeben."

Tie Wiederaufnahme des Prozesses wird sehr zur Beruhigung deS Rechtsbewußtseins beitragen. Tie neue Verhandlung wird aber kaum vor dem Oktober stattfinbeu können, da man von mehreren der Ange­klagten und Zeugen gar nicht weiß, wo sie sich aufhalte.^ und ein Teil ins Ausland ausgewandert ist.

NoLiLlschr Werstcht-

Nom KKSwartige« Ami.

A Berlin, 29. März.

Ob die Ausstellung amerikanischer Maschiiieu doch noch zustande kommt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Allem Anschein nach sind die Amerikaner! die letzten, die sich gleich einschüchterrr lassen und sich ohne weiteres damit zufrieden gcben daß der Staats­sekretär Telbrück in dem Stenogramm des Reichstags­berichts den Ausdruck daß er der Ausstellung kerne moralische Förderung zu teil werden lasse, gestrichen hat. Wäre die Ausstellung gut vorbereitet gewesen, so hätten die Amerikaner sie 'wohl trotzdem veranstaltet^ Wahr­scheinlich kommt sie nächstes Jahr zustande. Tie Sache hat noch ein eigentümliches Nachspiel gehabt. Die Amerikaner haben sich über die unfreundliche Haltung des Staatssekretärs beim Auswärtigen Amt be­schwert. Und da geschah das Unerhörte. Hten verleugnete man Herrn Delbrück und erklärte, daß man es sehr bedauern würde, ivenn die Ausstellung nicht zustande käme. Um der beiderseitigen Beziehum- gen willen würde man sich sehr freuen, wenn es ge­länge. die Hindernisse zu überwinden. In der amerika­nischen Presse ist diese Erklärung des Auswärtigen Amtes auch veröffentlicht worden. Die deutsche Presse aber hat bis jetzt erklärlicherweise keine Notiz davon genommen.

FspkschpttLttche Norr-Spüpt-; rrnd RaLrmial- !U'er°n!e ir» MrckrrndUpg.

Aus Mecklenburg wird uns geschrieben: Tie Ver- schmelzung der freisinnigen Parteien soll in Wecklen- burg auf Schwierigkeiten gestoßen oder sogar gescheitert sein. So liest man überall. Tie Behauptung gründet sich auf einen Beschluß, den der Vorstand des Liberalen Landesvereins für beide Mecklenburg gefaßt hat, sie bs- ruht aber auf einer unrichtigen Auslegung dieses Be­schlusses. Der Liberale Landesverein umfaßt Mitglie­der aller liberalen Parteien, auch der National­liberalen. Um Liese nicht zum Austritt zu drän­gen will der Vorstand dem Landesverein seinen neu­tralen, d. h. natürlich innerhalb des Liberalismus neutralen Charakter erhalten. Der Beschluß bericht

u i n ||n|t|iT| rrtl|1T|V< --^r-y-rT-Tr-. ^ e-rr »^"^

geschlagen, und er war erneut genötigt, Johannes um Frieden zu ditten. Me Bedingungen sielen diesmal etwas milder aus. so blieb Menelik jene persönliche Demütigung erspart; aber er mußte dem Kaiser huldigen und sich zum Verzicht ans den TitelNegus Nege-st" verpflichten. Schoa« Unabhängigkeit war also, dahin. Mein schon im folgenden Jahre hatte Johannes wieder Anlaß, gegen den undot- mäßi-gen Menelik cinzuschreiten. Zum Kampf kam es dies­mal nicht, Menelik lenkte ein rrnd erklärte, ans die Nachsicht des Kaisers bauend; sich dazu bereit, ihm, mit dem Stein beschwert, zn huldigen. Er erschien in der Tat mit «irrem schweren Block aus dem Nacken vor Johannes, der aber so­fort befahl, ihm den Stein abzunehmen, ihn in feine Armr schloß r:nd ihm seine eigene Krone aufs Haupt setzen ließ. Johannes durfte sich von da an einige Ja-hre hindurch als wirklicher Herr des ganzen, geeinien äthiopischen Reichs be­trachten.

Menelik war hinfort rrur benmht, seine Herrschaft nach Süden und Südosten Wer die benachbarten GaLalän>der auszudehnon, und zog sich in vielen schweren Kämpfen ein verläßliches, stets bereites Heer heran. 1887 eroberte er so­gar die große Handelsstadt Harar und ihr Gebiet, wobei er mit großer Grausamkeit vorging; so ließ er ganzen Scharen der Galla die Hände avhauen und die Haut vom Rücken ziehen. Menelik betrachtete sich damals noch als Vasall Johannes', sein ganzes Handeln war aber doch schon dar­auf gerichtet, dieses Joch bei passender Gelegenheit abzu­schütteln. Er war bestrebt, mit Italien, England und Frankreich gute Beziehungen zu pflegen, und suchte vor allem wenn auch vergeblich einen Zugang zum Meer zu gewinnen, um sich ungehindert mit Waffen für seine ehrgeizigen Plane versehen zu können, tim diese Zeit errt- stand am oberen Nil das Mahdireich, und drc Mahdisten wandten sich auch bald gegen den Kaiser Johannes. Der blieb zwar in diesen Kämpfen Sieger, siel aber gegen fi­rm Mürz 188.9 in der Schlacht bei Metemmeh. Menelik b« Schoa war sein Nachfolger als Kaiser von Aüessiirien.

Die neueste GeschrÄte WeLWteM. d. h. die GeMchh»